9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Urheberrecht

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2017 - Urheberrecht

Museen sollten Bilddateien ihrer Bestände möglichst gemeinfrei und in guter Qualität ins Netz stellen - sonst verhindern sie die Auseinandersetzung mit den Werken, meint Kathrin Passig bei irights.info. Einen der schwerwiegendsten Gründe gegen restriktive Handhabung der Rechte nennt sie auch: "Bei einer Tagung in der Schweiz berichtete mir ein deutscher Kunsthistoriker vor ein paar Jahren, dass er seine Forschungsschwerpunkte um hundert Jahre nach hinten verschoben hat - aus Urheberrechtsgründen. Man kommt einfach viel leichter an das Material heran und kann besser damit arbeiten. Ein Bericht der College Art Association, einem Verband von US-Kunsthistorikern, zeigt, dass das kein Einzelfall ist. Im Sinne der Institutionen kann es aber nicht sein, wenn Leute nicht mit ihrem Material arbeiten, sondern sich halt ein anderes Thema suchen."
Stichwörter: Bildrechte, Museen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2017 - Urheberrecht

Christian Rath informiert in der taz über den Stand der Diskussionen beim geplanten Gesetz über das Urheberrecht in der Wissensgesellschaft (UrhWissG). Streitpunkt ist die Frage, wie große Teile eines wissenschaftlichen Werks in Semesterapparaten digital zur Verfügung gestellt und wie die Rechteinhaber dafür entschädigt werden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2017 - Urheberrecht

Die bervorstehende Mitgliederversammlung der VG Wort wird mit Spannung erwartet. Martin Vogel, der das berühmt-berüchtigte Urteil gegen die bisherige Verteilungspraxis erstritten hat, hat sich bereits vor ein paar Tagen im Perlentaucher zu Wort gemeldet. Mehr dazu auch bei der VG Info.

Wolfgang Michal erzählt in seinem Blog die sehr interessante Vor- und Frühgeschichte der VG Wort - die zunächst auf eine Initiative von Autoren (die "Gesellschaft zur Verwertung literarischer Urheberrechte", abgekürzt GELU) zurückging, bis sich die Verleger mit aller Macht hineindrängten: "Der 'Krieg' gegen die neue Verwertungsgesellschaft der Autoren hatte schließlich Erfolg. Unter dem Druck der Angriffe und der geringen Einnahmen der Gesellschaft zerbrach die Solidarität der Schriftsteller. Als im Herbst 1957 auch noch Gerüchte über hohe Schulden und unlauteres Geschäftsgebaren die Runde machten, war es so weit: Auf Initiative des S. Fischer Verlags trafen sich im November 1957 einige Autoren und Verleger in Frankfurt, um an der strauchelnden GELU vorbei die 'Arbeitsgemeinschaft literarischer Autoren und Verleger' aus der Taufe zu heben. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand wenige Monate später - mit finanzieller Unterstützung des Börsenvereins - die VG Wort."
Stichwörter: VG Wort

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2017 - Urheberrecht

Der Germanist Roland Reuß und der Jurist Volker Rieble kritisieren in der FAZ mit gewohnter Verägerung die Novelle des Wissenschaftsurheberrechts, nach der Bildungseinrichtungen Werke auch ohne Einwilligung des Autors digitalisieren dürfen: "Die nun ins Parlament gegebene Digitalisierungsbefugnis erlaubt es, dem Autor ein Medium zu oktroyieren, das er selbst nicht gewählt hat. Wer digital publizieren will, mag das tun. Wer sich aber für den analogen Weg entschieden hat, dem wird hier, Autorenrecht hin, Grundgesetz her und der UN-Charta spottend, ein zentraler Punkt seiner Rechte einkassiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2017 - Urheberrecht

Ohne jede kritische Distanz porträtiert An­na von Münch­hau­sen für die Zeit die Bildrechtehändlerin Har­riet Bridge­man, die Museen Rechte an Werken abkauft, die dann nur mehr gegen Geld zirkulieren - auch gemeinfreie Werke von Künstlern wie Gustav Klimt und Edvad Munch. Museumsbesuchern möchte sie das Fotografieren am liebsten grundsätzlich verbieten und die Abbildung von gemeinfreien Werken aus den Museen wird zum Risiko: "Und so durch­pflü­gen Bridgem­ans Mit­ar­bei­ter Ma­ga­zi­ne, Web­sites und Blogs, um Ver­stö­ße ge­gen Li­zenz­rech­te auf­zu­spü­ren und die Schul­di­gen ab­zu­mah­nen. 'Wir ver­su­chen, die In­ter­es­sen der Mu­se­en und der Künst­ler zu schüt­zen', sagt Bridge­man. Sie ist Mit­glied des Bri­tish Co­py­right Coun­cil, ei­nes Ver­ban­des zum Schutz des geis­ti­gen Eigen­tums, und sie glaubt, dass die Rech­t­epi­ra­te­rie auch von Goog­le und Wi­ki­pe­dia be­för­dert wird. Schon dre­hen sich die ers­ten Pro­zes­se um die Fra­ge: Ge­hört be­straft, wer Bild­da­tei­en von Web­sei­ten ei­nes Mu­se­ums her­un­ter­lädt und wei­ter­ver­wen­det?"
Stichwörter: Bildrechte, Urheberrecht

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2017 - Urheberrecht

Im Europaparlament beginnt nun die Beratung über die geplanten Urheberrechtsreformen, die auch das von Zeitungen gewünschte europäische Leistungschutzrecht einschließen. Es wird schön chaotisch werden, meint Leonhard Dobusch bei Netzpolitik: "Die Abgeordneten sind alles andere als zufrieden mit dem Vorschlag der Kommission. Neben Streichungen finden sich unter den Änderungsanträgen Dutzende Vorschläge für völlig neue Bestimmungen. Gleich mehrere Abgeordnete haben beispielsweise Ideen für eine Legalisierung nutzer-generierter Inhalte wie Meme." Netzpolitik stellt auch eine Petition vor, die in diesem Zusammenhang  "Mehr Freiheiten für Lehrende" fordert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2017 - Urheberrecht





Seit dem 6. April stellen die Münchner Pinakotheken ihre Bilder ins Netz. Allerdings müssen die Künstler doppelt tot sein, nämlich erstens tot und zweitens seit mindestens siebzig Jahre lang tot, sonst wird es für das Museum zu teuer und man darf nur einen Stellvertreter sehen, berichtet Anke Gröner auf ihrem Blog. Schuld daran ist, dass man im Internet, etwa bei der VG Bildkunst, jahreweise für Rechte bezahlen soll, während man im Print nur einmal bezahlt. "Antje Lange, die für die Online-Kommunikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verantwortlich ist, erklärte mir auf Anfrage, wie diese Rechte die Vermittlungsarbeit von Museen erschweren. Ein Beispiel: Auf den Seiten der Pinakotheken kann man durch die Alte, die Neue und die der Moderne online von Saal zu Saal bummeln - eine Funktion, die ich sehr gerne mag." Nur bei der Moderne geht das allenfalls lückenhaft!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2017 - Urheberrecht

Wenn die Abgeordneten des EU-Parlaments nicht einschreiten, wird die Europäische Kommission eine EU-Richtlinie zum Urheberrecht durchsetzen, die drastischer Vorzensur gleichkommt, schreibt Joe McNamee von der der NGO European Digital Rights bei Netzpolitik: "Um Internet-Firmen zu ermutigen, Inhalte so gründlich wie möglich zu überwachen und zu löschen, wird ... vorgeschlagen, die Provider-Haftung für hochgeladene Inhalte zu verschärfen. Bemerkenswerterweise gehen die vorgeschlagenen Maßnahmen für das Urheberrecht weit über das hinaus, was die EU gegen terroristische Online-Inhalte vorgeschlagen hat. Im Rahmen der neuen Anti-Terror-Richtlinie hielt es die EU nicht für notwendig oder verhältnismäßig, verpflichtende Upload-Filter, neue Überwachungs-Pflichten oder eine verschärfte Provider-Haftung vorzuschlagen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2017 - Urheberrecht

Weitgehend zustimmend resümiert Thomas Thiel in der FAZ den "Appell für die Publikationsfreiheit", der gegen von der Bundesregierung geplante Lockerungen im Urheberrecht bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen plädiert und auch vom Börsenverein unterstützt wird - getragen wird der Appell unter anderem von kleineren und mittleren Verlagen in diesem Feld: "Ist der Markt .. erst einmal von kleinen und mittleren Verlagen 'gereinigt', die nicht die Ressourcen haben, magere Jahre zu überstehen, wird er unter den Verbliebenen neu aufgeteilt. Absehbar werden dies - neben dem Staat - genau jene wenigen Großverlage sein, gegen die der Reformentwurf eigentlich gerichtet ist." Auch "Open Acces", so Thiel weiter, sei nur eine Strategie, die den Großverlagen nutze. Ob ihnen das geltende Urheberrecht nicht noch mehr nutzt, fragt Thiel nicht. einige nützliche Hintergründe zum "Appell für die Publikationsfreiheit" finden sich bei irights.info.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2017 - Urheberrecht

Ingo Dachwitz verweist in Netzpolitik auf zwei Papiere gegen das EU-Vorhaben eines Leitungsschutzrechtes für Presseverlage. In einem achtseitigen offenen Brief (PDF) wandten sich Forscherinnen aus ganz Europa direkt an das Europäische Parlament und die EU-Kommission. Darin heißt es: "Mit Artikel 11 soll ein zusätzliches Exklusivrecht für Presseverlage geschaffen werden, obwohl Presseverlage bereits Exklusivrechte von Autoren per Vertrag erwerben. Dieses zusätzliche Recht wird die Nachrichtenverbreitung stören, die Online-Lizenzierung behindern und sich negativ auf Autoren auswirken." Die Forscher werfen der Kommission außerdem vor, "empirische Beweise ignoriert" zu haben. "Konsultationen wurden irreführend zusammengefasst und legitime Kritik wurde als Anti-Urheberrecht gekennzeichnet."
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