9punkt - Die Debattenrundschau
Eine nächste Chance wird es nicht geben
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.11.2024. Das Jahr 1933 unserer Zeit ist angebrochen, ruft in der taz der Soziologe Harald Welzer, und wenn man nichts dagegen tut, werden die Menschenfeinde siegen. Die "Kulturkämpfer hinter Donald Trump" finden mächtige Worte für ihre geplante Revolution, notiert indes die FAS, dahinter verbirgt sich allerdings nicht viel. Die taz empfiehlt der postkolonialen Linken einen "Blick in den Rückspiegel" - auch wichtige Vorbilder wie Michel Foucault verharmlosten Terror. Im rechtsextremen rumänischen Präsidentschaftskandidaten Calin Georgescu kristallisieren sich jahrelange Frustration und Rachegelüste der Wähler, fürchtet der Perlentaucher.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
30.11.2024
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Politik
Mit Trumps Wiederwahl und dem Aufstieg des Populismus in Deutschland ist das Jahr 1933 unserer Zeit angebrochen, ruft der Soziologe Harald Welzer in der taz. Viel erinnert an die Machtergreifung der Nazis - dabei darf man nicht tatenlos zusehen, sonst wiederholt sich die Geschichte, warnt er. Im "mächtigsten Land der Erde passiert eine autoritäre Revolution. Und wenn Deutschland in dieser historischen Situation keine geschichtsbewusste, verantwortungsbereite Regierung bekommt, wird das im Selbstgespräch vertiefte, klamaukhafte und letztlich orientierungslose 'Politische Berlin' die Abschaffung der offenen Gesellschaft weiter befördern." Es gelte "ähnlich wie mit 'Unteilbar', dem Bündnis aus NGOs, Gewerkschaften und Initiativen von 2018, alle zu versammeln, die gegenwärtig in den unterschiedlichen Sektionen des zivilgesellschaftlichen Normalbetriebs vor sich hin agieren - von der Letzten Generation bis zu den Landfrauen. Für 'eine kraftvolle, lebendige Reaktion gegen das Ungeheuerliche', nämlich den Sieg der Menschenfeinde. Eine nächste Chance wird es nicht geben."
Die Vasallen Donald Trumps suggieren mit großen Worten den Beginn eines neuen Zeitalters - für ihre Ideen finden Sie unterschiedliche Schlagworte, wie Mark Siemons in der FAS aufschlüsselt. Elon Musk sprach beispielsweise von "The Machine" und definiert diese als "einen extrem reglementierten und schnellen Konsensbildungsprozess aus dem Ideen, Debatten und freie Rede von vornherein ausgeschlossen sind". Der Blogger Curtis Yarvin prägte hingegen den Begriff der "Kathedrale", als "überwölbendes Glaubenssystem im Zentrum der modernen Gesellschaft", erklärt Siemons. Blickt man aber genau hin, wird klar, dass hinter den Begriffen vor allem viel heiße Luft steckt. Auch widersprechen sich Trumps Kulturkämpfer in ihren ideologischen Ansichten, wie Siemons darlegt: "Was genau aber soll nun die Wahrheit hinter der Kathedrale/Maschine/Uniparty sein, und was soll an deren Stelle treten? Die Frage weist auf eine gewaltige Leerstelle im Trump-Kosmos hin. Denn die radikale Rhetorik, die den einzelnen intellektuellen Paten seines Erfolgs gemeinsam ist, verdeckt, wie unterschiedlich, ja gegensätzlich deren ideologische Positionen in Wirklichkeit sind. Was sie zusammenhält, ist nur, dass sie mit der Vergangenheit brechen wollen, und zwar, indem sie möglichst viele Staatsangestellte, die für diese Vergangenheit stehen, entlassen."
Der israelische Autor und Psychologe Michael Tobin hofft in der NZZ, dass der 7. Oktober zu einem "Mittel für die nationale Erneuerung und den Beginn eines realistischen Prozesses in Richtung Frieden" wird: Der "Schmerz hört nicht auf. Die Verluste dauern an. Die Geiseln führen ein unvorstellbares Dasein. Dennoch, zum ersten Mal, so weit ich und die meisten Israeli zurückdenken können, scheint ein Ende in Sicht zu sein, zumindest eines, von dem wir uns eine Vorstellung machen können. "Wir befinden uns "hier am 421. Tag des Krieges, und ein unvollkommener Sieg scheint in Sicht. Die Hamas als Kampfeinheit ist vernichtet. Sinwar, Deif, Nasrallah und so viele andere wurden ins Paradies befördert. Der Hizbullah wurde geschwächt, und Iran scheint deutlich weniger bedrohlich." Der Schrecken des 7. Oktober habe Israel gezeigt, dass es nicht unverwundbar ist - eine wichtige Lehre, so Toben: "Der Mythos des andauernden Status quo löste sich in dem Moment auf, als Barbaren die Tore stürmten und wehrlose Israeli massakrierten. ... Unser eigener Hochmut wurde am 7. Oktober tödlich verletzt. So schmerzhaft es auch ist, das zu sagen, er war unsere Krankheit und unser potenzieller Untergang."
Wenn das iranische Regime es will, kann es in kurzer Zeit Atombomben entwickeln - das Material dazu ist da, warnt im taz-Interview der israelische Diplomat Nadav Eshcar. Er hofft auf eine friedliche Lösung, betont aber, dass Israel eine Fertigstellung der Bombe in jedem Fall verhindern wird: "Das Hauptproblem für eine diplomatische Lösung ist die Entschlossenheit des Iran, seine nuklear-militärischen Fantasien weiter in die Tat umzusetzen. Man muss sie so stark unter Druck setzen, dass sie verstehen, dass es für sie das Beste ist, ihren Plan aufzugeben. Wir erklären der internationalen Gemeinschaft immer wieder, dass der Iran eine Bedrohung für die globale Sicherheit ist und dieses Problem gelöst werden muss. Wenn das nicht gelingt, kann das die ganze internationale Gemeinschaft auf schreckliche Weise verändern."
Die Vasallen Donald Trumps suggieren mit großen Worten den Beginn eines neuen Zeitalters - für ihre Ideen finden Sie unterschiedliche Schlagworte, wie Mark Siemons in der FAS aufschlüsselt. Elon Musk sprach beispielsweise von "The Machine" und definiert diese als "einen extrem reglementierten und schnellen Konsensbildungsprozess aus dem Ideen, Debatten und freie Rede von vornherein ausgeschlossen sind". Der Blogger Curtis Yarvin prägte hingegen den Begriff der "Kathedrale", als "überwölbendes Glaubenssystem im Zentrum der modernen Gesellschaft", erklärt Siemons. Blickt man aber genau hin, wird klar, dass hinter den Begriffen vor allem viel heiße Luft steckt. Auch widersprechen sich Trumps Kulturkämpfer in ihren ideologischen Ansichten, wie Siemons darlegt: "Was genau aber soll nun die Wahrheit hinter der Kathedrale/Maschine/Uniparty sein, und was soll an deren Stelle treten? Die Frage weist auf eine gewaltige Leerstelle im Trump-Kosmos hin. Denn die radikale Rhetorik, die den einzelnen intellektuellen Paten seines Erfolgs gemeinsam ist, verdeckt, wie unterschiedlich, ja gegensätzlich deren ideologische Positionen in Wirklichkeit sind. Was sie zusammenhält, ist nur, dass sie mit der Vergangenheit brechen wollen, und zwar, indem sie möglichst viele Staatsangestellte, die für diese Vergangenheit stehen, entlassen."
Der israelische Autor und Psychologe Michael Tobin hofft in der NZZ, dass der 7. Oktober zu einem "Mittel für die nationale Erneuerung und den Beginn eines realistischen Prozesses in Richtung Frieden" wird: Der "Schmerz hört nicht auf. Die Verluste dauern an. Die Geiseln führen ein unvorstellbares Dasein. Dennoch, zum ersten Mal, so weit ich und die meisten Israeli zurückdenken können, scheint ein Ende in Sicht zu sein, zumindest eines, von dem wir uns eine Vorstellung machen können. "Wir befinden uns "hier am 421. Tag des Krieges, und ein unvollkommener Sieg scheint in Sicht. Die Hamas als Kampfeinheit ist vernichtet. Sinwar, Deif, Nasrallah und so viele andere wurden ins Paradies befördert. Der Hizbullah wurde geschwächt, und Iran scheint deutlich weniger bedrohlich." Der Schrecken des 7. Oktober habe Israel gezeigt, dass es nicht unverwundbar ist - eine wichtige Lehre, so Toben: "Der Mythos des andauernden Status quo löste sich in dem Moment auf, als Barbaren die Tore stürmten und wehrlose Israeli massakrierten. ... Unser eigener Hochmut wurde am 7. Oktober tödlich verletzt. So schmerzhaft es auch ist, das zu sagen, er war unsere Krankheit und unser potenzieller Untergang."
Wenn das iranische Regime es will, kann es in kurzer Zeit Atombomben entwickeln - das Material dazu ist da, warnt im taz-Interview der israelische Diplomat Nadav Eshcar. Er hofft auf eine friedliche Lösung, betont aber, dass Israel eine Fertigstellung der Bombe in jedem Fall verhindern wird: "Das Hauptproblem für eine diplomatische Lösung ist die Entschlossenheit des Iran, seine nuklear-militärischen Fantasien weiter in die Tat umzusetzen. Man muss sie so stark unter Druck setzen, dass sie verstehen, dass es für sie das Beste ist, ihren Plan aufzugeben. Wir erklären der internationalen Gemeinschaft immer wieder, dass der Iran eine Bedrohung für die globale Sicherheit ist und dieses Problem gelöst werden muss. Wenn das nicht gelingt, kann das die ganze internationale Gemeinschaft auf schreckliche Weise verändern."
Gesellschaft
Die Universität Leipzig hat einen Vortrag des israelischen Wissenschaftlers Benny Morris nach Studierenden-Protesten abgesagt. Jungle World druckt das Statement der Uni ab, die Thomas von der Osten-Sacken als "derart erbärmlich" qualifiziert, "dass man sich einen Kommentar ersparen kann". Hier ein Auszug aus der Erklärung: "Unsere Einladung an Prof. Morris war motiviert durch den Wunsch über seine früheren Arbeiten zu sprechen, die die historische Forschung tiefgreifend beeinflusst haben. Leider hat Prof. Morris zuletzt in Interviews und Diskussionen Ansichten geäußert, die teilweise als verletzend und sogar rassistisch gelesen werden können. Dies hat zu verständlichen, allerdings in der Art und Weise beängstigenden, Protesten seitens einzelner studentischer Gruppen geführt. (...) Verschiedene Gruppen haben uns aufgefordert, den Vortrag abzusagen. Zusammen mit entstandenen Sicherheitsbedenken führen die genannten Punkte dazu, dass der Vortrag von Prof. Benny Morris nicht stattfinden wird."
Andreas Fanizadeh empfiehlt in der taz jenen postkolonialen Linken, die heute naiv die Taten der Hamas verharmlosen, einen "Blick in den Rückspiegel". Denn auch Intellektuelle wie Michel Foucault saßen in der Vergangenheit ihrer eigenen Ideologie auf und unterstützen in guter antiimperialistischer Tradition islamistische Regime: "Wie Foucault begrüßte ein Großteil der antiimperialistischen Linken die iranische Revolution von 1979. Die Zeitschrift Autonomie.Neue Folge, Sprachrohr der militant-antiimperialistischen Szene, sprach davon, dass auch bei einer Niederlage der Linken in Iran, 'selbst der Sieg des Khomeiny-Regimes ein offenes Wiederanknüpfen dieses Landes an die Dispositive der Weltmacht auf absehbare Zeit ausschließen' würde. Mit bei Foucault entlehnter Rhetorik schrieb man, die kapitalistische 'Logik des Weltmarktdispositivs' sei damit entscheidend gestört. Und frohlockte, 'das sich ohnedies terroristisch auf die Selbstvernichtung einstellende Israel wäre nicht mehr zu halten'.
Andreas Fanizadeh empfiehlt in der taz jenen postkolonialen Linken, die heute naiv die Taten der Hamas verharmlosen, einen "Blick in den Rückspiegel". Denn auch Intellektuelle wie Michel Foucault saßen in der Vergangenheit ihrer eigenen Ideologie auf und unterstützen in guter antiimperialistischer Tradition islamistische Regime: "Wie Foucault begrüßte ein Großteil der antiimperialistischen Linken die iranische Revolution von 1979. Die Zeitschrift Autonomie.Neue Folge, Sprachrohr der militant-antiimperialistischen Szene, sprach davon, dass auch bei einer Niederlage der Linken in Iran, 'selbst der Sieg des Khomeiny-Regimes ein offenes Wiederanknüpfen dieses Landes an die Dispositive der Weltmacht auf absehbare Zeit ausschließen' würde. Mit bei Foucault entlehnter Rhetorik schrieb man, die kapitalistische 'Logik des Weltmarktdispositivs' sei damit entscheidend gestört. Und frohlockte, 'das sich ohnedies terroristisch auf die Selbstvernichtung einstellende Israel wäre nicht mehr zu halten'.
Europa
Der junge rumänische Autor (und ehemalige Perlentaucher-Praktikant) Luca Oprea-Calin fragt im Perlentaucher, wie eine Figur wie Calin Georgescu, mit der keiner gerechnet hatte, möglich wurde. In diesem rechtsextremen Präsidentschafskandidaten und Putin-Fan spiegeln sich jahrzehntelange Frustration und Rachegelüste der rumänischen Wähler, fürchtet er: "Calin Georgescu ist ein gefährlicher Mann, in dem sich maßlose Arroganz, unbegründete Selbstsicherheit, Selbsterotik und primitives religiöses Denken vereinen. Sein Hang zum Fundamentalismus und seine abstrusen Verschwörungstheorien, die selbst überzeugte Trump-Anhänger skeptisch machen würden, sind symptomatisch für seine Haltung. Aber dass Rumänien sich so bereitwillig in den tiefsten Abgrund seit der Revolution hat führen lassen, das kann man auch seinen Wählern nicht verzeihen, egal, welche Herleitungen es dafür gibt."
Kulturpolitik
Man kann "die Einschnitte in der Kultur nur verstehen, wenn man den Gesamthaushalt der Städte unter Sparzwang in den Blick nimmt", weiß Peter Laudenbach in der SZ. Den Kommunen fehlt es an Geld - und zwar in ganz Deutschland: "Für dieses Jahr prognostizieren die Experten des Städtetags eine Verdopplung des Defizits der Kommunen auf eine Rekordhöhe von mehr als 13 Milliarden Euro, für die Jahre bis 2027 erwarten sie Defizite auf vergleichbar hohem Niveau." Angesichts "dieser strukturellen Schwierigkeiten sind die Nöte der Kulturinstitutionen nur ein Problem unter vielen - vielleicht nicht das wichtigste. Natürlich kann man auch über eine Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur, über Spitzensteuersätze, Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuern oder über die Schuldenbremse nachdenken. Nur wird das Kommunen nicht wie von Zauberhand von Haushaltssorgen befreien. Zu entscheiden haben sie darüber ohnehin nicht." Eine Hau-Drauf-Sparpolitik, wie sie allerdings in Berlin gemacht wird, ist für Laudenbach keine Lösung: "Feinarbeit an den Strukturen ist notwendig, also genau das, was Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) versäumt hat."
Klar, wenn kein Geld mehr für Schulen und öffentlichen Nahverkehr da ist, dann muss man auch bei der Kultur sparen, sieht Ronya Othmann in der FAS: "Fragwürdig ist allerdings, warum für gewisse Dinge dann doch Geld da ist. Warum beispielsweise skurrile Pilotprojekte wie die Wassertaxis in Spandau - immerhin zwei Millionen Euro pro Jahr - oder die 1,56 Millionen teure Umzäunung des Görlitzer Parks von Kürzungen verschont bleiben. Zum Vergleich: Das Haus für Poesie hatte vor den Kürzungen einen Jahresetat von circa 1,8 Millionen Euro." Darüberhinaus wird man nun versuchen, die Kultur "wirtschaftlicher" zu gestalten, was auch heißt, sie "nutzbar" zu machen, so Othmann, zum Beispiel mit der Rede von den Künsten als "Kitt der Gesellschaft": "Die Künste werden da mitunter als nett anzusehende, hübsch verpackte und auch kostengünstige Sozialarbeit gesehen, die darüber hinaus auch noch die Demokratie retten soll." Dabei "ist doch gerade das Nutzlose das Wertvollste an ihnen, ihre große Freiheit, nicht Mittel, sondern Zweck zu sein."
Im Tagesspiegel interviewt Christiane Peitz die Intendantin der Philharmonie Andrea Zietzschmann zum Thema. Dort berichtet auch Patrick Wildermann über eine Demonstration gegen die Sparpläne, die am Wochenende stattfand.
Klar, wenn kein Geld mehr für Schulen und öffentlichen Nahverkehr da ist, dann muss man auch bei der Kultur sparen, sieht Ronya Othmann in der FAS: "Fragwürdig ist allerdings, warum für gewisse Dinge dann doch Geld da ist. Warum beispielsweise skurrile Pilotprojekte wie die Wassertaxis in Spandau - immerhin zwei Millionen Euro pro Jahr - oder die 1,56 Millionen teure Umzäunung des Görlitzer Parks von Kürzungen verschont bleiben. Zum Vergleich: Das Haus für Poesie hatte vor den Kürzungen einen Jahresetat von circa 1,8 Millionen Euro." Darüberhinaus wird man nun versuchen, die Kultur "wirtschaftlicher" zu gestalten, was auch heißt, sie "nutzbar" zu machen, so Othmann, zum Beispiel mit der Rede von den Künsten als "Kitt der Gesellschaft": "Die Künste werden da mitunter als nett anzusehende, hübsch verpackte und auch kostengünstige Sozialarbeit gesehen, die darüber hinaus auch noch die Demokratie retten soll." Dabei "ist doch gerade das Nutzlose das Wertvollste an ihnen, ihre große Freiheit, nicht Mittel, sondern Zweck zu sein."
Im Tagesspiegel interviewt Christiane Peitz die Intendantin der Philharmonie Andrea Zietzschmann zum Thema. Dort berichtet auch Patrick Wildermann über eine Demonstration gegen die Sparpläne, die am Wochenende stattfand.
Geschichte
Zum 150. Geburtstag Winston Churchills zeichnet Werner Vogt in der NZZ die "beispiellose Geschichte eines Mannes" nach "der über sich selbst hinauswuchs, der in der dunkelsten Stunde der Geschichte des 20. Jahrhunderts die Vision, nein, die absolute Überzeugung hatte, dass Hitler zu schlagen sei". Die "Hauptprobe für Churchills Vision, dass Deutschland geschlagen werden könne, folgte schon im Sommer 1940 in der Luftschlacht um England, in der die Royal Air Force die massiv überlegene deutsche Luftwaffe zurückschlug. Churchills Durchhalteparolen, brillant formuliert in seinen Reden im Unterhaus und am Radio, gehören zum Besten, was die Redekunst je hervorgebracht hat. 'Lasst uns darum unsere Pflicht tun', sagte er am 18. Juni 1940 vor dem britischen Unterhaus, 'und lasst sie uns so tun, dass sogar nach tausend Jahren, wenn es dann noch ein britisches Reich und sein Commonwealth gibt, die Menschen sagen werden: 'Das war ihre beste Stunde.' Die von ihm evozierte 'finest hour', die Größe der Aufgabe, Hitler zu besiegen, das war Churchills eigene größte Stunde."
In der FAZ besucht Jannis Koltermann zu diesem Anlass seine Statue am Parliament Square in London, die abgesperrt ist. 2020 protestierte die "Black Lives Matter"-Bewegung gegen die Statue - Churchill sei ein Rassist gewesen, hieß es: "Was aber wirft man ihm vor? Im angrenzenden Museum kann man vor allem noch einmal seinen großen Reden lauschen, in Zitaten stöbern oder das Schoßtablett bewundern, auf dem er sich allmorgendlich sein Frühstück im Bett servieren ließ. Auf einem kleinen Bildschirm wird dann jedoch auch diese Frage gestellt: 'Machten Churchills Ansichten zu Indien ihn zu einem Rassisten?' Die Antwort fällt betont differenziert aus: Einerseits sei sein Glaube an die Überlegenheit der weißen Rasse und den zivilisatorischen Auftrag des Empires damals deutlich normaler gewesen als heute, andererseits war er selbst für seine Zeit ein besonders hartnäckiger Verfechter des Weltreichs und Gegner der politischen Unabhängigkeit Indiens."
In der FAZ besucht Jannis Koltermann zu diesem Anlass seine Statue am Parliament Square in London, die abgesperrt ist. 2020 protestierte die "Black Lives Matter"-Bewegung gegen die Statue - Churchill sei ein Rassist gewesen, hieß es: "Was aber wirft man ihm vor? Im angrenzenden Museum kann man vor allem noch einmal seinen großen Reden lauschen, in Zitaten stöbern oder das Schoßtablett bewundern, auf dem er sich allmorgendlich sein Frühstück im Bett servieren ließ. Auf einem kleinen Bildschirm wird dann jedoch auch diese Frage gestellt: 'Machten Churchills Ansichten zu Indien ihn zu einem Rassisten?' Die Antwort fällt betont differenziert aus: Einerseits sei sein Glaube an die Überlegenheit der weißen Rasse und den zivilisatorischen Auftrag des Empires damals deutlich normaler gewesen als heute, andererseits war er selbst für seine Zeit ein besonders hartnäckiger Verfechter des Weltreichs und Gegner der politischen Unabhängigkeit Indiens."
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