Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 10.24 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Rund hundert Gauner

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

14.02.2008. Die Welt fragt: Wie definiert man nach dem Ende des Brockhaus den Wissensstand einer Epoche? Die FR ruft: Lebt wohl ihr geliebten Schweinslederschinken! Für die SZ kämpft der Brockhaus ein letztes Rückzugsgefecht eines universellen Kulturbegriffes. Die Zeit bringt eine Satire von Beppe Grillo, der Italien von den Deutschen retten lassen will und eine Reportage von Navid Kermani aus Kaschmir. Alle kommentieren das drastische Entschädigungsurteil gegen Maxim Biller.

Die Tageszeitung, 14.02.2008

Gestern entschied das Landgericht München über die Höhe des Schmerzensgeldes, das Maxim Biller seiner Exfreundin Ayse R. zahlen muss: 50.000 Euro, berichtet Christian Rath. Zuvor war Billers Roman "Esra" vom Bundesverfassungsgericht wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Ayse R. verboten worden. Für das Landgericht "'sind weder das Intimleben noch das Mutter-Kind-Verhältnis legitime Gegenstände öffentlicher Erörterung'. Das Landgericht blieb also ganz auf der Linie des Verfassungsgerichts. Verlagsjuristen wie Rainer Dresen von Random House hatten gehofft, dass das Gericht wegen der Abwägung mit der Kunstfreiheit 'keine gravierende Verletzung' des Persönlichkeitsrechts annimmt. Nimmt man die Kosten für Vertriebsverbot und Schadensersatz zusammen, kann ein Roman mit entsprechenden Inhalten für einen Verlag und/oder Autor ziemlich teuer werden."


Weitere Artikel: Judith Luig verabschiedet die Bestseller-Autorin Eva Heller, die in der vergangenen Woche 59-jährig verstorben ist. Ulrich Gutmair war in 'Clärchens Ballhaus' in Berlin dabei, wo der 93-jährige Budd Schulberg seinen zuerst 1941 im Original erschienenen Hollywood-Schlüssel-Roman "What makes a Sammy run?" vorgestellt hat.

Auf den vorderen Seiten spricht Cristina Nord mit dem amerikanischen Dokumentarfilmer Errol Morris über seinen Abu-Ghraib-Film "Standing Operations Procedure". In der tazzwei porträtiert David Denk die deutsche Nachwuchs-Filmschauspielerin Hannah Herzsprung, die im nächsten Jahr auch in Hollywood dreht.

Auf den Berlinaleseiten widmen sich Kritiken den Filmen "Filth and Wisdom" von Madonna, "Kabei" von Yoji Yamada, Kent Mackenzies "The Exiles", Bruce LaBruces "Otto: or Up With Dead People" und Dror Morehs Dokumentazion über Ariel Sharon "Sharon". Ekkehard Knörer unterhält sich mit dem koreanischen Regisseur Hong Sang-soo. Filme der Reihe "Panorama" werden hier besprochen.

Und Tom.

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Die Welt, 14.02.2008

Matthias Heine weist auf eine fatale Konsequenz hin, die das Ende des gedruckten Brockhaus mit sich bringt: Wir können den Wissensstand einer Epoche nicht mehr nachvollziehen. "Bei Wikipedia ist der Wissenstand von vor fünf Jahren längst millionenfach überschrieben und modifiziert worden. Die Lösung könnte sein, dass der gesamte Datenbestand eines Online-Nachschlagewerks regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt gespeichert wird. Wikipedia gibt es ja tatsächlich auch schon auf CD-Rom zu kaufen - naturgemäß in einer Version, die gegenüber derjenigen im Netz veraltet ist, aber für künftige Historiker ein willkommenes Geschenk. Doch digitale Speichermedien veralten ungleich schneller als Bücher. Bis heute kann jeder problemlos den 270 Jahre alten Zedler lesen. Aber Datenträger aus der Frühzeit der EDV sind oft schon nur noch unter größten Mühen entzifferbar."


Weiteres: "Die private Jessye hat hat schwer gearbeitet. Die öffentliche hat Erfolg damit", sagt die gerade durch Deutschland tourende Diva Jessye Norman im Interview mit Kai Luehrs-Kaiser. In der Randglosse kritisiert Uwe Wittstock die Höhe des Maxim Biller auferlegten Schmerzensgelds von 50.000 Euro als existenzgefährdend. Ulrich Ammon berichtet von dem Kongress des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS, bei dem es um Englisch als Wissenschaftssprache ging. Dankwart Guratzsch beklagt einen sinkenden Wissensstand bei Museumsbesuchern. Thomas Abeltshauser zeigt sich ganz verzückt von Mike Leighs Komödie "Happy-Go-Lucky". Uwe Schmitt hat sich bei Sylvester Stallones sehr blutiger "Rambo"-Fortsetzung bestens amüsiert.

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Frankfurter Rundschau, 14.02.2008

"Diese Nachricht ist eine Zäsur", kommentiert Manfred Schneider die Nachricht, dass der Brockhaus im August kostenlos online gehen wird. Doch findet er Trost in der Tatsache, dass "der Schritt aus dem Buchzeitalter der seriösen Wissensspeicherung heraus, den der Brockhaus-Verlag vollzieht, die Chance eröffnet, dass sich auch im neuen Medium nicht nur eine ständig aktuelle, reich verzweigte, auf Seiten in aller Welt verweisende Enzyklopädie anbietet, sondern dass auch wieder Sicherheit und Zuverlässigkeit in den Datenstrom einkehrt. Die Wikipedia-Anarchie hat endlich ausgedient, und die alten deutschen Büchertugenden der Verlässlichkeit und Genauigkeit sollten ihren Segen auch im Hypertextgewirr des Netzes ausbreiten. Lebt wohl ihr geliebten Schweinslederschinken! Adieu, du herrlicher Staub auf aller Erkenntnis!"


"Biller hat mehrfach gesagt, er wolle brutal schreiben. Seine - ästhetisch gemeinte - Brutalität hat sich letztlich an ihm selbst gerächt," merkt Ina Hartwig zum Urteil an, das Maxim Billers früherer Freundin Ayse Romey 50.000 Euro Schmerzemsgeld zuerkannt hat.

Weitere Artikel: in der Kolumne Times Mager gibt Christian Thomas der tükische Ministerpräsident Erdogan zu denken. Auf der Medienseite schreibt Rudolf Walther, dass Frankreichs wichtige Tageszeitungen Le Monde und Le Figaro in finanzielle Zwangslagen geraten sind.

Besprochen werden die beiden Berlinale-Filme "Filth and Wisdom" von Madonna und Mike Leighs "Happy-Go-Lucky", Anne Fletchers Film "27 Dresses", Sylvester Stallones neuer Rambo-Film "John Rambo" ("Auch wenn Sylvester Stallone seine Figur nicht mit einer neuen Idee beleben kann, so bringt er sie doch immerhin auf den neuesten Stand der Splatter-Technik", lästert Michael Kohler), eine Cennini-Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie, und der von Harald Bodenschatz und Ulrike Laible herausgegebene Band über internationale Strategien des Stadtumbaus "Großstädte von morgen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2008

Jürg Altwegg verweist auf einen kleinen Erzählband Jonathan Littells, der die Zeit des Wartens auf die angekündigte Biografie des belgischen Faschistenführers Leon Degrelle durch Littell verkürzt. Christian Geyer bereitet uns seelisch auf die heutige Generaldebatte zur Stammzellforschung im Bundestag hin. In der Leitglosse kommentiert Richard Kämmerlings die Entschädigung von 50.000 Euro, die Maxim Biller nun für die in seinem Roman "Esra" angeblich begangenen Veletzungen von Persönlichkeitsrechten an seine ehemalige Geliebte zahlen soll. Gemeldet wird, dass Ian Buruma den mit 150.000 Euro dotierten Erasmus-Preis erhält. Patrick Bahners verweist auf die Tatsache, dass es in Bayern längst Islamunterricht für Kinder türkischer Herkunft gibt. Dieter Bartetzko fürchtet um den Abriss eines Ballhauses im thüringischen Altenburg. Martin Kämpchen verweist auf eine Rede, die Arundhati Roy in Istanbul gehalten hat und die vom Völkermord an den Armeniern, aber auch von Genoziden im allgemeinen handelt (sie ist bei Outlook India nachzulesen). Julia Roebke hat ein Tagebuch aus dem Ersten Weltkrieg gelesen, das von dem Enkel des Soldaten immer auf den Tag genau neunzig Jahr nach den Einträgen ins Netz gestellt wurde. Auf der Forschungsseite liest der Rechtsprofessor Gerd Roellecke Peter Wapnewskis Erinnerungen an 1968.


Auf der Berlinaleseite geht's unter anderem um Antonello Grimaldis Film "Caos calmo" mit Nanni Moretti und den neuen Film von Laetitia Masson. Auf der Medienseite kommentiert Jordan Mejias den Kompromiss nach dem Streik der Hollywoodautoren. Jürg Altwegg berichtet vom Streik der der öffentlich-rechtlichen Sender Frankreichs gegen die geplante Abschaffung von Werbung und vom ersten Interview Carla Bruni-Sarkozys, für das sich das ehemalige Mannequin schon entschuldigen musste.

Für die letzte Seite hat Alessandro Topa einen instruktiven Artikel über die alternative iranische Rockszene geschrieben, die oft vom amerikanischen Exil aus agiert - und er empfiehlt Bands wie Kiosk und Netzines wie Zirzamin und TehranAvenue. Dirk Schümer berichtet, dass nach den auch von Tariq Ramadan unterstützten Boykottforderungen gegen die Buchmesse Turin mit ihrem Gastland Israel nun auch von Rechtsradikalen erstellte Listen mit jüdischen Professoren an italienischen Universitäten im Netz kursieren. Und Mark Siemons kommentiert den Rückzug Steven Spielbergs von seiner Mitarbeit an den Olympischen spielen in Peking, den Spielberg mit der chinesischen Politik in Darfur begründet.

Besprochen werden der allerletzte Rambo-Film mit Sylvester Stallone, Händels "Theseus" an der Komischen Oper Berlin, ein Konzert des Country-Sängers Steve Earle in Darmstadt, eine Choreografie Sidi Karbi Cherkaouis in Antwerpen, eine Maurizio-Cattelan-Ausstellung in Bregenz und eine Nolde-Ausstellung in Bielefeld.

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Perlentaucher, 14.02.2008

Vierter und letzter Teil des Vorabdrucks aus Götz Alys Buch "Unser Kampf" über 1968 - die 68er und ihre Eltern: "Trotz aller Aggressivität richteten die Achtundsechziger einen großen Teil ihrer Energien auf die Gruppenprozesse, Recht- und Linkshabereien mit ihresgleichen. Ihre wild ausgreifenden Aktivitäten, ihre Selbsterfahrungs-, Gruppen- und Kindererziehungsexperimente können als (verzweifelter) Versuch gedeutet werden, fehlende zwischenmenschliche Wärme zu erlangen."

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Süddeutsche Zeitung, 14.02.2008

"Die Darstellung der 68er aus ihren eigenen Quellen blendet aus, dass auf der anderen Seite sehr vernünftige, lebenserfahrene Menschen saßen", sagt Götz Aly in einem langen Gespräch über sein Buch mit Jens Bisky. "Sie standen zwischen den über Nacht radikalisierten Studenten und Leuten wie den Berliner Polizeiführern, die zum Teil der SS angehört hatten. Die Vermittler wurden in dieser Situation zerrieben. Sie sind die wirklichen Helden von 1968, aber keiner spricht von ihnen."


Eine ganze Seite ist dem Brockhaus gewidmet, der gerade beschlossen hat, seine Enzyklopädie nur noch online zu veröffentlichen. Man könnte den Mut dieser Entscheidung feiern, die endlich dem krakenförmigen Zugriff von Wikipedia auf das Internet etwas entgegensetzen will. Aber nein, die SZ sieht das Abendland untergehen: "Wenn nun eine Institution wie die Brockhaus Enzyklopädie vor dem neuen Geschäftsmodell kapituliert und sich im Netz dem freien Markt aussetzt, dann ist dies ein letztes Rückzugsgefecht eines universellen Kulturbegriffes", kommentiert Andrian Kreye. "Noch fruchtete keiner der verzweifelten Versuche der Kulturwirtschaft, neue Verdienstmöglichkeiten im Netz zu suchen." Bernd Graff lehnt eine online-Enzyklopädie mit ihren Hypertexten schlicht ab: "Sie demütigt den Suchenden mit der überbordenden Fülle dessen, was er noch wissen könnte, wenn er es denn zu bewältigen vermöchte." Caspar Busse bezweifelt, dass der Brockhaus im Internet überleben wird.

Weitere Artikel: Andreas Zielcke ist entsetzt über die Verurteilung Maxim Billers und seines Verlags zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 50.000 Euro an Billers Exfreundin: "Jeder immaterielle Schaden, der in diesem Fall über eine symbolische Summe hinaus zugesprochen wird, beeinträchtigt ... die Freiheit der Kunst in hohem Maße." Harald Eggebrecht feiert den Musiker Jonny Greenwood und die Musik, die er für P. T. Andersons Film "There Will Be Blood" komponierte. Johann Schloemann war dabei, als der emeritierte Meister der historischen Sozialforschung Hans-Ulrich Wehler den Historiker Winfried Schulze in den Ruhestand verabschiedete. Anke Sterneborg interviewt Maria Bello, dem Star von Robin Swicords Film "Jane Austen Clubs".

Besprochen werden im Berlinale-Teil Barbara und Winfried Junges Abschlussfilm zu ihrer berühmten Chronik "Kinder von Golzow" im Internationalen Forum des Jungen Films, James Bennings Film "RR", Yoji Yamadas Wettbewerbsfilm "Kabei - Our Mother" und Mike Leighs Wettbewerbsbeitrag "Happy-Go-Lucky" und Madonnas Regiedebüt "Filth and Wisdom"(das Tobias Kniebe angenehm überraschte, während Willi Winkler in seiner Berlinalekolumne über die weltbewegendes Frage räsoniert, ob Madonna geliftet ist). Eine reguläre Donnerstagsfilmkritik befasst sich mit Sylvester Stallones Rambo-Rückkehrerfilm "John Rambo". Und dann werden noch Bücher besprochen, darunter der erste Roman der Künstlerin Cornelia Schleime "Weit fort" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 14.02.2008

"Deutsche, bitte erobert uns!" ist eine Satire von Beppe Grillo überschrieben. Es ist eine sehr bittere Satire, die erst die größten Gauner unter den führenden italienischen Politikern vorstellt und sich dann den Abgeordneten zuwendet: "Im Parlament sieht es nicht besser aus. Ihr werdet dort 24 letztinstanzlich verurteilte Abgeordnete finden: verurteilt wegen Delikten, die von der Bildung einer bewaffneten Vereinigung über Betrug und Meineid bis hin zu Mafiazugehörigkeit reichen. Zu diesen 24 Prachtexemplaren kommen noch all jene Parlamentarier hinzu, die erst- und zweitinstanzlich verurteilt wurden, schließlich noch diejenigen, deren Strafen verjährt sind - alles in allem rund hundert Gauner. Verjährt bedeutet bei uns, dass die Strafe zu spät erlassen wurde, um im Gefängnis zu enden."


Weitere Artikel: Jens Jessen blickt angewidert auf das Fernsehprogramm von ARD und ZDF und lernt: Nur Dummheit wird mit einem Platz in der erste Reihe belohnt. Katja Nicodemus schickt ein erstes, recht zufriedenes Berlinale-Resümee. Christoph Siemes hat den Mann begleitet, der das Schaulaufen auf dem Roten Teppich bei der Berlinale organisiert. Bonn schafft seine Ballett-Compagnie ab und feuert Johan Kresnik, berichtet Melanie Suchy. In der Reihe "Geschichten aus der Arbeitswelt", die sich durch die ganze Zeit zieht, porträtiert Marian Blasberg den Leiter der Redaktion des Klever Wochenblatts, Klaus Schürmanns. Peter Roos war bei der Premiere des Kinofilms über Österreichs Popikone Falco, einem sogenannten Event mit ranzigen Crackern.

Besprochen werden die Mark-Rothko-Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle München, eine Neuauflage der ersten CD von Amy Winehouse und ein Konzert des Pianisten Pierre-Laurent Aimard, der in München Bachs "Kunst der Fuge" spielte.

Der Literaturteil ist fast ausschließlich Jonathan Littell gewidmet. Iris Radisch und Harald Welzel schreiben beide voller Ablehnung bis Abscheu über den Roman "Die Wohlgesinnten". Klaus Harpprecht untersucht die französische Faszination für die Nazis. Und Georg Diez porträtiert Littells Vater, den Thrillerautor Robert Littell.

Für das Dossier ist Navid Kermani in das umkämpfte Kaschmir gereist.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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