Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Am häufigsten kommentierte Bücher
Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Verstörte Labelmitarbeiter
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.06.2009. Irgendwie geht's heute überall um die Kulturindustrien und die Kämpfe ums Copyright. Die FR macht pragmatische Vorschläge für eine Durchsetzung des E-Books, die dem physischen Buch nicht schadet. Außerdem berichtet sie über eine Petition gegen die Gema. In Carta ruft Popproduzent Tim Renner eine Alternative zur Popkomm aus. Der Tagesspiegel beschreibt die Kultur des Mash Up, die der Musikindustrie mehr Kopfzerbrechen bereiten sollte als Raubkopien. In der FAZ fordert Hubert Burda ein Leistungsschutzrecht. Und eine Gewinnbeteiligung an Google. Und eine Überwachung von Geschäftsmodellen. Und Transparenz. Die NZZ entlässt die Filmredaktion.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2009
Feuilleton-Chef Martin Meyer verabschiedet recht förmlich Christoph Egger und Marianne Zelger-Vogt, die beide Opfer des jüngsten Sparrunden-Massakers wurden: "Wir wünschen Christoph Egger für alles Kommende viel Glück und Wohlergehen, danken sehr herzlich für eine große und nachhaltige Leistung und hoffen, seine Handschrift auch weiterhin bei Gelegenheiten im Blatte lesen zu dürfen." Hier Eggers "Abschied von der Filmkritik".
Weiteres: Joachim Güntner schreibt zum 25-jährigen Jubiläum des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Besprochen werden Sven-Eric Bechtolfs vom "Geist der Aufklärung" getragene Inszenierung von Mozarts "Cosi fan tutte" in Zürich (die Marianne Zelger-Vogt für den Höhepunkt der Mozart-Da-Ponte-Trilogie hält), Cees Nootebooms "sanft unerbittliche" Erzählungen "Nachts kommen die Füchse", Glyn Maxwells Roman "Das Mädchen, das sterben sollte" und Fabio Stassis Schachroman "Die letzte Partie" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
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Frankfurter Rundschau, 30.06.2009
Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Thomas Rohde macht einige konstruktive Vorschläge, wie Verlage mit dem armen, vom Teufel besessenen E-Book umgehen könnten. Zunächst einmal sollten sie den Leser davon überzeugen, dass der Hauptwert eines Buches nicht in seiner physischen Beschaffenheit liegt - eine Überzeugung, an der sie "durch die markanten Preisunterschiede zwischen Hardcover- und Taschenbuchausgaben historisch nicht ganz unschuldig" mitgewirkt haben. "Außerdem müssen sie den Käufern von E-Books die Möglichkeit geben, eine statusdienliche Komponente mitzukaufen. Für den gleichen Kaufpreis auf diese Sekundärfunktion des gedruckten Buches zu verzichten, wird den wenigsten Käufern einleuchten - sonstige Vorteile des digitalen Formats hin oder her. Eine Möglichkeit dazu wäre, dass, wer das E-Book gekauft hat, für die Preisdifferenz zum gedruckten Buch dieses nachkaufen kann - oder dass beide sogar nur im Verbund verkauft werden: Wer ein E-Book kauft, bekommt das Buch obendrein, wer das Buch kauft, bekommt eine E-Mail oder einen Flash-Chip mit der passenden E-Book-Datei. Dies wäre immerhin eine Art Übergangslösung."
Der Musikwissenschaftler und Journalist Martin Hufner, dessen Artikel wir uns gern länger gewünscht hätten, schreibt über eine online sehr erfolgreiche Petition an den Bundestag, der bitte die Gema auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz überprüfen möge. "Kurz gesagt: Die Gema sei eine ungerechte und undurchschaubare Organisation. Die Gema werde ferner ihrer Aufgabe nicht gerecht, die Erträge als Verwertungsgesellschaft angemessen an ihre Beteiligten zu verteilen, und, schlimmer noch, sie behindere zugleich die Verbreitung der Werke der von ihr vertretenen Künstler durch überhöhte Forderungen, vor allem gegenüber Kleinveranstaltern. Darüber hinaus behindere sie auch die Verbreitung der von ihr nicht vertretenen Künstler, indem sie einen Nachweis dafür einfordert. Und die Gema ist arrogant. Das soll sich ändern, deshalb die Petition 'Die Gema wird zunehmend vom Kultur-Schützer zum Kultur-Vernichter.'"
Weitere Artikel: In Times Mager erteilt Ina Hartwig der Freud lesenden Judith Hermann eine kleine Lektion in Sachen "Ubw", yep. Kilian Kirchgeßner informiert über die Deklaration von Theresienstadt zur Provenienzforschung. Auf der Medienseite entschuldigt sich H.L. dafür, dass das Michael-Jackson-Foto, das die FR in ihrer Printausgabe als letztes Foto von MJ auswies, in Wahrheit sechs Jahre alt war.
Besprochen werden eine Nijinsky-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle (Sylvia Staude wünscht sich, man hätte den Zeichnungen Nijinskis Werke von psychisch kranken aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn gegenüber gestellt, aber mehr noch wünscht sie sich, Nijinsky "tanzen sehen zu können"), eine Hommage John Neumeiers Hommage an Nijinsky und die Ballets Russes an der Hamburger Staatsoper und ein Buch über die zweite Geschichte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)-
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Berliner Zeitung, 30.06.2009
Ingeborg Ruthe besucht die ungarische Stadt Pecs/Fünfkirchen, die im nächsten Jahr neben Essen und Istanbul Kulturhauptstadt sein wird und nun mit einer rechten Regierung und Krisenbedingungen fertig werden muss: "Die multikulturelle 160.000-Einwohner-Stadt samt Region hat reiche Kultur zu bieten und außerdem den trotzigen Ehrgeiz, nächstes Jahr mindestens eine Million Gäste anzuziehen. Auch wenn es derzeit nicht einmal 6.000 Hotelbetten gibt, und aus Geldmangel die 17 schönen klassizistischen, aber vom Zahn der Zeit benagten Museen lediglich kosmetisch saniert werden können."
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Der Tagesspiegel, 30.06.2009
Jens Mühling schreibt einen sehr interessanten Hintergrundartikel über die in allen Ecken des Kulturbetriebs zur Zeit tobenden Kämpfe ums Copyright. Dabei geht er auch auf die im Internet zirkulierende Kultur des "Mash Up" ein, ein elektronisches Auseinandnernehmen und Zusammenfügen vorgefundener Werke: "Man kann diese Entwicklung als Indikator für einen Paradigmenwechsel lesen: Seit Musik in digitalisierter Form verbreitet wird, scheint sie zunehmend Konsumenten zu finden, die sich mit dem Konsum nicht begnügen, sondern in den Produktionsprozess eingreifen, indem sie Vorgefundenes fortschreiben. Diese Entwicklung muss die Unterhaltungsindustrie mehr beunruhigen als das eigentliche Raubkopieren, denn sie macht ihre Arbeit überflüssig."
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Die Welt, 30.06.2009
Die Knochen im Paulus-Grab stammen tatsächlich aus dem ersten Jahrhundert, frohlockt Paul Badde nach einer Untersuchung des Sarkophags mittels einer Sonde. Martin Eich stellt den kroatischen Sänger Marko Perkovic vor, der gern mit Nationalismus und Faschismus kokettiert. Bevor die Nutzungsrechte an Hitlers "Mein Kampf" verfallen, will die Bayerische Staatsregierung noch eine historisch-kritische Ausgabe herausbringen, meldet Berthold Seewald. Suhrkamp hat eine Krimireihe gestartet, meldet Hendrik Werner. Dankwart Guratzsch fasst die Ergebnisse der Jahrestagung des Welterbe-Komitees zusammen. Thomas Delekat sagt dem Versandhauskatalog zum Abschied leise Servus.
Besprochen werden ein Konzert zum Tourneeauftakt des Bueno Vista Social Clubs in neuer Formation, John Neumeiers Choreografie über die Ballets Russes und eine Ausstellung der Zeichnungen Nijinskys in der Kunsthalle Hamburg.
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Die Tageszeitung, 30.06.2009
Deprimiert betrachtet Alessandro Topo die Lage im Iran, dem nun die große Normalisierung droht: "Das komplexe System der Islamischen Republik hat begonnen, sich zu sortieren, und versucht auf institutionellem Wege die Legitimitätskrise politischer Macht zu verdauen, die es erschüttert hat. Damit nimmt die Entwicklung im Iran einen Verlauf, die sich letztlich ganz und gar im Rahmen dessen bewegt, was die zutiefst autoritäre Freitagspredigt des Revolutionsführers Ali Chamenei vom 19. Juni vorgegeben hatte. Aus der Krise des Systems, in das womöglich die Mehrzahl der Iraner, auf jeden Fall aber Millionen von Demonstranten jegliches Vertrauen verloren haben, ist eine Krise im System geworden. Das System hat die grüne Krise, die fast schon eine Revolution schien, verschluckt und wird sie mit seinen Magensäften zersetzen. "
Oliver Ramme besucht die traurigen Rest des Nationalen Filminstituts Mosambiks in Maputo: "Gut zwei Dutzend Angestellte sind dem INC geblieben; sie müssen mit ansehen, wie der größte Schatz des Instituts verrottet: tausende von Metern Film, verpackt in 25.000 Filmdosen. Darauf festgehalten sind die ersten Gehversuche einer jungen Nation, die Gründungsjahre eines sozialistischen Staates in Afrika. Eine detaillierte Chronik - ein nahezu einmaliges Filmarchiv in Afrika."
Weiteres: In einer Mail aus Manila erklärt Tilman Baumgärtel die Philippinen als Feudalstaat mit Breitbandinternet. Brigitte Werneburg berichtet von der PhotoEspana in Madrid, wo sie unter anderem erfahren hat, dass die Zukunft der Fotografie "shake and throw" heißt. Anlässlich der Prager Konferenz interviewt Robert Schröpfer den Anwalt Gunnar Schnabel zur NS-Raubkunst und zum schleppenden Gang der Dinge.
Und noch Tom.
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Aus den Blogs, 30.06.2009
Musikproduzent Tim Renner schreibt auf Carta eine Art Nachruf auf die Popkomm: "Die Kölner Popkomm 2003 war ein letztes, trauriges Aufbäumen. Da die Messehallen fast leer waren, ließ Medienpartner Viva und dessen Geschäftsführer Dieter Gorny sein Publikum hinein. Die Teenager suchten nach Boybands und fanden verstörte Labelmitarbeiter. Die Popkomm floh nach Berlin. Hier sollte sie sterben." Und ruft eine neue Veranstaltung aus, "All together now" mehr hier.
Nach einem kritischen Artikel zu den deutsch-iranischen Handelsbeziheungen hat das Blog Liza's Welt einen Brief vom Chef der deutsch-iranischen Handelskammer, Daniel Bernbeck, bekommen: "Liebe Liza, ich lade Sie gern mal ein, nach Teheran zu kommen, und sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen, anstelle vom sicheren, demokratischen und hoffentlich kuschelig-warmen Ausland aus polemische Blogs zu schreiben. Oder haben Sie etwa Schiß, in dieses Land zu kommen??"
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2009
Auf einer ganzen Seite werden Briefe und Appelle an iranische Machthaber veröffentlicht, die die FAZ im Internet gefunden hat. So schreibt der heute in den USA lebende Abdolali Bazargan, im Iran einst verfolgt, an Ayatollah Chamenei: "Nun, Herr Chamenei, leider besteht zwischen Ihnen und einem großen Teil des Volkes eine große Meinungsverschiedenheit. Sie wird bei Ihrem Eigensinn und Ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Willen des Volkes zu Bürgerkrieg und Brudermord führen." Der Großayatollah Montazeri dekretiert: "Jeder religiöse Mensch in diesem Land ist verpflichtet, das Volk bei der Erlangung seiner legitimen Rechte zu unterstützen. Daher erkläre ich jede Unterdrückung dieser Proteste für haram, für religiös verboten." Außerdem wendet sich - in Übersetzung eines Blog-Eintrags - eine anonym bleibende ehemalige Klassenkameradin an Boshra Hosseini Chamenei, die Tochter des iranischen Religionsführers, und der legendäre Musiker Mohammad Reza Shadjarian untersagt den Staatssendern, seine Musik zu spielen.
Dass die deutschen Medien Leistungsschutzrechte auf die bei ihnen publizierten Inhalte möchten, ist bekannt. Verleger Hubert Burda fordert nun auf der Medienseite noch weiter gehende Rechte für Medienunternehmen, nämlich "das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. Das Recht auf Neutralität der Plattformen. Und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden." Als Grund nennt der Bunte-Verleger: "Es geht um die Bewahrung eines Kulturguts."
Weitere Artikel: Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, stellt die Thesen der Studie seines Instituts zur demografischen Entwicklung in Deutschland und möglichen Reaktionen der Politik vor. Umstritten ist die Untersuchung vor allem, weil sie nach dem Ende des Wachstums die "Angleichung der Lebensverhältnisse" in ganz Deutschland für kein realistisches Ziel mehr hält. Jürg Altwegg liest in französischen Zeitschriften fast ausschließlich Negatives über das Internet. Kerstin Holm schildert russische Versuche, kanonische und gesäuberte Versionen der eigenen Geschichte zu erstellen. Hubert Spiegel hat im Dresdener Hygiene-Museum den Vortrag eines Bundeswehrarztes über Traumaschäden gehört, der im Rahmen der dortigen Ausstellung über "Krieg und Medizin" stattfand. In der Glosse macht sich Dieter Bartetzko Gedanken zu den nun aufs erste oder zweite nachchristliche Jahrhundert datierten Gebeinen im Grab des Apostels Paulus.
Besprochen werden eine CD, auf der Christoph Eschenbach und Leon Fleisher erstmalig Paul Hindemiths "Klaviermusik mit Orchester" eingespielt haben, und der "Briefwechsel 1946-1962" von Hans und Wolfgang Natonek (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 30.06.2009
Der zur Zeit in der Haydn-Stadt Eisenstadt konzertierende Dirigent Jos van Immerseel, erklärt im Gespräch mit Kristina Maidt-Zinke, warum ihn Sparen so beglückt: "Unser größter Vorteil aber ist, dass wir wissen: Wenn man Haydn mit vier Geigen aufführt statt mit zwölf, wird der Klang sogar besser."
Außerdem: Andrian Kreye verbreitet ein Gerücht, wonach sich noch hundert bereits aufgenommene Songs in Michael Jacksons Nachlass befinden, die nun zu großer Freude unter den Erben führen könnten. Abgedruckt wird ein Vortrag über Kunst in der Krise, den der Architekt Wolf D. Prix zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele hielt. Tobias Kniebe kommentiert Äußerungen Bernd Eichingers zur Konkurrenz der Filmproduktionsstätten in München und Berlin. Michael Stallknecht resümiert eine Tagung an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zur Frage "Wiederkehr der Folter?" Petra Steinberger zeichnet Überlegungen Tony Judts und Benny Morris' (in seinem neuen Buch "One State, two States") zu einem binationalen Staat Israel nach.
Auf der Medienseite berichtet Hans-Jürgen Jakobs über Schwierigkeiten des Bauer-Verlags, seine Yellow-Press-Magazine weiterhin an die treuen Omas zu bringen. Gemeldet wird, dass der Verband deutscher Zeitschriftenverleger VDZ den Manteltarifvertrag kündigt ("Sie wollen billigere Journalisten"). Auf Seite 2 berichtet Alexander Kissler über die für den Papst erfreuliche Nachricht, dass im kirchenoffiziellen Grab des Apostels Paulus befindliche Knochen- und Tuchreste tatsächlich aus frühchristlicher Zeit stammen.
Besprochen werden Andreas Dresens neuer Film "Whisky mit Wodka" auf dem Münchner Filmfest, die Ausstellung "Thomas Zipp - Mens agitat molem" in der Sammlung Goetz in München, John Neumeiers Choreografie "Le Pavillon d"Armide" in memoriam Vaslaw Nijinsky, Ereignnise des Frankfurter Festivals "Metropolitan - Die erzählte Stadt" und des 10. Berliner Poesiefestivals.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Zu 93 Prozent akkurat
18.06.2013. In der Welt erhofft sich Wolfgang Kraushaar durch neue Ermittlungen mehr Informationen über die Terrorserie in München 1970. Die Digitale Gesellschaft erstattet wegen Prism Anzeige bei der Polizei: Es besteht Verdacht auf Spionage. In der taz verrät Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser die Honorare seiner freien Mitarbeiterin Silke Burmeister. Stefan Niggemeier kann sich darüber nur sehr wundern. Dass der Aufklärer Walter Jens bei seiner Trauerfeier mit Mozarts Requiem verabschiedet wurde, gehört zu den Aporien, die zu ihm passen, findet die FAZ. Mehr lesen
Doch eher blumig-ornamental
17.06.2013. Trotz allem: Noch ist die NSA ist nicht die Stasi, meint Fred Kaplan in der FAZ. Frank Schirrmacher fordert in der Sonntags-FAZ trotzdem ein europäisches Staats-Google. Spiegel Online ist da skeptisch, der BND nicht. In der Welt erklärt Zafer Sencak, warum sich die türkische Jugend den von Tayyip Erdogan verordneten Islam nicht mehr bieten lassen will. Die NZZ unternimmt eine Reise nach Timbuktu. Die taz meint: Auch nach der Wiederentdeckung von Hilma af Klint muss die Geschichte der Malerei nicht neu geschrieben werden. Mehr lesen
Nichts wissen macht nichts
15.06.2013. Im Interview mit der taz erklärt Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser den Erfolg seines Wochenmagazins. Freie Journalisten dürften sich für das Interview interessieren! Recht heftig ging es auch bei einer Wiener Konferenz über das Urheberecht zu, berichtet Futurezone. In der NZZ sucht und findet der Zeithistoriker Edgar Wolfrum einen Gründungsmythos für Europa: Der 17. Juni hat damit zu tun. Die SZ findet Femen pubertär. Mehr lesen
Wenn der dreimal Terror ruft
14.06.2013. In der SZ erklärt Constanze Kurz, warum Google denn doch nicht dasselbe ist wie die NSA. Und in der FAZ erklärt sie, dass es auch der NSA durchaus um Wirtschaft gehen könnte. Der Guardian erzählt, warum sich der Whistleblower Edward Snowden nicht an die New York Times wandte. Der Freitag interviewt einen türkischen Journalisten zu Zensur und Selbstzensur in den Medien des Landes. Im Buchreport erklären die Manager von Randomhouse die Rolle der Verlage in Zeiten des Ebooks. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Heutzutage Gespenster
13.06.2013. Auch Kroatien ist erst in Europa richtig zuhause, meint Marko Martin in der Welt. Die deutschen Qualitätszeitungen wollen jetzt auch alles, was nicht sowieso schon kostenpflichtig ist, mit einer Paywall einfrieden, meldet horizont.net. Die Zeit bringt mehrere Artikel zu den Istanbuler Demonstrationen, darunter von Seyran Ateş und Feridun Zaimoglu. Die SZ erzählt, wie die Kulturinstitutionen Ägyptens von den Islamisten besetzt werden. Die Ruhrbarone suchen angesichts des Mordaufrufs gegen Hamed Abdel-Samad Trost bei Lichtenberg. Mehr lesen
Dass dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist
12.06.2013. Die FAZ berichtet von Tayyip Erdogans konzertierter Aktion: Als Begleitmusik zur Räumung des Taksim-Platzes beschimpfte er die Demonstranten in einer landesweit übertragenen Rede als Terroristen. Mozilla und andere Organisationen starten die Kampagne StopWatching.Us gegen Prism, berichtet Netzpolitik. Die Macht hat die Sprache des Netzes gelernt - ein Einschnitt in der Geschichte des Internets, fürchtet Markus Beckedahl ebendort. Und in der SZ fragt sich Teju Cole, warum das Genre des Romans trotz Virginia Woolf wieder bei Jane Austen gelandet ist. Mehr lesen
Es ist immer die allerletzte Minute der Geschichte
11.06.2013. Nach der Enthüllung des Prism-Skandals fragen der Guardian, die FAZ und andere Zeitungen nach den weltpolitischen Konsequenzen. In der FAZ rät Datenschützer Thilo Weichert, keine amerikanischen Internetdienste mehr zu nutzen. In der SZ setzen sich Aleida Assmann und Bernard Giesen sehr kritisch mit Giorgio Agambens Ruf nach einem "Empire latin" auseinander. Auf starke-meinungen.de fragt Alan Posener, ob sich die Antideutschen wirklich für Israel interessieren. Alle Zeitungen würdigen den "reinen Intellektuellen" Walter Jens. Und aktuell: Spiegel Online meldet, dass der Taksim-Platz geräumt wird. Mehr lesen
Automatisch aufgesaugt
10.06.2013. Der Prism-Skandal beschäftigt fast alle Medien. Wir bringen eine ganz aktuelle Presseschau - auch mit Informationen über den Whistleblower Edward Snowden. Auch deutsche Medien befassen sich mit der Affäre: Das Geheimnis hat die Schranken des Rechtsstaats gesprengt, meint die FAZ. Focus meldet, dass Hans Barlach Einspruch gegen das Schutzschirmverfahren für Suhrkamp einlegt. In Spiegel Online appelliert Hamed Abdel-Samad an die deutsche Regierung, die in Ägypten zirkulierenden Mordaufrufe gegen ihn zu verurteilen. Für die NZZ besucht Tom Schulz das Wohnhaus Paul Celans in Czernowitz. Mehr lesen
Pinguine und Schizophrenie
08.06.2013. Das Abhörprogramm der Obama-Regierung lässt die Feuilletons erstaunlich kalt: Warum soll die Regierung nicht dürfen, was Google und Amazon ja längst machen, fragt die Welt. Russen und Chinesen hätten immer schon gewarnt, dass Amerikaner und Israelis so etwas tun, meint Frank Rieger vom Chaos Computer Club in der FAZ. Die Internetkonzerne scheinen sich laut New York Times jedenfalls kaum gewehrt zu haben. Außerdem: Religionskritik führt nur zu Rechtsfundamentalismus warnt die FR. In der taz besingt Dilek Zaptcioglu die Vorteile von Twitter beim Protest. Mehr lesen
Gierige Halbwelt und einverständige Mediengaffer
07.06.2013. Der Spiegel geißelt Barack Obamas Überwachungsstaat, der bedenkenlos so viele Telefongespräche aufzeichnet wie nur möglich. Die Welt bringt ein großes Dossier über Picasso und Deutschland. Das Blog mylorraine.fr porträtiert den 21-jährigen Fotografen Edouard Elias, der in Syrien vermisst wird. Die taz lauscht der Nostalgiemaschine der Boards of Canada. Die FAZ feiert mit den Istanbuler Demonstranten. Aber in Venedig wird ihr übel. Mehr lesen
Ausnahmslos schleppend, exzeptionell tieftönig
06.06.2013. In der SZ singt Orhan Pamuk eine Hommage auf die Demonstranten vom Taksim-Platz. Berliner Blogs streiten über Berliner Start ups. Der Freitag fragt mit Blick auf die Suhrkamp-Debatte, ob die Feuilletons endgültig ins Spektakel abgeglitten sind. Die Zeit hat beim kostenlosen Lunch im Silicon Valley die AGB von Google studiert. In der taz fordert Reinhard Loske Freiheit zum Verzicht auf Freiheit zum Konsum. Der Tagesspiegel geißelt die scharfen Urteile gegen internationale Stiftungen in Ägypten. Mehr lesen
Bereits fertig gemischte Tubenfarben
05.06.2013. Die Begeisterung über den Büchner-Preis für Sybille Lewitscharoff ist allgemein sehr groß: Nur die taz hat Bedenken gegen ihren bekennenden Kulturkonservatismus. In der Welt erklärt Henryk Broder, warum er kein Börne-Preisträger mehr sein will, wenn Peter Sloterdijk einer ist. Die SZ und Netzpolitiker Markus Beckedahl sind sich einig: Es kommt nicht darauf an, dass Politiker im Wahlkampf twittern - sondern dass sie sich für Netzneutralität stark machen. Die FAZ würdigt van Gogh als Techniker. Mehr lesen
Schönster Schweinerockismus
04.06.2013. Die türkischen Proteste erregen auch die Feuilletons. Die taz findet: "Zu Grabe getragen wird ein Projekt von welthistorischer Bedeutung: die Demokratisierung des politischen Islams." Der Guardian erzählt, wie türkische Oppositionelle per Crowdfunding eine Anzeige in der New York Times kaufen. Die FAZ erklärt, warum Erdogans Polizei so unbeliebt ist. Außerdem: Die Welt versucht herauszufinden, wer die Milliarden-Erben Sylvia und Ulrich Ströher sind, die als weiße Ritter für Suhrkamp im Gespräch sind. Und die SZ fürchtet um die exception culturelle. Mehr lesen
Durchgeknallte Synapsen
03.06.2013. FAZ, taz und Zeit online berichten aus Istanbul, wo die städtische Jugend erstmals massiv gegen den frommen Autoritarismus Tayyip Erdogans aufbegehrte. Der Streit um Suhrkamp geht weiter: Heute antwortet eine ungenannte Zeitung aus Frankfurt auf einen ungenannten Journalisten aus München. Die Welt schickt ein letztes Psychogramm der Bewegung gegen die Schwulenehe in Frankreich. Und Stefan Niggemeier fragt: Ist Springer etwa ein Startup? Mehr lesen
Bitte schreiben Sie das nicht auf!
01.06.2013. Heute eröffnet die Biennale in Venedig, die Feuilletons nehmen sie sehr kontrovers auf: Die FAZ erkennt in ihr einen synkretistischen Tempel, in dem auch die Götter der Vergangenheit und Dilettanten ihren Platz haben. Die NZZ erkennt in ihr eine große Umarmung der Welt. Die SZ vermisst Zeitgenossenschaft. Der taz fehlen die Highlights. SZ und NZZ schreiben außerdem den Suhrkamp-Roman fort. Und in der Welt stolpert Salman Rushdie über erste Erinnerungslücken. Mehr lesen








