Die Teletaucher Fernseh- und Hörfunk-Empfehlungen wurden 2010 eingestellt.

Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Diese Attitude der diskursiven Weltverbesserung

05.05.2023. Nachtkritik und FAZ erleben einen fast perfekten, atmosphärisch dichten Auftakt der Ruhrfestspiele mit "Drive your plow over the bones of the dead" der englischen Theaterkompanie Complicité. Da ertragen sie auch gern, wenn ein kindlicher Kohlhaas ihnen ein blutiges Wildschweinherz auf den Tisch knallt. Popsänger Ed Sheeran hat seinen Plagiatsprozess gewonnen, freut sich die SZ. Sonst wäre es vorbei gewesen mit dem Pop. Die taz erinnert an Burkhard Seiler, der 1979 "den einflussreichsten Schallplattenladen des alten West-Berlin" gründete. Der Tagesspiegel betrachtet in der Berliner Kunstbibliothek unheimliche Phänomene aus dem Jahr 1665.

Hundert schwarze Augen

04.05.2023. Die Filmkritiker schwärmen von Angela Schanelecs "Music". Artechock fragt fassungslos, warum die BKM (Vorsitz: Claudia Roth) ausgerechnet diesem Film keine Verleihförderung gönnt. Monopol unterhält sich in Darmstadt mit einer ganzen Armada reizender Entitäten von Marco Schuler. Die SZ verknallt sich in den neuen Anbau des American Museum of Natural History. Außerdem unterhält sie sich mit dem russischen Science-Fiction-Bestseller-Autor Dmitry Glukhovsky über die Diktatur, die Russland heute ist. Die FAZ bewundert an der Oper Lyon die hinreißende Sopranistin Corinne Winters in Janáčeks "Katia Kabanova".

Wunder der Gegenwart

03.05.2023. In der NZZ überlegt Regisseur Stas Zhyrkov, wie das ukrainische Theater an seine einstige Avantgarde anschließen könnte. Mit ihrem großen Streik stemmen sich Hollywoods Drehbuchautoren auch gegen die Aussicht, durch KI überflüssig zu werden, weiß die SZ. Die Fotografen sind eh schon in Schockstarre, ergänzt Boris Eldagsen in der Welt. Die Musikkritiker trauern um Folkmusiker Gordon Lightfoot, der seine Melodien so enorm samtig hintupfen konnte.

Ein wenig giftig insgesamt

02.05.2023. Im barocken Flirren momentaner Gefühle schwelgen FR und FAZ mit Barrie Koskys Inszenierung von Händels "Hercules". Im Freitag preist Alexandru Bulucz die Lyrik seiner österreichischen Kollegin Anja Bachl. Die Literaturkritiker möchten der guten Laune nicht trauen, mit der sie aus Leipzig zurückkehren. Der Standard steht im Zentralarchiv vor dem digitalen Dilemma der Filmgeschichte. Die fetten Serienjahre sind vorbei, konstatiert die Welt. In der FAS erklärt der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov, dass in ihm wirklich keinerlei Stille sei.

Drahtseilartisten über dem Abgrund der Zeiten

29.04.2023. Der Schriftsteller Matthias Politycki hat einen Roman über Afrika geschrieben. In der FAZ erzählt er, wie das Lektorat penibel darauf achtete, dass sich niemand aufgrund eines Wortes empören könnte. Für Empörung sorgt indes Til Schweiger, dem laut Spiegel Ausbeutung und Gewalt am Set vorgeworfen werden. Die SZ stellt nach einem Besuch beim Gallery Weekend fest: Galerien leisten heute das, wozu Museen der Mut fehlt. Und die NZZ lauscht Geflüchteten aus dem Sudan, die in strahlendem Über-Dur um eine reiche Ernte flehen.

Ein gutes Stück hinter dem Beat

28.04.2023. Die Preise der Leipziger Buchmesse sind vergeben - und das Feuilleton jubelt vor allem über die Auszeichnung für Dinçer Güçyeter, der mit bukolischem Humor vom Bildungsaufstieg erzählt. Die SZ lernt von Nicole Eisenman in München, dass der Gegenwart nur noch mit Perversion beizukommen ist. ZeitOnline verneigt sich vor Isabelle Huppert, die in Jean-Paul Salomés "Die Gewerkschafterin" die Whistleblowerin Maureen Kearney spielt. SZ und nachtkritik blicken mit Parnia Shams "Ist" beim Berliner FIND-Festival ins Innenleben einer Mädchenschule in Teheran.

Der Problemkörper des Protagonisten

27.04.2023. Wir haben versucht, die Welt auf den verbrecherischen Charakter des russischen Regimes aufmerksam zu machen, sagt Maria Stepanova in der FR: Aber wir fanden kein Gehör. Darren Aronofskys "The Whale" starrt auf seinen schwer adipösen, homosexuellen Helden wie auf ein groteskes Ungeheuer, ärgert sich die Welt. SZ und FR sind mindestens irritiert, wenn Helge Achenbach in Birgit Schulz' Dokumentarfilm als Robin Hood des Kunstmarkts auftritt. Und VAN ruft der FDP zu: Rundfunkorchester sind keine Massagesessel.

Matschkern, Jammern und Sudern

26.04.2023. Eine gute Nachricht vorweg: Jafar Panahi darf den Iran verlassen. Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse erklärt Teresa Präauer in der SZ die Vorzüge des Österreichischen. Im Perlentaucher feiert Marie Luise Knott die russische Lyrikerin Maria Stepanova. Ebenfalls im Perlentaucher erkennt Ulf Erdmann Ziegler in Basel, was Shirley Jaffe ihrem amerikanischen Malerkollegen Wayne Thiebaud voraus hatte. Und alle trauern um Harry Belafonte, der die Welt in so freundlichem Calypso anklagte.

Nicht mal die Kunst ist als Ziel genug

25.04.2023. Fasziniert, aber auch ein wenig ratlos steht die SZ in Kassel vor Roberto Cuoghis  Fertigungsstrecke für gekreuzigte Heilande. Die FAZ berichtet über den drohenden Streik der Drehbuchautoren in Hollywood, für die mit Serien und Streaming doch keine goldene Zeiten angebrochen waren. Die SZ erhebt Einwände gegen Laura Poitras' Nan-Goldin-Porträt "All the Beauty and the Bloodshed", das seine dokumentarische Form nur behaupte. Crescendo fürchtet die Kulturpolitik der nationalistischen Regierung in Italien besonders in der Klassik.

Vorliebe für klare Linien

24.04.2023. Im Tagesspiegel beschreibt die russische Schriftstellerin Maria Stepanowa die weltweite Casablanca-Situation: "Jeder sitzt irgendwo fest und versucht weiterzukommen." Im Standard denkt Verena Roßbacher über das schöne und das  authentische Schreiben nach. Die FAZ entdeckt iin paris das grandiose Werk der norwegischen Künstlerin Anna-Eva Bergman. Ganz fantastisch findet die Nachtkritik das Zürcher Tolkien-Spektakel "Riesenhaft in Mittelerde".