Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Das Scheitern der Patrone

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.01.2009. "Horror! Horror!" ruft Abdelwahab Meddeb mit Blick auf den Gazakrieg in der FR - und er spart nicht mit Kritik an beiden Seiten. In der Jungle World fragt Cord Riechelmann nach Parallelen zwischen dem Darwinismus und der Ideologie des Laissez-faire-Kapitalismus. Amerikanische Blogs entwerfen Szenarien für die Zeit nach der Pleite der New York Times. Auch die NZZ diskutiert über die Zukunft des Journalismus. In der SZ schreibt Burkhard Spinnen über den Freitod des Milliardärs Adolf Merckle.

Frankfurter Rundschau, 09.01.2009

"Horror! Horror!" ruft der französisch-tunesische Philosoph Abdelwahab Meddeb in einem aufsehenerregenden Text über den neuen Gazakrieg. Neben Israel, das er einer technizistisch-unangemessenen Kriegsführung beschuldigt, attackiert er rückhaltlos auch die Protagonisten der arabischen Seite. Beides schießt zusammen in diesem Absatz: "Das Grauen des Märtyrertums fand eine traurige Illustration in dem Entschluss des Hamasführers Nizar Rayan, mit seinen vier Frauen und sechs Kindern in seinem Haus zu bleiben, obwohl er wusste, dass sein Wohnsitz mit Hunderten anderen Zielen auf der Liste der Tsahal stand. Trotz der Warnung beschloss er, mit seiner gesamten Familie auszuharren, um gemeinsam mit den Seinen den Status des Märtyrers zu erlangen. Sein Haus ging dann durch eine der fürchterlichen Raketen hoch, die nach einer horizontalen Flugbahn in rechtem Winkel senkrecht auf das Ziel hinabstoßen und sich über dreißig Meter tief in den Boden bohren, bevor sie explodieren und alles am avisierten Ort in die Luft jagen."


Weitere Artikel: Der flämische Dirigent Jos van Immerseel erklärt im Interview mit Stefan Schickhaus, warum er bei Beethoven an der historischen Aufführungspraxis festhält. In Times mager muss Judith von Sternburg feststellen, dass die berühmte Geschichte der Stewardess Vesna Vulovic, die angeblich den Absturz eines Flugzeugs aus zehn Kilometer Höhe überlebte, höchstwahrscheinlich eine Fälschung ist. Besprochen werden einige CDs und Bücher, darunter ein Band mit Erzählungen des wiederzuentdeckenden Autors Joseph Breitbach.

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Jungle World, 09.01.2009

In einem ellenlangen Essay erinnert Cord Riechelmann zum zweihundersten Geburtstag Charles Darwins daran, dass sein großes Werk "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" im zweiten Teil des Titels "oder der Fortbestand der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein" hieß: "Darwin dankt damit dem britischen Empire und legt die Einflüsse der Gesellschaft auf seine Theorie frei. Der Einfluss der Gesellschaft auf die Entstehung der Darwinschen Evo­lutionstheorie ist genauso deutlich und klar wie später der Einfluss dieser Theorie auf die imperialen Gesellschaftstheorien der europäischen Kolonialmächte. Der Kampf ums Dasein im britischen Laissez-faire-Kapitalismus bildet die Analogie zu Darwins Theorie."


Bernhard Schmid beschreibt, wie sich der französische Entertainer Dieudonne vom linken Vorzeige-Künstler zum notorischen Antisemiten gewandelt hat: "Eines der Motive hierfür liegt in einer vermeintlichen 'Opferkonkurrenz', von der in den USA schon länger die Rede ist. So werfen dort bestimmte Strömungen unter den Schwarzen den Juden vor, als historische Opfergruppe eine 'privilegierte Stellung' einzunehmen: Deshalb, weil man zu häufig über die Shoah und die antisemitischen Verfolgungen spreche, schweige man über andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie den Sklavenhandel, wird behauptet. Dieudonne und, ähnlich wie er, auch Kemi Seba haben diese Behauptungen zugespitzt und werfen in einer paranoiden Wendung den Juden vor, diese hätten selbst den Sklavenhandel organisiert."

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Aus den Blogs, 09.01.2009

Via Gawker. In the Atlantic erklärt Michael Hirschorn, warum die New York Times im Mai Bankrott gehen könnte. Dann nämlich werden von der Milliarde Dollar Schulden, die die Times hat, 400 Millionen Dollar fällig. Sie hat aber nur 46 Millionen Dollar cash in Reserve. Ihre Anleihen wurden im Oktober als Junk eingestuft, die Auflage sinkt, und das Anzeigenaufkommen geht immer weiter zurück. Hirschorn hoffte aber immer noch, dass die Zeitung gerettet werden kann - als reine Website, als bessere Huffington Post. Sie würde eigene Reportagen mit fremden mischen. "Wie David Remnick vom New Yorker kürzlich bei einem Medienfrühstück erklärte, waren die Berichte von Bloggern und lokalen Reportern über die Attacke auf Mumbai bemerkenswert. Gleiches galt für New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Ich erinnere mich, dass ich während der Libanonkrise 2006 eifrig in einer ganzen Reihe von Quellen verfolgt habe. Haaretz zum Beispiel war nicht uninteressanter oder weniger zuverlässig als die New York Times. So wie benachbarte Krankenhäuser sich teure Kernspintomografen teilen, werden Journalisten entdecken, dass das Netz es ihnen erlaubt (okay, sie dazu zwingt), Expertise für ein engeres Feld von Themen und Interessen zu entwickeln, während sie gleichzeitig Journalisten in anderen Ländern und Publikationen helfen ein neues Publikum zu finden."


Vanity Fairs Michael Wolff, der die NYT eh nicht mehr für relevant hält, meint dazu in seinem Blog Off the Grid: "Das ist eine moderne pre-Rezessions Theorie vom Wert einer Marke, die ihre Funktion eingebüßt hat. Es tut mir leid: Wenn die Times nicht als Zeitung funktioniert, dann funktioniert sie gar nicht und alles andere ist nur ein Versuch, die Toten aufzuerwecken."

In der Huffington Post glaubt der Fernsehreporter und Buchautor James Moore dagegen, dass die New York Times im Internet überleben könnte, auch wenn sie zur Zeit im Web viel weniger einnimmt als im Print. "Solange es gedruckte Ausgaben von Lokalzeitungen oder der New York Times oder der Los Angeles Times gibt, werden Anzeigenkunden Platz auf den Zeitungsseiten kaufen. Wenn die Zeitungen verschwinden, können sie ihre Anzeigen nur noch auf den Webseiten der Zeitungen buchen. Sicher, manche gehen vielleicht zum Radio oder Fernsehen oder zu einer anderen Internetseite, aber das werden so wenige sein, dass sie die Zeitungen finanziell nicht ruinieren können. Auch die Leser können nirgendwo sonst hingehen, wenn sie Neuigkeiten und Informationen weiterhin aus ihren alten seriösen Quellen beziehen wollen. Die Zahl der Unique Visitors auf den Zeitungswebseiten wird dramatisch ansteigen, wenn die Printversionen verschwinden. Und mit diesem Besucheranstieg können sich auch die Anzeigenpreise erhöhen."

Gestern haben wir aus einem Interview mit Google-Chef Eric Schmidt zitiert, der zugab, keine brillante Idee zu haben, wie man die Zeitungen retten könne. Dan Fromkin von der Washington Post macht Google in Nieman Watchdog gleich sieben Vorschläge. So richtig überzeugend ist leider keiner.

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Die Welt, 09.01.2009

Andrej Kurkow, russischsprachiger Autor aus der Ukraine, schreibt über die seltsame, aber nicht immer gelingende Transsubstantiation des Gases auf dem Weg von Russland über die Ukraine nach Westeuropa: "Erdgas ist in Russland und in der Ukraine, wie wir seit langem wissen, ein sehr wirksamer, gefährlicher, unwägbarer politischer Stoff. Noch dazu ein höchst explosiver. Erst wenn das Gas es geschafft hat, nach Polen 'durchzubrechen' und weiterzuströmen, wird es zu einem Teil des Wirtschaftslebens, verwandelt es sich in eine Ware."


Weitere Artikel: Hanns-Georg Rodek glossiert einen von der amerikanischen Pornoindustrie vorgebrachten, möglicherweise nicht ganz ernst gemeinten Ruf nach staatlicher Unterstützung in harten Zeiten. Sven Felix Kellerhooff stellt eine Plakatkampagne vor, mit der die Stiftung Aufarbeitung an die Ereignisse vor zwanzig Jahren erinnert. Matthias Heine erinnert an Heiner Müller, der ohne Zigarren heute achtzig Jahre alt geworden wäre. Berthold Seewald gratuliert dem Historiker Gottfried Schramm, der es tatsächlich geschafft hat. Michael Pilz macht sich trotz des Abgangs eines Bandmitglieds keine Sorgen um die Gruppe Kraftwerk (deren fortdauernde Existenz uns bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin entfallen war). Peter E. Müller schreibt zum Ende des Varietes "Wintergarten" im ehemaligen Berliner Quartier Latin.

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Der Tagesspiegel, 09.01.2009

Gestern warf Rafael Seligmann der israelischen Linken, darunter vor allem David Grossman, Amos Oz, Daniel Barenboim und Tom Segev, Weltabgewandheit und Ignoranz vor, weil sie immer wieder für Gaza einen Waffenstillstand und Verhandlungen fordern. "Dabei wissen, vom äußersten rechten Spektrum abgesehen, doch alle israelischen Politiker, dass der Nahostkonflikt nur politisch zu lösen ist. Deshalb verhandelt die israelische Regierung, trotz amerikanischer Einwände, via Türkei mit Syrien über ein Friedensabkommen, deshalb ist sie zur Aufgabe der Golanhöhen bereit. Selbst der national-liberale Likud strebt mit Damaskus ein Ende der Feindschaft an. Die israelische Linke verdrängt, dass es bislang allein dem Likud-Politiker Menachem Begin gelang, ein tragfähiges Friedensabkommen mit Ägypten zu schließen - im Gegenzug wurde die Sinai-Halbinsel geräumt."


Heute antwortet ihm Moshe Zimmermann: Hätten die Israelis nicht zum Scheitern des Oslo-Friedensprozesses seit 1995 beigetragen, hätten sich die Palästinenser nicht so radikalisiert, dass sie die Hamas gewählt hätten. "Die Linksintellektuellen werden zur Geisel der israelischen Vergeltungspolitik: Sie sorgen sich wie alle anderen, werden aber als Verräter oder zumindest als weltfremd gebrandmarkt, wenn sie auf den irrtümlichen Weg in die Misere hinweisen. Sie sind die Geiseln der Wirklichkeit, vor der sie gewarnt haben, Geiseln der von anderen geschaffenen, vollendeten Tatsachen - und ausgerechnet sie werden als wirklichkeitsfremd beschuldigt. Sich aus diesem Dilemma zu lösen, ist äußerst schwierig."

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Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2009

Auf der Medienseite räumt der Medienforscher Jay Rosen ein, dass das Internet für einige Verlage durchaus das Ende bedeuten wird, nicht aber für den Qualitätsjournalismus. Dessen Zukunft sieht er im Moment vor allem in der Provinz: "Diese Zeitungen haben eine Vorreiterrolle inne, weil sie von Familien geführt werden, die progressiv denken - zum Beispiel die Lawrence Journal-World und der 'Bakersfield Californian'. Es gibt also Lösungen. Jenseits der Verlage gibt es das 'Talking Points Memo' des Bloggers und politischen Journalisten Joshua Micah Marshall. Er hat gemeinsam mit seinen loyalen Lesern ein kleines Medienimperium geschaffen, das mittlerweile vier Ableger umfasst, die alle zusammenarbeiten. Die erzeugen mehr Traffic als die Los Angeles Times und sind genauso einflussreich wie eine große Tageszeitung - und das alles ist im Web entstanden. Oder nehmen Sie andere erfolgreiche Blogs wie 'paidcontent.org', eine nachrichtenlastige Website, die es drauf hat, qualitativ hochwertige Nachrichten im Internet zu verbreiten. Es gibt noch etliche andere Erfolgsgeschichten."


Im Feuilleton erzählt Ho Nam Seelmann, wie die Koreaner für sich das Weintrinken entdecken: "Da es kein in langer Tradition herausgebildetes Reservoir von Wissen und Erfahrung zum Thema gute und schlechte Weine gibt, konnten viele Händler aus Deutschland oder Frankreich Billigwein importieren und ihn zu horrendem Preis verkaufen, ohne dass die Koreaner es bemerkten. Wein galt schlechthin als Luxusgut, selbst wenn es ein 'Himmlisches Moseltröpfchen' war.

Weitere Artikel: Andrea Köhler berichtet von der - wie sich nun herausstellte - erfundenen Liebesgeschichte "Engel am Zaun" des Herman Rosenblat, der angeblich während seiner Internierung im Konzentraionslager Buchenwald von einem Mädchen monatelang versorgt wurde und dieses dann Jahrzehnte später im New Yorker Central Park wiedertraf. Olaf Karnick beobachtet nur ein wenig befremdet die Renaissance der italienischen Giallo-Filme, die auch durch die Wiederentdeckung von Ennio Moricones Soundtracks befeuert wird.

Besprochen werden eine Ausstellung des Architekten und Designers Ron Arad im Centre Pompidou in Paris und Jon Avnets Film-noir-Versuch "Righteous Kill".

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Die Tageszeitung, 09.01.2009

Auf der Meinungsseite unternimmt Micha Brumlik ein "Gedankenexperiment": Was, wenn Hamastan und Israel sich einfach gegenseitig duldeten und Handel trieben, ohne sich förmlich anzuerkennen - wie einst die BRD und die DDR? Er bezweifelt allerdings, dass dies möglich wäre: Die DDR habe immerhin "spätestens mit dem Grundlagenvertrag die Fiktion einer neu gegründeten, sozialistischen deutschen Nation aufgegeben. Das politische Konstrukt der einen Nation, das nach Bürgerkrieg und im Kalten Krieg ein friedliches Auskommen bei weltanschaulicher Feindschaft ermöglicht hat, entfällt jedoch im Konflikt Israel/Hamas. Schon alleine der Gedanke, Israel und Hamastan könnten sich gegenseitig zusichern, füreinander kein Ausland zu sein, führte zu folgendem absurden Ergebnis: Sowohl fundamentalistische jüdische Siedler als auch radikale Islamisten wären legitimiert, ihre theokratischen Ansprüche mitsamt dem jeweiligen Ausschluss von Muslimen beziehungsweise Juden zu erheben."


Auf den Kulturseiten wird ausführlich der Abschluss der Werkausgabe von Heiner Müller vorgestellt. Besprochen werden außerdem der Bild-/Textband "Mjunik Disco. München bei Nacht von 1949 bis heute" und die Wiederveröffentlichung des legendären Studioalbums "An Electric Storm" von White Noise aus dem Jahre 1969.

Und hier Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2009

Der Filmemacher Chris Petit denkt auf einer ganzen Seite über den Tod im Kino nach, den Tod des Kinos und das, was vielleicht oder vielleicht auch nicht danach kommt. Er beginnt mit der Frage nach dem Ende des Kinos, wie er es kannte: "War es, als Robert Mitchum und James Stewart am selben Tag starben? Oder jener Tag im Jahr 1968, als ein Unbekannter an die Wände der Sorbonne schrieb: Godard, der größte Schwachkopf unter den Schweizer Maoisten? Oder war es der Tag, als ich dachte, dass Antonionis gesamte Karriere darauf beruhte, Frauen zu überreden, in irgendwelche Zimmer mitzugehen und sich auszuziehen? Oder war es der Tag, an dem Quentin Tarantino seinen ersten Film drehte?"


Weitere Artikel: Von den verheerenden Wirkungen der heftigen Abneigung Nicolas Sarkozys gegen eine liberale Psychiatrie erstattet Jürg Altwegg Bericht. Julia Voss freut sich, dass "ein Eichelhäher, zwei Mandelkrähen, zwei Kakadus und ein Papageienpärchen" aus Porzellan aus den Händen eines Privatsammlers in die der Dresdener Museumsöffentlichkeit übergehen. In der "kulturindustriellen Zone" Pekings wird, wie Mark Siemons feststellt, mit Hilfe der Ausstellung "Christian Dior & Chinese Artists" gerade eine Win-Win-Situation produziert. Jonathan Fischer unterhält sich mit dem HipHop-Produzenten Aliaune Akon Thiam, der jetzt Michael Jacksons Karriere wieder in Schwung bringen soll.

Gina Thomas informiert in der Glosse über britische Diskussionen, ob der Leichnam Harold Pinters womöglich in der Westminster Abtei etwas zu suchen hat. Stafana Sabin porträtiert die an der Yale Universität lehrende Lyrikerin Elizabeth Alexander, die zur Amtseinführung von Barack Obama ein zum Anlass passendes, von ihr geschriebenes Gedicht vortragen darf. Andreas Rossmann schreibt einen Nachruf auf den Theaterkritiker, -Intendanten, -Chronisten Kurt Dörnemann. In den Blogs fragt sich Andreas Platthaus, wie wahrscheinlich, aber auch, wie wichtig es ist, dass Tim (Tintin) von "Tim & Struppi" schwul ist.

Besprochen werden die Ausstellung "Gainsbourg 2008" im Pariser Musee de la Musique, die Ausstellung "Die Wikinger" im Historischen Museum Speyer, die Ausstellung "Zeit der Helden" übers ganz frühe Griechenland im Badischen Landes-Museum Karlsruhe, Olivier Megatons Actioner-Sequel "Transporter 3", und Bücher, darunter die Gesprächsbände in der Heiner-Müller-Werkausgabe (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Abgedruckt wird außerdem ein Gedicht von Marion Poschmann, in dem nicht alles so düster klingt wie die Zeile "noch war alles kahl. Schall: kahl. Rauch: kahl. das neue Jahr".

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Süddeutsche Zeitung, 09.01.2009

Der palästinensische Schriftsteller Samir El-Youseff schreibt einem israelischen Freund: "Es ist doch offensichtlich: Was in Gaza geschieht ist ungefähr so hässlich, wie einen Behinderten zu schlagen. Nun, diese behinderte Person könnte ein angriffslustiger Nachbar aus der Hölle sein, ihn zu verprügeln, wäre trotzdem abscheulich. So verhält es sich mit den Angriffen auf Gaza, eben weil es Gaza ist: Das Leben im dortigen Alltag ist seit Jahrzehnten bereits Strafe genug, auch ohne Massenbombardements."


Der Schriftsteller Burkhard Spinnen denkt sich aus dem Fall des suizidalen Unternehmers Merckle seinen tragischen Helden der ökonomischen Gegenwart zurecht und fragt: "Sind es solche wie mein Held, die unsere zeitgenössische Wirtschaft belasten, Relikte aus der Zeit der Patrone und Autokraten? Brauchen wir mehr Transparenz und Außenleitung? Oder ist im Gegenteil gerade das Scheitern der Patrone ein Indiz dafür, dass uns ihre Nachfolger aus den Managerseminaren vom Regen in die Traufe jagen? Wen darf, wen soll, wen kann ich mir heute an der Spitze unserer Wirtschaft wünschen?"

Weitere Artikel: Lothar Müller hat einen Vortrag des Romanisten Jürgen Trabant über die Mehrsprachigkeit der Wissenschaft gehört, die verloren zu gehen droht - ein Verlust, dem Trabant mit dem Aufruf "Publiziert, wenn es sein muss, auf Englisch. Aber schreibt nach wie vor auch in Eurer Volkssprache" zu begegnen versuchte. Petra Steinberger glaubt, dass im Gaza-Krieg zwei Klaustrophobiker einander gegenüberstehen. Stefan Koldehoff vermeldet die Übergabe des jüngsten Familienbilds von Gerhard Richter - es zeigt seine Tochter Ella Maria - an die Öffentlichkeit. Christian Wernicke war auf eine Tagung, auf der eine amerikanische Ärztin beschrieb, wie schwierig es oft ist, afrikanische Immigrantinnen von der genitalen Beschneidung ihrer Töchter abzubringen. Ärger hat, wie Roman Deininger berichtet, die US-Supermarktkette Wal-Mart, die an einer Bürgerkriegs-Gedenkstätte ein Einkaufszentrum errichten will. Oliver Herwig schildert, wie Deutschland in Sachen "nachhaltiges Bauen" aufzuholen versucht. Jens Bisky fragt sich anlässlich des 80. Geburtstags von Heiner Müller, was vom Dichter geblieben ist und bleiben wird: Fragmente, glaubt er.

Besprochen werden Gabriele Muccinos Film "Sieben Leben", und Bücher, darunter ein Band mit den Zeichnungen des fünfzehnjähringen Thomas Greve aus dem KZ Buchenwald und Jens Wonnebergers Roman "Gegenüber brennt noch Licht" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe

02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen

Wo es ernst wird, reicht das Netz nicht aus

30.04.2013. Die FAZ schreitet über die Stege des Mucem ins mediterrane Glitzerlicht der Kulturhauptstadt Marseille. Jürgen Habermas hat in Belgien über Europa gesprochen - und die Deutschen zu Opfern aufgefordert. Die NZZ erkundet die Möglichkeiten des Netzes als Medium des Protestes. Brigitte eröffnet die Berichterstattung über den NSU-Prozess. Und in der Welt hält Matthias Küntzel fest: Richard Wagner war ein Klassiker - und zwar des deutschen Antisemitismus. Mehr lesen

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