Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

September, 2017

Der Krieg umrahmt doch alles

21.09.2017. Im Art Magazin stellt der Fotograf Tobias Zielony seine Fotoreihe über ukrainische Jugendliche vor. Herbert Fritsch an der Schaubühne? Da fehlt noch die Aura der Verzweiflung, meint die Berliner Zeitung. Die Zeit wünschte sich, dass die Musik, die in den neuen tollen Konzertsälen gespielt wird, so modern ist wie die Gebäude. Die SZ freut sich über die zögerliche Verpeiltheit von Tom Lass' Film "Blind und Hässlich".

Kraftvoll und konfliktfreudig

20.09.2017. Die SZ erlebt mit Björks neuem Video ein Feuerwerk erotisierter Synapsen. Die taz lernt auf der Istanbul Biennale die irritierende Fröhlichkeit der türkischen Kunstszene zu verstehen. Der Guardian feiert Edgar Degas als großen Voyeur. Die NZZ begrüßt die zaghafte Rückkehr Franz Schrekers auf die Opernbühnen. Und der Tagesspiegel beneidet Joachim Lottmann um seinen unverändert jugendlichen Sound im "Fritz Brinkmann Buch".

Gegen die Welt entworfen

19.09.2017. Die taz streift mit Alexander Kluge durchs Pluriversum und stößt auf das zweifache Eigentum des Menschen. Die Welt lernt von Pierre Bonnard, wie Kunstschönheit funktioniert. Die FAZ bedankt sich bei Karin Beier, die in Hamburg recht verschwenderisch "Tartare Noir" servierte. Der Tagesspiegel freut sich über die Abenteuerlust, zu der Justin Doyle den RIAS Kammerchor mit Monteverdi verführt.

Im Gestrüpp der Wege und Abwege

18.09.2017. Die SZ erlebt in Moskau, wie der Todesengel dem Regisseur Kirill Serebrennikow glühende Kohlen in die Brust legt. In Berlin geht der Streit um Chris Dercon in eine neue Runde, doch der Tagesspiegel findet die Vorwürfe des Spiegels zum Wirtschaftsplan schlecht recherchiert. Im Standard untersucht Andreas Maier mit Blick auf Thomas Bernhard die Unterschiede zwischen deutschen und Österreichern. Die FAZ erlebt beim Filmfestival von Toronto ein großes Liebespaar und Helene Hegeman in der NZZ die Welt auf der Kippe.

Postornamentale Masse

16.09.2017. Darf man in der Türkei momentan eine Kunstmesse feiern?, fragt die FAZ zur Eröffnung der Istanbul-Biennale. Immerhin wurden sie kaum zensiert, berichten Elmgreen und Dragset im art-magazin. In der Literarischen Welt denken Schriftsteller wie Helene Hegemann oder Frank Witzel darüber nach, was aus den Avantgardisten des frühen 20. Jahrhunderts ohne den Ersten Weltkrieg geworden wäre. Die Kritiker grooven bewegt mit Yael Ronens "Roma Armee" im Gorki Theater und reagieren gespalten auf Boris Charmatz' Mitmach-Spektakel an der Volksbühne. Harry Dean Stanton ist tot, meldet die New York Times.

Hier rauscht der Wald

15.09.2017. Die NZZ lauscht diesem "speziellen Zumthor-Sound". Im Art Magazin denkt der britische Maler Michael Simpson über die Schönheit einer Reihe von grauen Rechtecken nach. Der Tagesspiegel erlebt Naomi Kawases Film "Radiance" als Hörkino. Die Berliner Zeitung unterhält sich mit Toshio Hosokawa über dessen Lehrer, den Komponisten Isang Yun. Und laut Art wehrt sich Documenta-Leiter Adam Szymczyk gegen den Vorwurf der Misswirtschaft.

Immersive Orgien des Intellekts

14.09.2017. Die taz feiert die Freiheit des Witzes in den Filmen der Kölner Gruppe. Die Zeit besucht in Kapstadt das erste Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst, das von einem Weißen erbaut wurde. Das Theater könnte derzeit viel von der Kunst lernen, ermuntert die Welt. Der Tagesspiegel erinnert an den Revolutionär des Superheldencomics, Jack Kirby.

Das blaue Auge der Gegenwart

13.09.2017. Gestern wurde die Shortlist für den Buchpreis bekannt gegeben, recht pflichtbewusst bescheinigen taz und ZeitOnline der Jury eine gute Wahl. Nur in der NZZ fordert Felix Philipp Ingold: Schafft den ganzen Zirkus ab! Unfassbar findet die Welt, wie Adam Szymczyk die Documenta auch finanziell an die Wand gefahren hat. Die HNA berichtet, dass Stadt und Land mit einer Bürgschaft einspringen müssen. Die FAZ schwelgt in der Städel-Ausstellung zu Matisse und Bonnard in der ambiguen Melancholie Südfrankreichs. Und der Standard reist mit Steven Soderberghs Gaunerkomödie "Logan Lucky" fröhlich durch den amerikanischen Süden.

Da, an zweiter Stelle, stehe ich!

12.09.2017. Chris Dercon ließ zu seinem Einstand Boris Charmatz ein großes Tanzfest auf dem Tempelhofer Flugfeld veranstalten. Schön und versöhnlich fanden das taz und SZ. Auch die Welt wippte mit: Sie kennt Ähnliches von ihrer Krankenkasse. Im Tagesspiegel wünschte sich Arundhati Roy die Sicherheit einer indischen Kuh. Die taz bewundert in der Darmstädter Ausstellung "Zoom-In Chongqing" fröhliche Bauern mit meterdicken Kartoffeln.

Über den Beton fliegen

11.09.2017. Mit dem Goldenen Löwen für Guillermo del Toro sind die Filmfestspiele von Venedig zu Ende gegangen. Die Feuilleton bejubeln einen durch und durch strahlenden Wettbewerb. Die SZ klopft sich nach Luk Percevals "Hunger"-Inszenierung bei der Ruhrtriennale den Kohlestaub aus der Lunge. Der Standard vernimmt in Linz das Rasseln der Roboterketten. Und die taz erlebt beim Musikfest Berlin, wie Rebecca Saunders Töne aus dem konzentrierten Nichts erschafft.

Perlen aus Kommunikationsmüll

09.09.2017. Die SZ staunt über die Intensität der Hetze gegen Chris Dercon. In LensCulture erklärt Olivier Laurent, was große Straßenfotografie ausmacht. Knast oder nicht Knast, Thomas Middelhoff bleibt sich treu, lernt die Welt aus der Autobiografie des einstigen Top-Managers. Auf SRF Kultur freut sich Eugen Gomringer über den Streit um sein Gedicht "Avenidas". Die FAZ begutachtet David Simons  HBO-Serie "The Deuce" über  die Pornoindustrie im New York der Siebziger.

Leichte, ja lustige Kunst

08.09.2017. Die FAZ staunt über den Furor, mit dem sich der britische National Trust zu seinem queeren Erbe bekennt. Die Berliner Zeitung freut sich aufs Mittanzen in der neuen Volksbühne. Frauen, ärgert sich der Tagesspiegel, sieht man beim Filmfestival in Venedig fast nur als Huren, Heilige und Gewaltopfer.

Bring mir einen Ton

07.09.2017. In der Zeit erzählt die Komponistin Rebecca Saunders, wie sie bei Wolfgang Rihm lernte, in der Musik zu sein. Die NZZ denkt über die Sinnschichten der Popkultur nach. Die taz feiert Javier Bardems prachtvollen Bierbauch. Außerdem: Die Feuilletons trauern um Holger Czukay, Mitgründer der Band Can, und um Arno Rink, "Vater" der Neuen Leipziger Schule.

Ein kohlenglühendes Stimmungsbild

06.09.2017. Atlantic entdeckt die italienische Künstlerin Carol Rama, die dem weiblichen Körper Zähne,  Klauen und Riesenpenisse wachsen ließ. Die Presse erlebt im Wiener Musa die Entstehung der Kunstgeschichte aus der Bürokratie. Die taz beugt sich mit Ulrich Schreiber über den Kostenplan für das Literaturfestival. In Venedig sorgt Darren Aronofsky mit seinem Filmmonster "Mother!" für ein bisschen Kontroverse unter den Kritikern, die zuvor einhellig Frances McDormand zu Füßen gelegen haben.

Ein Abenteuer hinter jeder Ecke

05.09.2017. Heute erscheint Salman Rushdies neuer Roman "Golden House", eilfertig liefern die Kritiker von FAZ bis SZ ihre Besprechungen, die allerdings recht mau ausfallen. Nur die FR schwebt im Leseglück: "Das hat er für mich geschrieben." In der FAZ erklärt Michael Lentz Berliner Kunststudenten, was eine transitive Relation mit Appendix ist. Die NZZ zieht mit Arno Brandlhuber in die Antivilla. Und die Welt fordert ein Deutsches Schifffahrtsmuseum für Kiel.

Ich will's, und Es geht

04.09.2017. Die FR geht noch einmal mit Matthias Koeppel in die Berliner Schule der Prächtigkeit. In der FAZ erklärt der Uffizien-Direktor Eike Schmidt, warum er nicht länger Chef eines Supermarkts sein möchte. Die taz eruiert, welches Bild Choreografen eigentlich von ihrem Publikum haben. Mit leichtem Entsetzen sehen die Kritiker in Venedig Filme von Ai Weiwei und George Clooney. Die Berliner Zeitung freut sich über das Comeback der Cordhose.

Die Befreiung des inneren Tieres

02.09.2017. Begeistert berichten die Kritiker vom Auftakt des Filmfestivals in Venedig: Besonders Paul Schraders verstörender Film "First Reformed" über einen sich radikalisierenden Priester hat es ihnen angetan. Die SZ wagt einen Blick ins erste Museum für zeitgenössische Kunst in Afrika, in dem Jochen Zeitz afrikanische Kunst jenseits des Eurozentrismus zeigen will. In der taz erzählt Friedrich Christian Delius, wie die RAF das System stabilisiert hat. In der Welt spricht Robert Menasse über die Literaturfähigkeit von Europabeamten in Brüssel. Und die taz schüttelt den Kopf über den atavistischen Feminismus von Sasha Waltz.

Voller grüner Törtchen

01.09.2017. Warum opfert ausgerechnet eine Kunsthochschule willfährig die Freiheit der Kunst, fragt sich die Berliner Zeitung angesichts der Gomringer-Debatte. Die FAZ lässt sich in Venedig von Guillermo del Toros Arthouse-Horror "The Shape of Water" unter Wechselstrom setzen. Der Guardian feiert die Brillenschlange. Und Boris Groys erklärt im Interview mit Art den russischen Kosmismus.