9punkt - Die Debattenrundschau
Wir haben alles getan, was wir irgend konnten
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.10.2026. Die Auszählung der Stimmen für die israelischen Wahlen ist noch nicht abgeschlossen, der israelische Historiker Amir Teicher fühlt sich in der SZ allerdings schon an die Wahlniederlage von 1996 erinnert, als Netanjahu entgegen aller Hoffnungen gegen Shimon Peres gewann. Auch Meron Mendel ist enttäuscht, wie er im FAZ-Interview erzählt, die hohe Wahlbeteiligung der arabischen Bevölkerung sieht er trotzdem als Gewinn für die Demokratie. Der Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi schaut in der Zeit mit Sorge auf die algerische Minderheit in Frankreich.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
29.10.2026
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Politik
In Israel hat die Auszählung der "Sonderstimmen" begonnen, also der Stimmen von "Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland", meldet unter anderem die Jüdische Allgemeine. Diese könnten die Sitzverteilung in der Knesset nochmal verändern. Netanjahus "Likud"-Partei wirft den arabischen Parteien aufgrund deren starker Ergebnisse derweil Wahlbetrug vor.
Der israelische Historiker Amir Teicher fühlt sich in der SZ an die Wahlniederlage 1996 erinnert, als man "mit Peres schlafen gegangen und mit Netanjahu aufgewacht" war. Es herrschte Kater-Stimmung: "Niemand, den ich kenne, ist am Dienstagabend betrunken schlafen gegangen. Allenfalls gab es Versuche, sich das Wahlergebnis als einen Sieg schönzureden. Der Morgen danach macht das um einiges schwerer. Manche klammern sich noch immer an die Hoffnung. Sie ist schließlich der Titel unserer Nationalhymne und eine der Grundvoraussetzungen für unser gesamtes nationales Projekt. Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, sind noch viele Stimmen nicht ausgezählt, und sie könnten das Ergebnis noch in verschiedene Richtungen kippen. Vielleicht. Vor allem aber bleibt eine politische Tatsache unübersehbar: Israel kann als liberales, demokratisches Land nur überleben, wenn Juden und Araber zusammenarbeiten. Dafür braucht es eine Führung, die bereit ist, die öffentliche Meinung zu verändern und sich nicht bloß ihren gegenwärtigen Ängsten zu ergeben. Gibt es eine solche Führung?"
Auch für Meron Mendel ist Netanjahus starkes Abschneiden eine Enttäuschung, wie er im FAZ-Interview erklärt. Die Beteiligung der arabischen Bevölkerung ist aber trotzdem ein gutes Zeichen für die Demokratie: "Eine demokratische Gesellschaft kann nicht existieren, wenn sie ein Fünftel der Bevölkerung ausschließt oder marginalisiert. Nach dem 7. Oktober ist das noch einmal dringlicher geworden. Und die Wahl hat gezeigt, dass die arabische Bevölkerung in Israel mehr als je zuvor Teil des demokratischen Prozesses sein will. Ihre Wahlbeteiligung ist von 45 Prozent bei der letzten Wahl vor vier Jahren auf 73 Prozent gestiegen. In einigen arabischen Dörfern lag sie sogar bei 87 Prozent. Diese Wahl ist deshalb auch als großer Vertrauensbeweis der arabischen Bevölkerung in die israelische Demokratie zu sehen. Sie wollen sich engagieren und Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, in der sie leben. Ihr Wahlergebnis ist deshalb auch ein Bekenntnis zum Staat Israel. Sie werden stärker als zuvor in der Knesset vertreten sein. Und es wird die Aufgabe der jüdischen Mehrheitsgesellschaft sein, diesen Wunsch nach Teilhabe anzuerkennen."
Im Zeit-Online-Interview mit Jan Roß prognostiziert der israelische Historiker Daniel Gordis eine große Verzweiflung, falls sich Netanjahu doch an der Macht halten kann. "Im Sinne von: Wir haben alles getan, was wir irgend konnten, die Leute sind eingeflogen aus Amerika und Europa - und wir haben es trotzdem nicht geschafft. Das ist ein Risiko dieser starken Mobilisierung. (...) Falls Netanjahu, was nicht wahrscheinlich aussieht, aber statistisch möglich ist, mit seinem Block doch noch eine Mehrheit von 61 Stimmen in der Knesset erreicht - dann wird er einen scharfen Rechtskurs einschlagen, zum Beispiel mit seiner Justizreform weitermachen, und das würde die Polarisierung verschärfen. Aber wenn die beiden Blöcke gezwungen wären, in irgendeiner Form zusammenzukommen - das könnte vielleicht einen Wandel bringen."
Auf der ganzen Welt halten Juden wieder als Feindbild her, vor allem unter Islamogauchisten, schreibt der Historiker Michael Wolffsohn in der NZZ. Vor allem die Länder, die Menschen aus dem Nahen Osten "importieren", seien langfristig eine Gefahr für Juden, so Wolffsohn. "Müssen die Diasporajuden auswandern? Wohin? Ins längst noch unsicherere Frankreich, Britannien? Nach Amerika, Australien, Osteuropa, Portugal? Ist die Schweiz eine Insel der Seligen? Noch ist sie ein Bollwerk der Vernunft. Dauerhaft? Wirklich sicher sind Juden als Juden nur an einem Ort - in Israel. Dort droht ihnen keine Gefahr von innen, 'nur' von außen."
Der israelische Historiker Amir Teicher fühlt sich in der SZ an die Wahlniederlage 1996 erinnert, als man "mit Peres schlafen gegangen und mit Netanjahu aufgewacht" war. Es herrschte Kater-Stimmung: "Niemand, den ich kenne, ist am Dienstagabend betrunken schlafen gegangen. Allenfalls gab es Versuche, sich das Wahlergebnis als einen Sieg schönzureden. Der Morgen danach macht das um einiges schwerer. Manche klammern sich noch immer an die Hoffnung. Sie ist schließlich der Titel unserer Nationalhymne und eine der Grundvoraussetzungen für unser gesamtes nationales Projekt. Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, sind noch viele Stimmen nicht ausgezählt, und sie könnten das Ergebnis noch in verschiedene Richtungen kippen. Vielleicht. Vor allem aber bleibt eine politische Tatsache unübersehbar: Israel kann als liberales, demokratisches Land nur überleben, wenn Juden und Araber zusammenarbeiten. Dafür braucht es eine Führung, die bereit ist, die öffentliche Meinung zu verändern und sich nicht bloß ihren gegenwärtigen Ängsten zu ergeben. Gibt es eine solche Führung?"
Auch für Meron Mendel ist Netanjahus starkes Abschneiden eine Enttäuschung, wie er im FAZ-Interview erklärt. Die Beteiligung der arabischen Bevölkerung ist aber trotzdem ein gutes Zeichen für die Demokratie: "Eine demokratische Gesellschaft kann nicht existieren, wenn sie ein Fünftel der Bevölkerung ausschließt oder marginalisiert. Nach dem 7. Oktober ist das noch einmal dringlicher geworden. Und die Wahl hat gezeigt, dass die arabische Bevölkerung in Israel mehr als je zuvor Teil des demokratischen Prozesses sein will. Ihre Wahlbeteiligung ist von 45 Prozent bei der letzten Wahl vor vier Jahren auf 73 Prozent gestiegen. In einigen arabischen Dörfern lag sie sogar bei 87 Prozent. Diese Wahl ist deshalb auch als großer Vertrauensbeweis der arabischen Bevölkerung in die israelische Demokratie zu sehen. Sie wollen sich engagieren und Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, in der sie leben. Ihr Wahlergebnis ist deshalb auch ein Bekenntnis zum Staat Israel. Sie werden stärker als zuvor in der Knesset vertreten sein. Und es wird die Aufgabe der jüdischen Mehrheitsgesellschaft sein, diesen Wunsch nach Teilhabe anzuerkennen."
Im Zeit-Online-Interview mit Jan Roß prognostiziert der israelische Historiker Daniel Gordis eine große Verzweiflung, falls sich Netanjahu doch an der Macht halten kann. "Im Sinne von: Wir haben alles getan, was wir irgend konnten, die Leute sind eingeflogen aus Amerika und Europa - und wir haben es trotzdem nicht geschafft. Das ist ein Risiko dieser starken Mobilisierung. (...) Falls Netanjahu, was nicht wahrscheinlich aussieht, aber statistisch möglich ist, mit seinem Block doch noch eine Mehrheit von 61 Stimmen in der Knesset erreicht - dann wird er einen scharfen Rechtskurs einschlagen, zum Beispiel mit seiner Justizreform weitermachen, und das würde die Polarisierung verschärfen. Aber wenn die beiden Blöcke gezwungen wären, in irgendeiner Form zusammenzukommen - das könnte vielleicht einen Wandel bringen."
Auf der ganzen Welt halten Juden wieder als Feindbild her, vor allem unter Islamogauchisten, schreibt der Historiker Michael Wolffsohn in der NZZ. Vor allem die Länder, die Menschen aus dem Nahen Osten "importieren", seien langfristig eine Gefahr für Juden, so Wolffsohn. "Müssen die Diasporajuden auswandern? Wohin? Ins längst noch unsicherere Frankreich, Britannien? Nach Amerika, Australien, Osteuropa, Portugal? Ist die Schweiz eine Insel der Seligen? Noch ist sie ein Bollwerk der Vernunft. Dauerhaft? Wirklich sicher sind Juden als Juden nur an einem Ort - in Israel. Dort droht ihnen keine Gefahr von innen, 'nur' von außen."
Europa
Der Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi sorgt sich im Zeit-Interview mit Evelyn Finger um die Lage in Frankreich. Vor allem Migranten aus Algerien tragen dazu bei, die Lage zu destabilisieren, meint er, der selbst algerische Wurzeln hat. Sie "stellen heute die größte Migrantengruppe in Frankreich, und sie sind jetzt unter den Gewalttätern stark vertreten", meint er. Die Verantwortung für gescheiterte Integration sieht er auf beiden Seiten: "Ich sehe mit Sorge, wie das Opfernarrativ, das vom algerischen Militärregime noch heute propagiert wird, bei französischen Migrantenkindern verfängt. Nicht nur bei arbeitslosen. Viele werden in Sommerlagern in der alten Heimat ihrer Eltern und Großeltern indoktriniert." Es ist "kein Zufall, dass die Gewalt ausgerechnet ab dem 17. Oktober so eskalierte. Das Datum ist in unserem kulturellen Gedächtnis ein Tag der Trauer, seit am 17. Oktober 1961 in Paris der friedliche Protest algerischer Zuwanderer blutig niedergeschlagen wurde. Die Polizei schoss in die Menge, es war ein Massaker. Weil die Regierung de Gaulle die Sache vertuschte, kennt man die genaue Zahl der Toten nicht. Historiker schätzen, dass mindestens 100 bis 200 Demonstranten ermordet wurden. Dieses Unrecht wurde nie richtig aufgearbeitet, genau wie die Kolonialgeschichte. Es gibt keine kritische Erinnerungskultur wie in Deutschland."
Die Welt druckt ein Figaro-Interview von Ronan Planchon mit dem Historiker Pierre Vermeren, der sich angesichts der massiven Gewalt in Frankreich fragt, warum der Staat dabei versagt, die Gewalttäter zu fassen oder ihre Taten zu verhindern. "Der Staat ist nicht schwach, er setzt nur seine Macht nicht wirklich voll ein, zumindest nicht bei den gegenwärtigen Ausschreitungen. In einer Demokratie liegt die Nutzung von Staatsgewalt in den Händen der Politik, und die Ordnungskräfte gehorchen. Während der Demonstrationen und Aufstände der 'Gelbwesten' hat die Regierung letztlich ihre Macht genutzt und sich durchgesetzt, indem sie die Demonstranten durch Repression, Panzer sowie Bußgelder aufhielt. Doch angesichts dieser jungen Randalierer, vor allem aber der Demonstrationen, an denen viele Schüler teilnahmen, scheint die Politik wie gelähmt zu sein." Noch sei das kein Bürgerkrieg, "doch nur eine entschlossene Macht kann die Gewalt wieder in ihre Schranken weisen. In der Dritten Welt wurden Aufstände dieser Art oft mit Maschinengewehrsalven beendet. In Nordeuropa reagieren Polizei und Justiz mittlerweile mit besonderer Härte. Diese Illusion, dass man sich in Frankreich alles erlauben kann, ohne je dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, muss ein Ende haben."
In Russland gibt es ein besonderes "Dewauschka-Programm", in dem Mädchen von der fünften bis zur neunten Klasse beigebracht wird, wie sich eine russische Frau zu verhalten hat, erklärt Artur Weigandt in der Welt. "Vormittags lernen die Mädchen nach dem regulären Lehrplan, einschließlich der 'Gespräche über Wichtiges', des patriotischen Pflichtformats an russischen Schulen. Nachmittags folgen neun Zusatzfächer: Grundlagen der Sittlichkeit, Herausragende Frauen in Geschichte und Kultur, ein Fach namens 'Für das Leben', dazu Kochkunst, Modegeschichte, Floristik, Mosaik, Kunstverständnis sowie Hochzeitstraditionen und Tänze der Völker Russlands. Die Sittlichkeit unterrichten Priester. Sie nehmen die Klassen mit in die Kirche, ein Jahrgang ging gemeinsam zur Kommunion." Das Programm hat selbstverständlich das Ziel die jungen Mädchen zu guten Ehefrauen zu erziehen. "Begeistert sind längst nicht alle. Manche Schulen bekamen ihre Klassen nur mit Mühe voll, aufgenommen wurde jedes Mädchen, das wollte. In einem Fall legte man die Mädchen mit einer Klasse der Junarmija zusammen, der militärpatriotischen Jugendorganisation. Eine Schülerin, die das Programm nach einem Jahr verließ, warf ihr Kleid zu Hause hin: Jetzt habe sie einen Lappen zum Bodenwischen."
Die Welt druckt ein Figaro-Interview von Ronan Planchon mit dem Historiker Pierre Vermeren, der sich angesichts der massiven Gewalt in Frankreich fragt, warum der Staat dabei versagt, die Gewalttäter zu fassen oder ihre Taten zu verhindern. "Der Staat ist nicht schwach, er setzt nur seine Macht nicht wirklich voll ein, zumindest nicht bei den gegenwärtigen Ausschreitungen. In einer Demokratie liegt die Nutzung von Staatsgewalt in den Händen der Politik, und die Ordnungskräfte gehorchen. Während der Demonstrationen und Aufstände der 'Gelbwesten' hat die Regierung letztlich ihre Macht genutzt und sich durchgesetzt, indem sie die Demonstranten durch Repression, Panzer sowie Bußgelder aufhielt. Doch angesichts dieser jungen Randalierer, vor allem aber der Demonstrationen, an denen viele Schüler teilnahmen, scheint die Politik wie gelähmt zu sein." Noch sei das kein Bürgerkrieg, "doch nur eine entschlossene Macht kann die Gewalt wieder in ihre Schranken weisen. In der Dritten Welt wurden Aufstände dieser Art oft mit Maschinengewehrsalven beendet. In Nordeuropa reagieren Polizei und Justiz mittlerweile mit besonderer Härte. Diese Illusion, dass man sich in Frankreich alles erlauben kann, ohne je dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, muss ein Ende haben."
In Russland gibt es ein besonderes "Dewauschka-Programm", in dem Mädchen von der fünften bis zur neunten Klasse beigebracht wird, wie sich eine russische Frau zu verhalten hat, erklärt Artur Weigandt in der Welt. "Vormittags lernen die Mädchen nach dem regulären Lehrplan, einschließlich der 'Gespräche über Wichtiges', des patriotischen Pflichtformats an russischen Schulen. Nachmittags folgen neun Zusatzfächer: Grundlagen der Sittlichkeit, Herausragende Frauen in Geschichte und Kultur, ein Fach namens 'Für das Leben', dazu Kochkunst, Modegeschichte, Floristik, Mosaik, Kunstverständnis sowie Hochzeitstraditionen und Tänze der Völker Russlands. Die Sittlichkeit unterrichten Priester. Sie nehmen die Klassen mit in die Kirche, ein Jahrgang ging gemeinsam zur Kommunion." Das Programm hat selbstverständlich das Ziel die jungen Mädchen zu guten Ehefrauen zu erziehen. "Begeistert sind längst nicht alle. Manche Schulen bekamen ihre Klassen nur mit Mühe voll, aufgenommen wurde jedes Mädchen, das wollte. In einem Fall legte man die Mädchen mit einer Klasse der Junarmija zusammen, der militärpatriotischen Jugendorganisation. Eine Schülerin, die das Programm nach einem Jahr verließ, warf ihr Kleid zu Hause hin: Jetzt habe sie einen Lappen zum Bodenwischen."
Gesellschaft
"Der Gesetzgeber hat den Ausschluss einer Partei von der staatlichen Finanzierung im Grundgesetz vorgesehen", weiß der Verfassungsjurist Christoph Möllers im Interview mit der Zeit. In Bezug auf die AfD hält er einen Finanzierungsstopp für eine "ernsthafte Alternative". Dafür müsste vor Gericht bewiesen werden, dass die Partei verfassungsfeindlich ist: "Ich glaube, ein bloßer Finanzierungsstopp könnte für beide Seiten Anreize schaffen. Für die Gegner der AfD bestünde der Anreiz darin, nicht politisch bequem zu werden, die politische Auseinandersetzung mit der Partei und ihren Wählern weiter zu führen, statt zu denken, die sind verboten, darum müssen wir uns nicht mehr kümmern. Und für die andere Seite schafft es vielleicht den Anreiz, sich von den völkischen Elementen zu trennen und sich zu einer rechtsnationalen Partei zu entwickeln."
Für den Samstag sind die "GenZ regelt"-Demonstrationen angekündigt, die den Veranstaltern zufolge friedlich bleiben sollen. In der SZ macht sich Gerhard Matzig darüber Gedanken, was die Demonstranten auf die Straße treibt: das Thema Wohnen liegt dabei auf der Hand. Vom Bundesbau- und Bundesjustizministerium wurde ein Gesetzesentwurf ohne große mediale Aufmerksamkeit veröffentlicht, der das Bauen schneller und effizienter machen soll. Gerade jetzt ein positives Zeichen, so Matzig. Die Initiative wolle "das Bauen nach einem ökonomischeren Standard rechtssicher machen. Etwa durch eine Änderung des Bauvertragsrechts, wodurch nun die Beteiligten eines Bauprojekts einfach und rechtssicher vereinbaren können, 'dass ein Bauwerk unter Verzicht auf bestimmte Komfortstandards ausgeführt werden soll'. Zu den Komfortstandards gehören auch beheizbare Handtuchwärmer im Badezimmer. Deutschland kann keine günstigen Autos und keine günstigen Wohnungen mehr. Will es aber wieder lernen. (...) Solange viele Protestierende unter undichten Schuldächern und in unbezahlbaren Wohnungen keine Zukunft sehen, hilft nur der Protest auf der Straße. Wenn es friedlich bleibt, kann man der Jugend dort begegnen. Es geht nicht um Partikularinteressen und Randale, sondern letztlich um die Zukunft in diesem Land für alle."
Für den Samstag sind die "GenZ regelt"-Demonstrationen angekündigt, die den Veranstaltern zufolge friedlich bleiben sollen. In der SZ macht sich Gerhard Matzig darüber Gedanken, was die Demonstranten auf die Straße treibt: das Thema Wohnen liegt dabei auf der Hand. Vom Bundesbau- und Bundesjustizministerium wurde ein Gesetzesentwurf ohne große mediale Aufmerksamkeit veröffentlicht, der das Bauen schneller und effizienter machen soll. Gerade jetzt ein positives Zeichen, so Matzig. Die Initiative wolle "das Bauen nach einem ökonomischeren Standard rechtssicher machen. Etwa durch eine Änderung des Bauvertragsrechts, wodurch nun die Beteiligten eines Bauprojekts einfach und rechtssicher vereinbaren können, 'dass ein Bauwerk unter Verzicht auf bestimmte Komfortstandards ausgeführt werden soll'. Zu den Komfortstandards gehören auch beheizbare Handtuchwärmer im Badezimmer. Deutschland kann keine günstigen Autos und keine günstigen Wohnungen mehr. Will es aber wieder lernen. (...) Solange viele Protestierende unter undichten Schuldächern und in unbezahlbaren Wohnungen keine Zukunft sehen, hilft nur der Protest auf der Straße. Wenn es friedlich bleibt, kann man der Jugend dort begegnen. Es geht nicht um Partikularinteressen und Randale, sondern letztlich um die Zukunft in diesem Land für alle."
Medien
In der taz resümiert Rahel Bueb beunruhigende Entwicklungen beim Schweizer Medienkonzern Tamedia, zu dem auch Der Tages-Anzeiger gehört. Dort wurden kürzlich 41 Stellen gestrichen: Die Zürcher Zeitung "begründet die 41 Entlassungen in einer Mitteilung mit dem Druck, der auf der Medienbranche laste, etwa dadurch, dass sich die Nutzung auf digitale Plattformen verlagert: 'Unsere Einnahmen und unsere heutige Organisation passen nicht mehr zusammen.' Allerdings, sagt Zukker, passe das nicht recht zusammen mit den Gewinnen, die Tamedia nach wie vor erzielt. 2025 lag die Gewinnmarge bei 3 Prozent. Das Unternehmen setzt sich aber das Ziel von 8 bis 10 Prozent, statt in den Journalismus zu investieren. Der Stellenabbau ist nur eine Seite der Umgestaltung beim Verlagshaus Tamedia. Zugleich setzt das Medienhaus verstärkt auf künstliche Intelligenz und gerät auch damit in die Kritik. Die linke Zürcher Wochenzeitung WOZ schrieb im März dieses Jahres, dass das KI-Reglement von Tamedia besage, dass in jedem Text, der im Tages-Anzeiger sowie anderen Medien des Verlags erscheine, die KI mitschreiben dürfe - in den meisten Fällen ohne Ausweisung. Des Weiteren habe die KI-Chefin von Tamedia, Nadia Kohler, 'verdutzten' Journalist:innen verkündet, dass selbst Texte mit einem KI-Anteil von bis zu 95 Prozent für Leser:innen nicht gekennzeichnet werden müssten."
Zu welchem Unsinn es führen kann, wenn im Lokaljournalismus die KI Einzug hält, hat Annika Schneider vor kurzem für Übermedien anhand des Beispiels des Rhein-Sieg-Anzeigers aus dem Hause DuMont aufgeschrieben.
Zu welchem Unsinn es führen kann, wenn im Lokaljournalismus die KI Einzug hält, hat Annika Schneider vor kurzem für Übermedien anhand des Beispiels des Rhein-Sieg-Anzeigers aus dem Hause DuMont aufgeschrieben.
Internet
Elke Schmitter besucht für ihre Perlentaucher-Kolumne "Ein Wort gibt das andere" einen Vortrag von Roberto Simanowski im Rahmen der Ringvorlesung der Humboldt-Universität zum Thema Künstliche Intelligenz: "Es ist das Anliegen des Redners - der übrigens frei und souverän spricht, so dass es eine reine, menschliche Freude ist - sein Publikum vor Hybris wie vor Koma zu bewahren: Wir sollten uns nicht souveräner fühlen, als wir (als naturgemäß naive Nutzer) nun einmal sind. Wir haben auf die ideologischen Vorgaben unserer liebsten Sprachmaschinen keinen persönlichen Einfluss und in der Regel von ihnen nicht einmal Kenntnis. Wir können außerdem nicht überblicken, geschweige denn planen, worin die Reise geht in diesem Gefährt namens KI, das uns derart komfortabel durchs geistige Leben schweben lässt, dass unsere eigenen Beine - krumm, aber auch herrlich belastbar, wie sie sind - währenddessen verkümmern. Wenn wir nicht hin und wieder aussteigen und stirnrunzelnd selber denken, eigene Glückwunsch- oder Beileidsbriefe formulieren, in Bibliotheken nach widersprüchlichem Wissen suchen und der eigenen, der Serendipity unseres Lebens, immer wieder Chancen geben."
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