Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Bilder suchen sich gerade neue Herren

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

23.06.2009. Die FR berichtet über Reaktionen iranischer Filmemacher auf die Ereignisse im Iran. Auch der Neda-Film beschäftigt die Feuilletons. Für Anne Applebaum findet im Iran keine Twitter Revolution statt, sondern eine der Menschenrechtler, wie sie bei Slate betont. Die SZ warnt vor dem neuesten Streich der Pirate Bay, einer Anonymisierungssoftware namens Ipredator, die fünf Euro monatlich kosten soll. Die NZZ fragt, warum in Ägypten auf einmal so viele israelische Bücher übesetzt werden. Laut Welt ist Jazz noch nicht tot.

Frankfurter Rundschau, 23.06.2009

Zur Situation im Iran melden sich auch die Filmemacher zu Wort, erzählt Amin Farzanefar und verweist auf Filme bei Youtube (alle Links im Artikel) von Rakhshan Bani-Etemad, Marjane Satrapi und Mohsen Makhmalbaf. Die meisten Regisseure seien allerdings inzwischen im Ausland, wie etwa der iranisch-kurdische Regisseur Bahman Ghobadi: "In Cannes war Ghobadi noch mit seiner Verlobten erschienen, der gerade aus der Haft entlassenen Journalistin und Filmemacherin Roxana Saberi. Zurück in Teheran, hatte man ihn Anfang Juni für sieben Tage eingesperrt; jetzt befindet er sich in Europa, gibt Interviews und klebt wie alle an der Mattscheibe. Irans Kino-Elite ist also weltweit aktiv - aber die Bilder suchen sich gerade neue Herren. Angesichts der unzähligen Videoschnipsel, aus denen wir uns unser Bild von den dramatischen Vorgängen zusammensetzen müssen, bringt sich ein alter Slogan aus der Blütezeit des Iranischen Kinos in Erinnerung: 'In jedem Iraner schlummert ein Filmemacher'."


Die Autorin Isabel Fonseca berichtet über die skandalöse Behandlung der Roma in Osteuropa (und auch Italien), vor allem aber im Kosovo. Dort wurden vor zehn Jahren Roma nach der Vertreibung aus ihrer Siedlung durch "ethnische Albaner" von der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen in provisorische Unterkünfte verbracht, die dummmerweise in der Nähe einer alten Bleimine liegen. Dort leben - oder vielmehr sterben - sie immer noch. "Jetzt, zehn Jahre nachdem die Vereinten Nationen sich des Kosovos angenommen haben und nach einer Serie von unnatürlichen Todesfällen, Fehlgeburten und unzähligen neugeborenen Kindern mit schweren Hirnschäden (mehr als die Hälfte der Lagerbewohner sind unter zehn Jahre alt; jedes im Lager geborene Kind ist hirngeschädigt) sind noch etwa 700 Roma übrig. Seit 2007 haben die Vereinten Nationen die medizinische Versorgung der Vergiftungsfälle eingestellt" und auch sonst nichts mehr unternommen, um die Roma aus dieser Falle zu befreien.

Weitere Artikel: In Times Mager berichtet Harry Nutt über neueste Windungen der Berliner Debatte über eine Kunsthalle. Clair Lüdenbach schreibt den Nachruf auf den indischen Lautenisten Ali Akbar Khan.

Besprochen werden die Aufführung von Mozarts Oper "Die Gärtnerin aus Liebe" an der Oper Frankfurt, die Uraufführung von Christian Josts Oper "Hamlet" an der Komischen Oper Berlin, eine CD von Nils Wogram's Band Lush, einige Jazz-CDs und Bücher, nämlich der Band "Was ist Kritik?", Raffael Schecks Buch über "Hitlers afrikanische Opfer" und Per Olov Enquists romanhafte Autobiografie "Ein anderes Leben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2009

Kristina Bergmann meldet, dass Ägypten erstmals 27 Bücher israelischer Autoren ins Arabische übersetzen lassen will, darunter eine Novelle von David Grossman und Amos Oz' "Geschichte von Liebe und Finsternis". Bergmann vermutet natürlich einen Zusammenhang mit der Nominierung des ägyptischen Kulturministers Faruk Hosni zum Generaldirektor der Unesco: "Hosni hatte erst unlängst dem ägyptischen Parlament versichert, es gebe keine israelischen Bücher in ägyptischen Bibliotheken, und wenn doch, würde er sie persönlich verbrennen. Danach regnete es Proteste gegen seine Nominierung; schließlich entschuldigte sich Hosni." Als Hintertür dient offenbar, dass die Romane nicht aus dem Hebräischen, sondern einer europäischen Sprache übersetzt werden.


Weiteres: Heute preist auch in der NZZ Roman Hollenstein Tschumis Akropolis-Museum als ein "von griechischer Klarheit und mathematischer Logik durchdrungenes" Meisterwerk. Andreas Breitenstein berichtet von einer hochkarätig und international besetzten Tagung in Freiburg zur Literatur der Wende. Brigitte Ulmer erzählt die Restitutionsgeschichte von Camille Pissarros Gemälde "Le Quai Malaquais" nach, das heute bei Christie's versteigert wird.

Besprochen werden Damon Galguts Roman "Der Betrüger", Karl-Markus Gauß' Völkererkundungen "Die fröhlichen Untergeher von Roana" und Michael Stauffers Aktionsprosa "Soforthilfe" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Perlentaucher, 23.06.2009

Auch beim Bachmann-Wettbewerb wird über Urheberrecht und die im "Heidelberger Appell" artikulierte Position der Verleger diskutiert, unter anderem sitzt Virtualienmarktforscher Rüdiger Wischenbart auf einem (von 3sat übertragenen) Podium, der der verängstigten Buchbranche im Perlentaucher noch einmal Mut zuspricht: "Nicht die Publikationsfreiheit ist bedroht, sondern das bisherige Gefüge aus Verlagen und Händlern, und zwar nicht durch illegale Praktiken, sondern durch neue Möglichkeiten, neue Marktteilnehmer und neue, sich zunehmend verändernde Vorlieben und Strategien von Lesern wie auch Autoren... Daraus erwachsen gewiss erhebliche Probleme für die bislang dominierenden Akteure, und es ist gewiss angebracht, sich über das kulturelle 'System Buch' Gedanken zu machen angesichts solcher Umbrüche. Aber dies sollte im Sinn von Innovation geschehen, und nicht als Ausrufung eines vermeintlichen Notstandes."


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Der Tagesspiegel, 23.06.2009

Jan Schulz-Ojala denkt über den im Internet kursierenden Neda-Film (mehr auch hier) nach, auf dem zu sehen ist, wie eine junge Iranerin einer Schussverletzung erliegt: "Fernsehen und Zeitungen verbreiten diese ungeheuer symbolhaltigen Szenen während des gesamten Wochenendes nicht. Mit aller Moral des seriösen Journalismus wehren sich die klassischen Medien gegen die Macht dieser Bilder - und stecken in einem beispiellosen Dilemma. Zwar ist das Internet angesichts der vielfältigen Berichterstattungshemmnisse durch die iranischen Behörden das einzig verbleibende freie und zudem unablässig Material liefernde Medium; als sichere Quelle aber eignet es sich nur beschränkt, weil die Herkunft seiner Bilder oft nicht überprüft werden kann." (Mehr über Neda bei Gawker und der LA Times)


Die Soziologin Saba Farzan hat kein Verständnis für Barack Obamas viel gelobte Zurückhaltung gegenüber den iranischen Unruhen: "Für Obama stand im Mittelpunkt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Irans einzumischen, tatsächlich sieht es so aus, als ob er den Status quo erhalten möchte, um so die Krisenherde Irak, Afghanistan, Pakistan und den israelisch-palästinensischen Konflikt durch Einbeziehung des Irans zu lösen. Dabei verkennt er den entscheidenden Aspekt: Die Islamische Republik ist nicht an einer Stabilisierung des Nahen Ostens interessiert."

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Aus den Blogs, 23.06.2009

In Slate kommentiert die Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum die Proteste im Iran, die sie vor allem als Ergebnis einer langjährigen Menschenrechtsarbeit sieht: "In the United States, the most Americo-centric commentators have somberly attributed the strength of recent demonstrations to the election of Barack Obama. Others want to give credit to the democracy rhetoric of the Bush administration. Still others want to call this a 'Twitter revolution' or a 'Facebook revolution,' as if zippy new technology alone had inspired the protests. But the truth is that the high turnout was the result of many years of organizational work carried out by small groups of civil rights activists and, above all, women's groups, working largely unnoticed and without much outside help."


Im lawblog spießt Udo Vetter eine Bemerkung der SPD-Politikerin Elke Ferner auf, die begründete, warum sie für das Internetzensurgesetz gestimmt hat: Weil die Verträge für Internetsperren verfassungsrechtlich unzulässig seien, wollte sie sie durch ein Gesetz abgesichert sehen! Die Reaktionen sind saftig und gut informiert. So schreibt Leser mööp: "Das ist doch mittlerweile gute sozialdemokratische Tradition, wie vor kurzem bei der Vorratsdatenspeicherung. Erst dem Gesetz zustimmen, um dann eine unsägliche Erklärung abzugeben, dass es sich um ein verfassungswidriges Gesetz handelt, das ohnehin vom BVerfG gekippt wird" (mehr hier).

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Berliner Zeitung, 23.06.2009

Auch Hindeja Farah hat auf Youtube gesehen, wie Neda starb, und sie fragt nach der Bedeutung der Bilder in den jüngsten Ereignissen: "Der Film von Neda erinnert an das Bild jenes Vietnamesen, der vor laufender Kamera erschossen wurde. Kaum etwas anderes hat den Protest damals so sehr befeuert wie diese Bilder. Die Kriegsberichterstattung im Fernsehen musste damals noch zu sich finden. Dass das mittlerweile geschehen ist, belegten die klinisch sauberen Bilder aus dem Irakkrieg. Aber die Macht der Bilder scheint stärker zu sein als die Mächte, die sie immer wieder bändigen wollen, und so hat der Film von Neda seinen Weg auch in diese Zeitung gefunden, ob er nun echt ist oder nicht."

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Die Tageszeitung, 23.06.2009

Ekkehard Knörer bespricht die beiden letzten Bände des monumentalen Tagebuchs von Einar Schleef: " Mit dem Entschluss zur Werkwerdung, den er um 1999 fasst, verbunden ist die Wiedervornahme sämtlicher Aufzeichnungen seit 1953, die Schleef nun ausdrücklich für die Veröffentlichung bestimmt. Er redigiert und revidiert wenig bis nichts, dazu ist er sich selbst viel zu sehr Dokument, aber er tut etwas anderes: Er überarbeitet sein Leben in Kommentaren und stellt sie als nachträglichen Blick auf die Zeit und sich darin mitten unter die historischen Texte."


Weiteres: Andreas Wyputta erzählt, wie die Stadtbahnstation Eichbaum in Mülheim an der Ruhr, in Wahrheit eine Stadtwüste, zur Opernbühne wird. Elisabeth Raether stellt die Band Fashion in Context vor. Wiebke Porombka rüstet uns seelisch für das Klagenfurter Wettlesen.

Und Tom.

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Die Welt, 23.06.2009

Trotz etlicher schlechter Nachrichten möchte Josef Engels dem Jazz noch nicht das Totenglöckchen läuten: "Wenn man regelmäßig Jazz-Konzerte und -Festivals besucht, kann man je nach Widerborstigkeitsgrad des Künstlers zweifellos eine gewisse Überalterung des Publikums feststellen. Gleichzeitig gilt aber auch: Noch nie zuvor hat es so viele derart gut ausgebildete junge Jazzmusiker gegeben wie heute. Und es gibt einige, die auf dem besten Weg sind, einen ähnlich frischen und unversnobten Zugang zu einer ebenfalls jüngeren Zuhörerschaft zu finden, wie es etwa dem so tragisch dezimierten Esbjörn Svensson Trio gelungen war. Ausnahmsweise taugt hier auch das Internet nicht als Bedenkenträger-Keule. Im Gegenteil: Viele Improvisations-Musiker benutzen es inzwischen als alleiniges Veröffentlichungs-Medium. Weil die Plattenfirmen müde und die Konzerte wichtiger sind."


Weiteres: Hans-Jörg Schmidt besucht in Prag die iranische Redaktion von Radio Liberty: "'Das Regime versucht zwar, den Empfang massiv zu stören', erläutert Abbas Djavadi, der Chefredakteur, der für die Sendungen nach Iran, Afghanistan und Zentralasien zuständig ist. 'Aber über Mittel- und Kurzwelle sind wir ordentlich zu hören.'" Hanns-Georg Rodek spekuliert über die geheimen Hoffnungen der Kinoketten, im Zuge der Digitalisierung kleine Konkurrenzkinos ausschalten zu können. Michael Borgstede meldet, dass bei Jericho ein 2000 Jahre alter Steinbruch entdeckt wurde. Besprochen werden eine Jugendstil-Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und die Uraufführung von Christian Josts "Hamlet"-Oper.

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Süddeutsche Zeitung, 23.06.2009

Bernd Graff warnt vor neuesten Streichen der Pirate Bay, die einen Anonymisierungsdienst für Downloads namens Ipredator ins Netz stellt (und übrigens 5 Euro monatlich dafür haben will): "Ein Wortspiel: Es antwortet auf die Umsetzung der 'EU-Richtlinie zur Durchsetzung Geistiger Eigentumsrechte' (Intellectual Property Rights Enforcement Directive), kurz: 'IPRED', die am 1. April in Schweden in Kraft getreten ist. Rechteinhaber erhalten damit die Legitimation, die Identität der illegalen Datenkopierer zu erfahren, um sie verklagen zu können. Ein Schock in Download-County! Kurz nach Inkrafttreten der Richtlinie sank das Daten-Aufkommen im schwedischen Netz um 30 Prozent."


Weitere Artikel: Lothar Müller berichtet von der Beerdigung Jürgen Goschs auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. In der Zwischenzeit würdigt Gustav Seibt den fleißigen Leser und Arbeiter Goethe. Thomas Urban berichtet über polnische Empörung über den russischen Film "Taras Bulba", in dem die Polen des 17. Jahrhunderts als grausame Folterer der Russen und überdies Katholiken dargestellt werden. Sonja Zekri berichtet vom Moskauer Filmfestival, wo auch Pavel Lungins Film "Zar" über den sadistischen Folterer Iwan der Schreckliche lief (Kino war auch schon mal amüsanter!) Fritz Göttler präsentiert erste Fotos on Tim Burtons kommender "Alice in Wonderland"-Variation. Henning Klüver stellt italienische Landschaftsschutzprojekte vor, die in diesem Land auch immer Kulturschutzprojekte sind. Helmut Kerscher berichtet vom BGH-Prozess zwischen Übersetzern und dem Randomhouse-Verlag um eine "angemessene Vergütung" von Übersetzern.

Besprochen werden die Tübke- Retrospektive zum 80. Geburtstag in Leipzig, Benjamin Brittens Oper "Death in Venice" in München (mit dem "sängerisch wie spielerisch gleicherweise herrlichen" Tenor Hans-Jürgen Schöpflin), ein musikalisches Spektakel des kongolesischen Autors und Musikers Faustin Linyekula (mehr hier) bei den Theaterformen in Hannover und Bücher, darunter Ketli Björnstads Roman "Der Fluss".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2009

Heiner Flassbeck (Homepage), einst Oskar Lafontaines ökonomischer Berater, jetzt Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung, fasst noch einmal zusammen, warum der Kapitalismus nicht so weitermachen kann wie bisher: "Nullsummenspiele produzieren nichts, selbst wenn es Zockerherden immer wieder gelingt, dies durch Preisexzesse an Aktien-, Rohstoff- oder Währungsmärkten für ein paar Jahre zu verdecken. Kasinokapitalismus ist die explizite Aufkündigung eines arbeitsteiligen, der Marktwirtschaft impliziten Versprechens: Sparen, der Verzicht auf Konsum, ist nur sinnvoll, wenn der Schuldner verspricht, die Ersparnisse produktiv zu verwenden. Versprechen auf Wetten sind Lügen - nicht für jeden, aber für alle."


Auf der Medienseite findet sich ein kurzes Interview mit dem in Teheran geborenen, in London lehrenden Sozialwissenschaftler Nima Mina zum Einsatz neuer Medien und zur Lage im Iran. Er ist überzeugt: "Es gibt kein Zurück mehr in die Zeit vor dem Wahltag, zumal sich der Ton der Konfrontation seit Chameneis Rede entscheidend verändert hat: Jetzt ist er das Feindbild, nicht Ahmadineschad." Marco Dettweiler schildert die Geschichte der YouTube-Märtyrerin der Revolte namens Neda und stellt fest: "An ihren Blick werden sich die Menschen von nun erinnern, wenn sie an Mahmud Ahmadineschad und das iranische Regime denken."

Weitere Artikel: In der Glosse berichtet Martin Halter, wie die Freiburger "Säule der Toleranz" - in Wahrheit ein "optischer Zapfenstreich", der ab 23 Uhr zur Nachtruhe mahnt - gleich in ihrer ersten Nacht auf wenig Gegenliebe stieß. Andreas Rossmann erklärt, was der Tiefbau nach der Kölner Archiv-Katastrophe vom Bergbau lernen könnte und müsste. In deutschen Zeitschriften liest Ingeborg Harms Aufsätze über den gegenwärtigen Zustand des Kunstmarkts und auch der Kunst an den Beispielen Andreas Gursky und Jeff Koons.

Besprochen werden Kathrin Mädlers Inszenierung von Peter Weiss' Stück "Die Ermittlung" auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände (Bernd Noack verlässt den Aufführungsort "gelähmt, verstört und gequält"), eine Basler Aufführung von Antonio Vivaldis Oper "Orlando Furioso" unter Regie von Barry Kosky und dirigiert von Andrea Marcon, die Uraufführung von Christian Josts Musikdrama "Hamlet" an der Komischen Oper in Berlin (mit Potenzial, aber leider "megalomanisch" in der Ausführung, bedauert Julia Spinola), die Ausstellung "Freie Reichsstadt Augsburg - Majestätische Jahrhunderte" im Moskauer Kreml, eine Ausstellung über Herzog Ludwig X. und die Renaissance in Landshut, die CD "Rest At Worlds End" der Elektroniker Humcrush, und die Novelle "Der Argentinier" von Klaus Merz (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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