9punkt - Die Debattenrundschau
Die Wirklichkeit überdecken
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.01.2026. Die europäischen Staaten meinen es mit der Unterstützung der Ukraine nicht wirklich ernst, kritisiert der Politologe Jeremy Morris bei Zeit Online. FAZ und taz berichten, wie Putin die Winterkälte zur Kriegswaffe macht. Der Soziologe Aladin El Mafaalani beobachtet in der SZ mit Sorge die Bildung von "Misstrauensgemeinschaften", die Populisten nutzen. Die FR fordert, die Kurden endlich als legitimen politischen Akteur anzuerkennen. Der Holocaust sollte nicht auf die Geschichte der deutschen Täter reduziert werden, fordert der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe in der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
28.01.2026
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Europa
Der in Dänemark lehrende britische Politologe Jeremy Morris ist einer der wenigen westlichen Sozialforscher, die noch ethnografische Feldforschung in Russland betreiben. Im Zeit-Online-Gespräch mit Paul Simon teilt er seine Einblicke jenseits der Zensur. In der russischen Bevölkerung herrsche zwar Pessimismus - viele Russen halten eine nationale Katastrophe für wahrscheinlicher, als dass es Russland gelingen könnte, die Ukraine zu unterwerfen, so Morris. Aber Putin habe es geschafft, die meisten Russen von den Folgen des Krieges abzuschirmen. Das sei auch ein Versagen des Westens, denn "wenn die europäischen Staaten es ernst meinten, müssten sie die Ukraine viel entschlossener ökonomisch, militärisch und diplomatisch unterstützen. Das würde wiederum die russische Regierung zwingen, selbst mehr Ressourcen und Soldaten für den Krieg zu mobilisieren und das brächte für das Regime die Gefahr einer Destabilisierung. Eine erneute Mobilmachung wäre nur schwer durchzusetzen." Stattdessen "wurde derart viel politische Energie auf diese Visa-Beschränkungen verwendet, dass man nicht zynisch sein muss, um zur Schlussfolgerung zu kommen, dass es den Europäern darum geht, von ihrer Untätigkeit in anderen Bereichen abzulenken. Putin irrt bei vielem, aber auf eins verlässt er sich zurecht: Die Europäer meinen es mit ihrem Widerstand gegen den Krieg nicht wirklich ernst."
"Stand Januar 2026 sind durch Bombardements fast alle thermischen Kraftwerke in der Ukraine zerstört, wodurch mehr als 20 Gigawatt Kapazität ausfallen", berichtet Stefan Locke in der FAZ: "Ukrainische Behörden und der Netzbetreiber Ukrenergo schätzen den Gesamtschaden am Energiesystem bis jetzt auf mehr als 70 Milliarden Dollar. Um den massiven Kapazitätsverlust zu mildern, importiert die Ukraine seit Dezember 2025 täglich bis zu 2,5 Gigawatt aus der EU und dort vor allem aus Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Polen, berichtet die Dixi-Gruppe. Zudem arbeiten Reparaturtrupps am Limit; allein in Kiew seien derzeit 174 Brigaden im Einsatz, teilte am Montag der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Das sei 'eine beträchtliche Ressource', doch angesichts der Schäden 'unzureichend'."
Welche Auswirkungen das auf die ukrainische Bevölkerung hat, kann man in der taz nachlesen, wo Anna Klochko die Lage in den ukrainischen Städten beschreibt: "Russland hat den Frost zu einem Druckmittel gemacht. Wenn die Temperaturen niedrig sind, sind die Angriffe auf die Energieinfrastruktur besonders zerstörerisch. Infolgedessen sieht sich die Ukraine mit einer noch nie dagewesenen humanitären Krise konfrontiert. Mitten im Winter bleiben die Menschen ohne Strom, Heizung und Wasser. Besonders schlimm ist dies in den frontnahen Gebieten und der Hauptstadt Kyjiw." Beim Rentnerehepaar Sinaida und Oleksandr Loskutow liegt "die Temperatur in der Wohnung seit drei Wochen bei 7 Grad plus. 'Warm angezogen, unter drei Decken und mit mehreren Wärmflaschen einzuschlafen, ist noch machbar', sagt Sinaida Loskutowa. 'Aber den ganzen Tag in der Wohnung zu bleiben, ist unerträglich.'"
"Der Blick in die Endphase der römischen Republik mag uns daran erinnern, was geschieht, wenn die Ehrgeizigen zu mächtig und große Teile des Volkes verzweifelt sind", mahnt der Politikwissenschaftler Dirk Jörke in der FAZ. Statt der Vergleiche, die in letzter Zeit zwischen Trump und römischen Kaisern angestellt wurden (unsere Resümees), sollte man lieber die ganze römische Gesellschaft in den Blick nehmen, meint Jörke. Die ging nämlich zu Grunde, weil die Reichen zu reich waren. Sowohl in den USA als auch hierzulande sei die ungleiche "(private) Vermögensverteilung" eine Bedrohung für die Demokratie: "Der Anteil von Menschen mit niedrigen Einkommen an der Wählerschaft der AfD steigt jedenfalls kontinuierlich. Ihre Hochburgen hat diese Partei in Vierteln, die gemeinhin als sozial schwach gelten (...) Gewiss zeichnet sich die AfD nicht durch eine Politik für 'die kleinen Leute', geschweige denn eine Umverteilungspolitik von oben nach unten aus. Doch ihre Forderung nach niedrigeren Energiekosten und einer deutlichen Begrenzung der Migration hat auch eine verteilungspolitische Dimension, die schwerlich zu leugnen ist."
"Stand Januar 2026 sind durch Bombardements fast alle thermischen Kraftwerke in der Ukraine zerstört, wodurch mehr als 20 Gigawatt Kapazität ausfallen", berichtet Stefan Locke in der FAZ: "Ukrainische Behörden und der Netzbetreiber Ukrenergo schätzen den Gesamtschaden am Energiesystem bis jetzt auf mehr als 70 Milliarden Dollar. Um den massiven Kapazitätsverlust zu mildern, importiert die Ukraine seit Dezember 2025 täglich bis zu 2,5 Gigawatt aus der EU und dort vor allem aus Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Polen, berichtet die Dixi-Gruppe. Zudem arbeiten Reparaturtrupps am Limit; allein in Kiew seien derzeit 174 Brigaden im Einsatz, teilte am Montag der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Das sei 'eine beträchtliche Ressource', doch angesichts der Schäden 'unzureichend'."
Welche Auswirkungen das auf die ukrainische Bevölkerung hat, kann man in der taz nachlesen, wo Anna Klochko die Lage in den ukrainischen Städten beschreibt: "Russland hat den Frost zu einem Druckmittel gemacht. Wenn die Temperaturen niedrig sind, sind die Angriffe auf die Energieinfrastruktur besonders zerstörerisch. Infolgedessen sieht sich die Ukraine mit einer noch nie dagewesenen humanitären Krise konfrontiert. Mitten im Winter bleiben die Menschen ohne Strom, Heizung und Wasser. Besonders schlimm ist dies in den frontnahen Gebieten und der Hauptstadt Kyjiw." Beim Rentnerehepaar Sinaida und Oleksandr Loskutow liegt "die Temperatur in der Wohnung seit drei Wochen bei 7 Grad plus. 'Warm angezogen, unter drei Decken und mit mehreren Wärmflaschen einzuschlafen, ist noch machbar', sagt Sinaida Loskutowa. 'Aber den ganzen Tag in der Wohnung zu bleiben, ist unerträglich.'"
"Der Blick in die Endphase der römischen Republik mag uns daran erinnern, was geschieht, wenn die Ehrgeizigen zu mächtig und große Teile des Volkes verzweifelt sind", mahnt der Politikwissenschaftler Dirk Jörke in der FAZ. Statt der Vergleiche, die in letzter Zeit zwischen Trump und römischen Kaisern angestellt wurden (unsere Resümees), sollte man lieber die ganze römische Gesellschaft in den Blick nehmen, meint Jörke. Die ging nämlich zu Grunde, weil die Reichen zu reich waren. Sowohl in den USA als auch hierzulande sei die ungleiche "(private) Vermögensverteilung" eine Bedrohung für die Demokratie: "Der Anteil von Menschen mit niedrigen Einkommen an der Wählerschaft der AfD steigt jedenfalls kontinuierlich. Ihre Hochburgen hat diese Partei in Vierteln, die gemeinhin als sozial schwach gelten (...) Gewiss zeichnet sich die AfD nicht durch eine Politik für 'die kleinen Leute', geschweige denn eine Umverteilungspolitik von oben nach unten aus. Doch ihre Forderung nach niedrigeren Energiekosten und einer deutlichen Begrenzung der Migration hat auch eine verteilungspolitische Dimension, die schwerlich zu leugnen ist."
Politik
"Trump und seine Leute verstehen es meisterhaft, den Bruch rechtsstaatlicher Prinzipien ... zu inszenieren", schreibt Philip Bovermann in der SZ mit Blick auf die Tötung von Alex Pretti durch einen ICE-Beamten: "Eigentlich tragen Polizisten in den USA an ihren Uniformen häufig sogenannte Bodycams, diese Art des Filmens dient der Wahrheit - ihrem Schutz und dem ihrer potenziellen Opfer. Die Bilder werden automatisch auf behördliche Server übertragen, ohne dass die Beamten sie verändern können. Trumps wie Milizen agierende Truppen in Minneapolis allerdings verwenden, das ist auf Bildern zu erkennen, teilweise 'Smart Glasses', Brillen mit eingebauten Objektiven, und Go-Pro-Kameras. Auch die Attentäter von Halle und Christchurch hatten bei ihren Morden solche Geräte auf dem Kopf, als seien sie die Helden eines Videospiels. Extremsportler verwenden sie gern, die mit ihnen gemachten Aufnahmen sehen nach Action aus. Sie landen auf Speicherkarten, um später nach Bedarf geschnitten zu werden."
Rüdiger Schaper blickt im Tagesspiegel derweil darauf, wie falsche Begriffe die Wirklichkeit überdecken: "'Immigration and Customs Enforcement', kurz ICE, klingt nach Verwaltung, nach Formularen, nach Grenzmanagement und der Abwehr der Feinde von außen." Aber: "ICE-Beamte sind nicht bloß Sachbearbeiter. Sie stürmen Wohnungen, zerreißen Familien, setzen körperliche Gewalt ein, obwohl der Betroffene keine Straftat begangen hat. Sie verschleppen Menschen in Haftzentren. Dokumentierte Fälle zeigen: Menschen starben in ICE-Haft an unbehandelten Erkrankungen, an Unterlassungen, an Gewalt. Tausende berichten von Drohungen, Einschüchterung, Verletzungen. Die Härte, mit der ICE vorgeht, ist nicht der Ausrutscher einzelner Beamter, sondern strukturell. Es handelt sich um ein System, das Menschen entmenschlicht und Gewalt zur Routine macht."
So schnell kann es in Trumps Regierung gehen, schreibt Majid Sattar in der FAZ mit Blick auf den ICE-Kommandeur Greg Bovino, der nun aus Minneapolis abgezogen wird. Während sich Bovino am Sonntag noch sicher fühlen konnte, auf der Linie des Weißen Hauses zu sein, sah es einen Tag später anders aus: "Am Montagabend wurde gemeldet, das Heimatschutzministerium habe Bovinos Konten in den sozialen Medien mit sofortiger Wirkung gesperrt. Am Dienstag sickerte durch, er kehre auf seinen früheren Posten in Kalifornien zurück, werde aber wohl schon bald in den Ruhestand gehen. Auf Distanz ging das Weiße Haus auch zu Heimatschutzministerin Kristi Noem und Präsidentenberater Stephen Miller. Auf die Frage, ob Trump deren Sichtweise teile, wonach Pretti Bundesbeamte 'angegriffen' und mit seiner Waffe 'herumgefuchtelt' habe, sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt, sie habe den Präsidenten Pretti nicht in dieser Weise beschreiben hören."
"Es ist an der Zeit, die Kurden als legitimen politischen Akteur anzuerkennen", ruft Leylan Uca, die in der FR die Geschichte der Kurden erzählt, die spätestens seit dem 1923 geschlossenen Vertrag von Lausanne, der sie nicht als eigenständige Volksgruppe anerkannte, immer wieder massiven Repressionen ausgesetzt sind. Jetzt mit Rojava sind sie aber entschlossen, "bis zum bitteren Ende zu gehen. (...) Obwohl zahlreiche schwere Menschenrechtsverletzungen in Rojava dokumentiert sind, darunter Vertreibungen, Entführungen, Vergewaltigungen, die Schändung von Leichnamen, Versklavung sowie gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur, Wohngebiete und Verteidigungsstrukturen und es weitgehend an internationalem Schutz fehlt, sehen die Kurden mittlerweile den bewaffneten Widerstand als einzige Möglichkeit, um zu überleben, selbstbestimmt zu leben und sich gegen äußere Angriffe zu schützen." Aber beim Wiedererstarken des IS handelt es sich auch um eine Frage internationaler Sicherheit, so Uca: "Solange das Kurdenproblem nicht politisch gelöst wird, wird es weiterhin Unruhe im Nahen Osten geben. Es ist daher kritisch zu bewerten, dass bestehende politische Ansätze bislang nicht konsequent umgesetzt werden."
Rüdiger Schaper blickt im Tagesspiegel derweil darauf, wie falsche Begriffe die Wirklichkeit überdecken: "'Immigration and Customs Enforcement', kurz ICE, klingt nach Verwaltung, nach Formularen, nach Grenzmanagement und der Abwehr der Feinde von außen." Aber: "ICE-Beamte sind nicht bloß Sachbearbeiter. Sie stürmen Wohnungen, zerreißen Familien, setzen körperliche Gewalt ein, obwohl der Betroffene keine Straftat begangen hat. Sie verschleppen Menschen in Haftzentren. Dokumentierte Fälle zeigen: Menschen starben in ICE-Haft an unbehandelten Erkrankungen, an Unterlassungen, an Gewalt. Tausende berichten von Drohungen, Einschüchterung, Verletzungen. Die Härte, mit der ICE vorgeht, ist nicht der Ausrutscher einzelner Beamter, sondern strukturell. Es handelt sich um ein System, das Menschen entmenschlicht und Gewalt zur Routine macht."
So schnell kann es in Trumps Regierung gehen, schreibt Majid Sattar in der FAZ mit Blick auf den ICE-Kommandeur Greg Bovino, der nun aus Minneapolis abgezogen wird. Während sich Bovino am Sonntag noch sicher fühlen konnte, auf der Linie des Weißen Hauses zu sein, sah es einen Tag später anders aus: "Am Montagabend wurde gemeldet, das Heimatschutzministerium habe Bovinos Konten in den sozialen Medien mit sofortiger Wirkung gesperrt. Am Dienstag sickerte durch, er kehre auf seinen früheren Posten in Kalifornien zurück, werde aber wohl schon bald in den Ruhestand gehen. Auf Distanz ging das Weiße Haus auch zu Heimatschutzministerin Kristi Noem und Präsidentenberater Stephen Miller. Auf die Frage, ob Trump deren Sichtweise teile, wonach Pretti Bundesbeamte 'angegriffen' und mit seiner Waffe 'herumgefuchtelt' habe, sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt, sie habe den Präsidenten Pretti nicht in dieser Weise beschreiben hören."
"Es ist an der Zeit, die Kurden als legitimen politischen Akteur anzuerkennen", ruft Leylan Uca, die in der FR die Geschichte der Kurden erzählt, die spätestens seit dem 1923 geschlossenen Vertrag von Lausanne, der sie nicht als eigenständige Volksgruppe anerkannte, immer wieder massiven Repressionen ausgesetzt sind. Jetzt mit Rojava sind sie aber entschlossen, "bis zum bitteren Ende zu gehen. (...) Obwohl zahlreiche schwere Menschenrechtsverletzungen in Rojava dokumentiert sind, darunter Vertreibungen, Entführungen, Vergewaltigungen, die Schändung von Leichnamen, Versklavung sowie gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur, Wohngebiete und Verteidigungsstrukturen und es weitgehend an internationalem Schutz fehlt, sehen die Kurden mittlerweile den bewaffneten Widerstand als einzige Möglichkeit, um zu überleben, selbstbestimmt zu leben und sich gegen äußere Angriffe zu schützen." Aber beim Wiedererstarken des IS handelt es sich auch um eine Frage internationaler Sicherheit, so Uca: "Solange das Kurdenproblem nicht politisch gelöst wird, wird es weiterhin Unruhe im Nahen Osten geben. Es ist daher kritisch zu bewerten, dass bestehende politische Ansätze bislang nicht konsequent umgesetzt werden."
Gesellschaft

Internet
Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman erzählt ihre Geschichte nun mit Hilfe ihres Enkels Aron Goodman auf TikTok. Im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen erzählen die beiden, wie es dazu kam. Goodman erklärt, warum er TikTok als Medium nutzt: "Das hat mehrere Gründe: Erstens kenne ich den Algorithmus gut und weiß, was funktioniert und was nicht. Zweitens habe ich auf TikTok extrem viel Antisemitismus gesehen. Es wurde wenig dagegen unternommen. Und drittens beziehen viele aus meiner Generation ihre Informationen nunmal von TikTok. Hinzu kommt: An vielen Schulen in den USA wird der Holocaust kaum oder gar nicht unterrichtet - besonders im Süden des Landes, aber auch in New Jersey. Diese Jugendlichen wollen wir erreichen und ansprechen. Und schließlich wollen wir Werbung machen für einen besseren Schulunterricht in punkto Holocaust."
Ideen
In der FAZ reagiert der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe auf einen Artikel seiner Kollegen Stephan Lehnstaedt und Andrea Löw (mehr hier). Eine Präsentation von Rossoliński-Liebes neuem Buch, in dem er sich mit der Kollaboration polnischer Bürgermeister mit den Nazis auseinandersetzt, unter ihnen der Warschauer Bürgermeister Julian Kulski, war nach einer Beschwerde der polnischen Botschaft abgesagt worden. Rossoliński-Liebe schildert zunächst den massiven Widerstand, nebst Einschüchterungen unter anderem durch die Kulski-Stiftung, aber auch durch "rechtsradikale Journalisten" und Regierungsvertreter, den sein Buch erfuhr. Außerdem betont er: "Den Holocaust auf die Geschichte der deutschen Täter zu reduzieren, ist falsch." Er "hoffe, dass Deutschland und Polen einen Weg finden, mit dem Thema der Kollaboration umzugehen, ohne Historiker anzufeinden. Die Verantwortung für den Holocaust ist derart fest, buchstäblich staatstragend, mit der deutschen nationalen Identität verbunden, dass manche Hüter dieser Identität alles andere auszublenden bemüht sind - sogar auf Kosten der wissenschaftlichen Erkenntnis. (...) Dass mein Buch Politikern wie Karol Nawrocki in Warschau und Historikern wie Stephan Lehnstaedt in Berlin ein Dorn im Auge ist, liegt auf der Hand.
Goethe, Mozart, Chagall, Churchill und mehr als zehn US-Präsidenten waren Freimaurer - und doch sind sie bis heute Gegenstand der abstrusesten Verschwörungstheorien, weiß Thomas Ribi, der in der NZZ die Geschichte der Logen erzählt. Die katholische Kirche lehnt sie bis heute ab: "1738 erließ Papst Clemens XII. einen Bannfluch gegen die Freimaurerei, der von mehreren Nachfolgern bekräftigt wurde. Das ultimative Verdikt sprach 1884 Leo XIII. In einer Enzyklika hielt er fest, die Freimaurer hätten es darauf angelegt, die Kirche zu zerstören. Kurz darauf wurde ein Passus ins Kirchenrecht aufgenommen, der besagt, dass ein Katholik, der Freimaurer wird, als exkommuniziert gilt. Revidiert wurde das nie. Im November 1983 bekräftigte Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation die Bestimmung: Die Prinzipien des Freimaurertums, hielt er fest, seien mit der Lehre der Kirche nicht vereinbar. Gläubige, die freimaurerischen Verbindungen angehörten, befänden sich 'im Zustand der schweren Sünde' und könnten die heilige Kommunion nicht empfangen. Vor zwei Jahren hat der Vatikan diese Haltung bestätigt. Im Gegensatz zur katholischen Kirche haben sich die Staaten mittlerweile mit den Freimaurern arrangiert."
Goethe, Mozart, Chagall, Churchill und mehr als zehn US-Präsidenten waren Freimaurer - und doch sind sie bis heute Gegenstand der abstrusesten Verschwörungstheorien, weiß Thomas Ribi, der in der NZZ die Geschichte der Logen erzählt. Die katholische Kirche lehnt sie bis heute ab: "1738 erließ Papst Clemens XII. einen Bannfluch gegen die Freimaurerei, der von mehreren Nachfolgern bekräftigt wurde. Das ultimative Verdikt sprach 1884 Leo XIII. In einer Enzyklika hielt er fest, die Freimaurer hätten es darauf angelegt, die Kirche zu zerstören. Kurz darauf wurde ein Passus ins Kirchenrecht aufgenommen, der besagt, dass ein Katholik, der Freimaurer wird, als exkommuniziert gilt. Revidiert wurde das nie. Im November 1983 bekräftigte Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation die Bestimmung: Die Prinzipien des Freimaurertums, hielt er fest, seien mit der Lehre der Kirche nicht vereinbar. Gläubige, die freimaurerischen Verbindungen angehörten, befänden sich 'im Zustand der schweren Sünde' und könnten die heilige Kommunion nicht empfangen. Vor zwei Jahren hat der Vatikan diese Haltung bestätigt. Im Gegensatz zur katholischen Kirche haben sich die Staaten mittlerweile mit den Freimaurern arrangiert."
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