Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Egoismus der Alten

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

31.07.2010. Die taz empfiehlt ignorierten Literaturübersetzern, sich an eine bewährte Putzfrauenhypothese zu halten. In der NZZ stellt Hannelore Schlaffer fest: Frauen lesen Romane, Männer Zeitschriften. Die FAZ studiert in Stuttgart den Widerstand der Sechzigjährigen gegen einen neuen Bahnhof. Die SZ erschrickt vor einem parallelen Rechtssystem in hiesigen Migrantenmilieus. Im Guardian erklärt Gabriel Josipovici britische Autoren wie Rushdie, McEwan oder Barnes für zunehmend irrelevant.

Die Tageszeitung, 31.07.2010

Von einer Münchner Veranstaltung, auf der sich die LiteraturübersetzerInnen über ihr massives Untererwähntsein in der Literaturkritik beschwerten, berichtet Katharina Granzin: "Die Literaturkritik sei zu naiv, hieß es, sie habe die Sprachkritik, von der Übersetzungskritik ganz zu schweigen, so gut wie abgeschafft und beschränke sich zunehmend auf reine Inhaltsangabe." Ein wenig versteht Granzin die Klagen schon, eine wirkliche Option, alles anders zu machen, sieht sie jedoch nicht: "Das Dilemma ist nicht zu lösen. Aber die philologische Feinanalyse am übersetzten Text kann auch nicht wirklich Aufgabe der KulturjournalistInnen sein. Möglicherweise sollten die ÜbersetzerInnen sich die Putzfrauenhypothese zu eigen machen: 'Solange nicht gemeckert wird, ist alles in Ordnung.'"


Weitere Artikel: Julian Weber unterhält sich mit dem Soulmusiker Dr. John (hören kann man ihn hier). In der "Leuchten der Menschheit"-Kolumne informiert sich Andreas Fanizadeh über cooles Camping.

Besprochen werden ein Berliner Konzert von Gilberto Gil und Bücher, darunter die späte deutsche Erstübersetzung von Emmanuel Boves Roman "Schuld" und Hans-Ulrich Gumbrechts für Detlev Claussens Begriffe allzu egogesteuerte Amerika-Impressionen "California Graffiti" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Weitere Medien, 31.07.2010

(via 3quarksdaily) Der Autor und Literturprofessor Gabriel Josipovici findet die zeitgenössische britische Literatur und ihre Heroen - Salman Rushdie, Ian McEwan, Martin Amis und Julian Barnes - zunehmend irrelevant, berichtet Dalya Alberge im Guardian: "He said: 'Reading Barnes, like reading so many other English writers of his generation - Martin Amis, McEwan - leaves me feeling that I and the world have been made smaller and meaner. The irony which at first made one smile, the precision of language which was at first so satisfying, the cynicism which at first was used only to puncture pretension, in the end come to seem like a terrible constriction, a fear of opening oneself up to the world. I wonder, though, where it came from, this petty-bourgeois uptightness, this terror of not being in control, this schoolboy desire to boast and to shock.' Such faults were less generally evident in Irish, American, or continental European writing, he added."

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Frankfurter Rundschau, 31.07.2010

In New York hat Sebastian Moll schon den von Lawrence Bender ("Pulp Fiction", "An Inconvenient Truth") produzierten Aufrüttelfilm "Countdown to Zero" über die Gegenwart von Atomwaffen gesehen. Wohler ist ihm nicht hinterher: "Die Gefahr der Proliferation, das bläut Regisseurin Lucy Walker dem Betrachter ein, ist jedoch viel größer, als die Menge an Sprengköpfen. So unübersichtlich ist, wer Atomwaffen besitzt oder die Fähigkeit, welche zu bauen, dass eine effektive Kontrolle praktisch unmöglich ist. Die Frage, sagt James Baker, Stabschef sowohl unter Ronald Reagan als auch George Bush, ist schon lange nicht mehr, ob es eine nukleare Katastrophe gibt, sondern nur noch wann."


Weitere Artikel: Abgedruckt wird die überarbeitete Fassung eines Vortrags, den der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt über den Architekten Ernst May hielt. Niels Kaiser geht dem sich hartnäckig haltenden Gerücht nach, die Nazis hätten Heinrich Heines "Loreley"-Gedicht immer wieder ohne Angabe des Verfassers in Abdrucken durchgehen lassen - es ist an diesem gerüchtetheoretisch interessanten Gerücht, stellt Kaiser fest, wohl einfach nichts dran. Gegen eine nun von der Weltkulturerbekommission durchgewunkene Rheintalbrücke hat Christian Thomas grundsätzlich wenig, nur die konkreten Entwürfe findet er alles andere als gelungen. Rauchen oder Nichtrauchen in Göhren auf Rügen - der Frage widmet Sebastian Amaral Anders eine Times Mager. Marcia Pally braucht in ihrer US-Kolumne kein Wikileaks, um das Desaster namens Afghanistan-Krieg zu verstehen.

Besprochen werden das neue Arcade-Fire-Album "The Suburbs" und Ludolf Herbst Studie über "Hitlers Charisma" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 31.07.2010

Im Feuilleton schwärmt Manuel Brug von Wolfgang Rihms "Tutuguri" unter Ingo Metzmacher: "Die geballte Orchesterwucht und ein überbordendes Talent treffen hier aufeinander - und Artauds Textvorwurf raunt dazu dunkel von blutigen Ritualen, Peyotl-Rausch, toten Pferden, nackten Männern, rotem Fleisch und schwarzer Sonne."


Außerdem meldet Dankwart Guratzsch, dass die Unesco grünes Licht für die Brücke über das Rheintal gegeben hat, was für ihn in Ordnung geht. Thomas Kielinger sieht sich in London ein Theaterspektakel der Gruppe Punchdrunk an.

In der Literarischen Welt warnt der Historiker Walter Laqueur sehr vor dem dräuenden Eurabien. Willy Puchner liefert eine kurze Geschichte des Passfotos ("Der Mund bleibt geschlossen, der Gesichtsausdruck neutral"). Und Niall Ferguson blickt auf die absehbaren Verschiebungen im ökonomischen Machtgefüge: "Schon vor der Krise hatten Jim O'Neill und sein Team bei Goldman Sachs prognostiziert, dass Chinas Bruttoinlandsprodukt das Amerikas im Jahr 2027, um 15 Uhr 30 am 15. Oktober, überholen würde."

Besprochen werden unter anderem Asaf Schurrs Roman "Motti", Ferdinand von Schirachs Geschichten "Schuld" und Dorothee Elmigers Debüt "Einladung an die Waghalsigen".

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Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2010

In Literatur und Kunst untersucht Hannelore Schlaffer das unterschiedliche Leseverhalten von Männern und Frauen, das sich sogar in den Verlagskatalogen widerspiegelt: "In Verlagsprospekten sammeln sich auf den vorderen Seiten, wo die gut verkäuflichen Werke vorgestellt werden, die Köpfe von Frauen, je weiter man blättert und in die Bereiche von Essayistik, Geschichtsschreibung, Philosophie gerät, desto seltener wird man sie finden. Männer, falls sie auf den ersten Seiten mit Romanen angekündigt sind, grenzen sich von den Konkurrentinnen ab, indem sie eine Mixtur aus Erfahrung und Bildungswissen liefern, das private Leben im historischen Kontext des Faschismus, der DDR, eines unterentwickelten Landes beschreiben und damit ihre Zugehörigkeit zum zweiten, wissenschaftlich-essayistischen Teil des Verlagskatalogs andeuten. Autorinnen schildern Leben als Dasein, Autoren erzählen es als Geschichte."


Außerdem: Abgedruckt ist Paulus Hochgatterers Laudatio auf Per Olov Enquist, der den österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur erhalten hat. Othmar Keel erinnert daran, dass einige Engel ursprünglich tierischer Herkunft waren. In den Bildansichten betrachtet Anne Weber eine Zeichnung von Pia Linz: "Die welthungrige Einsiedlerin".

Im Feuilleton gefällt Samuel Herzog die "entspannte Selbstverständlichkeit" mit der die Ausstellung des umgebauten Israel Museum in Jerusalem als großer Mischmasch präsentiert wird. Jürgen Tietz lobt den Umbau des Alten Hospiz auf dem Gotthardpass durch das Architektenduo Miller & Maranta. Klaus Bartels denkt über den Begriff "Identität" nach.

Besprochen werden eine Ausstellung der Luftaufnahmen von Eduard Spelterini im Zeppelinmuseum Friedrichshafen, Aufführungen beim 25. Davos Festival "Young Artists in Concert" und Bücher, darunter Daniel Kehlmanns Essayband "Lob" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2010

Lena Bopp und Edo Reents schicken eine interessante Reportage über den Widerstand gegen den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs, die noch interessanter wäre, wenn sie auch mit ein paar Gegnern gesprochen hätten. "Es fällt jedenfalls auf, dass sich nicht nur auf den Montagsdemonstrationen, wo das Durchschnittsalter mutmaßlich um die sechzig liegt, etwas bemerkbar macht, was die Befürworter von Stuttgart 21 hinter vorgehaltener Hand den 'Egoismus der Alten' nennen, die ihre gemütliche schwäbische Eisenbahn einfach behalten wollen." (Ausführliche Darstellung des Projekts und der Diskussionen bei Wikipedia)


Weitere Artikel: Jürgen Dollase isst in Alain Dutourniers Pariser Restaurant "Carre des Feuillants" und findet die Speisen nicht nur altmodisch, sondern auch handwerklich nicht auf der Höhe. Joseph Hanimann berichtet über die Neuorganisation des Institut francais. Die geplante Brücke, die zwischen St. Goar und St. Goarshausen den Rhein überspannen soll, hat den Segen der Unesco, berichtet Oliver Bock (mehr dazu hier). Sensationell findet Lisa Zeitz das Archiv der Galerie Heinemann (1872-1939), das vom Deutschen Kunstarchiv Nürnberg ins Netz gestellt wurde. Marcus Jauer stellt sich vor, er sei ein im Prenzlauer Berg geborenes Kind und klagt dann seine Eltern an.

In Bilder und Zeiten schildert Tobias Tunkel Rimbauds Jahre in Aden als wäre er dabeigewesen. Felicitas von Lovenberg bewundert die Holz-Bücher von Ivon Illmer. Marco Schmidt hat einen Ortstermin in dem provenzalischen Dorf La Roque d'Antheron, wo jährlich ein internationales Klavierfestival stattfindet. Der Musikproduzent Siggi Loch plaudert im Interview über sein Label ATC und den Niedergang der Tonträgerindustrie.

Besprochen werden Stefan Herheims "Parsifal"-Wiederaufnahme in Bayreuth, eine vom Warschauer Chopin-Institut herausgegebene Aufnahme des Chopin-Gesamtwerks mit Originalinstrumenten, eine Einspielung von Henri Vieuxtemps' Violinkonzerten mit Viviane Hager, eine CD von Arcade Fire, die CD "Havana Culture - New Cuba Sound" und Bücher, darunter Inger-Maria Mahlkes Roman "Silberfischchen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der Frankfurter Anthologie stellt Bernd Eilert ein Gedicht von Theodor Kramer vor: "Wann immer ein Mann trifft auf einen ..." (nachzulesen hier ganz am Ende des Artikels)

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Süddeutsche Zeitung, 31.07.2010

In einer Reportage, für die er auch mit der nun verstorbenen Richterin Kirsten Heisig gesprochen hat, geht Johannes Boie einem der erschreckendsten Phänomene der Nicht-Integration nach: den Figuren der Friedensrichter, die an hiesigem Recht und Gesetz vorbei in Migrantenmilieus für Ordnung sorgen: "Dieses parallele Rechtssystem, das sich in Teilen Neuköllns und im Wedding ausgebreitet hat, findet in vielen deutschen Städten Anwendung. Überall dort, wo Muslime in der Mehrheit sind und Integration misslingt. Die Exekutive bilden junge Männer, die im Wortsinne schlagkräftig sind. Legislative und Judikative sind vereint in der Person des Friedensrichters. Seine Legitimation sind die Angst derer, über die er richtet und seine Verbindungen. Friedensrichter sind in Deutschland entweder die Chefs großer arabischer Familienclans oder Imame."


Weitere Artikel: Den Philosophen Michel Serres, der für einen Vortrag nach Berlin kommt, porträtiert Georg Diez. Thomas Steinfeld schreibt einen Artikel über die selbstbewusste Schweizer Mehrsprachigkeit, der sich wie ein Nachruf liest - und zwar auf die "alte Schweiz, das friedliche, reiche Land der Makler und Mittler". Darunter liefert Lynn Scheurer einen "nicht-repräsentativen Erfahrungsbericht" zur Schweizer Vielsprachigkeit. Mit Kopfschütteln nimmt Gottfried Knapp zur Kenntnis, dass die Unesco die geplante Mittelrheinbrücke nicht als Problem für den Welterbestatus der Tallandschaft zwischen Koblenz und Bingen betrachtet. Von allerlei Aufmerksamkeit für Stefan Zweig weiß Christine Dössel aus Salzburg zu berichten. Volker Breidecker gratuliert dem proetischen Kulturschaffenden Frido Mann zum Siebzigsten.

Im Aufmacher der SZ am Wochenende weiß Petra Steinberger, dass man der Beschleunigung auch durch Entschleunigung nicht entkommt. Über die immer noch steigerbare Dauerkrise des Lehrerberufs denkt Johan Schloemann nach. Auf der Historienseite geht es um urbane "Eventlust" schon in der Vergangenheit. Rebecca Casati unterhält sich mit dem Rechtsanwalt und Schriftsteller Ferdinand von Schirach über "Motive".

Besprochen werden die Wiederaufführung von Stefan Herheims für Wolfgang Schreiber noch immer überwältigendem "Parsifal", das neue Arcade-Fire-Album "The Suburbs", Radu Mihaileanus Film "Das Konzert" und Bücher, darunter Daniel Kehlmanns Essayband "Lob", für den er von Christopher Schmidt viel Tadel bekommt (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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