9punkt - Die Debattenrundschau
In einer schon mürben Gesellschaft
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.02.2025. Die kritischen Stimmen zu Friedrich Merz überwiegen. Er übertreibt die Bedrohungslage, findet die SZ, er sucht Mehrheiten mit den Rechtsextremen, so die taz. In der Welt macht Thomas Schmid allerdings auch auf den Beitrag der Linken zum Aufstieg der AfD aufmerksam. Die NZZ erzählt von den "Rattenlinien" der schlimmsten Nazi-Verbrecher: Sie retteten sich mit Hilfe des Vatikan nach Südamerika und mithilfe des Mufti von Jerusalem in arabische Länder. Der RBB versucht, einige seiner akutesten Krisen aufzuarbeiten, berichten FAZ und SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
01.02.2025
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Europa
Dies ist eine Woche, aus der wir die "höhnisch feixenden Gesichter von AfD-Politikerinnen und -politikern" in Erinnerung behalten werden, schreibt Welt-Autor Thomas Schmid, aber auch das Feixen "hinter den vermeintlich sorgenvollen 'Nie wieder'-Gesichtern im rot-grünen Lager". In ihrer "antifaschistischen" Euphorie vergessen sie mal wieder ihren Beitrag zum Hochkommen der AfD, so Schmid, denn die mit Migration und mangelnder Integration verbundenen Probleme hätten sie stets geleugnet: Auf den Einwand vieler Menschen, "die Migration und die Zahl der Migranten bereite ihnen Sorgen, antworten die Grünen mit Katrin Göring-Eckardt seelenruhig, das sei kein Problem, denn Migration habe 'mit dem Alltag der Menschen verdammt wenig zu tun'. Die Grünen haben es nie gelernt, Migration gleichermaßen als Bereicherung wie als Gefahr zu begreifen. Sie haben konsequent vor den Problemen weggesehen. Auch das hat es vermutlich nicht wenigen leicht gemacht, den Weg zur AfD zu nehmen. Die Grünen haben keinen Grund, den antifaschistischen Finger gegen die CDU zu erheben. Sie sind keine Fortschrittspartei mehr." Schmid macht auch auf folgende Statistik aufmerksam: "Von 2015 bis 2024 wurden in den EU-Staaten mehr als vier Millionen Asylanträge registriert. Auf Deutschland entfielen davon fast drei Millionen." (Anm. d. Red.: eine Nachfrage bei Perplexity ergibt, dass diese Zahlenangabe nicht stimmt.)
Völlig anders sieht es Anna Lehmann in der taz: "Was diese Woche im Bundestag los war, verdient in mehrfacher Hinsicht das Attribut 'historisch'. Eine konservative, mittige Partei hat erstmals seit 1933 im Berliner Reichstagsgebäude wieder Mehrheiten mit den extrem Rechten gesucht und gefunden. Eine ehemalige Bundeskanzlerin nahm dies zum Anlass, ihren Nachfolger an der Parteispitze zurechtzuweisen und damit aktiv in den Wahlkampf einzugreifen. Das war beispiellos. Und eine völkische Partei wie die AfD hat erfolgreich demonstriert, wie man beim Kernthema Migration zunächst die Meinungsführerschaft übernimmt und dann politische Vorschläge mehrheitsfähig macht, die rassistisch konnotiert und teilweise rechtswidrig sind."
Trotz der Mordtaten von Dresden, Würzburg, Brokstedt, Mannheim, Solingen und Magdeburg warnt Mareen Linnartz im Leitartikel der SZ vor der Beschwörung einer Bedrohungslage, "die die Statistik selbst nicht hergibt, so ist die Zahl illegaler Einreisen beispielsweise im vergangenen Jahr stark gesunken. In einer schon mürben Gesellschaft wird also mit einem altbekannten Topos Angst geschürt, nämlich dem, vor der eigenen Tür stünde eine Horde Fremder mit finstersten Absichten."
Auf die Frage von Lisa Nienhaus in der SZ, warum ausgerechnet Migration eine so große Rolle im Wahlkampf spielt, antwortet der Soziologe Armin Nassehi: "Ich weiß es nicht genau, sicher spielt der Ton der sozialen Medien hierbei eine Rolle." Aber mit dem Buch "Wir" des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier kann er auch nichts anfangen: "Ein exkludierenderes 'Wir' habe ich noch nie gelesen.... Diese Beschwörung eines 'Wir' erkennt die Probleme nicht an. Es geht in der Demokratie um Konflikte, um handfeste Interessen und die Konkurrenz um die bessere Lösung. Das muss vor allem dadurch zusammengehalten werden, dass demokratische Spielregeln und Verfahren eingehalten werden, nicht durch ein imaginiertes 'Wir', das mir immer wie eine Durchhalteparole wirkt."
Michel Friedman, der aus der CDU ausgetreten ist, sagt im Gespräch mit Marlene Knobloch und Raoul Löbbert in Zeit online: "Die AfD, diese Partei des Hasses, sät Gift. Wer sich mit denen zusammensetzt, muss fürchten, mitvergiftet zu werden. Und das ist der CDU passiert. Ich glaube Herrn Merz übrigens, dass er keine irgendwie geartete Nähe zur AfD hat. Ich weiß es. Aber jetzt wird er es immer wieder unter Beweis stellen müssen."
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, erklärt in der FAS, mit wem man sich einlässt, wenn man sich mit der AfD einlässt: "Ständig reden Funktionäre der AfD die NS-Verbrechen klein, relativieren sie oder betreiben Schuldumkehr, wenn sie die Alliierten als die eigentlichen Kriegsverbrecher bezeichnen. Das machte etwa der Thüringer AfD-Landtagsabgeordnete Jörg Prophet, dessen Wahl zum Landtags-Vizepräsidenten am Donnerstag nur knapp scheiterte und der den britischen Luftangriff auf Dresden mit Auschwitz gleichsetzte."
Sehr instruktiv liest sich ein Gespräch, das Yelizaveta Landenberger für die virtuelle Tiefdruckbeilage der FAZ mit dem belarussischen Künstlerpaar Lesia Pcholka und Uladzimir Hramovich führt. Die beiden, die inzwischen im Exil leben, reden zum Beispiel über die Rolle der Sprachen im Konflikt mit dem Lukaschenko-Regime. Hramovich erzählt: "Meine Eltern sprechen Belarussisch, Russisch habe ich erst im Kindergarten gelernt. Ich besuchte in meiner Schule die letzte Klasse, in der es Unterricht noch auf Belarussisch gab. Mit Lukaschenko setzte eine massive Russifizierung ein, für ihn ist Belarussisch minderwertig, eine Dorfsprache. Damals bei den Protesten markierten die OMON-Leute, die Polizeispezialeinheit, bei den Festnahmen Menschen, die Belarussisch sprachen, mit oranger Farbe - damit sie später im Gefängnis zusätzliche Schläge bekamen." Pcholka ergänzt: "Ich befinde mich immer noch im Übergang vom Russischen zum Belarussischen. Zwar habe ich Belarussisch schon immer verstanden, aber nicht aktiv genutzt. Viele Menschen beschlossen nach der Revolution 2020/21 und insbesondere nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine, zum Belarussischen zu wechseln."
Völlig anders sieht es Anna Lehmann in der taz: "Was diese Woche im Bundestag los war, verdient in mehrfacher Hinsicht das Attribut 'historisch'. Eine konservative, mittige Partei hat erstmals seit 1933 im Berliner Reichstagsgebäude wieder Mehrheiten mit den extrem Rechten gesucht und gefunden. Eine ehemalige Bundeskanzlerin nahm dies zum Anlass, ihren Nachfolger an der Parteispitze zurechtzuweisen und damit aktiv in den Wahlkampf einzugreifen. Das war beispiellos. Und eine völkische Partei wie die AfD hat erfolgreich demonstriert, wie man beim Kernthema Migration zunächst die Meinungsführerschaft übernimmt und dann politische Vorschläge mehrheitsfähig macht, die rassistisch konnotiert und teilweise rechtswidrig sind."
Trotz der Mordtaten von Dresden, Würzburg, Brokstedt, Mannheim, Solingen und Magdeburg warnt Mareen Linnartz im Leitartikel der SZ vor der Beschwörung einer Bedrohungslage, "die die Statistik selbst nicht hergibt, so ist die Zahl illegaler Einreisen beispielsweise im vergangenen Jahr stark gesunken. In einer schon mürben Gesellschaft wird also mit einem altbekannten Topos Angst geschürt, nämlich dem, vor der eigenen Tür stünde eine Horde Fremder mit finstersten Absichten."
Auf die Frage von Lisa Nienhaus in der SZ, warum ausgerechnet Migration eine so große Rolle im Wahlkampf spielt, antwortet der Soziologe Armin Nassehi: "Ich weiß es nicht genau, sicher spielt der Ton der sozialen Medien hierbei eine Rolle." Aber mit dem Buch "Wir" des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier kann er auch nichts anfangen: "Ein exkludierenderes 'Wir' habe ich noch nie gelesen.... Diese Beschwörung eines 'Wir' erkennt die Probleme nicht an. Es geht in der Demokratie um Konflikte, um handfeste Interessen und die Konkurrenz um die bessere Lösung. Das muss vor allem dadurch zusammengehalten werden, dass demokratische Spielregeln und Verfahren eingehalten werden, nicht durch ein imaginiertes 'Wir', das mir immer wie eine Durchhalteparole wirkt."
Michel Friedman, der aus der CDU ausgetreten ist, sagt im Gespräch mit Marlene Knobloch und Raoul Löbbert in Zeit online: "Die AfD, diese Partei des Hasses, sät Gift. Wer sich mit denen zusammensetzt, muss fürchten, mitvergiftet zu werden. Und das ist der CDU passiert. Ich glaube Herrn Merz übrigens, dass er keine irgendwie geartete Nähe zur AfD hat. Ich weiß es. Aber jetzt wird er es immer wieder unter Beweis stellen müssen."
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, erklärt in der FAS, mit wem man sich einlässt, wenn man sich mit der AfD einlässt: "Ständig reden Funktionäre der AfD die NS-Verbrechen klein, relativieren sie oder betreiben Schuldumkehr, wenn sie die Alliierten als die eigentlichen Kriegsverbrecher bezeichnen. Das machte etwa der Thüringer AfD-Landtagsabgeordnete Jörg Prophet, dessen Wahl zum Landtags-Vizepräsidenten am Donnerstag nur knapp scheiterte und der den britischen Luftangriff auf Dresden mit Auschwitz gleichsetzte."
Sehr instruktiv liest sich ein Gespräch, das Yelizaveta Landenberger für die virtuelle Tiefdruckbeilage der FAZ mit dem belarussischen Künstlerpaar Lesia Pcholka und Uladzimir Hramovich führt. Die beiden, die inzwischen im Exil leben, reden zum Beispiel über die Rolle der Sprachen im Konflikt mit dem Lukaschenko-Regime. Hramovich erzählt: "Meine Eltern sprechen Belarussisch, Russisch habe ich erst im Kindergarten gelernt. Ich besuchte in meiner Schule die letzte Klasse, in der es Unterricht noch auf Belarussisch gab. Mit Lukaschenko setzte eine massive Russifizierung ein, für ihn ist Belarussisch minderwertig, eine Dorfsprache. Damals bei den Protesten markierten die OMON-Leute, die Polizeispezialeinheit, bei den Festnahmen Menschen, die Belarussisch sprachen, mit oranger Farbe - damit sie später im Gefängnis zusätzliche Schläge bekamen." Pcholka ergänzt: "Ich befinde mich immer noch im Übergang vom Russischen zum Belarussischen. Zwar habe ich Belarussisch schon immer verstanden, aber nicht aktiv genutzt. Viele Menschen beschlossen nach der Revolution 2020/21 und insbesondere nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine, zum Belarussischen zu wechseln."
Geschichte
Marta Kijowska kommt in der NZZ auf die Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers Auschwitz vor achtzig Jahren zurück. Sie verweist vor allem auf das Buch "Anus Mundi" von Wieslaw Kielar, dessen Übersetzung bereits 2023 im S. Fischer Verlag erschien, das aber in der deutschen Presse kaum Beachtung erfuhr. Kielar gehört wie Tadeusz Borowski und Seweryna Szmaglewska zu den AutorInnen, die das Leiden nichtjüdischer Polen im Lager beschreiben. Kielars Bericht liest sich für Kijowska besonders instruktiv, weil er in vier Jahren Auschwitz viele verschiedene Stationen des Lagers durchlief. Die nichtjüdischen Polen hatten einen eigenen Blick auf ihre Erfahrung, wie Borowski beschreibe Kielar das Lager als eine "moralisch indifferente Welt, in der es keine klare Trennung von Opfern und Tätern gibt, in der jeder alles tut, um zu überleben". Borowski sei in seinem Buch "Bei uns in Auschwitz" allerdings noch bei weitem zynischer, während sich Kielar bemühe, sachlich und präzise zu bleiben, die Dinge so zu schildern, wie sie gewesen seien.
Es gab die berühmte "Rattenlinie": Schlimmste Nazi-Verbrecher schafften es, mit der Mithilfe des Vatikan nach Südamerika zu fliehen. Einige wurden trotzdem später noch gefasst wie Eichmann oder Klaus Barbie. Und es gab die zweite "Rattenlinie", die nicht so bekannt ist: Nazis wie Walter Rauff, "der an der Ostfront Militärlastwagen zu mobilen Gaskammern umbauen ließ, und Alois Brunner, Eichmanns Mann fürs Grobe", so Marcel Gyr in der NZZ, konnten sich darüber nach Ägypten oder Syrien absetzen. Die dort nach 1945 herrschenden Diktatoren halfen gern, und auch natürlich Amin al-Husseini, der Vorgänger Jassir Arafats als Anführer der Palästinenser und enge Freund und Partner der Nazis. Richtig beneidenswert war Brunners Existenz am Ende aber nicht, schreibt Gyr. Die Israelis haben ihn zweimal mit Bombenattentaten getroffen, bei denen er einmal ein Auge verlor und einmal ein paar Finger. Und seine schöne Villa in Damaskus musste er am Ende auch aufgeben. "Zwar hielt das Asad-Regime bis zuletzt seine schützende Hand über den österreichischen Kriegsverbrecher. Doch als dieser begann, ausländischen Journalisten Interviews zu geben, wurde er zur Last. Seine Wohnung an der Rue Haddad, wo er auf dem Dach Kaninchen gezüchtet hatte, musste er aufgeben. Er wurde andernorts in Hausarrest gesetzt, um ihn vor den Blicken der Weltöffentlichkeit zu entziehen. Im Verlies des syrischen Geheimdienstes schließlich, wo Brunner die letzten Jahre bis zu seinem Tod 2001 eingesperrt war, gab es nicht einmal mehr Tageslicht."
Es gab die berühmte "Rattenlinie": Schlimmste Nazi-Verbrecher schafften es, mit der Mithilfe des Vatikan nach Südamerika zu fliehen. Einige wurden trotzdem später noch gefasst wie Eichmann oder Klaus Barbie. Und es gab die zweite "Rattenlinie", die nicht so bekannt ist: Nazis wie Walter Rauff, "der an der Ostfront Militärlastwagen zu mobilen Gaskammern umbauen ließ, und Alois Brunner, Eichmanns Mann fürs Grobe", so Marcel Gyr in der NZZ, konnten sich darüber nach Ägypten oder Syrien absetzen. Die dort nach 1945 herrschenden Diktatoren halfen gern, und auch natürlich Amin al-Husseini, der Vorgänger Jassir Arafats als Anführer der Palästinenser und enge Freund und Partner der Nazis. Richtig beneidenswert war Brunners Existenz am Ende aber nicht, schreibt Gyr. Die Israelis haben ihn zweimal mit Bombenattentaten getroffen, bei denen er einmal ein Auge verlor und einmal ein paar Finger. Und seine schöne Villa in Damaskus musste er am Ende auch aufgeben. "Zwar hielt das Asad-Regime bis zuletzt seine schützende Hand über den österreichischen Kriegsverbrecher. Doch als dieser begann, ausländischen Journalisten Interviews zu geben, wurde er zur Last. Seine Wohnung an der Rue Haddad, wo er auf dem Dach Kaninchen gezüchtet hatte, musste er aufgeben. Er wurde andernorts in Hausarrest gesetzt, um ihn vor den Blicken der Weltöffentlichkeit zu entziehen. Im Verlies des syrischen Geheimdienstes schließlich, wo Brunner die letzten Jahre bis zu seinem Tod 2001 eingesperrt war, gab es nicht einmal mehr Tageslicht."
Internet
Der Informatiker Antonio Krüger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wird in der FAZ nochmal von Alexander Armbruster auf den Deepseek-Schock befragt (unser Resümee) - Chinesen haben mit dieser App bewiesen, dass KI mit sehr viel weniger Aufwand funktionieren kann. Aber zugleich sind laut Krüger die "von Deepseek verwendeten Modelle und Ideen augenscheinlich nicht wirklich neu - die haben aber diese ganz offenkundig erstmals geschickt kombiniert und ein Verfahren hinbekommen, dass das auch wirklich brauchbar funktioniert." Für Krüger ist das eine "sehr gute Nachricht": "Der Kreis derjenigen, die so ein Modell entwickeln und betreiben können, wird deutlich größer. Bislang ist das eben denjenigen vorbehalten geblieben, die über Milliardenmittel verfügen, die diese riesige Recheninfrastruktur haben, die großen Tech-Konzerne. Das könnte sich ändern."
Medien
Michael Hanfeld kommt in der FAZ auf die neueste Krise des RBB zurück: 22 Millionen Euro will die neue Intendantin Ulrike Demmer sparen, 254 Stellen streichen. Sie versucht so, mit dem Erbe der Skandalintendantin Patricia Schlesinger zurechtzukommen, die Prozesse gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber führt - es geht ums üppige "Ruhegeld", auf das sie Anspruch zu haben meint: "Man wolle sich mit Schlesinger gütlich einigen, teilte der Verwaltungsrat des RBB mit. Das heißt nichts anderes, als dass der Sender am Ende zahlt - 18.300 Euro pro Monat fürs exintendantische Nichtstun sind gefordert. Weil solche Altlasten drücken, muss an anderer Stelle gespart werden - das aktuelle Personal kann gehen, aber die Renten der Ex-Chefs sind sicher."
Auf der Rundfunkratssitzung, in der die Streichungen verkündet wurden, ging es auch um die Affäre Stefan Gelbhaar, berichtet Jan Heidtmann in der SZ. Der Grünen-Politiker musste von seiner Bundestagskandidatur zurücktreten, weil er sich offenbar falschen Missbrauchsvorwürfen von Parteigenossinnen ausgesetzt sah, die der Sender genüsslich kolportiert hatte (unsere Resümees). "Etwaige personelle Konsequenzen innerhalb des RBB würden nach dem Bericht der Kommission gezogen. Namen der Experten in dieser Kommission wollte Demmer noch nicht öffentlich nennen, nur, dass ein Budget von 60.000 Euro für deren Arbeit zur Verfügung stehe."
Auf der Rundfunkratssitzung, in der die Streichungen verkündet wurden, ging es auch um die Affäre Stefan Gelbhaar, berichtet Jan Heidtmann in der SZ. Der Grünen-Politiker musste von seiner Bundestagskandidatur zurücktreten, weil er sich offenbar falschen Missbrauchsvorwürfen von Parteigenossinnen ausgesetzt sah, die der Sender genüsslich kolportiert hatte (unsere Resümees). "Etwaige personelle Konsequenzen innerhalb des RBB würden nach dem Bericht der Kommission gezogen. Namen der Experten in dieser Kommission wollte Demmer noch nicht öffentlich nennen, nur, dass ein Budget von 60.000 Euro für deren Arbeit zur Verfügung stehe."
Ideen
Ach, die Launen von Leben und Werk. Simone de Beauvoir ist die Urmutter des Feminismus, aber heute wäre sie wohl auch ein Fall für #MeToo, vermutet Nadine A. Brügger in der NZZ. Beauvoir war Lehrerin, bevor sie berühmt wurde, aber ihr Beziehungspakt mit Jean-Paul Sartre galt schon. Immer wieder hatte sie Liebesbeziehungen zu Schülerinnen, die sie teilweise auch Sartre zuführte, bis sie mit 32 Jahren, "ihre Lehrbefugnis - und damit ihre Anstellung - verliert. Die Eltern des 17-jährigen Mädchens hatten sich bei der Schulleitung beschwert. De Beauvoir erklärte es später lieber so, dass sie aufgehört habe zu unterrichten, um genug Zeit zum Schreiben zu haben. Tatsächlich erschien 1943, noch im gleichen Jahr, ihr erster Roman 'L'Invitée'. Es ist die Geschichte einer Schriftstellerin und eines Regisseurs, die eine Dreiecksbeziehung mit einer jungen Freundin der Schriftstellerin eingehen."
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