Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Blitzgescheit und immerzu munter

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

17.05.2008. Über mehr als hohe Mietpreise und die schwierige Post-9/11-Liebe redet der Romannachwuchs aus den USA nicht, seufzt die NZZ. Der Tagesspiegel staunt über Daniel Barenboims Gagenfantasien für seine Staatskapelle, die Berliner Zeitung kündigt ein neues Unwetter am Staatsoperhimmel an. Die FR blättert sich durch den mächtigen Mega-Blog von Ariana Huffington. Und Georg Klein mimt für die SZ recht erfolglos einen Gangster in New York.

Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2008

Literatur und Kunst wird seinem Namen wieder einmal gerecht. Andrea Köhler sichtet die Werke hochgelobter Romantalente aus den USA wie Adam Davies und Rudolph Delson und sortiert vieles aus. "Worum geht es in diesen jüngsten Produkten aus Übersee? Kurz und bündig gesagt: um die Mietpreise in New York und die Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten von 9/11... Diese shooting stars haben das Handwerk des Schreibens in Princeton und Harvard gelernt, kennen die ästhetischen Mittel der Postmoderne aus dem Effeff und nutzen deren Freiheiten zum überbordenden und nicht selten überorchestrierten Spiel. Dabei scheint, was man heutzutage im Creative-Writing-Kurs lernt, einem so strengen Curriculum zu unterliegen, dass viele dieser Romane sich fast aufs Haar gleichen."


Der ungarische Essayist Laszlo F. Földenyi schickt ein Stimmungsbild aus New York: "Was mich zu Hause störte, fesselt hier ganz selbstverständlich meinen Blick, meine Wahrnehmung. Die Portiers der Mietshäuser beobachten mich mit der unerbittlichen Miene eines Höllenhundes, und doch öffnen sie mir ungeheuer zuvorkommend, mit einem Lächeln im Gesicht, die Tür. Der Kellner eines Schnellrestaurants möchte mich eilends wieder loswerden; und doch erklärt er mir alles geduldig und lässt sogar noch irgendeinen unverständlichen Witz vom Stapel. Und ich drehe den Kopf hin und her und weiß gar nicht, welches sein wahres Gesicht ist, welchem ich Glauben schenken soll. Mir wird oft schwindelig."

Weiteres: Samuel Herzog stellt sich auf der achten Dakar-Biennale die Frage nach der afrikanischen Identität. Harry Tomicek erinnert an den Schauspieler James Stewart, der vor hundert Jahren geboren wurde. Und Stefan Zweifel porträtiert den Schweizer Fotografen Robert Frank.

Im Feuilleton schildert Jörg Plath den Optimismus in der serbischen Provinz Vojvodina, in der die Europabegeisterung groß und der Aufschwung zum Greifen nah ist. Klaus Bartels spürt den entymologischen Wurzeln der Elite nach. In der Serie "Was ist schweizerisch" lobt Nikolaus Harnoncourt die netten Schweizer Handwerker und warnt vor unmenschlichen Polizisten. Besprochen wird die Ausstellung "Goya in Zeiten des Krieges" im Prado in Madrid.

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Die Welt, 17.05.2008

Die Literarische Welt stellt die Frage "Braucht die Literatur Wirklichkeit?", die an manche etwas lau gebliebene Debatten und schon heißer geführte Prozesse anknüpft. Neben Michael Lentz und Dieter Wellershoff haben auch Felicitas Hoppe und Ulf Erdmann Ziegler geantwortet - und ihre Antworten lassen sich auf jeweils einen genuin schriftstellerischen Satz reduzieren. Hoppe sagt: "Wirklich ist, was wirkt, der Dämmerstreif, der Halbsatz, der Reim." Und Ziegler: "Dass etliche meiner Leser glaubten, ich habe meine eigene Geschichte aufgeschrieben, hat mich später bestätigt."


Weitere Artikel: Tilman Krause hat Jonathan Littell in Berlin getroffen und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Littell interessiert sich gar nicht für Geschichte, sondern nur für schwule Sexfantasien in Nazikostümierung, was "Die Wohlgesinnten" aber für Krause nicht eigentlich abwertet. Besprochen werden in der Literarischen Welt unter anderem James Sheehans Band "Kontinent der Gewalt - Europas langer Weg zum Frieden" und Tom Segevs Studie über "Die ersten Israelis". Die letzte Seite ist der Wiederentdeckung Annemarie Schwarzenbachs gewidmet.

Im Feuilleton interviewt Peter Zander die Schauspielerin Sarah Jessica Perker zum "Sex and the City"-Film. Manuel Brug bewundert Peter Stein, der hierzulande im Theater nurmehr als unverdaulicher Ultrakonservativer gelte, als Opernregisseur, unter anderem in Lyon. Matthias Heine überprüft den Theaterspielplan der kommenden Wochen auf Kompatibilität mit dem Spielplan der Fußball-EM. Uta Baier hat das Dieselkraftwerk in Cottbus besucht, das als Museumsgebäude zumindest auf dem Foto fast so beeindruckend aussieht wie die Tate Modern. Thomas Vitzthum bricht eine Lanze für den von der Jugend verehrten, aber durchaus Klassikhappen darbietenden Geiger David Garrett. Johanna Schmeller berichtet, dass die Hebraica-Sammlung der Münchner Staatsbibliothek digitalisiert wird.

Besprochen wird unter anderem ein Band, in dem Dietmar Dath fiktive Platten bespricht.

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Der Tagesspiegel, 17.05.2008

Frederik Hanssen muss sich bei der Pressekonferenz Daniel Barenboims zur Krise der Berliner Staatsoper leicht überfahren gefühlt haben: "Der Maestro jedenfalls will keinerlei Anzeichen einer solchen ausmachen. Kritisch werde es für ein Opernhaus doch nur dann, wenn die Kunst kränkele, wenn Vorstellungen ausfielen. Das sei aber hier nicht der Fall. Es handele sich lediglich um ein internes Administrationsproblem, erklärte er... Aus dem Reich der Märchen stammen auch die 1,8 Millionen Euro, die Barenboim angeblich für sein Orchester verlangt habe. Die Staatskapelle wolle lediglich 250.000 Euro wiederhaben, die ihr jüngst weggespart worden sind, außerdem 400.000 Euro, um konkurrenzfähig gegenüber anderen Spitzenensembles zu bleiben und eine weitere halbe Million Euro für 'Flexibilität'. Wie bitte? Damit, klärt der Maestro auf, ist gemeint, dass die Musiker auf Tourneen und in Phasen des Hochbetriebs die strengen Regeln ihres Tarifvertrags in Bezug auf Ruhezeiten und Freizeitausgleich mal etwas großzügiger auslegen. Interessant."


Außerdem: Götz George spricht im Interview über seine Herzoperation, seinen Vater und den Schimanski. Auf der Medienseite lesen wir, dass der Lebensmittelriese Rewe eine Kaufzeitschrift zu Themen wie Mode, Beauty, Wohnen oder Reisen plant.

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Die Tageszeitung, 17.05.2008

Cristina Nord hat in Cannes den beeindruckenden IRA-Knastfilm "Hunger" des Turner-Preisträgers Steve McQueen gesehen. In Teil VII der Eurokolumne berichtet Tobi Müller aus Zürich. In der zweiten taz stellt Barbara Dribbusch fest, dass nicht nur Spiritualität, sondern manchmal auch Dunstabzugshauben die Tibeter glücklich machen. Im Rahmen einer die ganze Zeitung durchziehenden Oliver-Kahn-Gedenkberichterstattung (auf der Titelseite ein Porträt Kahns als "Germany's Next Topmodel") fragt Markus Völker, warum die Deutschen ihre Torhüter so sehr lieben.


Fürs taz mag haben sich Jan Feddersen und Peter Unfried mit dem Musiker Bernd Begemann unterhalten, der höchst beunruhigende Symptome an sich beobachtet hat: "Ich fuhr von einem Club zurück ins Hotel, fühlte mich ein bisschen müde und einsam. Dann hörte ich auf Deutschlandfunk die Nationalhymne. Da fühlte ich mich beruhigt, aufgehoben." Helmut Höge schreibt über die bedrohliche Aufrüstung von Toiletten zu "Wohlfühloasen".

Besprochen werden zwei Ausstellungen, die das Absurde der Kunst und die Kunst des Absurden vorstellen, das Album "Verlass die Stadt" von Gustav, Peter Geyers Kinski-Film "Jesus Christus Erlöser" und Bücher, darunter Harald Welzers nüchterner sozialpsychologischer Schocker "Klimakriege" und Peter Rühmkorfs Alterswerk "Paradiesvogelschiß" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Aus den Blogs, 17.05.2008

Klaus Jarchow hat sich für Medienlese.com Schlagzeilen unserer geschätzten Presse zu den Ausschreitungen gegen die Roma in Italien angesehen und kommt zu dem Ergebnis: "Ich darf zusammenfassen: Seit Rostock-Lichternhagen haben Deutschlands Medien nichts gelernt, eher viel verlernt ?"

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Frankfurter Rundschau, 17.05.2008

Dietmar Ostermann stellt die HuffingtonPost vor, das enorm erfolgreiche, nicht nur im Zweifel linke, von der früher auch mal rechten Millionärin Ariana Huffington gegründete amerikanische Politblog, das nicht zuletzt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf beträchtlichen Einfluss hat: "Wohl kein anderes Forum im Internet kann wie die Huffington Post politische Themen setzen, Debatten anstoßen und Schlagzeilen produzieren. Mit 3,7 Millionen Page-Visits notierte die Ratingagentur Nielsen die Seite im Februar erstmals auf Platz eins der US-Polit-Blogs. Die Huffington Post freilich will mehr sein, nennt sich selbst eine 'Internetzeitung', was den vielschichtigen Charakter der Seite allerdings nur unscharf umreißt. Im Grunde ist sie ein bisschen von allem: politische Online-Community mit linksliberaler Gesinnung, News-Seite, Mega-Blog und Klatschbude. Exklusive Nachrichten gibt es hier ebenso wie hitzige Politdebatten, Kolumnen über die Untreue amerikanischer Ehefrauen oder Links zu Berichten über eine Ameisen-Invasion in Houston."


Weitere Artikel: Ina Hartwig macht sich Gedanken über das neue, druckbefreite Privatroman-"Aufschreibesystem" der Elfriede Jelinek. Lutz Musner erinnert an den Krieg im Karst zwischen Italienern und Österreichern zwischen 1915 und 1917. In einer Times Mager setzt sich Christian Schlüter mit einer gewissen Gisele aus Heidi Klums Topmodel-Sendung auseinander. Marcia Pally bemerkt in ihrer Kolumne Fortschritte im Umweltbewusstsein des John McCain.

Besprochen werden die Essener Forced-Entertainment-Performance "Spectacular" und die neue BAP-Platte "Radio Pandora".

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Berliner Zeitung, 17.05.2008

Birgit Walter berichtet über die nächste Auseinandersetzung an der Berliner Staatsoper. Der Zuschauerraum soll umgebaut werden, weil er keinen guten Klang und 100 sichtbehinderte Plätze hat. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben: "Von den acht Entwürfen fanden sich sechs, die den alten Zuschauerraum 'optimieren' wollten - was die Jury aus namhaften Architekten (Axel Schultes, Peter Kulka, Georg Baumewerd) und Politikern aber nicht goutierte, weil es eine ästhetisch-architektonische Verschlechterung des Raumes wäre." Sie votierte daher für die radikale Variante des Berliner Architektenbüros Klaus Roth, das den alten Saal durch einen modernen ersetzen will. "Jurymitglied und Kulturstaatssekretär Andre Schmitz, von dem man versöhnliche Töne gewohnt ist, soll explodiert sein, auch die anderen beiden Vertreter der Politik sollen sich nicht amüsiert gezeigt haben, dem Votum der Fachleute für einen Neubau des Saales unterlegen zu sein."


Doris Meierhenrich fragt sich angesichts der "gedankenarmen und in sich undifferenzierten, ja nichtssagenden" 646 Theaterstücke beim diesjährigen Stückemarkt des Theatertreffens, ob eine Autorenförderung noch Sinn macht. "Einen Moment lang schien es, als werde diese Frage auch offen virulent, als der Dramaturg Joachim Lux in einem 'Impulsreferat' (nachzulesen auf nachtkritik.de) zu Beginn des Stückemarktes eine Schneise durch den zeitlosen Theaterdebattensalat aus Werktreue, Regietheater, Performancekunst und ausufernden Förderprogrammen schlagen wollte und er plötzlich kühn ausrief, dass er von Ausnahmen wie Elfriede Jelinek abgesehen, ein neues Stück von 'bedeutsamen Rang in der Öffentlichkeit' lange nicht gelesen habe." Und so "stritten Dramaturgen und Autoren aber nicht etwa auf dem Stückemarkt, wo es sein sollte, sondern im Internet".

Außerdem: Wolfgang Fuhrmann berichtet von der Pressekonferenz Daniel Barenboims zum Abgang Peter Mussbachs: "Was haben Sie getan, um Peter Mussbach am Haus zu halten, fragt jemand. 'Nichts', sagt Daniel Barenboim." Im Magazin spricht der Hirnforscher Hans-Joachim Markowitsch im Interview mit interessanten Fallbeispielen über Gedächtnislücken und Erinnern.

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Süddeutsche Zeitung, 17.05.2008

Der Schriftsteller Georg Klein hat sich in die Welt des gerade veröffentlichten Computerspiel-Blockbusters "Grand Theft Auto IV" begeben - und dort, wie er berichtet, reichlich alteuropäisch verhalten: "Störend wirkt es sich auf den Genuss der Spielwelt aus, weite Strecken zu Fuß zu gehen. Ich habe dieses laienhafte Unterfangen eine halbe Stunde lang durchgehalten und alle Anrufe, die Niko zu Treffen mit anderen Kriminellen und damit zur Benutzung eines Fahrzeugs verlocken wollten, ignoriert. Ab und zu tapste mein ungeschickt geführter Protagonist in fahrende Autos, einmal wurde er von einem Drogendealer niedergeschlagen."


Weitere Artikel: Jean-Michel Berg gibt einen Einblick in das sich konstituierende Feld der Computerspiel-Forschung. Es ist allerdings schon dabei, sich auszudifferenzieren: "In den feministischen 'Game Studies' - ja, so etwas gibt es nun auch - wird untersucht, ob Lara Croft ein feministisches Idol oder ein 'Cyberbimbo' sei." Karl Bruckmaier stellt begeistert die österreichische Popsängerin Gustav vor. In Cannes präsentiert das Kino die Welt als Gefängnis, wie Tobias Kniebe berichtet. Alex Rühle wundert sich darüber, dass der Schrebergarten unter jungen Menschen ein gewaltiges Comeback erlebt. Henning Klüver schickt Nachrichten aus Mailand. Johann Schloemann hält nichts davon, das Französische an den Schulen durch das Spanische zu ersetzen, da könnte man, findet er, genausogut "Hindi, Arabisch, Suaheli, Chinesisch und Russisch" lernen. Karl-Heinz Göttert erklärt, was die neue Domorgel von Magdeburg ausmacht. Besprochen wird die Forced-Entertainment-Performance "Spectacular" in Essen.

Auf der Literaturseite informiert Najem Wali darüber, wie die Araber nun die Literatur Israels entdecken. Hans-Peter Kunisch war dabei, als in Berlin Isabella Azoulay ihr Buch "De Gaulle und ich" vorstellte. Rezensionen gibt es zu Rohan Kriwaczeks "Unvollständige Geschichte der Begräbnis-Violine" und zu Aliza Olmerts Roman "Ein Stück vom Meer" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Für den Aufmacher der SZ am Wochenende hat Christian Zaschke eine Galerie des Nachlebens gewesener Spitzensportler verfasst. Sarah Khan hat eine Meisterin der Podologie (Fußpflege) besucht. Miriam Stein stellt Allen B. Schwartz vor, der die Roben von Hollywood-Stars günstig nachschneidert. Auf der Historienseite erinnert sich Sibylle Nabel-Foster an eine Begegnung mit Gudrun Ensslin. Im Interview spricht der Geiger Nigel Kennedy über "Rebellion" und darüber, dass seine rauen Manieren gar nichts Besonderes sind: "In England fluchen alle. Andauernd."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2008

Andreas Kilb begleitet die Fahrbibliothek im Landkreis Elbe-Elster. Patrick Bahners begrüßt die Entscheidung des Obersten Gerichthofs von Kalifornien, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehe zu gelten haben. Verena Lueken schreibt sich aus Cannes über Filme von Jerzy Skolimoswki und Steve McQueen (dem Künstler). Nahe Arles ist eine Büste Cäsars aus der Rhone geborgen worden, die zu Lebzeiten des Diktators entstanden sein soll, wie Dieter Bartetzko weiß. Stephan Sahm blättert sich kurz durch medizin- und bioethische Zeitschriften.


In der Beilage Bilder und Zeiten wird viel geehrt: Christoph Ransmayr würdigt in der Laudatio für den Concordia-Preis den Freund und Zeichner Paul Flora. Frank Schirrmacher erinnert an seinen vor hundert Jahren geborenen Feuilletonkollegen Karl Korn. Autor und Musiker Rocko Schamoni schwärmt im Interview auf der letzten Seite von seinem Talent, spackig zu sein: "Spackigkeit ist der Schmutz, der glänzt."

Auf der Schallplatten- und Phonoseite geht es um die erste CD des neu aufgestellten Artemis Quartetts und um das Album "Narrow Stairs" von Death Cab for Cutie. Auf der Medienseite wendet sich Michael Hanfeld in seinem Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen gegen einen Beitrag der Sendung Panorama zur umstrittenen Archivierung von Sendungen.

Besprochen werden eine Ausstellung mit drei Fürstenbüsten im Grünen Gewölbe Dresden und Bücher, darunter das "Nibelungenlied" als gekürzte Lesung von Rolf Boysen auf 10 CDs sowie William Faulkners Roman "Licht im August" in neuer Übersetzung.

In der Frankfurter Anthologie stellt Sebastian Kleinschmidt ein Gedicht von Bertolt Brecht vor - "Vom Klettern in Bäumen:

Wenn ihr aus eurem Wasser steigt am Abend -
denn ihr müsst nackt sein und die Haut muss weich sein -
dann steigt auch noch auf euren großen Bäume..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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