Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.06.2024. Die FAZ denkt auf der Frankfurter Fototriennale Ray darüber nach, wie wir uns mit Fotos erinnern. Beim Pen Deutschland fliegen wieder mal die Fetzen, nach einer Generalabrechnung der zurückgetretenen Präsidiumsbeisitzerin Gabriele Gillen, berichtet die SZ. Im Filmdienst möchte Sebastian Seidler mehr Menschen mit der Liebe zum Film infizieren - zur Not auch mit Knutschen und Tanz. In der taz erklärt der iranische Autor Amir Gudarzi, warum die Götter die Menschen erschufen. Van erklärt, warum die klassische Musik schuld daran ist, dass Brasiliens Nationalbaum ausstirbt.
21.06.2024. Für die Mark Rothko-Ausstellung reist die FAZ gerne nach Norwegen. Der Spiegel wundert sich über eine abgesagte Kolonialismus-Ausstellung in Dresden und fragt nach Gründen. Die taz lässt sich vom Vulgärfeminismus im Hamburger Schauspielhaus zum Lachen bringen. Die NZZ spornt zur (Wieder-)Entdeckung von Komponistinnen auch außerhalb der Forschung an. Mit Frank Witzel fragt sich die FR, wie Gerechtigkeit im Literaturbetrieb aussehen könnte. Und die Feuilletons trauern um Donald Sutherland.
20.06.2024. Die Zeit füllt mit Pussy-Riot-Gründerin Nadya Tolokonnikova in Linz Putins Asche in Glaszylinder. "Die Würde der Kunst ist unantastbar", erklärt Jonathan Meese, der in der NZZ bedingungslose Kunstfreiheit fordert. Die FAZ feiert die Kurzgeschichte, denn der Roman werde immer mehr zum "Parkplatz für langweiligen Identitätskitsch". Die Filmkritiker erkunden mit Jeff Nichols schönen Männern, warum Biker tun was Biker tun. Die nachtkritik dankt Milo Rau, dass er die saturierten Wiener aus ihrer Erstarrung geweckt hat. Und der Tagesspiegel bewundert in Hamburg die strammen Pos von William Blakes Engeln.
19.06.2024. Arundhati Roy steht in Indien für eine 2010 gehaltene Rede vor Gericht, die SZ erschrickt darüber, wo in Indien das Recht auf freie Meinungsäußerung aufhört. Käthe Kollwitz trifft im MoMA den Nerv der verzweifelten New Yorker, staunt die taz. Die Welt entdeckt im Keller zart spröden Pop von Maria Herz. Die nmz galoppiert mit Ondrej Adámeks Orpheus-Oper "INES" durch die postnukleare Einöde. Und alle trauern um Anouk Aimée, die "Garbo aus dem Geist der Nouvelle Vague", wie die Welt schreibt.
18.06.2024. FAZ und FR loben Tatjana Gürbacas Frankfurter Inszenierung von Fromental Halévys Oper "La Juive" in höchsten Tönen. Die CDU ruft zum Boykott einer Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück auf: Die taz kann da nur den Kopf schütteln. Die FAZ freut sich über eine geplante "Piazza auf dem Wasser" in Bordeaux. Der Freitag ist genervt von der Debatte um Jenny Erpenbeck. Zeit Online erinnert daran, wie der Film "Matrix" die Kinogeschichte umgekrempelt hat.
17.06.2024. Was ist in Leipzig los? Die FAZ ist fassungslos darüber, wie Rod Stewart bei einem Konzert für seine Putin-Kritik ausgebuht wurde. Die russische Musik gehört nicht Putin, sondern der ganzen Welt, erinnert der Pianist Jewgeni Kissin in Backstage Classical. Die FR geht in einer Ausstellung in Bad Homburg "Waldbaden". Die FAZ spaziert beglückt durch das Schloss Belvedere in Weimar, wo sie die Skulpturen von Olaf Metzel bewundert. Die NZZ empfiehlt der großen Friederike-Mayröcker-Ausstellung mehr Mut zum Fetisch.
15.06.2024. Der Tagesspiegel stellt die Auto-Perforations-Artisten der DDR vor: Else Gabriel, Michael Brendel, Rainer Görß und Via Lewandowsky, die in der DDR die Temperatur steigen ließen. Die SZ feiert Paris als neue alte Kunsthauptstadt der Welt. In der NZZ erklärt das Leitungsduo des Jüdischen Filmfestivals Berlin, warum das Festival gerade jetzt stattfinden muss. Critic.de empfiehlt die Thomas-Arslan-Retrospektive im Arsenal. Die Zeit zeichnet ein Stimmungsbild des italienischen Literaturbetriebs. Die taz wirft einen Blick auf die DDR-Jazzszene.
14.06.2024. Milo Rau klagt auf den Wiener Festwochen "Die Heuchelei der Gutmeinenden" an, die BDS unterstützen, der Standard berichtet. Die NZZ fragt, warum #metoo in Frankreich auf so viele Widerstände stößt. VAN lernt von Dirigent Vitali Alekseenok, wie man im Charkiwer Bombenhagel ein Musikfestival veranstaltet. Mit der für eine Auktion zerschlagenen Sammlung Renault ist das Zeitalter der sozialen Industriekultur in Frankreich wohl endgültig vorbei, mutmaßt die FAZ. Die Zeit ärgert sich über den Aufschwung nostalgischer DDR-Bücher. Die FAZ trauert um den japanischen Architekten Fumihiko Maki.
13.06.2024. Die Filmkritiker schauen irritiert zu, wenn Daniela Völker in "Der Schatten des Kommandanten" die Tochter der Auschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch und die Nachfahren des KZ-Kommandanten Rudolf Höß aufeinander treffen lässt. In der taz blicken der ukrainische Filmemacher Oleksiy Radynski und Hito Steyerl auf die kolonialen Hintergründe der russischen Gasgeschäfte. Der Tagesspiegel bewundert die Liaison von japanischer Moderne und amerikanischem Utilitarismus im neuen Reinhard Ernst Museum in Wiesbaden. Und alle trauern um Françoise Hardy, die so zart und zivilisationskritisch hauchte.
12.06.2024. Die FAZ entdeckt in der Komischen Oper dank Axel Ranisch den Zauber des Normalen. Die SZ schlendert durch Istanbul, wo derzeit das Restaurierungsfieber ausgebrochen ist. Die FR fordert eine klimafreundliche Architektur, die sich nicht nach Verzicht anfühlt. Souleymane Bachir Diagne widmet sich im Standard der Übersetzung als Kunst des Brückenbauens. Ronya Othmann denkt im Perlentaucher über Kino und Lyrik nach.