Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Januar, 2018

Mit einer nach oben offenen Förderhöhe

16.01.2018. Im Standard erzählt Peter Turrini von der Sehnsucht nach einem anderen Leben. Die FAZ geht mit Madame d'Ora in die Schlachthöfe von Paris und huldigt mit Richard Strauss der apolitischen Konversation. Die SZ freut sich über die neu geweckte Lust an afrikanischer Kunst. Und die NZZ empfiehlt gegen unrealistische Sicherheitserwartungen die Filme John Carpenters.

Eine Menage-à-plusieurs - welche Utopie

15.01.2018. In der Schweiz werden die guten Wohnlagen mit Seeblick knapp, die NZZ lernt von Herzog & de Meuron, wie man vornehm verdichtet. Alles kann, nichts muss, lernt die SZ beim Puppenliebesspiel mit Marivaux im Münchner Cuvilliétheater. Die Welt stößt zum tragischen Kern der amerikanischen Comedy vor. Der Tagesspiegel trifft Maria Alechina. Und der Standard freut sich, dass in Österreich wieder Vinyl gepresst wird - mit italienischem Granulat.

Die blaue Grotte der Gegenwart

13.01.2018. Die FAZ entdeckt die Romantik der Zukunft in den menschenleeren Landschaften von Serverfarmen. Deutschlandfunk Kultur weiß, warum Instagram Früchte zensiert. Immerhin Stuttgart ist reif für Patrick Angus' nackte Jungs, freut sich die SZ. Die Literarische Welt ärgert sich über den Wald- und Wiesenboom in der Literatur. Begeistert besprechen die Kritiker den Essayfilm "Aus einem Jahr der Nichtereignisse".

Die raue Klangsignatur von Northern Soul

12.01.2018. Die Berliner Zeitung bestaunt den neuen Eingangsbau zur Museumsinsel - nur den Rollator und Kinder sollte man zu Hause lassen. Die SZ bewundert die moderne Architektur in Bangladesch. Die taz schwingt die Hüften zu Habibi-Funk. Der Standard stellt die neue Leiterin der Viennale vor: Eva Sangiorgi. In der nachtkritik erteilt der Theaterwissenschaftler Peter W. Marx der AfD Nachhilfeunterricht in Sachen Theatergeschichte.

Die einsame, dunkle Linie

11.01.2018. In der Zeit kritisiert Nan Goldin die Museen, die sich von der Pharmafamilie Sackler haben sponsern lassen: Sie hätten Blutgeld von Drogendealern angenommen. Im Freitext-Blog macht Rainer Merkel einen Spaziergang auf der Straße der Verschwörungstheoretiker in Beirut. Die NZZ porträtiert eins der großen Liebespaare der Literaturgeschichte: Albert Camus und Maria Casarès. Die taz porträtiert einen Meister der radikalen Geste: den Filmkomponisten Tony Conrad.

Meuterei ist Untergang

10.01.2018. In der NZZ erklärt Corinna Harfouch das Theater zu einem System der Ausbeutung, von dem selbst Neoliberalisten noch lernen könnten. Ebenda fragt Abraham B. Jehoschua, warum die Literaturkritik eigentlich die Moral als Kategorie aufgegeben hat. Die SZ schüttelt den Kopf über einen Kunstbetrieb, der eine Künstlerin wie Carmen Herrera erst jetzt entdeckt: Sie ist 102 Jahre. FAZ und ZeitOnline bewundern die Sensibilität und surreale Kraft in Makoto Shinkais Animationsfilm "Your Name".

Hol dir, was dir zusteht

09.01.2018. Das New Yorker Metropolitan Museum gibt seine Politik auf, nach der jeder so viel Eintritt zahlt, wie er kann. New Yorker und Guardian sind  entsetzt über diese unsoziale Entscheidung. Der Standard feiert die dunkle Energie, die Lisa Hinterreithner mit ihren Choreografien im Wuk ans Tageslicht holt. Die taz staunt, wie beherzt die Beiruter Theatertruppe Zoukak über syrische Flüchtlinge spottet. Die FAZ sorgt sich um das Erbe multimedialer Kunst. Und in der SZ ruft die Schriftstellerin Petra Piuk sehr österreichisch: Ein Heimatroman darf nicht schön sein.

Üppig wie Korallenbänke

08.01.2018. Die FAZ ist ganz und gar hingerissen von der Grazie und Schönheit, mit der Ewelina Marciniak am Freiburger Theater die Herrschaft der Väter zerlegt. Das Zeitmagazin ist etwas irrtiert über die exquisite Erotik, mit der Hollywoods Frauen bei der Golden-Globe-Verleihung gegen den Sexismus protestierten. Die taz erlebt im Migros Museum, was für eine unglückliche Figur marginalisierte Körper tatsächlich abgeben. Und France Gall ruft ein letztes Mal: Résiste!

Make art great again

06.01.2018. Die taz lässt sich den hinreißenden Siebzigersound Manfred Krugs durchs Ohr perlen. In der FAZ feiert Felicitas Hoppe das Glück, übersetzt zu werden. Der Freitag besucht das Kölner Label Bildstörung, das außergewöhnliche, sperrige alte Filme dem Vergessen entreißt. FR und Tagesspiegel würdigen einen Meister der Nachkriegsmoderne: Willi Baumeister. Die WOZ fragt sich beim Streit um die Volksbühne: Was ist hier links, was neoliberal?

Tausende von Einzelheiten

05.01.2018. Weltkunst besucht das riesige Ausstellungsfestival "Pacific Standard Time: LA/LA", das den Einfluss lateinamerikanischer Kunst auf die kalifornische Kultur erforscht. In der Oper werden jetzt auch die Partituren dekonstruiert, meldet, beglückt vom Ergebnis, die nachtkritik. Regisseurin Susanne Kennedy beschert uns im Deutschlandfunk Wahrnehmungsstörungen. Die Feuilletons trauern um den israelischen Schriftsteller Aharon Appelfeld.

Das Böse funkelt zu verführerisch

04.01.2018. Leider haben viele Perlentaucher-Leser und -Leserinnen zur Zeit wegen unseres abgelaufenen SSL-Zertifikats Probleme. Wir arbeiten dran!

Im Zeit Magazin beschuldigen mehrere Schauspielerinnen den Filmregisseur Dieter Wedel sexueller Übergriffe. Die Berliner Zeitung träumt sich mit dem Fotografen Willy Römer ins Berlin der Weimarer Republik. Die nachtkritik trauert dem Großkritiker hinterher - ein bisschen wenigstens. Noch nie war Bauen so teuer, seufzt die SZ und hofft auf die neuen 3-D-Drucker.

Alles ist sagbar

03.01.2018. Auf ZeitOnline ruft die Kunsthistorikerin Julia Pelta Feldman den Verteidigern von Balthus und Dana Schutz zu: Ihr sagt Kunstfreiheit und Ihr meint den Status Quo weißer Maler. Die taz erinnert an die magische Schlichtheit der Lyrikerin Rose Ausländer. epd Medien fragt, warum es eigentlich keinen digitalen Archivkanal gibt. Die FAZ besichtigt hektarweise verglaste Parkett-Flächen der neuen Luxus-Wohnhochhäuser. Und der Standard erlebte in Wien einen Beethoven auf Speed.

Dramatisch gut durchpulst

02.01.2018. Die Welt rechnet mit Céline ab: Sein ungeniertes Vomlederziehen sei nie modern gewesen, sondern schon immer regressiv. In der FAZ erklärt der Pianist Piotr Anderszewski, dass Mozart nicht nur Musik geschaffen hat, sondern Lebewesen. Die SZ porträtiert die Architektin Christine Nickl-Weller, die keine Kranken-, sondern Gesundheitshäuser bauen möchte. Und Slate.fr isst ein letztes Safran-Risotto mit Goldblatt.