Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ein honoriger Skriptgeber

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.01.2010. In der Welt stellt Stefan Chwin klar, dass Polen nicht im Westen ankommen muss, der Westen muss Polens Dazugehörigkeit nur endlich realisieren. Die taz recherchiert in eigener Sache, wie ihr die Stasi mit Hilfe von Stefan Heym die Theorie unterjubelte, das Aids-Virus sei in amerikanischen Labors erfunden worden. Die SZ beobachtet Auswüchse in der Debatte um die nationale Identität in Frankreich. Für die NZZ verstößt jeder Nackt-Scanner gegen die Persönlichkeitsrechte. Und die Berliner Zeitung macht Bekanntschaft mit Skinny Bitches.

Die Welt, 09.01.2010

Sind die Osteuropäer eigentlich im Westen angekommen, fragt die Welt in einer von den antisemitischen Vorwürfen gegen Imre Kertesz inspirierten Reihe. Diesmal ist Polen dran. Bisschen beleidigend die Frage, findet der Autor Stefan Chwin. Schließlich fühlten sich die Polen "immer als Europäer". Die Frage sei doch wohl eher, "wann dieses Land in den Gesellschaften des Westens als solches anerkannt wird. Wann also diese Gesellschaften bereit sein werden, laut und deutlich zu sagen: 'Ihr' gehört zu 'uns', auch in der Frage der Werte. 'Ihr' seid wie 'wir' und könnt auf uns zählen, auch in den schwierigsten Situationen. Doch heute glauben viele Polen, ihre Liebe zu Europa beruhe nur zum Teil auf Gegenseitigkeit."


Weitere Artikel: Uwe Wittstock unterhält sich mit dem Schriftsteller Christoph Ransmayr über die Nanga-Parbat-Katastrophe, bei der Reinhold Messners Bruder ums Leben kam. (Josef Vilsmaier hat das Drama jetzt verfilmt.) Peter Stephan Jungk guckt mit Peter Henning "Avatar". Tilman Krause isst mit dem Schriftsteller Kristof Magnusson Sachertorte und stellt dessen neuen Roman "Das war ich nicht" (Leseprobe) vor. Marko Martin empfiehlt Alexander Kluges "Labyrinth der zärtlichen Kraft" als Buch der Woche. Besprochen werden weiter Sandor Marais' Reportageroman "Befreiung" über die Eroberung Budapests durch die Nazis und Lutz Seilers "brillanter" Kurzgeschichtenband "Zeitwaage".

Im Feuilleton spricht Filmregisseur Terry Gilliam im Interview über seinen Film "Das Kabinett des Dr. Parnassus". Eckhard Fuhr stellt ein Arte-Dokumentarspiel über Luise von Preußen vor. Und eine dpa-Meldung informiert uns, dass sich der Schriftsteller Uwe Tellkamp juristisch gegen Plagiatsvorwürfe wehrt, die der Schriftsteller Jens Wonneberger in einem Beitrag des MDR-"Sachsenspiegel" erhoben hat.

Auf der Forumsseite kommentiert Eckhard Fuhr die Ankündigung der Brigitte, sie wolle nur noch mit "echten Frauen" und nicht mehr mit Models arbeiten: "Models gehören zur Arbeiterklasse. Ihr Verschwinden ist kein Gewinn."

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Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2010

Joachim Güntner hält die Einführung von Nackt-Scannern für eine Verletzung der individuellen Freiheitsrechte  und einen Übergriff in die Intimsphäre. Dass dies zu absurden Wendungen wie etwa in England führt, wo das Scannen mit den Gesetzen gegen Kinderpornografie kollidiert, macht die Sache nicht besser. "Selbst wenn die Geräte, anders als in Manchester, keinen detaillierten Blick auf Genitalien erlauben, wird die Kontrolle notwendig zum Voyeurismus. Ob Prothesen aller Art, künstliche Darmausgänge, Herzschrittmacher, Inkontinenz-Windeln, delikate Implantate oder einfach nur Intimschmuck - es bleiben der Apparatur genug Dinge zu melden übrig, die der Fluggast lieber für sich behalten möchte, und zwar mit Recht. Wenn daher der deutsche Bundesinnenminister die Zuversicht äußert, dass eine ausgereifte Scanner-Technologie sehr wohl die Persönlichkeitsrechte zu wahren vermöge, dann nährt er bloß die alte Illusion, es sei möglich, den Pelz zu waschen, ohne ihn nass zu machen."


Außerdem: In der Reihe "Mein Stil" räumt der Kunsthistoriker Beat Wyss mit dem Vorurteil auf, Stil sei eine Form der individuellen Selbstentfaltung: "Der Stil stellt fest: Er ist eine Unterscheidungsmaßnahme, schließt ein, grenzt aus - und Klappe zu."

Besprochen werden eine Ausstellung des Designers Dieter Rams im Londoner Design-Museum und Bücher, darunter der Briefwechsel zwischen Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger "fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung", Dominique Moisis Untersuchung zum "Kampf der Emotionen", Andrej Blatniks Roman "Ändere mich", Rudy Wiebes Mennoniten-Roman "Friede wird viele zerstören" und Thomas Manns neu edierte "Betrachtungen eines Unpolitischen" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

In Literatur und Kunst begegnet Udo Taubitz der kanadischen Autorin Margaret Atwood auf ihrer grünen Lesereise durch Europa (ihren neuen Roman "Das Jahr der Flut" bespricht Martin Zähringer). Susanne Ostwald huldigt dem Universalgenie Daniel Defoe zu seinem 350. Geburtstag. In den "Bildansichten" schwärmt Sibylle Lewitscharoff von den Zeichnungen Achilles Rizzolis.

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Die Tageszeitung, 09.01.2010

In der Titelgeschichte schildern Jan Feddersen und Wolfgang Gast, wie es die Stasi im Jahr 1987 schaffte, der taz mit Hilfe eines Stefan-Heym-Gesprächs die verschwörungstheoretische These vom Ursprung des AIDS-Virus in US-Labors unterzujubeln: "Stefan Heym teilte dem taz-Redakteur unumwunden mit, erinnert sich [der damalige taz-Kulturredakteur Arno, PT] Widmann, er müsse sich das Skript sofort angucken, dürfe es nicht weiter prüfen lassen - und solle sich entscheiden: es zu nehmen oder es abzulehnen. Widmann: 'Da gab es keine Wahl.' Die taz war noch nicht ein überregionales Medium unter anderen, sondern eine Zeitung, die ihre Relevanz über die Ökoszene hinaus erst noch zu beweisen hatte - der sozialistische Schriftsteller, später, kurz nach dem Fall der Mauern, als PDS-Abgeordneter Alterspräsident des Deutschen Bundestages, war ein honoriger Skriptgeber."


In einem weiteren Artikel stellt Wolfgang Gast dar, wie die Stasi die taz sah und auf sie auch sonst Einfluss zu nehmen versuchte.

Weitere Artikel: Michael Marek besucht in Washington den wohl berühmtesten Investigativjournalisten der USA, Seymour Hersh. Eine erste Überraschung bietet Hershs Arbeitsplatz: "Dichtgedrängt liegen hier auf 15 Quadratmeter Bürofläche die Papierberge, das Ganze gleicht eher einer Abstellkammer denn einem Recherchezentrum." Heidi Salaverria stellt die US-Fernsehserie "Breaking Bad" vor, in deren Zentrum ein todkranker drogenproduzierender Chemielehrer steht. Als Lehrstück erzählt Hertha-Fan Bert Rebhandl die Geschichte von Aufstieg und Fall des von ihm innig geliebten Hauptstadtclubs. In der Leuchten-der-Menschheit-Kolumne befasst sich erneut Wolfgang Gast mit der Vertriebenenvertreterin Erika Steinbach.

Besprochen werden Bücher, darunter mit großer Emphase Stephen Kings neuer Roman "Die Arena" und Jan Heidtmann und Barbara Nolte Band mit Managerinterviews "Die da oben" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2010

Für Paul Ingendaay nimmt die Suche nach Federico Garcia Lorcas sterblichen Überresten immer gruseligere Züge an. Bereits ein halbes Jahr wurde vergeblich gegraben, und Ingendaay ist schleierhaft, was man sich von der Suche verspricht: "Man sollte den Spaten beiseitelegen und wieder Garcia Lorca lesen. Ob sein Leichnam gefunden wird oder nicht, fügt der geschichtlichen Wahrheit über den Spanischen Bürgerkrieg nichts Wesentliches hinzu."


Weiteres: Andreas Rossmann läutet das Essener Kulturhauptstadtjahr ein, dessen Veranstaltungsreigen heute - möglicherweise im Schneegestöber - auf der Zeche Zollverein beginnt: "Mitmachen ist Pflicht. Ein Zug zur Party, zum Volksfest und Marktschreierischen ist kennzeichnend." In der Randspalte verarbeitet Mark Siemons die Meldung, dass zwar achtzig Prozent der chinesischen Männer sich vorstellen können, nur aus Liebe zu heiraten, aber nur dreißig Prozent der Frauen. Jürgen Dollase testet "Chez Michel" in Paris den neuen Trend zur Bistronomie. Der 15-jährige Nachwuchsjournalist Jakob Dettmar erklärt, dass man auf seinem Gymnasium nichts gegen Ausländer hat, höchstens gegen die von der Hauptschule. Martin Wittmann erzählt auf der letzten Seite von alten und kranken Deutschen, die nach Thailand auswandern.

In Bilder und Zeiten verortet der Kunsthistoriker Werner Spies die verstorbene Künstlerin Jeanne-Claude und ihre Werke an der "Grenze zum Weltwunder". Jordan Mejias betrachtet den von Sandow Birk illustrierten Koran. Michael Martens unterhält sich mit dem 1977 nach Albanien ausgewanderten Übersetzer Joachim Röhm.

Besprochen werden eine Ausstellung über "Manieren" im Bremer Focke-Museum, die Schau "Hamburger Ansichten" in der Hamburger Kunsthalle, die eintägige Ausstellung von Werken der Gruppe Zero in der Temporären Kunsthalle in Berlin, die gesammelten Werke der Band Big Star aus Memphis, Janine Jansens Aufnahmen von Beethoven und Britten sowie Bücher, darunter Alissa Walsers Roman "Am Anfang war die Nacht Musik", Kristof Magnussons "Das war ich nicht" und Alan Snows "Arthur und die Käsediebe" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

In der Frankfurter Anthologie schreibt Claus-Ulrich Bielefeld über das Gedicht eines Unbekannten "Lass rauschen, Lieb, lass rauschen":

"Ich hört ein Sichlein rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört ein Mägdlein klagen,
Sie hätt ihr Lieb verlorn...

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Berliner Zeitung, 09.01.2010

Lutz Lichtenberger macht uns mit den "Skinny Bitches" bekannt, mit ehrgeizigen, gutaussehenden Frauen mit 1A-Figur, deren Ideal von Rory Freedman und Kim Barnouin in einem gleichlautenden Buch gepredigt wird: "Die Autorinnen predigen die vegane Lebensweise, kein Fleisch, keine Milch und auch kein Alkohol, und versprechen für den entgangenen Genuss eine gesunden Körper und gesunde Haare, ein gesundes Selbst- und ein gesundes politisches Bewusstsein. Die Selbstdisziplin beim Essen ist ein politisches Statement und ein entscheidender Teil der persönlichen Selbstbestimmung. Freedman und Barnouin verheißen die klassischen feministischen Ziele - Selbstbewusstein, Eigenverantwortlichkeit und Stärke, angereichert durch schlanke, schöne und sexy Zutaten."

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Frankfurter Rundschau, 09.01.2010

Stefan Keim blickt voraus aufs von der Finanzmisere überschattete Kulturhauptstadtjahr "Ruhr 2010" und macht dabei durchaus manch "Vielversprechendes" aus: "Alle sechs Schauspielhäuser des Ruhrgebietes vereinigen sich zu einer 'Odyssee', in der sich sechs europäische Autoren - darunter der Österreicher Christoph Ransmayr und der Ire Enda Walsh - mit dem Mythos Ruhrgebiet aus heutiger Sicht auseinandersetzen. Es gibt eine riesige Hommage an den 83-jährigen Hans Werner Henze mit allein zwölf Opernproduktionen, darunter einer Uraufführung. Mit vielen Festivals und Aktionen versuchen die Macher der Ruhr 2010, die Migranten im Ruhrgebiet anzusprechen. Ein Geist der Gemeinsamkeit soll entstehen, eine regionale Identität, die Stadtgrenzen überwindet."


Abgedruckt wird auch die von Herbert Groenemeyer verfasste Ruhr-Hymne, die mit den folgenden Zeilen beginnt: "Wo ein rauhes Wort dich trägt / weil dich hier kein Schaum erschlägt / wo man nicht dem Schein erliegt / weil man nur auf Sein was gibt."

Weitere Artikel: In ihrer US-Kolumne erkennt Marcia Pally einen Mangel an Intelligenz der Beteiligten als Grundproblem der Terrorbekämpfung. In einer Times Mager unternimmt Sylvia Staude einen transkulturellen Bestsellerlistenvergleich.

Besprochen werden Peter Handkes Monolog nach Beckett "Bis dass der Tag euch scheidet", die neue Vampire-Weekend-CD "Contra" (mitsamt großem Bandporträt) und Lilian R. und Desider Fursts Autobiografie "Daheim ist anderswo" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 09.01.2010

Julia Amalia Heyer beschreibt, wie aus einem von Nicholas Sarkozy angestoßenen Referendum zur französischen Identität ein "öffentliches Forum für Xenophobien aller Art" geworden ist: "Nadine Morano, Staatssekretärin aus dem Familienministerium, erklärte im Radio: 'Was ich von einem jungen Muslim erwarte, der die französische Nationalität hat, ist, dass er sein Land liebt, dass er eine Arbeit findet, dass er nicht Verlan (den Jargon der Banlieues) spricht - und dass er seine Baseballkappe nicht verkehrtherum trägt.' Spätestens seit dem Statement von Morano laufen nicht nur Organisationen wie SOS Racisme Sturm und fordern den Präsidenten auf 'dieser unsäglichen Nabelschau für Rassisten jedweder Art' ein Ende zu bereiten. Kritisiert wird die Debatte auch in Sarkozys eigener Partei. Der verantwortliche Minister Besson gibt zu, zwei Drittel der Beiträge auf der Internetseite könnten wegen 'harscher Wortwahl gegenüber Andersgläubigen' nicht veröffentlicht werden."


Weitere Artikel: Im Feuilleton-Leitartikel schildert Peter Laudenbach, welche Auswirkungen die dramatische Finanzsituation in den Kommunen auf die Kulturetats haben könnte - oder schon hat. Dirk Graalmann kennt die Pläne der Kulturhauptstadt "Ruhr 2010". Johannes Boie fasst vergleichsweise sehr knapp zusammen, wie die 131 Antworten auf die Frage von edge.org danach ausfielen, wie das Internet unser Denken verändert.

Im Aufmacher der SZ am Wochenende erklärt Petra Steinberger, warum wir schleunigst unsere Ernäherung ändern müssen. Harald Hordych betreibt Ahnenforschung im Internet. Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt denkt über die Sehnsucht nach der Rekonstruktion ganzer Städte nach. Auf der Historienseite geht es am Beispiel des estnischen Augenzeugen Esten Ain Kaalep um Osteuropa zwischen Hitler und Stalin. Vorabgedruckt wird unter dem Titel "Balkan-Esperanto" ein Auszug aus dem Roman "Die Hand, die man nicht beißt" von Ornela Vorpsi. Im Interview spricht Susanne Höll mit Peer Steinbrück über "Bosheit".

Besprochen werden die Fotografieausstellung "Don McCullin: The Impossible Peace" bei c/o Berlin, die Ausstellung "Otto Hofmann. Die Poesie des Bauhauses" in Genua, in einer thematischen verbundenen Kritik ein Buch (von Peter Linebaugh und Markus Rediker) und ein Film (von Ted Gaier und Peter Ott) zum Thema Piraterie, Lucia Puenzos Film "Das Fischkind" und Bücher, darunter Alissa Walsers Roman "Am Anfang war die Nacht Musik" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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