Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Juli 2019

Faktoren der Instabililität

16.07.2019. Hyperallergic berichtet, wie massiv Peking auf einmal gegen die Kunstszene der Stadt vorgeht. Die SZ lernt vom Atelier Loidl, dass soziales Park-Design nur ohne Distanzgrün funktioniert. Die taz stemmt sich gegen die Versuche von rechter Seite, den Asphaltliteraten Jörg Fauser für ihre Systemfeindlichkeit zu vereinnahmen. Im Konzertsaal zählt nicht mehr anerkennender Applaus, konstatiert die NZZ, sondern der eksatische Begeisterungssturm.

Natürlich will Ortlieb nicht sterben

15.07.2019. Der Standard steht in Bregenz mit Thomas Schütte vor kolossalen Männern im Matsch. In Thomas Melles Nibelungen-Variante "Überwältigung" erleben FR und SZ in Worms das Protestkind for Future.  Die FAZ fragt, ob der digitale Angestellte des Amsterdamer Filmmuseums, Jan Bot, Autor seiner Filme ist. Die NZZ erfährt, welche beiden roten Linien in Chinas Literatur nicht überschritten werden dürfen.

Tanzen heißt geschmeidig werden

13.07.2019. Die SZ verschlingt die Körperbilder der Miriam Cahn in München. Die Berliner Zeitung schwelgt im Potsdamer Museum Barberini lieber in barocken Leibern. Die nachtkritik folgt Christiane Mudra auf dem Weg eines Attentäters durch München. Jungle World amüsiert sich über Vanessa Paradis als Pornoregisseurin. Und die taz tanzt mit Yabby You und King Tubby durch ein leidendes Kingston dem Weltuntergang entgegen.

In Sound baden

12.07.2019. Europa war schon immer ein Netzwerk, lernt die FAZ im Prado in der inspirierenden Ausstellung "Velázquez, Rembrandt, Vermeer". Weniger Stil als Stilblüte sieht Zeit online in David Chipperfields James-Simon-Galerie für die Berliner Museumsinsel. Die SZ fragt angesichts bekleideter Liebespaare: Seit wann geht es im Film so prüde zu? Die taz lässt sich von Caspar Brötzmann die Ohren frei pusten.

Wie diese Orgel atmet!

11.07.2019. Die SZ staunt in einer Innsbrucker Ausstellung über die originelle, in die Zukunft blickende Architektur von MVRDV. Außerdem porträtiert sie die Künstlerin Henrike Naumann, die mit alten Möbeln über die deutsche Einheit nachdenkt. Die taz lobt Thomas Vinterbergs Film über die Tragödie des russischen U-Boots "Kursk" als Etüde des Abschiednehmens, die SZ lernt einiges über die Inkompetenz der russischen Marinefunktionäre. Die Zeit unterhält sich mit der Künstlerin Miriam Cahn. Und in der nmz erklärt Regisseur Tobias Kratzer den Unterschied der beiden Tannhäuser-Fassungen Wagners.

Lust am großen Krach und groben Ton

10.07.2019. Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss bekommt den Georg-Büchner-Preis. Bei den Kritikern stößt die Entscheidung auf ein geteiltes Echo: Die Welt lobt seine sprachlich und gedanklich konzentrierten Werke, die taz stört sich jedoch an seiner Neigung zur Abwertung der Gegenwart. Der Guardian hinterlässt einen schmutzigen Fußabdruck in der Olafur-Eliasson-Schau in der Tate Modern. Die NZZ erzählt, wie die HBO-Serie "Chernobyl" die russische Öffentlichkeit aufstöbert. Und die SZ schwebt im Glück mit Abdullah Ibrahims neues Album.

Was wir machen, ist immer sexy

09.07.2019. In der taz blickt Nan Goldin auf einige ziemlich erfolgreiche Aktionen gegen die Sackler-Familie zurück. Der Tagesspiegel zündet mit David Chipperfield die vierte Stilstufe auf der Museumsinsel. Die Tell-Review  unterhält sich mit dem serbisch-ungarischen Schriftsteller Zoltán Danyi über die Bedeutung des erzählerischen Rhythmus'. In der NZZ holt der Belgier Christophe Slagmuylder die transnubische Donaustadt zurück nach Wien. Auf ZeitOnline erklärt der Musiker Ezhel, was türkischen Rap von migrantischem DeutschRap unterscheidet. Und Aktuell: Lukas Bärfuss erhält den Büchner-Preis.

Er kam mit einem Bauchredner

08.07.2019. Der Guardian bedankt sich bei den deutschen Kritikern, die David Chipperfield auf der Museumsinsel zu Höchstleistungen marterten. Artechock sticht in den Filz der kriselnden deutschen Filmbranche. Die FR macht es sich mit Jörg Fauser ungemütlich. Die NZZ schreibt zum Tod des  wahren Filmmoguls Artur Brauner. taz und Welt wiegen sich ein letztes Mal mit João Gilberto zu den melancholischen Klängen des Bossanova.

Werkstatt der Intimität

06.07.2019. Critic.de feiert die Pionierinnen des Film Noir, allen voran die großartige Ida Lupino. In der SZ drückt Filmregisseur Jan-Ole Gerster das kleine Wiener Männchen auf seiner Schulter. Die FAZ besichtigt angeregt negative Räume im ZKM Karlsruhe. In der taz erklärt der Schriftsteller Antonio Ortuño, warum Action die mexikanische Realität nicht erfassen kann.

Reiseführer in die Paradoxien

05.07.2019. Mit den neuen Folgen der Netflix-Serie "Stranger Things" fühlt sich Zeit online in eine planlose Weißt-du-noch-Revue versetzt. In der taz erklärt der Musiker Billy Childish, wie man mit antikommerziellen Späßen sein Publikum los wird. In der FAZ fürchtet Heiner Farwick vom Bund Deutscher Architekten die Folgen des EugH-Urteils für die deutsche Architektur.

Das Drama der Ungefälligkeit

04.07.2019. Die SZ feiert die Farben der russischen Avantgarde-Künstlerin Natalja Gontscharowa, die Welt die Künstlichkeit des Felix Vallotton. In der NZZ erklärt uns die Übersetzerin Akram Pedramnia die Codes der iranischen Literatur. Es lebe das utopische Potenzial, ruft die nachtkritik und lehnt jede Indienstnahme des Theaters für einen politischen Zweck ab. Die Filmkritiker gratulieren Roland Klick, dem Säulenheiligen einer widerständigen Filmkultur von unten, zum Achtzigsten.

Wachaugemäß trunken schief

03.07.2019. Hyperallergic sucht die Sinnlichkeit in Anne Imhofs ultra-hipper Millenial-Ästhetik. Die SZ feiert mit Jannis Kounellis die Schlichtheitsideale südeuropäischer Großmütter. Außerdem bewundert sie die verdrehte Landesgalerie im niederösterreichen Krems. Die NZZ schreibt eine Poesie der ersten Sätze. Die Welt blickt auf die sich selbst erschöpfende Blockbuster-Industrie. Und ZeitOnline staunt über die Beiläufigkeit, mit der das Coming-Out des Rappers Lil Nas X quittiert wurde

Ein Mikrokosmos der Bourgeoisie

02.07.2019. Die taz probiert auf der Berliner Fashionweek Mode Stoffe aus Algen und Brennnesselfasern. In der FAS blickt Rachel Kushner auf die Brutalität unserer nahen Zukunft. Die Nachtkritik erlebt am Münchner Volkstheater, wie man den Pessimismus von Euripides noch übertreffen kann. Die FAZ wünscht der Mailander Scala, dass ihr neuer Intendant die Freunden des leidenschaftlichen Gesangs aufscheucht. Die Jungle World besucht mit der Sibylle die schönen hellen Neubauviertel. Und die Welt donnert in Richtung Mathildenhöhe: Jugendstil ist nicht der Vorläufer des Bauhaus.

Möwen im Allgemeinen und in Cuxhaven

01.07.2019. Birgit Birnbacher gewinnt den Bachmannpreis-Wettbewerb, und die Kritiker fragen sich, wie vorhersehbar ein Text über eine Philosophin ist, die mit Ende 30 in prekärer Selbständigkeit lebt. In der Welt sehnt sich Joachim Lottmann nach mehr Bewegung in Klagenfurt. Die NZZ bemerkt bei Peter Zumthor eine ganz neue Extravaganz.  Die FAZ erinnert daran, wie das Bauhaus Kasimir Malewitsch die kalte Schulter zeigte. Der Freitag erlebt in Chinas neuem Blockbuster-Kino eine  starke Nation mit eisernem Willen, aber ohne Humor. Und Heise steckt noch mal eine Kassette in den Walkman.