9punkt - Die Debattenrundschau
Orientierung gen Osten
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.10.2024. In der Zeit findet es der Schriftsteller Boris Schumatsky immer noch kaum fassbar, wie wenig die Vergewaltigungen am 7. Oktober thematisiert werden. Die FAZ wüsste gern, warum den Öffentlich-Rechtlichen beim Stichwort Sparen immer nur die Kultur einfällt? Kann eine Demokratie während eines Krieges demokratisch bleiben, fragt sich Herfried Münkler in der NZZ. Im Tagesspiegel kritisiert Thomas Kleine-Brockhoff die Doppelmoral des globalen Südens. Hpd stellt eine Mainzer Studie zu Islamstudiengängen in Deutschland vor: Danach lehnen 68 Prozent der befragten Studenten einen an Europa angelehnten Islam ab.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
02.10.2024
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Gesellschaft
In der Zeit findet es der Schriftsteller Boris Schumatsky immer noch kaum fassbar, wie wenig die Vergewaltigungen am 7. Oktober als Teil des großen Judenhasses thematisiert werden. Er selbst wäre ums Haar als jüdischer Student auf einer Baustelle in Russland vergewaltigt worden: "Die Berichte über die Vergewaltigungen vom 7. Oktober lösten eine Welle feministischer Empörung aus. Professorinnen wie Nancy Fraser protestierten gegen den 'Missbrauch des Themas durch die israelische Regierung', Mediengrößen wie Masha Gessen stellten sexuelle Gewalt im Krieg als normal dar. Ich solle lieber gar nicht darüber sprechen, höre ich, jedenfalls nicht öffentlich, weil man die Vergewaltigungen nicht so leicht verifizieren könne, und auch nicht privat: 'Warum sprichst du über Gewalt an Frauen, nur wenn es in deine Agenda passt?' Für viele sind die zu Tode Gefolterten und Vergewaltigten heute keine Menschen mehr, sondern Scheinargumente des politischen Gegners, die es um jeden Preis zu widerlegen gilt. Für andere ist es schlicht unerträglich, an solche Gewalt auch nur zu denken, sich die Einzelheiten vorzustellen. Ich verstehe das. Als Student habe ich genau das getan, die unerträglichen Details einfach vergessen."
Am Freitag hat der Grünen-Politiker Cem Özdemir in der FAZ einen Essay zur Migationspolitik veröffentlicht (unser Resümee). Darin erwähnt er auch seine Tochter, die in den Neuen Ländern Belästigung von Rechtsextremen und in Berlin Belästigung von jungen Männern mit Migrationshintergrund erfahren hat - für letztes ist am Wochenende ein regelrechter Shitstorm über Özdemir hinweggegfegt. Zornig antwortet darauf heute in der FAZ die junge Journalistin Ninve Ermagan. "Es sind fast ausschließlich Männer mit Migrationshintergrund, die mir hinterherrufen, mich verfolgen und mir Fragen stellen", schreibt sie. Aber die Erfahrung dürfe man offenbar nicht benennen: "Die Autorin Annika Brockschmidt warf Özdemir auf der Plattform X Sexismus und Rassismus vor. Die Feministin Daniela Sepehri behauptete, er unterstütze mit dem Text 'einzig und allein die Rechten'. Über das Opfer hingegen verloren diese Vorzeigefeministinnen kein Wort. Wenig überraschend, denn Frauen wie ich - Migrantinnen, die nach Emanzipation streben - finden kaum Solidarität in den Reihen jener, die nach außen vorgeben, sich für uns einzusetzen. Wir sind die falschen Opfer, und die Täter sind die falschen Täter."
Am Freitag hat der Grünen-Politiker Cem Özdemir in der FAZ einen Essay zur Migationspolitik veröffentlicht (unser Resümee). Darin erwähnt er auch seine Tochter, die in den Neuen Ländern Belästigung von Rechtsextremen und in Berlin Belästigung von jungen Männern mit Migrationshintergrund erfahren hat - für letztes ist am Wochenende ein regelrechter Shitstorm über Özdemir hinweggegfegt. Zornig antwortet darauf heute in der FAZ die junge Journalistin Ninve Ermagan. "Es sind fast ausschließlich Männer mit Migrationshintergrund, die mir hinterherrufen, mich verfolgen und mir Fragen stellen", schreibt sie. Aber die Erfahrung dürfe man offenbar nicht benennen: "Die Autorin Annika Brockschmidt warf Özdemir auf der Plattform X Sexismus und Rassismus vor. Die Feministin Daniela Sepehri behauptete, er unterstütze mit dem Text 'einzig und allein die Rechten'. Über das Opfer hingegen verloren diese Vorzeigefeministinnen kein Wort. Wenig überraschend, denn Frauen wie ich - Migrantinnen, die nach Emanzipation streben - finden kaum Solidarität in den Reihen jener, die nach außen vorgeben, sich für uns einzusetzen. Wir sind die falschen Opfer, und die Täter sind die falschen Täter."
Politik
Thomas Kleine-Brockhoff, neuer Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, kann das Gerede von der angeblichen Doppelmoral des Westens, der Putins Einmarsch in die Ukraine kritisiere, aber die Israelis gewähren lasse, nicht mehr hören, bekennt er im Interview mit dem Tagesspiegel: "Wenn Israel auf der Jagd nach Terroristen, Geiselnehmern und genozidalen Milizionären auch palästinensische Zivilisten tötet, und zwar unbestritten viel zu viele, dann ist der Aufschrei aus dem globalen Süden groß. Aber wo war denn der Aufschrei desselben globalen Südens, als Baschar al Assad in Syrien seine muslimischen Landsleute massenhaft abschlachtete? Oder wie soll man das Bemühen Brasiliens und Südafrikas verstehen, eine neue Weltordnung auf der Basis der Charta der Vereinten Nationen zu errichten - und dabei innerhalb der BRICS-Staaten gemeinsame Sache mit den Diktatoren in Moskau und Peking zu machen? Wenn das keine Doppelstandards sind, weiß ich nicht, was das Wort bedeuten soll."
Bernard-Henri Lévy ist nach den jüngsten Erfolgen der israelischen Armee - von der Ausschaltung des Hamas-Terroristen Ismael Haniyeh in Teheran über die Pager-Attacken bis hin zu den Schlägen gegen die Hisbollah - ziemlich euphorisch. Endlich sei das iranische Regime deutlich geschwächt, schreibt er im Tablet Magazine. "Israel atmet... Iranische Frauen lächeln... Die Israelis haben eine Lektion in Entschlossenheit und Mut erteilt. Sie haben das Gegenteil dessen getan, was die europäischen und amerikanischen Cheerleader des Münchner Abkommens wie eine kaputte Schallplatte wiederholt haben: 'De-eskalieren! De-eskalieren!' Denn nach den Theorien des gerechten Krieges, und danach nach Clausewitz, gibt es Situationen in der Geschichte, in denen eine Eskalation leider notwendig und die einzige Option ist."
Der französische Politikwissenschaftler Olivier Roy teilt seine Einschätzung zur Lage im Nahen Osten in einem langen Interview mit der FR: Nach der Tötung Nasrallahs befürchten viele einen "Flächenbrand" in der Region - Roy hält das für unwahrscheinlich, da seien die USA noch vor. Zu den jüngsten Erfolgen der Israelis meint er: "Es war interessant zu sehen, dass die Israelis nicht in der Lage waren, die Hamas zu infiltrieren, sie wussten nichts über die Absichten der Hamas, doch sie wissen alles über die Hisbollah und über das iranische Regime. ... Das ist wichtig, weil es zeigt, dass viele Menschen sich entschieden haben, Verräter zu werden, wahrscheinlich gegen Geld. Es zeigt damit, dass es innerhalb der Hisbollah und der Iraner eine moralische Krise gibt." Und was die Israelis selbst angeht: Die Rechte hoffe, die Palästinenser zum Auswandern zu bewegen, die Linke habe überhaupt keine Vision, so Roy: "Sie werfen Netanjahu vor, nicht für die Geiseln zu verhandeln, aber wenn man 500 Palästinenser tötet, um die Geiseln zu befreien, ist es ihnen egal. Niemand sagt, dass keine Palästinenser getötet werden sollen."
Monika Borgmann leitet ein Kulturhaus in Beirut, mitten im Gebiet der Hisbollah. Ihr Mann, der libanesische Verleger Lokman Slim, wurde 2021 mutmaßlich von der Hisbollah ermordet. Sie wolle mit dem Kulturzentrum versuchen, "die mentalen Grenzen zu überwinden, die es in Beirut noch immer gibt und die sich in unsichtbare geografische Grenzen übersetzen", sagt sie im SZ-Gespräch mit Moritz Baumstieger, in dem sie nach dem Tod von Hassan Nasrallah auf Proteste im Libanon hofft: "Ich denke eher, dass sich einige Menschen, die die Hisbollah bislang eher unterstützt haben, nun Fragen stellen. Warum bringt die Hisbollah sie mit ihrem Krieg gegen Israel in die Situation, aus ihren Häusern fliehen zu müssen - und leistet ihnen dann keinerlei Unterstützung? Warum können sich die Kämpfer, die vorgeben, die Libanesen zu beschützen, nicht mal selbst beschützen - und kaufen Tausende mit Sprengstoff manipulierte Pager? Lohnt es sich, für eine Miliz den Preis zu zahlen, die in Syrien für Assad mordet und Palästina befreien will, dabei aber die eigenen Leute vergisst?"
Bernard-Henri Lévy ist nach den jüngsten Erfolgen der israelischen Armee - von der Ausschaltung des Hamas-Terroristen Ismael Haniyeh in Teheran über die Pager-Attacken bis hin zu den Schlägen gegen die Hisbollah - ziemlich euphorisch. Endlich sei das iranische Regime deutlich geschwächt, schreibt er im Tablet Magazine. "Israel atmet... Iranische Frauen lächeln... Die Israelis haben eine Lektion in Entschlossenheit und Mut erteilt. Sie haben das Gegenteil dessen getan, was die europäischen und amerikanischen Cheerleader des Münchner Abkommens wie eine kaputte Schallplatte wiederholt haben: 'De-eskalieren! De-eskalieren!' Denn nach den Theorien des gerechten Krieges, und danach nach Clausewitz, gibt es Situationen in der Geschichte, in denen eine Eskalation leider notwendig und die einzige Option ist."
Der französische Politikwissenschaftler Olivier Roy teilt seine Einschätzung zur Lage im Nahen Osten in einem langen Interview mit der FR: Nach der Tötung Nasrallahs befürchten viele einen "Flächenbrand" in der Region - Roy hält das für unwahrscheinlich, da seien die USA noch vor. Zu den jüngsten Erfolgen der Israelis meint er: "Es war interessant zu sehen, dass die Israelis nicht in der Lage waren, die Hamas zu infiltrieren, sie wussten nichts über die Absichten der Hamas, doch sie wissen alles über die Hisbollah und über das iranische Regime. ... Das ist wichtig, weil es zeigt, dass viele Menschen sich entschieden haben, Verräter zu werden, wahrscheinlich gegen Geld. Es zeigt damit, dass es innerhalb der Hisbollah und der Iraner eine moralische Krise gibt." Und was die Israelis selbst angeht: Die Rechte hoffe, die Palästinenser zum Auswandern zu bewegen, die Linke habe überhaupt keine Vision, so Roy: "Sie werfen Netanjahu vor, nicht für die Geiseln zu verhandeln, aber wenn man 500 Palästinenser tötet, um die Geiseln zu befreien, ist es ihnen egal. Niemand sagt, dass keine Palästinenser getötet werden sollen."
Monika Borgmann leitet ein Kulturhaus in Beirut, mitten im Gebiet der Hisbollah. Ihr Mann, der libanesische Verleger Lokman Slim, wurde 2021 mutmaßlich von der Hisbollah ermordet. Sie wolle mit dem Kulturzentrum versuchen, "die mentalen Grenzen zu überwinden, die es in Beirut noch immer gibt und die sich in unsichtbare geografische Grenzen übersetzen", sagt sie im SZ-Gespräch mit Moritz Baumstieger, in dem sie nach dem Tod von Hassan Nasrallah auf Proteste im Libanon hofft: "Ich denke eher, dass sich einige Menschen, die die Hisbollah bislang eher unterstützt haben, nun Fragen stellen. Warum bringt die Hisbollah sie mit ihrem Krieg gegen Israel in die Situation, aus ihren Häusern fliehen zu müssen - und leistet ihnen dann keinerlei Unterstützung? Warum können sich die Kämpfer, die vorgeben, die Libanesen zu beschützen, nicht mal selbst beschützen - und kaufen Tausende mit Sprengstoff manipulierte Pager? Lohnt es sich, für eine Miliz den Preis zu zahlen, die in Syrien für Assad mordet und Palästina befreien will, dabei aber die eigenen Leute vergisst?"
Europa
Wie kann eine Demokratie während eines Kriegs demokratisch bleiben? Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler denkt in der NZZ anhand der Beispiele der Ukraine und Israel über diese Frage nach: "Die ukrainische Demokratie hatte ihre Feuerprobe bestanden. Aber hat sie auch die Kraft, den eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten und an dem gewählten Ziel festzuhalten? Inzwischen machen sich Erschöpfungserscheinungen breit, und der Abweg zu einer 'bonapartistischen Lösung', wie ihn Frankreich mit Napoleon gegangen ist, ist nicht ausgeschlossen. Dazu würde indes gehören, dass es einer von Selenski geführten Ukraine gelänge, die Truppen des russischen Angreifers zu zerschlagen, Russland niederzuwerfen und unter seine Herrschaft zu bringen. Das ist ausgeschlossen." Es müssen also Wahlen her, aber das gestaltet sich schwierig, so Münkler: "Einige Millionen ukrainischer Bürger haben das Land verlassen und halten sich in Staaten der EU auf. Sie müssten an den Wahlen teilnehmen können, aber wie ließe sich das organisieren? Und können dann die, die sich dem Wehrdienst entzogen haben, dasselbe Stimmgewicht haben wie jene, die im Land verblieben sind und an der Front kämpfen? Kommt hier das demokratische Prinzip des 'one man, one vote' an seine Grenze?"
Auch Sonja Zekri beschäftigt sich in der SZ mit der Widerstandsfähigkeit der Demokratie, der ja leider das Risiko innewohnt, sich selbst abzuschaffen, sollten demokratiefeindliche Parteien an die Macht kommen. Zekri blickt auf historische Beispiele, wie die Wahl in Algerien, nach der Anfang der Neunziger der Bürgerkrieg ausbrach oder den Putsch in Ägypten - Antworten findet sie dort nicht, aber: "Ändert das etwas am gemeinsamen Dilemma? Eine demokratiefeindliche Partei lässt sich isolieren, verbieten, bekämpfen. Aber ihre Wähler? Haben sie nicht ein Recht darauf, dass ihre Stimme sich in den Herrschaftsverhältnissen irgendwo widerspiegelt, kann man sie einfach unter den Tisch fallen lassen und durch entsprechende Koalitionen wirkungslos machen?"
Die "alte Selbstverständlichkeit der Westanbindung der BRD" steht auf der Kippe, meint in der NZZ der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich L. Sell - die Orientierung gen Osten hat dabei zwei Gesichter: "Paradoxerweise hat die gegenwärtige deutsche Hinwendung zum Osten zwei sich völlig widersprechende Motive: Ein (immer noch großer) Teil der Bevölkerung solidarisiert sich mit der überfallenen Ukraine, mit Grenzstaaten zu Russland, wie etwa den baltischen Ländern oder Polen. Ein anderer (zunehmender) Teil, von russischer Propaganda und Fake News genährt, will es sich mit den Russen nicht verderben und verharmlost die Verbrechen des Kreml. Die Liebe zu Tolstoi, Dostojewski und Tschechow dürfte dabei weniger den Ausschlag geben. In beiden Fällen sind jedenfalls Emotionen zugunsten des Ostens im Spiel, der Westen spielt dabei fast keine Rolle."
Auch Sonja Zekri beschäftigt sich in der SZ mit der Widerstandsfähigkeit der Demokratie, der ja leider das Risiko innewohnt, sich selbst abzuschaffen, sollten demokratiefeindliche Parteien an die Macht kommen. Zekri blickt auf historische Beispiele, wie die Wahl in Algerien, nach der Anfang der Neunziger der Bürgerkrieg ausbrach oder den Putsch in Ägypten - Antworten findet sie dort nicht, aber: "Ändert das etwas am gemeinsamen Dilemma? Eine demokratiefeindliche Partei lässt sich isolieren, verbieten, bekämpfen. Aber ihre Wähler? Haben sie nicht ein Recht darauf, dass ihre Stimme sich in den Herrschaftsverhältnissen irgendwo widerspiegelt, kann man sie einfach unter den Tisch fallen lassen und durch entsprechende Koalitionen wirkungslos machen?"
Die "alte Selbstverständlichkeit der Westanbindung der BRD" steht auf der Kippe, meint in der NZZ der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich L. Sell - die Orientierung gen Osten hat dabei zwei Gesichter: "Paradoxerweise hat die gegenwärtige deutsche Hinwendung zum Osten zwei sich völlig widersprechende Motive: Ein (immer noch großer) Teil der Bevölkerung solidarisiert sich mit der überfallenen Ukraine, mit Grenzstaaten zu Russland, wie etwa den baltischen Ländern oder Polen. Ein anderer (zunehmender) Teil, von russischer Propaganda und Fake News genährt, will es sich mit den Russen nicht verderben und verharmlost die Verbrechen des Kreml. Die Liebe zu Tolstoi, Dostojewski und Tschechow dürfte dabei weniger den Ausschlag geben. In beiden Fällen sind jedenfalls Emotionen zugunsten des Ostens im Spiel, der Westen spielt dabei fast keine Rolle."
Kulturpolitik
Die Öffentlich-Rechtlichen Sender müssen sparen und was fällt ihnen ein? 3sat quasi zu streichen: "Das liegt im Trend", ärgert sich Jürgen Kaube in der FAZ. "In fast allen Sendern werden die Programme für Literatur, ernste Musik und Theater zurückgefahren. Von Kai Gniffke, dem ARD-Vorsitzenden, heißt es, er könne sich vorstellen, dass jedes Buch, das im Reich der ARD rezensiert wird, von Flensburg bis Konstanz nur noch ein einziges Mal rezensiert werden wird. Auf die Idee, die Pop- und Volksmusik-Songs, die im selben Gebiet erklingen, nur noch von einem der Kanäle abspielen zu lassen, ist hingegen noch keiner der Intendanten gekommen." Vielleicht, ätzt Kaube, sollte man "die Worte 'Bildung' und 'Aufklärung' nicht nur als Phrasen vor sich hertragen, die man braucht, wenn mal wieder jemand am Sinn der Rundfunkbeiträge zweifelt".
Auch Merlin-Verlegerin Katharina E. Meyer sieht "das kulturelle Selbstverständnis hierzulande kränkeln" und beklagt in der FAZ dass es kaum eine Förderung für die Verlagslandschaft gebe, deren Diversität sie bedroht sieht. Woanders sieht es besser aus: "Während wiederholt zu hören war, dass die Mittel für eine strukturelle Förderung beim besten Willen nicht verfügbar seien, erreichte ein anderer Bereich der Kreativwirtschaft, die Games-Industrie, für die Jahre bis 2026 einen Förderzuwachs von 100 Millionen Euro. Was sagt das aus über das kulturelle Selbstverständnis in Deutschland?"
Dass die Politik es nicht geschafft hat, sich bis zum ersten Jahrestag des 7. Oktober auf eine Antisemitismusklausel für die staatliche Kulturförderung zu einigen, ist ein Armutszeugnis, sie "scheitert an der nämlichen Aufgabe, der nicht gerecht zu werden sie den Kulturinstitutionen vorgeworfen hat", kritisiert in der Zeit Ijoma Mangold.
Auch Merlin-Verlegerin Katharina E. Meyer sieht "das kulturelle Selbstverständnis hierzulande kränkeln" und beklagt in der FAZ dass es kaum eine Förderung für die Verlagslandschaft gebe, deren Diversität sie bedroht sieht. Woanders sieht es besser aus: "Während wiederholt zu hören war, dass die Mittel für eine strukturelle Förderung beim besten Willen nicht verfügbar seien, erreichte ein anderer Bereich der Kreativwirtschaft, die Games-Industrie, für die Jahre bis 2026 einen Förderzuwachs von 100 Millionen Euro. Was sagt das aus über das kulturelle Selbstverständnis in Deutschland?"
Dass die Politik es nicht geschafft hat, sich bis zum ersten Jahrestag des 7. Oktober auf eine Antisemitismusklausel für die staatliche Kulturförderung zu einigen, ist ein Armutszeugnis, sie "scheitert an der nämlichen Aufgabe, der nicht gerecht zu werden sie den Kulturinstitutionen vorgeworfen hat", kritisiert in der Zeit Ijoma Mangold.
Religion
Auf hpd stellt Alexander Wolber eine deutschlandweite Studie der Universität Münster zu den Islamstudiengängen und der islamischen Religionspädagogik in Deutschland vor. Die Hoffnung, mit diesen Studiengängen einen europäischen, von offiziellen türkischen Einflüssen unabhängigen Islam anzustoßen, haben sich danach nicht recht erfüllt: "Über die Hälfte stimmt dem Motiv zu, andere bekehren zu wollen (52 Prozent) und noch mehr lehnen einen an Europa angelehnten Islam ab (68 Prozent). Darüber hinaus fühlen sich die meisten durch DITIB (68 Prozent) und/oder IGMG (59 Prozent) repräsentiert. Des Weiteren berichten 57 Prozent, fast ausschließlich muslimische Freunde zu haben (Segregation). ... Feindbilder sind ebenfalls weit verbreitet: 56 bis 60 Prozent vertreten antiwestliche Vorstellungen, zum Beispiel, dass der Westen verantwortlich für schlechte Bedingungen in islamischen Ländern sei, oder dass er alles dafür tun würde, dass der Islam keine Hochkultur werden könne. ... Die Autoren fassen zusammen, dass circa ein Viertel der Untersuchungsteilnehmenden eine fundamental islamistische Weltsicht vertritt und die Islamisierung der Politik befürwortet. 10 Prozent befürworten "reaktive" Gewalt, während 6 Prozent aktive Gewalt an Ungläubigen befürworten. Positiv hervorzuheben ist, dass 98 Prozent Gewalt an Frauen zurückweisen und demokratischen Werten im Allgemeinen zustimmen."
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