Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

12.07.2007. In der FAZ freut sich Günter Wallraff über die ungemein befreiende Wirkung, die von der Lesung der "Satanischen Verse" in einer Moschee ausgehen wird, in der taz erklärt er die Hintergründe seiner Idee. Auch die Welt bewundert Wallraff für seine Idee. Die SZ kritisiert ihn. In der FR verteidigt Rolf Hochhuth seine Kollegen Walser, Lenz und Hildebrandt: "Nie wird gefragt, was ein 16- oder 19-Jähriger tun sollte, der zum Militär oder in die Partei berufen wurde." Die Zeit sieht sich Jonathan Meeses Hitler-Filmchen auf MySpace an und hat die Nase gestrichen voll von künstlerischen Hitler-Evokationen.

Die Tageszeitung, 12.07.2007

Im Interview mit Jürgen Gottschlich erzählt Günter Wallraff einiges über den Hintergrund seiner Rushdie-Initiative. Er ist für den umstrittenen Bau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld, sagt er, aber: "Vor einer gemeinsamen Diskussion im Deutschlandfunk über den Kölner Moscheebau hat Bekir Alboa, der Kulturbeauftragte von Ditib - das ist der Trägerverein der Moschee - bei mir angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Mitglied im Beirat des Moscheevereins zu werden. Ich bin da nicht grundsätzlich abgeneigt, aber wenn, will ich da nicht nur als Galionsfigur und Abnicker sitzen, sondern dann auch um etwas im Dialog mit dem Islam zu bewegen."


Weitere Artikel: Katrin Bettina Müller porträtiert die theaterkritische "Ein-Frau-Guerilla" und Weltreisende in Sachen Bühnenkunst, Renate Klett, Roland Düker hat dem Berliner Architektenbüro Leon Wohlhage Wernik einen Besuch abgestattet, die in Tripolis ein neues Regierungsviertel bauen. Christiane Rösinger behandelt in ihrer Documenta-Kolumne Fragen wie diese: "Ist die Moderne unsere Antike? Wem gehört Brownie, die plumpe Kunstgiraffe? Wird es, eines fernen Tages, vielleicht sogar in Kassel aufhören zu regnen?" In der Politik berichtet Klaus Raab über ein Komitee zur Untersuchung von Journalistenmorden, das in Moskau gebildet wurde, offiziell eine reine Fassadenoperation, denn an der Spitze der Organisation steht ein enger Freund Putins.

Besprochen werden Kevin Smiths Film "Clerks 2" und Nanni Morettis neues Werk "Il Caimano" ("Der Italiener").

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2007

Frank Stier berichtet von der Aufregung, die neuerdings wieder um Blaise Cendrars' (mehr) legendenumwobene "Legende von Nowgorod" herrscht. Das Original dieses Gedichts hat nie jemand zu Gesicht bekommen, nun hat der Figaro litteraire die russische Version, die der bulgarische Dichter Kiril Kadiiski 1995 in Sofia entdeckt haben will, als Fälschung abgestempelt.


Besprochen werden die Ausstellung zum Frühwerk von Jasper Johns im Kunstmuseum Basel, Andrew Millers Roman "Die Optimisten" und Roberto Arlts düsterer Text "Das böse Spielzeug" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Auf der Filmseite blickt Alexandra Stäheli auf das Filmfestival von Locarno voraus, Susanne Ostwalds kann Pascale Ferrans Neuverfilmung der "Lady Chatterley" gar nichts abgewinnen, sie findet den Film ziemlich unsexy, in seiner Natursymbolik platt und ebenso misogyn wie D.H. Lawrence selbst.

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Frankfurter Rundschau, 12.07.2007

"Nie wird gefragt, was ein 16- oder 19-Jähriger tun sollte, der zum Militär oder in die Partei berufen wurde", weist Rolf Hochhuth 25- bis 40-jährige "sogenannte Historiker" zurecht, die Dieter Hildebrandt oder Martin Walser wegen ihrer NSDAP-Mitgliedschaft als Teenager anklagen. "Ich bin völlig überzeugt, dass Martin Walser recht hat, heute zu sagen, seine 'Mitgliedschaft' sei ein Geschenk des Reichsjugendführers zu Hitlers Geburtstag gewesen. Denn warum auch bei Hildebrandt und Lenz der 20. April als Eintrittsdatum? Hat einer derer, die aus purer Anzeigelust ihre Nase jetzt in diese Jauche stecken, auch nur eine Minute erübrigt für die Frage, was ein Junge, für die Partei oder SS 'auserlesen', dagegen hätte sagen können? ... Keineswegs haben wir uns seit der Nazi-Zeit geändert: Wir sind genau die geblieben, die wir schon unter dem Führer waren: Die Nation der Denunzianten!"


Integration lässt sich nicht verordnen, stellt Arno Widmann anlässlich des heute beginnenden Integrationsgipfels fest. "Es geht auch heute nicht um Abend- gegen Morgenland, wie ein paar Wirrköpfe uns weismachen möchten. Es geht darum, ob die Gesellschaft den Einzelnen erlaubt, nach ihrer Fasson nicht nur selig zu werden, sondern auch zu leben. Den Einzelnen. Nicht irgendwelchen Gruppen."

Weiteres: Christian Thomas schreibt zum Tod des Autors Michael Rudolf. Christian Schlüter widmet die Kolumne Times Mager dem geplatzten Versuch, Rotraut Susanne Berner Jahreszeiten-Wimmelbücher in den USA zu publizieren, weil dort unter anderem auch ein millimetergroßer Pimmel und Zigarretten abgebildet sind. Auf der Medienseite bringt Dagland Segler die Leser in Sachen Perlentaucher vs. FAZ auf Stand.

Besprochen werden Heinz Bütlers Dokumentarfilm "Henri Cartier-Bresson - Biografie eines Blicks", Kevin Smiths Film "Clerks 2", das brandenburgische Kunstfestival "Rohkunstbau" und Bücher, darunter Kerstin Grethers Artikelsammlung zum Phänomen Pop "Zungenkuß" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr)..

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Der Tagesspiegel, 12.07.2007

Peter Steinbach, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, greift auf der Meinungsseite scharf Frank Schirrmacher an, der kürzlich Tom Cruise als Stauffenberg-Darsteller mit dem Argument verteidigt hatte, dass auch Stauffenberg einer Art Sekte angehörte: dem Kreis um Stefan George. Dazu Steinbach: "Stauffenberg ist nicht das schlechteste Beispiel eines Menschen, der sich dem weltanschaulichen Führungsanspruchs eines Regimes widersetzt, der unabhängig urteilt, die Realität durchschauen, sie aber nicht durch Meinungen vernebeln will. Dass Schirrmacher ihn zum wahnhaften Anhänger eines Gurus namens Stefan George macht, ist vielleicht ein Beleg dafür, dass die Diskussion fortgesetzt werden soll nicht als Debatte über Tom Cruise, sondern als Kritik an einer Zeitung, hinter der nun wahrlich nicht immer ein kluger Kopf, sondern durchaus auch einmal ein Kampfjournalist steckt, der schneller schreibt als recherchiert oder gar denkt."

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Die Zeit, 12.07.2007

Georg Diez hat sich das neueste Hitler-Filmchen des Künstlers Jonathan Meese auf MySpace angesehen und die Nase gestrichen voll von Führer-Anrufungen oder einen neuen "Lust am Totalitären" (der seiner Meinung auch Christian Kracht mit seiner Huldigung Kim Jong Ils frönt)."Hitler ist eben immer noch eine beliebte Wichsvorlage für deutsche Künstler und Intellektuelle, da kann man im Ausland so viel staunen wie man will. Meese inszeniert nun seine Online-Hitlerpose und sein ganzes Germanengehabe mit antiautoritärer Geste - die doch nicht den Spaß verkleiden kann, den ihm dieses autoritäre Auftreten bereitet. Postmodern ist das nicht, es geht nicht um Dekonstruktion, es geht darum, die Kraft Hitlers zu benutzen. Schmutzig ist gut, das ist der alte Kunstreflex dabei; schmutzig ist lustig, das ist die entschuldigende Logik. Es ist aber nicht lustig."


In einem Gespräch mit Christine Lemke-Matwey ärgert sich die bulgarische Mezzosopranistin Vesselina Kasarova mächtig über den Opernzirkus, der nur noch Stars und Imagestrategen kennt, aber keine Gesangskultur und wahre Erotik. "Der professionelle Apparat selbst ist marode, das finde ich das Furchtbare. Ich habe mit so vielen Leuten zu tun gehabt, deren musikalische Bildung sich auf ein paar Monate Blockflötenunterricht beschränkte. Ich habe mich gegen die Politik von Plattenfirmen und gegen CD-Cover gewehrt, auf denen ich nicht wiederzuerkennen war. Ich kenne Intendanten, die keine Ahnung von ihrem Metier haben. Und ich halte es für einen Skandal, wenn eine seriöse Fernsehanstalt ein Porträt über mich drehen möchte, in dem ich erst kochen muss, was ich nie tue, und ich zweitens zu Hause unter bulgarischen Waisenkindern Geschenke verteilen soll! Bulgarien ist doch kein Entwicklungsland!"

Weiteres: In der Randspalte hofft Thomas Assheuer, dass mit der Wiederzulassung der lateinischen Messe nicht auch der sie prägende "Geist der Gegenreformation" zurückkehrt. In einem weiteren Text springt Assheuer dem Welterbe-Komitee der Unesco zur Seite: ja, es darf deutschen Städten die "Daumenschrauben anlegen". Josef Joffe kann gar nicht glauben, dass wir jetzt ernsthaft über Kreationismus diskutieren und entsprechende Artikel im einschlägigen Feuilleton lesen müssen. Jens Jessen entlarvt im Streit um Tom Cruise und Stauffenberg den Glauben an die "Macht der medialen Verbreitung" als Aberglauben ("Wir werden Stauffenberg als Helden haben, wenn wir Tom Cruise als Stauffenberg haben.") Hilal Sezgin findet, dass der neue Harry-Potter-Film "Der Orden des Phönix" tatsächlich das Beste aus der "überlangen, übellaunigen und verschwörungstheoretischen" Vorlage macht. Klaus Dermutz trifft die Bühnenbildnerin Uta Kala. Und Mirko Weber schreibt zum Achtzigsten des Dirigenten Michael Gielen.

Im Aufmacher des Literaturteils bespricht Ulrich Greiner Richard Fords neuen Roman "Die Lage des Landes". Und in einem Interview mit Sacha Verna erklärt der Autor, warum gute Literatur immer politisch ist.

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Berliner Zeitung, 12.07.2007

Andreas Mix beschreibt die neue "Geschichtspolitik" der polnischen Regierung, die so bessere Patrioten heranziehen will. "Der Patriotismus - der unter den Postkommunisten und den "Lumpenliberalen" von der Solidarnosc verkümmert sei - gilt den jetzt regierenden Nationalkatholiken als Arznei für eine Gesellschaft, die durch die Wendezeit gespalten ist. Und das Mittel, mit dem der Nationalstolz gehoben werden soll, heißt: 'Geschichtspolitik', 'polityka historiczna'. Die Regierung will das Geschichtsbild offensiv gestalten - Geschichtspolitik, erklärte der Parlamentspräsident Marek Jurek, sei das 'Fundament der IV. Republik'. Das äußert sich in Historienfilmen, neuen Denkmälern und Geschichtsmuseen, patriotischer Erziehung in den Schulen, der Rückbesinnung auf nationalpädagogische Klassiker des 19. Jahrhunderts wie Henryk Sienkiewicz."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2007

Hubert Spiegel hat mit Günter Wallraff gesprochen, der weiterhin an das Gute in der deutsch-türkischen Organisation Ditib glaubt und die "Satanischen Verse" in einer Moschee lesen will: "Es ist tatsächlich ein Lackmustest. Wenn diese Lesung stattfindet, und ich sorge dafür, dass sie stattfindet, dann wird von ihr eine ungemein befreiende Wirkung ausgehen. Stellen Sie sich diese Szene in der Moschee doch nur einmal vor: Es wird gelesen, manche finden das Gehörte gar nicht so schlecht, und es wird vielleicht sogar gelacht. Das würde vieles aufbrechen."


Weitere Artikel: Regina Mönch kritisiert den Rückzug türkischer Organisationen vom Integrationsgipfel der Bundesregierung. Tilman Spreckelsen mokiert sich in der Leitglosse über die amerikanische Boyds Mill Press, die mikroskopische Penisse aus winzigen Figuren in Rotraut Susanne Berners Wimmelbüchern wegretuschieren wollte - die Autorin macht nicht mit. Jürgen Kaube kommentiert die jüngsten Äußerungen der Glaubenskongregation, die die protestantischen Kirchen nicht als solche anerkennen will. Julia Voss gratuliert dem Maler Andrew Wyeth zum Neunzigsten. Patrick Bahners verfolgte in Fankfurt eine Diskussion um die Vorschläge der hessischen Kultusministerin Karin Wolff für einen bibelkompatibleren Biologieunterricht, die allerdings ohne die Protagonistin auskommen musste.

Auf der Kinoseite bespricht Verena Lueken eine Ausstellung mit Sehmaschinen von William Kentridge in Frankfurt. Und Bert Rebhandl meditiert anhand einiger Retrospektiven und Wiederaufführungen über das Kino Roberto Rossellinis. Michael Althen schreibt außerdem einen Nachruf auf den Nebendarsteller Charles Lane, der im Alter von 102 Jahren gestorben ist.

Auf der Medienseite stellt Andreas Mihm die Postille Hausarzt vor, die ähnliche Anzeigenerlöse bringen soll wie die Apothekenumschau. Auf der letzten Seite bringt Gina Thomas einen Bericht über die immer größeren Erfolge britischer Winzer, die eindeutig zu den Profiteuren des Klimawandels zählen. Wolfgang Sandner porträtiert den bitischen Musikmanager Nicholas Kenyon, der das Barbican Centre leiten wird. Und Jürg Altwegg erzählt die Geschichte des französischen Autors Pierre Jourde, der in seinem Heimatdorf fast gelyncht wurde, weil er die Dorfgenossen wenig vorteilhaft schilderte, und dessen laut Altwegg großartiger Roman "Pays perdu" von den Feuilletons kaum besprochen wurde, weil er sie in einem Pamphlet 2004 (mehr hier) kritisiert hatte, und so etwas verstößt natürlich gegen die guten Sitten!

Besprochen werden eine Ausstellung über das Frühwerk Jasper Johns' in Basel, Nanni Morettis Berlusconi-Film "Der Italiener" und Mozarts Oper "Lucio Silla" in Schwetzingen.

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Die Welt, 12.07.2007

Hannes Stein bezeugt Günter Wallraff "Respekt" für die Ankündigung, Salman Rushdies "Satanische Verse" in einer Kölner Moschee lesen zu wollen. Stein erinnert daran, dass Wallraff schon als einziger während des Golfkriegs von 1991 nach Israel gereist ist, als den Leuten dort die "irakischen Scud-Raketen um die Ohren flogen": "Eulenspiegelig meinte er, der türkisch-muslimische Kulturverein Ditib habe schließlich zu einem offenen Dialog eingeladen, auf dieses Angebot müsse man jetzt eingehen. Außerdem sei er mit Salman Rushdie befreundet, den er eine Zeit lang bei sich versteckt hatte, nachdem der Ajatollah Khomeini in einer Fatwa dazu aufgerufen hatte, den Autor der "Satanischen Verse" zu töten. Heute wie 1991 stellt sich der Linke Wallraff gegen den Mainstream, ohne dabei mit seinen politischen Weggefährten zu brechen."


Im Interview mit Oliver Shirg stellt Regisseur Wolfgang Petersen fest, dass sich die Deutschen im Streit um Tom Cruise und Stauffenberg gerade wieder einmal von ihrer hässlichen Seite zeigten. Manuel Brug verabschiedet die Ballerina Alessandra Ferri, mit der eine weitere berühmte Tänzerin die inzwischen fast incognito operierende Ballet-Bühne verlässt.

Besprochen werden eine Ausstellung zum Barock-Bildhauer Georg Petel im Münchner Haus der Kunst und eine Schau zum hundertjährigen Jubiläum des Werkbunds im Berliner Museum der Dinge.

Auf der Kinoseite konstatiert Rüdiger Sturm, dass sich Indiens Filmemacher allmählich vom langen Epos verabschieden. Besprochen werden Nanni Morettis Anti-Berlusconi-Film "Der Italiener" (der laut Barbara Schweizerhof auch nach dessen Abgang Bestand hat) und Georg Mitschs Dokumentation "Calling Hedy Lamarr".

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Süddeutsche Zeitung, 12.07.2007

Sonja Zekri ärgert sich über Günter Wallraffs "scheinheiligen Aufklärer-Gestus", mit dem er angekündigt habe, in einer Kölner Moschee aus Salman Rushdies "Die Satanischen Verse" lesen zu wollen: "Dass ausgerechnet Altlinke wie Wallraff oder auch Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck die muslimische Einwanderung als größte Gefahr für Freiheit und Gerechtigkeit identifiziert haben, gehört zu den Absurditäten des Islam-Diskurses. Wallraffs Bekenntnis-Erpressung aber, die Maximalforderungen als Entgegenkommen ausgibt, ist ein wunderbares Beispiel für einen scheinheiligen Aufklärer-Gestus, einen populistischen Gratis-Mut, der sich dem Zeitgeist gerade nicht entgegenstemmt, sondern nur den Stammtisch munitioniert."


Heribert Prantl kann die Enttäuschung der türkischen Verbände über die Verschärfung der Einwanderungsgesetze verstehen, hält deren Boykott des Intergrationsgipfels aber trotzdem für falsch: "Sinnvoller wäre es gewesen, sie hätten auf dem Gipfel eine Diskussion über die Mängel des neuen Gesetzes erzwungen, das eine Reihe eklatanter Mängel aufweist; die Große Koalition hat nämlich die Umsetzung von etlichen EU-Richtlinien zu einer Verschärfung des Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrechts missbraucht. Die Einbürgerung, die ein wichtiger Baustein einer umfassenden Integrationspolitik ist, wurde erheblich erschwert."

Weitere Artikel: Regisseur Volker Schlöndorff erklärt, warum man aus dem Material für einen Spielfilm keinen Fernsehmehrteiler schneiden kann. Geplant ist das offenbar bei den Filmen "Anonyma" von Max Färberböck, "Die Päpstin" oder "Baader-Meinhof-Komplex" von Bernd Eichinger. Daniel Brössler beschreibt befremdet, wie Putin Russlands Geschichtsbild restalinisiert. Susanne Klingenstein gratuliert dem aus ihrer Sicht erfolgreichsten Maler Amerikas, Andrew Wyeth, zum neunzigsten Geburtstag. Fritz Göttler meldet, dass einer der markantesten Hollywood-Kleindarsteller, Charles Lane, jetzt mit 102 Jahren gestorben ist.

Besprochen werden eine Fotoausstellung in Buchenwald, die an die Gründung des Konzentrationslagers vor 70 Jahren erinnert, die Ausstellung "Biographical Landscape: The Photography of Stephen Shore 1969-79" im New Yorker International Center of Photography. Annette Brauerhochs und Eva Heldmanns Film von 1999 "Fremd gehen. Gespräche mit einer Freundin", Nanni Morettis neuer Film "Der Italiener", Kevin Smiths Sequel "Clerks II", die erste Oper des Gorillazs Damon Albarn "Monkey - Journey to the West" beim Manchester International Festival (für Alexander Menden eine Show, "die optisch und technisch weit über das hinausgeht, was man gemeinhin in westlichen Opernhäusern zu sehen bekommt") und Bücher, darunter Andre Hilles Polenbuch "Erzähl mir vom Land der Birken" und die noch von Robert Gernhardt editorisch auf den Weg gebrachte "Sammlung komischer Gedichte" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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