Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.07.2023. Die FAZ ist hin und weg von Børre Sæthres liegendem Einhorn im Astrup Fearnley Museum in Oslo. Die FR lernt aus einer neuen Biografie, wie weit die DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann ihrer Zeit voraus war. Die taz lässt sich nicht täuschen: Greta Gerwigs "Barbie" ist alles andere als feministisch. Die Feuilletons schicken Mick Jagger zum Achtzigsten süße und vergiftete Geburtstagsgüße.
25.07.2023. Die SZ jubelt über Lael Naeles Album "Star Eaters Delight", das sie in fremde wunderbare Klangräume versetzt. Die NZZ staunt über Edmund Morris' authentische Porträts indigener Ureinwohner Kanadas und bewundert den intelligenten Umbau eines Basler Weinlagers durch Esch Sintzel Architekten. Der Tagesspiegel stellt erfreut fest, dass das Kino-Publikum Lust auf Neues hat.
24.07.2023. Die Welt sitzt aufgewühlt im Amphitheater von Epidauros, wo Frank Castorf die "Medea" inszeniert hat, und erwartet jederzeit, dass der Blitz das barbarische Europa trifft. Beim Filmemachen wird KI der Tod jeder Inspiration sein, warnt die SZ. Die NZZ bewundert Traummaschinen im Museum Tinguely. Die Berliner Zeitung stellt die israelische Sängerin AŸA und ihren Arabnb vor.
22.07.2023. Die Musikkritiker trauern um einen der ganz Großen, den Sänger Tony Bennett, der sein Publikum mit Charme, Elan und einer begnadeten Stimme in lautstarke Verzückung singen konnte. Das Kino ist so langweilig geworden, stöhnt in der Welt Filmemacher Dario Argento. Die FAS fürchtet mit der Eröffnungsausstellung von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, dem neuen Leiter des Hauses der Kulturen der Welt, eine neue Enteignung der Kulturen. Die NZZ taucht in die florierende Kunstszene Japans ein.
21.07.2023. Der Standard begibt sich bei den Bregenzer Festspielen mit Lotte de Beers Inszenierung von Verdis "Ernani" auf einen actionreichen Slalomkurs in einer Geisterbahn. Immer das gleiche Repertoire bei Opernfestspielen, gähnt indes die SZ. Die NZZ blickt mit Cindy Sherman in die Gesichtslandschaften von Elefantenfrauen. In der SZ erzählt der scheidende Beck-Lektor Martin Hielscher von seinem Kampf für anspruchsvolle Literatur. Und die Musikkritiker erfahren im neuen Album von Blur, wie es klingt, wenn Vöglein beim Anziehen helfen.
20.07.2023. Mit Christopher Nolans "Oppenheimer" wird heute das zweite große Film-Highlight der Saison besprochen - und wer nicht denkfaul ist, wird viel Spaß an einem Film haben, vor dem selbst David Lynch niederknien darf, versichert die FAZ. Die SZ hetzt indes hinterher und stöhnt: "Totalausfall". Im Tagesspiegel erklärt Werner Busche, weshalb Caspar David Friedrich auch heute noch fasziniert: Es liegt am "romantischen Kalkül". Das Stadtparlament Kiew will keine ukrainische Literatur mehr auf russisch, berichtet der Standard. Und in der NZZ will Martin Mosebach nicht an deutscher Hysterie teilnehmen.
19.07.2023. Allgemeine Zufriedenheit über den Büchner-Preis für Lutz Seiler: Kein "Bilderbuch-Gewinnertyp", meint die FR, aber ein Dichter, der auf "fast archaische Weise" Kopfkino erzeugt, ergänzt die Welt. Uneins sind sich die Filmkritiker über Greta Gerwigs "Barbie": Einen Film, der den Feminismus neu denkt, feiert die Welt, oder eher leicht verdaulich macht, meint der Perlentaucher. Welt und Tagesspiegel bestaunen einen "Fliegenden Holländer" inmitten des schwarzen, aber nicht schweigenden polnischen Waldes. Und die FAZ spitzt die Ohren bei Natascha Sadr Haghighians "Sechs Kompositionen für Trillerpfeife".
18.07.2023. In der FR fragt Martin Piekar: "Wohin ist die deutsch-polnische Literatur verschwunden?". Die SZ staunt darüber, wie sich die Geigerin Tianwa Yang virtuos vom zartesten Pianissimo zu rythmischen Pointierungsfeuern spielt. Die taz besucht die Autostrada-Biennale im kosovarischen Prizren und bewundert, wie sanft man Entideologisierung betreiben kann. Der Tagesspiegel lässt sich durch Architektur heilen.
17.07.2023. Die FAZ staunt über die Selbstberauschung russischer Z-Dichter, die im Fernsehen und in Konzertsälen von einem Großrussland delirieren. In der FAS will Ronya Othmann raus aus dem Knast von Zuschreibungen im Rahmen der Diversität. Hyperallergic überlegt, wie eine wirklich kritische Picasso-Ausstellung aussehen könnte. SZ und nmz sind hingerissen von Händels Oper "Semele", die Claus Guth in München als "Girlie-Macho-Story" inszenierte. Die Filmkritiker trauern um den Freigeist Jane Birkin.
15.07.2023. Beim Streik der Hollywood-Schauspieler gehen nicht etwa Multimillionäre auf die Straße, sondern prekäre Tagelöhner, erkennt die SZ. Im VAN-Magazin erklärt die Festival-Doppelspitze Julia Nikolaevskaya und Vitali Alekseenok, warum sie ihr Musikfestival in Charkiw jetzt erst recht durchgezogen haben: Sie spenden damit Kraft zum Weiterleben. Für Artechock kann es gar nicht genug Blockbuster-Hype im Kino geben. Die FAZ freut sich über revolutionäre Frauenpower im polnischen Musical "1989" über die "Solidarność"-Bewegung.