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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Das Scheitern der Patrone

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.01.2009. "Horror! Horror!" ruft Abdelwahab Meddeb mit Blick auf den Gazakrieg in der FR - und er spart nicht mit Kritik an beiden Seiten. In der Jungle World fragt Cord Riechelmann nach Parallelen zwischen dem Darwinismus und der Ideologie des Laissez-faire-Kapitalismus. Amerikanische Blogs entwerfen Szenarien für die Zeit nach der Pleite der New York Times. Auch die NZZ diskutiert über die Zukunft des Journalismus. In der SZ schreibt Burkhard Spinnen über den Freitod des Milliardärs Adolf Merckle.

FR, 09.01.2009

"Horror! Horror!" ruft der französisch-tunesische Philosoph Abdelwahab Meddeb in einem aufsehenerregenden Text über den neuen Gazakrieg. Neben Israel, das er einer technizistisch-unangemessenen Kriegsführung beschuldigt, attackiert er rückhaltlos auch die Protagonisten der arabischen Seite. Beides schießt zusammen in diesem Absatz: "Das Grauen des Märtyrertums fand eine traurige Illustration in dem Entschluss des Hamasführers Nizar Rayan, mit seinen vier Frauen und sechs Kindern in seinem Haus zu bleiben, obwohl er wusste, dass sein Wohnsitz mit Hunderten anderen Zielen auf der Liste der Tsahal stand. Trotz der Warnung beschloss er, mit seiner gesamten Familie auszuharren, um gemeinsam mit den Seinen den Status des Märtyrers zu erlangen. Sein Haus ging dann durch eine der fürchterlichen Raketen hoch, die nach einer horizontalen Flugbahn in rechtem Winkel senkrecht auf das Ziel hinabstoßen und sich über dreißig Meter tief in den Boden bohren, bevor sie explodieren und alles am avisierten Ort in die Luft jagen."

Weitere Artikel: Der flämische Dirigent Jos van Immerseel erklärt im Interview mit Stefan Schickhaus, warum er bei Beethoven an der historischen Aufführungspraxis festhält. In Times mager muss Judith von Sternburg feststellen, dass die berühmte Geschichte der Stewardess Vesna Vulovic, die angeblich den Absturz eines Flugzeugs aus zehn Kilometer Höhe überlebte, höchstwahrscheinlich eine Fälschung ist. Besprochen werden einige CDs und Bücher, darunter ein Band mit Erzählungen des wiederzuentdeckenden Autors Joseph Breitbach.

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Jungle World, 09.01.2009

In einem ellenlangen Essay erinnert Cord Riechelmann zum zweihundersten Geburtstag Charles Darwins daran, dass sein großes Werk "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" im zweiten Teil des Titels "oder der Fortbestand der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein" hieß: "Darwin dankt damit dem britischen Empire und legt die Einflüsse der Gesellschaft auf seine Theorie frei. Der Einfluss der Gesellschaft auf die Entstehung der Darwinschen Evo­lutionstheorie ist genauso deutlich und klar wie später der Einfluss dieser Theorie auf die imperialen Gesellschaftstheorien der europäischen Kolonialmächte. Der Kampf ums Dasein im britischen Laissez-faire-Kapitalismus bildet die Analogie zu Darwins Theorie."

Bernhard Schmid beschreibt, wie sich der französische Entertainer Dieudonne vom linken Vorzeige-Künstler zum notorischen Antisemiten gewandelt hat: "Eines der Motive hierfür liegt in einer vermeintlichen 'Opferkonkurrenz', von der in den USA schon länger die Rede ist. So werfen dort bestimmte Strömungen unter den Schwarzen den Juden vor, als historische Opfergruppe eine 'privilegierte Stellung' einzunehmen: Deshalb, weil man zu häufig über die Shoah und die antisemitischen Verfolgungen spreche, schweige man über andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie den Sklavenhandel, wird behauptet. Dieudonne und, ähnlich wie er, auch Kemi Seba haben diese Behauptungen zugespitzt und werfen in einer paranoiden Wendung den Juden vor, diese hätten selbst den Sklavenhandel organisiert."

Stichwörter: Dieudonne, Empire, USA

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Aus den Blogs, 09.01.2009

Via Gawker. In the Atlantic erklärt Michael Hirschorn, warum die New York Times im Mai Bankrott gehen könnte. Dann nämlich werden von der Milliarde Dollar Schulden, die die Times hat, 400 Millionen Dollar fällig. Sie hat aber nur 46 Millionen Dollar cash in Reserve. Ihre Anleihen wurden im Oktober als Junk eingestuft, die Auflage sinkt, und das Anzeigenaufkommen geht immer weiter zurück. Hirschorn hoffte aber immer noch, dass die Zeitung gerettet werden kann - als reine Website, als bessere Huffington Post. Sie würde eigene Reportagen mit fremden mischen. "Wie David Remnick vom New Yorker kürzlich bei einem Medienfrühstück erklärte, waren die Berichte von Bloggern und lokalen Reportern über die Attacke auf Mumbai bemerkenswert. Gleiches galt für New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Ich erinnere mich, dass ich während der Libanonkrise 2006 eifrig in einer ganzen Reihe von Quellen verfolgt habe. Haaretz zum Beispiel war nicht uninteressanter oder weniger zuverlässig als die New York Times. So wie benachbarte Krankenhäuser sich teure Kernspintomografen teilen, werden Journalisten entdecken, dass das Netz es ihnen erlaubt (okay, sie dazu zwingt), Expertise für ein engeres Feld von Themen und Interessen zu entwickeln, während sie gleichzeitig Journalisten in anderen Ländern und Publikationen helfen ein neues Publikum zu finden."

Vanity Fairs Michael Wolff, der die NYT eh nicht mehr für relevant hält, meint dazu in seinem Blog Off the Grid: "Das ist eine moderne pre-Rezessions Theorie vom Wert einer Marke, die ihre Funktion eingebüßt hat. Es tut mir leid: Wenn die Times nicht als Zeitung funktioniert, dann funktioniert sie gar nicht und alles andere ist nur ein Versuch, die Toten aufzuerwecken."

In der Huffington Post glaubt der Fernsehreporter und Buchautor James Moore dagegen, dass die New York Times im Internet überleben könnte, auch wenn sie zur Zeit im Web viel weniger einnimmt als im Print. "Solange es gedruckte Ausgaben von Lokalzeitungen oder der New York Times oder der Los Angeles Times gibt, werden Anzeigenkunden Platz auf den Zeitungsseiten kaufen. Wenn die Zeitungen verschwinden, können sie ihre Anzeigen nur noch auf den Webseiten der Zeitungen buchen. Sicher, manche gehen vielleicht zum Radio oder Fernsehen oder zu einer anderen Internetseite, aber das werden so wenige sein, dass sie die Zeitungen finanziell nicht ruinieren können. Auch die Leser können nirgendwo sonst hingehen, wenn sie Neuigkeiten und Informationen weiterhin aus ihren alten seriösen Quellen beziehen wollen. Die Zahl der Unique Visitors auf den Zeitungswebseiten wird dramatisch ansteigen, wenn die Printversionen verschwinden. Und mit diesem Besucheranstieg können sich auch die Anzeigenpreise erhöhen."

Gestern haben wir aus einem Interview mit Google-Chef Eric Schmidt zitiert, der zugab, keine brillante Idee zu haben, wie man die Zeitungen retten könne. Dan Fromkin von der Washington Post macht Google in Nieman Watchdog gleich sieben Vorschläge. So richtig überzeugend ist leider keiner.

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Twitterfeed der Verlage

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Welt, 09.01.2009

Andrej Kurkow, russischsprachiger Autor aus der Ukraine, schreibt über die seltsame, aber nicht immer gelingende Transsubstantiation des Gases auf dem Weg von Russland über die Ukraine nach Westeuropa: "Erdgas ist in Russland und in der Ukraine, wie wir seit langem wissen, ein sehr wirksamer, gefährlicher, unwägbarer politischer Stoff. Noch dazu ein höchst explosiver. Erst wenn das Gas es geschafft hat, nach Polen 'durchzubrechen' und weiterzuströmen, wird es zu einem Teil des Wirtschaftslebens, verwandelt es sich in eine Ware."

Weitere Artikel: Hanns-Georg Rodek glossiert einen von der amerikanischen Pornoindustrie vorgebrachten, möglicherweise nicht ganz ernst gemeinten Ruf nach staatlicher Unterstützung in harten Zeiten. Sven Felix Kellerhooff stellt eine Plakatkampagne vor, mit der die Stiftung Aufarbeitung an die Ereignisse vor zwanzig Jahren erinnert. Matthias Heine erinnert an Heiner Müller, der ohne Zigarren heute achtzig Jahre alt geworden wäre. Berthold Seewald gratuliert dem Historiker Gottfried Schramm, der es tatsächlich geschafft hat. Michael Pilz macht sich trotz des Abgangs eines Bandmitglieds keine Sorgen um die Gruppe Kraftwerk (deren fortdauernde Existenz uns bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin entfallen war). Peter E. Müller schreibt zum Ende des Varietes "Wintergarten" im ehemaligen Berliner Quartier Latin.

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Tagesspiegel, 09.01.2009

Gestern warf Rafael Seligmann der israelischen Linken, darunter vor allem David Grossman, Amos Oz, Daniel Barenboim und Tom Segev, Weltabgewandheit und Ignoranz vor, weil sie immer wieder für Gaza einen Waffenstillstand und Verhandlungen fordern. "Dabei wissen, vom äußersten rechten Spektrum abgesehen, doch alle israelischen Politiker, dass der Nahostkonflikt nur politisch zu lösen ist. Deshalb verhandelt die israelische Regierung, trotz amerikanischer Einwände, via Türkei mit Syrien über ein Friedensabkommen, deshalb ist sie zur Aufgabe der Golanhöhen bereit. Selbst der national-liberale Likud strebt mit Damaskus ein Ende der Feindschaft an. Die israelische Linke verdrängt, dass es bislang allein dem Likud-Politiker Menachem Begin gelang, ein tragfähiges Friedensabkommen mit Ägypten zu schließen - im Gegenzug wurde die Sinai-Halbinsel geräumt."

Heute antwortet ihm Moshe Zimmermann: Hätten die Israelis nicht zum Scheitern des Oslo-Friedensprozesses seit 1995 beigetragen, hätten sich die Palästinenser nicht so radikalisiert, dass sie die Hamas gewählt hätten. "Die Linksintellektuellen werden zur Geisel der israelischen Vergeltungspolitik: Sie sorgen sich wie alle anderen, werden aber als Verräter oder zumindest als weltfremd gebrandmarkt, wenn sie auf den irrtümlichen Weg in die Misere hinweisen. Sie sind die Geiseln der Wirklichkeit, vor der sie gewarnt haben, Geiseln der von anderen geschaffenen, vollendeten Tatsachen - und ausgerechnet sie werden als wirklichkeitsfremd beschuldigt. Sich aus diesem Dilemma zu lösen, ist äußerst schwierig."

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NZZ, 09.01.2009

Auf der Medienseite räumt der Medienforscher Jay Rosen ein, dass das Internet für einige Verlage durchaus das Ende bedeuten wird, nicht aber für den Qualitätsjournalismus. Dessen Zukunft sieht er im Moment vor allem in der Provinz: "Diese Zeitungen haben eine Vorreiterrolle inne, weil sie von Familien geführt werden, die progressiv denken - zum Beispiel die Lawrence Journal-World und der 'Bakersfield Californian'. Es gibt also Lösungen. Jenseits der Verlage gibt es das 'Talking Points Memo' des Bloggers und politischen Journalisten Joshua Micah Marshall. Er hat gemeinsam mit seinen loyalen Lesern ein kleines Medienimperium geschaffen, das mittlerweile vier Ableger umfasst, die alle zusammenarbeiten. Die erzeugen mehr Traffic als die Los Angeles Times und sind genauso einflussreich wie eine große Tageszeitung - und das alles ist im Web entstanden. Oder nehmen Sie andere erfolgreiche Blogs wie 'paidcontent.org', eine nachrichtenlastige Website, die es drauf hat, qualitativ hochwertige Nachrichten im Internet zu verbreiten. Es gibt noch etliche andere Erfolgsgeschichten."

Im Feuilleton erzählt Ho Nam Seelmann, wie die Koreaner für sich das Weintrinken entdecken: "Da es kein in langer Tradition herausgebildetes Reservoir von Wissen und Erfahrung zum Thema gute und schlechte Weine gibt, konnten viele Händler aus Deutschland oder Frankreich Billigwein importieren und ihn zu horrendem Preis verkaufen, ohne dass die Koreaner es bemerkten. Wein galt schlechthin als Luxusgut, selbst wenn es ein 'Himmlisches Moseltröpfchen' war.

Weitere Artikel: Andrea Köhler berichtet von der - wie sich nun herausstellte - erfundenen Liebesgeschichte "Engel am Zaun" des Herman Rosenblat, der angeblich während seiner Internierung im Konzentraionslager Buchenwald von einem Mädchen monatelang versorgt wurde und dieses dann Jahrzehnte später im New Yorker Central Park wiedertraf. Olaf Karnick beobachtet nur ein wenig befremdet die Renaissance der italienischen Giallo-Filme, die auch durch die Wiederentdeckung von Ennio Moricones Soundtracks befeuert wird.

Besprochen werden eine Ausstellung des Architekten und Designers Ron Arad im Centre Pompidou in Paris und Jon Avnets Film-noir-Versuch "Righteous Kill".

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TAZ, 09.01.2009

Auf der Meinungsseite unternimmt Micha Brumlik ein "Gedankenexperiment": Was, wenn Hamastan und Israel sich einfach gegenseitig duldeten und Handel trieben, ohne sich förmlich anzuerkennen - wie einst die BRD und die DDR? Er bezweifelt allerdings, dass dies möglich wäre: Die DDR habe immerhin "spätestens mit dem Grundlagenvertrag die Fiktion einer neu gegründeten, sozialistischen deutschen Nation aufgegeben. Das politische Konstrukt der einen Nation, das nach Bürgerkrieg und im Kalten Krieg ein friedliches Auskommen bei weltanschaulicher Feindschaft ermöglicht hat, entfällt jedoch im Konflikt Israel/Hamas. Schon alleine der Gedanke, Israel und Hamastan könnten sich gegenseitig zusichern, füreinander kein Ausland zu sein, führte zu folgendem absurden Ergebnis: Sowohl fundamentalistische jüdische Siedler als auch radikale Islamisten wären legitimiert, ihre theokratischen Ansprüche mitsamt dem jeweiligen Ausschluss von Muslimen beziehungsweise Juden zu erheben."

Auf den Kulturseiten wird ausführlich der Abschluss der Werkausgabe von Heiner Müller vorgestellt. Besprochen werden außerdem der Bild-/Textband "Mjunik Disco. München bei Nacht von 1949 bis heute" und die Wiederveröffentlichung des legendären Studioalbums "An Electric Storm" von White Noise aus dem Jahre 1969.

Und hier Tom.

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FAZ, 09.01.2009

Der Filmemacher Chris Petit denkt auf einer ganzen Seite über den Tod im Kino nach, den Tod des Kinos und das, was vielleicht oder vielleicht auch nicht danach kommt. Er beginnt mit der Frage nach dem Ende des Kinos, wie er es kannte: "War es, als Robert Mitchum und James Stewart am selben Tag starben? Oder jener Tag im Jahr 1968, als ein Unbekannter an die Wände der Sorbonne schrieb: Godard, der größte Schwachkopf unter den Schweizer Maoisten? Oder war es der Tag, als ich dachte, dass Antonionis gesamte Karriere darauf beruhte, Frauen zu überreden, in irgendwelche Zimmer mitzugehen und sich auszuziehen? Oder war es der Tag, an dem Quentin Tarantino seinen ersten Film drehte?"

Weitere Artikel: Von den verheerenden Wirkungen der heftigen Abneigung Nicolas Sarkozys gegen eine liberale Psychiatrie erstattet Jürg Altwegg Bericht. Julia Voss freut sich, dass "ein Eichelhäher, zwei Mandelkrähen, zwei Kakadus und ein Papageienpärchen" aus Porzellan aus den Händen eines Privatsammlers in die der Dresdener Museumsöffentlichkeit übergehen. In der "kulturindustriellen Zone" Pekings wird, wie Mark Siemons feststellt, mit Hilfe der Ausstellung "Christian Dior & Chinese Artists" gerade eine Win-Win-Situation produziert. Jonathan Fischer unterhält sich mit dem HipHop-Produzenten Aliaune Akon Thiam, der jetzt Michael Jacksons Karriere wieder in Schwung bringen soll.

Gina Thomas informiert in der Glosse über britische Diskussionen, ob der Leichnam Harold Pinters womöglich in der Westminster Abtei etwas zu suchen hat. Stafana Sabin porträtiert die an der Yale Universität lehrende Lyrikerin Elizabeth Alexander, die zur Amtseinführung von Barack Obama ein zum Anlass passendes, von ihr geschriebenes Gedicht vortragen darf. Andreas Rossmann schreibt einen Nachruf auf den Theaterkritiker, -Intendanten, -Chronisten Kurt Dörnemann. In den Blogs fragt sich Andreas Platthaus, wie wahrscheinlich, aber auch, wie wichtig es ist, dass Tim (Tintin) von "Tim & Struppi" schwul ist.

Besprochen werden die Ausstellung "Gainsbourg 2008" im Pariser Musee de la Musique, die Ausstellung "Die Wikinger" im Historischen Museum Speyer, die Ausstellung "Zeit der Helden" übers ganz frühe Griechenland im Badischen Landes-Museum Karlsruhe, Olivier Megatons Actioner-Sequel "Transporter 3", und Bücher, darunter die Gesprächsbände in der Heiner-Müller-Werkausgabe (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Abgedruckt wird außerdem ein Gedicht von Marion Poschmann, in dem nicht alles so düster klingt wie die Zeile "noch war alles kahl. Schall: kahl. Rauch: kahl. das neue Jahr".

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SZ, 09.01.2009

Der palästinensische Schriftsteller Samir El-Youseff schreibt einem israelischen Freund: "Es ist doch offensichtlich: Was in Gaza geschieht ist ungefähr so hässlich, wie einen Behinderten zu schlagen. Nun, diese behinderte Person könnte ein angriffslustiger Nachbar aus der Hölle sein, ihn zu verprügeln, wäre trotzdem abscheulich. So verhält es sich mit den Angriffen auf Gaza, eben weil es Gaza ist: Das Leben im dortigen Alltag ist seit Jahrzehnten bereits Strafe genug, auch ohne Massenbombardements."

Der Schriftsteller Burkhard Spinnen denkt sich aus dem Fall des suizidalen Unternehmers Merckle seinen tragischen Helden der ökonomischen Gegenwart zurecht und fragt: "Sind es solche wie mein Held, die unsere zeitgenössische Wirtschaft belasten, Relikte aus der Zeit der Patrone und Autokraten? Brauchen wir mehr Transparenz und Außenleitung? Oder ist im Gegenteil gerade das Scheitern der Patrone ein Indiz dafür, dass uns ihre Nachfolger aus den Managerseminaren vom Regen in die Traufe jagen? Wen darf, wen soll, wen kann ich mir heute an der Spitze unserer Wirtschaft wünschen?"

Weitere Artikel: Lothar Müller hat einen Vortrag des Romanisten Jürgen Trabant über die Mehrsprachigkeit der Wissenschaft gehört, die verloren zu gehen droht - ein Verlust, dem Trabant mit dem Aufruf "Publiziert, wenn es sein muss, auf Englisch. Aber schreibt nach wie vor auch in Eurer Volkssprache" zu begegnen versuchte. Petra Steinberger glaubt, dass im Gaza-Krieg zwei Klaustrophobiker einander gegenüberstehen. Stefan Koldehoff vermeldet die Übergabe des jüngsten Familienbilds von Gerhard Richter - es zeigt seine Tochter Ella Maria - an die Öffentlichkeit. Christian Wernicke war auf eine Tagung, auf der eine amerikanische Ärztin beschrieb, wie schwierig es oft ist, afrikanische Immigrantinnen von der genitalen Beschneidung ihrer Töchter abzubringen. Ärger hat, wie Roman Deininger berichtet, die US-Supermarktkette Wal-Mart, die an einer Bürgerkriegs-Gedenkstätte ein Einkaufszentrum errichten will. Oliver Herwig schildert, wie Deutschland in Sachen "nachhaltiges Bauen" aufzuholen versucht. Jens Bisky fragt sich anlässlich des 80. Geburtstags von Heiner Müller, was vom Dichter geblieben ist und bleiben wird: Fragmente, glaubt er.

Besprochen werden Gabriele Muccinos Film "Sieben Leben", und Bücher, darunter ein Band mit den Zeichnungen des fünfzehnjähringen Thomas Greve aus dem KZ Buchenwald und Jens Wonnebergers Roman "Gegenüber brennt noch Licht" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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