9punkt - Die Debattenrundschau
Katholisch, irisch, ganz normal
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.07.2024. In der FR belehrt der Historiker Manfred Berg Kamala Harris, was sie besser machen muss als Hillary Clinton: Sie muss tough sein, aber nicht woke. So schlecht war Joe Biden auch nicht, erinnert Zeit Online. In der FAZ erzählt Ariel Porat, Präsident der Universität Tel Aviv, wie die israelische Regierung versucht, die Universitäten zu unterwerfen. Die israelische Gesellschaft ist indes gespalten wie nie zuvor, sekundiert Zeit Online. SpOn setzt wenig Hoffnung in die russische Opposition. Außerdem: Nancy Faeser hat das Islamische Zentrum Hamburg verboten, melden die Zeitungen.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
24.07.2024
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Politik
Der Historiker und USA-Experte Manfred Berg erklärt im Interview mit Michael Hesse, warum Joe Biden so lange mit seinem Rücktritt gezögert hat, was das Attentat für Trump bedeuten könnte und warum Kamala Harris bessere Chancen hat gegen Trump zu gewinnen als Hillary Clinton 2016: "Hillary Clinton war eine Kandidatin, die seit den 1990er Jahren von der amerikanischen Rechten mit Inbrunst gehasst wurde. Sie hat viele Fehler in ihrem Wahlkampf gemacht. Nichts hat ihr so sehr geschadet wie dieses unselige Wort von den Bedauernswerten, den 'Deplorables'. Sie hat versäumt, in den Swing States Wahlkampf zu machen. Das alles muss Harris jetzt ändern. Sie muss tough rüberkommen, als jemand, die in den Fernseh-Debatten Trump Paroli bietet. Sie muss eine Botschaft an Frauen aussenden, sie ist diejenige, die für das Recht auf Abtreibung steht. Und sie muss auch klarmachen, dass sie nicht zur woken Elite gehört, was ja auch stimmt. Bis jetzt hat sie sich nicht als Charismatikerin profiliert, ob sie das werden kann, weiß ich nicht. Sie muss sich in jedem Fall stärker in den Vordergrund stellen, klare Aussagen machen, mit sachlicher Kompetenz punkten und als Kandidatin auftreten, von der sich die Wähler vorstellen können, dass sie das Land führen kann."
Es ist unfair, dass Joe Biden jetzt nur noch als alter, schwacher Mann gesehen wird, ärgert sich Paul Middelhoff auf Zeit Online. Denn er kann nicht nur beeindruckende politische Leistungen vorweisen, er gab den Demokraten auch den "Schlüssel für zukünftigen Erfolg", so Middelhoff: "Mal um Mal stellte Biden sich während seiner Amtszeit als Joe aus Scranton vor, Sohn einer hart arbeitenden Mittelstandsfamilie aus Pennsylvania, katholisch, irisch, ganz normal. In einer Zeit, als in der demokratischen Partei die stramm Linken und Ultraprogressiven immer selbstbewusster auftraten, hielt Biden fest an der simplen, aber weitreichenden Erkenntnis, dass in einem Zweiparteiensystem Wahlen in der Mitte gewonnen werden. Biden hat seine Politik nicht auf die wenigen Lauten, sondern auf die Vielen ausgerichtet, hat die Gründung von Gewerkschaften unterstützt, Arbeitnehmerrechte gestärkt, Milliarden in Amerikas vergessene - zumeist republikanische - Regionen gepumpt."
Für die Geisteswissenschaften-Seiten der FAZ hat Thomas Thiel mit Präsident Ariel Porat und Vizepräsidentin Milette Shamir von der Universität Tel Aviv über den akademischen Boykott gegen Israel gesprochen. Die beiden befürchten, dass mit den propalästinensischen Protesten eine Generation heranwächst, die künftig wichtige Positionen einnehmen wird. Aber sie berichten auch vom Druck der israelischen Regierung auf die Universitäten, die ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, "das dem Bildungsminister erlauben würde, Universitäten dazu zu zwingen, Professoren für bestimmte Äußerungen zu feuern." Porat warnt, "dass es die Regierung ermächtigt, darüber zu bestimmen, was Anstiftung zum Terrorismus ist. Wenn ein Professor beispielsweise die Kriegsführung der israelischen Streitkräfte kritisieren würde, gäbe es sicherlich einige Leute in der Regierung, die das als Anstiftung zum Terror bezeichnen würden. Und sie hätten die Macht, unsere Budgets zu kürzen, wenn wir ihrer Auslegung des Gesetzes nicht entsprechen. Deshalb betrachten alle israelischen Universitäten, einschließlich der Ariel-Universität, die in den besetzten Gebieten liegt, und der Bar-Ilan-Universität, die als orthodoxe Universität gilt, das Gesetz als große Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie." Das Gesetz ziele darauf ab, Universitäten der Regierung zu unterwerfen.
Sarah Levy berichtet auf Zeit Online mit großer Sorge aus Israel, das gespalten ist wie nie zuvor. Schon lange zeichnet sich eine Radikalisierung der Meinungen ab, so Levy, befeuert von "Zündlern" aus der radikalen Regierungskoalition wie dem Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir. Der 7. Oktober "hat viele der bereits existierenden Risse vergrößert und die Parameter in die Extreme verschoben. Bereits eine Woche nach dem Überfall der Hamas musste der linkspolitische Journalist Israel Frey sich stundenlang mit seiner Familie in seiner Wohnung verbarrikadieren. Vor seinem Haus schrie ein gewaltbereiter rechter Mob: 'Verräter!', und versuchte, bei ihm einzubrechen. Frey hatte sich zuvor gegen den Krieg und das Sterben von Zivilisten 'auf beiden Seiten' ausgesprochen. Regierungsanhänger haben mehrmals im vergangenen Jahr Regierungsgegner angegriffen. Auf den wöchentlichen Demonstrationen gegen die Regierung fuhren sie sogar mit Autos in die Menschenmenge. Prominente Gegner der Regierung werden online schon lange mit Hass überschüttet, sogar vom Sohn des Premierministers, Jair Netanjahu. Auf Hebräisch nennt sich das, was hier zwischen Israelis passiert, Milchemet Achim, Brüderkrieg."
Der Demokratieforscher und Autor Alexander Görlach weist in der Welt auf die bedrohliche Lage hin, in der sich Exil-Hongkonger befinden. Etwa 145.000 Menschen sind bisher nach Großbritannien geflohen, so Görlach, aber China drangsaliert die Geflüchteten auch im Ausland: "Xis Terrorapparat hat auf 13 der bekanntesten Gesichter der Hongkonger Demokratie-Bewegung ein Kopfgeld in Höhe von circa 120.000 Euro ausgesetzt. Diese Menschen befinden sich in ständiger Gefahr, entführt, in China womöglich gefoltert und ohne fairen Prozess lebenslang eingesperrt zu werden. Aber auch die vielen tausend anderen 'normalen' Exilanten leben in Großbritannien in ständiger Angst. Ihre Identität wurde per Gesichtserkennung festgestellt. Pekings Schergen drohen, den Familien der Demokratie-Aktivisten, die in Hongkong geblieben sind, etwas anzutun, sollten sie sich im Ausland weiter für die Demokratie in Hongkong einsetzen."
Es ist unfair, dass Joe Biden jetzt nur noch als alter, schwacher Mann gesehen wird, ärgert sich Paul Middelhoff auf Zeit Online. Denn er kann nicht nur beeindruckende politische Leistungen vorweisen, er gab den Demokraten auch den "Schlüssel für zukünftigen Erfolg", so Middelhoff: "Mal um Mal stellte Biden sich während seiner Amtszeit als Joe aus Scranton vor, Sohn einer hart arbeitenden Mittelstandsfamilie aus Pennsylvania, katholisch, irisch, ganz normal. In einer Zeit, als in der demokratischen Partei die stramm Linken und Ultraprogressiven immer selbstbewusster auftraten, hielt Biden fest an der simplen, aber weitreichenden Erkenntnis, dass in einem Zweiparteiensystem Wahlen in der Mitte gewonnen werden. Biden hat seine Politik nicht auf die wenigen Lauten, sondern auf die Vielen ausgerichtet, hat die Gründung von Gewerkschaften unterstützt, Arbeitnehmerrechte gestärkt, Milliarden in Amerikas vergessene - zumeist republikanische - Regionen gepumpt."
Für die Geisteswissenschaften-Seiten der FAZ hat Thomas Thiel mit Präsident Ariel Porat und Vizepräsidentin Milette Shamir von der Universität Tel Aviv über den akademischen Boykott gegen Israel gesprochen. Die beiden befürchten, dass mit den propalästinensischen Protesten eine Generation heranwächst, die künftig wichtige Positionen einnehmen wird. Aber sie berichten auch vom Druck der israelischen Regierung auf die Universitäten, die ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, "das dem Bildungsminister erlauben würde, Universitäten dazu zu zwingen, Professoren für bestimmte Äußerungen zu feuern." Porat warnt, "dass es die Regierung ermächtigt, darüber zu bestimmen, was Anstiftung zum Terrorismus ist. Wenn ein Professor beispielsweise die Kriegsführung der israelischen Streitkräfte kritisieren würde, gäbe es sicherlich einige Leute in der Regierung, die das als Anstiftung zum Terror bezeichnen würden. Und sie hätten die Macht, unsere Budgets zu kürzen, wenn wir ihrer Auslegung des Gesetzes nicht entsprechen. Deshalb betrachten alle israelischen Universitäten, einschließlich der Ariel-Universität, die in den besetzten Gebieten liegt, und der Bar-Ilan-Universität, die als orthodoxe Universität gilt, das Gesetz als große Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie." Das Gesetz ziele darauf ab, Universitäten der Regierung zu unterwerfen.
Sarah Levy berichtet auf Zeit Online mit großer Sorge aus Israel, das gespalten ist wie nie zuvor. Schon lange zeichnet sich eine Radikalisierung der Meinungen ab, so Levy, befeuert von "Zündlern" aus der radikalen Regierungskoalition wie dem Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir. Der 7. Oktober "hat viele der bereits existierenden Risse vergrößert und die Parameter in die Extreme verschoben. Bereits eine Woche nach dem Überfall der Hamas musste der linkspolitische Journalist Israel Frey sich stundenlang mit seiner Familie in seiner Wohnung verbarrikadieren. Vor seinem Haus schrie ein gewaltbereiter rechter Mob: 'Verräter!', und versuchte, bei ihm einzubrechen. Frey hatte sich zuvor gegen den Krieg und das Sterben von Zivilisten 'auf beiden Seiten' ausgesprochen. Regierungsanhänger haben mehrmals im vergangenen Jahr Regierungsgegner angegriffen. Auf den wöchentlichen Demonstrationen gegen die Regierung fuhren sie sogar mit Autos in die Menschenmenge. Prominente Gegner der Regierung werden online schon lange mit Hass überschüttet, sogar vom Sohn des Premierministers, Jair Netanjahu. Auf Hebräisch nennt sich das, was hier zwischen Israelis passiert, Milchemet Achim, Brüderkrieg."
Der Demokratieforscher und Autor Alexander Görlach weist in der Welt auf die bedrohliche Lage hin, in der sich Exil-Hongkonger befinden. Etwa 145.000 Menschen sind bisher nach Großbritannien geflohen, so Görlach, aber China drangsaliert die Geflüchteten auch im Ausland: "Xis Terrorapparat hat auf 13 der bekanntesten Gesichter der Hongkonger Demokratie-Bewegung ein Kopfgeld in Höhe von circa 120.000 Euro ausgesetzt. Diese Menschen befinden sich in ständiger Gefahr, entführt, in China womöglich gefoltert und ohne fairen Prozess lebenslang eingesperrt zu werden. Aber auch die vielen tausend anderen 'normalen' Exilanten leben in Großbritannien in ständiger Angst. Ihre Identität wurde per Gesichtserkennung festgestellt. Pekings Schergen drohen, den Familien der Demokratie-Aktivisten, die in Hongkong geblieben sind, etwas anzutun, sollten sie sich im Ausland weiter für die Demokratie in Hongkong einsetzen."
Europa
Bereits im Herbst wurde das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) von der Polizei durchsucht, heute hat das Bundesinnenministerium von Nancy Faeser (SPD) das IZH verboten (hier die Pressemitteilung), meldet unter anderem Spiegel Online: "Nach Auswertung der Beweise hat sich der Verdacht aus Sicht des Ministeriums erhärtet: Das Zentrum propagiere islamistisch-totalitäre Herrschaftsvorstellungen, Antisemitismus und Israelfeindlichkeit und unterstütze die mit dem iranischen Regime verbündete Terrororganisation Hisbollah, die in Deutschland verboten ist. (…) Bei der Razzia soll das Vermögen des IZH und seiner Teilorganisationen beschlagnahmt werden - darunter nach SPIEGEL-Informationen die Blaue Moschee an der Außenalster. Sobald das Verbot bestandskräftig wird, geht das denkmalgeschützte Gebäude in das Bundesvermögen über. Gemeinsam mit dem Hamburger Senat will die Bundesregierung überlegen, was aus der Immobilie werden soll."
Russisches Oppositionelle sind im Exil, im Untergrund, im Gefängnis - oder tot, konstatieren Alexander Chernyshev und Alexander Kauschanski, die auf Spon unter anderem schildern, wie uneins sich die im Exil agierenden oppositionellen Vereinigungen sind. Ernüchternd ist auch der Blick auf den Widerstand innerhalb Russlands: "Unabhängige Meinungsumfragen zeigen: 17 Prozent aller Befragten sind durchweg für den Angriffskrieg in der Ukraine - 19 Prozent dagegen. In der breiten Bevölkerung breitet sich Kriegsmüdigkeit aus: Drei von vier Russen sind für Friedensverhandlungen. Doch sie gehören zu einer trägen, opportunistischen Mehrheit, die das Regime nicht herausfordern würde. Einige Oppositionelle versuchen, die Inlandsrussen über soziale Netzwerke aufzurütteln. Andere wenden Gewalt an: Russische Militärverbände kämpfen an der Seite der Ukrainer gegen Russlands Armee. Im Land selbst gibt es Partisanen. Manchmal links- oder rechtsextreme Gruppen, manchmal Einzeltäter."
"Eine diplomatische Lösung wird es erst nach dem Ende des Krieges geben", ist sich der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow im Tagesspiegel-Gespräch mit Frank Herold sicher und betont: "Solange Putin lebt, wird dies nicht möglich sein. Er wird der Ukraine keinen Frieden garantieren. Und wenn, darf man ihm nicht trauen. Solange Putin Präsident ist, hat die Diplomatie keine Chance." Den westlichen Diskurs über Verhandlungen mit Putin hält er für absurd: "Diese Leute vergessen völlig, dass es in diesem Krieg nicht um Territorien geht. Es geht um Werte, es geht um Demokratie oder nicht Demokratie. Wenn Politiker behaupten, der Krieg sei zu Ende, wenn die Ukraine keine Hilfe mehr erhalte und ein Teil ihres Landes aufgebe, dann akzeptieren sie die Aggression Putins als den Normalzustand dieser Welt. Dann akzeptieren sie Putins Welt."
Das Bundesverfassungsgericht soll mit Blick auf die Erfahrungen aus Polen und Ungarn vor einer Übernahme durch die AfD geschützt werden - SPD, Grüne, FDP und CDU/CSU einigten sich auf eine Änderung des Grundgesetzes, schreibt Christian Rath in der taz: "Manche der geltenden Strukturmerkmale des Bundesverfassungsgerichts sollen ausdrücklich in der Verfassung geregelt werden: die zwölfjährige Amtszeit der Richter, die Altersgrenze von 68 Jahren, dass es zwei Senate mit insgesamt 16 Richtern gibt, dass diese nicht wiedergewählt werden können, dass ein Verfassungsrichter sein Amt behält, bis die Nachfolgerin gewählt ist, dass Urteile des Verfassungsgerichts bindend sind und dass das Gericht seine Geschäftsordnung selbst regelt. Die AfD - oder eine andere extreme Partei - könnte dann also selbst mit einer Mehrheit im Bundestag nicht (wie in Ungarn) das Pensionierungsalter der Richter absenken oder dem Gericht (wie in Polen) eine bestimmte Reihenfolge seiner Arbeit auferlegen. Allerdings fehlt ein entscheidender Punkt: Dass die Verfassungsrichter mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden müssen, soll nicht im Grundgesetz stehen."
Russisches Oppositionelle sind im Exil, im Untergrund, im Gefängnis - oder tot, konstatieren Alexander Chernyshev und Alexander Kauschanski, die auf Spon unter anderem schildern, wie uneins sich die im Exil agierenden oppositionellen Vereinigungen sind. Ernüchternd ist auch der Blick auf den Widerstand innerhalb Russlands: "Unabhängige Meinungsumfragen zeigen: 17 Prozent aller Befragten sind durchweg für den Angriffskrieg in der Ukraine - 19 Prozent dagegen. In der breiten Bevölkerung breitet sich Kriegsmüdigkeit aus: Drei von vier Russen sind für Friedensverhandlungen. Doch sie gehören zu einer trägen, opportunistischen Mehrheit, die das Regime nicht herausfordern würde. Einige Oppositionelle versuchen, die Inlandsrussen über soziale Netzwerke aufzurütteln. Andere wenden Gewalt an: Russische Militärverbände kämpfen an der Seite der Ukrainer gegen Russlands Armee. Im Land selbst gibt es Partisanen. Manchmal links- oder rechtsextreme Gruppen, manchmal Einzeltäter."
"Eine diplomatische Lösung wird es erst nach dem Ende des Krieges geben", ist sich der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow im Tagesspiegel-Gespräch mit Frank Herold sicher und betont: "Solange Putin lebt, wird dies nicht möglich sein. Er wird der Ukraine keinen Frieden garantieren. Und wenn, darf man ihm nicht trauen. Solange Putin Präsident ist, hat die Diplomatie keine Chance." Den westlichen Diskurs über Verhandlungen mit Putin hält er für absurd: "Diese Leute vergessen völlig, dass es in diesem Krieg nicht um Territorien geht. Es geht um Werte, es geht um Demokratie oder nicht Demokratie. Wenn Politiker behaupten, der Krieg sei zu Ende, wenn die Ukraine keine Hilfe mehr erhalte und ein Teil ihres Landes aufgebe, dann akzeptieren sie die Aggression Putins als den Normalzustand dieser Welt. Dann akzeptieren sie Putins Welt."
Das Bundesverfassungsgericht soll mit Blick auf die Erfahrungen aus Polen und Ungarn vor einer Übernahme durch die AfD geschützt werden - SPD, Grüne, FDP und CDU/CSU einigten sich auf eine Änderung des Grundgesetzes, schreibt Christian Rath in der taz: "Manche der geltenden Strukturmerkmale des Bundesverfassungsgerichts sollen ausdrücklich in der Verfassung geregelt werden: die zwölfjährige Amtszeit der Richter, die Altersgrenze von 68 Jahren, dass es zwei Senate mit insgesamt 16 Richtern gibt, dass diese nicht wiedergewählt werden können, dass ein Verfassungsrichter sein Amt behält, bis die Nachfolgerin gewählt ist, dass Urteile des Verfassungsgerichts bindend sind und dass das Gericht seine Geschäftsordnung selbst regelt. Die AfD - oder eine andere extreme Partei - könnte dann also selbst mit einer Mehrheit im Bundestag nicht (wie in Ungarn) das Pensionierungsalter der Richter absenken oder dem Gericht (wie in Polen) eine bestimmte Reihenfolge seiner Arbeit auferlegen. Allerdings fehlt ein entscheidender Punkt: Dass die Verfassungsrichter mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden müssen, soll nicht im Grundgesetz stehen."
Medien
Offiziell wegen der "Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee" angeklagt, wurde die US-Journalistin Alsu Kurmasheva wegen ihres Buches "Nein zum Krieg. 40 Geschichten über russische Bürger, die sich der Invasion in der Ukraine widersetzen" in Russland zu 6,5 Jahren Gefängnis verurteilt, meldet Inna Hartwich in der taz. Ein weiterer Schlag gegen die Pressefreiheit, kommentiert Hartwich: "Kurmasheva ist Radiojournalistin und arbeitete für das russischsprachige Internetmedium Idel.Realii, einen Ableger des vom US-Kongress finanzierten Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL), in Russland als 'unerwünschte Organisation' gebrandmarkt. Alle russischen Bürger*innen, die für eine solche arbeiten, machen sich strafbar. Aus Prag in Tschechien informiert Idel.Realii über die Wolga-Region und ethnische Minderheiten und Menschenrechte in den russischen Teilrepubliken Tatarstan und Baschkortos-tan. Auch Kurmasheva war aus Kasan nach Prag gezogen, kam aber wegen eines 'familiären Notfalls' im Mai 2023 zu ihrer Mutter zurück nach Tatarstan. Als sie wieder wegfliegen wollte, wurde sie an der Grenze festgehalten. Der Vorwurf: Kurmasheva habe ihren US-Pass nicht offiziell gemeldet."
Ein signifikanter Teil der Bevölkerung misstraut den Faktencheck-Organisationen, sagt Nicholas Pröllochs, Professor für Data Science und Digitalisierung, im FAZ-Gespräch über Fake News: "Das Hauptproblem ist, dass Faktenchecks politische Schlagseite unterstellt wird. Zumindest in den USA ist das auch ganz stark der Fall. Es gibt Studien dazu, die zeigen, dass mehr als 50 Prozent der Republikaner Faktenchecks misstrauen. Auch in Deutschland wird es sicherlich so sein, dass ein Teil der Bevölkerung Faktenprüfern misstraut, weil Parteilichkeit vermutet wird."
"Tradwife"-Content auf Instagram und Tiktok löst hierzulande größtenteils Verwunderung aus: Frauen, die bewusst ein sittsames, häusliches Leben propagieren, traditionell eben, das lediglich darauf ausgerichtet ist, ihrem Mann oder Partner behiflich zu sein. In den USA sind die traditionellen Hausfrauen deutlich erfolgreicher, schreibt Susan Vahabzadeh in der SZ und warnt: "Es geht hier nicht ums Keksebacken". Tradwife-Content "ist eben oft mehr als nur die Glorifizierung von Hausarbeit. Eine Media-Matters-Studie, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, besagt jedenfalls, dass der Algorithmus auf Tiktok denen, die Tradwife-Content aufrufen, im Anschluss rechte Inhalte und Videos mit Verschwörungserzählungen empfohlen wurden. Gemüse-Bowls wirken unverdächtig, das explizite Bekenntnis zu traditionellen Geschlechterrollen ist aber in den Programmen rechter Parteien weiter verbreitet als anderswo."
Ein signifikanter Teil der Bevölkerung misstraut den Faktencheck-Organisationen, sagt Nicholas Pröllochs, Professor für Data Science und Digitalisierung, im FAZ-Gespräch über Fake News: "Das Hauptproblem ist, dass Faktenchecks politische Schlagseite unterstellt wird. Zumindest in den USA ist das auch ganz stark der Fall. Es gibt Studien dazu, die zeigen, dass mehr als 50 Prozent der Republikaner Faktenchecks misstrauen. Auch in Deutschland wird es sicherlich so sein, dass ein Teil der Bevölkerung Faktenprüfern misstraut, weil Parteilichkeit vermutet wird."
"Tradwife"-Content auf Instagram und Tiktok löst hierzulande größtenteils Verwunderung aus: Frauen, die bewusst ein sittsames, häusliches Leben propagieren, traditionell eben, das lediglich darauf ausgerichtet ist, ihrem Mann oder Partner behiflich zu sein. In den USA sind die traditionellen Hausfrauen deutlich erfolgreicher, schreibt Susan Vahabzadeh in der SZ und warnt: "Es geht hier nicht ums Keksebacken". Tradwife-Content "ist eben oft mehr als nur die Glorifizierung von Hausarbeit. Eine Media-Matters-Studie, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, besagt jedenfalls, dass der Algorithmus auf Tiktok denen, die Tradwife-Content aufrufen, im Anschluss rechte Inhalte und Videos mit Verschwörungserzählungen empfohlen wurden. Gemüse-Bowls wirken unverdächtig, das explizite Bekenntnis zu traditionellen Geschlechterrollen ist aber in den Programmen rechter Parteien weiter verbreitet als anderswo."
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