9punkt - Die Debattenrundschau
Da tanzten sie auf offener Straße
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.03.2026. Was ist Trumps Plan, fragt Anne Applebaum in Atlantic nach dem israelisch-amerikanischen Schlag gegen das Mullah-Regime. Das bleibt unklar, den Iranern helfen hat jedoch keine Priorität, fürchtet sie, das war schon unter Obama so. Khamenei war nicht gerade ein Charismatiker, schreibt Hussein Aboubakr Mansour in seinem Blog, aber ein sehr erfolgreicher Architekt des letzten Systems, das er in der Nachfolge der Nazis sieht. In der FR warnt Olivier Roy vor der gefährlichen Illusion, der Iran sei ein fragiler Staat. Die taz ist entsetzt über den "MAGA-Imperialismus". In Le Point fragt Kamel Daoud: "Warum zieht die globale Linke einen lebenden Khamenei einem freien Iran vor?"
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
02.03.2026
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Politik
Ein historischer Montag. Der Ayatollah Khamenei ist durch einen israelisch-amerikanischen Schlag getötet worden, viele Iraner jubeln, andere werden zu den Trauerdemonstrationen des Regimes abgeordnet. In der Nacht hielten die Angriffe auf den Iran an.
Zumindest in Teheran war die Begeisterung über den Tod Khameneis groß, berichtet Raphael Geiger in der SZ: "In der Nacht auf Sonntag wirkte es in Iran, als wäre für einen Moment die ganze Angst verflogen. Zwar hat das Regime am Wochenende wieder das Internet gesperrt, wie schon während der Proteste im Januar, aber manchen Menschen gelang es dennoch, ihre Videos in den sozialen Medien zu posten. Einzelne, kurze Aufnahmen aus der Nacht, als das Land erfuhr, dass Ali Khamenei tot ist. Da jubelten sie aus ihren Wohnungen heraus, so laut, dass ganze Stadtviertel von Teheran sich anhörten, als fände gerade eine Demo statt. Da zündeten sie kleine Feuerwerke. Da tanzten sie auf offener Straße und feierten. Für die meisten Iranerinnen und Iraner ist es beinahe surreal: Sie erleben ihr Land zum ersten Mal ohne den Ayatollah an der Spitze. Seit 1989 war Khamenei an der Macht gewesen. Er bildete nicht nur das Machtzentrum dieses Staates, er war auch das Gesicht der Islamischen Republik. Sie war ohne ihn kaum denkbar."
Das Editorial der New York Times klingt dagegen leicht säuerlich: "Das Regime, das Trump stürzen will, hat seine Wurzeln in der amerikanischen Intervention im Iran. Es kam 1979 dank der weit verbreiteten Wut über einen Staatsstreich von 1953 an die Macht, den die CIA mit dem korrupten, von den USA unterstützten Schah organisiert hatte, der anschließend seine Macht festigte. Nun hat Trump in Zusammenarbeit mit Israel, dem erbittertsten Feind des Iran, die Ermordung des iranischen Staatschefs veranlasst. Er hat dies getan, ohne seine Strategie für die Zukunft zu erläutern und ohne die Unterstützung fast aller anderen Verbündeten. Und es gibt Gründe, sich Sorgen darüber zu machen, was als Nächstes kommt."
Karim El-Gawhary fürchtet nun in der taz entweder eine Militärdiktatur der Revolutiongarden oder ein Szenario "von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die Protestbewegung ist stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch genug Unterstützer und Profiteure. Zweiteres ist die große Angst der arabischen Nachbarschaft und der Golfstaaten, die keine Freunde des iranischen Regimes sind. Sie haben vor diesem Angriff auf den Iran gewarnt, genau mit dem Argument, dass eine ohnehin fragile Region in noch mehr Instabilität gestürzt wird."
Ali Sadrzadeh zeichnet in der taz immerhin kein sehr freundliches Porträt Khameneis: "Seine Illusion, er könne mit seiner sogenannten strategischen Tiefe Israel vernichten, zeigte ... seine Selbstüberschätzung. Sein krankhafter Israel-Hass resultierte sicherlich aus seiner islamistischen Ideologie, der er zeit seines Lebens treu blieb. Seine Ideologie und ein großer Teil der Institutionen, die er dafür geschaffen hat, werden auch nach seinem Tod zumindest für eine gewisse Zeit bestehen bleiben."
Aber werden Luftangriffe wirklich ausreichen, das Mullah-Regime zu zerschlagen? Der französische Politologe Olivier Roy "hält das für eine gefährliche Illusion", schreibt Michael Hesse, der mit Roy gesprochen hat, in der FR. "Der Iran sei kein fragiler Staat, der nur durch Ideologie zusammengehalten werde. Sein Kern liege vielmehr in einem hochgradig institutionell verankerten Sicherheitskomplex: den Islamischen Revolutionsgarden, den ihnen unterstellten Wirtschaftsimperien und dem Netz der Basidsch-Milizen. Diese Strukturen seien nicht bloß Repressionsinstrumente, sondern soziale Milieus mit materiellen Interessen, Karrieren und Patronageketten. Wer von 'Staatszerfall' spreche, unterschätze die Tiefe dieser Verankerung fundamental. Roy verweist dabei auf eine allgemeine Gesetzmäßigkeit: Autoritäre Systeme implodieren selten, solange ihre bewaffneten Organe geschlossen bleiben." Die iranische Diktatur "ist, im Gegensatz zum gestürzten Assad-Regime in Syrien, kein Einmannprojekt, sondern ein Organismus mit vielen nachwachsenden Köpfen", warnt Teseo La Marca in der taz.
Aber trotz allem, hält Nikolas Busse in der FAZ fest: "Eine Befreiung Irans von der islamistischen Führung, die so viel Leid über das eigene Volk und die Region gebracht hat, wäre im Interesse des gesamten Westens. Nicht ohne Grund hat auch die EU zahlreiche Sanktionen gegen Iran erlassen und jüngst die Revolutionsgarden auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt."
In der taz ist Leon Holly entsetzt von dem amerikanisch-israelischen Angriff. Für ihn ist es ganz klar "die nächste Eskalationsstufe" des "MAGA-Imperialismus": "Viele Zivilisten wird das ihr Leben kosten. Mehreren Quellen zufolge tötete eine Bombe, die am Samstag in einer Mädchenschule in Teheran einschlug, dutzende Menschen. Nachdem das Regime erst im Januar tausende Demonstrierende erschossen hat, kommt die Gefahr jetzt von oben."
"Warum zieht die globale Linke einen lebenden Khamenei einem freien Iran vor?", fragt Kamel Daoud in Le Point, und im Text führt er die Frage in einem fast dichterisch klingenden Ton nochmal aus: "Warum stellen jene, die vorgeben, Gerechtigkeit, universelle Werte, 'Fairness' und 'Recht' zu verteidigen, die Ideologie stets über das Leben? Ein altes Paradoxon, das seit der Erfindung des Totalitarismus oder sogar schon davor besteht. Warum ziehen diese politischen Familien die 'Idee' dem Fleisch der Lebenden vor?" Für Daoud ist jedenfalls klar: "Wenn Trump es heute vermochte, dieses Monster zu Fall zu bringen, so täuschen wir uns weder über seine Beweggründe noch über die kommenden Schwierigkeiten. Man kann über seine Motive diskutieren, aber man darf die zuschlagende Hand nicht mit der Freude derer verwechseln, die zum Leiden verdammt waren. In dieser Sackgasse ist Trump besser als ein Anwalt für 'internationales Recht' in einem Pariser Arrondissement oder ein verlorener Trotzkist, der in Algier im Schatten der Bedeutungslosigkeit vor sich hin vegetiert."
Was ist Trumps Plan, was will er, fragt Anne Applebaum in Atlantic. Das bleibt unklar, den Iranern helfen, hat jedoch keine Priorität, fürchtet sie, das war schon unter Obama so: "Es gab zahlreiche Gelegenheiten, etwas anderes zu versuchen. Im Jahr 2009, zur Zeit der Massenproteste im Iran, hätte die Obama-Regierung eine Menschenrechtskampagne in den Mittelpunkt ihrer Iran-Politik stellen und die Menschen, Ideen, Bildung und Medien fördern können, die dazu beigetragen hätten, den Iran von innen heraus zu verändern. Im Jahr 2019, nach der Aufkündigung des Atomabkommens von Barack Obama mit dem Iran, hätte die erste Trump-Regierung dasselbe tun können. Aber sie tat es nicht. Die zweite Trump-Regierung ist noch viel weiter in die entgegengesetzte Richtung gegangen und hat tatsächlich Instrumente abgeschafft, die dazu hätten beitragen können, das bürgerschaftliche Engagement zu fördern und eine geeinte Opposition im Iran aufzubauen. Die Regierung hat iranischen Menschenrechtsorganisationen Gelder entzogen und Medienprojekte finanziell ausgehungert. Unter der Führung der ehemaligen politischen Kandidatin aus Arizona, Kari Lake, hat die US-Behörde für globale Medien Radio Farda, den persischsprachigen Sender des US-Senders Radio Free Europe/Radio Liberty, daran gehindert, amerikanische Sendeanlagen zu nutzen." Um Frieden und Wohlstand für seine Bürger zu erreichen, "braucht der Iran keine neue Diktatur, sondern Selbstbestimmung und eine pluralistische Regierung, die die Grundrechte achtet. Derzeit unternimmt die Trump-Regierung keine Anstrengungen, um eine solche Regierung aufzubauen."
Khamenei war nicht gerade ein Charismatiker, schreibt der ägyptisch-amerikanische Autor Hussein Aboubakr Mansour in seinem Blog, aber er war der Architekt des klerikalen Systems, und ein äußerst erfolgreicher, lange Zeit allseits hofierter. "Das System überlebte, weil Khamenei verstanden hatte, dass revolutionäre Legitimität nur durch das glaubwürdige Monopol auf organisierten Terror und die systematische, gewaltsame Beseitigung von Alternativen aufrechterhalten werden kann. Es war auch der letzte Nachfolgestaat in der ideologischen Linie, die von Nazi-Deutschland über den arabischen Nationalismus hervorgegangen war - das letzte Regime, das die weltweite Verbreitung des Antisemitismus und die Vernichtung der Juden zur Staatsdoktrin machte."
Und mit überschießendem Judenhass hatte alles begonnen, dem von Yahya Sinwar im Alleingang inszenierten Pogrom vom 7. Oktober, das die von Khamenei über Jahrzehnte aufgebaute Umkreisung Israels letztlich zerstörte, schreibt Ahmad Mansour auf Twitter: "Das Assad-Regime ist weg. Die Hisbollah ist militärisch weitgehend zerstört, schwer beschädigt und im Libanon politisch isoliert. Die Huthis stehen unter massivem Druck durch direkte Angriffe und strategische Gegenmaßnahmen. Gaza liegt in Trümmern. Viele Spitzenfiguren der Hamas wurden getötet. Sinwar ist tot, ebenso zahlreiche führende Vertreter der Huthis - ebenso wie Hassan Nasrallah. Die militärischen Auseinandersetzungen finden nicht mehr stellvertretend in Gaza oder im Libanon statt - nein, sie finden jetzt mitten in Teheran statt!"
Zumindest in Teheran war die Begeisterung über den Tod Khameneis groß, berichtet Raphael Geiger in der SZ: "In der Nacht auf Sonntag wirkte es in Iran, als wäre für einen Moment die ganze Angst verflogen. Zwar hat das Regime am Wochenende wieder das Internet gesperrt, wie schon während der Proteste im Januar, aber manchen Menschen gelang es dennoch, ihre Videos in den sozialen Medien zu posten. Einzelne, kurze Aufnahmen aus der Nacht, als das Land erfuhr, dass Ali Khamenei tot ist. Da jubelten sie aus ihren Wohnungen heraus, so laut, dass ganze Stadtviertel von Teheran sich anhörten, als fände gerade eine Demo statt. Da zündeten sie kleine Feuerwerke. Da tanzten sie auf offener Straße und feierten. Für die meisten Iranerinnen und Iraner ist es beinahe surreal: Sie erleben ihr Land zum ersten Mal ohne den Ayatollah an der Spitze. Seit 1989 war Khamenei an der Macht gewesen. Er bildete nicht nur das Machtzentrum dieses Staates, er war auch das Gesicht der Islamischen Republik. Sie war ohne ihn kaum denkbar."
Das Editorial der New York Times klingt dagegen leicht säuerlich: "Das Regime, das Trump stürzen will, hat seine Wurzeln in der amerikanischen Intervention im Iran. Es kam 1979 dank der weit verbreiteten Wut über einen Staatsstreich von 1953 an die Macht, den die CIA mit dem korrupten, von den USA unterstützten Schah organisiert hatte, der anschließend seine Macht festigte. Nun hat Trump in Zusammenarbeit mit Israel, dem erbittertsten Feind des Iran, die Ermordung des iranischen Staatschefs veranlasst. Er hat dies getan, ohne seine Strategie für die Zukunft zu erläutern und ohne die Unterstützung fast aller anderen Verbündeten. Und es gibt Gründe, sich Sorgen darüber zu machen, was als Nächstes kommt."
Karim El-Gawhary fürchtet nun in der taz entweder eine Militärdiktatur der Revolutiongarden oder ein Szenario "von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die Protestbewegung ist stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch genug Unterstützer und Profiteure. Zweiteres ist die große Angst der arabischen Nachbarschaft und der Golfstaaten, die keine Freunde des iranischen Regimes sind. Sie haben vor diesem Angriff auf den Iran gewarnt, genau mit dem Argument, dass eine ohnehin fragile Region in noch mehr Instabilität gestürzt wird."
Ali Sadrzadeh zeichnet in der taz immerhin kein sehr freundliches Porträt Khameneis: "Seine Illusion, er könne mit seiner sogenannten strategischen Tiefe Israel vernichten, zeigte ... seine Selbstüberschätzung. Sein krankhafter Israel-Hass resultierte sicherlich aus seiner islamistischen Ideologie, der er zeit seines Lebens treu blieb. Seine Ideologie und ein großer Teil der Institutionen, die er dafür geschaffen hat, werden auch nach seinem Tod zumindest für eine gewisse Zeit bestehen bleiben."
Aber werden Luftangriffe wirklich ausreichen, das Mullah-Regime zu zerschlagen? Der französische Politologe Olivier Roy "hält das für eine gefährliche Illusion", schreibt Michael Hesse, der mit Roy gesprochen hat, in der FR. "Der Iran sei kein fragiler Staat, der nur durch Ideologie zusammengehalten werde. Sein Kern liege vielmehr in einem hochgradig institutionell verankerten Sicherheitskomplex: den Islamischen Revolutionsgarden, den ihnen unterstellten Wirtschaftsimperien und dem Netz der Basidsch-Milizen. Diese Strukturen seien nicht bloß Repressionsinstrumente, sondern soziale Milieus mit materiellen Interessen, Karrieren und Patronageketten. Wer von 'Staatszerfall' spreche, unterschätze die Tiefe dieser Verankerung fundamental. Roy verweist dabei auf eine allgemeine Gesetzmäßigkeit: Autoritäre Systeme implodieren selten, solange ihre bewaffneten Organe geschlossen bleiben." Die iranische Diktatur "ist, im Gegensatz zum gestürzten Assad-Regime in Syrien, kein Einmannprojekt, sondern ein Organismus mit vielen nachwachsenden Köpfen", warnt Teseo La Marca in der taz.
Aber trotz allem, hält Nikolas Busse in der FAZ fest: "Eine Befreiung Irans von der islamistischen Führung, die so viel Leid über das eigene Volk und die Region gebracht hat, wäre im Interesse des gesamten Westens. Nicht ohne Grund hat auch die EU zahlreiche Sanktionen gegen Iran erlassen und jüngst die Revolutionsgarden auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt."
In der taz ist Leon Holly entsetzt von dem amerikanisch-israelischen Angriff. Für ihn ist es ganz klar "die nächste Eskalationsstufe" des "MAGA-Imperialismus": "Viele Zivilisten wird das ihr Leben kosten. Mehreren Quellen zufolge tötete eine Bombe, die am Samstag in einer Mädchenschule in Teheran einschlug, dutzende Menschen. Nachdem das Regime erst im Januar tausende Demonstrierende erschossen hat, kommt die Gefahr jetzt von oben."
"Warum zieht die globale Linke einen lebenden Khamenei einem freien Iran vor?", fragt Kamel Daoud in Le Point, und im Text führt er die Frage in einem fast dichterisch klingenden Ton nochmal aus: "Warum stellen jene, die vorgeben, Gerechtigkeit, universelle Werte, 'Fairness' und 'Recht' zu verteidigen, die Ideologie stets über das Leben? Ein altes Paradoxon, das seit der Erfindung des Totalitarismus oder sogar schon davor besteht. Warum ziehen diese politischen Familien die 'Idee' dem Fleisch der Lebenden vor?" Für Daoud ist jedenfalls klar: "Wenn Trump es heute vermochte, dieses Monster zu Fall zu bringen, so täuschen wir uns weder über seine Beweggründe noch über die kommenden Schwierigkeiten. Man kann über seine Motive diskutieren, aber man darf die zuschlagende Hand nicht mit der Freude derer verwechseln, die zum Leiden verdammt waren. In dieser Sackgasse ist Trump besser als ein Anwalt für 'internationales Recht' in einem Pariser Arrondissement oder ein verlorener Trotzkist, der in Algier im Schatten der Bedeutungslosigkeit vor sich hin vegetiert."
Was ist Trumps Plan, was will er, fragt Anne Applebaum in Atlantic. Das bleibt unklar, den Iranern helfen, hat jedoch keine Priorität, fürchtet sie, das war schon unter Obama so: "Es gab zahlreiche Gelegenheiten, etwas anderes zu versuchen. Im Jahr 2009, zur Zeit der Massenproteste im Iran, hätte die Obama-Regierung eine Menschenrechtskampagne in den Mittelpunkt ihrer Iran-Politik stellen und die Menschen, Ideen, Bildung und Medien fördern können, die dazu beigetragen hätten, den Iran von innen heraus zu verändern. Im Jahr 2019, nach der Aufkündigung des Atomabkommens von Barack Obama mit dem Iran, hätte die erste Trump-Regierung dasselbe tun können. Aber sie tat es nicht. Die zweite Trump-Regierung ist noch viel weiter in die entgegengesetzte Richtung gegangen und hat tatsächlich Instrumente abgeschafft, die dazu hätten beitragen können, das bürgerschaftliche Engagement zu fördern und eine geeinte Opposition im Iran aufzubauen. Die Regierung hat iranischen Menschenrechtsorganisationen Gelder entzogen und Medienprojekte finanziell ausgehungert. Unter der Führung der ehemaligen politischen Kandidatin aus Arizona, Kari Lake, hat die US-Behörde für globale Medien Radio Farda, den persischsprachigen Sender des US-Senders Radio Free Europe/Radio Liberty, daran gehindert, amerikanische Sendeanlagen zu nutzen." Um Frieden und Wohlstand für seine Bürger zu erreichen, "braucht der Iran keine neue Diktatur, sondern Selbstbestimmung und eine pluralistische Regierung, die die Grundrechte achtet. Derzeit unternimmt die Trump-Regierung keine Anstrengungen, um eine solche Regierung aufzubauen."
Khamenei war nicht gerade ein Charismatiker, schreibt der ägyptisch-amerikanische Autor Hussein Aboubakr Mansour in seinem Blog, aber er war der Architekt des klerikalen Systems, und ein äußerst erfolgreicher, lange Zeit allseits hofierter. "Das System überlebte, weil Khamenei verstanden hatte, dass revolutionäre Legitimität nur durch das glaubwürdige Monopol auf organisierten Terror und die systematische, gewaltsame Beseitigung von Alternativen aufrechterhalten werden kann. Es war auch der letzte Nachfolgestaat in der ideologischen Linie, die von Nazi-Deutschland über den arabischen Nationalismus hervorgegangen war - das letzte Regime, das die weltweite Verbreitung des Antisemitismus und die Vernichtung der Juden zur Staatsdoktrin machte."
Und mit überschießendem Judenhass hatte alles begonnen, dem von Yahya Sinwar im Alleingang inszenierten Pogrom vom 7. Oktober, das die von Khamenei über Jahrzehnte aufgebaute Umkreisung Israels letztlich zerstörte, schreibt Ahmad Mansour auf Twitter: "Das Assad-Regime ist weg. Die Hisbollah ist militärisch weitgehend zerstört, schwer beschädigt und im Libanon politisch isoliert. Die Huthis stehen unter massivem Druck durch direkte Angriffe und strategische Gegenmaßnahmen. Gaza liegt in Trümmern. Viele Spitzenfiguren der Hamas wurden getötet. Sinwar ist tot, ebenso zahlreiche führende Vertreter der Huthis - ebenso wie Hassan Nasrallah. Die militärischen Auseinandersetzungen finden nicht mehr stellvertretend in Gaza oder im Libanon statt - nein, sie finden jetzt mitten in Teheran statt!"
Gesellschaft

Geschichte
Der Göttinger Historiker Franz Walter erinnert auf der "Ereignisse und Gestalten"-Seite der FAZ an den Ur-Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht, Vater des fatalen Karl, der um 1874 eine entscheidende Rolle bei der Fusion verschiedener Arbeiterparteien zur späteren SPD spielte: "Der Entwurf für die programmatische Plattform einer fusionierten Partei stammte von Liebknecht, der die Verhandlungen auch sonst vorantrieb und dirigierte. Damit hatte er schon Fakten geschaffen, ehe er Marx und Engels über seine Vorstellungen informierte. Liebknecht dürfte es geahnt haben: Die Londoner waren außer sich vor Empörung über dieses, wie sie fanden, unlogische, konfuse, schlichtweg blamable Elaborat. Doch Liebknechts Leistung bestand darin, dass er die Parteifusion unbeirrt vorantrieb, dass er sich nicht vom Primat des Theoretischen blockieren ließ, sondern wie ein Anführer handelte, dem es in einer historischen Situation um den entscheidenden praktischen Schritt ging."
Wissenschaft
Thomas Thiel kann es in der FAZ nach wie vor nicht fassen, dass die Humboldt-Uni ihr Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie und das Institut für Nordostafrikanische Archäologie einfach abschaffen will. Dass Archäologie ein Orchideenfach sei, will ihm überhaupt nicht einleuchten: "Archäologische Funde und Ausstellungen ziehen breites Interesse auf sich. Als die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft im Dezember das Ende ihres Studiengangs für Grabungstechnik verkündete, obwohl Grabungstechniker für die Energiewende händeringend gesucht werden, wurde klar, wie breit das Tätigkeitsspektrum für Archäologen heute ist. Das Fach ist auch nicht angestaubt oder ausgeforscht. Die digitalen Techniken ermöglichen neue Erkenntnisse und Präsentationsformen."
Europa
In der SZ plädiert Nils Minkmar mit Verve für eine Wiederbelebung der deutsch-französischen Beziehungen. Es ist allerhöchste Zeit, meint er, angesichts der globalen Krisen: "In beiden Ländern verkümmern die demokratischen Parteien vor sich hin, weil die Wählerinnen und Wähler genau wissen, dass die immensen Probleme, vor denen unsere Gesellschaften stehen - vom Klimawandel bis zur globalisierten Drogenkriminalität -, von nationalen Politikerinnen und Politikern nicht zu lösen sind. Noch gibt es aber kein transnationales Angebot auf dem Wahlzettel. Die Formation, die als Erste mit einem europäischen Team antritt und über Grenzen hinweg zu handeln verspricht, könnte Triumphe erwarten. Auch die jeweiligen politischen Talkshows würden von einer Gäste- und Argumenten-Transfusion einen gewaltigen Nutzen ziehen und eine lang ersehnte Auffrischung erleben statt jeden Abend Norbert Roettgen und Jan van Aken ihre Stanzen aufsagen zu lassen."
Am Sonntag sind in Baden-Württemberg Landtagswahlen, und auch hier darf die AfD mit 20 Prozent rechnen. Der Politologe Rolf Frankenberger erklärt im Gespräch mit Gareth Joswig von der taz die Unterschiede zu den Neuen Ländern, wo die AfD die Traumata des Umbruchs bewirtschafet. "In Baden-Württemberg sind die Mechanismen anders: Hier gibt es eine starke Kontinuität extrem rechten und nationalen Denkens." Auf die Frage, wo die Zentren des Rechtsextremismus liegen, antwortet er: "Pforzheim und Mannheim kämpfen mit dem Strukturwandel und sind sehr stark migrantisch geprägt. Die AfD macht neben ihrem völkisch-nationalistischen Standardprogramm hier in migrantischen Milieus gezielt Wahlwerbung mit kyrillischer Schrift für Menschen mit einem Migrationshintergrund in der ehemaligen Sowjetunion und versucht auch, Potenziale türkeistämmiger Konservativer abzugreifen, die die AfD wählen, unabhängig von der Position zu Migration."
Am Sonntag sind in Baden-Württemberg Landtagswahlen, und auch hier darf die AfD mit 20 Prozent rechnen. Der Politologe Rolf Frankenberger erklärt im Gespräch mit Gareth Joswig von der taz die Unterschiede zu den Neuen Ländern, wo die AfD die Traumata des Umbruchs bewirtschafet. "In Baden-Württemberg sind die Mechanismen anders: Hier gibt es eine starke Kontinuität extrem rechten und nationalen Denkens." Auf die Frage, wo die Zentren des Rechtsextremismus liegen, antwortet er: "Pforzheim und Mannheim kämpfen mit dem Strukturwandel und sind sehr stark migrantisch geprägt. Die AfD macht neben ihrem völkisch-nationalistischen Standardprogramm hier in migrantischen Milieus gezielt Wahlwerbung mit kyrillischer Schrift für Menschen mit einem Migrationshintergrund in der ehemaligen Sowjetunion und versucht auch, Potenziale türkeistämmiger Konservativer abzugreifen, die die AfD wählen, unabhängig von der Position zu Migration."
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