9punkt - Die Debattenrundschau
Nur noch eine Last für Dänemark
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.01.2026. Armin Nassehi spricht in der FAS aus, was wir los wären, wenn wir die Mullahs los wären: einen Klerikalfaschismus, der eine ganze Region in seinem Bann hält. Aber es gibt viele pessimistische Stimmen zum Iran: Das System zeige keine Risse, meinen viele Kommentatoren - das iranische Bankensystem aber schon, ergänzt der Wirtschaftsteil der FAZ. Dänemark hat schon mal Inseln an die Amerikaner verkauft, erinnert die FR. Die SZ staunt über die Sanierung deutscher Opernhäuser, die Unsummen kostet und allseits akzeptiert wird. Die FAS erzählt, wie sich das gallische Dorf Schleswig-Holstein gegen die Cäsaren von Microsoft stemmt.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
17.01.2026
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Politik
Das bisschen Hoffnung, das die Iraner in der schrecklichen Unterdrückung durch das Mullah-System noch haben könnten, moderiert Karim El-Gawhary in der taz gleich ab. Danach wird's auch nicht besser, ist er sicher: "Die Bilder aus dem Land sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Regime und dessen Ideologie in Teilen der Gesellschaft stark verwurzelt ist, es gibt genug Profiteure, die deshalb daran festhalten. Und so sind die wahrscheinlichsten Szenarien nach einem Sturz des Regimes keine demokratischen. Ein Teil des Sicherheitsapparats könnte sich vom Regime trennen. Die Prätorianer lassen die Herrscher fallen, zu dessen Schutz sie gegründet worden sind. Die Revolutionsgarden könnten die Mullahs als Last für ihre weitere Macht ansehen und diese einfach selbst übernehmen." Und auf die Israelis und Amerikaner sollte man besser auch nicht hoffen, die würden mit den Revolutionsgarden einfach zusammenarbeiten, so El-Gawhary.
Völlig anders sieht das ebenfalls in der taz Andreas Fanizadeh, der durchaus auf Reza Pahlavi als Einigungsfigur setzt: "Dass es auch im Exil Stimmen gibt, die ein Bündnis der Laizisten mit den früheren Monarchisten in Frage stellen, ist wenig verwunderlich. Seltsam ist es allerdings, Reza Pahlavi in alter antiisraelischer Diktion anzugehen. Tatsächlich wäre Israel wahrscheinlich ein wichtiger Verbündeter eines wenn einmal freien Irans. Daraus machen weder Reza Pahlavi noch demokratische Linke ein Hehl. Wer sollte etwas dagegen haben? Die Islamisten natürlich."
Grünen-Politiker Omid Nouripour spricht sich in einem Interview ebenfalls in der taz für eine Listung der Revolutionsgarden als Terrororganisation aus (die zu Zeiten der Ampel leider auch nicht durchgesetzt wurde): "Die Listung ist nicht nur reine Symbolik. Die Revolutionsgarde hat eine Schattenwirtschaft, die wahrscheinlich größer ist als die offizielle Volkswirtschaft des Landes, damit finanziert sie ihre Unterdrückungsmaschinerie. Es geht darum, dass sie ihre Geschäfte in Europa nicht weiter betreiben kann. Auch die Frage von Privatvermögen der Regime-Schergen ist wichtig, davon gibt es in Europa viel."
Die FAS sammelt Stimmen aus der iranischen Diaspora, unter anderem die des Soziologen Armin Nassehi, der benennt, wofür das iranische System weltpolitisch steht: "Die Fluchtbewegungen Richtung Europa und die politischen Folgen dort, die Bekämpfung von gemäßigten säkularen Kräften in der Region, das Hintertreiben jeglichen Ausgleichs mit Israel bis hin zum 7. Oktober, sogar die innenpolitische Dynamik Israels - für all das ist das iranische Gewaltregime mittelbar und unmittelbar verantwortlich. Es hat Gewalt über ein gut ausgebildetes Land mit einer inzwischen extrem säkularen, demokratieaffinen Bevölkerung mit brutalsten Mitteln ausgeübt - und ist damit im Fadenkreuz chinesischer und russischer Interessen zu weltpolitischer Bedeutung gelangt."
Sehr düster äußert sich der israelische Geheimdienstfachmann Dennis Citrinowicz, den Friederike Böge ebenfalls für die FAS befragt: "Es sieht so aus, als ob das Regime weiter zusammenhält. Sie folgen Khameneis Befehlen und unterdrücken weiterhin jede Demonstration mit Gewalt. Es gibt definitiv keine Risse im System. Es ist schwer zu sagen, wie viele Demonstrationen es noch gibt, aber sie nehmen definitiv nicht zu. Man muss sagen, dass das Ausmaß der Gewalt nach Khameneis Rede am Freitag beispiellos für Iran ist. Ich bin sicher, dass das und die Internetsperre die führungslose Oppositionsbewegung daran hindern wird, etwas Substanzielles zu erreichen."
Wirtschaflich ist das Regime allerdings stark geschwächt, notiert Philip Plickert auf den Wirtschaftsseiten der FAZ, unter anderem machen Banken reihenweise Pleite: "Das liegt an Misswirtschaft und grassierender Korruption, die Landwirtschaft leidet unter einer lang andauernden Dürre. Drastisch verschärft wurde die Lage durch die westlichen Sanktionen gegen Irans Ölexporte und den Ausschluss der Banken aus dem SWIFT-System für Überweisungen. China bleibt als Hauptabnehmer des iranischen Öls, zahlt jedoch nur Dumpingpreise. Geschwächt hat Teheran auch der Ausgang des Zwölftagekriegs mit Israel und den USA im Juni 2025."
Außenpolitisch hat Trump weder eine Monroe-, noch eine Donroe-Doktrin, noch sonst irgendeinen Plan. Er handelt aus schierem Narzissmus und Eigeninteresse, meint der Politologe Jeremy Shapiro vom European Council on Foreign Relations im Gespräch mit Zeit online. Und hat damit Erfolg bei seinen Anhängern: "Trumps Anhänger lehnen große, kostspielige Kriege ab, nicht aber begrenzte, risikoarme Militäreinsätze. Wenn Trump einen äußeren Feind heraufbeschwört, schnellen Erfolg verspricht und dabei wenig riskiert, tragen viele das mit. Trump hat das erkannt. Deshalb setzt er auf Operationen, die billig sind, kurz dauern und keine amerikanischen Leben kosten." Die SZ blickt unterdessen in einem Dossier auf das erste Jahr Trump 2.0 zurück: "Eine Demokratie erlischt."
Völlig anders sieht das ebenfalls in der taz Andreas Fanizadeh, der durchaus auf Reza Pahlavi als Einigungsfigur setzt: "Dass es auch im Exil Stimmen gibt, die ein Bündnis der Laizisten mit den früheren Monarchisten in Frage stellen, ist wenig verwunderlich. Seltsam ist es allerdings, Reza Pahlavi in alter antiisraelischer Diktion anzugehen. Tatsächlich wäre Israel wahrscheinlich ein wichtiger Verbündeter eines wenn einmal freien Irans. Daraus machen weder Reza Pahlavi noch demokratische Linke ein Hehl. Wer sollte etwas dagegen haben? Die Islamisten natürlich."
Grünen-Politiker Omid Nouripour spricht sich in einem Interview ebenfalls in der taz für eine Listung der Revolutionsgarden als Terrororganisation aus (die zu Zeiten der Ampel leider auch nicht durchgesetzt wurde): "Die Listung ist nicht nur reine Symbolik. Die Revolutionsgarde hat eine Schattenwirtschaft, die wahrscheinlich größer ist als die offizielle Volkswirtschaft des Landes, damit finanziert sie ihre Unterdrückungsmaschinerie. Es geht darum, dass sie ihre Geschäfte in Europa nicht weiter betreiben kann. Auch die Frage von Privatvermögen der Regime-Schergen ist wichtig, davon gibt es in Europa viel."
Die FAS sammelt Stimmen aus der iranischen Diaspora, unter anderem die des Soziologen Armin Nassehi, der benennt, wofür das iranische System weltpolitisch steht: "Die Fluchtbewegungen Richtung Europa und die politischen Folgen dort, die Bekämpfung von gemäßigten säkularen Kräften in der Region, das Hintertreiben jeglichen Ausgleichs mit Israel bis hin zum 7. Oktober, sogar die innenpolitische Dynamik Israels - für all das ist das iranische Gewaltregime mittelbar und unmittelbar verantwortlich. Es hat Gewalt über ein gut ausgebildetes Land mit einer inzwischen extrem säkularen, demokratieaffinen Bevölkerung mit brutalsten Mitteln ausgeübt - und ist damit im Fadenkreuz chinesischer und russischer Interessen zu weltpolitischer Bedeutung gelangt."
Sehr düster äußert sich der israelische Geheimdienstfachmann Dennis Citrinowicz, den Friederike Böge ebenfalls für die FAS befragt: "Es sieht so aus, als ob das Regime weiter zusammenhält. Sie folgen Khameneis Befehlen und unterdrücken weiterhin jede Demonstration mit Gewalt. Es gibt definitiv keine Risse im System. Es ist schwer zu sagen, wie viele Demonstrationen es noch gibt, aber sie nehmen definitiv nicht zu. Man muss sagen, dass das Ausmaß der Gewalt nach Khameneis Rede am Freitag beispiellos für Iran ist. Ich bin sicher, dass das und die Internetsperre die führungslose Oppositionsbewegung daran hindern wird, etwas Substanzielles zu erreichen."
Wirtschaflich ist das Regime allerdings stark geschwächt, notiert Philip Plickert auf den Wirtschaftsseiten der FAZ, unter anderem machen Banken reihenweise Pleite: "Das liegt an Misswirtschaft und grassierender Korruption, die Landwirtschaft leidet unter einer lang andauernden Dürre. Drastisch verschärft wurde die Lage durch die westlichen Sanktionen gegen Irans Ölexporte und den Ausschluss der Banken aus dem SWIFT-System für Überweisungen. China bleibt als Hauptabnehmer des iranischen Öls, zahlt jedoch nur Dumpingpreise. Geschwächt hat Teheran auch der Ausgang des Zwölftagekriegs mit Israel und den USA im Juni 2025."
Außenpolitisch hat Trump weder eine Monroe-, noch eine Donroe-Doktrin, noch sonst irgendeinen Plan. Er handelt aus schierem Narzissmus und Eigeninteresse, meint der Politologe Jeremy Shapiro vom European Council on Foreign Relations im Gespräch mit Zeit online. Und hat damit Erfolg bei seinen Anhängern: "Trumps Anhänger lehnen große, kostspielige Kriege ab, nicht aber begrenzte, risikoarme Militäreinsätze. Wenn Trump einen äußeren Feind heraufbeschwört, schnellen Erfolg verspricht und dabei wenig riskiert, tragen viele das mit. Trump hat das erkannt. Deshalb setzt er auf Operationen, die billig sind, kurz dauern und keine amerikanischen Leben kosten." Die SZ blickt unterdessen in einem Dossier auf das erste Jahr Trump 2.0 zurück: "Eine Demokratie erlischt."
Geschichte
Dänemark hat ja schon mal Inseln an die USA verkauft, erinnert Arno Widmann in der FR, die Virgin Islands in der Karibik im Jahr 1917. Die Inseln hatten sich für Dänemark einfach nicht mehr gelohnt: "Den Sklavenhandel hatte Dänemark offiziell zwar schon im Jahr 1792 abgeschafft. Aber die Sklaverei in den westindischen Kolonien bestand weiter. Es gab immer wieder Aufstände dagegen. Bis endlich nach einem weiteren Aufstand auf der Insel St. Croix am 3. Juli 1848 der dänische Gouverneur die Sklaverei beendete. Das war das Aus nun auch für die Zuckerplantagen. Die Kolonien waren nur noch eine Last für Dänemark."
Medien
Die Repubblica, einst vielleicht die beste Zeitung Europas, gegründet vor fünfzig Jahren, weltweites Vorbild eines modernen Zeitungslayouts mit einer Auflage von 800.000, soll verkauft werden - zusammen mit der gesamten Gedi-Gruppe, zu der auch La Stampa, ein anderes Flaggschiff der italienischen Presse, gehört. Verkäufer ist John Elkann, heutiger Chef des Agnelli-Clans. Elisa Britzelmeier berichtet für die SZ, auch über die Proteste gegen die Pläne, zumal der Käufer, eine griechische Gruppe, dem Trumpismus nahestehen soll. Aber zuvor hatte sich die Repubblica aus eigener Kraft heruntergewirtschaftet: "Der gesamte italienische Zeitungsmarkt ist eingebrochen, die Repubblica aber steht besonders schlecht da: Im November 2025 verkaufte die Zeitung nur noch etwa 56.600 gedruckte Exemplare im Einzelverkauf. Auch inklusive Digitalabos bleiben die Zahlen weit hinter dem Marktführer Corriere della Sera zurück. Dabei lagen die beiden einmal fast gleich auf."
Kulturpolitik
Die zu sanierenden Opernhäuser Deutschlands erweisen sich sämtlich als lauter "Stuttgarts 21": Unter einer Milliarde Euro ist da gar nichts zu machen. Da muss Peter Richter in der SZ schon staunen: "Wir sprechen hier immerhin von Ausgaben, die sich landauf, landab allmählich den sogenannten Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur entgegensummieren, ohne dass jemand ernsthaft Einwände laut werden ließe. Das ist in diesem sonst so nörgeligen Land vielleicht das Allerverblüffendste an der großen Verblüffungsmaschine Oper. Sie gilt offenbar immer noch als so wichtig und staatstragend (früher wurde fürs Opernhaus gern der fürstliche Baustil Barock gewählt), dass auch die, die selber nicht hingehen, sie als teuer, aber notwendig abnicken - so wie Krankenhäuser, Kernforschungsinstitute oder ähnliche Respektsinstitutionen."
Digitalisierung
Die Cloud funktioniert so: Ein Unternehmen macht dich von seiner Software abhängig, und dann musst du monatlich immer höhere Gebühren zahlen - während die Börsen die Unternehmen mit vier Billionen Dollar bewerten. Das einzige Gegenmittel ist Open-Source-Software. Die Stadt München hatte sich ja mal von Open Source verabschiedet, damit Microsoft eine Niederlassung in der Stadt gründet. Nun versucht mit Schleswig-Holstein endlich mal ein Bundesland, auf Open Source umzustellen, durchaus mit Erfolg, so scheint es. Julian Staib berichtet in der FAS: "Open Source ist nicht kostenfrei, es werden Firmen für Support und Service bezahlt. Das Land spart aber die exorbitant steigenden Lizenzgebühren. Im vergangenen Jahr hat Schleswig-Holstein vermieden, 28.000 neue Microsoft-Lizenzen zu erwerben, und so rund 15 Millionen Euro gespart. In die Umstellung auf Open Source und die Migration der Konten sind einmalig neun Millionen Euro geflossen."
Europa
Putins Krieg gegen die Ukraine (und Europa) dauert seit dem 11. Januar länger als der "große vaterländische Krieg" Stalins gegen Nazideutschland. Und er wird nicht so bald enden, fürchtet Viktor Jerofejew in der FAZ: "Putin wird in diesem Krieg gesiegt haben, wenn in Kiew seine Marionette sitzt, jemand wie Lukaschenko in Belarus. Deswegen unternimmt Russland alles, um den Durchhaltewillen der ukrainischen Bevölkerung aufzureiben. Doch selbst wenn das gelänge, würde der Krieg nicht enden, sondern sich in eine Partisanenbewegung verwandeln, wie es nach 1945 in der West-Ukraine geschah. Falls Putin den Krieg nicht beendet, wird der ihn bis zu seinem Tod begleiten."
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