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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Härteste Türpolitik
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien.
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Aus den Blogs, 08.02.2010
Eigentlich heißt es ja immer, dass das Netz nicht recherchieren kann, aber in diesem Fall beruhen alle heutigen qualitätsjournalistischen Artikel (siehe unten, FAZ und Welt) auf einem Eintrag von Deef Pirmasens' Blogs Gefühlskonserve. Die Frage lautet nun also: Ist der Sensationserfolg "Axolotl Roadkill", der Debütroman der 17-jährigen Helene Hegemann, ein Plagiat des Techno-Untergrund-Romans "Strobo", den der Autor Airen im Sukultur-Verlag veröffentlicht hatte? Gefühlskonserve brachte am Freitag eine Menge Passagen aus den Romanen, die sich ziemlich ähnlich lasen. Anlass war eine einfache Beobachtung: Wie kann ein 16-jähriges Kind so glaubhaft über die Disko Berghain schreiben?, fragte sich Blogautor Deef Pirmasens. "Ins Berghain dürfen dank härtester Türpolitik nicht mal Leute, die auch nur AUSSEHEN wie unter 21jährig. Hegemann schreibt trotzdem glaubhaft darüber, weil sie sich von anderen Autoren inspirieren ließ, was zunächst einmal legitim ist. Doch die Inspiration nimmt copy-paste-mäßige Züge an..." Gestern kam auf demselben Blog die Meldung: "Helene Hegemann entschuldigt sich." Die ganze Entschuldigung und die Reaktion der Verlegerin Siv Bublitz stehen bei buchmarkt.de: "Airen, von dem ich insgesamt eine Seite, ohne sie groß verändern zu müssen, regelrecht abgeschrieben habe, ist ein großartiger Schriftsteller", meint Hegemann.
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Frankfurter Rundschau, 08.02.2010
Die FR druckt einen Vortrag des Anti-Mafia-Oberstaatsanwalts von Palermo, Roberto Scarpinato, in dem dieser den unregulierten Liberalismus, diese "Schurkenwirtschaft", mitverantwortlich macht für die Globalisierung der Mafia: "Die beschriebene Zersetzung der politischen Macht trägt dazu bei, dass kriminelle Aristokratien eine strukturelle Komponente des neuen globalen Kapitalismus darstellen, an der Neubildung von Staaten beteiligt sind und die Struktur von schwachen Staaten infiltrieren."
Im Times mager erkennt Christian Schlüter ganz unironisch im Zölibat einen Protest gegen "die auf unbedingte, auch sexuelle Verfügbarkeit zielenden Konsumimperative unserer säkularen Gesellschaften". Auf der Medienseite porträtiert Jens Holst die Galionsfigur des chilenischen Journalismus, Juan Pablo Cardenas.
Besprochen werden Roland Schimmelpfennigs Konzept-Aufführung des "Weißen Albums" am Frankfurter Schauspiel, der frühe Roman "Und die Nilpferde kochten in ihren Becken" von William S. Burroughs und Jack Kerouac sowie Arno Geigers Roman "Alles über Sally" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
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Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2010
Barbara Villiger Heilig ist hingerissen von Andrea Breths Inszenierung des Koltes-Stücks "Quai West" am Wiener Burgtheater: "Opulent, zeremoniell, antirealistisch - Andrea Breth macht aus dem Stück eine Sprechoper, ob deren Grandiosität man allerdings bald voll Bewunderung erstarrt. Die Zumutung hebt den Alltag ins Mythische. Und siehe da: Das, woraus sich der banale Alltag zusammensetzt - nicht nur Finanzbetrügereien -, steht plötzlich in seiner existenziellen Dimension da."
Weiteres: Joachim Güntner sieht in David Chipperfields von der Krupp-Stiftung finanzierten Neubau des Essener Folkwang Museums nicht nur "ein architektonisches Lehrstück", sondern auch ein paternalistisches: "Es ist aufschlussreich, in welchem Maße der einsame Wille eines Industrie-Patriarchen noch immer Geschicke entscheiden kann." Urs Hafner berichtet von den zweiten Schweizerischen Geschichtstagen an der Universität Basel. Besprochen wird Karin Henkels Inszenierung der "Alkestis" nach Euripides am Schauspielhaus Zürich.
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Perlentaucher, 08.02.2010
Warum regen sich nicht auch der deutsche PEN-Club oder Günter Grass, so wie der amerikanische oder Herta Müller (hier), um Liu Xiaobos Nominierung für den Friedensnobelpreis zu unterstützen?, fragt Sabine Pamperrien im Perlentaucher: "Der Präsident des deutschen P.E.N., Johano Strasser und andere deutsche Schriftsteller wie Günter Grass hätten eigentlich Anlass, ebenfalls deutliche Zeichen zu setzen. Es ist erst ein gutes Jahr her, dass die beiden den chinesischen Dissidenten bei der Debatte über die China-Redaktion der Deutschen Welle in den Rücken fielen. Die Dissidenten hatten die Deutsche Welle damals für eine viel zu Regime-nahe Berichtertattung kritisiert, darum sammelte eine SPD-nahe Initiative prominente Nemen wie die Grass', um die Kritik zurückzuweisen."
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Die Tageszeitung, 08.02.2010
Pater Klaus Mertes, Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, erklärt im Interview, wie tief ihn die Missbrauchsvorfälle an seiner Schule erschüttert haben. Welche Konsequenzen das für die Täter haben soll, sagt er nicht: "In Bezug auf die Missbrauchsfälle lehne ich es aber ab, Aussagen über sexuelle Identitäten der Täter zu machen. Für mich ist das Thema nicht die Pädophilie. Mir geht es darum, die Gewalt und den Machtmissbrauch der Täter zu benennen, nachdem ich es von den Opfern gehört habe. Die Opfer stehen im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit, nicht die Täter."
Außerdem: Tim Caspar Boehme resümiert einen Berliner Vortrag des amerikanische Sci-Fi-Autor Bruce Sterling über Atemporalität. Christiane Müller-Lobeck berichtet über eine "1. Konferenz zur sozialen Spaltung" in Hamburg. Meike Laaff erzählt, wie auf der Transmediale sechs Leute um den Künstler und Programmierer Adam Hyde in fünf Tagen ein Buch konzipiert und geschrieben haben. Besprochen wird Young Jean Lees Stück "The Shipment" am Hamburger Thalia Theater.
Auf den vorderen Seiten ist eine Protestnote abgedruckt, in der 140 Intellektuelle Meinungsfreiheit und das Ende der staatlichen Gewalt im Iran fordern. Auf der Medienseite berichtet Marcus Bensmann über die Situation usbekischer Journalisten, die von der Staatsanwaltschaft terrorisiert werden und sich jetzt auch noch von ihrem Präsidenten verhöhnen lassen mussten: "Auf einer Sitzung des vom Präsidenten handverlesenen Senats beklagte Karimow am 27. Januar die 'Zahnlosigkeit' der Medienvertreter in dem zentralasiatischen Land an der afghanischen Grenze".
Dorothea Bär (CSU), Katja Dörner (die Grünen) und Katrin Rönicke (vom Blog "Mädchenmannschaft"), alle Anfang 30, diskutieren über Kindererziehung, Gender-Mainstreaming und Feminismus. Dörner: "Ich mach's mal privat. Meine Freundinnen und ich erleben immer wieder, dass auch von emanzipierten Müttern erzogene Partner und Ehemänner keine Fans sind von Haushaltspflichten. Da wirken alte Rollenbilder nach und wir müssen jeden Tag daran arbeiten."
Und Tom.
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Die Welt, 08.02.2010
Wieland Freund kompiliert den Blogeintrag von Deef Pirmasens, der in Helene Hegemanns Sensationserfolg "Axolotl Roadkill" zahlreiche plagiierte Passagen nachgewiesen hat. Seine Moral von der Geschicht: Gute Lektion für das Netz. "Zum Beispiel könnte sie die Sharing-Kultur lehren, dass ein angeblich unzeitgemäßes Urheberrecht nicht den Konzernen, sondern in erster Linie etwas Unbezahlbarem dienen: der Gerechtigkeit nämlich."
Ulrich Weinzierl ist begeistert von Andrea Breths "Quai West"-Inszenierung am Wiener Burgtheater: "Lauter kleine großartige, großartige Elendsköniginnen und -könige" hat sie ihm vor Augen geführt.
Weitere Artikel: Tilman Krause feiert Martin Walsers komisch-religiöse Novelle "Mein Jenseits" (die erstaunlicher Weise nicht bei rowohlt, sondern bei der Berlin University Press verlegt wurde). Dankwart Guratzsch besucht in Weimar das wiederhergestellte Van-Der-Velde-Haus, einen wichtigen Bau der frühen Moderne. Marko Martin gratuliert der Lyrikerin Eva Strittmatter zum Achtzigsten. Abgedruckt wird Klaus Harpprechts Dankrede zum Erhalt des Lessingpreises.
Besprochen wird eine große Mapplethorpe-Retrospektive in Düsseldorf.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2010
Felicitas von Lovenberg, die ebenfalls Deef Pirmasens' Blog gelesen hat, spricht mit der jungen Starautorin Helene Hegemann über die Vorwürfe, ein Roman des unbekannten Blogger-Autors Airen sei etwas mehr als nur "Inspiration" für ihren (fast) allseits und gerade auch in der FAS (von Maxim Biller, hier) und FAZ gefeierten Debütroman "Axolotl Roadkill" gewesen. Hegemann verteidigt sich mit dem Hinweis auf eine allgemeine Remix-Kultur in der Generation Internet. "Für sie ist die Aufnahme von Bezügen aus Internetforen, Blogs, Liedtexten und Büchern künstlerisches Programm und kein Zeichen von eigener Ideenlosigkeit. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass es keine Originalität mehr gibt, 'nur Echtheit'". Von Lovenberg eiert ein wenig herum, entschuldigt die mit mancherlei Theoriewassern gewaschene Autorin ausgerechnet mit deren "Unbedarftheit" und hofft zuletzt im Ton mütterlicher Ermahnung, dass diese Geschichte "einen Reifeprozess gerade in jenem Bereich einläute(t), wo bisher in Urheberrechtsfragen nur Chaos herrscht - im Internet!" (Die offiziellen Entschuldigungen/Statements von Verlag und Autorin finden sich hier.)
Weitere Artikel: Lena Bopp meint zu Nicolas Sarkozys Vorstoß, die französischen Elitehochschulen per Quote für sozial Schwache und Einwanderer zu öffnen: "Wenn man so will, ist sie das Zuckerbrot, das man den Einwanderern bietet. Die Peitsche gibt es aber auch noch." In der Glosse erklärt Jürgen Kaube, warum die Post ein Amazon-Paket mit Thomas-Bernhard-Stücken nur an ihn persönlich herauszurücken bereit war. In französischen Zeitschriften findet Jürg Altwegg mancherlei Artikel über die Freimaurer. Oliver Jungen informiert darüber, dass bedeutende israelische Akademiker sich gegen vor allem Rainer Stachs Behauptung verwahren, der Max-Brod-Nachlass sei in Israel schlicht nicht adäquat beforschbar. Wolfgang Sandner schreibt kurz zum Tod des Jazzmusikers John Dankwort.
Besprochen werden ein Konzert der Band Midlake (Website) in Köln, Andrea Breths Burgtheater-Inszenierung von Bernard-Marie Koltes' "Quai West", Olivery Pys Inszenierung von Alban Bergs "Lulu" in Genf, eine von Roland Schimmelpfennig zwar übersetzte, aber nicht in ein Stück umgesetzte Version des "White Album" der Beatles, von Florian Fiedler am Frankfurter Schauspielhaus auf die Bühne gebracht, und Bücher, darunter Alan Pauls Roman "Die Vergangenheit" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
In der FAZ am Sonntag wundert sich Claudius Seidl in einem Nachtrag zur Islamdebatte über polemische Reaktionen auf Kritik an Islamkritik und versichert, dass er die Begriffe "Islamophobie" und "Fundamentalismus der Aufklärung" (mehr hier) nicht verwenden würde.
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Süddeutsche Zeitung, 08.02.2010
Die SZ übernimmt einen Artikel des britischen Regierungsberaters Charles Leadbeater aus Edge (hier das Original) über Potenziale und Gefahren des Cloud Computings. Das Internet hat zur Demokratisierung beigetragen, aber Leadbeater warnt, dass dies nicht automatisch so bleiben muss: "So schnell sich dieser zivilgesellschaftliche Raum öffnete, so raffiniert gingen autoritäre Regierungen dabei vor, ihn wieder zu schließen. Die Vorstellung, dass autoritäre Regierungen immer so schwerfällig sein werden, dass sie vom blitzschnellen Zulauf im Netz überlistet werden, ist ein Irrtum."
Weitere Artikel: Im Aufmacher erzählt Johan Schloemann, mit welchen Tricks die alten Athener Steuern erfanden und eintrieben. Helmut Mauro erzählt, dass der einst von allen Opernhäusern umworbene vermeintliche Milliardär und Sponsor Alberto Vilar wegen Betrügereien neun Jahre ins Gefängnis muss. Henning Klüver stellt Oscar Niemeyers neue Konzert- und Veranstaltungshalle in Ravello vor. Helmut Böttiger gratuliert der Lyrikerin Eva Strittmatter zum Achtzigsten.
Besprochen werden das neue Album der Achtziger-Jahre-Ikone Sade, Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth am Wiener Burgtheater, neue DVDs und Bücher, darunter Peter Probsts Kriminalroman "Blinde Flecken" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





