Die
Literarische Welt übernimmt
aus dem New Yorker Jonathan Franzens Reisebericht über eine
Expedtion in die Antarktis, die er sich dank einer großzügigen Erbschaft seines Onkels Walt leisten konnte: "Meine drittgrößte Angst vor der Expedition, gleich nach Seekrankheit und der Sorge, meinen Bruder mit meinem Schnarchen zu stören, war, dass man
nicht den nötigen Eifer an den Tag legen würde, die
allein in der Antarktis vorkommenden Vogelarten ausfindig zu machen. Nachdem ein Lindblad- Mitarbeiter, ein Australier, dessen Reisegepäck von seiner Fluggesellschaft verbummelt worden war, uns begrüßt und einige Fragen beantwortet hatte, hob ich die Hand, sagte, ich sei Birdwatcher und fragte, wer noch. Ich hoffte, eine
einflussreiche Interessengemeinschaft ins Leben zu rufen, aber ich sah nur zwei Hände in die Höhe gehen. Der Australier, der bisher jede Frage als "ausgezeichnet" gepriesen hatte, pries meine nicht. Eher vage wies er daraufhin, dass Mitarbeiter auf dem Schiff seien, die sich mit Vögeln auskennen würden."
Im diesmal ziemlich schwermütig brütenden Wochenendessay der
FAZ umkreist der russische Lyriker
Sergej Sawjalow die Frage danach, welche Verpflichtungen sich seinem Berufsstand angesichts der menschlichen Katastrophen aus der Geschichte ergeben: "Kann ein Dichter überhaupt im Namen anderer sprechen, im Namen jener, die
keine Sprache haben? Inwiefern erlaubt das eigene Trauma, inwieweit erlauben der klassenmäßige und kulturelle Abgrund, dies zu tun? Beziehen wir nicht
eine Position des Exotischmachens, wenn wir in den Gesellschaften der nahen, vor allem der sowjetischen Vergangenheit, jenes idealtypische Andere erblicken, das den zeitgenössischen Menschen nur im Bewusstsein seiner Unfehlbarkeit bestärkt, und die diesen zeitgenössischen Menschen letztlich nichts angeht? Nicht weniger wichtig ist die Frage, ob das Reden von den Katastrophen der Vergangenheit nicht ein Vorwand ist, den
wirklich dringenden Problemen auszuweichen: der Globalisierung, die Armut und Reichtum immer weiter auseinandertreten lässt."
Weiteres: Für die
taz vergleicht Nina Monecke die Cover deutscher Auflagen mit denen ihrer Originalausgaben.
Besprochen werden
Bov Bjergs "Die Modernisierung meiner Mutter" (online nachgereicht von der
Zeit), die von
Matthias Jügler herausgegebene Textsammlung "Wie wir leben wollen" (
FR),
J.
Bernlefs wiederaufgelegter Roman "Hirngespinste" (
Tagesspiegel),
Stefano Bennis "Die Pantherin" (
taz),
Lucia Berlins "Was ich sonst noch verpasst habe" (
SZ, mehr dazu
hier) und
Fernando Pessoas "Orpheu - Schriften zur Literatur, Ästhetik und Kunst" (
FAZ).