Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Verstörte Labelmitarbeiter

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.06.2009. Irgendwie geht's heute überall um die Kulturindustrien und die Kämpfe ums Copyright. Die FR macht pragmatische Vorschläge für eine Durchsetzung des E-Books, die dem physischen Buch nicht schadet. Außerdem berichtet sie über eine Petition gegen die Gema. In Carta ruft Popproduzent Tim Renner eine Alternative zur Popkomm aus. Der Tagesspiegel  beschreibt die Kultur des Mash Up, die der Musikindustrie mehr Kopfzerbrechen bereiten sollte als Raubkopien. In der FAZ fordert Hubert Burda ein Leistungsschutzrecht. Und eine Gewinnbeteiligung an Google. Und eine Überwachung von Geschäftsmodellen. Und Transparenz. Die NZZ entlässt die Filmredaktion.

Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2009

Feuilleton-Chef Martin Meyer verabschiedet recht förmlich Christoph Egger und Marianne Zelger-Vogt, die beide Opfer des jüngsten Sparrunden-Massakers wurden: "Wir wünschen Christoph Egger für alles Kommende viel Glück und Wohlergehen, danken sehr herzlich für eine große und nachhaltige Leistung und hoffen, seine Handschrift auch weiterhin bei Gelegenheiten im Blatte lesen zu dürfen." Hier Eggers "Abschied von der Filmkritik".


Weiteres: Joachim Güntner schreibt zum 25-jährigen Jubiläum des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Besprochen werden Sven-Eric Bechtolfs vom "Geist der Aufklärung" getragene Inszenierung von Mozarts "Cosi fan tutte" in Zürich (die Marianne Zelger-Vogt für den Höhepunkt der Mozart-Da-Ponte-Trilogie hält), Cees Nootebooms "sanft unerbittliche" Erzählungen "Nachts kommen die Füchse", Glyn Maxwells Roman "Das Mädchen, das sterben sollte" und Fabio Stassis Schachroman "Die letzte Partie" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Frankfurter Rundschau, 30.06.2009

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Thomas Rohde macht einige konstruktive Vorschläge, wie Verlage mit dem armen, vom Teufel besessenen E-Book umgehen könnten. Zunächst einmal sollten sie den Leser davon überzeugen, dass der Hauptwert eines Buches nicht in seiner physischen Beschaffenheit liegt - eine Überzeugung, an der sie "durch die markanten Preisunterschiede zwischen Hardcover- und Taschenbuchausgaben historisch nicht ganz unschuldig" mitgewirkt haben. "Außerdem müssen sie den Käufern von E-Books die Möglichkeit geben, eine statusdienliche Komponente mitzukaufen. Für den gleichen Kaufpreis auf diese Sekundärfunktion des gedruckten Buches zu verzichten, wird den wenigsten Käufern einleuchten - sonstige Vorteile des digitalen Formats hin oder her. Eine Möglichkeit dazu wäre, dass, wer das E-Book gekauft hat, für die Preisdifferenz zum gedruckten Buch dieses nachkaufen kann - oder dass beide sogar nur im Verbund verkauft werden: Wer ein E-Book kauft, bekommt das Buch obendrein, wer das Buch kauft, bekommt eine E-Mail oder einen Flash-Chip mit der passenden E-Book-Datei. Dies wäre immerhin eine Art Übergangslösung."


Der Musikwissenschaftler und Journalist Martin Hufner, dessen Artikel wir uns gern länger gewünscht hätten, schreibt über eine online sehr erfolgreiche Petition an den Bundestag, der bitte die Gema auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz überprüfen möge. "Kurz gesagt: Die Gema sei eine ungerechte und undurchschaubare Organisation. Die Gema werde ferner ihrer Aufgabe nicht gerecht, die Erträge als Verwertungsgesellschaft angemessen an ihre Beteiligten zu verteilen, und, schlimmer noch, sie behindere zugleich die Verbreitung der Werke der von ihr vertretenen Künstler durch überhöhte Forderungen, vor allem gegenüber Kleinveranstaltern. Darüber hinaus behindere sie auch die Verbreitung der von ihr nicht vertretenen Künstler, indem sie einen Nachweis dafür einfordert. Und die Gema ist arrogant. Das soll sich ändern, deshalb die Petition 'Die Gema wird zunehmend vom Kultur-Schützer zum Kultur-Vernichter.'"

Weitere Artikel: In Times Mager erteilt Ina Hartwig der Freud lesenden Judith Hermann eine kleine Lektion in Sachen "Ubw", yep. Kilian Kirchgeßner informiert über die Deklaration von Theresienstadt zur Provenienzforschung. Auf der Medienseite entschuldigt sich H.L. dafür, dass das Michael-Jackson-Foto, das die FR in ihrer Printausgabe als letztes Foto von MJ auswies, in Wahrheit sechs Jahre alt war.

Besprochen werden eine Nijinsky-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle (Sylvia Staude wünscht sich, man hätte den Zeichnungen Nijinskis Werke von psychisch kranken aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn gegenüber gestellt, aber mehr noch wünscht sie sich, Nijinsky "tanzen sehen zu können"), eine Hommage John Neumeiers Hommage an Nijinsky und die Ballets Russes an der Hamburger Staatsoper und ein Buch über die zweite Geschichte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)-

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Berliner Zeitung, 30.06.2009

Ingeborg Ruthe besucht die ungarische Stadt Pecs/Fünfkirchen, die im nächsten Jahr neben Essen und Istanbul Kulturhauptstadt sein wird und nun mit einer rechten Regierung und Krisenbedingungen fertig werden muss: "Die multikulturelle 160.000-Einwohner-Stadt samt Region hat reiche Kultur zu bieten und außerdem den trotzigen Ehrgeiz, nächstes Jahr mindestens eine Million Gäste anzuziehen. Auch wenn es derzeit nicht einmal 6.000 Hotelbetten gibt, und aus Geldmangel die 17 schönen klassizistischen, aber vom Zahn der Zeit benagten Museen lediglich kosmetisch saniert werden können."

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Der Tagesspiegel, 30.06.2009

Jens Mühling schreibt einen sehr interessanten Hintergrundartikel über die in allen Ecken des Kulturbetriebs zur Zeit tobenden Kämpfe ums Copyright. Dabei geht er auch auf die im Internet zirkulierende Kultur des "Mash Up" ein, ein elektronisches Auseinandnernehmen und Zusammenfügen vorgefundener Werke: "Man kann diese Entwicklung als Indikator für einen Paradigmenwechsel lesen: Seit Musik in digitalisierter Form verbreitet wird, scheint sie zunehmend Konsumenten zu finden, die sich mit dem Konsum nicht begnügen, sondern in den Produktionsprozess eingreifen, indem sie Vorgefundenes fortschreiben. Diese Entwicklung muss die Unterhaltungsindustrie mehr beunruhigen als das eigentliche Raubkopieren, denn sie macht ihre Arbeit überflüssig."

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Die Welt, 30.06.2009

Die Knochen im Paulus-Grab stammen tatsächlich aus dem ersten Jahrhundert, frohlockt Paul Badde nach einer Untersuchung des Sarkophags mittels einer Sonde. Martin Eich stellt den kroatischen Sänger Marko Perkovic vor, der gern mit Nationalismus und Faschismus kokettiert. Bevor die Nutzungsrechte an Hitlers "Mein Kampf" verfallen, will die Bayerische Staatsregierung noch eine historisch-kritische Ausgabe herausbringen, meldet Berthold Seewald. Suhrkamp hat eine Krimireihe gestartet, meldet Hendrik Werner. Dankwart Guratzsch fasst die Ergebnisse der Jahrestagung des Welterbe-Komitees zusammen. Thomas Delekat sagt dem Versandhauskatalog zum Abschied leise Servus.


Besprochen werden ein Konzert zum Tourneeauftakt des Bueno Vista Social Clubs in neuer Formation, John Neumeiers Choreografie über die Ballets Russes und eine Ausstellung der Zeichnungen Nijinskys in der Kunsthalle Hamburg.

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Die Tageszeitung, 30.06.2009

Deprimiert betrachtet Alessandro Topo die Lage im Iran, dem nun die große Normalisierung droht: "Das komplexe System der Islamischen Republik hat begonnen, sich zu sortieren, und versucht auf institutionellem Wege die Legitimitätskrise politischer Macht zu verdauen, die es erschüttert hat. Damit nimmt die Entwicklung im Iran einen Verlauf, die sich letztlich ganz und gar im Rahmen dessen bewegt, was die zutiefst autoritäre Freitagspredigt des Revolutionsführers Ali Chamenei vom 19. Juni vorgegeben hatte. Aus der Krise des Systems, in das womöglich die Mehrzahl der Iraner, auf jeden Fall aber Millionen von Demonstranten jegliches Vertrauen verloren haben, ist eine Krise im System geworden. Das System hat die grüne Krise, die fast schon eine Revolution schien, verschluckt und wird sie mit seinen Magensäften zersetzen. "


Oliver Ramme besucht die traurigen Rest des Nationalen Filminstituts Mosambiks in Maputo: "Gut zwei Dutzend Angestellte sind dem INC geblieben; sie müssen mit ansehen, wie der größte Schatz des Instituts verrottet: tausende von Metern Film, verpackt in 25.000 Filmdosen. Darauf festgehalten sind die ersten Gehversuche einer jungen Nation, die Gründungsjahre eines sozialistischen Staates in Afrika. Eine detaillierte Chronik - ein nahezu einmaliges Filmarchiv in Afrika."

Weiteres: In einer Mail aus Manila erklärt Tilman Baumgärtel die Philippinen als Feudalstaat mit Breitbandinternet. Brigitte Werneburg berichtet von der PhotoEspana in Madrid, wo sie unter anderem erfahren hat, dass die Zukunft der Fotografie "shake and throw" heißt. Anlässlich der Prager Konferenz interviewt Robert Schröpfer den Anwalt Gunnar Schnabel zur NS-Raubkunst und zum schleppenden Gang der Dinge.

Und noch Tom.

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Aus den Blogs, 30.06.2009

Musikproduzent Tim Renner schreibt auf Carta eine Art Nachruf auf die Popkomm: "Die Kölner Popkomm 2003 war ein letztes, trauriges Aufbäumen. Da die Messehallen fast leer waren, ließ Medienpartner Viva und dessen Geschäftsführer Dieter Gorny sein Publikum hinein. Die Teenager suchten nach Boybands und fanden verstörte Labelmitarbeiter. Die Popkomm floh nach Berlin. Hier sollte sie sterben." Und ruft eine neue Veranstaltung aus, "All together now" mehr hier


Nach einem kritischen Artikel zu den deutsch-iranischen Handelsbeziheungen hat das Blog Liza's Welt einen Brief vom Chef der deutsch-iranischen Handelskammer, Daniel Bernbeck, bekommen: "Liebe Liza, ich lade Sie gern mal ein, nach Teheran zu kommen, und sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen, anstelle vom sicheren, demokratischen und hoffentlich kuschelig-warmen Ausland aus polemische Blogs zu schreiben. Oder haben Sie etwa Schiß, in dieses Land zu kommen??"

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2009

Auf einer ganzen Seite werden Briefe und Appelle an iranische Machthaber veröffentlicht, die die FAZ im Internet gefunden hat. So schreibt der heute in den USA lebende Abdolali Bazargan, im Iran einst verfolgt, an Ayatollah Chamenei: "Nun, Herr Chamenei, leider besteht zwischen Ihnen und einem großen Teil des Volkes eine große Meinungsverschiedenheit. Sie wird bei Ihrem Eigensinn und Ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Willen des Volkes zu Bürgerkrieg und Brudermord führen." Der Großayatollah Montazeri dekretiert: "Jeder religiöse Mensch in diesem Land ist verpflichtet, das Volk bei der Erlangung seiner legitimen Rechte zu unterstützen. Daher erkläre ich jede Unterdrückung dieser Proteste für haram, für religiös verboten." Außerdem wendet sich - in Übersetzung eines Blog-Eintrags - eine anonym bleibende ehemalige Klassenkameradin an Boshra Hosseini Chamenei, die Tochter des iranischen Religionsführers, und der legendäre Musiker Mohammad Reza Shadjarian untersagt den Staatssendern, seine Musik zu spielen.


Dass die deutschen Medien Leistungsschutzrechte auf die bei ihnen publizierten Inhalte möchten, ist bekannt. Verleger Hubert Burda fordert nun auf der Medienseite noch weiter gehende Rechte für Medienunternehmen, nämlich "das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. Das Recht auf Neutralität der Plattformen. Und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden." Als Grund nennt der Bunte-Verleger: "Es geht um die Bewahrung eines Kulturguts."

Weitere Artikel: Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, stellt die Thesen der Studie seines Instituts zur demografischen Entwicklung in Deutschland und möglichen Reaktionen der Politik vor. Umstritten ist die Untersuchung vor allem, weil sie nach dem Ende des Wachstums die "Angleichung der Lebensverhältnisse" in ganz Deutschland für kein realistisches Ziel mehr hält. Jürg Altwegg liest in französischen Zeitschriften fast ausschließlich Negatives über das Internet. Kerstin Holm schildert russische Versuche, kanonische und gesäuberte Versionen der eigenen Geschichte zu erstellen. Hubert Spiegel hat im Dresdener Hygiene-Museum den Vortrag eines Bundeswehrarztes über Traumaschäden gehört, der im Rahmen der dortigen Ausstellung über "Krieg und Medizin" stattfand. In der Glosse macht sich Dieter Bartetzko Gedanken zu den nun aufs erste oder zweite nachchristliche Jahrhundert datierten Gebeinen im Grab des Apostels Paulus.

Besprochen werden eine CD, auf der Christoph Eschenbach und Leon Fleisher erstmalig Paul Hindemiths "Klaviermusik mit Orchester" eingespielt haben, und der "Briefwechsel 1946-1962" von Hans und Wolfgang Natonek (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 30.06.2009

Der zur Zeit in der Haydn-Stadt Eisenstadt konzertierende Dirigent Jos van Immerseel, erklärt im Gespräch mit Kristina Maidt-Zinke, warum ihn Sparen so beglückt: "Unser größter Vorteil aber ist, dass wir wissen: Wenn man Haydn mit vier Geigen aufführt statt mit zwölf, wird der Klang sogar besser."


Außerdem: Andrian Kreye verbreitet ein Gerücht, wonach sich noch hundert bereits aufgenommene Songs in Michael Jacksons Nachlass befinden, die nun zu großer Freude unter den Erben führen könnten. Abgedruckt wird ein Vortrag über Kunst in der Krise, den der Architekt Wolf D. Prix zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele hielt. Tobias Kniebe kommentiert Äußerungen Bernd Eichingers zur Konkurrenz der Filmproduktionsstätten in München und Berlin. Michael Stallknecht resümiert eine Tagung an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zur Frage "Wiederkehr der Folter?" Petra Steinberger zeichnet Überlegungen Tony Judts und Benny Morris' (in seinem neuen Buch "One State, two States") zu einem binationalen Staat Israel nach.

Auf der Medienseite berichtet Hans-Jürgen Jakobs über Schwierigkeiten des Bauer-Verlags, seine Yellow-Press-Magazine weiterhin an die treuen Omas zu bringen. Gemeldet wird, dass der Verband deutscher Zeitschriftenverleger VDZ den Manteltarifvertrag kündigt ("Sie wollen billigere Journalisten"). Auf Seite 2 berichtet Alexander Kissler über die für den Papst erfreuliche Nachricht, dass im kirchenoffiziellen Grab des Apostels Paulus befindliche Knochen- und Tuchreste tatsächlich aus frühchristlicher Zeit stammen.

Besprochen werden Andreas Dresens neuer Film "Whisky mit Wodka" auf dem Münchner Filmfest, die Ausstellung "Thomas Zipp - Mens agitat molem" in der Sammlung Goetz in München, John Neumeiers Choreografie "Le Pavillon d"Armide" in memoriam Vaslaw Nijinsky, Ereignnise des Frankfurter Festivals "Metropolitan - Die erzählte Stadt" und des 10. Berliner Poesiefestivals.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

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