Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 11.38 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Gemeinschaftliche Werke

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.04.2010. Im Freitag schreibt Volkmar Sigusch: Ein Mensch, der pädophile Neigungen hat, kann so wenig dafür, wie der, der erwachsene Frauen begehrt. In der taz macht der Reggae-Sänger Gentleman klar: Entweder man respektiert die Schwulen oder die jamaikanische Kultur. Die taz macht auch auf eine fatale Dialektik von Wikileaks aufmerksam. In der FAZ erklärt Thomas Hettche, warum er auf keinen Fall bloggen will.

Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2010

Ulrich M. Schmid macht nach den Bombenanschlägen in Moskau unter Russlands Intellektuellen vor allem aufgeregte Ratlosigkeit aus und konstatiert: "Es ist bemerkenswert, dass es in der Bevölkerung immer noch einen unausgesprochenen Konsens über die Bewahrung der territorialen Integrität der Russischen Föderation gibt - auch wenn die Regierung in weiten Teilen des Nordkaukasus kaum die Staatsgewalt ausübt. ... Der Terror in Russland hat wenig mit dem Islamismus, aber viel mit den politischen und wirtschaftlichen Missständen im Kaukasus zu tun."


Weiteres: Joachim Güntner gibt einen Abriss über Kultur und Barbarei der Nachkriegsmoderne und begrüßt die Proteste gegen den Abriss bedeutender Sechziger-Jahre-Bauten in Köln, Bonn und Hannover. Besprochen werden auf der Filmseite Urszula Antoniaks Spielfilmdebüt "Nothing Personal" und Luca Guadagninos Film "Io sono l'amore". Außerdem Bücher, darunter Patrizia Cavallis Gedichtband "Diese schönen Tage" und Isolde Schaads Roman "Robinson und Julia" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Der Freitag, 08.04.2010

"Das Kind begehrt, aber nicht den Erwachsenen", schreibt der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch, und der Erwachsene kann erstmal nichts für sein Begehren: "Ein Mensch, der pädophile Neigungen hat, kann so wenig dafür, wie der, der erwachsene Frauen begehrt. Außerdem hat, psychoanalytisch gesprochen, sein Begehren die seelische Funktion, einen unbewussten Konflikt einzudämmen oder abzuwehren, der den Zusammenhalt seiner Person bedroht, beispielsweise durch schwere Depressionen. In einer wirklich liberalen, um nicht zu sagen freien Gesellschaft könnte auch der Pädophile offen und ohne Sanktionen zu seinem Begehren stehen; es auszuleben, könnte aber selbst dann nicht toleriert werden."

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Die Tageszeitung, 08.04.2010

In tazzwei erklärt Daniel Schulz, was die Veröffentlichung des Irak-Videos beim Enthüllungsportal Wikileaks vor allem zeigt: dass digitale Alternativmedien ihrer etablierten Konkurrenz zunehmend gewachsen sind. Ihre Durchschlagskraft habe aber Grenzen: "Was von klassischen Medien nicht weitertransportiert wird, nimmt die Mehrheit der Menschen nicht wahr. Beim digitalen toten Briefkasten Wikileaks fristen viele Dokumente ein trauriges Dasein in Ignoranz. Grund: Kaum eine Redaktion gibt Geld dafür aus, solche Mengen an Material zu sichten, die nicht exklusiv sind. Die Offenheit der Daten sorgt paradoxerweise dafür, dass sie verborgen bleiben."


Im Interview mit Daniel Bax spricht der Reggae-Musiker Gentleman über die Schwulenfeindlichkeit seiner Szene und zieht die Grenzen der Toleranz: "Wir reden hier von einer anderen Kultur. Ich kann ja auch nicht Kondomautomaten im Vatikan aufstellen. Oder im Iran gegen Kopftücher protestieren. Genauso wenig kann ich etwas gegen die Homophobie auf Jamaika tun."

Im Kulturteil weist Cristina Nord auf eine Filmreihe des argentinischen Regisseurs Lisandro Alonso im Berliner Arsenal-Kino hin.

Besprochen werden eine Ausstellung über die Dichterin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs im Jüdischen Museum Berlin, Roger Vontobels Inszenierung von "Don Carlos" am Dresdner Staatsschauspiel, die DVD von Richard Kellys Film "Die Box" und die Autobiografie des Leadsängers von Black Sabbath Ozzy Osbourne. (mehr dazu in unsrere Bücherschau des Tages).

Und Tom.

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Die Welt, 08.04.2010

Marc Reichwein stellt die Adresse getabstract.com vor, wo gestresste Manager gegen drakonische Gebühren Resümees von Wirtschaftsbüchern, aber auch literarischen Klassikern herunterladen können und kommt zu folgender kulturkritischer Reflexion: "Solche Kompilate verhalten sich zum Lesen wie die Kochsendung zum Kochen. Das sekundäre Format floriert in dem Maße, in dem die primäre Kulturtechnik nachlässt."


Weitere Artikel: Thomas Lindemann ist nicht froh über den Umstand, dass die jüngsten Videos auf Journalisten feuernder US-Soldaten nicht etwa von Journalisten, sondern von Wikileaks.com aufgedeckt wurden. Marc Wirbeleit, ehemals Tempo und Springer & Jacoby, schreibt einen Nachruf auf die einst so hippe Werbeagentur, die nun dem einst so hippen Magazin auf dem Weg ins Museum gefolgt ist. Laura Ewert begleitete Musiker des Labels Audiolith durch die deutsche Provinz. Thomas Lindemann unterhält sich mit dem Grünen-Politiker Robert Habeck, der in einem Buch einen Begriff des "linken Patriotismus" entwickelt, im Interview aber nicht recht deutlich machen kann, was das sein soll.

Besprochen werden Poulencs "Karmeliterinnen" in München, eine Ausstellung über das frühe Kino in der Cinematheque in Paris, eine Ausstellung über den Architekten Joseph Maria Olbrich in Darmstadt und Filme, darunter der Film "Zeit des Zorns" (mehr hier) des iranischen Filmemacher Rafi Pitts.

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Frankfurter Rundschau, 08.04.2010

Natürlich kommt Christian Schlüter noch darauf, was ihm an Angela Merkels Politik missfällt, "blinde Wachstumshoffnung" etwa oder ein "demokratiegefährdender" Staatsabbau. Aber eigentlich liest sich sein Artikel zu Merkels zehnjährigem CDU-Vorsitz eher hymnisch: "Überhaupt sei einmal gehörig gelobt, dass unsere Kanzlerin kaum zum öffentlichen Ressentiment neigt und sich im Unterschied zu den meisten ihrer männlichen Kollegen nicht auf Kosten der Schwächsten der Gesellschaft profiliert."


Außerdem: In Times mager untersucht Judith von Sternburg das Tippverhalten. Thomas Schuler erinnert auf der Medienseite an das spezielle Verhältnis von Helmut Kohl zum Spiegel.

Besprochen werden Rafi Pitts' iranische Parabel "Zeit des Zorns", Louis Leterriers Remake von "Kampf der Titanen", Katja Oskamps Buch "Hellersdorfer Perle" (von Anja Hirsch als "Sadomaso-Mutti-Roman" tituliert), Patti Smith' Erinnerungen "Just Kids" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Süddeutsche Zeitung, 08.04.2010

Alex Rühle ist mit dem französischen Autor Alain Mabanckou im Pariser Viertel mit dem irreführend wohklingenden Namen La Goutte d'Or (dt. Goldtropfen) unterwegs: "Wäre da nicht die Pariser Architektur, man könnte glauben, man befinde sich in einem schwarzafrikanischen Land. Mabanckou steckt einer alten Verkäuferin, die er zu kennen scheint, 20 Euro zu und sagt: 'Schwarze Leute, schwarzes Essen, schwarze Läden, nur dass die Häuser leider alle den Chinesen gehören.'"


Weitere Artikel: Der Jurist Andreas Zielcke berichtet von zum Scheitern verurteilten Versuchen von US-Gerichten, den Papst wegen der Kindesmissbrauchsfälle vor Gericht zu zitieren. Der eigentliche Gegenstand von Zielckes Artikel ist allerdings die singuläre Rechtsposition des Papstes. Johan Schloemann teilt mit, dass US-Dozenten jetzt schon Seminararbeiten zur Korrektur nach "Indien, Singapur und Malaysia" schicken. Till Briegleb berichtet, dass die Stadt Hamburg den Baukonzern Hochtief wegen eines fehlenden Terminplans zur Fertigstellung der Hamburger Elbphilharmonie verklagen will. Er kommentiert auch die diesjährige Lead-Award-Verleihung (Website der Awards). Catrin Lorch beklagt den Umgang seiner Erben mit dem Werk des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer. Auf der Kino-Seite porträtiert Fritz Göttler den Filmemacher Romuald Karmakar, der im März mit einer Retrospektive im Wiener Filmmuseum gefeiert wurde. Außerdem weist Göttler auf eine Japan-Reihe im Münchener Werkstattkino hin.

Besprochen werden die Ausstellung "Randzeichnungen" im Marbacher Literaturmuseum, neue Filme, darunter Tom Fords Regiedebüt "A Single Man" und Urszula Antoniaks "Nothing Personal", das neue Album "Highway Rider" des Jazzmusikers Brad Mehldau und Jakob Heins neuer Roman "Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 08.04.2010

"Die große Zeit der Kreativität im Fußball ist vorbei", erklärt der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht in einem instruktiven Interview, selbst Ausnahmespieler wie Messi oder Ribery können im taktisch überregulierten Spiel nur noch Akzente setzen. "Wir haben ja alle lange gehofft, dass der afrikanische Fußball das Spiel in vielerlei Hinsicht erneuern wird. Dass Länder wie Ghana oder Nigeria ganz anders spielen und eine neue Epoche einläuten würden. Darauf warten wir nun schon seit mindestens zehn Jahren vergeblich. Das hat sicher auch damit zu tun, dass afrikanische Talente schon im Alter von 15 Jahren von europäischen Klubs geholt werden, sich in das europäische Spielsystem einfügen müssen und im negativen Sinne abgeschliffen werden. Es scheint mir auch unwahrscheinlich, dass die kommende Weltmeisterschaft die WM des afrikanischen Fußballs wird. Die stärkste afrikanische Mannschaft ist ja Chelsea, und die spielt nicht mit."


Ijoma Mangold, porträtiert den Schriftsteller und orthodoxen Juden Benjamin Stein, dessen Roman "Die Leinwand" gerade erschienen ist: "Einem orthodoxen Freund in Antwerpen hat Stein sein Buch mitgebracht. Der hat es nicht einmal angerührt. Warum weitere Bücher schreiben, wo es doch schon ein Buch gibt? Die Thora. Die soll man studieren. So gesehen ist Benjamin Stein dann doch eher der Punker unter den Orthodoxen." (Kleiner Tipp: nächsten Mittwoch stellt Mangold Stein Buch im Literarischen Colloquium in Berlin vor).

Weiteres: Als Aufmacher wird ein Auszug aus Uwe Tellkamps Essay "Uhrenvergleich", den dieser für den Katalog zur Neo-Rauch-Doppelausstellung in München und Leipzig beitrug: "Typus rauchscher Frauen: begutachtend (Demos), einladend (die Riesin im roten Pullover, Alter), modebewusst (sie tragen, wie es heute üblich ist, Stiefel zu Röcken - Militanz und Züchtigkeit, das ist Gretchen als Domina)." Iris Radisch erklärt für die deutschen Leser der Zeit, worum es im Streit um Max Frischs Tagebücher zwischen Adolf Muschg und Peter von Matt geht. Thomas Assheuer erklärt sich in der Randglosse den Hype um das Ipad mit dessen Tabernakelhaftigkeit.

Auf der Glaubensseite hofft Christian Schüle, dass die Physik mit der gelungenen Urknall-Simulation am Genfer Cern der Theorie für alles, der Weltformel, ein gutes Stück näher gekommen ist.

Besprochen werden die Ausstellung der Totenmasken von Ensslin, Baader und Raspe in Esslingen (die Hanno Rauterberg für eine "überaus geglückte Provokation" hält), Rafi Pitts' Parabel "Zeit des Zorns", Tom Fords Isherwood-Verfilmung "A Single Man", die Lucian-Freud-Schau im Pariser Centre Pompidou, nachgelassene Aufnahmen des Pianisten Eduard Steuermann, das Album "Congratulations" von MGMT, Jacques Demys Filme auf DVD. Und Bücher, darunter T.C. Boyles Novelle "Das wilde Kind" und Elisabeth Badinters Studie "Der Infant von Parma" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2010

Der Schriftsteller Thomas Hettche sieht die literarische Kultur unserer Gesellschaften nach zweihundert Jahren an ihr Ende gelangen. Niemand will mehr die intensive Auseinandersetzung mit Werken, niemand mehr wirklich lesen, alle (auch der von Hettche zitierte Perlentaucher) wollen nur noch Kommunikation zwischen Autor und Leser. Hettche will aber nicht bloggen, er will auch keine werkvergessene Neoromantik, die er so beschreibt: "Während Friedrich Schlegel von einem Zeitalter träumte, in dem 'es nichts seltnes mehr wäre, wenn mehrere sich gegenseitig ergänzende Naturen gemeinschaftliche Werke bildeten', arbeitet das aktuelle Revival des romantischen Fragments in Gestalt von Blog und Tweet ebenso dem Vergessen und dem Verschwinden der Werke zu wie die neoromantische Vorstellung von Autorenschaft, bei der - und dafür ist die Diskussion um Helene Hegemann symptomatisch - das Werk nurmehr Akzidenz eines Ichs ist, das sich mit seiner Hilfe erfindet und an so etwas wie temporäre Gemeinden im Netz entäußert, die an die Stelle einer literarischen Öffentlichkeit treten."


Der Agenturgründer und Blogger Christoph Kappes untersucht, wie sehr Google in Deutschland bereits den Internet-Datenverkehr dominiert. Anlass zu übergroßer Besorgnis sieht er nicht, gibt aber zu bedenken: "In den Mediengesetzen ist ... geregelt, dass redaktionelle Inhalte und Werbung zu trennen und zu kennzeichnen sind. Warum also sollte man nicht auch Aggregatoren wie Google auf eine unmanipulierte Auswahl von Internetinhalten verpflichten und ihnen nur unter Auflagen erlauben, selbst im Inhaltegeschäft tätig zu werden?"

Weitere Artikel: In Frankreich recherchierte eine Fernsehsendung nach Pädophilen, die im Netz unterwegs sind - wurde mehr als nur fündig, und zeigte alle an. Jürg Altwegg schreibt darüber, welche Diskussionen das auslöste. Andreas Rossmann schildert, wie unsouverän die Stadt Köln auf Kritik in einem Buch zur Berliner Ausstellung zum Stadtarchiv reagierte. In der Glosse konstatiert Kerstin Holm beträchtliches Desinteresse am orthodoxen Religionsunterricht in den dafür vorgesehenen Testregionen. Ins traurige Bild deutscher Stadtplanung passen für Dieter Bartetzko die Umbaumaßnahmen an der Frankfurter Galluswarte. Robert von Lucius beschreibt südafrikanischen Streit um zwei Urteile, die dem mächtigen Julius Malema, dem Vorsitzenden der Jugendliga des ANC, das Singen des einstigen Widerstandslieds "Kill the Boer" untersagen. Von einer Tagung des "Freundeskreises der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger" zum Thema "Krieg und Frieden" in Heiligkreuzthal berichtet Martin Thoemmes.

Auf der Kinoseite stellt Bert Rebhandl den Regisseur Romuald Karmakar (hier sein im Text auch erwähnter Youtube-Kanal), der gerade in Graz und Wien vielfache Auftritte hatte, als deutschen Gesamtregisseur dar, der "den Romantizismus von Herzog, das Geschichtsbewusstsein von Kluge, die Anarchie von Achternbusch" zu verbinden versteht. Was beim Filmfestival in Hongkong von Interesse war, ist von Rüdiger Suchsland zu erfahren.

Besprochen werden die Ausstellung "Otto Meyer-Amden: Zwischentöne" im Hamburger Ernst-Barlach-Haus, die Ausstellung "Im Licht der Lagune" der Klassik Stiftung Weimar, eine Best-of-Pavement-Edition, das Album "Hidden" der Band These New Puritans, Rafi Pitts' Film "Zeit des Zorns" (mehr hier) und Bücher, darunter die große, sieben Gigabyte schwere digitale Musil-Edition (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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