9punkt - Die Debattenrundschau
Die Ferien sind heilig
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.09.2025. Russische Drohnen im polnischen Luftraum zeigen vor allem eins: Putin glaubt, den Westen ohne die USA nicht fürchten zu müssen, meint die SZ. Die Streichung von zwei Feiertagen war der Kardinalfehler der Regierung Bayrou, erklärt Pascal Bruckner in der Welt: Das galt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Michael Elgort wüsste gern, was der spanische Premierminister Pedro Sanchez gern mit Atomwaffen gegen Israel machen würde. Die Zeit bringt das Dilemma des Nahostkonflikts auf den Punkt: Die Zweistaatenlösung ist out, aber eine Alternative gibt es nicht. Die taz fragt, ob die NYT eigentlich überhaupt noch recherchiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
11.09.2025
finden Sie hier
Europa
Was bedeuten die russischen Drohnen im polnischen Luftraum? Nicolas Richter sieht diese in der SZ als Zeichen dafür, dass Wladimir Putin glaubt, den Westen nicht fürchten zu müssen: "Im Verhältnis zur Nato lotet er die Grenzen des Machbaren aus. Der Grund dafür liegt auch in Washington: Während der frühere US-Präsident Joe Biden versicherte, er werde 'jeden Zoll' des Nato-Gebiets verteidigen, hat dessen Nachfolger Donald Trump ein solches Bekenntnis relativiert. Ferner hat Trump für sein Treffen mit Putin jüngst in Alaska kein Zugeständnis herausgeholt; stattdessen terrorisiert Putin die Zivilisten in der Ukraine. Dem setzt Trump wenig entgegen, zuletzt hat er sogar den Kampf gegen russische Desinformation eingestellt. Putin dürfte aus alledem folgern, dass er die USA kaum noch fürchten muss." Trotzdem endet Richter damit, dass es nun maßgeblich auf Trump und die Reaktion der Nato ankomme.
Auch wenn es offenkundig ist, dass Russland mit der EU einen Cyberkrieg führt, bleibt es trotzdem wichtig, sich in diesem Konflikt an die Fakten zu halten, konstatiert Georg Häusler in der NZZ. So zum Beispiel im Fall des gestörten GPS-Signals von Ursula von der Leyens Flugzeug, welches von bulgarischer Seite zuerst als russischer Sabotageakt ein- und dann zu einer technischen Störung abgestuft wurde. "Alles wird zur Waffe. Die Grenze zwischen gegnerischer Desinformation und politisch zugespitzter Kommunikation löst sich auf. Mehr Sorgfalt in der Wortwahl und im Umgang mit Fakten im Alltag wäre eigentlich das erste Mittel, um im hybriden Krieg zu bestehen. (...) Der Russland-Verdacht nach dem GPS-Vorfall in Bulgarien hat der Glaubwürdigkeit [der EU-Staaten] geschadet - und dem Kreml genützt. Wer einmal zu viel 'Die Russen waren's!' schreit, wird nicht mehr gehört."
Es gibt immer noch zivilen Widerstand in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine, versichert der Politologe Yuriy Matsiyevsky im Interview mit der taz, trotz der russischen Repression. "Derzeit haben einige Gruppen ihre Aktivitäten reduziert, aber es sind neue Gruppen entstanden. Die Intensität des Widerstands bleibt somit stabil. Der digitale Widerstand hat sich sogar verstärkt: Die 'IT-Armee der Ukraine' und andere Cyber-Gruppen sind den russischen staatlichen Strukturen mittlerweile ebenbürtig." Was Deutschland angeht, wo er kürzlich ein Fellowship hatte, spürt er "noch immer einen starken russischen Einfluss, denn Russland wurde hier lange als Befreier und Handelspartner wahrgenommen. Die Ukraine muss deshalb nicht nur 'das Gleichgewicht wiederherstellen', sondern auch kontinuierlich deutschen Forschern und der Gesellschaft zeigen, dass die Unterstützung im Kampf gegen die russische Aggression nicht nur eine humanitäre Mission ist, sondern auch der Sicherheit Deutschlands und ganz Europas dient."
Im Welt-Interview mit Martina Meister klagt der Philosoph Pascal Bruckner über Frankreich, welches perspektivisch nicht zur Ruhe kommen wird. Das liegt laut Bruckner daran, dass die Franzosen am Ende nicht an einem guten Staat, sondern an Urlaub interessiert sind. "Die alte Linke hat die Idee von der Revolution nie aufgegeben. Sie ist im kollektiven Unbewussten tief verankert, genauso wie die Guillotine. (...) Unsere Erinnerung ist mit Bildern revolutionärer Momente überlaufen. Aber die Revolution liegt weit hinter uns. Der große französische Mythos ist in Wahrheit nicht die Revolution, sondern der Sommerurlaub. Wir haben das '68 erlebt: zwei Monate Demonstrationen und Streiks - und kaum gab's wieder Benzin, ab ans Meer! Die Ferien sind heilig. Der große Irrtum von Francois Bayrou war die Streichung von zwei Feiertagen. Wenn man den Kommentatoren im Radio und Fernsehen zugehört hat, klang das wie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."
Leider hat er keine Atombomben, sagt der spanische Premiermister Pedro Sanchez. Aber sonst setzt er alle Mittel gegen Israel ein, die er hat.
Auch wenn es offenkundig ist, dass Russland mit der EU einen Cyberkrieg führt, bleibt es trotzdem wichtig, sich in diesem Konflikt an die Fakten zu halten, konstatiert Georg Häusler in der NZZ. So zum Beispiel im Fall des gestörten GPS-Signals von Ursula von der Leyens Flugzeug, welches von bulgarischer Seite zuerst als russischer Sabotageakt ein- und dann zu einer technischen Störung abgestuft wurde. "Alles wird zur Waffe. Die Grenze zwischen gegnerischer Desinformation und politisch zugespitzter Kommunikation löst sich auf. Mehr Sorgfalt in der Wortwahl und im Umgang mit Fakten im Alltag wäre eigentlich das erste Mittel, um im hybriden Krieg zu bestehen. (...) Der Russland-Verdacht nach dem GPS-Vorfall in Bulgarien hat der Glaubwürdigkeit [der EU-Staaten] geschadet - und dem Kreml genützt. Wer einmal zu viel 'Die Russen waren's!' schreit, wird nicht mehr gehört."
Es gibt immer noch zivilen Widerstand in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine, versichert der Politologe Yuriy Matsiyevsky im Interview mit der taz, trotz der russischen Repression. "Derzeit haben einige Gruppen ihre Aktivitäten reduziert, aber es sind neue Gruppen entstanden. Die Intensität des Widerstands bleibt somit stabil. Der digitale Widerstand hat sich sogar verstärkt: Die 'IT-Armee der Ukraine' und andere Cyber-Gruppen sind den russischen staatlichen Strukturen mittlerweile ebenbürtig." Was Deutschland angeht, wo er kürzlich ein Fellowship hatte, spürt er "noch immer einen starken russischen Einfluss, denn Russland wurde hier lange als Befreier und Handelspartner wahrgenommen. Die Ukraine muss deshalb nicht nur 'das Gleichgewicht wiederherstellen', sondern auch kontinuierlich deutschen Forschern und der Gesellschaft zeigen, dass die Unterstützung im Kampf gegen die russische Aggression nicht nur eine humanitäre Mission ist, sondern auch der Sicherheit Deutschlands und ganz Europas dient."
Im Welt-Interview mit Martina Meister klagt der Philosoph Pascal Bruckner über Frankreich, welches perspektivisch nicht zur Ruhe kommen wird. Das liegt laut Bruckner daran, dass die Franzosen am Ende nicht an einem guten Staat, sondern an Urlaub interessiert sind. "Die alte Linke hat die Idee von der Revolution nie aufgegeben. Sie ist im kollektiven Unbewussten tief verankert, genauso wie die Guillotine. (...) Unsere Erinnerung ist mit Bildern revolutionärer Momente überlaufen. Aber die Revolution liegt weit hinter uns. Der große französische Mythos ist in Wahrheit nicht die Revolution, sondern der Sommerurlaub. Wir haben das '68 erlebt: zwei Monate Demonstrationen und Streiks - und kaum gab's wieder Benzin, ab ans Meer! Die Ferien sind heilig. Der große Irrtum von Francois Bayrou war die Streichung von zwei Feiertagen. Wenn man den Kommentatoren im Radio und Fernsehen zugehört hat, klang das wie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."
Leider hat er keine Atombomben, sagt der spanische Premiermister Pedro Sanchez. Aber sonst setzt er alle Mittel gegen Israel ein, die er hat.
I am sorry, Spanish PM said what?
- Michael Elgort (@just_whatever) September 10, 2025
When announcing various measures against Israel the Spanish PM @sanchezcastejon expressed regret that Spain doesn't have nuclear weapons to stop Israel
What would have he done, if Spain had them? Used against Israel? Crazy
The clip with subs👇🏼 pic.twitter.com/8YXxAQI3X5
Politik
In der Zeit fragt sich Jörg Lau, was die Anerkennung eines nicht existierenden Staates Palästina durch Briten und Franzosen eigentlich bringen soll? Sie erinnert einen immerhin daran, wie paradox die Situation in Nahost ist: Über die "evident erscheinende Idee von 'zwei Staaten für zwei Völker' scheint die Zeit hinweggegangen zu sein - ohne dass eine überzeugende Alternative aufgetaucht wäre. Mehrere Wellen palästinensischen Terrors und eine aggressive israelische Siedlungspolitik haben dazu beigetragen. Alle Versuche beider Seiten des Konflikts, die Zweistaatenlösung zu umgehen, die Teilung zu vermeiden und das gesamte Territorium zu kontrollieren, sind fehlgeschlagen. Die Palästinenser können Israel durch Terror nicht besiegen. Ein Palästina 'vom Fluss bis zum Meer' ohne Juden wird es nicht geben. Auf der anderen Seite steht das israelische Dilemma: Gaza und das Westjordanland vollständig zu besetzen oder gar zu annektieren, würde die Selbstaufgabe als jüdischer und demokratischer Staat bedeuten. Israel müsste dann entweder der arabischen Bevölkerungsmehrheit gleiche Rechte als Bürger gewähren - wäre aber kein mehrheitlich jüdischer Staat mehr. Oder wenn es den arabischen Bürgern in einem Großisrael diese Rechte verwehrte, wäre es keine Demokratie mehr."
Die Proteste gegen die Regierung in Nepal, die sich an der angekündigten Sperrung aller Social Media Kanäle entzündet hatten, gehen nicht nur von der Gen Z aus, erklären Christiane Brosius und Axel Michaels in der FAZ: "In einem Onlinevideo äußert auch eine junge Journalistin Kritik daran, dass viele Medien die Proteste auf die Angst der Jugendlichen reduzieren, den Zugang zu sozialen Netzwerken zu verlieren. Es habe reichlich wenig mit dem Verhalten von Nerds zu tun, denen die Spielwiese zugebaut werde. Vielmehr breche sich hier die tiefe Frustration und Verzweiflung einer jungen Generation Bahn, die mit den Versprechen auf eine bessere Zukunft erwachsen wurde. Tatsächlich hat sich fast zwanzig Jahre nach dem zehnjährigen Bürgerkrieg nicht viel für die junge Generation geändert: Es gibt noch immer die politische Machtelite weitgehend alter Männer, die nicht bereit ist, ihre Macht mit der jüngeren Generation zu teilen. Der am 9. September zurückgetretene Premierminister KP Sharma Oli war zum vierten Mal an der Macht, sein Vorgänger Sher Bahadur Deuba war fünfmal im Amt, und der Maoistenführer Pushpa Kamal Dahal zweimal. Die verkrusteten Strukturen im Beamtenapparat festigen ein System, das auf Nepotismus, Korruption, dem Missbrauch der Steuergelder und dem guten Willen eben auch dieser jungen Menschen beruht."
Die Proteste gegen die Regierung in Nepal, die sich an der angekündigten Sperrung aller Social Media Kanäle entzündet hatten, gehen nicht nur von der Gen Z aus, erklären Christiane Brosius und Axel Michaels in der FAZ: "In einem Onlinevideo äußert auch eine junge Journalistin Kritik daran, dass viele Medien die Proteste auf die Angst der Jugendlichen reduzieren, den Zugang zu sozialen Netzwerken zu verlieren. Es habe reichlich wenig mit dem Verhalten von Nerds zu tun, denen die Spielwiese zugebaut werde. Vielmehr breche sich hier die tiefe Frustration und Verzweiflung einer jungen Generation Bahn, die mit den Versprechen auf eine bessere Zukunft erwachsen wurde. Tatsächlich hat sich fast zwanzig Jahre nach dem zehnjährigen Bürgerkrieg nicht viel für die junge Generation geändert: Es gibt noch immer die politische Machtelite weitgehend alter Männer, die nicht bereit ist, ihre Macht mit der jüngeren Generation zu teilen. Der am 9. September zurückgetretene Premierminister KP Sharma Oli war zum vierten Mal an der Macht, sein Vorgänger Sher Bahadur Deuba war fünfmal im Amt, und der Maoistenführer Pushpa Kamal Dahal zweimal. Die verkrusteten Strukturen im Beamtenapparat festigen ein System, das auf Nepotismus, Korruption, dem Missbrauch der Steuergelder und dem guten Willen eben auch dieser jungen Menschen beruht."
Ideen
Auch in Indonesien und Serbien gehen zur Zeit große Teile der Bevölkerung gegen ihre autoritären Regierungen auf die Straße. Diese Protestbewegungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht zentral, sondern dezentral und eher laschere Strukturen aufweisen, so die Protestforscherin Donatella Della Porta im Zeit-Online-Interview mit Tobias Bachmann. Ähnliches lässt sich auch bei der neuen französischen Protestbewegung "Bloquons tout" erkennen. "Tatsächlich sind solche Organisationsstrukturen relativ neu. Und sie bieten eine ganze Reihe strategischer Vorteile: Von außen ist es schwieriger, Führungsstrukturen zu erkennen. Außerdem sorgen horizontale Strukturen dafür, dass sich Menschen innerhalb der Protestbewegung auf Augenhöhe begegnen - niemand mag es, herumkommandiert zu werden. So können Bewegungen innovativ bleiben und schnell wachsen, auch aus den Städten hinaus in ländliche Gebiete."
Geschichte
In der Zeit warnt der Historiker Andreas Eckert vor einem Backlash für die Aufarbeitung des Kolonialismus. Vielleicht haben es die Kolonialismusforscher in den letzten Jahren ein bisschen übertrieben mit "überbordender Moralität" und auch die "fast zwanghafte" Konkurrenz mit dem Holocaust fand Eckert nicht hilfreich, aber das sei kein Grund, "kolonialkritische Positionen insgesamt zu desavouieren", meint er mit Blick auf Mathias Brodkorbs Buch "Postkoloniale Mythen": "Ein Rat des 2002 verstorbenen Soziologen Pierre Bourdieu könnte helfen: Man müsse sich bemühen zu verstehen, 'woran es gelegen hat, dass auch die Klarsichtigsten und Wohlmeinendsten [...] manches nicht verstehen konnten, was heute auch für die weniger Klarsichtigen und bisweilen sogar für die Böswilligsten evident ist'. Dieser Frage nachzugehen, würde vor manch überzogenem Urteil schützen - etwa im Streit über den Rassismus der Aufklärung. Häufiger zu beobachten ist gegenwärtig eine andere Tendenz: der Versuch, ein vermeintlich differenziertes Bild zu zeichnen durch eine Art historische Bilanzierung, die den 'schlechten Seiten' des Kolonialismus 'gute Seiten' entgegensetzt und darauf verweist, dass die Kolonisierten zum Teil auch selbst schlimme Finger gewesen seien."
Medien
Verbreitet die New York Times Verschwörungstheorien, besonders wenn es gegen Israel geht? In einem Fall wohl ja, hat Ali Sadrzadeh für die taz herausgefunden. Es geht um den israelisch-iranischen Zwölftagekrieg im Juni. Die New-York-Times-Redakteurin Farnaz Fassihi hatte behauptet, dass beim israelischen Schlag gegen das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran nicht nur Verwaltungstrakte getroffen wurden, sondern auch ein Trakt mit hundert Transgenderpersonen, die alle verschwunden seien - man müsse annehmen, sie seien tot. Niemand sonst hat die Meldung gebracht, aber inzwischen beziehen sich antiisraelische Aktivisten und die Wikipedia auf sie. Die taz-Redaktionhat bei der Times nachgefragt und nur die trockene Antwort bekommen: "Hallo, wir haben dem, was wir in dem Artikel berichtet haben, nichts weiter hinzuzufügen. Danke." Die Times gibt den iranischen Rechtsanwalt Reza Shafakhah als Quelle an, der das Gefängnis gut kennt. Sadrzadeh: "Als ich Rechtsanwalt Shafakhah, die einzig genannte Quelle des New-York-Times-Artikels, im Gespräch direkt danach fragte, war er außer sich. Er bestreitet vehement, je so etwas gesagt zu haben. Auch Kollegen der BBC hätten ihn deswegen schon angerufen. 'Ich habe weder von vermissten Transgender gesprochen noch von einem zerstörten Trakt, weder eine Zahl genannt noch weiß ich überhaupt, wie viele Transgender in iranischen Gefängnissen einsitzen.'"
Urheberrecht
Die KI-Firma Anthropic, einer der großen Herausforderer von ChatGPT, soll bald 500.000 Autoren, deren Bücher illegal als Trainingsdaten für Anthropics Claude benutzt wurden, jeweils 3.000 Euro zahlen, schreibt Andrian Kreye in der SZ. Genutzt wurden jedoch sieben Millionen Bücher: "Und so relativiert sich die Meldung von der Rekordsumme auch rasch. Bei 3000 Dollar pro Werk liegt die Summe deutlich im unteren Bereich des möglichen Schadenersatzes. Dazu kommt, dass nur 500 000 Rechteinhaber der insgesamt sieben Millionen Bücher in den Datenbanken der Firma entschädigt werden. Vor allem aber wären die jetzt genannten Summen kein Ergebnis eines Urteils, sondern eben einer außergerichtlichen Einigung. Ein Präzedenzurteil hätte da eine ganz andere Wirkung." Zumindest ist sich der zuständige Richter noch nicht sicher, ob er diese Einigung so akzeptieren wird.
Digitalisierung
KI wird inzwischen massenhaft in Lehre und Bildung benutzt - dagegen richtet sich jetzt ein Aufruf von Wissenschaftlern, die selbst Experten für KI sind, berichtet Piotr Heller in der FAZ. "Forscher der Universität Tübingen haben jüngst beklagt, dass mindestens jede siebte Studie aus der Biomedizin heimlich mit KI geschrieben worden sei. Redakteure wissenschaftlicher Magazine stöhnen über eine Flut KI-generierter Studien. Wissenschaftler berichten, dass ihre Arbeiten teilweise nicht mehr von Menschen, sondern von Sprachmodellen bewertet werden. Die Philosophin Judith Simon, Mitglied des Deutschen Ethikrats, warnte in der FAZ vor einem 'vollständigen Zyklus der Sinnlosigkeit', bei dem wissenschaftliche Texte massenhaft automatisch erzeugt und nur noch von Maschinen bewertet würden. Das Positionspapier nimmt eine technikskeptische Haltung ein. 'Wir haben bemerkt, dass die Technologie stark in den Schulunterricht und die wissenschaftliche Lehre drängt, ohne dass darüber nachgedacht wird: Was sollen wir eigentlich vermitteln?', sagt Barbara Müller, eine der Autorinnen."
Im Interview mit der Zeit ist der Informatik-Pionier Tim Berners-Lee überzeugt, dass sich "das Web als demokratischer Raum" von den Tech-Giganten zurückerobern lässt. Die Technikangst vieler deutscher Journalisten ist ihm fremd, vielleicht, weil er sich besser auskennt? Zuletzt hat er mit Kollegen ein Protokoll namens Solid entwickelt, mit dessen Hilfe jeder Nutzer Kontrolle über seine Daten hat, "von Finanztransaktionen über Gesundheitsdaten bis hin zu Social-Media-Inhalten. Und der Clou: Der Nutzer entscheidet, wer Zugriff darauf bekommt. Gefällt ihm nicht, was eine Plattform oder Website mit seinen Daten macht, kann er einfach gehen und seine Daten mitnehmen. Noch stehen wir am Anfang, aber man kann es schon heute benutzen." Auch KI will er nicht verteufeln, sondern eingemeinden: "Manche schlagen vor, ein Zentrum wie das Cern zu schaffen, einen Ort, an dem solche mächtigen Technologien unter Kontrolle stehen. Genau darum geht es: den schmalen Grat zu finden, auf dem wir die Früchte der Technologie ernten, ohne ihr zum Opfer zu fallen."
Im Interview mit der Zeit ist der Informatik-Pionier Tim Berners-Lee überzeugt, dass sich "das Web als demokratischer Raum" von den Tech-Giganten zurückerobern lässt. Die Technikangst vieler deutscher Journalisten ist ihm fremd, vielleicht, weil er sich besser auskennt? Zuletzt hat er mit Kollegen ein Protokoll namens Solid entwickelt, mit dessen Hilfe jeder Nutzer Kontrolle über seine Daten hat, "von Finanztransaktionen über Gesundheitsdaten bis hin zu Social-Media-Inhalten. Und der Clou: Der Nutzer entscheidet, wer Zugriff darauf bekommt. Gefällt ihm nicht, was eine Plattform oder Website mit seinen Daten macht, kann er einfach gehen und seine Daten mitnehmen. Noch stehen wir am Anfang, aber man kann es schon heute benutzen." Auch KI will er nicht verteufeln, sondern eingemeinden: "Manche schlagen vor, ein Zentrum wie das Cern zu schaffen, einen Ort, an dem solche mächtigen Technologien unter Kontrolle stehen. Genau darum geht es: den schmalen Grat zu finden, auf dem wir die Früchte der Technologie ernten, ohne ihr zum Opfer zu fallen."
3 Kommentare