9punkt - Die Debattenrundschau
Manchmal wie ein Kartenhaus
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.06.2026. Nach Suhrkamp will nun auch der Verlag S. Fischer nach Berlin ziehen. Nein, es geht nicht um Einsparungen, beteuert Verlagsleiter Oliver Vogel im Gespräch mit der FAZ. Der Umzug spiegelt den Wandel in der Buchbranche wider, kommentiert die SZ. Schon erstaunlich, wenn man in einer Veranstaltung über Meinungsfreiheit wegen seiner Meinung gecancelt wird, schreibt Mirna Funk in der Welt. Nicht jeder Antisemit ist gleich genozidal, versichert der Postkolonialist Aram Ziai in der FR. Der von den Deutschen ermordete Historiker Marc Bloch wird pantheonisiert - Le Point beleuchtet seine Aktualität.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
17.06.2026
finden Sie hier
Kulturmarkt
Der S. Fischer Verlag zieht von Frankfurt nach Berlin - das erfuhren die Mitarbeiter gestern auf einer Betriebsversammlung. Mit Sparen hat das nichts zu tun, beteuert im Interview mit der FAZ Verlagsleiter Oliver Vogel. Es gehe mehr um Atmosphärisches, das Gefühl, in Berlin besser für die kommenden Umbrüche auf dem Buchmarkt vorbereitet zu sein, was Vogel in der vor vier Jahren gegründete Dependance in der Berliner Rosenstraße gelernt hat: "In einer Zeit von mobiler Arbeit, in der nicht alle jeden Tag im Büro sind, sind Verlagsräume nicht mehr bloß ein Arbeitsplatz, sondern in unserer Vorstellung auch ein Begegnungsort - für uns mit unseren Autorinnen, aber auch für unsere Autorinnen mit dem Literaturbetrieb und mit Leserinnen. Und darüber hinaus ist das Berliner Büro auch ein Veranstaltungsort geworden. Die Rosenstraße hat das Netzwerk im Kulturleben verbessert. Wir sind da und spüren das. Wir haben dort inzwischen bestimmt dreißig Veranstaltungen für Presse und Buchhandel gemacht. Unser Theaterverlag hatte große Veranstaltungen mit seinen Autorinnen und Dramaturgen und Regisseurinnen dort. Vor ein paar Wochen haben sich an einem Wochenende dreißig russische Autoren in unserem Konferenzraum getroffen, der dafür eigentlich viel zu klein ist, und den 'PEN Sprachen Russlands' gegründet. Das Verlagsgeschäft beruht auf Begegnungen und Gesprächen, da schafft die Präsenz in Berlin Möglichkeiten."
Nach Suhrkamp jetzt S. Fischer - der Verlust für Frankfurt ist "unbeschreiblich", klagt in der FAZ Andreas Platthaus. Dabei ist es die viel geschäftigere Stadt! "Aber sie leidet unter dem Ruf als Traditionshauptstadt der Buchbranche. Und hier kommt die Verantwortung von Frankfurt selbst zum Tragen. Besonders ernsthaft wurde S. Fischers Abwanderungsüberlegungen offenbar nicht entgegengearbeitet. So verliert sie hundert Verlagsarbeitsplätze. Und an einem Konzept, das den Status einer Buchstadt auf anderes basiert hätte als das, was schon seit Jahrzehnten da ist, fehlt es gleich ganz."
Nicht so tragisch findet Michael Hesse den Umzug in der FR: "Frankfurt unterdessen verfügt nach wie vor über eine lebendige Anzahl an Verlagen, wie man mit Blick auf Schöffling & Co., Klostermann, Campus, Büchergilde oder Frankfurter Verlagsanstalt sagen kann. Fischer will in der Stadt neue Räume suchen, die auch repräsentativen Zwecken dienen und Platz für Veranstaltungen bieten. Das bisher genutzte Gebäude in der Hedderichstraße befindet sich nicht im Eigentum des Verlags und wäre ohnehin umfassend sanierungsbedürftig. Unabhängig von der Verlagerung nach Berlin hätte sich S. Fischer daher auch in Frankfurt nach neuen Räumen umsehen müssen."
Die deutsche Buchbranche, "wie sie jahrzehntelang zuverlässig funktioniert hat, exisitert in ihrer alten Form heute nur noch in Spurenelementen", kommentiert Felix Stephan den Umzug in der SZ: "Lange haben Verlage Schriftsteller aufgebaut und ihre Romane und Gedichtbände veröffentlicht, die daraufhin in den Feuilletons der Print-Zeitungen besprochen und von informierten unabhängigen Buchhändlern ihren Kunden empfohlen wurden. Diese Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren rasant geschrumpft, nur noch zwanzig Prozent seiner Bücher verkauft S. Fischer heute über den stationären Buchhandel. Das Gros aber läuft über den Quasimonopolisten Thalia und digitale Vertriebswege, Community-Marketing und direkte Zielgruppenansprache in den sozialen Medien."
In der Zeit macht sich Götz Hamann Sorgen. "Rechte" Autoren wie Ulf Poschardt, Pauline Voss und Julian Reichelt besetzen die Bestsellerlisten - wo sie dann in der Regel allerdings die kulturelle Hegemonie der "Linken" beklagen. All diese Autoren verdanken ihr Karacho den sozialen Medien, so Hamann, aber dennoch, es handelt sich nicht einfach um recycelte Tweets: "Die Erfolge in den Bestsellerlisten, zumal über mehrere Wochen hinweg, sind real, getragen von Leserinnen und Lesern, die eine Erklärung für ihr eigenes Leiden an der Gegenwart suchen. Bestsellerlisten bilden vielleicht keine politischen Mehrheiten ab, sind aber als politischer Ideenwettbewerb zu verstehen. Und hier sticht der gegenwärtige Mangel an frischen liberalen oder progressiven Ideen mit Bestsellerpotenzial deutlich ins Auge. Wenn linke Soziologen wie Hartmut Rosa oder Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey einen Mangel an Zukunftserzählungen beklagen, dann findet sich ein Beleg dafür in ebendiesen Leerstellen. Und so breiten sich die antilinken Mahner und Warner in diesen Monaten ziemlich ungehindert aus."
Außerdem: Auch der Journalist Jan Fleischhauer teilt in seinem neuen Buch kräftig gegen die Linke aus. Im NZZ-Interview kritisiert er aber auch neue rechte Formate wie Nius. Dort beginne "jeder Tag mit dem Untergang Deutschlands, und von da geht es nur noch abwärts. Deutschland geht jeden Tag mehr unter. Diese Begeisterung für die Apokalypse kenne ich sonst nur von in der Wolle gefärbten Linken."
Nach Suhrkamp jetzt S. Fischer - der Verlust für Frankfurt ist "unbeschreiblich", klagt in der FAZ Andreas Platthaus. Dabei ist es die viel geschäftigere Stadt! "Aber sie leidet unter dem Ruf als Traditionshauptstadt der Buchbranche. Und hier kommt die Verantwortung von Frankfurt selbst zum Tragen. Besonders ernsthaft wurde S. Fischers Abwanderungsüberlegungen offenbar nicht entgegengearbeitet. So verliert sie hundert Verlagsarbeitsplätze. Und an einem Konzept, das den Status einer Buchstadt auf anderes basiert hätte als das, was schon seit Jahrzehnten da ist, fehlt es gleich ganz."
Nicht so tragisch findet Michael Hesse den Umzug in der FR: "Frankfurt unterdessen verfügt nach wie vor über eine lebendige Anzahl an Verlagen, wie man mit Blick auf Schöffling & Co., Klostermann, Campus, Büchergilde oder Frankfurter Verlagsanstalt sagen kann. Fischer will in der Stadt neue Räume suchen, die auch repräsentativen Zwecken dienen und Platz für Veranstaltungen bieten. Das bisher genutzte Gebäude in der Hedderichstraße befindet sich nicht im Eigentum des Verlags und wäre ohnehin umfassend sanierungsbedürftig. Unabhängig von der Verlagerung nach Berlin hätte sich S. Fischer daher auch in Frankfurt nach neuen Räumen umsehen müssen."
Die deutsche Buchbranche, "wie sie jahrzehntelang zuverlässig funktioniert hat, exisitert in ihrer alten Form heute nur noch in Spurenelementen", kommentiert Felix Stephan den Umzug in der SZ: "Lange haben Verlage Schriftsteller aufgebaut und ihre Romane und Gedichtbände veröffentlicht, die daraufhin in den Feuilletons der Print-Zeitungen besprochen und von informierten unabhängigen Buchhändlern ihren Kunden empfohlen wurden. Diese Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren rasant geschrumpft, nur noch zwanzig Prozent seiner Bücher verkauft S. Fischer heute über den stationären Buchhandel. Das Gros aber läuft über den Quasimonopolisten Thalia und digitale Vertriebswege, Community-Marketing und direkte Zielgruppenansprache in den sozialen Medien."
In der Zeit macht sich Götz Hamann Sorgen. "Rechte" Autoren wie Ulf Poschardt, Pauline Voss und Julian Reichelt besetzen die Bestsellerlisten - wo sie dann in der Regel allerdings die kulturelle Hegemonie der "Linken" beklagen. All diese Autoren verdanken ihr Karacho den sozialen Medien, so Hamann, aber dennoch, es handelt sich nicht einfach um recycelte Tweets: "Die Erfolge in den Bestsellerlisten, zumal über mehrere Wochen hinweg, sind real, getragen von Leserinnen und Lesern, die eine Erklärung für ihr eigenes Leiden an der Gegenwart suchen. Bestsellerlisten bilden vielleicht keine politischen Mehrheiten ab, sind aber als politischer Ideenwettbewerb zu verstehen. Und hier sticht der gegenwärtige Mangel an frischen liberalen oder progressiven Ideen mit Bestsellerpotenzial deutlich ins Auge. Wenn linke Soziologen wie Hartmut Rosa oder Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey einen Mangel an Zukunftserzählungen beklagen, dann findet sich ein Beleg dafür in ebendiesen Leerstellen. Und so breiten sich die antilinken Mahner und Warner in diesen Monaten ziemlich ungehindert aus."
Außerdem: Auch der Journalist Jan Fleischhauer teilt in seinem neuen Buch kräftig gegen die Linke aus. Im NZZ-Interview kritisiert er aber auch neue rechte Formate wie Nius. Dort beginne "jeder Tag mit dem Untergang Deutschlands, und von da geht es nur noch abwärts. Deutschland geht jeden Tag mehr unter. Diese Begeisterung für die Apokalypse kenne ich sonst nur von in der Wolle gefärbten Linken."
Medien
Die Medien müssen sich dringend Gedanken darüber machen, wie sie mit KI umgehen wollen, wenn sie vertrauenswürdig bleiben wollen, warnt in der taz Martin Niewendick nach einem Skandal im Tagesspiegel (unsere Resümees): "Was wiegt schwerer: ein eigener Gedanke, dafür komplett vom Bot formuliert, oder eine KI-Analyse, dafür in eigene Worte gefasst? Der Editor-at-Large des Tagesspiegels, Stephan-Andreas Casdorff, hat sich offenbar gleich für beides entschieden und ganze Texte verfassen lassen, was Urteil und Konsequenz recht einfach macht. Doch gerade weil es nicht nur die eine, sondern mindestens Fifty Shades of KI gibt, muss sich der Journalismus nun dringend in Klausur begeben. Ein Update steht an: Wie schaffen wir es, original und glaubwürdig zu bleiben und uns nicht schleichend selbst abzuschaffen? Die Antworten darauf müssen ehrlich sein, kollegial und mit dem nötigen Spritzer Selbstkritik."
Kulturpolitik
In der taz schaffen es Ann Toma-Toader und Uta Schleiermacher, Kritik an der vermutlichen Berufung von Mehmet Can zum Antisemitismusbeauftragten auf Formalien zu reduzieren, ohne den Hauptkritikpunkt zu erwähnen: "Der Tagesspiegel hatte in seinem Text (unser Resümee) Interna aus dem Bewerbungsverfahren zitiert und dabei suggeriert, dass die Verwaltung sich für Can entschieden hätte, obwohl es fähigere Bewerber gegeben habe. Doch die vermeintlichen Belege sind dünn. So heißt es dort etwa, die 'politische Hausspitze habe sich direkt ins Verfahren eingemischt', weil der Staatssekretär die Gespräche in der zweiten Auswahlrunde geleitet habe. Die journalistisch korrekte Einordnung wäre allerdings gewesen, deutlich zu machen, dass dies Teil des normalen Verfahrens ist." Was die beiden nicht erwähnen: Laut Tagesspiegel wurde Can zum Favoriten, weil dem ursprünglich im Auswahlverfahren auf dem ersten Platz gelegenen Bewerber vorgeworfen wurde, "sich zu stark auf die Opfer von Antisemitismus zu konzentrieren. Die Auswahlkommission vermerkte, dass er die 'Interessen der von Antisemitismus betroffenen Personen nach vorne gestellt' habe."
Verena Mayer ist sich in der SZ nicht so ganz sicher, ob die Stadt Wien wirklich den besten Umgang mit einer umstrittenen Karl Lueger-Statue gefunden hat: Der Künstler Klemens Wihlidal hat die Statue um 3,5 Grad nach Rechts gekippt, um quasi einen "Denkmalsturz in Zeitlupe" zu symbolisieren. Etwas subtil ist das schon: "Luegers Kopf scheint durch die Neigung nun in den Blättern des Baumes zu schweben, was der Figur etwas Entrücktes gibt. Und ganz generell erfährt das Denkmal durch die Bearbeitung und nicht zuletzt durch die sorgfältige Säuberung von den Graffiti-Spuren eher Auf- als Abwertung. Das sieht auch eine Gruppe von Protestierenden so, die laut pfeifen und Schilder mit den Worten 'Feige Lösung' hochhalten." Die "zuständige Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler begründet ihre Entscheidung für die 'Schieflage' damit, dass es niemandem helfe, wenn man historische Tatsachen einfach ausblende: 'Über Leerstellen kann man nicht sprechen.' Die Statue in der jetzigen Form sei ein Mahnmal." Der Streit wird wohl weitergehen, meint Mayer.
Verena Mayer ist sich in der SZ nicht so ganz sicher, ob die Stadt Wien wirklich den besten Umgang mit einer umstrittenen Karl Lueger-Statue gefunden hat: Der Künstler Klemens Wihlidal hat die Statue um 3,5 Grad nach Rechts gekippt, um quasi einen "Denkmalsturz in Zeitlupe" zu symbolisieren. Etwas subtil ist das schon: "Luegers Kopf scheint durch die Neigung nun in den Blättern des Baumes zu schweben, was der Figur etwas Entrücktes gibt. Und ganz generell erfährt das Denkmal durch die Bearbeitung und nicht zuletzt durch die sorgfältige Säuberung von den Graffiti-Spuren eher Auf- als Abwertung. Das sieht auch eine Gruppe von Protestierenden so, die laut pfeifen und Schilder mit den Worten 'Feige Lösung' hochhalten." Die "zuständige Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler begründet ihre Entscheidung für die 'Schieflage' damit, dass es niemandem helfe, wenn man historische Tatsachen einfach ausblende: 'Über Leerstellen kann man nicht sprechen.' Die Statue in der jetzigen Form sei ein Mahnmal." Der Streit wird wohl weitergehen, meint Mayer.
Gesellschaft
"Ein städtisches und vom Land subventioniertes Theater holt sich also die Debatte über die bedrohte Meinungsfreiheit auf die Bühne und entzieht im selben Atemzug einer Meinung die Bühne": Mirna Funk kann in der Welt nur den Kopf schütteln über ihre Ausladung aus dem Kölner Theater Comedia, in dem sie im Rahmen der phil.cologne zum Thema "Meinungsfreiheit" sprechen sollte, bis der Theaterchef Manuel Moser sich dagegen entschied. Als Grund führte er einen Artikel aus Funks Welt-Kolumne an, in der diese von einer Gefahr für Juden ausgehend von "in Deutschland lebenden Arabern, Türken und der Sympathisanten" sprach (unser Resümee): "Hätte ich denselben Satz mit umgekehrtem Vorzeichen geschrieben - die größte Gefahr für Juden gehe von rechten Deutschen aus -, hätte niemand etwas weggeschnitten. Im Gegenteil. Man hätte mich gefeiert, auf Podien geladen, als mutige Stimme zitiert. Es ist der Satz, den alle hören wollen. Wer die Gefahr dort benennt, wo sie unbequem ist, wird boykottiert; wer sie dorthin verlegt, wo man sie sich wünscht, wird ausgezeichnet. Das Verrückteste ist, dass ich genau diese Dynamik in jener Kolumne bereits beschrieben habe."
In der FR wirft der Professor für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien Aram Ziai der deutschen Politik vor, Kritik an Antisemitismus als politische Waffe zu instrumentalisieren. Die Frage, ob jüdisches Leben in Deutschland bedroht ist, beantwortet er mit "möglicherweise ja", aber zum Glück hätten "nicht alle" genozidale Absichten, wie er der Polizeistatistik entnehmen kann: "Der Großteil der Delikte entfällt auf Propagandadelikte und Volksverhetzung, das heißt, sie beinhaltet zum Beispiel den kriminalisierten Slogan 'From the river to the sea, Palestine will be free', der von einem Berliner Gericht als Erkennungszeichen der in Deutschland als Terrororganisation verbotenen Hamas eingestuft und als Aufruf zur Vernichtung des Staats Israel und zur Tötung und Vertreibung seiner jüdischen BürgerInnen interpretiert wurde. Allerdings war der Slogan schon lange vor Gründung der Hamas in Gebrauch und die Freiheit Palästinas ist auch im palästinensischen Befreiungskampf keineswegs für alle mit genozidalen Absichten verbunden, wie die jüdischen Holocaust-Forscher Alon Confino und Amos Goldberg anmerken."
In der FR wirft der Professor für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien Aram Ziai der deutschen Politik vor, Kritik an Antisemitismus als politische Waffe zu instrumentalisieren. Die Frage, ob jüdisches Leben in Deutschland bedroht ist, beantwortet er mit "möglicherweise ja", aber zum Glück hätten "nicht alle" genozidale Absichten, wie er der Polizeistatistik entnehmen kann: "Der Großteil der Delikte entfällt auf Propagandadelikte und Volksverhetzung, das heißt, sie beinhaltet zum Beispiel den kriminalisierten Slogan 'From the river to the sea, Palestine will be free', der von einem Berliner Gericht als Erkennungszeichen der in Deutschland als Terrororganisation verbotenen Hamas eingestuft und als Aufruf zur Vernichtung des Staats Israel und zur Tötung und Vertreibung seiner jüdischen BürgerInnen interpretiert wurde. Allerdings war der Slogan schon lange vor Gründung der Hamas in Gebrauch und die Freiheit Palästinas ist auch im palästinensischen Befreiungskampf keineswegs für alle mit genozidalen Absichten verbunden, wie die jüdischen Holocaust-Forscher Alon Confino und Amos Goldberg anmerken."
Geschichte
Es ist die größte Ehre, die einem Franzosen posthum widerfahren kann. Der Historiker Marc Bloch wird nächste Woche "pantheonisiert" - als erster Historiker überhaupt, schreibt François-Guillaume Lorrain in Le Point. Die Überführung der sterblichen Überreste Blochs wird mit einer großen Zeremonie verbunden sein. Bloch war nicht nur einer der Mitbegründer der durch die Zeitschrift Annales geprägten Sozialgeschichtsschreibung, die nach dem Krieg extrem einflussreich war, er war auch Widerstandskämpfer und Autor des Essays "L'Etrange Défaite", in dem er die Niederlage der Franzosen gegen Deutschland analysierte. Und er wurde von den Deutschen unter der Leitung des deutschen Kriegsverbrechers Klaus Barbie gefoltert und ermordet. Über den Essay schreibt Lorrain: "Er erinnert uns daran, dass ein Land zusammenbrechen kann - manchmal wie ein Kartenhaus. Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs hatte Paul Valéry 1919 in 'La Crise de l'esprit' den Reigen der Seher eröffnet: 'Wir wissen nun, dass Zivilisationen sterblich sind.' Im Jahr 1940, nach dem ersten tragischen Akt des folgenden Krieges, antwortet Marc Bloch: 'Wir wissen nun, dass wir Franzosen sterblich sind.' Eine existenzielle Wahrheit, die in unserem europäischen Komfort in Vergessenheit geraten ist, eine Wahrheit, die von den Ukrainern in aller Dringlichkeit erfasst wurde und deren unumstößliches Urteil unser Kontinent allmählich zu begreifen beginnt. Sich bewusst machen, dass man sterblich ist, um nicht eines Tages erfahren zu müssen, dass man sterben wird."
Kommentieren