9punkt - Die Debattenrundschau
Zugang zu milliardenschweren Deals
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.11.2025. Die Ukraine muss entscheiden zwischen dem Verlust ihrer Würde oder dem Verlust ihres wichtigsten Alliierten, sagt Wolodimir Selenski in einer ersten Reaktion auf Trumps "Friedensplan", der eine notdürftig abgesicherte Kapitulation der Ukraine vorsieht. Kriegstreiber Putin wird von Trump belohnt, kommentieren Carlo Masala in Zeit online und Phillips Payson O'Brien im Atlantic. Die NZZ schildert die politische Macht der hindunationalistischen Bewegung RSS, die ihren hundertsten Geburtstag feiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
22.11.2025
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Europa | Ideen | Digitalisierung | Geschichte | Kulturpolitik | Gesellschaft | Wissenschaft | Politik
Europa
Gestern wurde ein "Friedensplan" bekannt, den ein Unterhändler Trumps mit Putin ausgeheckt hat, über die Köpfe der Ukraine und der EU hinweg. Die Ukraine soll alle Gebiete und mehr abtreten, die Russland erobert hat und ihre Armee begrenzen. Wolodimir Selenski hielt eine historische Rede: "Wir erleben einen der schwierigsten Momente unserer Geschichte. Die Ukraine steht möglicherweise vor einer sehr harten Entscheidung: dem Verlust ihrer Würde oder dem Risiko, einen wichtigen Partner zu verlieren."
Hier die ganze Rede mit Untertiteln.
Es sind gerade die scheinbaren Konzessionen Russlands, die in diesem "neuen Münchner Abkommen" katastrophal sind, schreibt der Politikwissenschaftler Carlo Masala bei Zeit online: "Von einem künftigen Angriff auf die 'Restukraine' soll Russland durch die Stationierung europäischer Kampfflugzeuge in Polen abgeschreckt werden. Man kann nicht umhin, dieses Konstrukt als vollen Erfolg Russlands zu bezeichnen: eine vage Zusage der USA, sich militärisch zu engagieren, während die Hauptlast bei den Europäern bleibt. Wobei es allein um die sogenannte Abschreckung durch Entfernung geht, also nicht durch die Präsenz von Soldaten in der Ukraine, sondern weit entfernt von der möglichen Front." Gedemütigt werden auch die Nato und die Europäer: "Nicht nur, dass die Ukraine ihre künftige Neutralität und eine Absage an eine mögliche Nato-Mitgliedschaft in ihre Verfassung aufnehmen muss. Nein, die Allianz soll eine Erklärung abgeben, dass die Ukraine nie in ihren Reihen aufgenommen werden wird."
Der amerikanische Historiker Phillips Payson O'Brien ergänzt im Atlantic: "Wenn Trump die Ukraine und ihre Verbündeten in Westeuropa dazu zwingt, ein Friedensabkommen zu akzeptieren, das Russlands Gebietsgewinne ratifiziert - wodurch Putin noch mehr erhält, als er erobern konnte, und keinerlei echte Zugeständnisse von ihm verlangt werden -, würde dies einer vollständigen Rehabilitierung des russischen Präsidenten auf internationaler Ebene gleichkommen. Es wäre, als hätte Russland mit der Invasion eines souveränen Staates und der Eroberung eines großen Teils seines Territoriums nichts Unrechtes getan - alle klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und machen weiter wie bisher. Wenn ein Friedensabkommen zum Ende der internationalen Sanktionen gegen Russland führt, wird dieses Land in den kommenden Jahren sein Militär wieder aufbauen und versuchen können, den Rest der Ukraine zu erobern, wenn es sich dazu bereit fühlt. Die Eroberung der Ukraine war schon immer Putins Plan. Jetzt bereiten die Vereinigten Staaten ihn darauf vor, es erneut zu versuchen."
Die Idee des Westens ist für Trump ad acta gelegt, kommentiert Reymer Klüver in der SZ. "In Trumps zweiter Amtszeit setzen sich Businessleute durch... Russland gilt in dieser Weltsicht als geostrategischer Konkurrent, aber wegen seines enormen Energiereichtums auch als möglicher Geschäftspartner. Ein Potenzial, das man wegen des Krieges in der Ukraine nicht nutzen kann. Was also liegt näher, als einen Friedensschluss zu günstigen Konditionen für Russland durchzusetzen und sich so den Zugang zu milliardenschweren Deals dort zu sichern?"
Einen stillen Sieg hat der Westen Putin bereits in Georgien gegönnt. Das Land wird zunehmend zu einer Diktatur wie Belarus, schreibt Jens Uthoff in der taz. Er schildert die Rolle des Schrifstellers Zviad Ratiani, der in einer symbolischen Geste bei einer Demonstration einen Polizisten ohrfeigte: "Zviad Ratiani ist eine Art Public Intellectual in seinem Heimatland. Seit vielen Jahren setzt sich der Autor gegen die vom Oligarchen Bidsina Iwanischwili gesteuerte prorussische Regierung ein. Seine Gedichte handeln nicht selten von der Repression in Georgien. Ratiani ist mehrmals Opfer von Polizeigewalt geworden, erstmals wird er bereits 2017 verhaftet und misshandelt. Im Jahr darauf geht er ins Exil nach Österreich, 2022 kehrt er zurück, Ende November 2024 nimmt er an den proeuropäischen Demonstrationen nach den Parlamentswahlen in Georgien in Tbilissi teil. Polizisten prügeln ihn da krankenhausreif, er kommt kurzzeitig in Haft und wieder frei. Für die Ohrfeige verurteilt das Gericht in Tbilissi ihn schließlich im Oktober zu zwei Jahren Haft."
Das vor dreißig Jahren geschlossene Friedensabkommen von Dayton ist gescheitert, schrieb Erich Rathfelder gestern in der taz (unser Resümee). Heute erinnert er daran, wie ungläubig die bosnischen Soldaten waren, dass der Krieg durch das Dayton-Abkommen beendet war. "Zu tief saß die Enttäuschung darüber, dass der Westen und die UN über drei Jahre lang die Angriffe der serbischen Nationalisten unter dem später verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić geduldet hatten - und ausgerechnet die Verteidiger Bosnien-Herzegowinas und seiner Hauptstadt mit einem Waffenembargo belegt hatten. Im Juli hatten die schwer bewaffneten serbischen Angreifer unter den Augen der UN Tausende, zumeist unbewaffnete, Kameraden im ostbosnischen Dorf Srebrenica hingeschlachtet. Und noch am 28. August hatten Granaten einige Dutzend Menschen auf dem Marktplatz Sarajevos zerfetzt." Allein in Sarajewo gab es 13.000 Kriegstote.
Hier die ganze Rede mit Untertiteln.
Zelensky's defiant address with English subtitles. pic.twitter.com/b59GTIEOwt
- Myroslava Petsa (@myroslavapetsa) November 21, 2025
Es sind gerade die scheinbaren Konzessionen Russlands, die in diesem "neuen Münchner Abkommen" katastrophal sind, schreibt der Politikwissenschaftler Carlo Masala bei Zeit online: "Von einem künftigen Angriff auf die 'Restukraine' soll Russland durch die Stationierung europäischer Kampfflugzeuge in Polen abgeschreckt werden. Man kann nicht umhin, dieses Konstrukt als vollen Erfolg Russlands zu bezeichnen: eine vage Zusage der USA, sich militärisch zu engagieren, während die Hauptlast bei den Europäern bleibt. Wobei es allein um die sogenannte Abschreckung durch Entfernung geht, also nicht durch die Präsenz von Soldaten in der Ukraine, sondern weit entfernt von der möglichen Front." Gedemütigt werden auch die Nato und die Europäer: "Nicht nur, dass die Ukraine ihre künftige Neutralität und eine Absage an eine mögliche Nato-Mitgliedschaft in ihre Verfassung aufnehmen muss. Nein, die Allianz soll eine Erklärung abgeben, dass die Ukraine nie in ihren Reihen aufgenommen werden wird."
Der amerikanische Historiker Phillips Payson O'Brien ergänzt im Atlantic: "Wenn Trump die Ukraine und ihre Verbündeten in Westeuropa dazu zwingt, ein Friedensabkommen zu akzeptieren, das Russlands Gebietsgewinne ratifiziert - wodurch Putin noch mehr erhält, als er erobern konnte, und keinerlei echte Zugeständnisse von ihm verlangt werden -, würde dies einer vollständigen Rehabilitierung des russischen Präsidenten auf internationaler Ebene gleichkommen. Es wäre, als hätte Russland mit der Invasion eines souveränen Staates und der Eroberung eines großen Teils seines Territoriums nichts Unrechtes getan - alle klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und machen weiter wie bisher. Wenn ein Friedensabkommen zum Ende der internationalen Sanktionen gegen Russland führt, wird dieses Land in den kommenden Jahren sein Militär wieder aufbauen und versuchen können, den Rest der Ukraine zu erobern, wenn es sich dazu bereit fühlt. Die Eroberung der Ukraine war schon immer Putins Plan. Jetzt bereiten die Vereinigten Staaten ihn darauf vor, es erneut zu versuchen."
Die Idee des Westens ist für Trump ad acta gelegt, kommentiert Reymer Klüver in der SZ. "In Trumps zweiter Amtszeit setzen sich Businessleute durch... Russland gilt in dieser Weltsicht als geostrategischer Konkurrent, aber wegen seines enormen Energiereichtums auch als möglicher Geschäftspartner. Ein Potenzial, das man wegen des Krieges in der Ukraine nicht nutzen kann. Was also liegt näher, als einen Friedensschluss zu günstigen Konditionen für Russland durchzusetzen und sich so den Zugang zu milliardenschweren Deals dort zu sichern?"
Einen stillen Sieg hat der Westen Putin bereits in Georgien gegönnt. Das Land wird zunehmend zu einer Diktatur wie Belarus, schreibt Jens Uthoff in der taz. Er schildert die Rolle des Schrifstellers Zviad Ratiani, der in einer symbolischen Geste bei einer Demonstration einen Polizisten ohrfeigte: "Zviad Ratiani ist eine Art Public Intellectual in seinem Heimatland. Seit vielen Jahren setzt sich der Autor gegen die vom Oligarchen Bidsina Iwanischwili gesteuerte prorussische Regierung ein. Seine Gedichte handeln nicht selten von der Repression in Georgien. Ratiani ist mehrmals Opfer von Polizeigewalt geworden, erstmals wird er bereits 2017 verhaftet und misshandelt. Im Jahr darauf geht er ins Exil nach Österreich, 2022 kehrt er zurück, Ende November 2024 nimmt er an den proeuropäischen Demonstrationen nach den Parlamentswahlen in Georgien in Tbilissi teil. Polizisten prügeln ihn da krankenhausreif, er kommt kurzzeitig in Haft und wieder frei. Für die Ohrfeige verurteilt das Gericht in Tbilissi ihn schließlich im Oktober zu zwei Jahren Haft."
Das vor dreißig Jahren geschlossene Friedensabkommen von Dayton ist gescheitert, schrieb Erich Rathfelder gestern in der taz (unser Resümee). Heute erinnert er daran, wie ungläubig die bosnischen Soldaten waren, dass der Krieg durch das Dayton-Abkommen beendet war. "Zu tief saß die Enttäuschung darüber, dass der Westen und die UN über drei Jahre lang die Angriffe der serbischen Nationalisten unter dem später verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić geduldet hatten - und ausgerechnet die Verteidiger Bosnien-Herzegowinas und seiner Hauptstadt mit einem Waffenembargo belegt hatten. Im Juli hatten die schwer bewaffneten serbischen Angreifer unter den Augen der UN Tausende, zumeist unbewaffnete, Kameraden im ostbosnischen Dorf Srebrenica hingeschlachtet. Und noch am 28. August hatten Granaten einige Dutzend Menschen auf dem Marktplatz Sarajevos zerfetzt." Allein in Sarajewo gab es 13.000 Kriegstote.
Ideen

Außerdem: Im täglichen Michael-Hesse-interview in der FR spricht Philosoph Markus Gabriel über die Existenz und Erkennbarkeit moralischer Tatsachen. In der FAZ thematisieren die Wissenschaftsfunktionäre Christopher Daase und Nicole Deitelhoff die Gefährdung akademischer Freiheit durch den Rechtspopulismus - Trumps Eingriffe in die akademische Freiheit haben sie als warnendes Beispiel vor Augen.
Digitalisierung

Geschichte
Dass Stalin in der Ukraine Millionen Menschen umgebracht hat, kommt in den Lehrplänen deutscher Schulen nicht vor. Der Holodomor ist für deutsche Schüler ein weißer Fleck auf der Landkarte, berichtet Stefan Locke in der FAZ unter Rückgriff auf Recherchen des Schriftstellers Gottfried Böhme: "Bereits vor einem Jahr hatte er sich die Lehrpläne aller Bundesländer vorgenommen. Stalins Massenmord an den Ukrainern kam nur in Brandenburg im Geschichtsunterricht vor. 'Allerdings dort auch nur im Wahlbereich und als ein mögliches Beispiel für Völkermorde', sagt Böhme. Als er in diesem Jahr seine Recherche wiederholte, fand er das Thema im Lehrplan Mecklenburg-Vorpommerns als 'mögliche Vertiefung des Verständnisses stalinistischer Politik' erwähnt, während es in Brandenburg wieder gestrichen worden war. Sofern es kein Geschichtslehrer von sich aus in den Unterricht holt, bleibt das Thema an Deutschlands Schulen eine Leerstelle."
Kulturpolitik
Im Humboldt-Forum waren die restitutierten Benin-Brozen öffentlich ausgestellt, aber sie standen im illegitimen Kontext kolonialer Diebstähle. Nun wurden sie nach allgemeiner Auffassung zurecht an Nigeria zurückgegeben und sind dort - zumindest vorerst - nicht mehr öffentlich. Aber Gilbert Lupfer, Experte für Kulturgutverluste, findet das im Gespräch mit Sophie Jung von der taz gut so: "Wenn man etwas zurückgibt, dann muss man es ohne Wenn und Aber tun. Man kann die Hoffnung haben, dass die Objekte angemessen behandelt werden, aber Rückgabe ist Rückgabe. Gerade im kolonialen Kontext hat man immer wieder mit vielen Interessengruppen zu tun, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Was sich jetzt in Nigeria ereignet, ist nigerianische Politik, die man nur zum Teil versteht. Ich fand die hiesige Empörung, als der nigerianische Staat 2023 die restituierten Benin-Bronzen an den Oba übereignete, scheinheilig. In Deutschland wurden auch bis vor Kurzem noch Kunstwerke an ehemalige Königshäuser zurückgegeben." Und ist das auch gut so?
Gesellschaft
In Deutschland erhebt die "Gesellschaft für Freiheitsrechte" eine Verbandsklage, um muslimische Gebete an Schulen zu ermöglichen (unser Resümee). In Frankreich ist der Druck des Islamismus und einer mit ihm verbündeten Linken eher noch stärker, wenn man dem Lehrer François De Sauza glaubt, den Lucien Scherrer für die NZZ interviewt: "Es gibt linksextreme Lehrer und Gewerkschaften, die den Islamisten helfen, Begriffe zu verdrehen und umzudeuten. Sie sehen die Laizität der öffentlichen Schulen nicht als Garantie für die Gedankenfreiheit, sondern als rassistisches und islamophobes Instrument. Sie glauben Slogans wie 'Der Hijab ist Freiheit' und schlagen sich bei Konflikten auf die Seite von Agitatoren."
Wissenschaft
Die "Bibliothek des Konservatismus" steht unter Verdacht der AfD-Nähe. AfD-Politiker sind in ihren Räumen häufig aufgetreten. Nun soll die privat betriebene Bibliothek aus dem Bibliotheksverbund der norddeutschen Bundesländer ausgeschlossen werden, berichtet Morten Freidel in der NZZ. "Was klingt wie eine bürokratische Allerweltsmaßnahme, wird für die Bibliothek ernste Folgen haben: Damit ist ihr Bestand, der mittlerweile 35.000 Bücher umfasst, dann von der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend abgeschnitten. Die katalogisierten Werke konservativer Vordenker und Theoretiker sowie rechter Autoren sind für Interessierte kaum noch auffindbar. Sie wären aus dem Gedächtnis des staatlichen Bibliotheksverbundes gelöscht."
Politik
Ah, Zohran Mamdani bleibt doch der Darling der Zeit! In einer ersten Begegnung im Weißen Haus haben sich Mamdani und Donald Trump überraschender Weise prächtig verstanden. Juliane Schäuble ist begeistert. "Deutlich wird vor allem auch Mamdanis politisches Talent. Im Machtzentrum der US-amerikanischen Politik demonstriert er eine Authentizität, die wohl ein Grund für seinen bis vor Kurzem noch unvorstellbaren Wahlsieg war. An dem Ort, an dem in den vergangenen Monaten schon diverse mächtige Staatenlenker wie unterwürfige Bittsteller wirkten, gelingt dem in Uganda geborenen 34-Jährigen ein Auftritt, der nicht peinlich wirkt."
Die hindunationalistische Bewegung RSS (Abkürzung für "Rashtriya Swayamsevak Sangh) feiert ihren hundertsten Geburtstag. Ulrich von Schwerin schildert sie in der NZZ als die einflussreichste politische Kraft im Land, denn die BJP unter Narendra Modi ist nur ihr politischer Arm. Schwerin erzählt, dass die RSS ursprünglich als Reaktion auf Kritik der christlichen Missionare am indischen Kastensystem entstand: "Die RSS versteht sich als Kernzelle einer künftigen kastenlosen Gesellschaft, in der die Kasten, Ethnien und Stämme Indiens verschmelzen sollen. Ihr Ziel ist die Schaffung einer kulturell homogenen, geeinten Nation. Darin ist sie beeinflusst durch andere radikale nationalistische Bewegungen der 1920er Jahre wie die Faschisten und die Nazis, von denen sie auch die zentralistische, hierarchische Struktur übernommen hat." Christen und Muslime dürfen immerhin zum Hinduismus konvertieren.
Es war "eine schwarze Woche im internationalen Genf", meldet Matthias Sander in der NZZ. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, die Unicef und WHO streichen Tausende von Stellen: "Das Uno-System steht unter starkem Spardruck, und mit ihm viele NGO in den Bereichen humanitäre und Entwicklungshilfe. Seit Jahren kürzen Geberstaaten ihre Zahlungen. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hat sich das Problem massiv verschärft. Die USA haben etwa dieses Jahr keinen einzigen ihrer zugesagten 820 Millionen Dollar an die Uno gezahlt, wie die Uno-Sprecherin Melissa Fleming der NZZ bestätigt."
Die hindunationalistische Bewegung RSS (Abkürzung für "Rashtriya Swayamsevak Sangh) feiert ihren hundertsten Geburtstag. Ulrich von Schwerin schildert sie in der NZZ als die einflussreichste politische Kraft im Land, denn die BJP unter Narendra Modi ist nur ihr politischer Arm. Schwerin erzählt, dass die RSS ursprünglich als Reaktion auf Kritik der christlichen Missionare am indischen Kastensystem entstand: "Die RSS versteht sich als Kernzelle einer künftigen kastenlosen Gesellschaft, in der die Kasten, Ethnien und Stämme Indiens verschmelzen sollen. Ihr Ziel ist die Schaffung einer kulturell homogenen, geeinten Nation. Darin ist sie beeinflusst durch andere radikale nationalistische Bewegungen der 1920er Jahre wie die Faschisten und die Nazis, von denen sie auch die zentralistische, hierarchische Struktur übernommen hat." Christen und Muslime dürfen immerhin zum Hinduismus konvertieren.
Es war "eine schwarze Woche im internationalen Genf", meldet Matthias Sander in der NZZ. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, die Unicef und WHO streichen Tausende von Stellen: "Das Uno-System steht unter starkem Spardruck, und mit ihm viele NGO in den Bereichen humanitäre und Entwicklungshilfe. Seit Jahren kürzen Geberstaaten ihre Zahlungen. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hat sich das Problem massiv verschärft. Die USA haben etwa dieses Jahr keinen einzigen ihrer zugesagten 820 Millionen Dollar an die Uno gezahlt, wie die Uno-Sprecherin Melissa Fleming der NZZ bestätigt."
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