Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
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Heute in den Feuilletons
Krude Interessen
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.07.2009. Auch die Zeitungen berichten jetzt über die Frankfurter Tagung zum "Heidelberger Appell". Leise Töne der Distanzierung von Roland Reuß vernimmt man in der FAZ. Die SZ verteidigt mit Reuß das "unbedingte Individual- und Persönlichkeitsrecht des Autors" (das sie dann ja vielleicht auch in ihren Verträgen würdigt). Die Welt erklärt, warum ein Leistungsschutzrecht für Buchverlage Autoren nützen könnte. Die Blogs klingen eher entgeistert: War das eine Bischofskonferenz? Die taz bringt Hintergründe zum Mord an Natalja Estemirowa.
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Die Welt, 17.07.2009
Hendrik Werner nimmt in der Leitglosse Bezug auf die Frankfurter Veranstaltung zum "Heidelberger Appell" (mehr hier) und und hofft mit deren Initiatoren, dass man "den Zugang zu Millionen gescannter Bücher zum Quasi-Nulltarif doch noch abwenden" kann.
Ilja Braun stellt unterdes die Frage, ob ein Leistungsschutzrecht, das Medienkonzerne für ihre Produkte fordern, auch im Buchbereich sinnvoll wäre - und kommt zu dem Ergebnis, das es gerade für Autoren nicht ohne Reiz wäre: "Wenn Buchverleger in Zukunft ein Leistungsschutzrecht für zehn Jahre in Anspruch nehmen könnten, wäre es denkbar, dass die Rechte, die Autoren ihnen für die Veröffentlichung einräumen, nach diesem Zeitraum an sie zurückfallen. Die Autoren könnten dann nach zehn Jahren entscheiden, ob ihr Buch in der Versenkung verschwinden soll oder ob sie es noch einmal einem anderen Verlag anbieten."
Weitere Artikel: Dankwart Guratzsch berichtet vom dritten Bundeskongress nationale Stadtentwicklung in Essen. Wieland Freund unterhält sich mit dem Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach, der an einigen Hefte der stets noch fortgesetzten "Perry Rhodan"-Reihe mitgeschrieben hat. Rainer Haubrich gratuliert dem Historiker Emmanuel Le Roy Ladurie zum Achtzigsten. Iris Dahl gratuliert der italienischen Sängerin Milva zum Siebzigsten. Und Florian Stark meldet, dass das Bauhaus-Museum in Weimar ein neues Gesicht bekommen soll.
Besprochen werden die große Herlinde-Koelbl-Ausstellung in Berlin und eine Sigmar-Polke-Ausstellung in Köln.
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Die Tageszeitung, 17.07.2009
Der Mord an der russischen Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa, die wenige Stunden nach ihrer Entführung in Grosny in der Nachbarrepublik Inguschetien tot aufgefunden wurde, ist Thema auf den vorderen Seiten. Bernhard Clasen kommentiert: "Die Erklärung der Menschenrechtsorganisation Memorial zum Mord an einer ihrer exponiertesten Vertreterinnen lässt Resignation erkennen. 'Ramsan Kadyrow hat die Arbeit der Menschenrechtler in der Republik unmöglich gemacht. Die Mörder von Estemirowa wollten verhindern, dass weiter wahre Informationen aus Tschetschenien herausgelangen. Möglicherweise haben sie dies nun erreicht', erklärt Memorial... Es darf nicht sein, dass wir wortlos zusehen, wie Memorial seine Zelte in Grosny abbricht."
Klaus-Helge Donath beschreibt, wie Ramsan Kadyrow in Tschetschenien dank Moskauer Unterstützung als Gottkaiser herrscht: "Jede abweichende Meinung gilt als Verrat. Die ermordete Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa war eine der wenigen, die noch zu widersprechen wagte. Darum hatte Kadyrow sie auch aus allen Kommissionen entfernt, die sich mit Rechtsverletzungen befassen. Für Angst und Unterwerfung sorgten schon in den ersten Jahren seiner Ägide die Todesschwadronen, die unliebsame Bürger entführten und hinrichteten. Sie sollen seinem Befehl unterstanden haben. Niemand wurde für die Verbrechen jemals zur Rechenschaft gezogen."
Weiteres: Als klassische David-gegen-Goliath-Geschichte beschreibt Christian Rath den Kampf der Betreiberin einer Kleinkunstbühne, die die Musikverwertungsgesellschaft Gema herausgefordert und für ihre Online-Petition inzwischen 105.000 Unterschriften gesammelt hat. Jenni Zylka unterhält sich mit dem afroamerikanischen Jazz-Vibrafonisten Roy Ayers, der einmal glaubte, eine Reinkarnation von Lionel Hampton zu sein. Julian Weber schreibt über das Solokonzertdebüt von Jochen Distelmeyer, dem ehemaligen Frontman der Gruppe Blumfeld, in Hannover. In tazzwei beschreibt Daniel Bax den Aufwand, den U2 für ihre "360 Grad"-Tournee betreiben: Am Samstag kommen sie ins Berliner Olympiastadion mit der "GRÖBAZ", der größten Bühne aller Zeiten.
Und Tom.
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Aus den Blogs, 17.07.2009
Markus Beckedahl hat in Netzpolitik mal wieder eine Internetregulierungsaufforderung an die Bundesregierung aufgespießt. Diesmal kommt sie vom Chef des Deutschen Journalistenverbands, Michael Konken, der auf der Website seines Verbands sagte: "Der Gesetzgeber muss einerseits der Gratis-Kultur des Internets zu Gunsten der Urheber einen wirksamen Riegel vorschieben und andererseits die Befugnisse des Bundeskartellamtes so ausweiten, dass die Behörde Meinungsmonopole im Internet verhindern kann." (...) Es sei nicht hinnehmbar, dass die Urheber ohne Zustimmung ihre Werke Google zu dessen kommerziellen Zwecken überließen."
Wolfgang Tischer fand den Frankfurter Vortrag Roland Reuß' zum "Heidelberger Appell" ressentimentgeladen: "Reuß, das wird nach seiner Einführung ebenfalls klar, kennt das Internet nicht. Zumindest nimmt er es sehr einseitig war und sieht dort die Feinde der Kreativen und Buchautoren sitzen. Er spricht von 'kruden Interessen' und wortwörtlich von 'Unmenschen', wenn er sich verächtlich über 'die Blogger' äußert."
Andrea Diener kommentiert zur selben Veranstaltung in ihrem Blog: "Wenn die akademische Klasse über das Internet debattiert, kann es einem mitunter so vorkommen, als säße man in einer Bischofskonferenz zum Thema Geschlechtsverkehr."
Thomas Rohde macht in den Beweglichen Lettern auf eine gewisse Pikanterie im Plädoyer des Kafka-Editors Roland Reuß für eine totale Werkherrschaft des Autors aufmerksam: "Franz Kafka appellierte in seinem letzen Willen an Max Brod, seine Manuskripte 'restlos und ungelesen zu verbrennen'. Max Brod widerstand dem Wunsch des Freundes und veröffentlichte sie. Das war nicht im Sinne der 'Autorschaft als Werkherrschaft', aber zweifellos verdienstvoll."
(Via lawblog) Der kanadische Anwalt Ezra Levant zeigt am Beispiel von Australien, wie weit die Internetzensur inzwischen geht: "Australia’s government nannies have officially banned 1,370 web sites. They’ve drawn up a blacklist, just like the medieval index of banned books. Right now it’s a voluntary pilot project to which Internet service providers can submit. But if the trial run is deemed a success and made law, anyone who links to a blacklisted site can be fined $11,000 a day. That means it will be a crime not just to provide the contents of a web site, but to merely reproduce its address. That’s not just like banning books. It’s like banning books, and banning saying the banned book’s title. It’s a lot of banning."
Der Anwalt Thomas Stadler berichtet in seinem Blog, dass die Bundesregierung mit ihrem Entwurf eines Gesetzes zur Sperrung kinderpornografischer Inhalte gegen die Transparenzrichtlinien der EU verstößt.
(Via 3 quarks daily) Laut einem Bericht der New York Times will Bill Gates sieben Videos der Vorlesungen des Physikers Richard Feynman online stellen. Gates, der sein Studium abgebrochen hat, um Microsoft zu gründen, erklärte: Wenn er Feynman damals gesehen hätte, wäre sein Leben anders verlaufen.
Boingboing meldet: "New York City is spending a million bucks on typewriters over the next three years. Apparently the NYPD is working toward computerizing everything, but they're just not there yet."
Richard Wagner fordert in Achgut: "Es wird Zeit, auch von den Westdeutschen die Aufarbeitung ihrer Stasi-Vergangenheit zu verlangen. Unter den viel zu vielen unbehelligt gebliebenen Ehemaligen, stellen die Westdeutschen den größten Anteil."
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Frankfurter Rundschau, 17.07.2009
Gespannt blickt Elisabeth Kiderlen nach Teheran, wo der mächtige Ali Akbar Rafsandschani heute das Freitagsgebet halten wird. Die Frage ist, ob er sich auf die Seite der Aufbegehrenden stellen wird: "Über seine Haltung gegenüber der Demokratiebewegung wird viel gerätselt. Vor der Wahl unterstütze er offen Mir Hussein Mussawi, nach der Wahl hüllte er sich in Schweigen."
Weitere Artikel: Für Christoph Schröder zeigte die Frankfurter Diskussion um Open Access, Google Books, Urheber- und Verwertungsrecht: "Wie weit die einzelnen Interessenvertreter voneinander entfernt sind. Und: Dass es nicht um einen juristischen Streit, sondern um einen Mentalitätswechsel von ungeheurem Ausmaß geht." In Times mager kommentiert Arno Widmann ganz und gar unheiter, dass Europa die große Chance vertan hat, die Türkei an sich zu binden. Christian Thomas stellt klar, dass sich die erste Mondlandung bereits Ende des 16. Jahrhunderts zugetragen, am 11. September 159x, einem Dienstag, wie der englische Bischof Francis Godwin in seinem Buch "Der Mann im Mond" berichten konnte.
Auf der Medienseite erklärt Heinz Tutt, wie Medienpolitik in NRW betrieben wird und bestätigt, dass sich die WAZ bei der Landesregierung über einen Konzern-kritischen Artikel in einem Focus-Spezial genannten Werbeblättchen beschwert hat: "Ein ranghoher Mitarbeiter in der Staatskanzlei bestätigte den Inhalt der WAZ-Beschwerde: 'Es kann doch nicht sein, dass Focus-Spezial vom Land finanziert wird und dann gleichzeitig NRW-Unternehmen angeschossen werden.'"
Besprochen werden die Werkschau der Fotografin Herlinde Koelbl im Berliner Martin-Gropius-Bau, ein Bach-Konzert des Pianisten Konstantin Lifschitz Schloss Johannisberg, James Tullys Band "Politische Philosophie als kritische Praxis" und Thomas Stangls Roman "Was kommt" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
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Der Tagesspiegel, 17.07.2009
In einem Interview mit Sonja Pohlmann informiert die neue taz-Chefin Ines Pohl: "Links ist sicher nicht gleichzusetzen mit der Linkspartei. Die taz war, ist und wird nie Propagandablättchen sein für diese Partei. Links zu sein heißt ebenso wie feministisch zu sein für mich, die Gesellschaft aus einer ganz bestimmten Perspektive zu beleuchten, zu analysieren und einzuordnen. Es geht für mich primär darum, sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die erst mal nicht die Gewinner, sondern eher auf der Seite der Verlierer sind. Links zu sein heißt für mich auch, kritisch und aufständisch sein, Attribute, die für die taz ja passen."
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Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2009
Cornelia Isler-Kerenyi schildert italienische Auseinandersetzungen um das Kulturerbe des Landes, wo wegen drastischer Sparmaßnahmen "der Schutz der Denkmäler, die Führung von Museen und Archiven kaum mehr möglich" sind. Sieglinde Geisel geht im malerischsten Schwimmbad Berlin, im Kinderbad am Monbijou-Platz gegenüber der Museumsinsel baden. Kristina Bergmann schildert sommerliche Szenen alltäglichen Improvisierens in Ägypten und in den Orten am Suez-Kanal, wo die Ägypter Urlaub machen. Elisabeth Wellershaus hat sich in der marokkanischen Theaterszene umgesehen und spricht mit Autoren wie Jaouad Essounani und Latefa Ahrrare, die das Theater ihres Landes von westlichen Vorbildern lösen. Besprochen wird die Ausstellung "Ici et le Monde" über neuere Architektur in der franzöischen Schweiz im Architekturmuseum Basel.
Auf der Pop-und-Jazz-Seite geht’s um verdienstvolle Labels und Produzenten. Stefan Hentz stellt ein Buch und eine Kompilation zum norwegischen Label Rune Grammofon vor. Adam Olschewski würdigt die Arbeit des Münchner Münchner Labels Trikont. Olaf Karnik kostet von den "musikalischen Trouvaillen" des Londoner Labels Trunk.
Auf der Medienseite fordert der Zeitungsverleger Norbert Neininger-Schwarz eine öffentliche Förderung des Schweizer Zeitungsjournalismus.
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Süddeutsche Zeitung, 17.07.2009
Eher beruhigt kommt Volker Breidecker von der Frankfurter Tagung zu Google-Books und Urheberrecht zurück: "Ohnehin - und das war der wichtige Tenor aller Vorträge zu nationalen wie internationalen Rechtsfragen, am energischsten von dem Münchner Juristen Volker Rieble vertreten - ist am Primat des grundgesetzlich verbürgten, als unbedingtes Individual- und Persönlichkeitsrecht aufzufassenden alleinigen Rechts des Urhebers auf sein Werk, auch unabhängig von allen Verwertungsaspekten, gar nichts zu deuteln."
Dafür kann Johannes Boie in den Google-Plänen für ein eigenes Betriebssystem (Chrome OS), das Daten und Software ins Netz verlagert, nur finsterste Absichten erkennen: "Und wenn die Entwicklung so erfolgt, wie von Google wohl angestrebt, dann werden es Konzerne wie Google sein, die die Hoheit über die Dateien der Nutzer haben. Sie können diese Daten dann löschen, ändern, kopieren, weiterleiten und manipulieren. Sie können Zensurmechanismen in zentrale Hard- und Software implementieren." (Das ist richtig, aber Überwachungsmechanismen braucht man auch, wenn das Urheberrecht derart ausufernd kontrolliert werden soll, wie von Roland Reuß gefordert. Mein Betriebssystem kann ich wechseln, meinen Staat nicht.)
Weitere Artikel: Als gefährlichen "Dammbruch" begreift es der Medizinhistoriker Wolfgang U. Eckart, dass die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich jetzt Vereinbarungen getroffen hat, die die Sterbehilfe nicht mehr nur stillschweigend dulden, sondern unter bestimmten Umständen ausdrücklich erlauben. Eva-Elisabeth Fischer fragt, wie es um das Erbe der jüngst verstorbenen Pina Bausch bestellt ist. Michael Kläsgen schreibt über die Abschiedstournee des Rockmusikers Johnny Hallyday, der in Frankreich, aber kaum irgendwo sonst ein Star ist. Lothar Müller erklärt, warum das Ende der Bearbeitung des Grimmschen Wörterbuchs im Jahr 2012 kein Drama ist. Von den Ingolstädter Sommerkonzerten berichtet Reinhard J. Brembeck. Jens-Christian Rabe gratuliert dem Rockmusiker Spencer Davies und Karl Forster Brian Auger, beide feiern ihren Siebzigsten.
Besprochen werden die Ausstellung "Herlinde Koelbl. Fotografien 1976-2009" im Berliner Martin-Gropius-Bau, John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung "Killshot" und Bücher, darunter Inge Jens' "Unvollständige Erinnerungen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2009
Leise Töne der Distanzierung von Roland Reuß vernimmt man in Richard Kämmerlings' Artikel zur Frankfurter Tagung über den "Heidelberger Appell" - und das obwohl die FAZ Schirmherrin der Veranstaltung war:"Er verglich das Verhältnis von Autor und Buch mit dem von Eltern zu ihrem Kind; verlangt werde nun nicht weniger als die 'Verstoßung' der eigenen Sprösslinge. Solche hinkenden Vergleiche - Erziehung ist eine lebenslange Aufgabe, während ein Buch doch irgendwann fertig ist - tragen natürlich ebenso wenig zur Versachlichung der Debatte bei wie die Rede vom 'Wörterbuch des neuen Unmenschen' (gemeint war der Ausdruck 'Zugriff') oder Breitseiten gegen die parasitäre, selbst 'unfruchtbare' 'Content-Mafia'." Online meldet Hannes Hintermeier dazu, dass die Bundesregierung sich jetzt als "amicus curiae" in die Angelegenheit einmischt. (Hier der Bericht des Perlentaucher zur Tagung.)
Weitere Artikel: Einen Literaturherbst sondergleichen verspricht Felicitas von Lovenberg. Als herausragende Werke nennt sie zwei Romane, nämlich "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace und "2666" von Roberto Bolano. Marcus Jauer wird an der Stelle, an der einmal eine Schlosskopie werden soll in Berlin, ganz feierlich zumute: "Womöglich werden wir, wenn der Rasen eines Tages eingerollt ist, sagen, dies war der Ort, an dem einst eine Wiese lag. Und wir haben darauf gelegen." In der Glosse geht Lorenz Jäger die Pointe eines genialen Versteckspiels verloren. Angela Heinick schildert die Verwirrung, die der neue französische Kulturminister Frederic Mitterand mit der Ankündigung gestiftet hat, in Arles ein Fotografiemuseum bauen zu lassen - schließlich ist gerade der Architekturwettbewerb für ein solches in Charenton-le-Pont bei Paris abgeschlossen worden. Gina Thomas schreibt einen Nachruf auf den Dirigenten Sir Edward Downes, der sich mit seiner schwer krebskranken Ehefrau bei "Dignitas" in der Schweiz das Leben genommen hat.
Besprochen werden die Ausstellung "Bewegte Welt - Erzählte Zeit" in der Berliner Akademie der Künste, John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung "Killshot", und Bücher, darunter Liane Dirks' Roman "Der Koch der Königin" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Große Wette auf die Offenheit der Systeme
09.09.2010. Sie wolle die Zeitungen, die die Mohammed-Karikaturen seinerzeit (und übrigens auch heute) nicht druckten, ja nicht kritisieren, sagte Angela Merkel bei der Preisverleihung für Kurt Westergaard. Aber äh, naja: "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." Die Welt bringt ihre Rede. Die SZ ist irgendwie gegen den Preis. Die FAZ hat ein Interview mit Westergaard. Die Solidarität mit ihm war okay, sagt er: "Die einzige Ausnahme ist leider meine eigene Klasse." Mehr lesen
Eine besondere dialektische Geltung
08.09.2010. Heute bekommt Kurt Westergaard in Deutschland einen Preis für Pressefreiheit - in Anwesenheit Angela Merkels. Die FAZ bewundert sie für einen Mut, den diese Zeitung seinerzeit nicht hatte. Die meisten anderen Zeitungen schweigen beredt. Auf Carta erklärt der Qualitätsforscher Kurt Imhof, warum er die Qualität solcher Qualitätsmedien schützen will. Böse ist dagegen das Internet, findet Jonathan Franzen in der FAZ. In der taz erklärt Tom Segev, warum die Österreicher dankbar dafür sein sollten, dass Simon Wiesenthal mit dem Mossad gearbeitet hat. Mehr lesen
Bürgerlich gehobene Kindergärten
07.09.2010. In der FAZ bestätigen die Wissenschaftler Detlef Rost und Heiner Rindermann: Thilo Sarrazin hat uns richtig verstanden. In der FR kritisiert Götz Aly Sarrazin, aber auch seine Gegner. Auch die Blogs diskutieren über Sarrazin und untersuchen Statistiken von Freunden und Feinden. In der taz bespricht Micha Brumlik die Memoiren von Claude Lanzmann, die auch in anderen Zeitungen gleich am Erscheinungstag präsentiert werden. Mehr lesen
Starke selbstbetrügerische Züge
06.09.2010. Die NZZ führt eine Identitätsdebatte um arabische Altstädte. Die FAZ hat durch die Memoiren von Tony Blair "fesselnde Einblick in das innerste Innere seiner Premierministerschaft" bekommen. Die Sarrazin-Debatte ist ingesamt nach wie vor zum Weglaufen: Sarrazin repräsentiert die Angst der Mittelschicht vor den Integrationserfolgen der Türken, meint die taz. Sarrazin wird mundtot gemacht wie einst Martin Walser von Ignatz Bubis, meint Klaus von Dohnanyi in der SZ. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Das Verschwinden der Fische
04.09.2010. Die NZZ liefert eine wohltuend nüchterne Besprechung von Thilo Sarrazins Buch und erinnert daran, dass auch Sozialdemokraten einst eugenisches Gedankengut pflegten. Sarrazin droht, gegen eine Entlassung zu klagen, meldet die Welt, die außerdem Claude Lanzmanns nordkoreanische Liebesgeschichte erzählt. In der taz stellt der Theatermann Schorsch Kamerun klar: Er möchte nicht gesponsort, sondern lieber nur subventioniert werden. In der Berliner Zeitung beklagt der Tourneeveranstalter Berthold Seliger das neue Biedermeier in der subventionierten Kultur. In der FR erfahren wir vom Hirnforscher Christian E. Elger: Der Mensch ist gut. Die SZ erzählt die Geschichte der Moschee von München, die ihr erst von einem Amerikaner aufgedeckt werden musste. Die FAZ bringt Auszüge aus Fritz J. Raddatz' Tagebüchern. Mehr lesen
Warum wird gerade die eingeladen?
03.09.2010. Die taz porträtiert den chinesischen Literaturwissenschaftler Yu Jie, der gerade ein Buch über den "größten Schauspieler" Chinas veröffentlicht hat: Premierminister Wen Jiabao. Es gibt auch Unterlassungsrassismus, hält der Philosophieprofessor Markus Tiedemann den Verfechtern multikultureller Toleranz entgegen. Die NZZ liest Necla Keleks Heft über den Freiheitsbegriff des Islam. Slate findet unerwartete Leser-Communities in Zeitungen aus dem 18. Jahrhundert. In der SZ beklagt die Theaterregisseurin Anna Bergmann Deutschlands durchkonventionalisierte Stadttheaterlandschaft. Mehr lesen
Ein feiner Herr
02.09.2010. In der Welt fragen Monika Maron und Necla Kelek, wann wir über die interessanten Seiten in Thilo Sarrazins Buch diskutieren. In der taz erklärt der Politikwissenschaftler Markus Linden, warum Sarrazin gut für die Demokratie ist. Die NZZ betrachtet leicht amüsiert den roten Kopf des "sittlichen" Deutschlands. In der SZ erkennt der Philosophieprofessor Christian Illies, dass es beim Streit um "Stuttgart21" um das gesellschaftliche Selbstverständnis der Stuttgarter Bürger geht. In der FAZ erklärt die Intelligenzforscherin Elisabeth Stern, wie gesellschaftliche Verdummung zustande kommt. Die Zeit blickt in deutsche Redaktionsstuben und sieht nur urdeutsche Mittelschicht. Mehr lesen
Freier Platz in den Synapsen
01.09.2010. In der FAZ sieht Ali Sethi, wie pakistanische Kampfjets gerettet werden, während pakistanische Bauern ertrinken. Die taz berichtet blutige Einzelheiten über den Drogenkrieg in Mexiko. Der Tagesspiegel geht ganz in Thilo Sarrazin auf. In der FR erzählt Karl Schlögel, wie er mit den Toten spricht. Mehr lesen
Die Richtung ist eindeutig
31.08.2010. Thilo Sarrazin auf allen Kanälen. Es ist zwar peinlich, aber es gibt auch einen demokratischen Rassismus, muss die SZ feststellen. Die FAZ erzählt, wie Sarrazin den flachen Haken eines Reporters aus Holland parierte, der ihn mit Geert Wilders verglich. Und was hat es mit den Genen der Juden auf sich?, fragt die Welt. Außerdem: Youtube wird zahlbar, meldet Gawker, zumindest teilweise. Micha Brumlik graut in der taz vor Juden, die der Hamas stolz die Hand drücken. Reuters meldet: Putin will 2012 wieder russischer Präsident werden und findet, dass Demokraten, die demonstrieren, verprügelt gehören. Mehr lesen
Auf dieser Position bleibe ich
30.08.2010. Thilo Sarrazin beherrscht die Debatte. Für Necla Kelek in der FAZ liefert er eine korrekte Beschreibung der deutschen Zustände. In der Welt erklärt er selbst, warum seine Intervention als sozialdemokratisch zu verstehen sei. Außerdem: Die FR ist begeistert von der Architekturbiennale in Venedig, wo Rem Kohlhaas laut SZ die Exzesse des Denkmalschutzes bekämpft. Im Economist warnt Jay Rosen die Zeitungen: Drucken bringt Geld, hat aber keine Zukunft. Mehr lesen
Mit strengem Imperatorenblick
28.08.2010. Die NZZ beschreibt einen Streit zwischen dem Übersetzer Laszlo Kornitzer und dem toten Autor Istvan Örkeny. Die Welt schrumpft unter den kühlen Augen Marianne Brüns auf Hamstergröße zusammen. In der taz sieht Barbara Vinken eine unheilige Allianz aus Reaktionären, Feministinnen und Grünen am Werk, Frauen zurück an den Herd zu scheuchen. Die SZ lernt von Bangkok, wie man tote Plätze neu belebt. Mehr lesen
Ein Hahn auf dem Nacken festgebunden
27.08.2010. Wolf Biermann erzählt in der Welt, wie Manes Sperber ihm einen Zahn zog. In der FAZ schreibt Jan Faktor über das Konzentrationslager Christianstadt, wo seine Mutter und Großmutter Zwangsarbeit für die Nazis leisteten. In der SZ kritisiert Herfried Münkler die Rolle von Wikileaks bei den jüngsten Enthüllungen über Afghanistan. Techcrunch amüsiert sich über die Anwälte von Facebook, die das Wort Face als Markenzeichen schützen wollen. Mehr lesen
Wir brauchen keine Achsen mehr
26.08.2010. In der Jungle World spricht Agnes Heller über die Kontinuität des Antisemitismus in Ungarn. Im Freitag unterhalten sich vier Architekten über Sinn und Unsinn des Stadtschloss-Wiederaufbaus in Berlin. Die FAZ wirft Thilo Sarrazin Rassi... äh, Biologismus vor. In der Zeit sagt Sarrazin: "Ich bin kein Rassist" und stellt dann Thesen über Fertilität und Durchschnittsintelligenz auf. Außerdem feiern wir die Renaissance des Lindy Hop. Mehr lesen
Die kleinen Pfützen
25.08.2010. Das Handelsblatt hat von der Wikipedia gelernt: Es gibt im Leben auch Altruismus. Die FR ist nicht zufrieden mit der neuen Dauerausstellung der "Topografie des Terrors". In der taz macht Dani Levy folgende Alternative auf: Entweder es ist lustig, oder es kostet mich den Kopf. Die New York Times meldet: Die Agentur Wylie wird keine eigenen Ebooks produzieren - Randomhouse hat gewonnen. Carta legt offfen, wie die Stadt Duisburg im Interesse der Transparenz auf Kommunikation verzichtet. Mehr lesen
Noch immer herrscht Ausnahmezustand
24.08.2010. Die NZZ würdigt die Anerkennung des dritten Geschlechts in Indien und Pakistan. In La regle du jeu schreibt Isabelle Adjani an Sakineh Ashtiani, die gesteinigt werden soll. Die Welt schickt eine Reportage aus Thailand, wo der Krieg der Roten und der Gelben nur oberflächlich befriedet ist. Die SZ beschreibt den Kampf des türkischen Pianisten Fazil Say gegen den Arabesk-Pop seines Landes. Die FAZ erstirbt mit Mahlers Neunter unter Abbado. Mehr lesen









