Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Blitzgescheit und immerzu munter

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

17.05.2008. Über mehr als hohe Mietpreise und die schwierige Post-9/11-Liebe redet der Romannachwuchs aus den USA nicht, seufzt die NZZ. Der Tagesspiegel staunt über Daniel Barenboims Gagenfantasien für seine Staatskapelle, die Berliner Zeitung kündigt ein neues Unwetter am Staatsoperhimmel an. Die FR blättert sich durch den mächtigen Mega-Blog von Ariana Huffington. Und Georg Klein mimt für die SZ recht erfolglos einen Gangster in New York.

Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2008

Literatur und Kunst wird seinem Namen wieder einmal gerecht. Andrea Köhler sichtet die Werke hochgelobter Romantalente aus den USA wie Adam Davies und Rudolph Delson und sortiert vieles aus. "Worum geht es in diesen jüngsten Produkten aus Übersee? Kurz und bündig gesagt: um die Mietpreise in New York und die Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten von 9/11... Diese shooting stars haben das Handwerk des Schreibens in Princeton und Harvard gelernt, kennen die ästhetischen Mittel der Postmoderne aus dem Effeff und nutzen deren Freiheiten zum überbordenden und nicht selten überorchestrierten Spiel. Dabei scheint, was man heutzutage im Creative-Writing-Kurs lernt, einem so strengen Curriculum zu unterliegen, dass viele dieser Romane sich fast aufs Haar gleichen."


Der ungarische Essayist Laszlo F. Földenyi schickt ein Stimmungsbild aus New York: "Was mich zu Hause störte, fesselt hier ganz selbstverständlich meinen Blick, meine Wahrnehmung. Die Portiers der Mietshäuser beobachten mich mit der unerbittlichen Miene eines Höllenhundes, und doch öffnen sie mir ungeheuer zuvorkommend, mit einem Lächeln im Gesicht, die Tür. Der Kellner eines Schnellrestaurants möchte mich eilends wieder loswerden; und doch erklärt er mir alles geduldig und lässt sogar noch irgendeinen unverständlichen Witz vom Stapel. Und ich drehe den Kopf hin und her und weiß gar nicht, welches sein wahres Gesicht ist, welchem ich Glauben schenken soll. Mir wird oft schwindelig."

Weiteres: Samuel Herzog stellt sich auf der achten Dakar-Biennale die Frage nach der afrikanischen Identität. Harry Tomicek erinnert an den Schauspieler James Stewart, der vor hundert Jahren geboren wurde. Und Stefan Zweifel porträtiert den Schweizer Fotografen Robert Frank.

Im Feuilleton schildert Jörg Plath den Optimismus in der serbischen Provinz Vojvodina, in der die Europabegeisterung groß und der Aufschwung zum Greifen nah ist. Klaus Bartels spürt den entymologischen Wurzeln der Elite nach. In der Serie "Was ist schweizerisch" lobt Nikolaus Harnoncourt die netten Schweizer Handwerker und warnt vor unmenschlichen Polizisten. Besprochen wird die Ausstellung "Goya in Zeiten des Krieges" im Prado in Madrid.

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Die Welt, 17.05.2008

Die Literarische Welt stellt die Frage "Braucht die Literatur Wirklichkeit?", die an manche etwas lau gebliebene Debatten und schon heißer geführte Prozesse anknüpft. Neben Michael Lentz und Dieter Wellershoff haben auch Felicitas Hoppe und Ulf Erdmann Ziegler geantwortet - und ihre Antworten lassen sich auf jeweils einen genuin schriftstellerischen Satz reduzieren. Hoppe sagt: "Wirklich ist, was wirkt, der Dämmerstreif, der Halbsatz, der Reim." Und Ziegler: "Dass etliche meiner Leser glaubten, ich habe meine eigene Geschichte aufgeschrieben, hat mich später bestätigt."


Weitere Artikel: Tilman Krause hat Jonathan Littell in Berlin getroffen und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Littell interessiert sich gar nicht für Geschichte, sondern nur für schwule Sexfantasien in Nazikostümierung, was "Die Wohlgesinnten" aber für Krause nicht eigentlich abwertet. Besprochen werden in der Literarischen Welt unter anderem James Sheehans Band "Kontinent der Gewalt - Europas langer Weg zum Frieden" und Tom Segevs Studie über "Die ersten Israelis". Die letzte Seite ist der Wiederentdeckung Annemarie Schwarzenbachs gewidmet.

Im Feuilleton interviewt Peter Zander die Schauspielerin Sarah Jessica Perker zum "Sex and the City"-Film. Manuel Brug bewundert Peter Stein, der hierzulande im Theater nurmehr als unverdaulicher Ultrakonservativer gelte, als Opernregisseur, unter anderem in Lyon. Matthias Heine überprüft den Theaterspielplan der kommenden Wochen auf Kompatibilität mit dem Spielplan der Fußball-EM. Uta Baier hat das Dieselkraftwerk in Cottbus besucht, das als Museumsgebäude zumindest auf dem Foto fast so beeindruckend aussieht wie die Tate Modern. Thomas Vitzthum bricht eine Lanze für den von der Jugend verehrten, aber durchaus Klassikhappen darbietenden Geiger David Garrett. Johanna Schmeller berichtet, dass die Hebraica-Sammlung der Münchner Staatsbibliothek digitalisiert wird.

Besprochen wird unter anderem ein Band, in dem Dietmar Dath fiktive Platten bespricht.

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Der Tagesspiegel, 17.05.2008

Frederik Hanssen muss sich bei der Pressekonferenz Daniel Barenboims zur Krise der Berliner Staatsoper leicht überfahren gefühlt haben: "Der Maestro jedenfalls will keinerlei Anzeichen einer solchen ausmachen. Kritisch werde es für ein Opernhaus doch nur dann, wenn die Kunst kränkele, wenn Vorstellungen ausfielen. Das sei aber hier nicht der Fall. Es handele sich lediglich um ein internes Administrationsproblem, erklärte er... Aus dem Reich der Märchen stammen auch die 1,8 Millionen Euro, die Barenboim angeblich für sein Orchester verlangt habe. Die Staatskapelle wolle lediglich 250.000 Euro wiederhaben, die ihr jüngst weggespart worden sind, außerdem 400.000 Euro, um konkurrenzfähig gegenüber anderen Spitzenensembles zu bleiben und eine weitere halbe Million Euro für 'Flexibilität'. Wie bitte? Damit, klärt der Maestro auf, ist gemeint, dass die Musiker auf Tourneen und in Phasen des Hochbetriebs die strengen Regeln ihres Tarifvertrags in Bezug auf Ruhezeiten und Freizeitausgleich mal etwas großzügiger auslegen. Interessant."


Außerdem: Götz George spricht im Interview über seine Herzoperation, seinen Vater und den Schimanski. Auf der Medienseite lesen wir, dass der Lebensmittelriese Rewe eine Kaufzeitschrift zu Themen wie Mode, Beauty, Wohnen oder Reisen plant.

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Die Tageszeitung, 17.05.2008

Cristina Nord hat in Cannes den beeindruckenden IRA-Knastfilm "Hunger" des Turner-Preisträgers Steve McQueen gesehen. In Teil VII der Eurokolumne berichtet Tobi Müller aus Zürich. In der zweiten taz stellt Barbara Dribbusch fest, dass nicht nur Spiritualität, sondern manchmal auch Dunstabzugshauben die Tibeter glücklich machen. Im Rahmen einer die ganze Zeitung durchziehenden Oliver-Kahn-Gedenkberichterstattung (auf der Titelseite ein Porträt Kahns als "Germany's Next Topmodel") fragt Markus Völker, warum die Deutschen ihre Torhüter so sehr lieben.


Fürs taz mag haben sich Jan Feddersen und Peter Unfried mit dem Musiker Bernd Begemann unterhalten, der höchst beunruhigende Symptome an sich beobachtet hat: "Ich fuhr von einem Club zurück ins Hotel, fühlte mich ein bisschen müde und einsam. Dann hörte ich auf Deutschlandfunk die Nationalhymne. Da fühlte ich mich beruhigt, aufgehoben." Helmut Höge schreibt über die bedrohliche Aufrüstung von Toiletten zu "Wohlfühloasen".

Besprochen werden zwei Ausstellungen, die das Absurde der Kunst und die Kunst des Absurden vorstellen, das Album "Verlass die Stadt" von Gustav, Peter Geyers Kinski-Film "Jesus Christus Erlöser" und Bücher, darunter Harald Welzers nüchterner sozialpsychologischer Schocker "Klimakriege" und Peter Rühmkorfs Alterswerk "Paradiesvogelschiß" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Aus den Blogs, 17.05.2008

Klaus Jarchow hat sich für Medienlese.com Schlagzeilen unserer geschätzten Presse zu den Ausschreitungen gegen die Roma in Italien angesehen und kommt zu dem Ergebnis: "Ich darf zusammenfassen: Seit Rostock-Lichternhagen haben Deutschlands Medien nichts gelernt, eher viel verlernt …"

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Frankfurter Rundschau, 17.05.2008

Dietmar Ostermann stellt die HuffingtonPost vor, das enorm erfolgreiche, nicht nur im Zweifel linke, von der früher auch mal rechten Millionärin Ariana Huffington gegründete amerikanische Politblog, das nicht zuletzt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf beträchtlichen Einfluss hat: "Wohl kein anderes Forum im Internet kann wie die Huffington Post politische Themen setzen, Debatten anstoßen und Schlagzeilen produzieren. Mit 3,7 Millionen Page-Visits notierte die Ratingagentur Nielsen die Seite im Februar erstmals auf Platz eins der US-Polit-Blogs. Die Huffington Post freilich will mehr sein, nennt sich selbst eine 'Internetzeitung', was den vielschichtigen Charakter der Seite allerdings nur unscharf umreißt. Im Grunde ist sie ein bisschen von allem: politische Online-Community mit linksliberaler Gesinnung, News-Seite, Mega-Blog und Klatschbude. Exklusive Nachrichten gibt es hier ebenso wie hitzige Politdebatten, Kolumnen über die Untreue amerikanischer Ehefrauen oder Links zu Berichten über eine Ameisen-Invasion in Houston."


Weitere Artikel: Ina Hartwig macht sich Gedanken über das neue, druckbefreite Privatroman-"Aufschreibesystem" der Elfriede Jelinek. Lutz Musner erinnert an den Krieg im Karst zwischen Italienern und Österreichern zwischen 1915 und 1917. In einer Times Mager setzt sich Christian Schlüter mit einer gewissen Gisele aus Heidi Klums Topmodel-Sendung auseinander. Marcia Pally bemerkt in ihrer Kolumne Fortschritte im Umweltbewusstsein des John McCain.

Besprochen werden die Essener Forced-Entertainment-Performance "Spectacular" und die neue BAP-Platte "Radio Pandora".

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Berliner Zeitung, 17.05.2008

Birgit Walter berichtet über die nächste Auseinandersetzung an der Berliner Staatsoper. Der Zuschauerraum soll umgebaut werden, weil er keinen guten Klang und 100 sichtbehinderte Plätze hat. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben: "Von den acht Entwürfen fanden sich sechs, die den alten Zuschauerraum 'optimieren' wollten - was die Jury aus namhaften Architekten (Axel Schultes, Peter Kulka, Georg Baumewerd) und Politikern aber nicht goutierte, weil es eine ästhetisch-architektonische Verschlechterung des Raumes wäre." Sie votierte daher für die radikale Variante des Berliner Architektenbüros Klaus Roth, das den alten Saal durch einen modernen ersetzen will. "Jurymitglied und Kulturstaatssekretär Andre Schmitz, von dem man versöhnliche Töne gewohnt ist, soll explodiert sein, auch die anderen beiden Vertreter der Politik sollen sich nicht amüsiert gezeigt haben, dem Votum der Fachleute für einen Neubau des Saales unterlegen zu sein."


Doris Meierhenrich fragt sich angesichts der "gedankenarmen und in sich undifferenzierten, ja nichtssagenden" 646 Theaterstücke beim diesjährigen Stückemarkt des Theatertreffens, ob eine Autorenförderung noch Sinn macht. "Einen Moment lang schien es, als werde diese Frage auch offen virulent, als der Dramaturg Joachim Lux in einem 'Impulsreferat' (nachzulesen auf nachtkritik.de) zu Beginn des Stückemarktes eine Schneise durch den zeitlosen Theaterdebattensalat aus Werktreue, Regietheater, Performancekunst und ausufernden Förderprogrammen schlagen wollte und er plötzlich kühn ausrief, dass er von Ausnahmen wie Elfriede Jelinek abgesehen, ein neues Stück von 'bedeutsamen Rang in der Öffentlichkeit' lange nicht gelesen habe." Und so "stritten Dramaturgen und Autoren aber nicht etwa auf dem Stückemarkt, wo es sein sollte, sondern im Internet".

Außerdem: Wolfgang Fuhrmann berichtet von der Pressekonferenz Daniel Barenboims zum Abgang Peter Mussbachs: "Was haben Sie getan, um Peter Mussbach am Haus zu halten, fragt jemand. 'Nichts', sagt Daniel Barenboim." Im Magazin spricht der Hirnforscher Hans-Joachim Markowitsch im Interview mit interessanten Fallbeispielen über Gedächtnislücken und Erinnern.

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Süddeutsche Zeitung, 17.05.2008

Der Schriftsteller Georg Klein hat sich in die Welt des gerade veröffentlichten Computerspiel-Blockbusters "Grand Theft Auto IV" begeben - und dort, wie er berichtet, reichlich alteuropäisch verhalten: "Störend wirkt es sich auf den Genuss der Spielwelt aus, weite Strecken zu Fuß zu gehen. Ich habe dieses laienhafte Unterfangen eine halbe Stunde lang durchgehalten und alle Anrufe, die Niko zu Treffen mit anderen Kriminellen und damit zur Benutzung eines Fahrzeugs verlocken wollten, ignoriert. Ab und zu tapste mein ungeschickt geführter Protagonist in fahrende Autos, einmal wurde er von einem Drogendealer niedergeschlagen."


Weitere Artikel: Jean-Michel Berg gibt einen Einblick in das sich konstituierende Feld der Computerspiel-Forschung. Es ist allerdings schon dabei, sich auszudifferenzieren: "In den feministischen 'Game Studies' - ja, so etwas gibt es nun auch - wird untersucht, ob Lara Croft ein feministisches Idol oder ein 'Cyberbimbo' sei." Karl Bruckmaier stellt begeistert die österreichische Popsängerin Gustav vor. In Cannes präsentiert das Kino die Welt als Gefängnis, wie Tobias Kniebe berichtet. Alex Rühle wundert sich darüber, dass der Schrebergarten unter jungen Menschen ein gewaltiges Comeback erlebt. Henning Klüver schickt Nachrichten aus Mailand. Johann Schloemann hält nichts davon, das Französische an den Schulen durch das Spanische zu ersetzen, da könnte man, findet er, genausogut "Hindi, Arabisch, Suaheli, Chinesisch und Russisch" lernen. Karl-Heinz Göttert erklärt, was die neue Domorgel von Magdeburg ausmacht. Besprochen wird die Forced-Entertainment-Performance "Spectacular" in Essen.

Auf der Literaturseite informiert Najem Wali darüber, wie die Araber nun die Literatur Israels entdecken. Hans-Peter Kunisch war dabei, als in Berlin Isabella Azoulay ihr Buch "De Gaulle und ich" vorstellte. Rezensionen gibt es zu Rohan Kriwaczeks "Unvollständige Geschichte der Begräbnis-Violine" und zu Aliza Olmerts Roman "Ein Stück vom Meer" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Für den Aufmacher der SZ am Wochenende hat Christian Zaschke eine Galerie des Nachlebens gewesener Spitzensportler verfasst. Sarah Khan hat eine Meisterin der Podologie (Fußpflege) besucht. Miriam Stein stellt Allen B. Schwartz vor, der die Roben von Hollywood-Stars günstig nachschneidert. Auf der Historienseite erinnert sich Sibylle Nabel-Foster an eine Begegnung mit Gudrun Ensslin. Im Interview spricht der Geiger Nigel Kennedy über "Rebellion" und darüber, dass seine rauen Manieren gar nichts Besonderes sind: "In England fluchen alle. Andauernd."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2008

Andreas Kilb begleitet die Fahrbibliothek im Landkreis Elbe-Elster. Patrick Bahners begrüßt die Entscheidung des Obersten Gerichthofs von Kalifornien, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehe zu gelten haben. Verena Lueken schreibt sich aus Cannes über Filme von Jerzy Skolimoswki und Steve McQueen (dem Künstler). Nahe Arles ist eine Büste Cäsars aus der Rhone geborgen worden, die zu Lebzeiten des Diktators entstanden sein soll, wie Dieter Bartetzko weiß. Stephan Sahm blättert sich kurz durch medizin- und bioethische Zeitschriften.


In der Beilage Bilder und Zeiten wird viel geehrt: Christoph Ransmayr würdigt in der Laudatio für den Concordia-Preis den Freund und Zeichner Paul Flora. Frank Schirrmacher erinnert an seinen vor hundert Jahren geborenen Feuilletonkollegen Karl Korn. Autor und Musiker Rocko Schamoni schwärmt im Interview auf der letzten Seite von seinem Talent, spackig zu sein: "Spackigkeit ist der Schmutz, der glänzt."

Auf der Schallplatten- und Phonoseite geht es um die erste CD des neu aufgestellten Artemis Quartetts und um das Album "Narrow Stairs" von Death Cab for Cutie. Auf der Medienseite wendet sich Michael Hanfeld in seinem Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen gegen einen Beitrag der Sendung Panorama zur umstrittenen Archivierung von Sendungen.

Besprochen werden eine Ausstellung mit drei Fürstenbüsten im Grünen Gewölbe Dresden und Bücher, darunter das "Nibelungenlied" als gekürzte Lesung von Rolf Boysen auf 10 CDs sowie William Faulkners Roman "Licht im August" in neuer Übersetzung.

In der Frankfurter Anthologie stellt Sebastian Kleinschmidt ein Gedicht von Bertolt Brecht vor - "Vom Klettern in Bäumen:

Wenn ihr aus eurem Wasser steigt am Abend -
denn ihr müsst nackt sein und die Haut muss weich sein -
dann steigt auch noch auf euren großen Bäume..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

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