Im
Freitag unterhält sich Michael Girke mit
der Philosophin Bettina Stangneth über die jüngsten Attentate, das Böse und die Gier nach Aufmerksamkeit: "Ich rede nicht über einen Subjekt- oder Ich-Begriff, sondern von
Identität. Identität ist das Ideal eines Lebens aus einem Guss und der Wunsch, selber immer genau zu wissen, wer ich bin. Wir möchten nicht einfach nur 'Ich' sagen, sondern jemand sein, also von Bedeutung sein. Die Versuchung, jederzeit und immer öffentlich in Erscheinung zu treten und möglichst viele Bewunderer und Follower um sich zu scharen, ist nicht nur ein Motor des Erfolgs sozialer Medien. Es ist auch die Versuchung einer Illusion, die immensen Druck erzeugt, nämlich mit immer größerer
Konsequenz die Selbstinszenierung zu betreiben. Bei Terrortätern spricht man von Radikalisierung. Aber jeder, der versucht, mit sich identisch zu sein, versucht das Unmögliche, es sei denn, er tötet viel von dem ab, was auch immer zu uns gehört, so widersprüchlich es uns auch erscheint. In Orlando hat ein junger Mann in einem Schwulenclub planmäßig viele Leute erschossen. Was wollte er da vernichten? Etwas Fremdes oder etwas nur zu Vertrautes?"
Ja, es gibt einen
islamischen Feminismus,
meint in der
taz Sineb El Masrar, emanzipatorische Vordenkerinnen wie
Fatema Mernissi,
Azza M. Kamal oder
Leila Ahmad haben ihn vertreten. Aber. Das Recht auf Kopftuch zu fordern, ist kein Feminismus: "So muss unterschieden werden zwischen jenem 'islamischen Feminismus', der eindeutig gegen patriarchale, diskriminierende Auslegungen kämpft und eine Neuinterpretation aus weiblicher, geschlechtergerechter Sicht einfordert, und jenem, der eher die aktive Partizipation der Frau für zum Beispiel islamistische Konzepte vorsieht. Denn auch innerhalb ideologischer Bewegungen, die eigentlich das
Gegenteil weiblicher Emanzipation vertreten, gibt es Frauenbewegungen. Sogenannte rechte Feministinnen. zum Beispiel kreieren einen Feminismus nach eigenen Maßstäben und fordern die gleichberechtigte Teilnahme etwa in der rechten Politik."
Stefan Weidner weckt in der
SZ Zweifel an dem hin und wieder glorifizierten Sufismus und fragt mit Blick auf prominente
Feuilleton-Sufisten: "Findet hier noch ein echter Dialog mit der mystischen Tradition statt oder dient diese nur dazu, den eigenen labilen Seelenhaushalt auszuschmücken oder auch zu stabilisieren, ohne ansonsten ernsthafte Konsequenzen für Lebensführung und Weltsicht zu zeitigen?"