Grzegorz Rossolinski-Liebe

Polnische Bürgermeister und der Holocaust

Besatzung, Verwaltung und Kollaboration. Habil.
Cover: Polnische Bürgermeister und der Holocaust
De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783110748970
Gebunden, 1104 Seiten, 109,95 EUR

Klappentext

Polnische Bürgermeister waren eine wichtige Gruppe von Beamten im Verwaltungsapparat des Generalgouvernements. Zusammen mit den deutschen Bezirks- und Stadtgouverneuren prägten sie die lokale Politik und spielten eine wichtige Rolle bei der Verfolgung und Ermordung polnischer und europäischer Juden sowie bei der Ausbeutung des Generalgouvernements. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen und neuen Kontextualisierungen stellt dieses Buch ausgewählte polnische Bürgermeister vor und zeigt, wie sie sich während des Zweiten Weltkriegs verhielten. Die Analyse umfasst Städte wie Otwock, mittelgroße Städte wie Częstochowa und Metropolen wie Warschau. Mit dieser Studie legt Grzegorz Rossoliński-Liebe eine Grundlage für die Forschung zur Kommunalverwaltung während des Holocaust.

Buch in der Debatte

9punkt 04.03.2026
Im Feuilleton der FAZ wird seit einigen Wochen über den Bedeutung der Kollaboration im Judenmord gestritten (unsere Resümees). Auslöser ist das Buch "Polnische Bürgermeister und der Holocaust" des Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe, das diese Kollaboration untersucht und zu dem Ergebnis kommt, dass sehr viel mehr polnische Juden hätten gerettet werden können, wenn die nicht-jüdische Bevölkerung nicht mit den Nazis kollaboriert hätte. Eine Veranstaltung über das Buch in Berlin wurde auf Druck der polnischen Botschaft abgesagt. Ayala Goldmann und Michael Thaidigsmann unterhalten sich für die Jüdische Allgemeine mit dem polnischen Historiker Jan Grabowski und seinem deutsche Kollegen Stephan Lehnstaedt. Grabowski wirft deutschen Kollegen vor zu suggerieren, es gehe in der Geschichte nur um "die Deutschen " und "die Juden": "Sie müssen verstehen, dass die polnische Historikervereinigung in den letzten dreißig Jahren kein einziges Papier, kein einziges Panel der Vernichtung der polnischen Juden gewidmet hat. Das Thema kommt gar nicht vor, denn es wird nicht als Teil der polnischen Geschichte angesehen. Die Werke deutscher Historiker tragen ihren bescheidenen Teil zu dem falschen Bild bei, der Holocaust sei ausschließlich eine deutsche und eine jüdische Angelegenheit gewesen." Lehnstaedt äußert allerdings auch seine Befürchtung, dass in öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland die Frage nach der Kollaboration "nicht aus echtem Interesse heraus gestellt wird, sondern weil man die Schuld der Deutschen am Holocaust relativieren möchte", allerdings sei das ein Problem der Vermittlung, nicht der Wissenschaft. Unser Resümee
9punkt 21.01.2026
Die Gedenkstätte Topographie des Terrors hat im November kurzfristig eine Buchpräsentation des an der FU lehrenden Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe abgesagt, nachdem die polnische Botschaft gegen das Buch protestiert hatte: Rossoliński-Liebe beschreibt darin - offenbar sehr kritisch - das Verhalten polnischer Bürgermeister während des Holocaust. Auf die Frage des Holocaustforschers Jan Grabowski in der Jüdischen Allgemeinen: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, warum schweigt ihr?", antworten heute in der FAZ die Historiker Stephan Lehnstaedt (mehr hier) und Andrea Löw (mehr hier) Unser Resümee

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