9punkt - Die Debattenrundschau
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Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.09.2026. Gut, ok, die Linkspartei hat "kein klares Verhältnis" zum Antisemitismus, aber Koalitionsgespräche sollte man trotzdem mit ihr führen, meint der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak in der FAZ. Mächtige Stimmen sprechen sich in den Zeitungen für ein Linksbündnis in Berlin aus: so etwa der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz im Tagesspiegel. Und Eva Menasse. Und Jürgen Trittin. Außerdem: Die NZZ hält einen russischen Angriff auf die baltischen Länder für möglich. Nora Bossong staunt in der FAZ über die Honorare des Goethe-Instituts.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
26.09.2026
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Europa
Kommt es zu einem Linksbündnis in Berlin? In der FAZ spricht sich der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak für Koalitionsgespräche mit der Berliner Linken aus - und auch diese will mit den Grünen in Sondierungsgespräche treten. "Die Linke hat offenbar auch Menschen eine Stimme gegeben, die kein klares Verhältnis zum Antisemitismus haben, kein klares Verhältnis zum Islamismus und kein klares Verhältnis zur organisierten Kriminalität", konzediert Banaszak. Aber das will er nicht durchgehen lassen: "Wer mit uns koalieren will, darf für Kriminelle und Israelfeinde keinen Raum lassen."
Die Linkspartei hätte jedenfalls noch zu tun. Dass sich der Islamist Ibrahim Ibrahim, der der Terrorgruppe PFLP zugerechnet wird, nicht nur auf der Wahlparty der Linken in Neukölln blicken ließ, sondern sehr häufig in ihrem Umfeld zu sehen ist (wie übrigens auch ein anderer Islamist namens Hassan Razzouk), weist der Journalist Jan Schipmann auf Twitter nach. Etwa hier (und hier). In einem Facebook-Post hatte sich Ibrahim nach der Wahl emphatisch für die Zusammenarbeit mit der Linkspartei bedankt (unser Resümee).
Aber wie soll die Linkspartei, die so schön "antifaschistisch" ist, zugleich antisemitisch sein? Das will den publizistischen Verfechtern eines Linksbündnisses in Berlin von Zeit über taz bis zum Tagesspiegel ohnehin nicht einleuchten Hier muss ein Fall von "Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs" vorliegen.
So äußert sich etwa der Historiker Wolfgang Benz, der vom Tagesspiegel-Autor Robert Ide als "Deutschlands wichtigster Antisemitismusforscher" vorgestellt wird und im Gespräch mal wieder seine Verachtung für die Opfer des Phänomens, das er angeblich erforscht, manifestiert: "Die Linke ist nicht antisemitisch", hält Benz da fest. "Es gibt in ihr, besonders in Neukölln, jede Menge Palästinenser und Muslime, die garstige Worte gegen das Land Israel gebrauchen. Das ist kein Antisemitismus, das ist keine Judenfeindschaft, sondern eine politische Feindschaft gegen die Besatzungsmacht Israel. Doch die Losung ist ausgegeben: Gegen Israel darf man nichts sagen. Das ist Staatsräson." Die Juden findet Benz ein bisschen ängstlich: "Dass Juden Angst haben, sagen sie seit fünfzig Jahren. Schon früher hieß es: Wir sitzen auf gepackten Koffern. Das gehört zur Selbstrechtfertigung jüdischen Lebens in Deutschland." Überhaupt diese Juden in Deutschland: "Ich weiß auch, dass sie unter Rechtfertigungsdruck stehen, weil sie im Land der Täter leben. Außerdem wird keine Minderheit so gut durch die Polizei gesichert."
Auch Grünen-Urgestein Jürgen Trittin verfasst dazu einen eigenen Blogeintrag. Zwar muss er eingestehen: "Wenn nach dem Massaker vom 07. Oktober 2022 (so steht's da) in Neukölln Zuckerfeste gefeiert wurden, ist das widerlicher Antisemitismus." Die Kritik an der Linkspartei aber sieht er als Kampagne der CDU - und die solidarisiere sich doch mit viel schlimmeren Verbrechern als irgendwelchen Clanchefs: "Clankriminalität und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind Verbrechen - aber unterschiedliche Verbrechen. Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden von der Völkergemeinschaft als so schwerwiegend angesehen, dass das Territorialprinzip aufgehoben ist. Käme Netanjahu nach Deutschland, müsste er verhaftet und nach Den Haag ausgeliefert werden. Gegen Issa Remmo ist kein so hinreichender Tatverdacht zu belegen, dass ein Haftbefehl erlassen werden konnte. Nur deshalb konnte er auf der Linken-Party auftauchen."
Nochmals im Tagesspiegel prangert die Schriftstellerin Eva Menasse, die zusammen mit Deborah Feldman und anderen einen Aufruf jüdischer Israelkritiker für die Linkspartei unterschrieben hat (unser Resümee), diese "Instrumentalisierung jüdischer Ängste" an. "Diese ständige wüste Vermischung von Antisemitismusvorwurf und vollkommen berechtigter, demokratischer Kritik an der mörderischen Politik Israels empfinde ich inzwischen als verhetzte Weltsicht", sagt sie im Gespräch mit Gerrit Bartels. Auch auf die Medien schimpft sie: "Sie in den Medien glauben, Sie seien gute Deutsche, wenn Sie brav dem Zentralrat der Juden folgen, der deutschen Staatsräson frönen und die progressiven, linken Juden, von denen es wirklich viele gibt, einfach ignorieren."
Die taz findet das mit dem Antisemitismusvorwurf gegen die Linkspartei zwar auch doof, aber immerhin recherchieren Anne Fromm und Konrad Litschko heute auch zu den engen Kontakten des Neuköllner Verbandes mit Terrorbefürwortern wie Ibrahim Ibrahim. "Die Neuköllner Linke-Chefin Jorinde Schulz sagt der taz, es seien keine anderen Organisationen in den Linke-Wahlkampf eingebunden gewesen. Auf die Frage, wie sie die gemeinsamen Auftritte von Linken mit Ibrahim bewertet, antwortet sie: 'Das Umsichgreifen von Kontaktschuldvorwürfen in der politischen Debatte sehen wir als Ausdruck eines autoritären Wandels.' Eine Distanzierung klingt anders."
Dei taz-Kolumnistin Erica Zingher, selbst Jüdin, schreibt: "Nach den Reaktionen vieler Linker auf den 7. Oktober, das Hamas-Massaker in Israel, war ich abgeklärt. Und doch lässt mich diesmal nicht los, wie leichtfertig jetzt nach der Wahl antisemitische Ausfälle innerhalb der Berliner Linke-Partei zu einem unwichtigen Nebenwiderspruch erklärt werden. Wie reflexhaft abgewehrt wird, statt Antisemitismus und den Umgang damit als etwas zu betrachten, das mit dem eigenen linken Selbstverständnis nicht zusammengeht."
Andreas Fanizadeh erinnert in der taz an die lange Geschichte des rechtsextremen Terrorismus in Deutschland, besonders nach dem Mauerfall - aber er sieht die Extremisten in der Linken als ein paralleles Phänomen: "Das Beispiel Ferat Koçak macht es deutlich: Es gibt im autoritären Flügel der Linken Kräfte, die über ihre Kritik am Vorgehen Israels im Gazakrieg zur Verallgemeinerung von Israelhass und Antisemitismus beitragen wollen, um diese als dauerhaften Faktor in der deutschen Innenpolitik zu etablieren. Die mangelnde Abgrenzung der Linken zu notorisch antisemitischen, panislamischen und panarabischen Szenen ist eine Steilvorlage für den völkisch-deutschen Rechtsextremismus. "
Christian Zaschke, in der SZ zuständig für die Linkspartei, schreibt einen etwas wortreichen Brief an die Partei, der dann aber doch zur Sache kommt: "Fangen wir mit dem einfachen Fall an. Dass der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak mit dem Sohn eines Clanchefs Textnachrichten austauscht und dessen Vater 'mit Respekt' grüßt: Hast du einen Begriff davon, wie irrsinnig das ist? Koçak sitzt im Innenausschuss des Bundestags, in dem es unter anderem um die Fragen der Inneren Sicherheit Deutschlands geht. Dieses Mitglied des Innenausschusses schreibt sich Nachrichten mit dem Sohn eines Clanbosses, und der Clanboss selbst taucht am vergangenen Sonntag auf der Linken-Wahlparty in Neukölln auf und zeigt das Victory-Zeichen. Wenn ich das hier so nüchtern hinschreibe - merkst du es dann?" Zaschkes wohlmeinender Rat an die Partei: "Du musst die Antisemiten rausschmeißen. Alle."
Rainer Hank reflektiert im Wirtschaftsteil der FAZ noch mal die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin: In beiden Ländern haben weit über die Hälfte der jungen Wähler für die "Parteien der Ränder" gestimmt - und das heißt gegen die "soziale Marktwirtschaft", meint Hank: "Sozialpolitisch sind Linke und AfD heute beide antimarktwirtschaftliche Parteien." Bei der Linkspartei liegt das auf der Hand, so Hank. Aber auch die AfD habe sich "sozialpolitisch stark nach links bewegt. Sie verbindet das Programm nationaler Abschottung mit einem üppigen Sozialstaatsversprechen: großzügige Absicherung für die als zugehörig definierte Bevölkerung, nicht zuletzt die im Rentenalter, dafür eine Begrenzung des Zugangs für Migranten. Man kann das national-sozial nennen."
=============
Der Westen ist gegenüber Russland nach wie vor unschlüssig, schreibt Andreas Rüesch im Leitartikel der NZZ. So beantwortete Deutschland einen Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen mit der Schließung von Institutionen. "Überzeugender wäre eine Politik, die jeden russischen Übergriff auf Nato-Gebiet mit einer Steigerung der Ukraine-Hilfe beantwortet." Einen Angriff Russlands auf Länder des Baltikums hält Rüesch trotz der wirtschaftlichen Schwäche Russlands für möglich: "Es wäre ein Fehlschluss, sich unter einer russischen Offensive im Baltikum etwas Ähnliches wie die verzettelten Kleinangriffe schlecht ausgerüsteter Infanteristen im Donbass vorzustellen. Der Kreml würde nicht auf einen langwierigen Abnützungskrieg setzen wie gegen die Ukraine, sondern auf die blitzartige Besetzung strategischer Schlüsselpunkte im Ostseeraum. Diese Gefahr ist real, denn anders als die Ukrainer beherrschen die Nato-Armeen den modernen Drohnenkampf noch nicht."
Vierzig Jahre Rechtspopulismus. Der Rechtswissenschaftler Peter Techet erinnert in der NZZ: "Angefangen hat es also mit Österreich... am 13. September 1986, als in Innsbruck ein junger Politiker, Jörg Haider, zum Parteivorsitzenden der FPÖ gewählt wurde." Und die Deutung des Phänomens war sofort falsch: "Sein Aufstieg wurde als Rückkehr einer dunklen Geschichte missverstanden - obwohl Haider vielmehr eine neue Epoche der Rechten einläutete: jene des postmodernen Populismus, der im Namen des 'Volkes' keine klare Ideologie mehr vertritt, sondern ganz unterschiedliche Unzufriedenheiten bespielt. Die FPÖ war die Partei des 'dritten Lagers' in Österreich - eine merkwürdige Mischung aus Altnazis und Liberalen, bürgerlich, deutschnational, geschichtsverklärend und staatskritisch zugleich."
Die Linkspartei hätte jedenfalls noch zu tun. Dass sich der Islamist Ibrahim Ibrahim, der der Terrorgruppe PFLP zugerechnet wird, nicht nur auf der Wahlparty der Linken in Neukölln blicken ließ, sondern sehr häufig in ihrem Umfeld zu sehen ist (wie übrigens auch ein anderer Islamist namens Hassan Razzouk), weist der Journalist Jan Schipmann auf Twitter nach. Etwa hier (und hier). In einem Facebook-Post hatte sich Ibrahim nach der Wahl emphatisch für die Zusammenarbeit mit der Linkspartei bedankt (unser Resümee).
Zur Verbindung zwischen PFLP-Terror-Fan Ibrahim Ibrahim und der Linken wird bald noch einiges rauskommen, Wette?
- Jan Schipmann (@JanSchipmann) September 24, 2026
Wer bis dahin Bock auf ne Runde "Where is Ibrahim?" hat: Auf Fotos & Videos - ob neben Hannah Bruns oder im vorbeigehen bei Elif Eralp - ist er ständig zu sehen 🤷 pic.twitter.com/9Pt3I4bDQj
Aber wie soll die Linkspartei, die so schön "antifaschistisch" ist, zugleich antisemitisch sein? Das will den publizistischen Verfechtern eines Linksbündnisses in Berlin von Zeit über taz bis zum Tagesspiegel ohnehin nicht einleuchten Hier muss ein Fall von "Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs" vorliegen.
So äußert sich etwa der Historiker Wolfgang Benz, der vom Tagesspiegel-Autor Robert Ide als "Deutschlands wichtigster Antisemitismusforscher" vorgestellt wird und im Gespräch mal wieder seine Verachtung für die Opfer des Phänomens, das er angeblich erforscht, manifestiert: "Die Linke ist nicht antisemitisch", hält Benz da fest. "Es gibt in ihr, besonders in Neukölln, jede Menge Palästinenser und Muslime, die garstige Worte gegen das Land Israel gebrauchen. Das ist kein Antisemitismus, das ist keine Judenfeindschaft, sondern eine politische Feindschaft gegen die Besatzungsmacht Israel. Doch die Losung ist ausgegeben: Gegen Israel darf man nichts sagen. Das ist Staatsräson." Die Juden findet Benz ein bisschen ängstlich: "Dass Juden Angst haben, sagen sie seit fünfzig Jahren. Schon früher hieß es: Wir sitzen auf gepackten Koffern. Das gehört zur Selbstrechtfertigung jüdischen Lebens in Deutschland." Überhaupt diese Juden in Deutschland: "Ich weiß auch, dass sie unter Rechtfertigungsdruck stehen, weil sie im Land der Täter leben. Außerdem wird keine Minderheit so gut durch die Polizei gesichert."
Auch Grünen-Urgestein Jürgen Trittin verfasst dazu einen eigenen Blogeintrag. Zwar muss er eingestehen: "Wenn nach dem Massaker vom 07. Oktober 2022 (so steht's da) in Neukölln Zuckerfeste gefeiert wurden, ist das widerlicher Antisemitismus." Die Kritik an der Linkspartei aber sieht er als Kampagne der CDU - und die solidarisiere sich doch mit viel schlimmeren Verbrechern als irgendwelchen Clanchefs: "Clankriminalität und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind Verbrechen - aber unterschiedliche Verbrechen. Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden von der Völkergemeinschaft als so schwerwiegend angesehen, dass das Territorialprinzip aufgehoben ist. Käme Netanjahu nach Deutschland, müsste er verhaftet und nach Den Haag ausgeliefert werden. Gegen Issa Remmo ist kein so hinreichender Tatverdacht zu belegen, dass ein Haftbefehl erlassen werden konnte. Nur deshalb konnte er auf der Linken-Party auftauchen."
Nochmals im Tagesspiegel prangert die Schriftstellerin Eva Menasse, die zusammen mit Deborah Feldman und anderen einen Aufruf jüdischer Israelkritiker für die Linkspartei unterschrieben hat (unser Resümee), diese "Instrumentalisierung jüdischer Ängste" an. "Diese ständige wüste Vermischung von Antisemitismusvorwurf und vollkommen berechtigter, demokratischer Kritik an der mörderischen Politik Israels empfinde ich inzwischen als verhetzte Weltsicht", sagt sie im Gespräch mit Gerrit Bartels. Auch auf die Medien schimpft sie: "Sie in den Medien glauben, Sie seien gute Deutsche, wenn Sie brav dem Zentralrat der Juden folgen, der deutschen Staatsräson frönen und die progressiven, linken Juden, von denen es wirklich viele gibt, einfach ignorieren."
Die taz findet das mit dem Antisemitismusvorwurf gegen die Linkspartei zwar auch doof, aber immerhin recherchieren Anne Fromm und Konrad Litschko heute auch zu den engen Kontakten des Neuköllner Verbandes mit Terrorbefürwortern wie Ibrahim Ibrahim. "Die Neuköllner Linke-Chefin Jorinde Schulz sagt der taz, es seien keine anderen Organisationen in den Linke-Wahlkampf eingebunden gewesen. Auf die Frage, wie sie die gemeinsamen Auftritte von Linken mit Ibrahim bewertet, antwortet sie: 'Das Umsichgreifen von Kontaktschuldvorwürfen in der politischen Debatte sehen wir als Ausdruck eines autoritären Wandels.' Eine Distanzierung klingt anders."
Dei taz-Kolumnistin Erica Zingher, selbst Jüdin, schreibt: "Nach den Reaktionen vieler Linker auf den 7. Oktober, das Hamas-Massaker in Israel, war ich abgeklärt. Und doch lässt mich diesmal nicht los, wie leichtfertig jetzt nach der Wahl antisemitische Ausfälle innerhalb der Berliner Linke-Partei zu einem unwichtigen Nebenwiderspruch erklärt werden. Wie reflexhaft abgewehrt wird, statt Antisemitismus und den Umgang damit als etwas zu betrachten, das mit dem eigenen linken Selbstverständnis nicht zusammengeht."
Andreas Fanizadeh erinnert in der taz an die lange Geschichte des rechtsextremen Terrorismus in Deutschland, besonders nach dem Mauerfall - aber er sieht die Extremisten in der Linken als ein paralleles Phänomen: "Das Beispiel Ferat Koçak macht es deutlich: Es gibt im autoritären Flügel der Linken Kräfte, die über ihre Kritik am Vorgehen Israels im Gazakrieg zur Verallgemeinerung von Israelhass und Antisemitismus beitragen wollen, um diese als dauerhaften Faktor in der deutschen Innenpolitik zu etablieren. Die mangelnde Abgrenzung der Linken zu notorisch antisemitischen, panislamischen und panarabischen Szenen ist eine Steilvorlage für den völkisch-deutschen Rechtsextremismus. "
Christian Zaschke, in der SZ zuständig für die Linkspartei, schreibt einen etwas wortreichen Brief an die Partei, der dann aber doch zur Sache kommt: "Fangen wir mit dem einfachen Fall an. Dass der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak mit dem Sohn eines Clanchefs Textnachrichten austauscht und dessen Vater 'mit Respekt' grüßt: Hast du einen Begriff davon, wie irrsinnig das ist? Koçak sitzt im Innenausschuss des Bundestags, in dem es unter anderem um die Fragen der Inneren Sicherheit Deutschlands geht. Dieses Mitglied des Innenausschusses schreibt sich Nachrichten mit dem Sohn eines Clanbosses, und der Clanboss selbst taucht am vergangenen Sonntag auf der Linken-Wahlparty in Neukölln auf und zeigt das Victory-Zeichen. Wenn ich das hier so nüchtern hinschreibe - merkst du es dann?" Zaschkes wohlmeinender Rat an die Partei: "Du musst die Antisemiten rausschmeißen. Alle."
Rainer Hank reflektiert im Wirtschaftsteil der FAZ noch mal die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin: In beiden Ländern haben weit über die Hälfte der jungen Wähler für die "Parteien der Ränder" gestimmt - und das heißt gegen die "soziale Marktwirtschaft", meint Hank: "Sozialpolitisch sind Linke und AfD heute beide antimarktwirtschaftliche Parteien." Bei der Linkspartei liegt das auf der Hand, so Hank. Aber auch die AfD habe sich "sozialpolitisch stark nach links bewegt. Sie verbindet das Programm nationaler Abschottung mit einem üppigen Sozialstaatsversprechen: großzügige Absicherung für die als zugehörig definierte Bevölkerung, nicht zuletzt die im Rentenalter, dafür eine Begrenzung des Zugangs für Migranten. Man kann das national-sozial nennen."
=============
Der Westen ist gegenüber Russland nach wie vor unschlüssig, schreibt Andreas Rüesch im Leitartikel der NZZ. So beantwortete Deutschland einen Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen mit der Schließung von Institutionen. "Überzeugender wäre eine Politik, die jeden russischen Übergriff auf Nato-Gebiet mit einer Steigerung der Ukraine-Hilfe beantwortet." Einen Angriff Russlands auf Länder des Baltikums hält Rüesch trotz der wirtschaftlichen Schwäche Russlands für möglich: "Es wäre ein Fehlschluss, sich unter einer russischen Offensive im Baltikum etwas Ähnliches wie die verzettelten Kleinangriffe schlecht ausgerüsteter Infanteristen im Donbass vorzustellen. Der Kreml würde nicht auf einen langwierigen Abnützungskrieg setzen wie gegen die Ukraine, sondern auf die blitzartige Besetzung strategischer Schlüsselpunkte im Ostseeraum. Diese Gefahr ist real, denn anders als die Ukrainer beherrschen die Nato-Armeen den modernen Drohnenkampf noch nicht."
Vierzig Jahre Rechtspopulismus. Der Rechtswissenschaftler Peter Techet erinnert in der NZZ: "Angefangen hat es also mit Österreich... am 13. September 1986, als in Innsbruck ein junger Politiker, Jörg Haider, zum Parteivorsitzenden der FPÖ gewählt wurde." Und die Deutung des Phänomens war sofort falsch: "Sein Aufstieg wurde als Rückkehr einer dunklen Geschichte missverstanden - obwohl Haider vielmehr eine neue Epoche der Rechten einläutete: jene des postmodernen Populismus, der im Namen des 'Volkes' keine klare Ideologie mehr vertritt, sondern ganz unterschiedliche Unzufriedenheiten bespielt. Die FPÖ war die Partei des 'dritten Lagers' in Österreich - eine merkwürdige Mischung aus Altnazis und Liberalen, bürgerlich, deutschnational, geschichtsverklärend und staatskritisch zugleich."
Kulturmarkt
Julia Encke und Tobias Rüther unterhalten sich für die FAS mit Reinhold Neven Du Mont, Helge Malchow und Kerstin Gleba über drei Generationen Kiepenheuer & Witsch. Auch die traurige Episode der Fatwa gegen Rushdie wird kurz erwähnt (aber die Interviewer fragen nicht nach, Rushdie erinnert sich in "Joseph Anton" sehr kritisch an KiWi). Zu den aktuellen Herausforderungen sagt Gleba: "Ich glaube, der Kontinent, den es jetzt zu erkunden gilt, ist KI, mit all den Implikationen, die da sind: Wie können wir uns da weiterentwickeln? Wie können wir standhalten, und wie können wir das schützen, was wir für schützenswert halten, nämlich die menschliche Kreativität, das Vertrauen der Autorinnen und Autoren in uns und auch das Vertrauen des Publikums, dass das, was sie von uns bekommen, von Menschen erzeugte Werke sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dem Buch ergehen könnte wie der Schallplatte. Sie war praktisch aussortiert, und mittlerweile werden wieder mehr Vinyls verkauft als CDs."
Kulturpolitik
Den Angestellten der Goethe-Institute überall in der Welt geht es gut, und sie haben einen tollen Job. Künstler, die eingeladen werden, sollen sich geehrt fühlen, finden sie. Aber auch honoriert? Die Schriftstellerin Nora Bossong protestiert in der FAZ: "Kürzlich wurden mir für rund dreißig Stunden Arbeitsaufwand 250 Euro angeboten. Das sind 8,33 Euro pro Stunde, sechzig Prozent des Mindestlohns. Natürlich, als Freiberuflerin trage ich meine ökonomischen Risiken, niemand hat mich dazu gezwungen, diesen seltsamen Beruf zu ergreifen. Aber bei einer Dienstleistung, für die ich angefragt werde, erstaunen mich solche Angebote dann doch. Ein Lieferando-Fahrer erhält knapp das Doppelte, plus Trinkgeld, und auch bei ihm würde ich nicht von fairer Bezahlung sprechen. Das Goethe-Institut unterschreitet so großzügig selbst die Entlohnungen prekärster Jobs, dass ich mich frage, ob die Bezahlung von Autorinnen auch der Wertschätzung entspricht, die eine der prestigeträchtigsten deutschen Kultureinrichtungen der Kultur entgegenbringt."
Ideen
Es gibt ja viele Theorien über das Aufkommen des Rechtspopulismus in Europa. Hier die des britischen Historikers James Hawes im Gespräch mit Michael Hesse von der FR: "Ähnliche Entwicklungen sehen wir auch in Italien, Frankreich und Irland. Sie haben viel mit den verheerenden Fehlentscheidungen nach der sogenannten Finanzkrise zu tun. Das gilt besonders für die in Deutschland verbreitete Fixierung auf Sparpolitik und Schuldenbremsen. Hinzu kamen die Folgen der Corona-Pandemie. All das hat in vielen Ländern zu einem Verlust des Vertrauens in die Institutionen der liberalen, bürgerlichen Staaten geführt. In Deutschland erscheint die Entwicklung besonders dramatisch, weil die Deutschen ihre eigene Geschichte zumindest teilweise kennen und fürchten, dass sich bestimmte Dinge wiederholen könnten."
Weiteres: Nach Professor Kant haben vor allem Häretiker das Menschenbild neu geformt, schreibt der Philosoph Otfried Höffe in der NZZ: "Drei herausragende Existenzphilosophen haben besonders eigenwillige Beiträge geleistet und das Denken auf neue Wege geführt: Sören Kierkegaard, Friedrich Nietzsche und Albert Camus."
Weiteres: Nach Professor Kant haben vor allem Häretiker das Menschenbild neu geformt, schreibt der Philosoph Otfried Höffe in der NZZ: "Drei herausragende Existenzphilosophen haben besonders eigenwillige Beiträge geleistet und das Denken auf neue Wege geführt: Sören Kierkegaard, Friedrich Nietzsche und Albert Camus."
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