Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Februar 2019

Wie kompliziert und wie schön alles ist

16.02.2019. Die FAZ staunt, wie subversiv afrikanische Künstler im Karlsruher ZKM altem und neuem Kolonialismus begegnen. Etwas mehr Subversivität hätte sich die Nachtkritik hingegen in Nurkan Erpulats Bremer Inszenierung von Fatih Akins "Aus dem Nichts" gewünscht. Man trägt jetzt Frumat statt Lederimitat, lernt die NZZ auf der Vegan Fashion Week. In der taz plaudert Dirk von Lotzow über erste Gehversuche im Punk und Antje Rößeler über die Berliner Jazzszene.

Leuchtende Ich-Asyle

15.02.2019. Die Berliner Zeitung lernt in einer Broschüre zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts die Grenzen der Toleranz am Theater kennen. Die taz vernimmt sanften Ärger um die Nominierungen zum Leipziger Buchpreis. Der Guardian blickt aufgeregt der mysteriösen Schieferwolke entgegen, die der japanische Architekt Junya Ishigami für den Londoner Serpentine Pavillon geplant hat. Einen Hauch japanischer Architektur entdeckt auch die FAZ im neuen Berliner Kreativquartier.

Bedrückend gehäkeltes Kaffeeservice

14.02.2019. Im Standard wünscht der nach Salzburg zurückgekehrte Intendant Carl Philip von Maldeghem den Kölnern nach ihrer "Schmutzkübelkampagne" viel Spaß beim Karneval. Die Presse erfährt in einer Wiener Art-Brut-Ausstellung, wie elend Frauen um die Jahrhundertwende in Nervenkliniken behandelt wurden. Das "Fest des stählernen Penisses" feiern, aber Nobuyoshi Araki Sexismus vorwerfen, entgegnet die taz  japanischen Frauenrechtlerinnen. Zeit Online möchte erstmal keinen Ton mehr über die Elbphilharmonie hören.

Komplexität mit Linienrasanz

13.02.2019. Bis Klaus Lederer einen diversen Castorf-Nachfolger gefunden hat, bleibt Klaus Dörr noch Interims-Intendant an der Volksbühne, freut sich der Tagesspiegel. Und das, obwohl es hinter den Kulissen ziemlich brodelt, fügt die SZ hinzu. Wenn sie niedliche Kunst geboten bekommen, gehen Japaner auch ins Museum, weiß die SZ nach einem Besuch im Yayoi-Kusama-Museum. Die taz schildert, wie Matteo Salvini einen italienischen Sänger aufgrund seiner nordafrikanischen Herkunft attackiert. Und der Tagesspiegel lernt, dass die Wurzeln des Bauhauses in einer japanischen Teetasse liegen.

Auf's Timing einhacken

12.02.2019. In der Welt erinnert sich Max Dax, wie er das Geheimnis hinter Robert Rymans gleißend hellen Quadraten entschlüsselte. Die FAZ lernt in Robert Rodriguez' "Alita", wie man Hegel mit Actionkino versöhnt. Das Theater kommt aus postkolonialen Machtstrukturen einfach nicht heraus, lernt die Nachtkritik. Die taz findet ihre Nische im schluffigen Beat von Ednan Portnoy und Homeboy Sandman. Der Standard lauscht lieber dem existentiellen Schrei von Thomas Bernhard.

Mit gut gestopfter Pfeife

11.02.2019. Offenbar zahlt Düsseldorf dafür, dass die Kölner eine derart bizarre Kulturpolitik machen, glaubt Milo Rau im Kölner Stadtanzeiger mit Blick auf das Debakel um die Neubesetzung der Intendanz des Schauspiels Köln. Zahlen möchte das Innenministerium für den von ihm ausgelobten Architekturpreis für Geschosswohnungsbau lieber nicht, meldet die SZ. Für das britische Buchgeschäft könnte der Brexit nicht besser laufen, weiß die NZZ. Und die Zeitungen schreiben Nachrufe zum Tod des Anarchisten und Karikaturisten Tomi Ungerer.

Unfall mit Ansage

09.02.2019. Die New York Review of Books betrachtet Brassai bei Nacht. Die FAZ bescheinigt dem Rechtsstreit um Takis Würgers Roman "Stella" kulturpolitische Bedeutung bei der Abwägung von Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrechten. Die SZ fühlt sich vor der neuen BND-Zentrale in Berlin an den Todesstreifen erinnert.

Der Pinsel wird zum Beil

08.02.2019. Die Filmkritiker sind zu Beginn der Berlinale nicht in Hochstimmung: Das solide Ploppen von Lone Scherfings rührseligem Wohlfühldrama "The Kindness of Strangers" zur Eröffnung löste jedenfalls keinen Feierreflex aus. Die SZ begeistert sich für die radikalen Bildexperimente des jungen Picasso. Die taz nimmt Platz in den freundlichen Möbeln von Susi und Ueli Berger.

Position absoluter Macht

07.02.2019. Die Filmkritiker bereiten sich auf die Berlinale vor und ziehen schon mal Bilanz der Ära Kosslick. Das Van Magazin beschreibt eine Atmosphäre der Angst an der von Daniel Barenboim geleiteten Staatsoper. Die Welt staunt: plötzlich nur noch Künstlerinnen überall. Der Tagesspiegel bewundert uralte Geometrie in einer großen Pariser Ausstellung mit lateinamerikanischer Kunst. Die nachtkritik denkt über politische Bildung im Theater nach.

Japanischer Barbecue-Finger

06.02.2019. Die SZ lernt in Kunsthalle Wien von Annette Kelm, dass Konzeptkunst auch strahlend bunt sein kann. Der Guardian erlebt, wie Tracey Emins Kunst einen neuen Grad an brutaler Ehrlichkeit erreicht. Die NZZ begleitet das literarische Ungarn auf einem Gedenkmarsch für Endre Ady durch die bittere Kälte Budapests. Und Critic.de gibt erste Empfehlungen für die morgen Abend eröffnende Berlinale.

Bestimmte Formen narkotisieren bestimmte Inhalte

05.02.2019. Der Guardian betrachtet mit Schrecken Don McCullins Fotografien aus den Kriegen des 20. Jahrhundert: Vietnam, Biafra oder Nordirland. Im Tagesspiegel beklagt Regisseur Oliver Frljic die große ästhetische Koalition von Rechts und Links. Als Höllenspektakel genießen SZ und NZZ Györgi Ligetis "Grand Macabre" von und mit Tatjana Gürbaca. Die taz vergnügt sich auf die Club Transmediale und erkennt in scheußlichen Anzügen ein Erkennungszeichen grober Politik.

Zum absoluten Extrem meiner Sicht

04.02.2019. Die Welt wirft die Frage auf, wie fies und diffamierend die Feuilletons werden dürfen, um einen Intendanten zu vertreiben.  In der NZZ fordert Vittorio Lampugnani eine Entschleunigung der Architektur. Die FAZ erzählt, wie die Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg die Sammlung des Prado vor den Franquisten in Sicherheit brachten. Die taz freut sich über die Wiederentdeckung des amerikanischen Erzählers Kent Haruf, der das magere Schreiben kultivierte. In der SZ besingt Nick Cave die menschliche Begrenztheit.

Da sind sie, die Experten des Alltags

02.02.2019. Die NZZ spürt in der Fondation Beyeler ihren inneren Teenager vor Picassos Frühwerk. J.D Salingers Sohn will nachgelassene Werke seines Vaters veröffentlichen, lesen wir im Guardian. Die taz amüsiert sich mit dem New-Wave-Elektronik-Lurch der Goldenen Zitronen. Die FAZ träumt von einem Kleid von Dior.

Gekrönt von einer Jakobsmuschel

01.02.2019. In Berlin hatte Rene Polleschs "Black Maria" Premiere: als Beitrag zum politischen Theater durchwachsen, findet die nachtkritik. Dafür von schönster Glamour-Lässigkeit, freut sich die SZ. "Fickt das System", schallt es aus Dennis Pohls ersten Editorial der seit heute online wiedergeborenen Spex. Auf Zeit online feiert Georg Seeßlen die britische Fernsehserie "Doctor Who". Die NZZ würdigt die Bauhaus-Frauen. Die SZ bewundert die Kostüme der Samurai.