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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Bilder suchen sich gerade neue Herren

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.06.2009. Die FR berichtet über Reaktionen iranischer Filmemacher auf die Ereignisse im Iran. Auch der Neda-Film beschäftigt die Feuilletons. Für Anne Applebaum findet im Iran keine Twitter Revolution statt, sondern eine der Menschenrechtler, wie sie bei Slate betont. Die SZ warnt vor dem neuesten Streich der Pirate Bay, einer Anonymisierungssoftware namens Ipredator, die fünf Euro monatlich kosten soll. Die NZZ fragt, warum in Ägypten auf einmal so viele israelische Bücher übesetzt werden. Laut Welt ist Jazz noch nicht tot.

FR, 23.06.2009

Zur Situation im Iran melden sich auch die Filmemacher zu Wort, erzählt Amin Farzanefar und verweist auf Filme bei Youtube (alle Links im Artikel) von Rakhshan Bani-Etemad, Marjane Satrapi und Mohsen Makhmalbaf. Die meisten Regisseure seien allerdings inzwischen im Ausland, wie etwa der iranisch-kurdische Regisseur Bahman Ghobadi: "In Cannes war Ghobadi noch mit seiner Verlobten erschienen, der gerade aus der Haft entlassenen Journalistin und Filmemacherin Roxana Saberi. Zurück in Teheran, hatte man ihn Anfang Juni für sieben Tage eingesperrt; jetzt befindet er sich in Europa, gibt Interviews und klebt wie alle an der Mattscheibe. Irans Kino-Elite ist also weltweit aktiv - aber die Bilder suchen sich gerade neue Herren. Angesichts der unzähligen Videoschnipsel, aus denen wir uns unser Bild von den dramatischen Vorgängen zusammensetzen müssen, bringt sich ein alter Slogan aus der Blütezeit des Iranischen Kinos in Erinnerung: 'In jedem Iraner schlummert ein Filmemacher'."

Die Autorin Isabel Fonseca berichtet über die skandalöse Behandlung der Roma in Osteuropa (und auch Italien), vor allem aber im Kosovo. Dort wurden vor zehn Jahren Roma nach der Vertreibung aus ihrer Siedlung durch "ethnische Albaner" von der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen in provisorische Unterkünfte verbracht, die dummmerweise in der Nähe einer alten Bleimine liegen. Dort leben - oder vielmehr sterben - sie immer noch. "Jetzt, zehn Jahre nachdem die Vereinten Nationen sich des Kosovos angenommen haben und nach einer Serie von unnatürlichen Todesfällen, Fehlgeburten und unzähligen neugeborenen Kindern mit schweren Hirnschäden (mehr als die Hälfte der Lagerbewohner sind unter zehn Jahre alt; jedes im Lager geborene Kind ist hirngeschädigt) sind noch etwa 700 Roma übrig. Seit 2007 haben die Vereinten Nationen die medizinische Versorgung der Vergiftungsfälle eingestellt" und auch sonst nichts mehr unternommen, um die Roma aus dieser Falle zu befreien.

Weitere Artikel: In Times Mager berichtet Harry Nutt über neueste Windungen der Berliner Debatte über eine Kunsthalle. Clair Lüdenbach schreibt den Nachruf auf den indischen Lautenisten Ali Akbar Khan.

Besprochen werden die Aufführung von Mozarts Oper "Die Gärtnerin aus Liebe" an der Oper Frankfurt, die Uraufführung von Christian Josts Oper "Hamlet" an der Komischen Oper Berlin, eine CD von Nils Wogram's Band Lush, einige Jazz-CDs und Bücher, nämlich der Band "Was ist Kritik?", Raffael Schecks Buch über "Hitlers afrikanische Opfer" und Per Olov Enquists romanhafte Autobiografie "Ein anderes Leben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Stichwörter: Iran, Oper, Roma, Youtube

NZZ, 23.06.2009

Kristina Bergmann meldet, dass Ägypten erstmals 27 Bücher israelischer Autoren ins Arabische übersetzen lassen will, darunter eine Novelle von David Grossman und Amos Oz' "Geschichte von Liebe und Finsternis". Bergmann vermutet natürlich einen Zusammenhang mit der Nominierung des ägyptischen Kulturministers Faruk Hosni zum Generaldirektor der Unesco: "Hosni hatte erst unlängst dem ägyptischen Parlament versichert, es gebe keine israelischen Bücher in ägyptischen Bibliotheken, und wenn doch, würde er sie persönlich verbrennen. Danach regnete es Proteste gegen seine Nominierung; schließlich entschuldigte sich Hosni." Als Hintertür dient offenbar, dass die Romane nicht aus dem Hebräischen, sondern einer europäischen Sprache übersetzt werden.

Weiteres: Heute preist auch in der NZZ Roman Hollenstein Tschumis Akropolis-Museum als ein "von griechischer Klarheit und mathematischer Logik durchdrungenes" Meisterwerk. Andreas Breitenstein berichtet von einer hochkarätig und international besetzten Tagung in Freiburg zur Literatur der Wende. Brigitte Ulmer erzählt die Restitutionsgeschichte von Camille Pissarros Gemälde "Le Quai Malaquais" nach, das heute bei Christie's versteigert wird.

Besprochen werden Damon Galguts Roman "Der Betrüger", Karl-Markus Gauß' Völkererkundungen "Die fröhlichen Untergeher von Roana" und Michael Stauffers Aktionsprosa "Soforthilfe" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Perlentaucher, 23.06.2009

Auch beim Bachmann-Wettbewerb wird über Urheberrecht und die im "Heidelberger Appell" artikulierte Position der Verleger diskutiert, unter anderem sitzt Virtualienmarktforscher Rüdiger Wischenbart auf einem (von 3sat übertragenen) Podium, der der verängstigten Buchbranche im Perlentaucher noch einmal Mut zuspricht: "Nicht die Publikationsfreiheit ist bedroht, sondern das bisherige Gefüge aus Verlagen und Händlern, und zwar nicht durch illegale Praktiken, sondern durch neue Möglichkeiten, neue Marktteilnehmer und neue, sich zunehmend verändernde Vorlieben und Strategien von Lesern wie auch Autoren... Daraus erwachsen gewiss erhebliche Probleme für die bislang dominierenden Akteure, und es ist gewiss angebracht, sich über das kulturelle 'System Buch' Gedanken zu machen angesichts solcher Umbrüche. Aber dies sollte im Sinn von Innovation geschehen, und nicht als Ausrufung eines vermeintlichen Notstandes."

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Twitterfeed der Verlage

Tagesspiegel, 23.06.2009

Jan Schulz-Ojala denkt über den im Internet kursierenden Neda-Film (mehr auch hier) nach, auf dem zu sehen ist, wie eine junge Iranerin einer Schussverletzung erliegt: "Fernsehen und Zeitungen verbreiten diese ungeheuer symbolhaltigen Szenen während des gesamten Wochenendes nicht. Mit aller Moral des seriösen Journalismus wehren sich die klassischen Medien gegen die Macht dieser Bilder - und stecken in einem beispiellosen Dilemma. Zwar ist das Internet angesichts der vielfältigen Berichterstattungshemmnisse durch die iranischen Behörden das einzig verbleibende freie und zudem unablässig Material liefernde Medium; als sichere Quelle aber eignet es sich nur beschränkt, weil die Herkunft seiner Bilder oft nicht überprüft werden kann." (Mehr über Neda bei Gawker und der LA Times)

Die Soziologin Saba Farzan hat kein Verständnis für Barack Obamas viel gelobte Zurückhaltung gegenüber den iranischen Unruhen: "Für Obama stand im Mittelpunkt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Irans einzumischen, tatsächlich sieht es so aus, als ob er den Status quo erhalten möchte, um so die Krisenherde Irak, Afghanistan, Pakistan und den israelisch-palästinensischen Konflikt durch Einbeziehung des Irans zu lösen. Dabei verkennt er den entscheidenden Aspekt: Die Islamische Republik ist nicht an einer Stabilisierung des Nahen Ostens interessiert."

Aus den Blogs, 23.06.2009

In Slate kommentiert die Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum die Proteste im Iran, die sie vor allem als Ergebnis einer langjährigen Menschenrechtsarbeit sieht: "In the United States, the most Americo-centric commentators have somberly attributed the strength of recent demonstrations to the election of Barack Obama. Others want to give credit to the democracy rhetoric of the Bush administration. Still others want to call this a 'Twitter revolution' or a 'Facebook revolution,' as if zippy new technology alone had inspired the protests. But the truth is that the high turnout was the result of many years of organizational work carried out by small groups of civil rights activists and, above all, women's groups, working largely unnoticed and without much outside help."

Im lawblog spießt Udo Vetter eine Bemerkung der SPD-Politikerin Elke Ferner auf, die begründete, warum sie für das Internetzensurgesetz gestimmt hat: Weil die Verträge für Internetsperren verfassungsrechtlich unzulässig seien, wollte sie sie durch ein Gesetz abgesichert sehen! Die Reaktionen sind saftig und gut informiert. So schreibt Leser mööp: "Das ist doch mittlerweile gute sozialdemokratische Tradition, wie vor kurzem bei der Vorratsdatenspeicherung. Erst dem Gesetz zustimmen, um dann eine unsägliche Erklärung abzugeben, dass es sich um ein verfassungswidriges Gesetz handelt, das ohnehin vom BVerfG gekippt wird" (mehr hier).

Berliner Zeitung, 23.06.2009

Auch Hindeja Farah hat auf Youtube gesehen, wie Neda starb, und sie fragt nach der Bedeutung der Bilder in den jüngsten Ereignissen: "Der Film von Neda erinnert an das Bild jenes Vietnamesen, der vor laufender Kamera erschossen wurde. Kaum etwas anderes hat den Protest damals so sehr befeuert wie diese Bilder. Die Kriegsberichterstattung im Fernsehen musste damals noch zu sich finden. Dass das mittlerweile geschehen ist, belegten die klinisch sauberen Bilder aus dem Irakkrieg. Aber die Macht der Bilder scheint stärker zu sein als die Mächte, die sie immer wieder bändigen wollen, und so hat der Film von Neda seinen Weg auch in diese Zeitung gefunden, ob er nun echt ist oder nicht."
Stichwörter: Youtube

TAZ, 23.06.2009

Ekkehard Knörer bespricht die beiden letzten Bände des monumentalen Tagebuchs von Einar Schleef: " Mit dem Entschluss zur Werkwerdung, den er um 1999 fasst, verbunden ist die Wiedervornahme sämtlicher Aufzeichnungen seit 1953, die Schleef nun ausdrücklich für die Veröffentlichung bestimmt. Er redigiert und revidiert wenig bis nichts, dazu ist er sich selbst viel zu sehr Dokument, aber er tut etwas anderes: Er überarbeitet sein Leben in Kommentaren und stellt sie als nachträglichen Blick auf die Zeit und sich darin mitten unter die historischen Texte."

Weiteres: Andreas Wyputta erzählt, wie die Stadtbahnstation Eichbaum in Mülheim an der Ruhr, in Wahrheit eine Stadtwüste, zur Opernbühne wird. Elisabeth Raether stellt die Band Fashion in Context vor. Wiebke Porombka rüstet uns seelisch für das Klagenfurter Wettlesen.

Und Tom.

Welt, 23.06.2009

Trotz etlicher schlechter Nachrichten möchte Josef Engels dem Jazz noch nicht das Totenglöckchen läuten: "Wenn man regelmäßig Jazz-Konzerte und -Festivals besucht, kann man je nach Widerborstigkeitsgrad des Künstlers zweifellos eine gewisse Überalterung des Publikums feststellen. Gleichzeitig gilt aber auch: Noch nie zuvor hat es so viele derart gut ausgebildete junge Jazzmusiker gegeben wie heute. Und es gibt einige, die auf dem besten Weg sind, einen ähnlich frischen und unversnobten Zugang zu einer ebenfalls jüngeren Zuhörerschaft zu finden, wie es etwa dem so tragisch dezimierten Esbjörn Svensson Trio gelungen war. Ausnahmsweise taugt hier auch das Internet nicht als Bedenkenträger-Keule. Im Gegenteil: Viele Improvisations-Musiker benutzen es inzwischen als alleiniges Veröffentlichungs-Medium. Weil die Plattenfirmen müde und die Konzerte wichtiger sind."

Weiteres: Hans-Jörg Schmidt besucht in Prag die iranische Redaktion von Radio Liberty: "'Das Regime versucht zwar, den Empfang massiv zu stören', erläutert Abbas Djavadi, der Chefredakteur, der für die Sendungen nach Iran, Afghanistan und Zentralasien zuständig ist. 'Aber über Mittel- und Kurzwelle sind wir ordentlich zu hören.'" Hanns-Georg Rodek spekuliert über die geheimen Hoffnungen der Kinoketten, im Zuge der Digitalisierung kleine Konkurrenzkinos ausschalten zu können. Michael Borgstede meldet, dass bei Jericho ein 2000 Jahre alter Steinbruch entdeckt wurde. Besprochen werden eine Jugendstil-Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und die Uraufführung von Christian Josts "Hamlet"-Oper.

SZ, 23.06.2009

Bernd Graff warnt vor neuesten Streichen der Pirate Bay, die einen Anonymisierungsdienst für Downloads namens Ipredator ins Netz stellt (und übrigens 5 Euro monatlich dafür haben will): "Ein Wortspiel: Es antwortet auf die Umsetzung der 'EU-Richtlinie zur Durchsetzung Geistiger Eigentumsrechte' (Intellectual Property Rights Enforcement Directive), kurz: 'IPRED', die am 1. April in Schweden in Kraft getreten ist. Rechteinhaber erhalten damit die Legitimation, die Identität der illegalen Datenkopierer zu erfahren, um sie verklagen zu können. Ein Schock in Download-County! Kurz nach Inkrafttreten der Richtlinie sank das Daten-Aufkommen im schwedischen Netz um 30 Prozent."

Weitere Artikel: Lothar Müller berichtet von der Beerdigung Jürgen Goschs auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. In der Zwischenzeit würdigt Gustav Seibt den fleißigen Leser und Arbeiter Goethe. Thomas Urban berichtet über polnische Empörung über den russischen Film "Taras Bulba", in dem die Polen des 17. Jahrhunderts als grausame Folterer der Russen und überdies Katholiken dargestellt werden. Sonja Zekri berichtet vom Moskauer Filmfestival, wo auch Pavel Lungins Film "Zar" über den sadistischen Folterer Iwan der Schreckliche lief (Kino war auch schon mal amüsanter!) Fritz Göttler präsentiert erste Fotos on Tim Burtons kommender "Alice in Wonderland"-Variation. Henning Klüver stellt italienische Landschaftsschutzprojekte vor, die in diesem Land auch immer Kulturschutzprojekte sind. Helmut Kerscher berichtet vom BGH-Prozess zwischen Übersetzern und dem Randomhouse-Verlag um eine "angemessene Vergütung" von Übersetzern.

Besprochen werden die Tübke- Retrospektive zum 80. Geburtstag in Leipzig, Benjamin Brittens Oper "Death in Venice" in München (mit dem "sängerisch wie spielerisch gleicherweise herrlichen" Tenor Hans-Jürgen Schöpflin), ein musikalisches Spektakel des kongolesischen Autors und Musikers Faustin Linyekula (mehr hier) bei den Theaterformen in Hannover und Bücher, darunter Ketli Björnstads Roman "Der Fluss".

FAZ, 23.06.2009

Heiner Flassbeck (Homepage), einst Oskar Lafontaines ökonomischer Berater, jetzt Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung, fasst noch einmal zusammen, warum der Kapitalismus nicht so weitermachen kann wie bisher: "Nullsummenspiele produzieren nichts, selbst wenn es Zockerherden immer wieder gelingt, dies durch Preisexzesse an Aktien-, Rohstoff- oder Währungsmärkten für ein paar Jahre zu verdecken. Kasinokapitalismus ist die explizite Aufkündigung eines arbeitsteiligen, der Marktwirtschaft impliziten Versprechens: Sparen, der Verzicht auf Konsum, ist nur sinnvoll, wenn der Schuldner verspricht, die Ersparnisse produktiv zu verwenden. Versprechen auf Wetten sind Lügen - nicht für jeden, aber für alle."

Auf der Medienseite findet sich ein kurzes Interview mit dem in Teheran geborenen, in London lehrenden Sozialwissenschaftler Nima Mina zum Einsatz neuer Medien und zur Lage im Iran. Er ist überzeugt: "Es gibt kein Zurück mehr in die Zeit vor dem Wahltag, zumal sich der Ton der Konfrontation seit Chameneis Rede entscheidend verändert hat: Jetzt ist er das Feindbild, nicht Ahmadineschad." Marco Dettweiler schildert die Geschichte der YouTube-Märtyrerin der Revolte namens Neda und stellt fest: "An ihren Blick werden sich die Menschen von nun erinnern, wenn sie an Mahmud Ahmadineschad und das iranische Regime denken."

Weitere Artikel: In der Glosse berichtet Martin Halter, wie die Freiburger "Säule der Toleranz" - in Wahrheit ein "optischer Zapfenstreich", der ab 23 Uhr zur Nachtruhe mahnt - gleich in ihrer ersten Nacht auf wenig Gegenliebe stieß. Andreas Rossmann erklärt, was der Tiefbau nach der Kölner Archiv-Katastrophe vom Bergbau lernen könnte und müsste. In deutschen Zeitschriften liest Ingeborg Harms Aufsätze über den gegenwärtigen Zustand des Kunstmarkts und auch der Kunst an den Beispielen Andreas Gursky und Jeff Koons.

Besprochen werden Kathrin Mädlers Inszenierung von Peter Weiss' Stück "Die Ermittlung" auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände (Bernd Noack verlässt den Aufführungsort "gelähmt, verstört und gequält"), eine Basler Aufführung von Antonio Vivaldis Oper "Orlando Furioso" unter Regie von Barry Kosky und dirigiert von Andrea Marcon, die Uraufführung von Christian Josts Musikdrama "Hamlet" an der Komischen Oper in Berlin (mit Potenzial, aber leider "megalomanisch" in der Ausführung, bedauert Julia Spinola), die Ausstellung "Freie Reichsstadt Augsburg - Majestätische Jahrhunderte" im Moskauer Kreml, eine Ausstellung über Herzog Ludwig X. und die Renaissance in Landshut, die CD "Rest At Worlds End" der Elektroniker Humcrush, und die Novelle "Der Argentinier" von Klaus Merz (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Archiv: Heute in den Feuilletons

Die Lage kann sich verbessern

22.06.2009. Die New York Times schildert, wie Twitter in den letzten Tagen die Medien auf Trab hielt. Und in der britischen Times schildert Blogger Andrew Sullivan sein durch Twitter vermitteltes Gefühl der Verbundenheit mit den Aufständischen von Teheran. Der Freitag erhebt Vorwürfe gegen den serbischen Dienst der Deutschen Welle, der… Mehr lesen

Demenz herankriecht wie ein Gas

20.06.2009. In der Welt weiß Henryk Broder, warum gerade die Deutschen qualifiziert sind, den Israelis Benimm beizubringen. In der NZZ fragt Martin Pollack die Rechnitzer: Wo liegen die Opfer des Massakers vom März 1945? Die FR hält fest: Jörg Fauser war ein zarter Mann. Im Iran sterben die Künstler aus,… Mehr lesen

Die republikanische Geste

19.06.2009. In The Daily Dish erklärt Andrew Sullivan, warum er die iranische Demokratiebewegung so leidenschaftlich unterstützt. Die Welt bringt einen Artikel Ramin Jahanbegloos, der die Proteste im Iran als den politischen Kampf des republikanischen Iran gegen seine klerikale Oligarchie sieht. In der Jungle World legt Christian Engström von der Persian… Mehr lesen

Draußen bleiben, Protest fortsetzen

18.06.2009. Die Feuilletons blicken weiter gespannt auf Teheran. In der FAZ erklärt eine iranische Journalistin klar, dass es der Jugend im Land nicht ums Kopftuch geht, sondern um Leben, Freude, Freiheit. Die Welt porträtiert Hussein Mussawi als schlau und authentisch. Die SZ untersucht, wie sich Revolution und Diktatur im Netz… Mehr lesen

#IranElection

17.06.2009. Die amerikanischen Blogs sind nach wie vor völlig fasziniert von den Protesten im Iran und der Rolle, die Twitter darin spielt. "Der Iran twittert Morgenluft", freut sich auch die Welt. Die deutschen Blogs rechnen nach dem Internetzensurgesetz der großen Koalition vor allem mit der SPD ab. In der FR… Mehr lesen

Kulturelle Nuklearexplosion

16.06.2009. Die Demokratiebewegung im Iran ist weiter Thema Nummer eins, auch in den Feuilletons. Navid Kermani sieht in der SZ die Fernsehdebatte zwischen Ahmadinedschad und Mussawi als Auslöser der Ereignisse, Abbas Maroufi vertritt im Tagesspiegel eine ähnliche Ansicht. Die in den USA lebende Autorin Gina B. Nahai sieht in der… Mehr lesen

Keine Ahnung von Armut

15.06.2009. Die Wahlen im Iran beschäftigen alle Zeitungen. In der taz erkennt Bahman Nirumand ganz klar auf Wahlbetrug. Ähnlich sieht es Katajun Amirpur in der FR. Der Geist einer solchen Bewegung aber ist schwer wieder in die Flasche zurückzustopfen, konstatiert die Welt. In der FAZ schildert der slowakische Schriftsteller Michael… Mehr lesen

Hinreißend gutes Aussehen

13.06.2009. In der taz bekennt Daniel Richter, wie peinlich es ihm wäre, sich zu verweigern. In der NZZ lüftet Sebastian Horsley das Geheimnis ewigen Glücks. In der FR sieht Shulamit Aloni Israel auf dem Weg zur totalitären Ethnokratie. Die FAZ sorgt sich um die Theater in NRW. Die SZ erinnert… Mehr lesen

Unerbittlich heißherzig

12.06.2009. Die SZ druckt den entsetzlichen Bericht der Soon Ok Lee über ihre Haft im nordkoreanischen Gulag. Feuert die Bosse!, ruft Naomi Klein in der FR. Die Jungle World beobachtet, wie sich Irans religiöse Machteliten gegenseitig zerfleischen. Wählt nicht Steinmeier!, ruft Thomas Strobl in der FAZ. Die NZZ lässt sich von… Mehr lesen

Es gießt und gießt

11.06.2009. Die taz zeigt, dass Zwangsehen auch für Männer ein Problem sind. In Spiegel Online erläutert Andreas Popp von der Piratenpartei seine politischen Ziele. In Berliner Zeitung und Tagesspiegel machen sich iranische Intellektuelle Hoffnung auf die Reformkandidaten. Im Tagesspiegel erklärt der 68er Klaus Hartung, warum für ihn die Aktenfunde zu… Mehr lesen

Aber sie schießen mit der Schrotflinte

10.06.2009. In der Zeit bedauert Ayaan Hirsi Ali, dass Barack Obama in Kairo den Königen, Scheichs und Präsidenten der islamischen Welt nicht deutlicher die Leviten gelesen hat. In der taz fragt Ilija Trojanow: Waren die alliierten Bombardierungen der französischen Städte ein Kriegsverbrechen? Der SZ ist die inflationäre Produktivität der deutschen… Mehr lesen

Die is so blond so

09.06.2009. Der säkulare Kulturkampf zwischen Print und Netz geht weiter. Deutsche Verlage haben eine Resolution gegen geistigen Diebstahl lanciert. Don Alphonso hat herausgefunden, was die Verleger damit eigentlich meinen. Jürgen Neffe sieht unterdes in Spiegel Online ein goldenes Zeitalter des Journalismus heraufdämmern. Außerdem: Die SZ wundert sich über den Erfolg… Mehr lesen

Das sagen wir so nicht

08.06.2009. Die FR steht bei der Biennale mehr auf slowakischen Charme als auf Deutsch sprechende Katzen. In der NZZ rühmt Aleksandar Hemon die Schönheit der englischen Sprache. Wo landen eigentlich die 100 Millionen Euro, die Kulturminister Bernd Neumann der Kultur versprochen hat, fragt die Berliner Zeitung. Die Piraten sind ins… Mehr lesen

Die Goldklumpen sind im Schlammstrom

06.06.2009. In der Berliner Zeitung hält uns Adam Krzeminski eine verdiente Standpauke zu den Europawahlen. Und der Rechtsmediziner Michael Tsokos erzählt aus seinem Alltag: zwei bis drei faule Leichen wöchentlich. Im Tagesspiegel erklärt Nikolaus Merck von nachtkritik, wie sich Kritik durchs Netz verändert. In der FAZ erklärt die iranische Frauenrechtlerin… Mehr lesen

Vergesst diesen gewöhnlichen Tag

05.06.2009. Graydon Carter von Vanity Fair hat herausgefunden, wie Zeitungen trotz Internet ihre Auflage explodieren lassen können. Und das bizarrste: Das Rezept ist alt. In der Welt schreibt Hans-Christoph Buch über die missliche Lage der Uiguren. In der FR macht Niall Ferguson Paul Krugman fertig. Die FAZ erzählt, wie Ai… Mehr lesen