9punkt - Die Debattenrundschau
Das potentiell Umstürzende der Vorgänge
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
08.01.2026. In der FAZ sieht der Historiker Mischa Meier bei Donald Trump mehr Ähnlichkeiten mit Augustus als mit Caligula oder Nero - was er beunruhigender findet. Die NZZ denkt dagegen eher an Theodore Roosevelts Kanonenbootpolitik. In Zeit online und der taz erklären zwei Linguisten, warum sie die Bekennerschreiben der Vulkan-Gruppe für authentisch halten: Das klare Feindbild der Gruppe weise deutlich auf einen linken Hintergrund hin. In der SZ fordert der Literaturwissenschaftler Ibou Coulibaly Diop Kulturstaatsminister Weimer auf, den Kolonialismus ins aktuelle Gedenkenstättenkonzept aufzunehmen.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
08.01.2026
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Ideen
In der FAZ zeigt sich Simon Strauß ziemlich beeindruckt von einer Aussage der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Angesprochen auf Trumps Drohung, Grönland zu überfallen, also ein anderes Nato-Land, erklärte sie im dänischen Fernsehen: "Sollten sich die USA zu einer solchen Attacke entscheiden, dann sei 'alles vorbei'. Im dänischen Original lautet der Satz: 'Hvis USA vælger at angribe et andet NATO-land, så hører alting op.' Så hører alting op - wörtlich übersetzt: 'dann hört alles auf'. Es ist bemerkenswert, dass eine Politikerin hier die engen Bahnen der politischen Funktionsrhetorik verlässt und ins Ungefähre einer metaphysischen Redeweise eintritt. Einer Vorstellungswelt, die uns das Ende von allem - man will hinzufügen 'allem Gewohnten' - vor Augen führt und nicht versucht, das potentiell Umstürzende der Vorgänge psychologisch abzufedern." Für Strauß "klingen schon die Töne einer anderen Zeit herüber".
In der FAZ vergleicht der Historiker Mischa Meier Donald Trump mit einem römischen Kaiser - aber nicht mit Caligula oder Nero, wie kürzlich Gustav Seibt in der SZ (unser Resümee), sondern mit Augustus. Wie Tacitus bei Augustus erkennt Meier bei Trump die Markierungspunkte auf dem Weg zu einer monarchischen Ordnung: "fortschreitende autoritäre Umgestaltung der politischen Ordnung, Aufstellung des Militärs als Drohgebärde gegen die eigene Bevölkerung, ein nonchalant-aushöhlender Umgang mit den überkommenen Institutionen, die Durchsetzung eines ideologisch-moralischen Erneuerungsprogramms, Vorgehen gegen traditionelle Eliten, gegen politische Gegner und Andersdenkende, Erzeugung einer Kultur der Ehrerbietung und des Schmeichelns, Bruch mit den etablierten Maximen der Außenpolitik durch eine grundlegende, auf den Herrscher zentrierte Neuordnung der Welt und - zuletzt - die Selbststilisierung als Friedensbringer. Aus gegenwärtiger Perspektive beunruhigt an der Politik des Augustus vor allem eines: Sie war in jeder Hinsicht erfolgreich."
Mit seiner "Donroe-Doktrin" lehnt sich Donald Trump eher an seinen Amtsvorgänger Theodore Roosevelt an, der seiner Zeit mit einem "Roosevelt-Korollar" einen "internationalen Polizeidienst" forderte und beispielsweise in Kuba und Haiti einfiel, schreibt Marc Tribelhorn in der NZZ. Das findet sich auch bei Trump und seiner neuesten Sicherheitsstrategie wieder: "Eine zentrale Neuerung ist das sogenannte 'Trump-Korollar' zur Monroe-Doktrin. Gemäß dieser soll Konkurrenten - insbesondere China und Russland - verwehrt werden, strategisch bedeutsame Vermögenswerte in der westlichen Hemisphäre zu besitzen oder zu kontrollieren. Damit zeigt sich auch, dass sich Donald Trump mit seiner 'Donroe-Doktrin' mehr auf Theodore Roosevelts Kanonenbootpolitik beruft als auf die ursprüngliche Monroe-Doktrin", die eigentlich nur bedeutete, im Falle von fremden Invasionen die westliche Hemisphäre zu verteidigen.
Trump hat sicher alles getan, die Demokratie in Amerika zu untergraben, "gleichwohl", meint Claus Leggewie in der taz, "die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80 wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur nachgeholfen werden."
In der FAZ vergleicht der Historiker Mischa Meier Donald Trump mit einem römischen Kaiser - aber nicht mit Caligula oder Nero, wie kürzlich Gustav Seibt in der SZ (unser Resümee), sondern mit Augustus. Wie Tacitus bei Augustus erkennt Meier bei Trump die Markierungspunkte auf dem Weg zu einer monarchischen Ordnung: "fortschreitende autoritäre Umgestaltung der politischen Ordnung, Aufstellung des Militärs als Drohgebärde gegen die eigene Bevölkerung, ein nonchalant-aushöhlender Umgang mit den überkommenen Institutionen, die Durchsetzung eines ideologisch-moralischen Erneuerungsprogramms, Vorgehen gegen traditionelle Eliten, gegen politische Gegner und Andersdenkende, Erzeugung einer Kultur der Ehrerbietung und des Schmeichelns, Bruch mit den etablierten Maximen der Außenpolitik durch eine grundlegende, auf den Herrscher zentrierte Neuordnung der Welt und - zuletzt - die Selbststilisierung als Friedensbringer. Aus gegenwärtiger Perspektive beunruhigt an der Politik des Augustus vor allem eines: Sie war in jeder Hinsicht erfolgreich."
Mit seiner "Donroe-Doktrin" lehnt sich Donald Trump eher an seinen Amtsvorgänger Theodore Roosevelt an, der seiner Zeit mit einem "Roosevelt-Korollar" einen "internationalen Polizeidienst" forderte und beispielsweise in Kuba und Haiti einfiel, schreibt Marc Tribelhorn in der NZZ. Das findet sich auch bei Trump und seiner neuesten Sicherheitsstrategie wieder: "Eine zentrale Neuerung ist das sogenannte 'Trump-Korollar' zur Monroe-Doktrin. Gemäß dieser soll Konkurrenten - insbesondere China und Russland - verwehrt werden, strategisch bedeutsame Vermögenswerte in der westlichen Hemisphäre zu besitzen oder zu kontrollieren. Damit zeigt sich auch, dass sich Donald Trump mit seiner 'Donroe-Doktrin' mehr auf Theodore Roosevelts Kanonenbootpolitik beruft als auf die ursprüngliche Monroe-Doktrin", die eigentlich nur bedeutete, im Falle von fremden Invasionen die westliche Hemisphäre zu verteidigen.
Trump hat sicher alles getan, die Demokratie in Amerika zu untergraben, "gleichwohl", meint Claus Leggewie in der taz, "die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80 wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur nachgeholfen werden."
Gesellschaft
Wer ist die Vulkangruppe, die mit einem Anschlag tagelang fast 40.000 Berliner Haushalte vom Stromnetz abgeschnitten hat? Sie ist in jedem Fall eine linksradikale bzw. anarchistische Gruppe, ist Konstantin Petry in der FAZ nach Lektüre der Bekennerschreiben überzeugt. Außerdem wurde Sabotage "im radikaleren Flügel der Klimabewegung schon eh und je angewandt", meint er mit Verweis auf den Una-Bomber und Andreas Malms Buch "How To Blow Up A Pipeline". Etwas überraschend plädiert Petry am Ende seines Artikels für Appeasement: Nicht Terrorattacken, sondern "mangelnder Klimaschutz" sei "sehr wohl auch ein Problem für die innere Sicherheit ... Der beste Weg, die kritische Infrastruktur zu schützen, ist daher, neben dem dringend notwendigen Aufbau von Redundanzen, eine konsequentere Umwelt- und Klimapolitik."
Sind die Bekennerschreiben der Vulkangruppe authentisch oder wurden sie von Russland geschrieben? Das Schreiben stammt von der Gruppe, meint der Linguist Joachim Scharloth im Zeit Online-Interview mit Louis Pienkowski. Scharloth hat schon öfter Bekennerschreiben verifiziert und sich mit der Vulkangruppe beschäftigt. "Wenn man mehrere frühere Texte zur Verfügung hat, kann man die Muster schon erkennen. Etwa das Konzept des Unterbrechens. Man möchte laut dem Bekennerschreiben dieses System nicht zum Einsturz bringen, sondern eine 'Unterbrechung' herbeiführen. Und dieses Konzept findet sich tatsächlich in mehreren Texten wieder."
Auch die forensische Linguistin Gudrun Müller hält im Interview mit der taz das Bekennerschreiben der Vulkangruppe für authentisch. Als Indizien benennt sie: "Das ausdifferenzierte Gender, das sehr bewusst eingesetzt wird. Frauenhasser, Macher, Schlächter sind hier immer männlich. Auf der anderen Seite sind zum Beispiel Kritiker:innen und Anwohner:innen immer auch weiblich und damit positiv konnotiert. ... Auf der einen Seite das klare Feindbild. Beim Bekennerschreiben nach dem Anschlag auf das Tesla-Werk war die Sprache noch hasserfüllter. Da wurde Elon Musk als 'Elend Musk' bezeichnet. Beim aktuellen Schreiben sind es die Reichen mit den imperialen Lebensweisen, die Raubbau an der Erde betreiben und die Lebensgrundlagen der Bäuer:innen zerstören. Auf der anderen Seite zeigen sie sprachlich eine fürsorgliche Haltung, wenn sie betonen, sie wollten die 'weniger wohlhabenden Menschen im Südwesten Berlins' nicht treffen. Sie rechtfertigen sich und appellieren zu Solidarität." Auf den Berlinseiten der taz ist Gereon Asmuth nicht überzeugt, er sieht noch keine Beweise für die Echtheit der Bekennerschreiben.
Zuerst wurde Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter und Linken-Mitglied Andreas Büttner von der AfD angefeindet, inzwischen kommen Angriffe vor allem von links, weil er angeblich zu israelfreundlich ist. Jetzt wurde gar ein Brandanschlag auf dem Privatgrundstück der Familie Büttner verübt und auf die Haustür das rote Dreieck der Hamas gesprüht. Während sich die beiden Linken-Vorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner davon distanzierten, halten andere Linke solche Anschläge für gerechtfertigt, berichtet Pascal Beucken in der taz: "So fällt es doch so manchen sichtlich schwer, sich beispielsweise von einer mehr als fragwürdigen 'palästinasolidarischen' Gruppe wie Handala abzugrenzen, die in Leipzig für die Demo am 17. Januar gegen Jule Nagel mobilisiert. Dabei hält Handala das von der Hamas am 7. Oktober 2023 angerichtete Massaker für einen legitimen antikolonialen Widerstandsakt: 'Die unterdrückte palästinensische Bevölkerung befreite sich aus der Belagerung der Besatzungsmacht.' Auch die vielfältigen Solidaritätsbekundungen für den aus der Linken ausgeschlossenen 'Sozialismus von unten'-Aktivisten Ramsis Kilani sprechen dagegen." Auch dieser rechtfertigt den Terror der Hamas, "trotzdem solidarisierten sich sogar mehrere Bundesvorstandsmitglieder mit ihm".
Hass ist laut Bundesverfassungsgericht eine zulässige Meinungsäußerung, konstatiert der Jurist Ronen Steinke in der SZ. Auch wenn das manchmal grenzwertig ist, sei es eben nicht im Sinne der Meinungsfreiheit, wenn Politiker für die kleinsten Beleidigungen im Netz die Verfasser vors Gericht zerren, wie es jetzt schon mehrmals der Fall war. Die zunehmende Verfolgung solcher Delikte hält Steinke für falsch. "Die Idee des Grundgesetzes ist nicht: Kluge, sanfte, einsichtige Leute sollen reden, alle anderen sollen still sein. Sondern die Idee ist: Alle sollen miteinander reden. So, wie sie sind. Und sich auf Gegenrede gefasst machen. Aber jedes Mal, wenn eine gesellschaftlich einflussreiche Stimme so lässig postuliert, eine unangenehme oder verstörende Meinung sei schlicht und einfach 'keine Meinung', ermutigt das die Instanzgerichte, in ihrer Interpretation noch strenger zu werden." Dabei hatte das Bundesverfassungsgericht im Fall Renate Künast 2022 auch das Persönlichkeitsrecht aufgewertet (hier ein Link), was Politiker auch vor Beleidigungen im Netz schützen soll.
Sind die Bekennerschreiben der Vulkangruppe authentisch oder wurden sie von Russland geschrieben? Das Schreiben stammt von der Gruppe, meint der Linguist Joachim Scharloth im Zeit Online-Interview mit Louis Pienkowski. Scharloth hat schon öfter Bekennerschreiben verifiziert und sich mit der Vulkangruppe beschäftigt. "Wenn man mehrere frühere Texte zur Verfügung hat, kann man die Muster schon erkennen. Etwa das Konzept des Unterbrechens. Man möchte laut dem Bekennerschreiben dieses System nicht zum Einsturz bringen, sondern eine 'Unterbrechung' herbeiführen. Und dieses Konzept findet sich tatsächlich in mehreren Texten wieder."
Auch die forensische Linguistin Gudrun Müller hält im Interview mit der taz das Bekennerschreiben der Vulkangruppe für authentisch. Als Indizien benennt sie: "Das ausdifferenzierte Gender, das sehr bewusst eingesetzt wird. Frauenhasser, Macher, Schlächter sind hier immer männlich. Auf der anderen Seite sind zum Beispiel Kritiker:innen und Anwohner:innen immer auch weiblich und damit positiv konnotiert. ... Auf der einen Seite das klare Feindbild. Beim Bekennerschreiben nach dem Anschlag auf das Tesla-Werk war die Sprache noch hasserfüllter. Da wurde Elon Musk als 'Elend Musk' bezeichnet. Beim aktuellen Schreiben sind es die Reichen mit den imperialen Lebensweisen, die Raubbau an der Erde betreiben und die Lebensgrundlagen der Bäuer:innen zerstören. Auf der anderen Seite zeigen sie sprachlich eine fürsorgliche Haltung, wenn sie betonen, sie wollten die 'weniger wohlhabenden Menschen im Südwesten Berlins' nicht treffen. Sie rechtfertigen sich und appellieren zu Solidarität." Auf den Berlinseiten der taz ist Gereon Asmuth nicht überzeugt, er sieht noch keine Beweise für die Echtheit der Bekennerschreiben.
Zuerst wurde Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter und Linken-Mitglied Andreas Büttner von der AfD angefeindet, inzwischen kommen Angriffe vor allem von links, weil er angeblich zu israelfreundlich ist. Jetzt wurde gar ein Brandanschlag auf dem Privatgrundstück der Familie Büttner verübt und auf die Haustür das rote Dreieck der Hamas gesprüht. Während sich die beiden Linken-Vorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner davon distanzierten, halten andere Linke solche Anschläge für gerechtfertigt, berichtet Pascal Beucken in der taz: "So fällt es doch so manchen sichtlich schwer, sich beispielsweise von einer mehr als fragwürdigen 'palästinasolidarischen' Gruppe wie Handala abzugrenzen, die in Leipzig für die Demo am 17. Januar gegen Jule Nagel mobilisiert. Dabei hält Handala das von der Hamas am 7. Oktober 2023 angerichtete Massaker für einen legitimen antikolonialen Widerstandsakt: 'Die unterdrückte palästinensische Bevölkerung befreite sich aus der Belagerung der Besatzungsmacht.' Auch die vielfältigen Solidaritätsbekundungen für den aus der Linken ausgeschlossenen 'Sozialismus von unten'-Aktivisten Ramsis Kilani sprechen dagegen." Auch dieser rechtfertigt den Terror der Hamas, "trotzdem solidarisierten sich sogar mehrere Bundesvorstandsmitglieder mit ihm".
Hass ist laut Bundesverfassungsgericht eine zulässige Meinungsäußerung, konstatiert der Jurist Ronen Steinke in der SZ. Auch wenn das manchmal grenzwertig ist, sei es eben nicht im Sinne der Meinungsfreiheit, wenn Politiker für die kleinsten Beleidigungen im Netz die Verfasser vors Gericht zerren, wie es jetzt schon mehrmals der Fall war. Die zunehmende Verfolgung solcher Delikte hält Steinke für falsch. "Die Idee des Grundgesetzes ist nicht: Kluge, sanfte, einsichtige Leute sollen reden, alle anderen sollen still sein. Sondern die Idee ist: Alle sollen miteinander reden. So, wie sie sind. Und sich auf Gegenrede gefasst machen. Aber jedes Mal, wenn eine gesellschaftlich einflussreiche Stimme so lässig postuliert, eine unangenehme oder verstörende Meinung sei schlicht und einfach 'keine Meinung', ermutigt das die Instanzgerichte, in ihrer Interpretation noch strenger zu werden." Dabei hatte das Bundesverfassungsgericht im Fall Renate Künast 2022 auch das Persönlichkeitsrecht aufgewertet (hier ein Link), was Politiker auch vor Beleidigungen im Netz schützen soll.
Medien
Nicht dass Sophie von der Tann, die ARD-Korrespondentin in Israel, keine Kritik verdiente. Aber die Debatte, die aus Anlass des Hanns-Joachim-Friedrich-Preises über ihre Arbeit entbrannte, war zu personalisiert, findet Daniel Rotstein, der im Perlentaucher die bisher vollständigste Bestandsaufnahme der sehr oft tendenziösen Berichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen aber auch Medien wie dem Spiegel, der FAZ und der SZ liefert. Er will zeigen, "dass Sophie von der Tann lediglich ein kleiner Teil eines Systems ist, in dem die Hamas seit dem 8. Oktober 2023 als Akteur praktisch nicht mehr vorkommt. Ein System, in dem Falschmeldungen (etwa israelische Angriffe auf ein 'Lager', das nicht existiert, mehr bei U.M.) nicht korrigiert werden und immer zulasten Israels (mehr hier) ausfallen, und in dem das Hamas-Pogrom genutzt wird für eine kontinuierliche Abrechnung mit der Regierungspolitik Israels."
Europa
Der Vorschlag, Truppen einer "Koalition der Willigen" in die Ukraine zu entsenden, sobald dort Frieden herrscht, könnte nicht nur vor einer russischen Invasion abschrecken, sondern die Ukrainer vor einem Bürgerkrieg bewahren, schriebt der ukrainische Autor Sergey Maidukov in der SZ. Nach einem wie auch immer gearteten Frieden stünden sich nämlich erprobte Truppen gegenüber - die einen, die weiterkämpfen und die anderen, die eine Normalität zurückhaben wollen. "Bewaffnete nationalistische Bewegungen früherer Kriege lösten sich nicht einfach mit politischen Veränderungen auf; sie blieben bestehen, radikalisierten sich und kehrten unter Druck zurück. Dies sind klassische Voraussetzungen für einen inneren Konflikt - einen, der sich zu gewaltsamer Konfrontation entwickeln kann, angeheizt von Politikern im Kampf um Macht. Ihnen stünden nicht nur Worte zur Verfügung, sondern kampferprobte Truppen und Sicherheitsstrukturen, die unter dem Kriegsrecht ausgebaut wurden."
Kulturpolitik
Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer möchte ein neues Gedenkstättenkonzept vorlegen, welches sich auf Verbrechen im Nationalsozialismus und unter der SED-Diktatur fokussiert, für den deutschen Kolonialismus soll ein eigenes Konzept angedacht, anders als es Weimers Vorgängerin Claudia Roth geplant hatte (unsere Resümees). Der Literaturwissenschaftler Ibou Coulibaly Diop, der an dem Konzept unter Roth mitgearbeitet hat, betont im SZ-Interview, weshalb der Kolonialismus auch ins aktuelle Gedenkenstättenkonzept gehört: "Kolonialismus betrifft nicht nur die Menschen mit Migrationshintergrund, ebenso wenig wie Antisemitismus nur ein Problem jüdischer Menschen ist. Kolonialismus ist tief verwurzelt in der deutschen Mentalitätsgeschichte. (...) Wenn wir in Zukunft in einem Land leben möchten, in dem offen rassistische und antisemitische Politiker und Politikerinnen nicht im Deutschen Bundestag sitzen, müssen wir uns neben dem Holocaust und dem SED-Regime eben auch mit der Kolonialgeschichte auseinandersetzen."
Digitalisierung
Elon Musks KI Grok soll aus Bildern im Netz und auf eine einfache Chatbot-Anfrage hin pornografische Fakes anfertigen und auf X zeigen - das hat die Non-Profit-Organisation AI-Forensics herausgefunden, berichtet Eva Goldbach in der FAZ. Die Gruppe "hat im Zeitraum von acht Tagen - zwischen dem 25. Dezember 2025 und dem 1. Januar 2026 - Suchanfragen ausgewertet, um die Nutzung von Grok zu charakterisieren. In 50.000 Erwähnungen und 20.000 KI-generierten Bildern wurden pornografische, zum Teil pädophile und illegale Ergebnisse ausgewertet, die X zurzeit überfluten. Der Autor Paul Bouchaud von AI-Forensics schreibt, man habe dokumentiert, 'wie systemisch das Problem ist, dass überwiegend Frauen für die Generierung sexuell anzüglicher Inhalte ins Visier genommen werden'. ... 'Was wir bei X gerade beobachten, wirkt wie die Industrialisierung der sexuellen Belästigung. Elon Musk erlaubt mit seinem KI-Dienst Grok, täuschend echte, sexualisierte Bilder von Frauen zu erstellen', sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. 'Insbesondere KI-generierte sexualisierte Bilder von Minderjährigen sind nicht akzeptabel. Die Antwort darauf sollte die konsequente Anwendung von Gesetzen sein.' Der 'Digital Services Act' der EU biete dazu alle Möglichkeiten."
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