Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Damit er schneller explodiert
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.12.2007. In der FAZ lüftet Raoul Schrott das Geheimnis Homer. Die SZ entschwebt ins antike Rom. Die FR genießt das Befremden über Neo Rauchs Kirchenfenstern. Die Welt weiß, dass nicht Wolf Biermann Florian Havemanns Buch "Havemann" hat verbieten lassen. In der taz geht es für Stefan Niggemeier in Ordnung, nicht nur für Geld und Karriere zu schreiben, sondern weil man was zu sagen hat. Im Tagesspiegel feiert Bora Cosic Slava.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2007
"Homers Geheimnis ist gelüftet", verkündet die FAZ in der Beilage Bilder und Zeiten. Auf vier Seiten trägt der Schriftsteller und Übersetzer Raoul Schrott ein vielteiliges neues Bild von Homer zusammen. Demnach war Homer in Kilikien, im Südosten der heutigen Türkei zu Hause. "Was die Eigenart seines Epos ausmacht, sind die Einschübe - griechische Sagen und Genealogien, assyrische Vertrags- und Rechtspraktiken, Gebete, Opferrituale, die unterschiedlichsten Realien sowie an die tausend namentlich genannte Personen und Orte -, die es zu einer Enzyklopädie seiner Zeit werden lassen. Schon dieser Anspruch zeigt Homer als einen auch um Dokumentation bemühten Protohistoriker und Protogeografen. Er erweist sich damit als Vertreter jenes elitären Berufsstands, der solch unterschiedliche Textgattungen abzufassen hatte: als Schreiber, der seiner Arbeit in dem Verwaltungsapparat nachging, den die Assyrer in Kilikien etabliert hatten."
Desweiteren schildert Ralph Martin seine Faszination für das deutsche Weihnachtswesen. Ganz hinten unterhält sich Julia Spinola mit dem italienischen Pianisten Maurizio Pollini.
Im Feuilleton konstatiert Frank Schirrmacher zunächst einen "Boom spiritueller Bücher", um dann eine demografische Erklärung dafür zu finden. Rainer Hermann berichtet von kemalistischen Klagen gegen Religiöses in der Türkei. Die letzte Seite versammelt eine Auswahl von Heiligenbildern aus aktuellen Ausstellungen. Und Regina Mönch warnt davor, gewaltbereite Muslime zu verharmlosen.
Die Schallplatten- und Phonoseite überrascht mit Rezensionen einer Aufnahme von Henri Desmarests Oper "Venus et Adonis" sowie James Taylors Album "One Man Band". Und Richard Kämmerlings betrachtet das Popjahr 2007 von hinten.
Besprochen werden die Schau zu Piet Mondrian im Museum Ludwig in Köln, eine Ausstellung zu Harry Graf Kessler im Berliner Bröhan-Museum, der Auftritt der Spice Girls in Köln und Bücher, darunter "Kinder, so was tut man nicht" von Thomas Gsella und Rudi Hurzlmeier.
In der Frankfurter Anthologie beschert uns Hermann Kurzke ein kurzes Gedicht von Angelus Silesius.
"Als Gott verborgen lag in eines Mägdleins Schoß,
Da war es, da der Punkt den Kreis in sich beschloss."
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Die Tageszeitung, 22.12.2007
Auf der Medienseite kann sich Stefan Niggemeier nur wundern über die jüngsten Angriffe vom hohen Ross des Print aufs Web 2.0: "Manchmal scheint es, als sei den Journalisten, die gegen dieses Mitmachnetz anschreiben, schon die Motivation all dieser neuen Konkurrenten um Aufmerksamkeit suspekt: einfach zu glauben, etwas zu sagen zu haben, und es nicht für Geld, Auflage, Karriere oder den Verkauf von Werbeplätzen zu tun. Und wenn SZ-Mann Graff über die Amateurpublizisten schreibt: 'Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter' - dann ist es schwer, in dieser Formulierung nicht eine exakte Beschreibung dessen zu lesen, was den ach-so-professionellen Journalismus heute weitgehend ausmacht."
Die Kulturredaktion gibt in letzter Minute allerlei Geschenk-Tipps und Empfehlungen zu Weihnachten - von umgefärbten Palästinenser-Tüchern bis zur Bonbonniere aus der k.u.k.-Hofbäckerei. Antje Korsmeier empfiehlt dringend die Lektüre des französischen Soziologen Jean-Claude Kaufmann, der zuletzt über "Kochende Leidenschaft" schrieb. Alexander Camann hat sich in seiner Zeitschriftenrundschau Markus Peichls neuen "Liebling" angesehen (hier die Website) und eine Ausgabe der Zeitschrift "Horch und Guck", die an eine subversive Peichl-Aktion im Jahr 1988 erinnert. In der Kolumne "Hessen vorn?" zur Hessen-Wahl stellt heute Klaus Walter die eventuell sogar linke SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti vor. Frieder Reininghaus sieht nach der Wahl von Uwe Eric Laufenberg zum neuen Intendanten Chancen zum "Wiederaufstieg des Kölner Opernhauses in die zweite Liga".
In der zweiten taz denkt die in der Schweiz lebende Schriftstellerin Sibylle Berg über verdienten Reichtum nach und über Neid: "Es gibt nichts zu hassen an denen, deren Ziel es ist, mit ihrer Arbeit reich zu werden, denn sie denken, sie erbauen, sie kreieren und sie tun es für sich, tun es, weil es sie befriedigt... Denn neben den Arbeitsplätzen, die sie schaffen, heißt das, was sie 22 Stunden täglich tun, den Kapitalismus zu fördern, ihn zu beschleunigen, damit er schneller explodiert, und das ist nur zu bejubeln." Steffen Grimberg kommentiert den Schleichwerbungsfall der Andrea Kiewel.
Auf der Meinungsseite unterhält sich Robert Misik mit dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler, der den Populisten Christoph Blocher für viel gefährlicher als Jörg Haider hält, weil er nämlich sagt, was das Establishment nur denkt: "Haider war ein rechtsextremer Playboy, der eine Marktlücke entdeckt hatte. Blocher ist ein Multimilliardär und verkörpert die protestantische Unerbittlichkeit." Im Kommentar zum Titelthema Schengen-Erweiterung fordert der polnische Publizist Adam Krzeminski: "Es ist an der Zeit, das deutsche Bewusstsein nach Osten zu erweitern. Es ist längst obsolet, Polen mit Autodieben, den Zwillingen, aufgebrezelten Frauen und Männern mit Schnäuzern zu assoziieren. Einfach mal nachschauen, ab jetzt auch ohne Stau."
Im Dossier des taz mag schreibt Till Ehrlich über die Familie, Weihnachten und die Gans. Philipp Gessler stellt anlässlich von Chanukka Überlegungen zur jüdischen Küche an. Von Ulrich Sautter kommt eine Kritik der Weinkritik. Und Natalie Tenberg hat den Soziologen und Gourmet-Experten Alois Hahn zum Weihnachtsessen befragt. Kurz empfohlen werden eine ganze Reihe Sachbücher, in denen es unter anderem um Hitler, Castro und Stalin geht. Außerdem wird unter anderem die neue Prachtausgabe von Georg Forsters "Reise um die Welt" rezensiert (mehr in unserer Bücherschau des Tages).
Und Tom.
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Die Welt, 22.12.2007
Online meldet die Welt, dass der Suhrkamp Verlag Florian Havemanns Buch "Havemann" zurückgezogen hat. Wer gegen das Buch geklagt hat, ist bisher nicht bekannt. "Wolf Biermann allerdings ist nicht der Kläger. Das erklärte er gegenüber Welt Online. Der Liedermacher und Schriftsteller, der mit Robert Havemann eng befreundet war, hatte schon früh erklärt, sich nicht zu dem Buch äußern zu wollen. Jetzt sagte er: 'Ich habe das Buch nicht gelesen, habe es nie in der Hand gehabt. Aber ich weiß, es ist gequirlte Scheiße.'"
Matthias Heine stellt klar, dass die emotionale Struktur des ebenfalls in der Weihnachtszeit geboreren Dagobert Ducks nicht der eines Kapitalisten entspricht - er entlässt Leute immer nur wegen Unfähigkeit, nicht zum Zwecke der Sanierung. Michael Stürmer begutachtet die Gutachten im Streit um den Besitz der Familie Baden. In der Randglosse knöpft sich Rainer Haubrich die Schlossgegner vor, die den Wiederaufbau noch immer hinterbreiben wollen, dessen Ausschreibung gestern startete. Gerhard Besier und Katarzyna Stoklosa berichten von einer Reise nach Bukarest. Peter Dittmar rekapituliert das Gezerre um die Ausstellung "Bonjour Russland", die die russischen Behörden immer wieder sabotieren.
Besprochen werden die Ausstellung zur deutschen Tonfilmoperette "Wenn ich sonntags in mein Kino geh" und Neil Youngs Album "Chrome Dreams II".
In der Literarischen Welt erzählt der Schriftsteller Michael Kleeberg, wie er seinen Glauben an das Weihnachtswunder verlor. Tilman Krause stellt den Verleger Andreas Krause Landt vor, der mit einem kleinen, sehr bibliophilen Programm (und ohne Klappentexte!) von sich reden macht.
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Frankfurter Rundschau, 22.12.2007
Christian Thomas ist nach Naumburg gefahren, um sich im dortigen Dom die neuen Kirchenfenster anzusehen, die der Künstler Neo Rauch entworfen hat: "Mit dem, was in Naumburg zu sehen ist, wird der Kapellenbesucher mit einer Glasmalerei konfrontiert, die, anders als etwa bei Gerhard Richter in Köln, von dem Glauben an das durch und durch Gegenständliche durchglüht ist. Rauchs Fenster aus mundgeblasenem Echt-Antik-Glas (aus der Farbglashütte Lamberts in Waldsassen), seine Bildnisse (im Säurebad geätzt und abgebürstet, behandelt, verlötet und verkittet durch die Naumburger Glasmalermeisterin Martina Gärlich) begründen wohl kein neues Goldenes Zeitalter der Glasmalerei. Aber sie ziehen durch Befremden in Bann."
Weitere Artikel: Christian Schlüter sieht den Verkauf des Süddeutschen Verlags an die Südwestdeutsche Medienholding als "bedeutendes Ereignis für die deutsche Presselandschaft". In ihrer USA-Kolumne beschreibt Marcia Pally das weihnachtliche New York als "Postkartenidylle". Harry Nutt informiert in einer Times Mager über neue Diskussionen um die Künstlersozialkasse.
Besprochen werden die Paul-Thek-Retrospektive im Karlsruher ZKM, ein Don-Quijote-Abend im Schauspiel Frankfurt und ein Buch, nämlich Nagib Machfus' Miniaturen-Band "Das Buch der Träume" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2007
Sieglinde Geisel berichtet von den Plänen, die der amerikanische Regisseur David Lynch mit dem Berliner Teufelsberg hat. "Er soll den Teufelsberg gekauft haben, doch nicht als location für Dreharbeiten, sondern für eine 'Universität des unbesiegbaren Deutschland', die im Namen der Transzendentalen Meditation gebaut werden soll. Die öffentliche Vorstellung des Projekts in der Urania geriet allerdings zum Eklat. Der deutsche 'Raja' Emmanuel Schiffgens war in weißem Gewand und goldener Krone erschienen. Er forderte das Publikum auf, dreimal 'Unbesiegbares Deutschland' zu sagen, und als er auf Zurufe hin meinte, dass Hitler bedauerlicherweise die Techniken der Unbesiegbarkeit gefehlt hätten, ließ sich das Publikum auch von David Lynch kaum mehr beruhigen."
Weitere Artikel: Im multikulturellen Vereinigten Königreich steht die Vormachtstellung von Weihnachten zur Debatte, weiß Lilo Weber. Im Kunstmarkt resümiert ganz zufrieden die erste internationale Antiquitätenmesse in Peking.
In Literatur und Kunst geht es weihnachtsgerecht um Erwachen und Erweckung. Der serbisch-kanadische Schriftsteller David Albahari schreibt eine Geschichte über einen Schwerkranken. Sein Wiener Kollege Franz Schuh meldet sich aus dem Allgemeinen Krankenhaus, wo ihn ein wilder Traum hinverschlagen hat. Der britische Autor Jon McGregor berichtet vom Entstehen seines ersten Romans. Über den Schlaf und das Ende desselben lesen wir außerdem von Michel Mettler, von Angelika Overath, von Andrea Köhler und von Brijinder Nath Goswamy. Alexandra Stäheli sucht Momente des Erwachens im Film, der Theologe Eberhard Jüngel durchforstet das Neue Testament. Und Uwe Justus Wenzel nimmt die Philosophie zu Hilfe.
Besprochen werden eine Ausstellung über Rubens und seine Malerwerkstatt im Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel, eine Schau mit Arbeiten des Architekturbüros Coop Himmelb(l)au im Museum für angewandte Kunst in Berlin und Christoph Nels Inszenierung von Giuseppe Verdis "Don Carlo" in der Staatsoper Hannover.
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Der Tagesspiegel, 22.12.2007
Der Schriftsteller Bora Cosic führt in die serbische Kunst des Festefeierns ein, wofür jede Gelegenheit ergriffen wurde: "Es gibt in jeder orthodoxen Familie einen Tag, der einem Heiligen gewidmet ist, das ist der Schutzpatron des Hauses, wie im alten Rom. Weil die orthodoxe Religion ohnehin vieles aus vorchristlichen Zeiten aufgelesen hat, die Serben eigentlich verkappte Heiden sind. So wird bei den Serben zu Ehren der eigenen Laren und Penaten zu einem bestimmten Datum, wenn in diesem Augenblick nicht gerade ein verrückter Krieg geführt wird, ein Festtagsschmaus sondergleichen organisiert... Vor solchen Tagen geriet die ganze Haustierschaft in Panik, weil die Serben vor den Feiertagen alles schlachten, was ihnen in die Hände fällt, Hühner, Gänse und Puten, am meisten Ferkel, alles in diesem Land grunzt und quiekt gleichzeitig."
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Süddeutsche Zeitung, 22.12.2007
Keinem aktuellen, sondern einem denkbar ewigen Thema ist der Feuilleton-Aufmacher von Johan Schloemann gewidmet: der Stadt Rom, die in der Zukunft von Erdbeben bedroht und deren Vergangenheit noch lange nicht zu Ende erkundet ist: "Man könnte denken, Rom sei nach Jahrhunderten der Altertumsbegeisterung fertig erforscht. Doch gerade weil das Interesse der Europäer an den Ausgrabungen in Rom so früh einsetzte, sind auch zentrale, schon lange freiliegende Orte nach den - später entwickelten - Maßstäben der wissenschaftlichen Archäologie unvollständig erschlossen. So haben Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts die Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum, im Zentrum der Macht, in jahrelanger Arbeit neu vermessen, und sie haben ganz neue Thesen entwickelt, wie dieser Bau, der unter anderem für Bank- und Luxusgeschäfte genutzt wurde, in die Bildpropaganda des Augustus, des angeblichen Retters der Republik, einbezogen war."
Weitere Artikel: Jonathan Fischer denkt über das neue Klassenbewusstsein der schwarzen US-Mittelschicht nach. Der Zeichner Hans Traxler nennt zehn Gründe, warum er gern zeichnet. Vor der Transparenz des einzelnen in Zeiten verfeinerter Internetsuche warnt Lutz Lichtenberger. Auf der Literaturseite wird ein Vortrag von Michael Hofmann über die vier Zentralorgane englischsprachiger Literaturkritik abgedruckt - die New York Review, die New York Times, die London Review of Books und das Times Literary Supplement -, den er auf einer Münchner Tagung über internationale Literaturkritik gehalten hat. Besprochen wird Andrea Köhlers Buch "Lange Weile" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Rezensiert werden außerdem die Andreas-Hofer-Ausstellung in Herford, eine Ausstellung über die Kunst des Fälschens im Berliner Museum für Asiatische Kunst, Jürgen Kruses Kölner Welturaufführung des Stücks "Beat Generation" aus Jack Kerouacs Nachlass (um die Entdeckung eines Meisterwerks handelt es sich, versichert Vasco Boenisch, dabei nicht) und Kenneth Branaghs Film "1 Mord für 2".
Im Aufmacher der SZ am Wochenende erinnert sich der Autor und Filmemacher Oliver Storz an seine Weihnacht 1944. Jochen Arntz porträtiert den Berliner Pfarrer Jürgen Quandt. Auf zwei Seiten finden sich die Kritikerfavoriten aus Literatur, Film und Musik aus dem Jahr 2007. Die Historien-Seite befasst sich mit propagandistischem Weihnachts-Missbrauch. Vorabgedruckt werden unter der Überschrift "Die Schmähung des Weihnachtsmanns" zwei Monologe aus Silvia Bovenschens im nächsten Frühjahr erscheinendem Buch "Verschwunden". Im Interview spricht Alicia Keys über "Respekt".
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Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. In der Welt erklärt Benny Ziffer, dass die Religiösen in Israel nur einen Teil des intoleranten Spektrums ausmachen. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





