Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Februar 2026

Wie Wahnsinnsarien oder Todesurteile

10.02.2026. Die Theaterkritiker sind beeindruckt von Michael Thalheimers "Salome"-Inszenierung an der Berliner Schaubühne: Theater wie ein Schlag auf den Kopf, ruft die SZ. Die FAZ fällt wie Alice ins Wunderland in die fein gearbeiteten Kartonlandschaften der Künstlerin Eva Jospin, die der Grand Palais in Paris zeigt. Zeit Online lobt den Auftritt von Bad Bunny beim Super Bowl als einende politische Botschaft. Der Freitag verteidigt die Outfits der deutschen Sportler bei den Olympischen Winterspielen: Der Wille zum Modischen war zumindest da. 

Gleichermaßen verliebt wie heartbroken

09.02.2026. William Swiftspeare? Die Kritiker bleiben in Leipzig skeptisch, ob das Medley zwischen dem englischen Dramatiker und Taylor Swift funktioniert. Hervorragend funktioniert FAZ und FR zufolge aber die Stuttgarter "Meistersinger"-Inszenierung. Die FAZ hört mit Angelika Niescier die Zukunft des Jazz. Statt Bad Bunny sieht ebenfalls die FAZ in der Super Bowl-Halbzeitshow eher Lame Bunny, der auf eine politische Botschaft verzichtet und lieber den harmlosen Entertainer mimt.

Schlafend legt sie ihren Kopf unter eine Sichel

07.02.2026. Die FR bewundert in Frankfurt, wie Künstler mit Teppichen Widerstand leisten. Die Feuilletons gratulieren Paula Modersohn-Becker zum 150. Geburtstag: Sie wäre ein Vorbild für die deutsche Avantgarde gewesen, hätten ihre männlichen Kollegen sie nicht verdrängt, glaubt die SZ. Die FAS bewundert das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, das nicht nur pünktlich fertig, sondern auch wunderschön geworden ist. Die SZ befürchtet, dass Netflix-Produktionen immer dümmer werden. Und in der FAZ fragt sich Marica Bodrozic: Wo sind heute Menschen vom Format eines Vaclav Havel?

Queerness, Nacktheit, Menschenrechtsdefizite

06.02.2026. Der bombastische moralische Anspruch der Kunstwelt kommt schnell an seine Grenzen, wenn es ums Geld geht, erkennen die FAZ beim Blick in die Epstein Files und Monopol auf der ersten Art Basel in Katar. Welt und Tagesspiegel blicken skeptisch auf den von Wolfram Weimer angekündigten "Film-Booster", der eine Investitionspflicht für Streamer und Sender vorsieht. Die SZ lernt in Mailand, dass es für manchen Rekord im Sport schnittfester Unterwäsche bedarf. Die FAZ bewundert in Amsterdam achtzig prächtige Werke über Ovids "Metamorphosen".

Aus derberen Kontexten bekannte Zoten

05.02.2026. Park Chan-Wooks Film "The Ax" zeigt Klassenkampf vom Feinsten, meint die SZ, der Perlentaucher findet ihn ein wenig vorhersehbar. Die FAZ wandert in einer Ausstellung in Kaiserslautern durch die leuchtenden Prater-Landschaften der Impressionistin Tina Blau. Außerdem ärgert sie sich über die Auswahl der Kandidaten für den Preis des Deutschen Architekturmuseums: Zu viel Blech und Sichtbeton. Backstage Classical sieht im neuen Streit um den Salzburger Festspiel-Intendanten Markus Hinterhäuser eine grundsätzliche Debatte über Geniekult und Modernisierung.   

Feine Gerte, grober Knüppel

04.02.2026. Bis zur Besessenheit aufgekratzt wird in Barrie Koskys Berliner Inszenierung der "Lady Macbeth von Mzensk" musiziert, freut sich die nmz. Die Künstlerin Parastou Forouhar erzählt in der FAZ, wie Frauen im Iran ihr Recht auf Präsenz zurückerobert haben. Die NZZ hat kein Problem damit, wenn an Schulen Literaturklassiker in vereinfachten Fassungen gelesen werden. Die SZ begeistert sich für das introspektive Chaos des experimentellen Hip-Hop-Duos By Storm.

Cheerleader-Bunnys samt Lametta-Püscheln

03.02.2026. Die Grammys wurden verliehen: Zeit Online ist beeindruckt von Bad Bunny, der den Preis für das beste Album des Jahres abgeräumt hat. Die SZ hätte sich von den Gästen mehr politischen Mut erhofft. Der Tagesspiegel schnüffelt sich in der Ausstellung "Die geheime Macht der Düfte" in Düsseldorf durch die Kunstgeschichte. Uneinig sind sich die Kritiker über die Oper "Monster's Paradise" in Hamburg: Tolle Weltuntergangsmusik, meint die SZ, die FAZ sieht eine Bankrott-Erklärung der Kunst. 

Das Eigene unserer Zeit

02.02.2026. Thomas Melles "König Lear" in Kassel irritiert die Kritiker mit dämonischer Groteske - und lässt sie etwas ratlos zurück. Die Nachtkritik fragt sich in der Hamburger Inszenierung von Elfriede Jelineks und Olga Neuwirths Oper "Monster's Paradise", ob Trump als Riesenbaby noch zeitgemäße Kritik ist. Die Zeit schwärmt in weihevollen Worten von Christian Thielemann in der Elbphilharmonie. John Armleder kann nicht nur selbst Kunst schaffen, sondern auch hervorragend kuratieren, lobt die FAZ in Genf. Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle möchte mit ihrem Festival nicht nur Boomer ansprechen, verkündet sie im Tagesspiegel-Interview.