Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 16.03.2010, 14.04 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

So gut, so gescheit und gütig

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.07.2009. Für die Welt ist mit Michael Jackson nicht nur der King of Pop, sondern der Pop selbst zu Grabe getragen worden. In der NZZ ruft der Politologe Jan-Werner Müller zu einer Stärkung der Parlamente auf. Spiegel Online fragt, warum Google es interessant findet, den Nutzern ein kostenloses Betriebssystem zu geben. Die taz berichtet, dass auch das iranische Kino nach den Wahlen zum Erliegen kam. In der Zeit appelliert Navid Kermani an die westlichen Regierungen, die Wahlen im Iran nicht anzuerkennen. Ebendort erliegt Martin Walser den Reizen Angela Merkels, aber er will auch was von ihr...

Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2009

Jan-Werner Müller, Politologe in Princeton, ruft dazu auf, die Parlamente wieder zu stärken und zu einem selbstbewussteren Akteur der Debatte zu machen. Die Schwächung der Legislative ist für ihn ein Prozess, der nicht erst mit der Globalisierung, sondern schon nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt hat. Eines ihrer Symptome: die Ethik-Kommissionen, "welche seit den neunziger Jahren fast überall gebildet wurden - sie sind sozusagen das zur Institution gewordene Abtun von Abgeordneten, denen man keine fundierten Urteile in komplexen philosophisch-moralischen Fragen zutraut. Dies gilt sogar in der Schweiz, wo man doch gleichzeitig dem Urteil des Volkes gegenüber immer noch viel offener ist als anderswo in Westeuropa."


Weitere Artikel: Uwe Justus Wenzel liest die neueste Enzyklika des Papstes, "Caritas in veritate". Besprochen werden Filme, darunter Moritz Gerbers Debüt "Tag am Meer" und Lucia Puenzos neuer Film "El nino pez", außerdem Bücher, darunter Kathrin Schmidts Roman "Du stirbst nicht" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 09.07.2009

Beim "Abschreiten der Schautafeln" in der Ausstellung zur Zukunft des Humboldt-Forums, das dereinst die Berliner Schlossattrappe füllen soll, wird Harry Nutt ein bisschen blümerant zumute: "Vieles spricht jedenfalls dafür, dass die Ideenschmieden der sich wandelnden Weltgesellschaft sich nicht länger auf Immobilien festlegen lassen. Das Humboldt-Forum trägt die Last, der prominentsten nationalen Leerstelle einen Sinn einhauchen zu müssen."


Weitere Artikel: Christoph Schröder notiert mit Freude, dass ins Frankfurter Literaturhaus unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Joachim Unseld nun wieder Ruhe und eine erträgliche Arbeitsatmosphäre einkehren. Christian Thomas kommentiert den Beschluss der hessischen Landesregierung, nun doch keine Internationale Bauausstellung in der Region stattfinden zu lassen. Axel Brüggemann berichtet über Tarifauseinandersetzungen bei den Bayreuther Festspielen, die in diesem Jahr wegen Streiks zu Ausfällen führen könnten. Judith von Sternburg hörte Uwe Timms Frankfurter Poetikvorlesungen zu.

Besprochen werden Claude Chabrols neuer Film  "Kommissar Bellamy" mit Gerard Depardieu, der Film-noir-Klassiker "Tote schlafen fest", der in neuen Kopien in die Kinos kommt, Konzerte des Kongsberg Jazz Festivals in Norwegen, Schillers "Turandot" in der Regie von Jens Daniel Herzog in München und ein Buch A. J. Lieblings über die klassische Ära des Boxsports (mehr hier).

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Aus den Blogs, 09.07.2009

Eren Güvercin erklärt in seinem Blog grenzgängerbeatz einige Hintergründe zu den Protesten der Uiguren. Harsch kritisiert er die chinesische Bevölkerungspolitik: "Die chinesische Regierung führt bei den muslimischen Uiguren auch eine strenge Geburtenkontrolle durch, um so das natürliche Anwachsen der Uigurischen Bevölkerung aufzuhalten. Menschenrechtsorganisationen berichten auch von zahlreichen erzwungenen Abtreibungen und sogar von Todesfällen in diesem Zusammenhang."


Zwei chinesische Autoren haben innerhalb von 48 Stunden eine Michael-Jackson-Biografie geschrieben, erzählt Peter Glaser. Es versteht sich von selbst, dass keiner der beiden Autoren Jackson je getroffen oder interviewt hat. Lange Recherche war in diesem Fall einfach nicht drin: "'Die Fans können nicht monatelang warten', so Co-Autor Jiang Xiaoyu."

Rupert Murdoch hat der New York Times eine Kulturkrieg angekündigt, meldet Hamilton Nolan in Gawker. Das Wall Street Journal will ab nächstem Jahr in einem eigenen Kulturteil aus New York berichten. Denn die Times ist auf diesem Gebiet nach Ansicht Murdochs ein "Leichtgewicht".

(Via BoingBoing) Die Ankündigung Googles, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, stimmt den Autor und Filmemacher Douglas Rushkoff ausgesprochen froh. In The daily beast schreibt er: "In a sense, Google is just bringing computing back to the way it was supposed to be. When Steve Jobs toured Xerox PARC and saw computers running the first operating system that used Windows and a mouse, he assumed he was looking at a new way to work a personal computer. He brought the concept back to Cupertino and created the Mac, then Bill Gates followed suit, and the rest is history. What Jobs didn't happen to notice was that the computer operating system he witnessed and copied wasn't meant as a way to organize the software and data on a single machine - it was actually a way for computers on a network to share resources. Not only files, but the software to work with them. The computers themselves were to be just dummies - terminals from which to run software and access files that were stored on someone else's expensive computer. Instead, our operating systems have moved away from sharing and toward ownership."

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Spiegel Online, 09.07.2009

Christian Stöcker beantwortet die Frage, warum Google es sinnvoll findet, den Nutzern neben all den anderen Diensten nun auch noch ein kostenloses Betriebssystem zur Verfügung zu stellen: "Für nicht wenige Internet-Nutzer, gerade auch hierzulande, sind Google und Internet ohnehin beinahe Synonyme. Die Google-Philosophie ist deshalb seit Jahren: Je wertvoller das Netz für den Nutzer wird, desto wertvoller wird Google."

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Die Tageszeitung, 09.07.2009

Im Iran ist die Filmproduktion praktisch zum Erliegen gekommen, berichtet Anke Leweke. "Die Stagnation der Kinoproduktion vor und nach Wahlen ist den iranischen Filmschaffenden allerdings nicht unbekannt. Schließlich muss man sich auf jeden neuen Kulturminister, Kino-Beauftragten und Vorsitzenden der Zensurbehörde neu einstellen. Vom ersten Expose bis zur Endfassung wird ein Filmprojekt von staatlicher Seite begleitet. Im Iran Kino zu machen, heißt eben auch, geschickt und hintersinnig mit der Zensur zu verhandeln und auf ihre Willkür und Unberechenbarkeit zu reagieren. So mancher Regisseur hat sich einen achselzuckenden Inschallah-Umgang mit den Behörden angewöhnt oder verarbeitet seine Erfahrungen mit sturen Beamten und revolutionsmoralistischen Vorgaben zu Anekdoten."


Weitere Artikel: Claudia Gass unterhält sich mit Christian Holtzhauer, Dramaturg am Stuttgarter Schauspiel, über sein internationales Projekt "Orient-Express", bei dem Theaterensembles aus Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien und der Türkei entlang der Route des historischen Orientexpress in einem Zug eigens für das Projekt entwickelten Stücke aufführen. Ulrich Gutmair resümiert einen Schlagabtausch zwischen dem Kunsthistoriker und Philosophen Georges Didi-Huberman und dem Historiker Carlo Ginzburg in der Berliner Akademie der Künste, in dem es um die historische Einordnung und Interpretation des Mauerfalls und seiner Akteure ging. Besprochen wird eine DVD mit Filmen der österreichische Künstlerin Maria Lassnig.

Auf den Tagsthemenseiten kommentiert Jenni Zylka die Trauerfeier für Michael Jackson und sieht in deren dürftiger deutscher Fernsehaufbereitung einen Beleg für die höchst unterschiedliche Verankerung des Pop im patriotischen Selbstverständnis. Und in tazzwei staunt Joachim Lottmann über die "Oh-Lord-Semantik" der Veranstaltung, die die Negativberichterstattung der Medien über den Star konterkarierte.

Hier Tom.

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Die Welt, 09.07.2009

Für Michael Pilz wurde mit der größten Show auf Erden nicht nur Michael Jackson beerdigt, sondern der Pop zu Grabe getragen: "Die Zeiten sind nicht mehr danach. Liz Taylor twittert, dass ihr nicht der Sinn nach öffentlicher Trauer steht. Madonna plagt der bürgerliche Neid auf Michael Jacksons Adel. Stars treten heraus aus YouTube-Videos. Barack Obama führt das Mutterland des Pop und redet mit den Russen. Michael Jackson wird in Mehrzweckhallen betrauert, die so heißen wie Mobilfunkmarken. Der Basar für Andenken im Internet schwillt an. Seine Musik beherrscht wieder die kümmerlichen Hitparaden. Wie im letzten Rausch kauft alle Welt seine CDs, als seien noch geheime Botschaften darauf verborgen."


Weitere Artikel: Hendrik Werner macht sich bedeutende Gedanken über die "zeichenhafte Repräsentation des Todes", selbstverständlich unter Bezugnahme auf Kantorowiczs Buch "Die zwei Körper des Königs". Thomas Elekat findet es absolut unverständlich, dass die ARD wegen der Übertragung der Trauerfeier die Tagesschau verschoben hat (glaubt aber nicht, dass dies auch beim Tod Nelson Mandelas auch passieren wird). Eberhard von Elterlein hat auf dem Berliner Independent Festival Filme gesehen, die es nie in die Kinos geschafft haben.

Besprochen werden Anselm Kiefers Trümmeroper "Am Anfang" (deren Gehalt für Sascha Lehnartz in keinem Verhältnis zu ihrem überdimensionierten Format stand), Claude Chabrols neuer Film "Bellamy" und Stefan Pauls Rio-Reiser-Porträt "Lass uns 'n Wunder sein" und die neue Staffel der von Sat.1 ins ZDF gewanderten Serie "Kommissar Rex".

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Süddeutsche Zeitung, 09.07.2009

Beeindruckt zeigt sich Wolfgang Schreiber von Gerard Mortiers Abschiedsgeschenk an die Pariser Oper - einem Musiktheaterabend unterm Titel "Am Ende", den Anselm Kiefer zur Musik von Jörg Widmann inszenierte. So sieht es aus auf der Bühne: "Kiefer hält es auch bei dieser Arbeit mit der Ästhetik des Restes. Aber anders als in seinen Bildern und Installationen ist die Ruinenlandschaft auf der bis in die Tiefe geöffneten Bühne von Personen belebt, das wird dem Betrachter erst allmählich klar in der Düsternis des Raums. In lehmfarbene Kleider gehüllte Menschen, mehr Lemuren, hocken auf kleinen Schutthalden, beklopfen Backsteine und schichten diese langsam zu schütterem Mauerwerk. Im Hintergrund irrt eine Frau in weißem Gewand wie ein verlorener Vogel zwischen den riesigen Turmruinen umher." (Mehr dazu in der New York Times und bei Bloomberg.)


Weitere Artikel: Über Authentizität der Bilder im Zeitalter von Twitter und Youtube denkt Martina Knoben nach. Alex Rühle kommentiert den Sachverhalt, dass George W. Bush die Saddam Hussein bei seiner Ergreifung abgenommene Pistole als zentrales Schmuckstück seiner Präsidenten-Bibliothek vorsieht. Knapp kommentiert Tobias Kniebe das plötzliche Aus für Steven Soderberghs Filmprojekt "Moneyball" mit Brad Pitt. Eva-Elisabeth Fischer porträtiert die Künstlerin Valie Export, die in diesem Jahr den österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig kuratiert. Henning Klüver berichtet vom Literaturfestival "Insel der Geschichten" in Gavoi auf Sardinien. Johannes Willms meldet, dass die schon einmal gescheiterten Pläne für Kunst auf der Isle Seguin bei Paris wiederbelebt wurden.

Besprochen werden die Ausstellung "Anders zur Welt kommen" im Alten Museum, in der man sich von der möglichen Zukunft des Humboldt-Forums ein Bild machen kann ("aufregend interessant" findet Jens Bisky die Präsentation), die von Schorsch Kamerun inszenierte Leonard-Bernstein-Kurzoper "Trouble in Tahiti" in München, das "Procession Project" von Jeremy Deller mit dazugehöriger Ausstellung in Manchester, Claude Chabrols jüngster Film "Kommissar Bellamy", der Horrorfilm "Haus der Dämonen" und Bücher, darunter Valzyna Morts Gedichtband "Tränenfabrik" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2009

Die Mehrheit der Han-Chinesen kann nicht begreifen, warum die Uiguren, die doch mit Sonderrechten ausgestattet sind, so heftig protestieren. Mark Siemons dagegen kann sich einige Gründe vorstellen: "Unverständlich bleibt für viele, dass alle Gunsterweise noch lange keine Rechte begründen, dass man sich unter der Kontrolle von Institutionen, in der grundsätzlich Menschen anderer Herkunft das Sagen haben, selbst daheim fremd fühlen kann und dass das jetzt geltende Muster des staatlich organisierten und durchgesetzten Kapitalismus mit anderen Lebensformen in Konflikt geraten kann - zumal dann, wenn seine Früchte ungleichmäßig verteilt sind."


Weitere Artikel: Etwas seltsam findet es Tobias Rüther, wie die Medien Michael Jackson plötzlich zum Heiligen hochschreiben. Aus Anlass einer Musterausstellung für Frankfurts Mitte wettert Dieter Bartetzko, der dabei sogar Ansprechendes fand, vorsichtshalber noch einmal gegen "die Hybris und die Elefantitis dreier Architektengenerationen". Dank der Glosse haben wir mehr Spaß an einer Berliner Veranstaltung zum Fall Kurras als Marcus Jauer, der dort war, ihn hatte. Marguerite Seidel hat Uwe Timms Frankfurter Poetikvorlesungen gehört.

Auf der Filmseite berichtet Verena Lueken vom Senza-Frontiere-Festival in Rom, wo sie auch den iranischen Regisseur Mahmoud Rasoulof traf, dessen jüngster Film "Gegenwind" dort zu sehen war. Rüdiger Suchsland hat beim Filmfest in München drei junge französische Regisseurinnen entdeckt. Michael Althen schreibt zum Tod des Drehbuchautors Jürgen Egger.

Besprochen werden Anselm Kiefers vom scheidenden Intendanten Gerard Mortier als Abschiedswerk in Auftrag gegebene Opern-Installation "Am Anfang" zu Musik von Jörg Widmann an der Pariser Oper, fünf Casanova-Monologe im venezianischen Palazzo Grimani, und Bücher, darunter Anne Fleigs Studie "Körperkultur und Moderne" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 09.07.2009

Der Schriftsteller Navid Kermani, der die Proteste in Teheran selbst miterlebt hat, appelliert an die westlichen Regierungen, das iranische Wahlergebnis nicht anzuerkennen und das Regime Ahmadinedschads zu isolieren: "Eiszeit muss sein", erklärt er. "Die islamische Republik ist nicht mehr die gleiche wie vor den Wahlen; sie ist nicht mehr ein System mit rivalisierenden Machtzentren, das im Rahmen seines eigenen, engen Staatsverständnisses eine Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zuließ und damit die Hoffnung auf einen Wandel von innen rechtfertigen mochte. Heute ist sie faktisch eine Militärdiktatur, die sich gegen die Mehrheit des eigenen Volks, aber auch gegen einen Großteil ihrer eigenen politischen und religiösen Eliten gestellt hat. In den Gefängnissen sitzen nicht nur Frauenrechtlerinnen, gewöhnliche Bürger, Studenten, sondern ehemalige Minister, Parlamentsangehörige, Geistliche, sogar einer der Führer der Botschaftsbesetzung von 1979. Das bedeutet für Iran zweierlei: Die Führung ist zum Äußersten entschlossen. Und sie hat mehr Gegner denn je."


"Ich behaupte, es sei noch keine Politikperson eine Stunde lang so klug, so gut, so gescheit und gütig gewesen wie Sie." Schriftsteller Martin Walser outet sich in einem offenen Brief an Angela Merkel als echter Fan der Kanzlerin, um dann einen Truppenabzug aus Afghanistan zu fordern: "Es mag meine Privatsache sein, dass ich glaube, Kriege seien unter gar keinen Umständen zu rechtfertigen. Aber daran erinnern darf ich doch, dass die Sowjetunion zwölf Jahre lang in Afghanistan Blut vergossen hat. Eigenes und afghanisches. Und der Effekt? Null."

Für das Feuilleton reist Peter Kümmel mit dem Theater-Projekt "Orient-Express" und verschiedensten Theatertruppen durch die Türkei, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien und stellt fest: "Es fehlt die eine Sprache, die von allen gesprochen wird. Im Ernstfall helfen nur noch Charisma und Tabak." Im Aufmacher befasst sich Eberhard Straub schon einmal mit der Kulturhauptstadt des nächsten Jahres, Essen; er meint, dass die kulturellen Wurzeln des Ruhrgebiets nicht in seinen Zechen, sondern in seiner aristokratischen und klerikalen Vergangenheit liegt. Ijoma Mangold konstatiert im Ost-West-Vergleich, dass in Sachen Städtestolz und konservativer Bürgerlichkeit das Wort von der ostdeutschen Avantgarde nicht ganz falsch war. Evelyn Finger möchte für künftige Denkmalsplanungen Freiheit und Einheit getrennt sehen. Die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp resümieren die derzeit gehandelten Finanzmodelle, die das große  Zeitungssterben verhindern sollen. Thomas Groß erklärt die Pianistin und Musikerin Regina Spektor zur "Mitarbeiterin der Woche".

Besprochen werden die "Ring"-Aufführung der Berliner Philharmoniker in Aix-en-Provence, der Münchner "Lohengrin", die Ausstellung des Bildhauers Raimund Kummer im Bonner Kunstmuseum, Sacha Baron Cohens "Brüno"-Komödie und Chabrols "Bellamy" mit Gerard Depardieu.

Auf den Literaturseiten werden unter anderem Wolfgang Englers "Lüge als Prinzip" und Michal Zamirs Roman "Die Siedlung" besprochen.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

Ein Trost am Rand meines Grabes

03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang  für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen

Ich saß bereits im Flugzeug

02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen

Eine Kultur der Jetzigkeit

01.03.2010. Die SZ  berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat.  Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother".  Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen

Tack, und der Ton ist weg

27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen

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