Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Verlagspiraten

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

29.06.2009. Die Enttäuschung war einhellig: Die Literatur des Bachmann-Wettbewerbs war allzu kompatibel. Fehlervermeidung war die Devise, meint die NZZ, und jung war die Literatur auch nicht, sekundiert die SZ. In der FAZ sieht Diedrich Diederichsen Michael Jackson als Inbild spätkapitalistischer Selbstdisziplinierungszwänge. Die Blogs greifen den Casus Heidenreich auf. Wer enteignet die Autoren?

Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2009

Ziemlich gelangweilt kehrt Andreas Breitenstein aus Klagenfurt zurück, wo das Bachmann-Wettlesen in diesem Jahr in seinen Augen einfach bieder ausfiel: "Realistisches Erzählen aus der leicht verunsicherten Mitte des Alltags dominierte. Surreales war ebenso rar wie Historisches und Experimentelles. Fehlervermeidung war fast schon alles. Ein Plan mittlerer Schwierigkeit sollgemäß erfüllt, und schon gehörte man zu den Besten." Der Preis für Jens Petersen geht aber unter diesen Umständen für ihn in Ordnung.


Weiteres: Der St. Gallener Historiker Michael Kempe erklärt in einem Hintergrund-Text, warum Piraten, nicht einmal die der Karibik, schwerlich als romantisches Ideal von Sozialrebellen und Freiheitskämpfer taugen. Besprochen werden eine Vespasian-Ausstellung in den Kapitolinischen Museen, Götz Spielmanns Thriller "Revanche", eine Aufführung von "Samson et Dalila" bei den St. Gallener Festspielen und eine Inszenierung von Glucks "Orphee et Euridice" in Stuttgart.

nach oben

Die Tageszeitung, 29.06.2009

Die große Gabriele Goettle porträtiert in ihrer neuen Reportage die Hirtin und Käserin Sophie Bayer, die in der Schäferei Hullerbusch in der Feldberger Seenplatte lebt und arbeitet, quasi in selbstgewählter Armut. "Sie kann Klauen schneiden, kleinere Krankheiten behandeln und sogar Schafe scheren mit der Hand, sie kann Wolle spinnen und verarbeiten, sie kann filzen und dergleichen mehr. All diese Fähigkeiten stellt Sophie Bayer kostenlos zur Verfügung."


Eine "umwerfende poetische Kraft" attestiert Wiebke Porombka Jens Petersens Klagenfurter Siegertext "Bis dass der Tod", hat ansonsten beim Bachmann-Wettlesen wenig Untiefen oder Überraschungen erlebt, dafür einen neuen Trend zum Minigolf.

Und Tom.

nach oben

Aus den Blogs, 29.06.2009

Joachim Losehand greift in seinem Blog auf freitag.de den Casus Heidenreich auf (mehr hier) und beschreibt, wie sich die Rechtepraxis der Zeitungsverlage von der im Internet unterscheidet: "Während bisweilen im Internet illegal und nach der wild-wild-web-Methode 'don't ask - don't tell' die Souveränität des Urhebers ignoriert wird, ignorieren Verlage wie der der FAZ die Souveränität des Urhebers vertraglich und legal."


In Telepolis schreibt Peter Mühlbauer unter dem Titel "Verlagspiraten" zu den Standardverträgen vieler Verlagshäuser für die freien Autoren: "Das Verwenden von Texten ohne Wissen der Autoren wird in der FAZ (vor allem seit dem Heidelberger Appell) rechtlich unzutreffend, aber werbewirksam, als 'Enteignung' bezeichnet. Mit diesem Begriff rührt die Zeitung die Werbetrommel für eine neues Leistungsschutzrecht, mit dem angeblich diese 'Enteignung' von Autoren verhindert werden soll. Tatsächlich dürfte solch ein neues Monopolrecht die Position von Autoren aber eher verschlechtern als verbessern."

Sehr sarkastisch antwortet Henryk M. Broder auf der Achse des Guten auf einen Spiegel-Artikel Erich Follaths, der Achmadinedschad und Netanjahu als "Auserwählte" auf eine Stufe stellte: "Ahmadinedschad ist die Marionette eines Systems, dessen Machthaber in den Kulissen agieren, Netanjahu hat nach einer Wahl eine Koalition zusammengefügt, die über eine Mehrheit in der Knesset verfügt. Man muss ihn nicht mögen. Aber man kann sich nicht um die Erkenntnis drücken, dass er im Gegensatz zu dem iranischen Präsidenten demokratisch legitimiert ist."

Morgen findet auf Initiative des Familienministeriums eine Tagung gegen Kinderpornos im Netz statt (als gebe es sie nur dort). Eine Erklärung wird vorbereitet, die die höchst umstrittenen Netz-Zensurmaßnahmen Ursula von der Leyens unterstützt, mit von der Partie sind große deutsche Medienkonzerne, berichtet Philip Steffan in netzpolitik.org: "Laut unseren Informationen sitzen alle großen Social Networks in Deutschland... mit im Boot. Damit werden diese sich ebenfalls klar hinter die vom Familienministerium und dem Zugangserschwerungsgesetz vorgegebene Marschrichtung 'sperren statt löschen' und gegen ein zensurfreies Internet stellen."

nach oben

Die Welt, 29.06.2009

Dass es in der Regel Verwertungsrechte der Industrie sind, die Urheberrechte des Autors zunichte machen, erfährt man auch aus einem Artikel von Gerd Midding über die Filme des Drehbuchautors Jean-Claude Carriere und den Filmregisseur und Schauspieler Pierre Etaix: "Als Erbe der großen Stummfilmkomiker hat er mit Jacques Tati den hintergründigen Slapstick im europäischen Kino wieder heimisch gemacht, in dem er auf die Sprache der Gesten und Requisiten vertraut. Der wehmütige Trotz des Unterlegenen, der aus seinen Filmen spricht, führte nun die beiden Freunde in die Pariser Kinemathek. Denn ihre Filme sind unsichtbar geworden. Aufgrund eines juristischen Wirrwarrs führen sie eine Geisterexistenz, können seit Jahren nicht aufgeführt werden."


Weitere Artikel: "Ziemlich kleine, manchmal gar kleinmütige Literatur" hörte Elmar Krekeler in Klagenfurt: "Eine Literatur für mobil, das Magazin der Bundesbahn". In der Leitglosse erzählt Krekeler, wie mau der Literaturbetrieb in Klagenfurt die Nachricht vom Tod Michael Jacksons aufnahm. Michael Pilz liefert eine mögliche Erklärung in seinem "Nachtrag auf einen Außerirdischen: "Dass die rocksozialisierte weiße Mitte nie etwas mit Michael Jackson anzufangen wusste, ist kein Wunder. Sie hatte ja alles." Sascha Westphal macht einen Streifzug durch die Geschichte des englischen Gangsterfilms. Karola T. Kallweit stellt den amerikanischen Comedy-Star Sarah Silverman vor. Manuel Brug hatte immerhin einmal Spaß mit Haydn-Opern: in Potsdam mit "Philemon und Baucis" und "L'infedelta delusa".

Besprochen werden eine Doppelausstellung über den Mediziner, Forscher und Maler Carl Gustav Carus in Dresden, die Uraufführung des Dokudramas "Dutschke" beim Filmfest München und die Disney-Dvds "Pinocchio" und "Dornröschen".

nach oben

Frankfurter Rundschau, 29.06.2009

Der Künstler Cornelius Kolig spricht im Interview über Jörg Haider, Kärnten und sein Gesamtkunstwerk "Paradies", das gerade im Essl-Museum bei Wien gezeigt wird. Warum Geschlechtsorgane und Ausscheidungen darin so wichtig sind, erklärt er folgendermaßen: "Das hat einen ganz einfachen Grund. Fragen Sie einen Wissenschaftler, wie er Leben und Organisches definieren würde. Es gibt da einerseits die Stoffwechselvorgänge und dann die Reproduktion, das heißt Liebe, Sexualität und Weitergabe der Form. Damit verbunden ist auch der Tod. Ich dachte mir, wenn ich mich auf diese drei Dinge konzentriere, ist das ein Fundament, auf dem Petrus seine Kirche errichten könnte. Das sind Dinge, die Bestand haben und immer verstanden werden."


Weitere Artikel: "Leblos und glatt" fand Christoph Schröder die Texte beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Das Video über die getötete Iranerin Neda ist echt, hat Harry Nutt aus dem Blog von Paulo Coelho erfahren, der den Email-Wechsel mit dem neben ihr knienden Arzt dokumentiert.

Besprochen werden eine Aufführung von Becketts "Warten auf Godot" in New York, die Aufführung von Niccolo Jommellis Oper "Demofoonte" mit Riccardo Muti in Salzburg und Paris, das filmische Großwerk "Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende" der Tödlichen Doris in der Frankfurter Galerie Parisa Kind, Ray Cooneys Farce "Außer Kontrolle" in Darmstadt und und CDs mit den Klavierkonzerten von Prokofjew und Beethoven, eingespielt von Jewgenij Kissin ("Keiner kann das heute so wie Kissin: die Klänge massieren und zugleich in blitzenden Stahl einkleiden, sie dem Hörer in die Ohren stoßen und dort festschrauben und dabei noch weinen wie Schubert. Darin liegt die Magie seines Spiels. Man ist daran gekettet, hoffnungslos. Man wird es nicht los", schreibt Jürgen Otten).

nach oben

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2009

Diedrich Diederichsen erkennt in den Irrungen des Michael Jackson nicht eine erratische Abweichung - sondern den Gehorsam gegenüber den Imperativen unserer Zeit: "Auch darin ist Jackson symptomatisch für die historische Verschiebung der vergangenen Jahrzehnte: An die Stelle des väterlichen Befehls ist der getreten, den wir uns selber geben - du sollst nie aufhören, dich zu optimieren! Selbstdisziplin ist gnadenloser als Gehorsam. Sie kennt kein protestierendes Gegenüber, kein Aushandeln, kein Verweigern. Der Verfasser der größten hedonistischen Hymne, 'Don't Stop Till You Get Enough', hat Hedonismus nie gelernt, er konnte sein eigenes Programm nur als Gnadenlosigkeit gegen sich selbst durchsetzen.


Weitere Artikel: Sandra Kegel fand die in Klagenfurt verlesenen Texte insgesamt wenig überzeugend, immerhin hat mit Jens Petersen für sie der beste Autor gewonnen. Tobias Rüther wendet sich, Jan Fleischhauers Konservatismus-Konversions-Pamphlet in der Hand, nach links und nach rechts und wird nirgends so richtig fündig. In der Glosse blickt Andreas Kilb mit Verachtung auf die kleinteiligen Pläne für den Berliner Ex-Flughafen Tempelhof. Katja Gelinsky berichtet über erste Ansätze zu dringend nötigen Gefängnisreformen in den USA, wo einer von hundert Bürgern im Knast sitzt. Zum anstehenden runden Geburtstag gratuliert wird dem Philosophen Alain Finkielkraut (60), dem Opernregisseur Peter Mussbach (60), dem Autor und Publizisten Ferdinand Mount (70), der Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender, dem Historiker Eberhard Jäckel (80) und dem Dichter Hans Bender (90).

Besprochen werden die Uraufführung von William Forsythes Choreografie "The Returns" in Hellerau, das Auftaktkonzert des Rheingau Musik Festivals, bei dem Paavo Järvi Mahlers Neunte dirigierte, ein Kölner Konzert des Liedermachers Gisbert zu Knyphausen, Installationen von Jorge Pardo im Düsseldorfer K21, und Bücher, darunter Kojima Nobous Roman "Fremde Familie" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

nach oben

Süddeutsche Zeitung, 29.06.2009

Burkhard Müller zieht ein leicht deprimierendes Fazit des Klagenfurter Wettlesens (mehr zu den Bachmann-Preisträgern hier): "Das alles war fast ausnahmslos nahezu perfekt gemacht. Autoren und Autorinnen wussten sämtlich, wie man die altehrwürdigen Gattungen der Prosa kunstgerecht bestellt. Man darf der Klagenfurter Veranstaltung alles Mögliche nachsagen, bloß eines nicht: dass sie noch viele Spuren von Jugend aufwiese."


Weitere Artikel: Orhan Pamuk singt ein Lob des Verlaufens in Venedig. In den Nachrichten aus dem Netz meditiert Tobias Kniebe über entlassene Filmkritiker aus Zeitungen (zum Beispiel Christoph Egger von der Neuen Zürcher Zeitung, hier sein Abschied von der Filmkritik) und die Frage, ob sie durch Blogs zu ersetzen sind. Laura Weissmüller berichtet von einem Kongress zur Frage: "Wie bringt man die Kultur in die Schulen?" Catrin Lorch berichtet von einer Expertenanhörung zur Zukunft des Kölner Stadtarchivs. Franziska Augstein gratuliert dem NS-Historiker Eberhard Jäckel zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden die Ausstellung "Baroque 1620-1800: Style in the Age of Magnificence" im Victoria & Albert Museum London, Ereignisse des Theaterfestivals von Neapel, Ursula Meiers Film "Home" mit Isabelle Huppert, eine Choreografie von William Forsythe in Dresden, rumänische Filme auf dem Münchner Filmfest, einige DVDs von Autorenfilmen und Bücher, darunter Nazim Hikmets nachgelassener Roman "Die Romantiker" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

nach oben

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons