Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Künstlichkeit bleibt unerlöst

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

28.11.2009. In der NZZ preist Mario Vargas Llosa die EU als das einzige politische Projekt der Welt, das zugleich revolutionär und Realität ist. In der SZ ergründet Georg Klein die Kunst des David Lynch. In der Welt geht Norbert Zähringer der großen Schweinegrippe-Verschwörung nach. Die FAZ ertappt Roland Koch bei einer Verstiegenheit zur Tarnung der Taktlosigkeit. Die FR geht auf Baustellen-Tour in Südafrika. Und die taz erkundet Seouls neue Clubkultur. 

Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2009

"Die Europäische Union ist das einzige soziale und politische Projekt, das zutiefst revolutionär und Realität geworden ist. Alle anderen sind verschwunden und Fiktion", sagt der peruanische Schriftsteller Schriftsteller Mario Vargas Llosa im Gespräch über die Lage der Welt, die Rolle der Intellektuellen und die Tradition des Caudillos. Das vielbeschworene neue Selbstbewusstsein in Lateinamerika sieht er nicht: "Das ist die europäische Vision eines folkloristischen Lateinamerika. Wirkliche Emanzipation kommt mit dem Fortschritt, in diesem Sinne ist Chile emanzipierter als alle, nicht aufgrund eines Selbstbewusstseins, sondern weil es prosperiert, weil es weniger Armut aufweist und mehr Bildung auf allen gesellschaftlichen Ebenen bietet. Das gibt dem Land wahre Souveränität und Unabhängigkeit. In der Armut Boliviens, Ecuadors und Nicaraguas gibt es keine Emanzipation, auch wenn die Staatsführer das zehnmal täglich erzählen."


Außerdem in Literatur und Kunst: Peter von Matt erklärt Kafka: "Kafka lebte um des Schreibens willen. Er lebte nicht um des Geschriebenen willen." Holm Tetens erinnert sich noch dunkel an die einstige Idee der Universität. Roman Luckscheiter schreibt zum hundertsten Geburtstag von Eugene Ionesco.

Im Feuilleton berichtet Barbara Villiger Heilig begeistert von Martin Kusejs Zürcher Bühnenfassung des Theo-van-Gogh-Films "Das Interview": "Eine grauenhafte Geschichte - und phantastisches Theater. Schritt für Schritt, immer wieder von irgendwoher Anlauf nehmend und immer wieder auflaufend im nächsten Teildesaster, entwickeln Birgit Minichmayr und ihr Schauspielpartner Sebastian Blomberg den Balztanz als Machtkampf. Eine liaison dangereuse zwischen zwei Champions der Manipulation, die sich - das merken beide bald - gegenseitig gewachsen sind, auch wenn sie aus verschiedenen Welten kommen."

Weitere Artikel: Als schillernde Figur porträtiert Ulrich M. Schmid den Russen Wladislaw Surkow, der tagsüber Moskaus mächtige Präsidialadministraion leitet, und nachts düstere Gangsta Fiction schreibt. Stephan Templ berichtet vom heftigen Streit in und um das neugegründete Wiener Simon-Wiesenthal-Institut. Schließlich erklärt in dieser Woche Norbert Gstrein seinen Stil.

Besprochen werden eine Ausstellung chinesischer Tempelmodelle im Architekturmuseum der TU München und Bücher, nämlich Martin Gülichs Roman "Septemberleuchten" und Ellen Johnson Sirleafs Erinnerungen "Mein Leben für Liberia" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Die Welt, 28.11.2009

In der Literarischen Welt liest der Schriftsteller Norbert Zähringer in Blogs Verschwörungstheorien zur Schweinegrippe. Beliebtes Ziel: die amerikanische Pharmamafia. "Befindet sich denn nicht unweit der Hütte jenes armen Edgar Hernandez in La Gloria eine Schweinemastfarm des amerikanischen Unternehmens 'Smithfield Foods'? Dessen Chef heißt Larry Pope, was kaum weniger Spott auslösen dürfte wie der Name jener Bundesinstitution, die die Sicherheit von Arzneimitteln hierzulande beurteilen soll: dem Paul-Ehrlich-Institut. 'Ehrlich?', höhnte ein Blogger, 'das ich nicht lache.' Alle steckten mit der Pharmaindustrie unter einer Decke - und überhaupt: Warum musste man den Impfstoff bei amerikanischen Konzernen einkaufen, anstatt ihn selbst herzustellen? Nur ist der Hersteller des in Deutschland verwendeten Impfstoffs 'Pandemrix' ein britisches Unternehmen, die Adjuvantien werden in Belgien zusammengemixt, und das Antigen in Dresden ausgebrütet. [...] Der Paranoiker wünscht sich eine Antwort, eine einzige nur. Dass die Konzerne ihre Gewinne maximieren wollen, das Virus aber trotzdem gefährlich sein könnte, kommt in seiner Vorstellung nicht vor."


Weiteres: Tilman Krause porträtiert den französischen Schriftsteller Richard Morgieve. Besprochen werden u.a. Maxim Billers Selbstporträt "Der gebrauchte Jude", Robert Menasses Erzählband "Ich kann jeder sagen", Matthias Küntzels Buch "Die Deutschen und der Iran" und Barbara Bongartz' Roman "Perlensamt".

Im Feuilleton bedauert Uwe Wittstock die Entschuldigung Roland Kochs bei der Verleihung des Hessischen Kulturpreises: der Preis war Navid Kermani erst zuerkannt, dann aberkannt, dann wieder zuerkannt worden. Kochs Entschuldigung wirkte zwar besänftigend, zielte aber in die falsche Richtung: "So war der Konflikt um Kermani in Kochs Augen zwar bedauerlich, aber definitiv 'kein Grund gewesen, die Heraushebung der Verdienste von Judentum und Christentum zu unterlassen'. Die Frage, ob Lehmanns und Steinackers Empörung über Kermani berechtigt war oder nicht, spielte bei diesen Überlegungen offenbar die geringste Rolle."

Besprochen werden eine Ausstellung über Manieren im Bremer Focke-Museum und Jossi Wielers Inszenierung der Aischylos-Tragödie "Prometheus, gefesselt" an der Schaubühne.

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Frankfurter Rundschau, 28.11.2009

Christian Thomas ist mit weiteren geladenen Journalisten in Südafrika unterwegs, um den Gang der Dinge beim WM-Stadionbau zu begutachten. Es wird ihm freilich aus anderen Gründen ganz anders: "Wir schauen beklommen vom Bus aus auf die Downtown von Johannesburg, während der ARD-Kollege Richard Klug Downtownteile als No-Go-Areas mit dem Zeigefinger markiert. Lebensgefährlich, und vielleicht ist es in der nächsten Woche schon eine andere Straße. Entgeistert fahren wir durch Soweto, die South Western Township, in der zwei Millionen, vielleicht drei Millionen auf der Fläche von drei Frankfurter Vororten leben. Wir, die Journalistengruppe, die von gmp-Architekten nicht nur zu einer Baustellenreise eingeladen wurde, schauen auf Gegensätze. Parallelgesellschaft? Migrationshintergrund? Eurozentrische Erklärungsmuster kollabieren."


Weitere Artikel: Ulrike Simon setzt die von ihr in die Welt gesetzte Jakob-Augstein-Geschichte gleich selber fort: mit gesammelten Reaktionen auf die Enthüllung, dass Augstein der biologische Sohn nicht Rudolf Augsteins, sondern Martin Walsers ist. Natalie Soondrum erläutert, was es mit der "'Florence Declaration' zum Erhalt analoger Fotoarchive" auf sich hat. Ina Hartwig begeistert sich in einer Times Mager für einen "Leidenschaften" betitelten Band mit Texten über "99 Autorinnen der Weltliteratur". In ihrer US-Kolumne liest Marcia Pally Sarah Palins sofort zum Bestseller gewordenes Buch "Going Rogue".

Besprochen werden zwei Frankfurter Ausstellungen, die die Wiederentdeckung des jung verstorbenen Künstlers Peter Roehr ermöglichen, die Uraufführung des Stücks "Buback" in der Brotfabrik Frankfurt und Gerard Donovans Kriminalroman "Winter in Maine" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 28.11.2009

Uh-Young Kim entdeckt avancierte Clubkultur, wo man sie bislang nicht vermutet hätte, in Südkoreas Hauptstadt Seoul: "Unterm Radar des eurozentrischen Hipstertums hat sich hier dennoch in nur wenigen Jahren eine vielseitige Clublandschaft herausgebildet. Mittlerweile findet man alles, was das Dance-Music-Herz begehrt: die Techno-Afterhour, den Dubstep-Allnighter oder das Abstract-HipHop-Jam. Und wie bei jeder neuen Bewegung in Südkorea nimmt der Boom in der Clubkultur gerade rasant an Fahrt auf. Vor 15 Jahren glich Seoul einer popkulturellen Wüste. Wer ausgehen wollte, musste in sogenannten Nite Clubs einen Tisch für viel Geld reservieren und bekam dafür wenig Spaß. Der Plattenunterhalter spielte Pophits und Stehblues. Über das Internet sind nun auch die DJs in Südkorea an den Puls der globalisierten Dance Music angeschlossen."


Weitere Artikel: Daniel Bax kommentiert knapp den "versöhnlichen" Ausgang des Skandals um den Hessischen Kulturpreis. Wolfgang Gast glossiert in der "Leuchten der Menschheit"-Kolumne neueste RAF-Deutungen. Andreas Fanizadeh unterhält sich mit David Schalko über dessen Roman "Weiße Nacht", in dem dieser den Jörg-Haider-Kult in Österreich aufarbeitet.

Besprochen werden Michael Glawoggers Josef-Haslinger-Verfilmung "Das Vaterspiel", neue Kinder- und Jugendbüchermehr und Edward Burtynskys Bildband "Oil" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

In der beiliegenden Weihnachts-literataz geht es unter anderem um die "Naturphilosophie" des Philosophen Paul Feyerabend.

Und Tom.

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Berliner Zeitung, 28.11.2009

Im Magazin unterhält sich Petra Ahne mit David Marwell, der für das US-Justizministerium acht Jahre lang NS-Täter gesucht hat. Über den in wenigen Tagen beginnenden Prozess gegen John Demjanjuk sagt er: "Wenn man den Fall für sich betrachtet, ist es absolut angemessen, dass er für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird. Wenn man ihn im Kontext der Verfolgung von NS-Verbrechen sieht, ist es natürlich kurios, dass gerade dieser Mann im Zentrum eines der letzten NS-Prozesse stehen wird: Er ist kein Deutscher, seine Rolle bei den Verbrechen war, sagen wir es so, nicht selbst gewählt. Er hat Sobibor nicht geschaffen, er hat es nicht organisiert, er war Teil davon. Vermutlich ein williger und aktiver Teil, aber es ist doch etwas anderes als die, die ihn rekrutiert haben, die ihm die Wahl ließen, zu verhungern oder die Waffe in die Hand zu nehmen und sich ausbilden zu lassen."

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Süddeutsche Zeitung, 28.11.2009

Georg Klein hat sich die Brühler Ausstellung mit David Lynchs nicht-filmischer Kunst angesehen und findet das Erlebnis jedenfalls eigentümlich: "Die legendären Filmsets und die gezeigte Installation verbindet ihre theatralisch überdeutliche, fast prätentiöse Gemachtheit. Aber während im Film die Kamerabewegung, die Präsenz der Schauspieler und die Einbettung in Handlung unsere Wahrnehmung zu der einzigartigen Raumillusion steigern, für die Lynch berühmt ist, dominiert nun das Attrappenhafte. Die Künstlichkeit bleibt unerlöst. Es ist, als ginge man durch eine stillstehende, ihrer Schreckfiguren beraubte Geisterbahn, deren Betreiber versehentlich vergessen hat, die Musik abzuschalten." Außerdem hat sich Klein auch gleich noch mit Lynch über dessen Kunst unterhalten.


Weitere Artikel: Tobias Kniebe erzählt, wie es zur Domestizieriung des Vampirmythos kam, die mit Stephenie Meyers "Twilight"-Saga nun ihren Höhepunkt erreicht hat. Angesichts der Pleite des Wüstenstaats Dubai wird, findet Laura Weissmüller "das Kolonialgehabe der westlichen Architekten und Kulturschaffenden", die dort westliche Architektur und Kunst abwarfen, nur noch deutlicher. Die BBC wird, wie Alexander Menden meldet, einen Tanzabend der Ballets Russes um eine Choreografie gekürzt ausstrahlen, weil sie dem Publikum nicht zumuten will, dass es einem Papst beim Vergewaltigen und Erwürgen zusehen muss. Auf den aktuellen Stand katholischer Liturgiestreitigkeiten bringt uns Alexander Kissler.

In der SZ am Wochenende eröffnet Georg Diez eine Serie zur Bilanz der Nullerjahre. Benjamin Henrichs erinnert an die letzte Reise des Schauspielers Ulrich Wildgruber, der vor zehn Jahren auf Sylt ins Wasser ging. Was ist nur aus John Waters geworden, fragt Dirk Peitz sich - und den Regisseur selbst. Der Anlass: John Waters' Film "Hairspray" ist nun als Musical in London zu erleben. Auf der Historienseite geht es um Anita Lasker-Wallfisch, die als Mitglied des Mädchenorchesters Auschwitz überlebte. Abgedruckt wird Ulf Erdmann Zieglers Adventserzählung "Letzte Rettung". Roman Pletter unterhält sich mit dem legendären Reporter Bob Woodward über "Informationen".

Besprochen werden Jossi Wielers "Prometheus"-Inszenierung an der Berliner Schaubühne, die Frankfurter Wiederaufführung von Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die tote Stadt", eine Münchner Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Chorwerk "Elias" (Harald Eggebrecht ist vor allem vom Solisten Christian Gerhaher begeistert), Christian Stückls Münchner Volkstheater-"Hamlet", Simon El Habres Film "One Man Village" und Bücher, nämlich Barbara Bongartz' Roman "Perlensamt" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2009

Patrick Bahners bemerkt, dass sich Roland Koch bei der Verleihung des Hessischen Kulturpreises nur für eine verpatzte Kommunikation bei Navid Kermani entschuldigt hat, nicht aber für die schlechte Behandlung an sich. Und schlimmer noch: "Nach Benennung eines muslimischen Preisträgers diesem zu eröffnen, er müsse wegen der christlich-jüdischen Prägung des Landes seine Schlechterstellung hinnehmen, ist eine Verstiegenheit zur Tarnung der Taktlosigkeit." Die Reden von Roland Koch und von Salomon Korn werden abgedruckt.


Weiteres: Paul Ingendaay huldigt seinem Club Real Madrid und dessen "galaktischer" Einkaufspolitik, die am liebsten Megastars wie Zidane, Figo und Beckham mit Nobodies kombiniert. Jürgen Dollase überlegt, ob die einst klassische Küche nicht langsam zur naiven verkommen ist. Am Rande kommentiert S.K. die Babyklappe. Die Medienseite meldet, dass die WAZ den Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen sowie seine  Frau und Stellvertreterin entlassen hat.

In Bilder und Zeiten besucht Hubert Spiegel Ernst Jüngers Wohnhaus in Wilfingen, das jetzt zum ersten Mal saniert werden soll. Lena Bopp reist nach Marseilles.

Besprochen werden die Doppelausstellung zu Peter Roehr in Frankfurt (für Swantje Koch die "Entdeckung des Jahres"), die Moskauer "Wozzeck"-Inszenierung, eine, wie Gerhard Stadelmaier schimpft, "verjammerlappte" Aufführung von Aischylos' "Prometheus, gefesselt" an der Berliner Schaubühne, Philippe Jarousskys "famoses" Album mit Bachs Kastratenarien "La dolce fiamma" und Bücher, darunter Maxim Billers "Der gebrauchte Jude" und Thomas Mann neu herausgegebene "Betrachtungen eines Unpolitischen" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

In der Frankfurter Anthologie stellt Peter von Matt Christoph Meckels Gedicht "Die Krähe" vor:

"Ich sah den Dichter
in seinem Haus, er hatte
eine Krähe geschlachtet und aß sie hungrig..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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