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29.03.2017. Heute reicht Theresa May den Brexit offiziell ein. Der Guardian versucht "das kulturelle Ausmaß unserer Niederlage" zu ermessen. Politico.eu gibt einen detaillierten Überblick über alle Verhandlungen, die nun folgen. Die Bauern werden sich freuen. Die Bauern werden sich ärgern.  In der SZ begrüßt der Ökonom Robert J. Shiller die Idee, Steuern auf Roboter einzuführen.  Der Paragrafendschungel in Heiko Maas' Hate-Speech-Gesetz wird immer undurchdringlicher, warnt Netzpolitik.  Und die Nutzer sollen immer mehr für Medien zahlen. Entweder freiwillig oder so oder so.
Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.03.2017 finden Sie hier

Europa

Heute setzt Theresa May den Austrittsprozess der Briten aus der EU in Gang. Chris Johnston hat britische Titelblätter zum heutigen Tag gesammelt. Mit Mays Brief an die EU ist der Brexit Tatsache, erklärt Rafael Behr im Guardian: "Diejenigen unter uns, die Britannien in der EU halten wollten, müssen das kulturelle Ausmaß unserer Niederlage begreifen. Wir sind vom Idiom der nationalen Bestimmung besiegt worden. Wir waren zu zimperlich, die Liebe für unser Land zu erklären und das schließt die Warnung ein, dass es durch den Brexit ruiniert wird."

Für Tim Farron von den Liberaldemokraten ist die Sache dagegen noch nicht ausgemacht, erklärt er im Guardian: "Es war Mays Entscheidung, den härtesten und spaltendsten Brexit anzustreben, uns aus dem gemeinsamen Markt zu nehmen, bevor sie mit den Verhandlungen auch nur angefangen hat. Darum glaube ich sollten die Bürger das letzte Wort haben. ... Das ist einfach zu groß, als dass man es den Politikern anvertrauen könnte."

Mit dem Brexit beginnt ein Haufen komplizierter Verhandlungen. Politico.eu gibt einen Überblick. Kein Sektor der Gesellschaft bleibe vom Brexit unberührt. Ein Beispiel: "Britische Bauern können den Brexit feiern. Für sie endet die EU-Regel, dass große Farmen mindestens drei Getreidearten anbauen sollen, um die Gesundheit des Bodens zu schützen. Die Bauern des Landes hassen diese Regel, die ihnen Gewinne abschneide und ineffektiv sei, und die Landwirtschaftsministerin Andrea Leadsom hat schon begonnen, sie einzureißen. Aber es gibt auch einen Riesennachteil für die britischen Bauern: Sie könnten den Zugang zum gemeinsamen Markt verlieren."

Unterdessen haben die Schotten sich für ein neues Referendum über den Verbleib im United Kingdom entschieden, berichtet Severin Carrell im Guardian. Dass die britische Regierung dem zustimmen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Die schottische Politikerin Nicola Sturgeon hatte am Dienstag gesagt: "Mein Argument ist einfach: Wenn die Natur des Wandels, den der Brexit unabweisbar bringt, deutlich wird, dann sollte den Schotten dieser Wandel nicht aufgezwungen werden. Wir sollten das Recht haben, über diesen Wandel zu entscheiden."

AKP-nahe türkische Bildungs- und Kulturinstitute verbreiten derzeit auch im europäischen Ausland neoosmanisches Gedankengut, berichtet Joseph Croitoru in der NZZ. Neben dem Monatsmagazin der Ditib geschieht das vor allem "über das Yunus-Emre-Institut, ein Lieblingsprojekt von Präsident Erdogan, das hauptsächlich für die auswärtige Kulturpolitik der Türkei zuständig ist und mittlerweile weltweit 46 Niederlassungen unterhält. Man präsentiert sich als Erbe einer besonders toleranten Zivilisation, verschleiert aber die antiwestlichen und totalitären Züge der osmanischen Geschichte."
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