Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Arrondierte Männergruppen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld.

Weitere Medien, 18.03.2010

Der berühmte Interviewer Andre Müller (man kann alles hier nachlesen), erklärt im Interview mit Christian Ultsch in der Presse, warum es für sein Metier von Vorteil war, ohne Vater aufzuwachsen: "Man hat kein Über-Ich. Man hat keine Grenzen, keine moralischen Vorschriften. Und das habe ich auch immer in Verbindung gebracht mit meiner Interviewbegabung. Ich begegne niemandem mit Meinungen, sondern wie ein Loch, in das er sich hineinergießen kann, bis er gar nicht mehr merkt, dass er da schon reinstrudelt. Weil ich eine Leere bin, eine moralische und ideologische."


Und im Zürcher Tages-Anzeiger erklärte Rico Bandle schon vor zwei Tagen zu zehn Jahre Perlentaucher: "Dass die Seite mittlerweile dermassen angefeindet wird, dürfen die Betreiber durchaus als Kompliment auffassen".

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Die Tageszeitung, 18.03.2010

Auf der Meinungsseite plädiert der Historiker Alexander Hasgall dafür, jüdischen Israelkritikern wie Norman Finkelstein und seinen Thesen vom "Missbrauch des Holocaust" kein Podium zu geben. Gleichzeitig widerspricht er Iris Hefets, die kürzlich in der taz einen "Schoah-Kult" in der deutschen Politik beklagte. "Dabei ist eine differenzierte Auseinandersetzung über die Frage, wie angemessen an die Schoah erinnert werden kann, durchaus notwendig. Dass dieser Umgang nicht immer frei von Pathos, politischer Instrumentalisierung und Kitsch ist, wird niemand bestreiten ... Wer aber das Gedenken an die Schoah pauschal als irrationalen Kult abstempelt, der beleidigt nicht nur das Andenken an die Opfer, sondern darf sich nicht beklagen, wenn er Applaus von Revisionisten jeder Couleur bekommt."


Auf den Kulturseiten erklärt der Bürgerrechtler Jens Reich im Interview, weshalb er bei den Volkskammerwahlen vor 20 Jahren glaubte, dass man kein Parteienparlament brauche, und Naivität für ihn kein Schimpfwort ist. Christian Werthschulte berichtet über die zum Selbstläufer gewordene lit.Cologne, die sich regen Zulaufs erfreut, und zwar nicht nur, wenn die frisch gebackene Literaturpreisträgerin Herta Müller auf das "Gesicht der chinesischen Dissidenz" Ai Weiwei trifft.

Auf der Medienseite informiert Lalon Sander die taz-Leser über zehn Jahre Perlentaucher. In tazzwei behauptet Sebastian Ingenhoff, die "digitale Boheme" (wer immer das sein soll), leide entweder Hunger oder verkaufe sich an die Wirtschaft.

Besprochen werden der Irakkriegsfilm "Green Zone" von Paul Greengrass und der Dokumentarfilm "Die 4. Revolution - Energy Autonomy" von Carl-A. Fechner. Außerdem heute gibt es heute die Literataz mit Rezensionen unter anderem von Frank Schulz' Erzählband "Mehr Liebe", Katrin Seddigs Debüt "Runterkommen" von  und Robert Skidelskys Sachbuch "Rückkehr des Meisters" über den Ökonomen John Maynard Keynes. (Wir werten die Beilage in den nächsten Tagen aus.)

Und Tom.

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Die Welt, 18.03.2010

Brigitte Preissler führt mit der Poststrukturalistin Julia Kristeva ein höchst instruktives Gespräch über den von ihr stammenden und durch die Hegemann-Affäre anrüchig gewordenen Begriff der Intertextualität. Sie beschreibt ihn als einen dialogischen Begriff der Literatur und findet dann einige überraschende Argumente gegen Digitalisierung und Internet: "Es ist sehr leicht geworden, abzuschreiben oder etwas nachzumachen und die Komposition dann als eigene auszugeben - ohne besondere Eingriffe, durch bloßes Copy & Paste. Das ist meiner Meinung nach einer der schwächsten Aspekte moderner Kultur, und es bedeutet für unseren Begriff von Kreativität eine enorme Krise. Der Begriff des Subjekts und des kreativen Individuums, diese persönliche Konstruktionseinheit, die wir vom Juden- und Christentum geerbt haben, kollabiert." Als hätte nicht ihre Schule so fleißig am Begriff des Subjekts gesägt!


Weitere Artikel: Sven Felix Kellerhoff stellt einen von hochkarätigen Historikern erstellten Bericht über "Die Zerstörung Dresdens" vor, der die Opferzahl des alliierten Bombenangriffs endgültig auf etwa 20.000 bis 25.000 festlegt und damit höhere Opferzahlen, die in der Literatur kursieren, widerlegt. Wieland Freund schlägt in der Leitglosse vor, dass Raubkopierer ihre Hörbücher künftig einfach in der Bibliothek ausleihen. Sven Felix Kellerhoff erinnert an den 18. März 1848 und stellt den Band einer Initiative vor, die für dieses Datum als Nationalfeiertag plädiert. Gabriela Walde bespricht zwei Ausstellungen mit islamischer Kunst in Berlin, das nach Ambitionen des Direktors des Islamischen Museums der Stadt, Stefan Weber, zu einem der Weltzentren für die Gattung avancieren soll. Dankwart Guratzsch fürchtet um den Abriss des Kaufhauses Knoop in Leipzig.

Besprochen werden William Kentridges Inszenierung von Schostakowitschs "Nase" in New York, die Ausstellung "Catch Me" in Graz und Filme, darunter "Everybody's Fine" (mehr hier) dessen Hauptdarsteller Robert de Niro den Kritiker Sascha Westphal durch zurückhaltendes Spiel beeindruckt.

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Aus den Blogs, 18.03.2010

In der Achse des Guten schreibt Henryk Broder zur Islamophobie-Debatte: "Die Idiotie der Behauptung, die in Deutschland lebenden Muslime seien die Juden von heute, liegt freilich nicht im Faktischen sondern im Pathologischen. Es ist der 'Holocaust-Neid' der Versager, die davon überzeugt sind, dass es ihnen heute besser ginge, wenn sie früher so wie die Juden verfolgt worden wären."

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Frankfurter Rundschau, 18.03.2010

Andreas Förster berichtet heute in der FR (wie bereits gestern in der Berliner Zeitung), dass Günter Grass und einige Schriftstellerkollegen in den siebziger Jahren von dem früheren tschechischen Stasi-Offizier Jiri Starek, der dann für westliche Geheimdienste arbeitete, bespitzelt wurden. In Stareks Nachlass "finden sich jedenfalls Berichtskopien über Grass und das Projekt für die Zeitschrift L 76, die Autoren aus West und Ost zusammenbringen sollte. Ob die in Deutsch abgefassten Berichte damals an den BND oder den Verfassungsschutz gingen, lässt sich allerdings nicht erkennen. Mitarbeiter beider Behörden aus jener Zeit, die wir mit den Starek-Berichten konfrontierten, konnten oder wollten sich nicht daran erinnern. Sie schlossen es aber nicht aus, dass ihre Behörden Adressaten der Berichte gewesen sind, schließlich entsprach der Inhalt ihrem seinerzeitigen Aufgabenspektrum."


Weitere Artikel: Die Krimi-Bestsellerautoren Liza Marklund und James Patterson erklären in einem langen Interview, warum sie jetzt zusammen einen Krimi geschrieben haben und warum die Leute überhaupt gerne Krimis lesen. In Times mager erinnert sich Christian Thomas an einen Axolotl von Julio Cortazar.

Besprochen werden Norbert Baumgartens Film "Mensch Kotschie", Paul Greengrass' Film "Green Zone" und Bücher, darunter Jan Faktors Roman "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" und Natan Dubowizkis Roman "Nahe Null" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2010

Für den Osteuropa-Historiker und Skanderbeg-Biografen Oliver Jens Schmitt ist das taumelnde Griechenland weniger die Wiege der europäischen Kultur als ein Balkanland. Und die nie abgelegten Strukturen des Osmanischen Reiches haben auch zu seiner jetzigen Krise beigetragen, wie er erbarmungslos festhält: "Das verbreitete Misstrauen der Gesellschaft gegenüber dem Staat, die Hemmung staatlicher Einrichtungen durch Klientelismus und Korruption, die Bedeutung persönlicher Beziehungen bei der Wahrnehmung sozialer Interessen, eine nicht gleichmäßig akzeptierte Übernahme europäischer Normsysteme (Verfassung, Recht), eine geringe Konsensfähigkeit im politischen Leben, eine gewisse Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft, die bisweilen verbunden ist mit kollektivistisch ausgerichteten Gesellschaftsidealen."


Weiteres: Andrea Tholl spricht mit Krimiautor Ian Rankin, der seinen Inspector Rebus mit sechzig Jahren in den Zwangsruhestand schicken musste und nun den internen Ermittler Malcolm Fox an den Start bringt. Marcus Stäbler bespricht die jüngsten Aufführungen der Oper Hamburg.

Besprochen werden die Ausstellung "Avanguardia Femminista negli anni '70" in der Galleria Nazionale d'Arte Moderna in Rom, auf der Filmseite Lee Daniels' Sozialdrama "Precious" (Links hier) und Alberto Arvelos venezolanische Dokumentation "El sistema".

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Die Zeit, 18.03.2010

"Männer haben Jungen missbraucht, Männer haben das gedeckt", hält Susanne Mayer in ihren Überlegungen zum Missbrauch in Konvikt und Reformschule fest: "Bleibt die Frage, warum eine Gesellschaft, die sich so erfolgreich als Patriarchat behauptet, mit ihren arrondierten Männergruppen an allen Schaltstellen der Macht, so hilflos darin erscheint, ausgerechnet das männliche Kind vor dem pädophilen Zugriff zu schützen. Vielleicht ist das nur zu verstehen als Abwehr des homophilen Elements, das sich in jeder Männergruppe findet, welche sich nach dem narzisstischen Prinzip der Ähnlichkeit zusammenrottet, was noch jedes Foto einer Vorstandssitzung gnadenlos outet."


Ulrich Greiner würde nicht viel auf die allenthalben geforderte Entschuldigung des Papstes nicht geben: Der in Hamburg lehrende Pädagoge Jürgen Overhoff erklärt die Reformpädagogik nicht nur als Reaktion auf den Wilhelminismus, sondern auch als "Gegenprogramm zur heraufziehenden bürgerlich-liberalen Moderne" inklusive "Anonymität, Hektik, Nervosität, Reizüberflutung, Konsumorientierung, Dreck und Individualitätsstreben". Christiane Grefe nimmt das System der Regenburger Domspatzen mit seiner "Mischung aus schwarzer Pädagogik und Pädophilie" unter die Lupe.

Weitere Themen: Vorabgedruckt wird ein Essay von Martin Walser über Heinrich Heines Größe und seinen Artikel IX über die "Französischen Zustände" von 1832, dessen Handschrift neu ediert wird. Sven Behrisch besucht die israelische Großsiedlung Ariel, in der etwa 20.000 Menschen, meist Einwanderer aus Marokko, Äthiopien und Russland leben. Ursula März liest die jüngsten Erzählungen von überstandenen Krisen, findet in ihnen aber keine Verbindung mit dem "realen Charakter von Makrokrisen". Claudia Steinfeld proträtiert die Schauspielerin Gabourey Sidibe, die leider immer mit ihrer Rolle als 300 Pfund schweres, missbrauchtes und geprügeltes Mädchen in "Precious" verwechselt wird.

Die Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse würdigt vor allem das Tagebuch als "letzten unangreifbaren Ort der Freiheit".  Besprochen werden unter anderem die Aufzeichnungen von Susan Sontag, Martin Walser und Roland Barthes.

Im Wirtschaftsteil informiert Gunhild Lütge in einem instruktiven Hintergrundartikel über die geplante Arbeitnehmer-Datenbank Elena, eine der "größten staatlichen Datensammel-Aktionen, seit es Computer gibt.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2010

Facebook, Twitter und Co eignen sich nicht nur trefflich, um Widerstand gegen autoritäre Regime zu organisieren, warnt der aus Weißrussland stammende, in den USA lehrende Netz-Politologe Evgeny Morozov. Die Tyrannen hätten schnell gelernt, die Netzwerke zu nutzen, um Schrecken und Propaganda zu verbreiten und die oppositionelle Szene effektiver denn je auszuspähen. Deshalb warnt Morozov (hier im Original) den Westen davor, zu sehr aufs Web 2.0 zu setzen und plädiert mehr füs Networking auf die altmodische Tour: "In praktisch allen autoritären Regimen gibt es eine große Zahl nicht überwachter Aktivisten, Dissidenten und regimekritischer Intellektueller, die Facebook bestenfalls dem Namen nach kennen. Diese nicht übers Internet verbundenen und doch effektiven Netzwerke zu unterstützen, wird mehr bringen als der Versuch, Blogger zu politischen Aktivitäten anzuhalten. " (Morozov, der gerade an einem Buch zum Thema arbeitet, hat in letzter Zeit sehr viel über das Netz geschrieben. Eine Liste mit Links zu seinen Artikeln findet sich auf seiner Homepage.)


Weitere Artikel: Jordan Mejias kann mit David Shields' viel diskutiertem Manifest "Reality Hunger" überhaupt nichts anfangen (mehr dazu im Believer, New Statesman, Guardian, NYT, the Atlantic, GQ und im New Yorker). Der niedersächsische Landtag hat den koreanischen Architekten Eun Young Yi beauftragt, einen neuen Plenarsaal im Hannoveraner Leineschloss zu bauen. Der aktuelle Bau von Dieter Oesterlen, ein denkmalgeschütztes Exemplar westdeutscher Wiederaufbauarchitektur solle dafür weichen "wie eine Frittenbude", beklagt Dieter Bartetzko. Die britische Hofdichterin Carol Ann Duffy hat ein Gedicht auf David Beckhams Achillessehnenriss verfasst, berichtet Gina Thomas. Andreas Rossmann meldet, dass das sich der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma von Gerhard Richter hat porträtieren lassen. Regina Mönch zeigt sich in ihrer Leitglosse erleichtert, dass die Greifswalder Universität sich trotz dessen antisemitischen Tendenzen weiterhin nach Ernst Moritz Arndt nennen will. Und auf der Kinoseite führen Michael Althen und Verena Lueken ein Gespräch mit den neuen Präsidenten der Filmakademie, Iris Berben und Bruno Ganz (der mit seiner Rolle als Präsident noch zu fremdeln scheint: "Demokratische Prozesse liegen nicht im Kern meines Berufs, nein, wirklich nicht.")

Besprochen werden eine Ausstellung zur "Wiederkehr der Landschaft" in der Berliner Akademie der Künste, eine Schau zu Maria Lassnigs Spätwerk im Münchner Lenbachhaus, ein Konzert des Jazzpianisten Brad Mehldau in Darmstadt sowie Hans-Ulrich Treichels Roman "Grunewaldsee".

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Süddeutsche Zeitung, 18.03.2010

Die Heizung hat sie nicht für ihn angestellt, dafür rührte sich ihre Katze für anderthalb Stunden nicht von Jörg Häntzschels Schoß: Im Gespräch mit Patti Smith entlockt er der Großmutter des Punk wehmütige Erinnerungen an das alte heruntergekommene New York der 60er Jahre und ein Wehklagen über dessen Renovierung unter Bürgermeister Michael Bloomberg: "Es ist kriminell. Am Times Square sieht es aus wie in 'Blade Runner'. 42nd Street ist wie Disneyland. Die kleinen Cafes, in denen vielleicht schon Dylan Thomas geschrieben hat, werden von Leuten mit viel Geld aufgekauft. (...) Das CBGBs ist jetzt eine Boutique für Herrenmode! Wir sind ein junges Land, wir könnten es uns nicht erlauben, unsere Geschichte mit Glas und Stahl wegzuwischen." (Eine Ahnung vom kulturförderlichen Dreck im legendären Punkschuppen CBGB vermittelt diese beeindruckende virtuelle Tour)


Weitere Artikel: Catrin Lorch berichtet von einem Streit zwischen dem Museum Schloss Moyland und dem Land Nordrhein-Westfalen um das Beuys-Erbe. Aus Uganda schreibt Arne Perras über die Königsgräber in Kasubi, die in der Nacht zum Mittwoch einem Brand zum Opfer fielen (siehe auch diese Meldung). Vasco Boenisch berichtet vom Schulterschluss zwischen Theater und Sport in Oberhausen (beide sind dort von Kürzungen gegängelt), den beide in Schorsch Kameruns gerade uraufgeführtem Stück "Abseitsfalle" (mehr) vollziehen. Hans-Peter Kunisch gratuliert dem Schriftsteller Hector Bianciotti zum 80. Geburtstag.

Viel los auf der Filmseite: Besprochen werden "Everybody's Fine" mit Robert de Niro (mehr), das norwegische Drama "Troubled Water" (mehr), die Dokumentation "Udo Proksch. Out of Control" (mehr), der Horrorfilm "Legion" (mehr) und die Metaldoku "Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft" (mehr), in der "hässliche Männer hässliche Sachen machen". Im Literaturteil zeigt sich Burkhard Müller beglückt von Jan Faktors neuem Roman "Georgs Sorgen um die Vergangenheit", in dem die Titelfigur davon träumt, Müllmann zu werden (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

Vergegenwärtigungskunst

24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel.  Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen

Gewaltige Portion Besserwisserei

23.01.2012. Wahre Hymnen auf Deutschland singt Horace Engdahl aus der Jury des Literaturnobelpreises im Tagesspiegel. Die Welt kann mit Friedrich dem Großen ehrlich gesagt nicht so viel anfangen. Die taz porträtiert die große chinesische Autorin Eileen Chang und die NZZ den Schriftsteller und Psychiater Ion Vianu. Und auch hier noch eine Hymne auf Deutschland, genauer: Berlin - von dem Schweizer Autor Alain Claude Sulzer. Mehr lesen

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