Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 17.03.2010, 14.22 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Brockhaus ist am Ende. Punkt

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

13.02.2008. Thomas Knüwer kommentiert in seinem Blog Indiskretion Ehrensache die letzte Zuckung des Brockhaus. Die Welt auch. Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher sieht bei Message die sich abzeichnende Online-Kooperation zwischen Zeitungen und Öffentlich-Rechtlichen als Sündenfall. Stefan Niggemeier kabbelt sich mit Henryk Broder und umgekehrt. In der NZZ spricht Vladimir Sorokin über die Opritschniks in Putins Russland. Die anderen Zeitungen kommentieren die Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan: "Hört nicht auf ihn!"

Aus den Blogs, 13.02.2008

Ab heute steht das Archiv des Spiegels online, meldet Felix Disselhoff in der Medienlese: "Der Clou: Beinahe sämtliche Spiegel-Artikel können als PDF der Originalseite heruntergeladen werden. "


Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher kommentiert im blog der Zeitschrift Message die sich abzeichnende Online-Kooperation zwischen WDR und dem WAZ-Konzern, die in ein paar Wochen in einer Pressekonferenz mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers höchstpersönlich aus der Taufe gehoben werden soll: "Die gebührenfinanzierte größte und drum reichste Landesrundfunkanstalt der Republik entdeckt nach Jahrzehnten schärfster Systemkonkurrenz wunderbarerweise so intensive Gemeinsamkeiten, dass man die digitale Welt nun miteinander gestalten will, ja muss. Und der Herr Ministerpräsident wird bei einer Pressekonferenz in ein paar Wochen - wenn clevere Juristen und bilanzbesessene Betriebswirte alles längst unter Dach und Fach gebracht haben - seinen Segen dazu geben. Beide mächtigen Medienakteure werden ihm diese Großmut danken; ganz gewiss, denn dafür gibt es täglich genug ganz praktische Möglichkeiten."

"Brockhaus ist am Ende. Punkt." Thomas Knüwer wundert sich in seinem Blog Indiskretion Ehrensache schon, dass die Zeitungen die Meldung vom Tod des Brockhaus nur als Meldung brachten. Das Lexikon soll nur noch online zu lesen sein: "Verkauft wird dies als 'Internet-Offensive'. Doch in Wahrheit ist es das Gegenteil: Es ist die letzte Zuckung eines großen Namens - wieder einmal hat ein Unternehmen der klassischen Medienbranche nicht erkannt, dass sich die Zeiten ändern."

Robert Basic schreibt zum Thema: "Brockhaus? Das ist die quasi ausgedruckte Wikipedia, die man nicht verlinken und nicht editieren kann."

Interessante Kabbelei zwischen Stefan Niggemeier, der Henryk Broder islamophobe Nachlässigkeiten vorwirft, und Henryk Broder, der Stefan Niggemeier den Konsum von Schweinefleisch vorwirft. Niggemeier bringt auch die Urteilsbegründung des Landgerichts Hamburg, das ihn wegen zu später Tilgung eines Leserkommentars belangte.

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Die Tageszeitung, 13.02.2008

Unter der Überschrift "Hört nicht auf ihn!" kommentiert Jan Feddersen in tazzwei die Auslassungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan über Assimilierung als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und erklärt mit Rückgriff auf Erkenntnisse aus der Neurobiologie und Politologie, weshalb sie in Wirklichkeit Frieden schafft. "Aus der Neurobiologie ist überliefert, dass es keine Integration ohne Assimilierung gibt. Wer in ein System will, muss sich an es anpassen - und wird sich verändern. So wie auch das gegebene System sich mit den neuen Teilen verändert. Gesellschaftlich gesprochen: So wie die Attributierung 'deutsch' schon immer eine künstliche Anordnung des nicht Anzuordnenden war, so hat sich dieses Land grundsätzlich durch Migranten verändert."


Wie man es in der Türkei mit der Assimilierung von Kurden, Armeniern und Christen hält, erklärt Jürgen Gottschlich. Und Daniel Bax fragt: "Welches Integrationskonzept hat man denn in Deutschland?"

Auf den Kulturseiten informiert Katrin Bettina Müller über die ausgewählten Teilnehmer am diesjährigen Berliner Theatertreffen und die Rückkehr des Schauspielertheaters. Alexander Cammann wirft einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Merkur, in der die Lage der Kunst im öffentlichen Debattenraum analysiert wird. Und Antonia Herrscher berichtet über eine Berliner Initiative namens Bürgerverein Luisenstadt e. V., die sich allwöchentlich trifft, um bei der Gestaltung des Stadtraums mitzureden.

Besprochen werden der Film "Dyn Amo" des gehbehinderten Regisseurs Stephen Dwoskin von 1972, der jetzt auf DVD erhältlich ist, und eine Biografie des Soziologen Muruchi Poma über den bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Kritiken zur Berlinale: Errol Morris' zweistündige Doku-Fiction "Standard Operating Procedere" über Abu Ghraib (Wettbewerb der Berlinale), Peter Geyers Film "Jesus Christus Erlöser" über einen legendären Auftritt von Klaus Kinski (Forum) in der Berliner Deutschlandhalle. Weitere Filmbesprechungen gibt's auf den Berlinale-Seiten der taz.

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2008

Jörg Plath unterhält sich mit dem russischen Schriftsteller Vladimir Sorokin über seinen neuen Roman "Der Tag des Opritschniks", das Raussland Iwans des Schrecklichen und Wladimir Putin: "Die Opritschnina ist in der russischen Literatur nicht adäquat beschrieben worden. Sie ist so monströs, dass sich die russischen Schriftsteller wohl geniert haben. Es gibt eigentlich nur einen Roman über sie, Alexei Konstantinowitsch Tolstois 'Der silberne Fürst'. Er behandelt das Thema sehr vorsichtig. Solange aber ein Phänomen nicht beschrieben worden ist, bleibt es lebendig. Daher ist die Opritschnina bis heute nicht gestorben. Und die heutige Staatsmacht in Russland umgibt sich mit genau solchen Opritschniki - den Silowiki. Das sind die Angehörigen der sogenannten Machtministerien, der Strafverfolgungsbehörden, des Militärs, des Geheimdienstes."


"Das gab es noch nie: eine Berlinale bei Frühlingswetter", verzeichnet Susanne Ostwald zur Halbzeit des Wettbewerbs. Aber im Großen und Ganzen war es das auch schon mit den großen Ausnahmeerscheinung. Ihre Favoriten für die Bären bisher: Paul Thomas Andersons Parabel "There Will Be Blood" und Isabel Coixets "Elegy".

Weiteres: Lilo Weber berichtet von der nahezu einhelligen Ablehnung, auf die der Erzbischof von Canterbury auch unter muslimischen Gemeinden mit seinem Vorschlag gestoßen sei, Teilbereiche der Scharia in Großbritannien einzuführen. Als einen "Anschlag auf die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts" verdammt Christoph Becker den Kunstraub von Zürich. Besprochen werden Paul Dukas' Oper "Ariane et Barbe-Bleue" in der Oper Frankfurt und Bücher, darunter Adam Hochschilds Geschichte der Abschaffung der Sklaverei "Sprengt die Ketten" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 13.02.2008

In Italien ist die Regierung von Romano Prodi gestürzt, bevor sie eine Änderung des Wahlgesetzes durchbringen konnte, schreibt Aureliana Sorrento: Ein neues Wahlrecht, über das die Italiener im Mai hätten abstimmen sollen, "würde die Klein- und Kleinst-Parteien, welche die gegenwärtigen Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Bündnisse übervölkern, ruckzuck von der Politbühne fegen. Das brächte nicht nur stabilere Mehrheiten, sondern auch viele Abgeordnete, ihren Tross und die Lobbys, die sie stützen, um ihre Pfründe. Nun wird das Referendum um ein Jahr verschoben, wenn das Wahlvolk im April an die Urnen gerufen wird, gelten weiterhin die Regeln des 'Porcellum'." Und das begünstigt in der jetzigen Situation vor allem Berlusconi.


Weitere Artikel: Axel Brüggemann informiert über Wolfgang Wagners Pläne zur Gründung einer Medien-Gruppe, die der Globalisierung der "Werkstatt Bayreuth" dienen soll. Peter Michalzik stellt die Auswahl zum Berliner Theatertreffen vor. Und in Times mager kommentiert Christian Thomas den spektakulären Kunstraub im Zürcher Museum "Sammlung EG Bührle".

Besprochen werden die Berlinale-Beiträge "Jesus Christus Erlöser" des Kinski-Biografen Peter Geyer, der Eröffnungsfilm der Dokumente-Sektion "A Jihad for Love" von Parvez Sharma, "Coupable" von Laetitia Masson,"Transsiberian" von Brad Anderson und John Crowleys Fernsehproduktion "Boy A", außerdem ein Inszenierung von Händels "Theseus" an der Komischen Oper Berlin.

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Perlentaucher, 13.02.2008

Dritter Teil des Vorabdrucks aus Götz Alys Buch "Unser Kampf" über 1968: "Nicht selten wird behauptet, die Revolte sei deshalb so heftig verlaufen, weil die Nazivergangenheit in der westdeutschen Öffentlichkeit einvernehmlich beschwiegen worden sei. Das Gegenteil ist richtig. In ihrer spezifischen Abkehr von der Wirklichkeit müssen die schweren gesellschaftlichen Turbulenzen von 1968 vielmehr als Flucht vor den zunehmend thematisierten, in immer deutlicheren Konturen sichtbaren deutschen Verbrechen gedeutet werden."

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Die Welt, 13.02.2008

Hendrik Werner kommentiert den "Lexitus" des Brockhaus: "Was in der heraufkommenden Online-Ära lexikalischen Wissens aber gleichfalls schwinden wird, ist die Aura des Buches. Denn mit der medialen Akzentverschiebung bei Brockhaus und Co. ist ein bedeutsames Kapitel der Kulturgeschichte des Wissens gleichsam zu Ende erzählt." Chefredakteur Thomas Schmid schreibt zum Thema: "Nicht das Buch an sich ist betroffen - der Roman hat seine Zukunft. Betroffen ist nur das Buch, das aktueller Wissensspeicher sein will."


Die in Berlin lebende, rumänische Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu reist mit uns ins rumänische Siebenbürgen. Hier liegt das Dorf Jucu, in dem Nokia sein neues Werk errichten will. "Die Siebenbürger, die fälschlicherweise in Deutschland ausschließlich mit den Sachsen aus Rumänien assoziiert werden, sind ein ruhiger und bedachter Menschenschlag. Eine Initialzündung wirkt bei ihnen spät. Dann aber haben sie einen langen Atem. Als 2005 der schwedische Ikea-Zulieferer Ecolor sich als erstes ausländisches Unternehmen nach Jucu wagte und 170 Menschen beschäftigte, verband das Dorf damit keine großen Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Leute blieben weiter Kleinbauern. Für die Taube auf dem Dach wollten sie nicht den Spatz aus der Hand lassen."

Weitere Artikel: Johanna Schmeller warnt vor einem drohenden Verfall des seit seiner Eröffnung nicht sanierten Deutschen Museums in München. Uta Baier fordert, endlich die Provenienzforschung wirklich in Angriff zu nehmen. Florian Stark ermittelt im Zürcher Kunstraub, Experten verbuchen die Tat auf das Konto organisierter Krimineller. Matthias Heine porträtiert den Theater-Schauspieler Mark Waschke.

Besprochen werden die Mark-Rothko-Retrospektive in der Münchner Hypo-Kunsthalle und Berlinale-Filme, darunter die Klaus-Kinski-Dokumentation "Jesus-Christus-Erlöser", Errol Morris' Abu-Ghraib-Film "Standard Operating Procedure" und der "Trip to Asia" mit den Berliner Philharmonikern.

Online zu lesen ist jetzt auch Hanns-Georg Rodeks sehr erhellender Artikel von gestern über die Cinema-for-Peace-mit-Putin-Gala.

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Spiegel Online, 13.02.2008

Spiegel Online zitiert aus einer Erklärung Steven Spielbergs, der wegen der chinesischen Darfur-Politik von seinem Amt als Berater der Olympischen Spiele in Peking zurücktritt: "An diesem Punkt darf meine Zeit und Energie nicht für olympische Zeremonien aufgewendet werden. Es geht darum alles dafür zu tun, dass den unbeschreiblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die weiter in Dafur passieren, endlich Einhalt geboten werde,"

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2008

Regina Mönch glaubt nicht an die Behauptung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, dass Zweisprachigkeit eine bessere Integration ermögliche: "Der renommierte Mannheimer Soziologe Hartmut Esser hat in einer umfangreichen Studie nachgewiesen, dass der Nutzen muttersprachlichen Unterrichts völlig überschätzt wird. Die wenigen aussagekräftigen Forschungen belegen, dass Bilingualität im Vergleich zu sprachlicher Assimilation von Einwanderern kein Vorteil ist. Bestenfalls ist sie kein Nachteil. In den Vereinigten Staaten konnte dieser Vorteil nicht einmal bei der großen Gruppe der hispanischen Kinder festgestellt werden."


Weitere Artikel: Der Schriftsteller Heiko Michael Hartmann antwortet auf den Vorwurf Richard Kämmerlings', die Schriftsteller von heute hätten zu wenig Realitätsbezug. Paul Ingendaay erzählt in einer lehrreichen Glosse, wie Dr. Oetker den Spaniern die Vorteile der Tiefkühlpizza - die der bisher in Spanien üblichen Kühlschrankpizza deutlich überlegen ist - mit großem Erfolg nahebrachte. Rose-Maria Gropp recherchiert, wie das Land Baden-Württemberg schon wieder beim Verkauf einer Handschrift - in diesem Fall eines "Hausbuchs" der Fürsten Waldburg - geschlafen hat. Das Programm des Thatertreffens wird vorgestellt und gemeldet, dass sich Günter Grass und sein Biograf Michael Jürgs in dem Streit um die Darstellung von Grass' SS-Mitgliedschaft außergerichtlich geeinigt haben. Jürg Altwegg wirft einen Blick in Schweizer Zeitschriften. Jürg Altwegg meldet auch, dass der Bürgermeister von Montpellier allen Ernstes eine Lenin-Statue aufstellen lassen will.

Auf der Berlinale-Seite schreibt Bert Rebhandl über Dominik Wesselys Dokumentarfilm "Gegenschuss" über die heroischen Zeiten des neuen deutschen Films. Andreas Platthaus hat Errol Morris' Dokumentarfilm "Standard Operating Procedure" über Abu Ghraib gesehen.

Auf der Medienseite kommentiert Michael Hanfeld die Meldung, dass gegen einen der dänischen Karikaturisten der Mohammend-Karikaturen, Curt Westergaard (mehr hier) ein Attentat vorbereitet wurde. Auf der letzten Seite schreibt Günter Paul über estnische Raketenversuche, die das Überleben von Pflanzen in Schwerelosigkeit untersuchen. Jürg Altwegg porträtiert Ayaan Hirsi Ali, der der französische Staat trotz einer Initiative Bernard-Henri Levys keine Staatbürgerschaft geben will. Und Marta Kijowska berichtet, dass in Danzig ein Günter-Grass-Musueum entstehen soll.

Besprochen werden ein Klavierabend Pierre-Laurent Aimards mit Bachs "Kunst der Fuge" in München und Othmar Schoecks Kleist-Oper "Penthesilea" in Dresden.

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Süddeutsche Zeitung, 13.02.2008

Das Wort "Assimilation" in Recep Tayyip Erdogans Rede war vielleicht etwas unglücklich gewählt, meint Thomas Steinfeld, aber man sollte sich dennoch damit auseinandersetzen: "Mit dem falschen Begriff 'Assimilation' hat er ein Problem angesprochen, das die Realität der (bisher oft misslingenden) Integration seiner Landleute prägt: die Unsicherheit, die auch auf deutscher Seite darüber herrscht, wie denn die 'Mehrheitsgesellschaft', in die man sich integrieren soll, in den nächsten Jahren aussehen wird."


Weitere Artikel: Dieter Borchmeyer erinnert an die Münchner Intrige gegen Thomas Mann vor 75 Jahren. Thomas Urban berichtet über fortgesetzte Hetzattacken in Polen gegen den amerikanischen Historiker Jan Tomasz Gross. Der Publizist und Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm stellt im Interview sein neues Buch "Der Dschihad in Asien" vor. Alexander Menden informiert über geldwerte Bemühungen der Royal Academy in London, den öffentlichen Auftritt von zwei "rechtmäßige Erben" einiger in der Schau "From Russia" gezeigten Bilder zu verhindern. Wenig überraschend findet es Ingo Petz, dass die Regierung in Weißrussland plötzlich freundliches Interesse für verbotene Bands zeigt: "Viel stärker als die schwache und dauerzerstrittene parteipolitische Opposition ist in den vergangenen Jahren schließlich die Musikszene ein stetig wachsendes Sammelbecken für Weißrussen mit einer diffuse Anti-Lukaschenko-Haltung." Oliver Herwig stellt zwei "ikonische" Stuhlentwürfe der beiden Münchner Designer Stefan Diez und Konstantin Grcic vor, die den Freischwinger und Thonets Kaffeejausstuhl neu interpretieren. Christine Dössel kommentiert die Auswahl zum Berliner Theatertreffen. Fritz Göttler führt durch die Retrospektive der Berlinale, die Luis Bunuel gewidmet ist. Und Willi Winkler schildert in einer Glosse das Ernährungsproblem während der Filmfestspiele.

Besprochen werden Errol Morris' Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "Standard Operating Procedure", eine Werkretrospektive des Malers Peter Doig in der Tate Britain, eine Inszenierung der Oper "Penthesilea" des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck an der Dresdner Semperoper, ein Münchner Konzert des Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit Bachs "Kunst der Fuge" und Bücher, darunter Verena Stefans Roman "Fremdschläfer" und eine Geschichte der Schweizer Schokolade. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

Ein Trost am Rand meines Grabes

03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang  für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen

Ich saß bereits im Flugzeug

02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen

Eine Kultur der Jetzigkeit

01.03.2010. Die SZ  berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat.  Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother".  Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen

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