9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Es ist wie in "Mad Max"

07.11.2025. Christian-Zsolt Varga beschreibt in der FAZ, wie sich der Krieg für die Journalisten durch die Drohnen verändert -  sie müssen selbst damit rechnen, zum Ziel zu werden. Nun steht ein Revolutionär gegen einen Reaktionär: Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von The Atlantic, äußert sich nach der Wahl Zohran Mamdanis pessimistisch über die amerikanische Politik. Melanie Mühl beobachtet in der FAZ einen Auftritt Björn Höckes: Seine kältesten Sätze sagt er mit einem Lächeln. Susanne Schröter verteidigt in der Jüdischen Allgemeinen Ahmad Mansour.

KI kennt keine Emotionen

06.11.2025. Von Zohran Mamdani lernen, heißt siegen lernen, sind Zeit, SZ und taz überzeugt. Nur ein Häufchen New Yorker Juden fragt sich, ob sie jetzt noch beschützt werden. Die SZ überlegt, ob die Brandmauer vielleicht nur vor einer nervigen Wirklichkeit abschotten soll. Aber rechte Wähler lassen sich kaum zurückgewinnen, warnt der portugiesische Politikwissenschaftler Vicente Valentim in der Zeit. Russische Soldaten töten nicht nur Ukrainer, sondern auch ihre eigenen Leute, erzählt im Spiegel der Journalist Ivan Zhadajew. Die FAZ stellt das geplante Musée-mémorial du terrorisme vor, mit dem Frankreich den Terrorismus seit 1794 länderübergreifend beleuchten will.

Der Druck des radikalen Flügels

05.11.2025. "Herzlichen Glückwunsch an Zohran Mamdani", begrüßt das Editorial Board der New York Times den neuen Bürgermeister der Stadt, aber die Times macht auch darauf aufmerksam, dass es mit linken Bürgermeistern in amerikanischen Städten nicht immer gut lief. Deutsche Zeitungen fragen sich inzwischen, ob Mamdani nun der Anti-Trump ist. Es gibt gar keine Christenverfolgung in Nigeria, hat die taz herausgefunden. Der Sc-Fi-Autor Kim Stanley Robinson warnt in Zeit online davor, den Klimaschutz plötzlich nicht mehr so wichtig zu finden. In der Linkspartei wird es laut Tagesspiegel heftigen Ärger geben. Und im Perlentaucher startet Elke Schmitter eine neue Kolumne.

Ursachen bekämpfen, ohne die Demokratie zu verraten

04.11.2025. Die Brandmauer bröckelt, aber stärkt sie nicht ohnehin die AfD, fragen Philipp Manow im Stern und Jürgen Kaube in der FAZ. Darf Ahmad Mansour nach Antisemitismus bei muslimischen Schülern fragen, oder ist das nicht wissenschaftlich? Der Streit geht weiter. Streit dürfte es demnächst auch in der Linkspartei geben, wo die Jugendorganisation laut Welt einen strikt israelfeindlichen Kurs einschlägt, dem die Partei als ganze folgen soll. 

Religion als Machtmittel

03.11.2025. Herfried Münkler will unser Ruhebedürfnis ja nicht stören, aber er macht in der SZ doch darauf aufmerksam, dass die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden zerschlissen ist. Wer den Holocaust als singulär betrachtet, ist der eigentliche Leugner, fürchten Masha Gessen und Marianne Hirsch in der New York Times. Es ist für junge Frauen nicht mehr angesagt, sich mit ihrem Freund in sozialen Medien zu zeigen, informieren taz und Vogue. In der Welt warnt Ahmad Mansour vor ostentativen religiösen Praktiken an Schulen.

Die anderen sind alle ganz andere

01.11.2025. "Eine starke Klimapolitik schafft erst die Möglichkeit, in der Entwicklungspolitik voranzukommen", betont der Ökonom Ottmar Edenhofer im Zeit-Online-Interview als Reaktion auf einen Kommentar von Bill Gates zum Klimawandel. Die Massaker, die die RSF im Sudan begeht, kann man sogar aus dem All sehen, berichtet die taz. Die Demokratie braucht die Wirtschaft und die Wirtschaft braucht mehr Frauen, erklärt die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln im taz-Interview. Die FAS blickt auf die Freundschaft zwischen Alexandr Lukaschenko und Donald Trump, die allerdings von Putin gestört wird. 

Das eigentliche Nadelöhr

31.10.2025. In der NZZ spricht Juri Andruchowytsch über die Ukraine nach über drei Jahren Krieg. Hurra die Brandmauer steht wieder, zumindest in den Niederlanden, freuen sich die Zeitungen. Die "Gesellschaft für Freiheitsrechte" klagt für muslimische Gebete an Berliner Schulen, berichtet die hpd.de - das Problem mit dem Islamismus könne man ja mit pädagogischen Mitteln klären. Golem.de wirft einen sehr ernüchternden Blick auf China: Es hat uns überrundet, zumindest technologisch. taz und FAZ thematisieren Antisemitismus an den Uni. 

Linke der Möglichkeit

30.10.2025. In der FAZ plädiert der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, für eine Ausgestaltung des Sozialstaatsprinzips durch die Gerichte - und zur Not auch für Umverteilung. The Free Press zeichnet ein Porträt der Democratic Socialists of America, denen auch Zohran Mamdani angehört. In der Zeit erinnert Moshe Zimmermann an den Mord an Izchak Rabin vor dreißig Jahren, der den Osloer Friedensprozess beendete. Dennoch gibt es stille Erfolge im Nahen Osten, meint Yuval Harari in der SZ. Die taz überlegt, warum der Klimaschutz gerade so in der Defensive ist. Die unbequeme Antwort: Zu viel Ideologie.

Als wäre nichts gewesen

29.10.2025. Die islamistische RSF-Miliz hat die Stadt El Fasher im Sudan erobert und tausende Menschen getötet: Die taz hofft, dass der Rest der Welt nun endlich etwas unternimmt. Geld und Waffen für den Krieg im Sudan kommen vor allem aus arabischen Ländern, berichtet der Spiegel. Die FAZ fragt, wie das ZDF nicht merken konnte, dass einer seiner Mitarbeiter Mitglied der Hamas war. backstageclassical dokumentiert, wie Wolfram Weimer die Kultur "schwarz lackiert."  

Ein aufs Horizontale gebrachtes Humanum

28.10.2025. Von wegen "Stadtbild". Auch die extreme Rechte funktioniert über die Eroberung von Räumen, erklärt der Rechtsextremismusforscher Daniel Mullis in der FAZ. Die NZZ erzählt, wie Spanien mit Algorithmen und einem Überwachungssystem Gewalt gegen Frauen reduziert. Jungle World fragt, warum der 7. Oktober bei einer gewissen Linken eine solche Euphorie auslöste. Dank "Blaupause" können wir hoffen, keinem "Slop" aufgesessen zu sein.