9punkt - Die Debattenrundschau
Der Teufel zitiert gern aus den Evangelien
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.10.2026. Politikerinnen beweisen heute, dass sie kräftig stänkern können: Vanessa Emde von links, Alice Weidel von rechts. Nur Navi Pillay setzt sich in Le Monde für die Rechte einzelner ein. Wenn schon Antifaschismus, dann richtig, meint Pascal Bruckner in Le Point, denn es gibt zwei Prätendenten für einen neuen Faschismus in Frankreich. Mit ihrem Spaß am Barrikadenbau zeigen auch migrantische Jugendliche, wie gut sie sich in die französische Revolutionsfolklore integriert haben, konstatiert Thomas Chatterton Williams in Atlantic. Könnte "Digitale Demokratie" helfen, fragt die SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
16.10.2026
finden Sie hier
Europa
Die Ukraine scheint zur Zeit russischen Drohnenangriffen hilfloser ausgesetzt. Hintergrund ist Trumps Ärger auf Selenski, der russische Ölinfrastruktur bombardiert und somit nach Trump den Preis treibt. Elon Musks Internetsystem Starlink scheint teilweise abgeschaltet zu sein, berichtet Mathias Brüggmann in der taz. "Zuletzt wurden in Polen und Bulgarien Starlink-Bodenstationen durch gezielte Brände beschädigt. Die Regierungen beider Länder vermuten russische Sabotageakte als Ursache. Musk hatte noch voriges Jahr dafür gesorgt, dass die russische Armee, die sich illegal mobile Starlink-Terminals beschafft hatte, diese nicht nutzen kann. Die Ukraine nutzt das System dank eines Vertrags mit den USA, für den Deutschland, Polen und andere Partnerländer Kyjiws Millionen an SpaceX zahlen. Die Starlink-Verbindungsprobleme in der Ukraine fielen zeitlich mit dem Druck zusammen, den Trump auf Selenski ausübte. Nach ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien drohte Washington Medienberichten zufolge sogar damit, den Austausch von Geheimdienstdaten einzustellen."
Charlotte Walser (SZ) zeigt der Ukrainekrieg vor allem eins: wie abhängig die Welt von Elon Musk ist. "Seiner Macht ist er sich durchaus bewusst: Die Front bräche zusammen, schaltete er Starlink ab, sagte Musk einmal. Erkannt worden ist das längst. Der Thinktank Belfer Center wies schon 2023 auf die Gefahr hin, wenn kritische Kommunikation von nur einem Unternehmen abhängt. Musk hält also große Macht in Händen, ohne je gewählt worden zu sein oder demokratischer Kontrolle zu unterliegen. Er kann via Algorithmen über X die öffentliche Meinung beeinflussen; er kann per Mausklick in Kriege eingreifen. Obwohl das Problem längst erkannt wurde, wurde bisher wenig unternommen, um diese Macht zu brechen. Europäische Länder planen zwar eine Alternative zu Starlink, doch der Start des europäischen Satellitennetzwerks Iris² wurde auf 2029 verschoben."
Friederike Haupt porträtiert für die FAZ die Linken-Politikerin Vanessa "Vedi" Emde, 45, die in Neukölln 46 Prozent holte - mit antisemitischen Sprüchen, die das Existenzrecht von Staaten in Frage stellen. Über sie könnte das Linksbündnis in Berlin noch stolpern. Sie hat ihr Metier übrigens im woken Fach gelernt: "Auch bevor Emde der Linken beitrat, war sie schon aktivistisch im Einsatz. Die gebürtige Düsseldorferin studierte Komparatistik und Gender Studies in Berlin, engagierte sich in der queer-feministischen Szene, aber auch antikapitalistisch und internationalistisch, schrieb mehrere Theaterstücke und Performances und leitete Diversity-Trainings am Theater. Angesichts des performativen Charakters, den nicht nur Wahlkämpfe zunehmend haben, nicht unwesentliche Erfahrungen."
Dieses Statement veröffentlichte die Berliner Landtagsabgeordnete gestern in den sozialen Medien und sorgt somit weiter für viel Unterhaltung bei den Berliner Sondierungsgesprächen.
Und damit wir wirklich alle Hoffnung fahren lassen, hier noch ein Video einer extremistischen Politikerin, erschienen beim Economist:
Wenn schon Antifaschismus, dann sollte man richtig hingucken, meint Pascal Bruckner in Le Point. Denn es gibt zwei Prätendenten für einen neuen Faschismus in Frankreich, das Rassemblement national, das sich gemildert gibt, aber beim leisesten Kratzen seine Putin-Liebe bekundet und sich selbst gern als Opfer eines "Genozid" darstellt. "Zu behaupten, Macron sei Hitler und Widerstand gegen ihn bedeute, die Taten der Résistants von einst zu wiederholen, ist eine Ungeheuerlichkeit. Durch eine verblüffende Kehrtwende spricht die extreme Rechte nun plötzlich die Sprache des Widerstands gegen den Faschismus." Von Mélenchons Unbeugsamem Frankreich ganz zu schweigen, das seine Erfolge auf dem neuen Judenhass aufbaut. In beiden Fällen gilt: "Der Neofaschismus spricht die Sprache des Antifaschismus. Die Schläger treten im Schafspelz auf - der Teufel zitiert gern aus den Evangelien. Diese Maskerade ist nicht neu: Schon die Serben hüllten sich während der Balkankriege in das Gewand der Opfer, um ihre Massaker an Kroaten und Bosnier zu verüben; Putin bezeichnet die Ukrainer als Nazis, um sie besser auslöschen zu können. Fazit: Es gibt in Frankreich zwei rechtsextreme Lager, die gleichermaßen souveränistisch und europafeindlich sind und sich trotz ihrer Differenzen eines Tages verbünden könnten: das eine, das sich offen, aber in gedämpftem Ton präsentiert; das andere, das getarnt unter dem Banner des Antiimperialismus und Antirassismus voranschreitet."
Soll niemand versuchen, die Gewalt bei den Schülerprotesten in Frankreich den Muslimen vorzuwerfen, meint Thomas Chatterton Williams in Atlantic: "Man könnte argumentieren, dass diese sinnlosen Akte der Rebellion ein Beweis dafür sind, dass sich Einwanderergruppen tatsächlich recht gut integriert haben - angesichts der langen und blutigen Geschichte Frankreichs, die von Aufständen geprägt ist und von Mai '68 bis zur Französischen Revolution zurückreicht, in der der König gestürzt wurde." Dass der Zustand der Schulen in Frankreich Proteste rechtfertigt, bezweifelt Williams nicht, aber den "nihilistischen Groll", den man in einigen Videos sehen kann, findet er bestürzend: "In dem Video, das mir einfach nicht aus dem Kopf geht, nähert sich ein 15-Jähriger, gekleidet in einen schwarzen Kapuzenpulli, eine schwarze Jogginghose und eine Maske, ruhig einer Frau in Marseille und besprüht ihr Gesicht mit einem provisorischen Flammenwerfer, wodurch sie Verbrennungen ersten Grades davonträgt. In einer Szene aus Nantes füllt ein Inferno die Eingangshalle der Nelson-Mandela-Oberschule, deren Bau im Jahr 2014 75 Millionen Euro gekostet hatte. ... Der fünfte Clip zeigt eine große und begeisterte Gruppe von Jugendlichen im Loiretal, mit Rucksäcken auf dem Rücken und Smartphones in der Hand, die sich im Kreis versammelt haben und den Text zu 'M*R*H' rappen. Der Song beginnt mit einem Verweis auf den Terroranschlag im Bataclan im Jahr 2015, bei dem 90 Menschen getötet wurden: 'Ich habe keine Angst, ich habe keine Angst vor der Hölle; der Pakt ist ungebrochen - wer außer Allah kann mich aufhalten? / Bataclan - sich tot stellen, flach auf dem Boden liegen - ich werde sie einen nach dem anderen ausschalten.' ... In einer katholischen Kirche filmte sich eine Gruppe junger weißer Mädchen ebenfalls dabei, wie sie 'M*R*H' sangen."
Charlotte Walser (SZ) zeigt der Ukrainekrieg vor allem eins: wie abhängig die Welt von Elon Musk ist. "Seiner Macht ist er sich durchaus bewusst: Die Front bräche zusammen, schaltete er Starlink ab, sagte Musk einmal. Erkannt worden ist das längst. Der Thinktank Belfer Center wies schon 2023 auf die Gefahr hin, wenn kritische Kommunikation von nur einem Unternehmen abhängt. Musk hält also große Macht in Händen, ohne je gewählt worden zu sein oder demokratischer Kontrolle zu unterliegen. Er kann via Algorithmen über X die öffentliche Meinung beeinflussen; er kann per Mausklick in Kriege eingreifen. Obwohl das Problem längst erkannt wurde, wurde bisher wenig unternommen, um diese Macht zu brechen. Europäische Länder planen zwar eine Alternative zu Starlink, doch der Start des europäischen Satellitennetzwerks Iris² wurde auf 2029 verschoben."
Friederike Haupt porträtiert für die FAZ die Linken-Politikerin Vanessa "Vedi" Emde, 45, die in Neukölln 46 Prozent holte - mit antisemitischen Sprüchen, die das Existenzrecht von Staaten in Frage stellen. Über sie könnte das Linksbündnis in Berlin noch stolpern. Sie hat ihr Metier übrigens im woken Fach gelernt: "Auch bevor Emde der Linken beitrat, war sie schon aktivistisch im Einsatz. Die gebürtige Düsseldorferin studierte Komparatistik und Gender Studies in Berlin, engagierte sich in der queer-feministischen Szene, aber auch antikapitalistisch und internationalistisch, schrieb mehrere Theaterstücke und Performances und leitete Diversity-Trainings am Theater. Angesichts des performativen Charakters, den nicht nur Wahlkämpfe zunehmend haben, nicht unwesentliche Erfahrungen."
Dieses Statement veröffentlichte die Berliner Landtagsabgeordnete gestern in den sozialen Medien und sorgt somit weiter für viel Unterhaltung bei den Berliner Sondierungsgesprächen.
Und damit wir wirklich alle Hoffnung fahren lassen, hier noch ein Video einer extremistischen Politikerin, erschienen beim Economist:
Ukraine has "already lost" the war against Russia, says @Alice_Weidel, co-leader of the Alternative for Germany party, which is leading German opinion polls. She told @zannymb, that Germany should pull the plug on support for Ukraine against Vladimir Putin's invasion. Watch the full interview at 6pm London time (1pm in New York): https://t.co/cuNLE8BDBu
- The Economist (@TheEconomist) October 15, 2026
Wenn schon Antifaschismus, dann sollte man richtig hingucken, meint Pascal Bruckner in Le Point. Denn es gibt zwei Prätendenten für einen neuen Faschismus in Frankreich, das Rassemblement national, das sich gemildert gibt, aber beim leisesten Kratzen seine Putin-Liebe bekundet und sich selbst gern als Opfer eines "Genozid" darstellt. "Zu behaupten, Macron sei Hitler und Widerstand gegen ihn bedeute, die Taten der Résistants von einst zu wiederholen, ist eine Ungeheuerlichkeit. Durch eine verblüffende Kehrtwende spricht die extreme Rechte nun plötzlich die Sprache des Widerstands gegen den Faschismus." Von Mélenchons Unbeugsamem Frankreich ganz zu schweigen, das seine Erfolge auf dem neuen Judenhass aufbaut. In beiden Fällen gilt: "Der Neofaschismus spricht die Sprache des Antifaschismus. Die Schläger treten im Schafspelz auf - der Teufel zitiert gern aus den Evangelien. Diese Maskerade ist nicht neu: Schon die Serben hüllten sich während der Balkankriege in das Gewand der Opfer, um ihre Massaker an Kroaten und Bosnier zu verüben; Putin bezeichnet die Ukrainer als Nazis, um sie besser auslöschen zu können. Fazit: Es gibt in Frankreich zwei rechtsextreme Lager, die gleichermaßen souveränistisch und europafeindlich sind und sich trotz ihrer Differenzen eines Tages verbünden könnten: das eine, das sich offen, aber in gedämpftem Ton präsentiert; das andere, das getarnt unter dem Banner des Antiimperialismus und Antirassismus voranschreitet."
Soll niemand versuchen, die Gewalt bei den Schülerprotesten in Frankreich den Muslimen vorzuwerfen, meint Thomas Chatterton Williams in Atlantic: "Man könnte argumentieren, dass diese sinnlosen Akte der Rebellion ein Beweis dafür sind, dass sich Einwanderergruppen tatsächlich recht gut integriert haben - angesichts der langen und blutigen Geschichte Frankreichs, die von Aufständen geprägt ist und von Mai '68 bis zur Französischen Revolution zurückreicht, in der der König gestürzt wurde." Dass der Zustand der Schulen in Frankreich Proteste rechtfertigt, bezweifelt Williams nicht, aber den "nihilistischen Groll", den man in einigen Videos sehen kann, findet er bestürzend: "In dem Video, das mir einfach nicht aus dem Kopf geht, nähert sich ein 15-Jähriger, gekleidet in einen schwarzen Kapuzenpulli, eine schwarze Jogginghose und eine Maske, ruhig einer Frau in Marseille und besprüht ihr Gesicht mit einem provisorischen Flammenwerfer, wodurch sie Verbrennungen ersten Grades davonträgt. In einer Szene aus Nantes füllt ein Inferno die Eingangshalle der Nelson-Mandela-Oberschule, deren Bau im Jahr 2014 75 Millionen Euro gekostet hatte. ... Der fünfte Clip zeigt eine große und begeisterte Gruppe von Jugendlichen im Loiretal, mit Rucksäcken auf dem Rücken und Smartphones in der Hand, die sich im Kreis versammelt haben und den Text zu 'M*R*H' rappen. Der Song beginnt mit einem Verweis auf den Terroranschlag im Bataclan im Jahr 2015, bei dem 90 Menschen getötet wurden: 'Ich habe keine Angst, ich habe keine Angst vor der Hölle; der Pakt ist ungebrochen - wer außer Allah kann mich aufhalten? / Bataclan - sich tot stellen, flach auf dem Boden liegen - ich werde sie einen nach dem anderen ausschalten.' ... In einer katholischen Kirche filmte sich eine Gruppe junger weißer Mädchen ebenfalls dabei, wie sie 'M*R*H' sangen."
Geschichte
Einer der Zwecke des Postkolonialismus ist die Nivellierung der Singularität des Holocaust. Die Ausstellung "Umstrittene Verwandtschaft - Koloniale und nationalsozialistische Gewalt" im Deutschen Historischen Museum (DHM) (mehr hier) beschäftigt sich mit beiden Gewaltformen und zeigt laut Andreas Kilb (FAZ) "die tiefe Unvergleichbarkeit von Holocaust und Kolonialismus". Der postkolonialen Indoktrination versuche die Ausstellung "etwas entgegenzuhalten, das im postkolonialen Diskurs meistens ausgeblendet wird: geschichtliche Tatsachen. Dabei verweigert sie sich keineswegs dem Vergleich zwischen Kolonialverbrechen und Holocaust, so absurd er insgesamt auch sein mag. Aber sie führt ihn auf seine historischen Ursprünge zurück. Sie blickt aus den geschichtsfremden Debatten der Gegenwart zurück auf den Moment, an dem die Gleichsetzung begonnen hat. Damit erteilt sie ihren Besuchern eine Lektion, die deutlicher und zugleich mehrdeutiger nicht sein könnte."
Auch Nicola Kuhn (Tagesspiegel) findet die Ausstellung im DHM trotz leichter Überforderung angenehm komplex: Sie "will nicht nur zum Nachdenken Anstöße geben, Argumente für eine eigene Meinung liefern, sondern fordert auch die künftige Forschung auf, indem sie Leerstellen des Vergleichs aufzeigt: Das Phänomen der Kollaboration ist für den Nationalsozialismus bekannt, ohne die Helfer in den eroberten Ländern hätten sich die Besatzer nicht halten können. Für den Kolonialismus aber müsste es noch weiter ausgeleuchtet werden. Ob die von den Kolonialmächten rekrutierten indigenen Soldaten ebenfalls dazu gehören, Kollaborateure sind, steht als Frage offen im Raum. Die geschnitzten Colonfiguren zweier stolzer 'Askari' in der Felduniform der deutschen 'Schutztruppe' zeigen ihren Bedeutungsgewinn. Sie verbreiteten Angst und Schrecken und waren Opfer zugleich. Die schnelle Zuordnung, der forsche Vergleich verbietet sich auch hier. Und doch erhellt gerade die Gegenüberstellung, worin die Unterschiede bestehen."
Auch Nicola Kuhn (Tagesspiegel) findet die Ausstellung im DHM trotz leichter Überforderung angenehm komplex: Sie "will nicht nur zum Nachdenken Anstöße geben, Argumente für eine eigene Meinung liefern, sondern fordert auch die künftige Forschung auf, indem sie Leerstellen des Vergleichs aufzeigt: Das Phänomen der Kollaboration ist für den Nationalsozialismus bekannt, ohne die Helfer in den eroberten Ländern hätten sich die Besatzer nicht halten können. Für den Kolonialismus aber müsste es noch weiter ausgeleuchtet werden. Ob die von den Kolonialmächten rekrutierten indigenen Soldaten ebenfalls dazu gehören, Kollaborateure sind, steht als Frage offen im Raum. Die geschnitzten Colonfiguren zweier stolzer 'Askari' in der Felduniform der deutschen 'Schutztruppe' zeigen ihren Bedeutungsgewinn. Sie verbreiteten Angst und Schrecken und waren Opfer zugleich. Die schnelle Zuordnung, der forsche Vergleich verbietet sich auch hier. Und doch erhellt gerade die Gegenüberstellung, worin die Unterschiede bestehen."
Medien
Im Interview mit der FR zeigt sich Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo "überrascht und schockiert", dass das Landgericht Hamburg die Interviews beschlagnahmt hat, die für das True-Crime-Podcast der Zeit mit den Töchtern von Christina Block 2024 geführt wurden. Beide Kinder haben später im Prozess die Aussage verweigert. Knapp zwei Jahre, nachdem die Interviews geführt worden waren, jedoch noch vor der Urteilsverkündung hat die Zeit begonnen, das Podcast zu veröffentlichen. Dass das ein Problem für das Gericht ist und die Beschlagnahme deshalb erfolgte, kann di Lorenzo nicht nachvollziehen: "Niemand, auch nicht im Rahmen unserer rechtlichen Beratung, wäre selbst in seinen schlimmsten Albträumen darauf gekommen. Die Frage, ob wir die Aussagen verwenden können, haben wir uns in der Redaktion selbstverständlich gestellt, und zwar mehrfach. Nach Abwägung aller Argumente haben wir uns entschieden, ausschließlich die Aussagen Klaras zu verwenden, die sich auf die Tat selbst, also auf die Entführung, beziehen. Das geschah auf ausdrücklichen Wunsch der Tochter, die in wenigen Tagen 16 Jahre alt wird."
Die FAZ bringt einen Besinnungsaufsatz von Oliver Friedmann, Mitglied des Herausgeberrats der Süddeutschen Zeitung (und der ehemaligen sogenannten "Herausnehmerfamilien" der SZ) und Vorstandsmitglied der Deutschen Journalistenschule. Er definiert Journalismus als "demokratisch relevantes Prüfverfahren, mit dem Gesellschaften Wirklichkeit testen. Im besten Fall produziert ein solches Verfahren nicht nur Meinungen. Sondern es schickt Menschen hinaus in die Welt: zum Beobachten, Fragen und Dokumentieren. In einer Welt, die von synthetischen Inhalten geradezu überflutet wird, wird verifizierter Kontakt mit der Wirklichkeit zum knappen und damit wertvollen Gut."
Die FAZ bringt einen Besinnungsaufsatz von Oliver Friedmann, Mitglied des Herausgeberrats der Süddeutschen Zeitung (und der ehemaligen sogenannten "Herausnehmerfamilien" der SZ) und Vorstandsmitglied der Deutschen Journalistenschule. Er definiert Journalismus als "demokratisch relevantes Prüfverfahren, mit dem Gesellschaften Wirklichkeit testen. Im besten Fall produziert ein solches Verfahren nicht nur Meinungen. Sondern es schickt Menschen hinaus in die Welt: zum Beobachten, Fragen und Dokumentieren. In einer Welt, die von synthetischen Inhalten geradezu überflutet wird, wird verifizierter Kontakt mit der Wirklichkeit zum knappen und damit wertvollen Gut."
Gesellschaft

Was tun angesichts gewalttätiger Proteste (in Frankreich) und immer größerem Zulauf zu extremistischen Parteien in Europa? Vielleicht mehr Bürgerbeteiligung wagen, schlägt Philipp Bovermann in der SZ vor und verweist auf erfolgreiche Beispiele in New York, Britannien und Taiwan. "Die Herrschaft der Lautesten, die Verfechter der repräsentativen Demokratie fürchten, ist auf der Ebene der politischen Willensbildung längst etabliert. Medial existiert eine gefährlich überdrehende Basisdemokratie, ein Mangel an Delegation - von dem die Politik umgekehrt zu viel hat. Das passt nicht zusammen. Deshalb das 'Die da oben'-Gefühl der Entkoppelung." Erste Versuche, dem entgegenzutreten, ohne eine "Herrschaft der Lautesten" zu installieren, gibt es auch in Deutschland: "Marina Weisband, die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, führt inzwischen mit ihrem Projekt Aula digitale Beteiligungsverfahren an Schulen ein. Digitale Demokratie, sagt sie, sei ein Lernprozess. Rückschläge seien ein wichtiger Teil davon. Nach der ersten Euphorie folge an den Schulen immer wieder eine Phase, in der die Beteiligung zunächst einschlafe. 'Das ist der Punkt, an dem die Schüler lernen: Oh, Demokratie ist auch Arbeit. Es reicht nicht, meine Idee da einzustellen. Ich muss auch Werbung für sie machen.' Wenn das einmal verstanden sei, etablierten sich die Verfahren allmählich."
Politik
Im Interview mit Le Monde weist die designierte Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay jeglichen Vorwurf des Antisemitismus zurück. Und sie beweist, wie sehr sie sich für die Rechte Einzelner einsetzt: "Wie wurde der Oberste Führer des Iran getötet? Er befand sich in seinem Haus. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro wurde von US-Streitkräften entführt und festgenommen, die in das Land eingedrungen waren, in sein Haus - bis in sein Schlafzimmer -, um ihn und seine Frau festzunehmen. Das ist inakzeptabel. Wenn wir solche Handlungen billigen, begeben wir uns auf ein schlüpfriges und gefährliches Terrain, auf dem die Rechtsstaatlichkeit nicht mehr geachtet wird."
5 Kommentare



