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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Bilder suchen sich gerade neue Herren

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

23.06.2009. Die FR berichtet über Reaktionen iranischer Filmemacher auf die Ereignisse im Iran. Auch der Neda-Film beschäftigt die Feuilletons. Für Anne Applebaum findet im Iran keine Twitter Revolution statt, sondern eine der Menschenrechtler, wie sie bei Slate betont. Die SZ warnt vor dem neuesten Streich der Pirate Bay, einer Anonymisierungssoftware namens Ipredator, die fünf Euro monatlich kosten soll. Die NZZ fragt, warum in Ägypten auf einmal so viele israelische Bücher übesetzt werden. Laut Welt ist Jazz noch nicht tot.

FR, 23.06.2009

Zur Situation im Iran melden sich auch die Filmemacher zu Wort, erzählt Amin Farzanefar und verweist auf Filme bei Youtube (alle Links im Artikel) von Rakhshan Bani-Etemad, Marjane Satrapi und Mohsen Makhmalbaf. Die meisten Regisseure seien allerdings inzwischen im Ausland, wie etwa der iranisch-kurdische Regisseur Bahman Ghobadi: "In Cannes war Ghobadi noch mit seiner Verlobten erschienen, der gerade aus der Haft entlassenen Journalistin und Filmemacherin Roxana Saberi. Zurück in Teheran, hatte man ihn Anfang Juni für sieben Tage eingesperrt; jetzt befindet er sich in Europa, gibt Interviews und klebt wie alle an der Mattscheibe. Irans Kino-Elite ist also weltweit aktiv - aber die Bilder suchen sich gerade neue Herren. Angesichts der unzähligen Videoschnipsel, aus denen wir uns unser Bild von den dramatischen Vorgängen zusammensetzen müssen, bringt sich ein alter Slogan aus der Blütezeit des Iranischen Kinos in Erinnerung: 'In jedem Iraner schlummert ein Filmemacher'."

Die Autorin Isabel Fonseca berichtet über die skandalöse Behandlung der Roma in Osteuropa (und auch Italien), vor allem aber im Kosovo. Dort wurden vor zehn Jahren Roma nach der Vertreibung aus ihrer Siedlung durch "ethnische Albaner" von der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen in provisorische Unterkünfte verbracht, die dummmerweise in der Nähe einer alten Bleimine liegen. Dort leben - oder vielmehr sterben - sie immer noch. "Jetzt, zehn Jahre nachdem die Vereinten Nationen sich des Kosovos angenommen haben und nach einer Serie von unnatürlichen Todesfällen, Fehlgeburten und unzähligen neugeborenen Kindern mit schweren Hirnschäden (mehr als die Hälfte der Lagerbewohner sind unter zehn Jahre alt; jedes im Lager geborene Kind ist hirngeschädigt) sind noch etwa 700 Roma übrig. Seit 2007 haben die Vereinten Nationen die medizinische Versorgung der Vergiftungsfälle eingestellt" und auch sonst nichts mehr unternommen, um die Roma aus dieser Falle zu befreien.

Weitere Artikel: In Times Mager berichtet Harry Nutt über neueste Windungen der Berliner Debatte über eine Kunsthalle. Clair Lüdenbach schreibt den Nachruf auf den indischen Lautenisten Ali Akbar Khan.

Besprochen werden die Aufführung von Mozarts Oper "Die Gärtnerin aus Liebe" an der Oper Frankfurt, die Uraufführung von Christian Josts Oper "Hamlet" an der Komischen Oper Berlin, eine CD von Nils Wogram's Band Lush, einige Jazz-CDs und Bücher, nämlich der Band "Was ist Kritik?", Raffael Schecks Buch über "Hitlers afrikanische Opfer" und Per Olov Enquists romanhafte Autobiografie "Ein anderes Leben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Stichwörter: Iran, Oper, Roma, Youtube

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NZZ, 23.06.2009

Kristina Bergmann meldet, dass Ägypten erstmals 27 Bücher israelischer Autoren ins Arabische übersetzen lassen will, darunter eine Novelle von David Grossman und Amos Oz' "Geschichte von Liebe und Finsternis". Bergmann vermutet natürlich einen Zusammenhang mit der Nominierung des ägyptischen Kulturministers Faruk Hosni zum Generaldirektor der Unesco: "Hosni hatte erst unlängst dem ägyptischen Parlament versichert, es gebe keine israelischen Bücher in ägyptischen Bibliotheken, und wenn doch, würde er sie persönlich verbrennen. Danach regnete es Proteste gegen seine Nominierung; schließlich entschuldigte sich Hosni." Als Hintertür dient offenbar, dass die Romane nicht aus dem Hebräischen, sondern einer europäischen Sprache übersetzt werden.

Weiteres: Heute preist auch in der NZZ Roman Hollenstein Tschumis Akropolis-Museum als ein "von griechischer Klarheit und mathematischer Logik durchdrungenes" Meisterwerk. Andreas Breitenstein berichtet von einer hochkarätig und international besetzten Tagung in Freiburg zur Literatur der Wende. Brigitte Ulmer erzählt die Restitutionsgeschichte von Camille Pissarros Gemälde "Le Quai Malaquais" nach, das heute bei Christie's versteigert wird.

Besprochen werden Damon Galguts Roman "Der Betrüger", Karl-Markus Gauß' Völkererkundungen "Die fröhlichen Untergeher von Roana" und Michael Stauffers Aktionsprosa "Soforthilfe" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Perlentaucher, 23.06.2009

Auch beim Bachmann-Wettbewerb wird über Urheberrecht und die im "Heidelberger Appell" artikulierte Position der Verleger diskutiert, unter anderem sitzt Virtualienmarktforscher Rüdiger Wischenbart auf einem (von 3sat übertragenen) Podium, der der verängstigten Buchbranche im Perlentaucher noch einmal Mut zuspricht: "Nicht die Publikationsfreiheit ist bedroht, sondern das bisherige Gefüge aus Verlagen und Händlern, und zwar nicht durch illegale Praktiken, sondern durch neue Möglichkeiten, neue Marktteilnehmer und neue, sich zunehmend verändernde Vorlieben und Strategien von Lesern wie auch Autoren... Daraus erwachsen gewiss erhebliche Probleme für die bislang dominierenden Akteure, und es ist gewiss angebracht, sich über das kulturelle 'System Buch' Gedanken zu machen angesichts solcher Umbrüche. Aber dies sollte im Sinn von Innovation geschehen, und nicht als Ausrufung eines vermeintlichen Notstandes."

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Twitterfeed der Verlage

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Tagesspiegel, 23.06.2009

Jan Schulz-Ojala denkt über den im Internet kursierenden Neda-Film (mehr auch hier) nach, auf dem zu sehen ist, wie eine junge Iranerin einer Schussverletzung erliegt: "Fernsehen und Zeitungen verbreiten diese ungeheuer symbolhaltigen Szenen während des gesamten Wochenendes nicht. Mit aller Moral des seriösen Journalismus wehren sich die klassischen Medien gegen die Macht dieser Bilder - und stecken in einem beispiellosen Dilemma. Zwar ist das Internet angesichts der vielfältigen Berichterstattungshemmnisse durch die iranischen Behörden das einzig verbleibende freie und zudem unablässig Material liefernde Medium; als sichere Quelle aber eignet es sich nur beschränkt, weil die Herkunft seiner Bilder oft nicht überprüft werden kann." (Mehr über Neda bei Gawker und der LA Times)

Die Soziologin Saba Farzan hat kein Verständnis für Barack Obamas viel gelobte Zurückhaltung gegenüber den iranischen Unruhen: "Für Obama stand im Mittelpunkt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Irans einzumischen, tatsächlich sieht es so aus, als ob er den Status quo erhalten möchte, um so die Krisenherde Irak, Afghanistan, Pakistan und den israelisch-palästinensischen Konflikt durch Einbeziehung des Irans zu lösen. Dabei verkennt er den entscheidenden Aspekt: Die Islamische Republik ist nicht an einer Stabilisierung des Nahen Ostens interessiert."

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Aus den Blogs, 23.06.2009

In Slate kommentiert die Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum die Proteste im Iran, die sie vor allem als Ergebnis einer langjährigen Menschenrechtsarbeit sieht: "In the United States, the most Americo-centric commentators have somberly attributed the strength of recent demonstrations to the election of Barack Obama. Others want to give credit to the democracy rhetoric of the Bush administration. Still others want to call this a 'Twitter revolution' or a 'Facebook revolution,' as if zippy new technology alone had inspired the protests. But the truth is that the high turnout was the result of many years of organizational work carried out by small groups of civil rights activists and, above all, women's groups, working largely unnoticed and without much outside help."

Im lawblog spießt Udo Vetter eine Bemerkung der SPD-Politikerin Elke Ferner auf, die begründete, warum sie für das Internetzensurgesetz gestimmt hat: Weil die Verträge für Internetsperren verfassungsrechtlich unzulässig seien, wollte sie sie durch ein Gesetz abgesichert sehen! Die Reaktionen sind saftig und gut informiert. So schreibt Leser mööp: "Das ist doch mittlerweile gute sozialdemokratische Tradition, wie vor kurzem bei der Vorratsdatenspeicherung. Erst dem Gesetz zustimmen, um dann eine unsägliche Erklärung abzugeben, dass es sich um ein verfassungswidriges Gesetz handelt, das ohnehin vom BVerfG gekippt wird" (mehr hier).

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Berliner Zeitung, 23.06.2009

Auch Hindeja Farah hat auf Youtube gesehen, wie Neda starb, und sie fragt nach der Bedeutung der Bilder in den jüngsten Ereignissen: "Der Film von Neda erinnert an das Bild jenes Vietnamesen, der vor laufender Kamera erschossen wurde. Kaum etwas anderes hat den Protest damals so sehr befeuert wie diese Bilder. Die Kriegsberichterstattung im Fernsehen musste damals noch zu sich finden. Dass das mittlerweile geschehen ist, belegten die klinisch sauberen Bilder aus dem Irakkrieg. Aber die Macht der Bilder scheint stärker zu sein als die Mächte, die sie immer wieder bändigen wollen, und so hat der Film von Neda seinen Weg auch in diese Zeitung gefunden, ob er nun echt ist oder nicht."

Stichwörter: Youtube

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TAZ, 23.06.2009

Ekkehard Knörer bespricht die beiden letzten Bände des monumentalen Tagebuchs von Einar Schleef: " Mit dem Entschluss zur Werkwerdung, den er um 1999 fasst, verbunden ist die Wiedervornahme sämtlicher Aufzeichnungen seit 1953, die Schleef nun ausdrücklich für die Veröffentlichung bestimmt. Er redigiert und revidiert wenig bis nichts, dazu ist er sich selbst viel zu sehr Dokument, aber er tut etwas anderes: Er überarbeitet sein Leben in Kommentaren und stellt sie als nachträglichen Blick auf die Zeit und sich darin mitten unter die historischen Texte."

Weiteres: Andreas Wyputta erzählt, wie die Stadtbahnstation Eichbaum in Mülheim an der Ruhr, in Wahrheit eine Stadtwüste, zur Opernbühne wird. Elisabeth Raether stellt die Band Fashion in Context vor. Wiebke Porombka rüstet uns seelisch für das Klagenfurter Wettlesen.

Und Tom.

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Welt, 23.06.2009

Trotz etlicher schlechter Nachrichten möchte Josef Engels dem Jazz noch nicht das Totenglöckchen läuten: "Wenn man regelmäßig Jazz-Konzerte und -Festivals besucht, kann man je nach Widerborstigkeitsgrad des Künstlers zweifellos eine gewisse Überalterung des Publikums feststellen. Gleichzeitig gilt aber auch: Noch nie zuvor hat es so viele derart gut ausgebildete junge Jazzmusiker gegeben wie heute. Und es gibt einige, die auf dem besten Weg sind, einen ähnlich frischen und unversnobten Zugang zu einer ebenfalls jüngeren Zuhörerschaft zu finden, wie es etwa dem so tragisch dezimierten Esbjörn Svensson Trio gelungen war. Ausnahmsweise taugt hier auch das Internet nicht als Bedenkenträger-Keule. Im Gegenteil: Viele Improvisations-Musiker benutzen es inzwischen als alleiniges Veröffentlichungs-Medium. Weil die Plattenfirmen müde und die Konzerte wichtiger sind."

Weiteres: Hans-Jörg Schmidt besucht in Prag die iranische Redaktion von Radio Liberty: "'Das Regime versucht zwar, den Empfang massiv zu stören', erläutert Abbas Djavadi, der Chefredakteur, der für die Sendungen nach Iran, Afghanistan und Zentralasien zuständig ist. 'Aber über Mittel- und Kurzwelle sind wir ordentlich zu hören.'" Hanns-Georg Rodek spekuliert über die geheimen Hoffnungen der Kinoketten, im Zuge der Digitalisierung kleine Konkurrenzkinos ausschalten zu können. Michael Borgstede meldet, dass bei Jericho ein 2000 Jahre alter Steinbruch entdeckt wurde. Besprochen werden eine Jugendstil-Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und die Uraufführung von Christian Josts "Hamlet"-Oper.

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SZ, 23.06.2009

Bernd Graff warnt vor neuesten Streichen der Pirate Bay, die einen Anonymisierungsdienst für Downloads namens Ipredator ins Netz stellt (und übrigens 5 Euro monatlich dafür haben will): "Ein Wortspiel: Es antwortet auf die Umsetzung der 'EU-Richtlinie zur Durchsetzung Geistiger Eigentumsrechte' (Intellectual Property Rights Enforcement Directive), kurz: 'IPRED', die am 1. April in Schweden in Kraft getreten ist. Rechteinhaber erhalten damit die Legitimation, die Identität der illegalen Datenkopierer zu erfahren, um sie verklagen zu können. Ein Schock in Download-County! Kurz nach Inkrafttreten der Richtlinie sank das Daten-Aufkommen im schwedischen Netz um 30 Prozent."

Weitere Artikel: Lothar Müller berichtet von der Beerdigung Jürgen Goschs auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. In der Zwischenzeit würdigt Gustav Seibt den fleißigen Leser und Arbeiter Goethe. Thomas Urban berichtet über polnische Empörung über den russischen Film "Taras Bulba", in dem die Polen des 17. Jahrhunderts als grausame Folterer der Russen und überdies Katholiken dargestellt werden. Sonja Zekri berichtet vom Moskauer Filmfestival, wo auch Pavel Lungins Film "Zar" über den sadistischen Folterer Iwan der Schreckliche lief (Kino war auch schon mal amüsanter!) Fritz Göttler präsentiert erste Fotos on Tim Burtons kommender "Alice in Wonderland"-Variation. Henning Klüver stellt italienische Landschaftsschutzprojekte vor, die in diesem Land auch immer Kulturschutzprojekte sind. Helmut Kerscher berichtet vom BGH-Prozess zwischen Übersetzern und dem Randomhouse-Verlag um eine "angemessene Vergütung" von Übersetzern.

Besprochen werden die Tübke- Retrospektive zum 80. Geburtstag in Leipzig, Benjamin Brittens Oper "Death in Venice" in München (mit dem "sängerisch wie spielerisch gleicherweise herrlichen" Tenor Hans-Jürgen Schöpflin), ein musikalisches Spektakel des kongolesischen Autors und Musikers Faustin Linyekula (mehr hier) bei den Theaterformen in Hannover und Bücher, darunter Ketli Björnstads Roman "Der Fluss".

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FAZ, 23.06.2009

Heiner Flassbeck (Homepage), einst Oskar Lafontaines ökonomischer Berater, jetzt Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung, fasst noch einmal zusammen, warum der Kapitalismus nicht so weitermachen kann wie bisher: "Nullsummenspiele produzieren nichts, selbst wenn es Zockerherden immer wieder gelingt, dies durch Preisexzesse an Aktien-, Rohstoff- oder Währungsmärkten für ein paar Jahre zu verdecken. Kasinokapitalismus ist die explizite Aufkündigung eines arbeitsteiligen, der Marktwirtschaft impliziten Versprechens: Sparen, der Verzicht auf Konsum, ist nur sinnvoll, wenn der Schuldner verspricht, die Ersparnisse produktiv zu verwenden. Versprechen auf Wetten sind Lügen - nicht für jeden, aber für alle."

Auf der Medienseite findet sich ein kurzes Interview mit dem in Teheran geborenen, in London lehrenden Sozialwissenschaftler Nima Mina zum Einsatz neuer Medien und zur Lage im Iran. Er ist überzeugt: "Es gibt kein Zurück mehr in die Zeit vor dem Wahltag, zumal sich der Ton der Konfrontation seit Chameneis Rede entscheidend verändert hat: Jetzt ist er das Feindbild, nicht Ahmadineschad." Marco Dettweiler schildert die Geschichte der YouTube-Märtyrerin der Revolte namens Neda und stellt fest: "An ihren Blick werden sich die Menschen von nun erinnern, wenn sie an Mahmud Ahmadineschad und das iranische Regime denken."

Weitere Artikel: In der Glosse berichtet Martin Halter, wie die Freiburger "Säule der Toleranz" - in Wahrheit ein "optischer Zapfenstreich", der ab 23 Uhr zur Nachtruhe mahnt - gleich in ihrer ersten Nacht auf wenig Gegenliebe stieß. Andreas Rossmann erklärt, was der Tiefbau nach der Kölner Archiv-Katastrophe vom Bergbau lernen könnte und müsste. In deutschen Zeitschriften liest Ingeborg Harms Aufsätze über den gegenwärtigen Zustand des Kunstmarkts und auch der Kunst an den Beispielen Andreas Gursky und Jeff Koons.

Besprochen werden Kathrin Mädlers Inszenierung von Peter Weiss' Stück "Die Ermittlung" auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände (Bernd Noack verlässt den Aufführungsort "gelähmt, verstört und gequält"), eine Basler Aufführung von Antonio Vivaldis Oper "Orlando Furioso" unter Regie von Barry Kosky und dirigiert von Andrea Marcon, die Uraufführung von Christian Josts Musikdrama "Hamlet" an der Komischen Oper in Berlin (mit Potenzial, aber leider "megalomanisch" in der Ausführung, bedauert Julia Spinola), die Ausstellung "Freie Reichsstadt Augsburg - Majestätische Jahrhunderte" im Moskauer Kreml, eine Ausstellung über Herzog Ludwig X. und die Renaissance in Landshut, die CD "Rest At Worlds End" der Elektroniker Humcrush, und die Novelle "Der Argentinier" von Klaus Merz (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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