Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Mein Denken scheint mir flüssiger geworden

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.01.2010. Auf der Website von Prospect und in Blogs wird heftig über den Nutzen sozialer Medien für die Demokratiebewegung im Iran debattiert. In Carta fordern die Medienökonomen Hanno Beck und Andrea Beyer, dass die Rundfunkgebühren nicht mehr in die Anstalten, sondern in einen Rundfunkfonds gesteckt werden, der per Ausschreibung über den besten Anbieter entscheidet. Die FAZ übersetzt einige Artikel zur Edge-Frage des Jahres: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? Das Provokante an Kurt Westergaards Karikatur ist ihre Wahrhaftigkeit, meint Daniele Dell'Agli in der Welt. Die NZZ widmet sich der Geschichte des Falsett-Gesangs in der Popmusik.

Aus den Blogs, 08.01.2010

Britische und amerikanische Intellektuelle diskutieren über die Potenziale des Internets für die Demokratisierung eines Landes wie Iran. Der Internetsketpiker Evgeny Morozov hatte in Prospect bezweifelt, dass die sozialen Medien den Aufständigen nützen. Darauf antwortete Clay Shirky (mehr in unserer Magazinrundschau vom 15.12.), darauf replizierte Morozov und nun greift mit einigen interessanten Argumenten Patrick Philippe Meier in seinem Blog iRevolution ein, der in Harvard über die Internetrevolution in repressiven Regimes forscht. Ein Argument gegen Morozov: "when attacked, centralized organizations tend to become even more centralized. A more centralized and paranoid regime, however, doesn't mean a more powerful regime. Greater repression is a typical reaction by a threatened regime during a revolution and often before a change of power."


(Gelesen bei Gizmodo) Das ist einfach eine gute Überschrift für einen Wissenschaftsartikel: "There's No Cure For Cancer, But We Are Hard At Work Shaving Fly Genitalia With Lasers."

"Nicht die Institution des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht auf dem Prüfstand, sondern dessen Institutionen", schreiben die Medienökonomen Hanno Beck und Andrea Beyer in einem aufsehenerregenden Artikel, den das Blog Carta aus der Zeitschrift Wirtschaftsdienst (Heft 12/09) übernimmt. Sie schlagen vor, die Rundfunkgebühren nicht mehr automatisch den Anstalten zukommen zu lassen, sondern in einen Rundfunkfonds fließen zu lassen: "Im Gegensatz zum aktuellen System allerdings soll es beim Rundfunkfonds grundsätzlich allen Anbietern freistehen, sich um Mittel aus diesem Fonds zu bewerben, um damit Beiträge zu erstellen, die den Ansprüchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsprechen. Der Fonds kann entweder Ausschreibungen für bestimmte Sendungen durchführen oder aber Initiativ-Bewerbungen von Anbietern zulassen. Er vergibt Aufträge für Angebote mit öffentlich-rechtlichen Inhalten und bezahlt - nach einer Qualitätskontrolle - den Produzenten der Beiträge."

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Die Welt, 08.01.2010

Manuel Brug besucht Hans Werner Henze bei Rom, wo bald dessen neuestes Werk uraufgeführt wird. Im Gespräch gibt Henze zu verstehen, dass die einst von Adorno, Stockhausen und Boulez zugefügten Wunden immer noch schmerzen. Aber einen Trost hat er: "Er hat sie fast alle überlebt, der Alte von La Leprara. 2005 war er ins Koma gefallen, keiner gab ihm mehr eine Chance. (Sein Lebensgefährte) Fausto Moroni kaufte bereits den Sarg und das Grab, die Einladungskarten waren vorbereitet, der Zug durch den nahen Ort Marino geplant. Henze erholte sich, dafür starb im April 2007 der schwer depressive Fausto. Und bekam Henzes Begräbnis, genau so wie er es selbst vorbereitet hatte."


Kurt Westergaards Karikatur zeigt Mohammed mit Bombe im Turban. Die größte Provokation, so meint der Autor Daniele Dell'Agli, ist wohl die historische Wahrheit daran, denn der Prophet habe seine Lehre durchaus mit Gewalt verbreitet. Eines verdrängten beleidigte Muslime und die Kritiker der "Islamophobie" also: "dass islamische Attentäter sich nicht nur im Einklang mit dem Geiste vieler Koransuren und der meisten ihrer Kommentare wissen, sondern sich für ihre Bluttaten obendrein auf das persönliche Vorbild Mohammeds berufen können."

Weitere Artikel: Michael Pilz verteidigt den Geiger David Garrett, den Andre Rieu der Fortysomethings, der jetzt auf Tournee geht. Thomas Lindemann hofft, dass der von Apple nicht annoncierte und dennoch kommende Tablet-PC die Zeitungen retten wird. Gerhard Gnauck empfiehlt einen historischen Atlas zu Vertreibungen in Europa und ein "Lexikon der Vertreibungen".

Auf der Magazinseite erinnert Alan Posener an Elvis Presley, der heute 75 Jahre alt geworden wäre.

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Weitere Medien, 08.01.2010

(Via Patrick Meier) Chinesische Dissidenten haben eine Soli-Seite für die Protestbewegung im Iran gegründet, CN4IRAN.org, wo Tweets über den Iran kompiliert werden. Einer der Unterstützer ist Ai Weiwei, berichtet Stephanie Ho auf der Website der Voice of America: "Prominent artist Ai Weiwei is one Chinese who has been closely following developments in Iran. He says he was especially busy on-line in the early morning hours of December 28, as the clashes were occurring in Tehran. Ai says he was constantly typing that night and sent countless tweets. He says he thinks the Iranians must have found it so strange, and wondered who is Ai Weiwei?"

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Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2010

Auf der Popseite schildert Ueli Bernay in einem großartigen und sehr lehrreichen Artikel die Geschichte des Falsett-Gesangs in der Popmusik und der jetzt wieder schwer angesagt ist. Allerdings als schwacher Abglanz: "Einerseits stehen Expressivität und Lust in der Pop-Kultur unter Leistungsdruck. Andrerseits ist nicht ganz klar, was diese Lust und Ausdrucksstärke heute motivieren soll. Sensibilität und Emotionalität der Zeitgenossen jedenfalls scheinen so schwach, dass sie sich kaum mehr in neuen musikalischen Stilen ausformen; und so fehlt es umgekehrt auch an musikalischen Pioniertaten, die künstlerische Begeisterung entfachen könnten. Deshalb handelt es sich beim Falsett heute oft um Gimmick oder Fake: Hedonistische Intensität wird ständig und überall simuliert, gespielt, vorgegaukelt."


Natürlich war niemand so grandios wie Prince im Falsett, höchstens vielleicht noch Curtis Mayfield, dessen Videos immerhin im Netz stehen:



Dass wir immer länger, immer länger fit bleiben und besser aussehen, lässt die Autorin Dubravka Ugresic ein wenig schaudern. Wieso das Ganze? Nur damit wir am Ende einen Blumenstrauß vom Bürgermeister bekommen? "Viele Kulturen kannten neben anderen Ritualen auch das der Euthanasie und des Gerontozids. Diese Rituale konnten harmlos sein (man öffnete z. B. die Fenster, damit kalter Luftzug den Tod beschleunigte und die Seele leichter hinausflog), aber auch pragmatisch wirksam (Tötung, Verbrennung, Aushungern, Ertränken, Aussetzen im Wald, von einem Felsen hinunterstoßen)."

Carsten Krohn begutachtet Thom Maynes Hochschulgebäude für die Cooper Union in New York (mehr Bilder hier). Karin Hellwig bespricht die Ausstellung des spanischen Malers Juan Bautista Maino im Prado.

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Frankfurter Rundschau, 08.01.2010

Tobi Müller ist ganz hingerissen von Adam Greens neuem Album "Minor Love" und huldigt dem Sänger als dem Anti-Helden des Anti-Folk: "Adam Green war zwar zu ironisch, um ganz in den Bann des Neo-Lagerfeuers zu geraten. Seine kurzen Songs und sein Bariton klangen zu sehr nach Lee Hazelwood. Nach Herrenschmuck, den er nie trug, und nach Koteletten, die er sich nie wachsen ließ. Green war lustig und smart, live auch mit körperlichen Folgen. Auf einem seiner ersten großen Europa-Konzerte, 2004 in der Berliner Volksbühne, sah man nicht nur eine erstklassige Band und einen sicheren Performer, sondern etwas, was man an ernstzunehmenden Konzerten schon lange nicht mehr gesehen hatte: Frauen, die ohnmächtig wurden. Das Foyer glich einem Lazarett."


Weitere Artikel: Robert Kaltenbrunner stellt klar, dass Denkmalschutz mehr leisten muss, als Altstädten die dekorative Fassade für ihre Shopping-Oasen zu liefern. Peter Iden gratuliert dem Schauspieler Edgar Böhlke zum Siebzigsten. Auf der Medienseite wirft Annette Bräunlein einen Blick auf die russische Blogosphäre.

Besprochen werden der Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und Thomas Mann sowie Nanni Balestrinis Roman "Tristano" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Die Tageszeitung, 08.01.2010

Im Streit um den vakanten Sitz der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" argumentiert der Journalist Pit Fiedler auf der Meinungsseite, dass ein zentrales und repräsentatives Gedenken nicht ins digitale Zeitalter passe und plädiert deshalb für ein digitales Museum. "Denn unterschiedliche Sichtweisen und Darstellungsformen befördern den Prozess der Verständigung. Wer sich dagegen, aus welchen Motiven auch immer, eine Deutungshoheit anmaßt, erstickt diese Entwicklung gleich im Keim. Im internationalen Vergleich der 'Forschungsergebnisse' würde deutlich werden, wie viele Gesichter die Vertreibung hat."


Im Kulturteil Besprechungen des zweiten Albums von Vampire Weekend "Contra", der Doppel-LP "Variationen über die Freiheit eines Anderen" & "Der Himmel ist Blau - Ein Alptraum in Stereo" der Wiener Musikerin Fantas Schimun und von Rune Denstad Langlos Spielfilm "Nord", in dem ein depressiver Held mit Ski und Schneemobil durch Norwegen zieht.

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 08.01.2010

Der Theologe Mohsen Kadivar, Mitverfasser einer Erklärung (Auszug) von im Ausland lebenden iranischen Intellektuellen, erläutert die Ziele und Hintergründe des Papiers: "Die Mehrheit der Iraner verspürt keinen Wunsch nach einer zweiten Revolution, dreißig Jahre nach der letzten. Stattdessen wollen die meisten institutionelle und grundlegende Veränderungen des Systems. Deshalb können wir diese Bewegung als eine Reformbewegung bezeichnen, deren Ziele zwar revolutionär sind, die aber absolut gewaltfrei, behutsam und im Rahmen der bestehenden Gesetze agiert. Deshalb haben wir in dieser Erklärung stark auf die Verfassung der Islamischen Republik geachtet. Wir haben versucht, die Bereiche anzusprechen, die mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und mit den Prinzipien der Demokratie übereinstimmen."


Weitere Artikel: Kurt Kister zergliedert Guido Westerwelles Dreikönigsrede. Harald Eggebrecht und Wolfgang Schreiber erklären anlässlich des Weggangs von Christian Thielemann, warum man sich in München heute noch so gerne an den schwierigen Sergiu Celibidache erinnert. Johannes Boie weiß, was es mit Airtags auf sich hat. Christine Dössel gratuliert der Schauspielerin Jennifer Minetti zum Siebzigsten. Laura Weissmüller schreibt zum Tod des US-Künstlers Kenneth Noland. Jonathan Fischer hat einen kurzen Nachruf auf den Soul-Produzenten Willie Mitchell verfasst.

Besprochen werden eine Kunstinstallation zum Warschauer Ghetto im Zentrum der polnischen Hauptstadt, die Ausstellung "Elger Esser: Eigenzeit" im Stuttgarter Kunstmuseum, Caroline Bottaros Film "Die Schachspielerin" und Bücher, darunter Leon de Winters Roman "Das Recht auf Rückkehr" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2010

Edge.org fragt, wie das Internet unser Denken verändert. Frank Schirrmacher seinerseits führt in die Problemstellung ein, übersetzt wird eine kleine Auswahl der sehr, sehr vielen Originalantworten von edge.org. Geoffrey Miller etwa hat einzusehen gelernt, dass andere besser wissen, welche Filme ihm gefallen werden, als er selbst es einschätzen kann: "Um zu entscheiden, welchen Film aus dem Netflix-Angebot ich mir anschaue, werfe ich einen Blick auf die Durchschnittsbewertungen der Filme in Netflix, der International Movie Database sowie Metacritic. In ihnen spiegelt sich die wachsende Kompetenz der Nutzer, die Bewertungen abgeben, wider - bei Netflix sind es die Kunden, die Filme ausleihen, in der IMDB Filmfans und auf Metacritic Filmkritiker. Jeder Film, der in allen drei Diensten eine hohe Bewertung erzielt, ist praktisch immer aufregend, schön und durchdacht." Wired-Redakteur Kevin Kelly hält es mit Sokrates: "Ich bin mir zunehmend über gar nichts mehr sicher. Im Großen und Ganzen gehe ich immer stärker davon aus, dass das, was ich weiß, gar nicht stimmt. Mein Denken scheint mir flüssiger geworden."


Weitere Artikel: Eduard Beaucamp findet in seiner Kolumne "Kunststücke", dass endlich eine klare - und damit das Gegenteil einer postmodernen - Haltung zur Moderne gefunden werden muss. In der Glosse geht es darum, wie man den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Bäcker hätte anreden können. Eine Mängelliste für die Kulturhauptstadt Ruhr hat Andreas Rossmann. Aus dem Ungarischen Pendant Pecs berichtet Dirk Schümer, aus Istanbul Karen Krüger. Rüdiger Klein begutachtet die neugestaltete Kirche St. Klara in Nürnberg. "F.P." schreibt kurz zum Tod des Popkomponisten Franz Bartzsch.

Auf der Medienseite kommentiert Jürg Altwegg die noch etwas vagen französischen Pläne für eine "Google-Steuer": "Lobenswert ist der französische Wille, die Netz-Ökonomie seiner bedrohten Kulturindustrie zu organisieren und nicht der herrschenden Anarchie zu überlassen."

Besprochen werden ein Auftritt des Bejart Ballet Lausanne an der Pariser Oper, die Ausstellung "Louis XIV - L'homme et le roi" im Schloss von Versailles, Frieder Wittichs Komödie "13 Semester" (mehr) und Bücher, darunter der neue Alexander-Kluge-Band "Das Labyrinth der zärtlichen Kraft" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

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