Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 11.38 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

So gut, so gescheit und gütig

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.07.2009. Für die Welt ist mit Michael Jackson nicht nur der King of Pop, sondern der Pop selbst zu Grabe getragen worden. In der NZZ ruft der Politologe Jan-Werner Müller zu einer Stärkung der Parlamente auf. Spiegel Online fragt, warum Google es interessant findet, den Nutzern ein kostenloses Betriebssystem zu geben. Die taz berichtet, dass auch das iranische Kino nach den Wahlen zum Erliegen kam. In der Zeit appelliert Navid Kermani an die westlichen Regierungen, die Wahlen im Iran nicht anzuerkennen. Ebendort erliegt Martin Walser den Reizen Angela Merkels, aber er will auch was von ihr...

Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2009

Jan-Werner Müller, Politologe in Princeton, ruft dazu auf, die Parlamente wieder zu stärken und zu einem selbstbewussteren Akteur der Debatte zu machen. Die Schwächung der Legislative ist für ihn ein Prozess, der nicht erst mit der Globalisierung, sondern schon nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt hat. Eines ihrer Symptome: die Ethik-Kommissionen, "welche seit den neunziger Jahren fast überall gebildet wurden - sie sind sozusagen das zur Institution gewordene Abtun von Abgeordneten, denen man keine fundierten Urteile in komplexen philosophisch-moralischen Fragen zutraut. Dies gilt sogar in der Schweiz, wo man doch gleichzeitig dem Urteil des Volkes gegenüber immer noch viel offener ist als anderswo in Westeuropa."


Weitere Artikel: Uwe Justus Wenzel liest die neueste Enzyklika des Papstes, "Caritas in veritate". Besprochen werden Filme, darunter Moritz Gerbers Debüt "Tag am Meer" und Lucia Puenzos neuer Film "El nino pez", außerdem Bücher, darunter Kathrin Schmidts Roman "Du stirbst nicht" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 09.07.2009

Beim "Abschreiten der Schautafeln" in der Ausstellung zur Zukunft des Humboldt-Forums, das dereinst die Berliner Schlossattrappe füllen soll, wird Harry Nutt ein bisschen blümerant zumute: "Vieles spricht jedenfalls dafür, dass die Ideenschmieden der sich wandelnden Weltgesellschaft sich nicht länger auf Immobilien festlegen lassen. Das Humboldt-Forum trägt die Last, der prominentsten nationalen Leerstelle einen Sinn einhauchen zu müssen."


Weitere Artikel: Christoph Schröder notiert mit Freude, dass ins Frankfurter Literaturhaus unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Joachim Unseld nun wieder Ruhe und eine erträgliche Arbeitsatmosphäre einkehren. Christian Thomas kommentiert den Beschluss der hessischen Landesregierung, nun doch keine Internationale Bauausstellung in der Region stattfinden zu lassen. Axel Brüggemann berichtet über Tarifauseinandersetzungen bei den Bayreuther Festspielen, die in diesem Jahr wegen Streiks zu Ausfällen führen könnten. Judith von Sternburg hörte Uwe Timms Frankfurter Poetikvorlesungen zu.

Besprochen werden Claude Chabrols neuer Film  "Kommissar Bellamy" mit Gerard Depardieu, der Film-noir-Klassiker "Tote schlafen fest", der in neuen Kopien in die Kinos kommt, Konzerte des Kongsberg Jazz Festivals in Norwegen, Schillers "Turandot" in der Regie von Jens Daniel Herzog in München und ein Buch A. J. Lieblings über die klassische Ära des Boxsports (mehr hier).

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Aus den Blogs, 09.07.2009

Eren Güvercin erklärt in seinem Blog grenzgängerbeatz einige Hintergründe zu den Protesten der Uiguren. Harsch kritisiert er die chinesische Bevölkerungspolitik: "Die chinesische Regierung führt bei den muslimischen Uiguren auch eine strenge Geburtenkontrolle durch, um so das natürliche Anwachsen der Uigurischen Bevölkerung aufzuhalten. Menschenrechtsorganisationen berichten auch von zahlreichen erzwungenen Abtreibungen und sogar von Todesfällen in diesem Zusammenhang."


Zwei chinesische Autoren haben innerhalb von 48 Stunden eine Michael-Jackson-Biografie geschrieben, erzählt Peter Glaser. Es versteht sich von selbst, dass keiner der beiden Autoren Jackson je getroffen oder interviewt hat. Lange Recherche war in diesem Fall einfach nicht drin: "'Die Fans können nicht monatelang warten', so Co-Autor Jiang Xiaoyu."

Rupert Murdoch hat der New York Times eine Kulturkrieg angekündigt, meldet Hamilton Nolan in Gawker. Das Wall Street Journal will ab nächstem Jahr in einem eigenen Kulturteil aus New York berichten. Denn die Times ist auf diesem Gebiet nach Ansicht Murdochs ein "Leichtgewicht".

(Via BoingBoing) Die Ankündigung Googles, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, stimmt den Autor und Filmemacher Douglas Rushkoff ausgesprochen froh. In The daily beast schreibt er: "In a sense, Google is just bringing computing back to the way it was supposed to be. When Steve Jobs toured Xerox PARC and saw computers running the first operating system that used Windows and a mouse, he assumed he was looking at a new way to work a personal computer. He brought the concept back to Cupertino and created the Mac, then Bill Gates followed suit, and the rest is history. What Jobs didn't happen to notice was that the computer operating system he witnessed and copied wasn't meant as a way to organize the software and data on a single machine - it was actually a way for computers on a network to share resources. Not only files, but the software to work with them. The computers themselves were to be just dummies - terminals from which to run software and access files that were stored on someone else's expensive computer. Instead, our operating systems have moved away from sharing and toward ownership."

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Spiegel Online, 09.07.2009

Christian Stöcker beantwortet die Frage, warum Google es sinnvoll findet, den Nutzern neben all den anderen Diensten nun auch noch ein kostenloses Betriebssystem zur Verfügung zu stellen: "Für nicht wenige Internet-Nutzer, gerade auch hierzulande, sind Google und Internet ohnehin beinahe Synonyme. Die Google-Philosophie ist deshalb seit Jahren: Je wertvoller das Netz für den Nutzer wird, desto wertvoller wird Google."

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Die Tageszeitung, 09.07.2009

Im Iran ist die Filmproduktion praktisch zum Erliegen gekommen, berichtet Anke Leweke. "Die Stagnation der Kinoproduktion vor und nach Wahlen ist den iranischen Filmschaffenden allerdings nicht unbekannt. Schließlich muss man sich auf jeden neuen Kulturminister, Kino-Beauftragten und Vorsitzenden der Zensurbehörde neu einstellen. Vom ersten Expose bis zur Endfassung wird ein Filmprojekt von staatlicher Seite begleitet. Im Iran Kino zu machen, heißt eben auch, geschickt und hintersinnig mit der Zensur zu verhandeln und auf ihre Willkür und Unberechenbarkeit zu reagieren. So mancher Regisseur hat sich einen achselzuckenden Inschallah-Umgang mit den Behörden angewöhnt oder verarbeitet seine Erfahrungen mit sturen Beamten und revolutionsmoralistischen Vorgaben zu Anekdoten."


Weitere Artikel: Claudia Gass unterhält sich mit Christian Holtzhauer, Dramaturg am Stuttgarter Schauspiel, über sein internationales Projekt "Orient-Express", bei dem Theaterensembles aus Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien und der Türkei entlang der Route des historischen Orientexpress in einem Zug eigens für das Projekt entwickelten Stücke aufführen. Ulrich Gutmair resümiert einen Schlagabtausch zwischen dem Kunsthistoriker und Philosophen Georges Didi-Huberman und dem Historiker Carlo Ginzburg in der Berliner Akademie der Künste, in dem es um die historische Einordnung und Interpretation des Mauerfalls und seiner Akteure ging. Besprochen wird eine DVD mit Filmen der österreichische Künstlerin Maria Lassnig.

Auf den Tagsthemenseiten kommentiert Jenni Zylka die Trauerfeier für Michael Jackson und sieht in deren dürftiger deutscher Fernsehaufbereitung einen Beleg für die höchst unterschiedliche Verankerung des Pop im patriotischen Selbstverständnis. Und in tazzwei staunt Joachim Lottmann über die "Oh-Lord-Semantik" der Veranstaltung, die die Negativberichterstattung der Medien über den Star konterkarierte.

Hier Tom.

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Die Welt, 09.07.2009

Für Michael Pilz wurde mit der größten Show auf Erden nicht nur Michael Jackson beerdigt, sondern der Pop zu Grabe getragen: "Die Zeiten sind nicht mehr danach. Liz Taylor twittert, dass ihr nicht der Sinn nach öffentlicher Trauer steht. Madonna plagt der bürgerliche Neid auf Michael Jacksons Adel. Stars treten heraus aus YouTube-Videos. Barack Obama führt das Mutterland des Pop und redet mit den Russen. Michael Jackson wird in Mehrzweckhallen betrauert, die so heißen wie Mobilfunkmarken. Der Basar für Andenken im Internet schwillt an. Seine Musik beherrscht wieder die kümmerlichen Hitparaden. Wie im letzten Rausch kauft alle Welt seine CDs, als seien noch geheime Botschaften darauf verborgen."


Weitere Artikel: Hendrik Werner macht sich bedeutende Gedanken über die "zeichenhafte Repräsentation des Todes", selbstverständlich unter Bezugnahme auf Kantorowiczs Buch "Die zwei Körper des Königs". Thomas Elekat findet es absolut unverständlich, dass die ARD wegen der Übertragung der Trauerfeier die Tagesschau verschoben hat (glaubt aber nicht, dass dies auch beim Tod Nelson Mandelas auch passieren wird). Eberhard von Elterlein hat auf dem Berliner Independent Festival Filme gesehen, die es nie in die Kinos geschafft haben.

Besprochen werden Anselm Kiefers Trümmeroper "Am Anfang" (deren Gehalt für Sascha Lehnartz in keinem Verhältnis zu ihrem überdimensionierten Format stand), Claude Chabrols neuer Film "Bellamy" und Stefan Pauls Rio-Reiser-Porträt "Lass uns 'n Wunder sein" und die neue Staffel der von Sat.1 ins ZDF gewanderten Serie "Kommissar Rex".

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Süddeutsche Zeitung, 09.07.2009

Beeindruckt zeigt sich Wolfgang Schreiber von Gerard Mortiers Abschiedsgeschenk an die Pariser Oper - einem Musiktheaterabend unterm Titel "Am Ende", den Anselm Kiefer zur Musik von Jörg Widmann inszenierte. So sieht es aus auf der Bühne: "Kiefer hält es auch bei dieser Arbeit mit der Ästhetik des Restes. Aber anders als in seinen Bildern und Installationen ist die Ruinenlandschaft auf der bis in die Tiefe geöffneten Bühne von Personen belebt, das wird dem Betrachter erst allmählich klar in der Düsternis des Raums. In lehmfarbene Kleider gehüllte Menschen, mehr Lemuren, hocken auf kleinen Schutthalden, beklopfen Backsteine und schichten diese langsam zu schütterem Mauerwerk. Im Hintergrund irrt eine Frau in weißem Gewand wie ein verlorener Vogel zwischen den riesigen Turmruinen umher." (Mehr dazu in der New York Times und bei Bloomberg.)


Weitere Artikel: Über Authentizität der Bilder im Zeitalter von Twitter und Youtube denkt Martina Knoben nach. Alex Rühle kommentiert den Sachverhalt, dass George W. Bush die Saddam Hussein bei seiner Ergreifung abgenommene Pistole als zentrales Schmuckstück seiner Präsidenten-Bibliothek vorsieht. Knapp kommentiert Tobias Kniebe das plötzliche Aus für Steven Soderberghs Filmprojekt "Moneyball" mit Brad Pitt. Eva-Elisabeth Fischer porträtiert die Künstlerin Valie Export, die in diesem Jahr den österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig kuratiert. Henning Klüver berichtet vom Literaturfestival "Insel der Geschichten" in Gavoi auf Sardinien. Johannes Willms meldet, dass die schon einmal gescheiterten Pläne für Kunst auf der Isle Seguin bei Paris wiederbelebt wurden.

Besprochen werden die Ausstellung "Anders zur Welt kommen" im Alten Museum, in der man sich von der möglichen Zukunft des Humboldt-Forums ein Bild machen kann ("aufregend interessant" findet Jens Bisky die Präsentation), die von Schorsch Kamerun inszenierte Leonard-Bernstein-Kurzoper "Trouble in Tahiti" in München, das "Procession Project" von Jeremy Deller mit dazugehöriger Ausstellung in Manchester, Claude Chabrols jüngster Film "Kommissar Bellamy", der Horrorfilm "Haus der Dämonen" und Bücher, darunter Valzyna Morts Gedichtband "Tränenfabrik" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2009

Die Mehrheit der Han-Chinesen kann nicht begreifen, warum die Uiguren, die doch mit Sonderrechten ausgestattet sind, so heftig protestieren. Mark Siemons dagegen kann sich einige Gründe vorstellen: "Unverständlich bleibt für viele, dass alle Gunsterweise noch lange keine Rechte begründen, dass man sich unter der Kontrolle von Institutionen, in der grundsätzlich Menschen anderer Herkunft das Sagen haben, selbst daheim fremd fühlen kann und dass das jetzt geltende Muster des staatlich organisierten und durchgesetzten Kapitalismus mit anderen Lebensformen in Konflikt geraten kann - zumal dann, wenn seine Früchte ungleichmäßig verteilt sind."


Weitere Artikel: Etwas seltsam findet es Tobias Rüther, wie die Medien Michael Jackson plötzlich zum Heiligen hochschreiben. Aus Anlass einer Musterausstellung für Frankfurts Mitte wettert Dieter Bartetzko, der dabei sogar Ansprechendes fand, vorsichtshalber noch einmal gegen "die Hybris und die Elefantitis dreier Architektengenerationen". Dank der Glosse haben wir mehr Spaß an einer Berliner Veranstaltung zum Fall Kurras als Marcus Jauer, der dort war, ihn hatte. Marguerite Seidel hat Uwe Timms Frankfurter Poetikvorlesungen gehört.

Auf der Filmseite berichtet Verena Lueken vom Senza-Frontiere-Festival in Rom, wo sie auch den iranischen Regisseur Mahmoud Rasoulof traf, dessen jüngster Film "Gegenwind" dort zu sehen war. Rüdiger Suchsland hat beim Filmfest in München drei junge französische Regisseurinnen entdeckt. Michael Althen schreibt zum Tod des Drehbuchautors Jürgen Egger.

Besprochen werden Anselm Kiefers vom scheidenden Intendanten Gerard Mortier als Abschiedswerk in Auftrag gegebene Opern-Installation "Am Anfang" zu Musik von Jörg Widmann an der Pariser Oper, fünf Casanova-Monologe im venezianischen Palazzo Grimani, und Bücher, darunter Anne Fleigs Studie "Körperkultur und Moderne" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 09.07.2009

Der Schriftsteller Navid Kermani, der die Proteste in Teheran selbst miterlebt hat, appelliert an die westlichen Regierungen, das iranische Wahlergebnis nicht anzuerkennen und das Regime Ahmadinedschads zu isolieren: "Eiszeit muss sein", erklärt er. "Die islamische Republik ist nicht mehr die gleiche wie vor den Wahlen; sie ist nicht mehr ein System mit rivalisierenden Machtzentren, das im Rahmen seines eigenen, engen Staatsverständnisses eine Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zuließ und damit die Hoffnung auf einen Wandel von innen rechtfertigen mochte. Heute ist sie faktisch eine Militärdiktatur, die sich gegen die Mehrheit des eigenen Volks, aber auch gegen einen Großteil ihrer eigenen politischen und religiösen Eliten gestellt hat. In den Gefängnissen sitzen nicht nur Frauenrechtlerinnen, gewöhnliche Bürger, Studenten, sondern ehemalige Minister, Parlamentsangehörige, Geistliche, sogar einer der Führer der Botschaftsbesetzung von 1979. Das bedeutet für Iran zweierlei: Die Führung ist zum Äußersten entschlossen. Und sie hat mehr Gegner denn je."


"Ich behaupte, es sei noch keine Politikperson eine Stunde lang so klug, so gut, so gescheit und gütig gewesen wie Sie." Schriftsteller Martin Walser outet sich in einem offenen Brief an Angela Merkel als echter Fan der Kanzlerin, um dann einen Truppenabzug aus Afghanistan zu fordern: "Es mag meine Privatsache sein, dass ich glaube, Kriege seien unter gar keinen Umständen zu rechtfertigen. Aber daran erinnern darf ich doch, dass die Sowjetunion zwölf Jahre lang in Afghanistan Blut vergossen hat. Eigenes und afghanisches. Und der Effekt? Null."

Für das Feuilleton reist Peter Kümmel mit dem Theater-Projekt "Orient-Express" und verschiedensten Theatertruppen durch die Türkei, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien und stellt fest: "Es fehlt die eine Sprache, die von allen gesprochen wird. Im Ernstfall helfen nur noch Charisma und Tabak." Im Aufmacher befasst sich Eberhard Straub schon einmal mit der Kulturhauptstadt des nächsten Jahres, Essen; er meint, dass die kulturellen Wurzeln des Ruhrgebiets nicht in seinen Zechen, sondern in seiner aristokratischen und klerikalen Vergangenheit liegt. Ijoma Mangold konstatiert im Ost-West-Vergleich, dass in Sachen Städtestolz und konservativer Bürgerlichkeit das Wort von der ostdeutschen Avantgarde nicht ganz falsch war. Evelyn Finger möchte für künftige Denkmalsplanungen Freiheit und Einheit getrennt sehen. Die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp resümieren die derzeit gehandelten Finanzmodelle, die das große  Zeitungssterben verhindern sollen. Thomas Groß erklärt die Pianistin und Musikerin Regina Spektor zur "Mitarbeiterin der Woche".

Besprochen werden die "Ring"-Aufführung der Berliner Philharmoniker in Aix-en-Provence, der Münchner "Lohengrin", die Ausstellung des Bildhauers Raimund Kummer im Bonner Kunstmuseum, Sacha Baron Cohens "Brüno"-Komödie und Chabrols "Bellamy" mit Gerard Depardieu.

Auf den Literaturseiten werden unter anderem Wolfgang Englers "Lüge als Prinzip" und Michal Zamirs Roman "Die Siedlung" besprochen.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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