9punkt - Die Debattenrundschau
Kannst du mir gefährlich werden?
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.10.2025. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg scheint zustande zukommen. Nach der Hamas hat auch die israelische Regierung zugestimmt, die Geiseln werden freikommen. Natürlich bleibt die Lage heikel. Wie heikel sie im Alltag ist, erzählt die israelische Psychologin Ayelet Gundar-Goshen im Gespräch mit der NZZ. In Europa wird unterdessen über den Antisemitismus der Linken diskutiert. Und über das Schwanken der Demokratien, das vor allem der Rechten angelastet wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
10.10.2025
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Politik
Die Times of Israel bringt am frühen Morgen die erlösende Meldung: "Das Kabinett von Premierminister Benjamin Netanjahu stimmte am frühen Freitagmorgen für ein Waffenstillstandsabkommen für den Gazastreifen, das die Freilassung von Geiseln im Austausch gegen palästinensische Sicherheitshäftlinge und eine Einstellung der Kämpfe vorsieht, trotz lautstarker Einwände der rechtsextremen Koalitionspartner des Premierministers."
Nun werden etwa zwanzig lebende und dreißig von der Hamas ermordete Geiseln gegen 2.000 palästinensische Häftlinge ausgetauscht, schrieb Felix Wellisch in der taz noch vor der Zustimmung des israelischen Kabinetts. Auch nach der Billigung durch das Kabinett blieben noch viele Fragen: "Bis wohin genau sollen sich die israelischen Truppen zurückziehen? Wie steht die Hamas zu der Bedingung, ihre Waffen abzugeben, was sie stets abgelehnt hatte? Von wem wird der Gazastreifen in Zukunft regiert und wer wird dort für Sicherheit sorgen? Trump schrieb dazu lediglich: 'Alle Parteien werden fair behandelt'." Jetzt kommt es darauf an den Druck zu erhöhen, meint ebendort Lisa Schneider, "vor allem auf Israel, das nach der Rückkehr der Geiseln in einer noch stärkeren Position sein wird als zuvor".
"Das Gaza-Abkommen ist ein beeindruckender Erfolg für Trump und Netanjahu - vorausgesetzt, es hält", kommentiert Lazar Berman in der Times of Israel. "Wenn das Abkommen in die zweite Phase übergeht, in der die Hamas durch eine unabhängige palästinensische Regierungsbehörde ersetzt wird und glaubwürdig entwaffnet sein muss, wird dieser Feldzug als einer der größten Siege Israels in die Erinnerung eingehen - zwei Jahre nach seinem tödlichsten Debakel. ... Eine dritte Phase könnte durchaus eine Welle von Normalisierungsabkommen mit arabischen und muslimischen Staaten sein - wiederum, wenn alles nach der Vision von US-Präsident Donald Trump verläuft, was keineswegs garantiert ist."
Ein guter erster Schritt ist das Abkommen, denkt sich ein skeptischer Tomas Avenarius in der SZ, aber entscheidend für einen echten Frieden ist, wie es jetzt weitergehen soll, und dazu würde gehören, dass Israelis und Palästinenser sich der Realität stellen: Eine Zweistaatenlösung ist durch die israelische Siedlungspolitik unmöglich geworden. "Stattdessen das Modell zweier Nationen, die gemeinsam und in einem gemeinsamen Staat auf dem engen Raum des historischen Palästina leben? Undenkbar angesichts des Hasses, der demografischen Realitäten und des gelebten Irrsinns, der sich fälschlicherweise Religion schimpft: ob es die politisierte Form des Glaubens radikaler und militanter Siedler ist, oder der Irrglauben islamistisch verblendeter Muslime in Hamas-Façon. Über das politische Versagen aller Palästinenser-Regierungen seit Jassir Arafats Tagen ist auch längst alles gesagt worden - von der endemischen Korruption über das absurde Hochhalten der Idee des Widerstands bis hin zum Fehlen einer glaubwürdigen, belastbaren und dauerhaften Akzeptanz Israels. Warum die Palästinenser bis heute noch keine Führung gefunden haben, die all dies erfüllt, die Frage muss sich dieses Volk ohne Staat endlich selbst stellen."
Der israelische Historiker Amir Teicher hat seit der Bekanntgabe des Waffenstillstands ein Wechselbad der Gefühle durchlebt, erzählt er in der SZ. Aber am Ende ist er sicher: Es braucht ein Wunder, um dieses Waffenstillstandsabkommen in einen echten Frieden zu verwandeln: "Aufzuhören, aufeinander zu schießen, ist ein guter Anfang, aber ein sehr bescheidener. Wir werden viel Zeit brauchen zum Heilen und Reparieren all dessen, was zerbrochen wurde. Letztendlich jedoch - es sei denn, wir haben genug Empathie-Suchende, die bereit sind, etwas Raum zu geben - sind wir dem Untergang geweiht."
In der Zeit schreiben Colin Ivory Meyer und Jana Rogmann über die israelischen Geiseln, die noch in Gaza festgehalten werden. Insgesamt 251 Menschen hatte die Hamas verschleppt. 148 sind bislang freigegeben, mehr als vierzig wurden in Gefangenschaft ermordet, über den Verbleib von sieben bis 15 Leichen weiß die Hamas laut CNN offenbar nichts. Sie hält 48 Geiseln im Gazastreifen fest, von denen etwa zwanzig noch leben sollen. "Unter ihnen sieben Männer, die neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen: Tamir Adar, Rom Braslavski, Ziv Berman und Gali Berman, Itay Chen, Tamir Nimrodi und Alon Ohel. Die weiteren Geiseln, von deren Überleben Israel ausgeht, sind Elkana Bohbot, Ariel und David Cunio, Evyatar David, Guy Gilboa-Dalal, Maxim Herkin, Bipin Joshi, Segev Kalfon, Bar Abraham Kuperstein, Omri Miran, Eitan Abraham Mor, Yosef-Haim Ohana, Avinatan Or und Matan Zangauker. ... Welche Folgen es für den Deal haben könnte, dass einige der getöteten Geiseln möglicherweise verschollen bleiben, ist unklar."
Nun werden etwa zwanzig lebende und dreißig von der Hamas ermordete Geiseln gegen 2.000 palästinensische Häftlinge ausgetauscht, schrieb Felix Wellisch in der taz noch vor der Zustimmung des israelischen Kabinetts. Auch nach der Billigung durch das Kabinett blieben noch viele Fragen: "Bis wohin genau sollen sich die israelischen Truppen zurückziehen? Wie steht die Hamas zu der Bedingung, ihre Waffen abzugeben, was sie stets abgelehnt hatte? Von wem wird der Gazastreifen in Zukunft regiert und wer wird dort für Sicherheit sorgen? Trump schrieb dazu lediglich: 'Alle Parteien werden fair behandelt'." Jetzt kommt es darauf an den Druck zu erhöhen, meint ebendort Lisa Schneider, "vor allem auf Israel, das nach der Rückkehr der Geiseln in einer noch stärkeren Position sein wird als zuvor".
"Das Gaza-Abkommen ist ein beeindruckender Erfolg für Trump und Netanjahu - vorausgesetzt, es hält", kommentiert Lazar Berman in der Times of Israel. "Wenn das Abkommen in die zweite Phase übergeht, in der die Hamas durch eine unabhängige palästinensische Regierungsbehörde ersetzt wird und glaubwürdig entwaffnet sein muss, wird dieser Feldzug als einer der größten Siege Israels in die Erinnerung eingehen - zwei Jahre nach seinem tödlichsten Debakel. ... Eine dritte Phase könnte durchaus eine Welle von Normalisierungsabkommen mit arabischen und muslimischen Staaten sein - wiederum, wenn alles nach der Vision von US-Präsident Donald Trump verläuft, was keineswegs garantiert ist."
Ein guter erster Schritt ist das Abkommen, denkt sich ein skeptischer Tomas Avenarius in der SZ, aber entscheidend für einen echten Frieden ist, wie es jetzt weitergehen soll, und dazu würde gehören, dass Israelis und Palästinenser sich der Realität stellen: Eine Zweistaatenlösung ist durch die israelische Siedlungspolitik unmöglich geworden. "Stattdessen das Modell zweier Nationen, die gemeinsam und in einem gemeinsamen Staat auf dem engen Raum des historischen Palästina leben? Undenkbar angesichts des Hasses, der demografischen Realitäten und des gelebten Irrsinns, der sich fälschlicherweise Religion schimpft: ob es die politisierte Form des Glaubens radikaler und militanter Siedler ist, oder der Irrglauben islamistisch verblendeter Muslime in Hamas-Façon. Über das politische Versagen aller Palästinenser-Regierungen seit Jassir Arafats Tagen ist auch längst alles gesagt worden - von der endemischen Korruption über das absurde Hochhalten der Idee des Widerstands bis hin zum Fehlen einer glaubwürdigen, belastbaren und dauerhaften Akzeptanz Israels. Warum die Palästinenser bis heute noch keine Führung gefunden haben, die all dies erfüllt, die Frage muss sich dieses Volk ohne Staat endlich selbst stellen."
Der israelische Historiker Amir Teicher hat seit der Bekanntgabe des Waffenstillstands ein Wechselbad der Gefühle durchlebt, erzählt er in der SZ. Aber am Ende ist er sicher: Es braucht ein Wunder, um dieses Waffenstillstandsabkommen in einen echten Frieden zu verwandeln: "Aufzuhören, aufeinander zu schießen, ist ein guter Anfang, aber ein sehr bescheidener. Wir werden viel Zeit brauchen zum Heilen und Reparieren all dessen, was zerbrochen wurde. Letztendlich jedoch - es sei denn, wir haben genug Empathie-Suchende, die bereit sind, etwas Raum zu geben - sind wir dem Untergang geweiht."
In der Zeit schreiben Colin Ivory Meyer und Jana Rogmann über die israelischen Geiseln, die noch in Gaza festgehalten werden. Insgesamt 251 Menschen hatte die Hamas verschleppt. 148 sind bislang freigegeben, mehr als vierzig wurden in Gefangenschaft ermordet, über den Verbleib von sieben bis 15 Leichen weiß die Hamas laut CNN offenbar nichts. Sie hält 48 Geiseln im Gazastreifen fest, von denen etwa zwanzig noch leben sollen. "Unter ihnen sieben Männer, die neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen: Tamir Adar, Rom Braslavski, Ziv Berman und Gali Berman, Itay Chen, Tamir Nimrodi und Alon Ohel. Die weiteren Geiseln, von deren Überleben Israel ausgeht, sind Elkana Bohbot, Ariel und David Cunio, Evyatar David, Guy Gilboa-Dalal, Maxim Herkin, Bipin Joshi, Segev Kalfon, Bar Abraham Kuperstein, Omri Miran, Eitan Abraham Mor, Yosef-Haim Ohana, Avinatan Or und Matan Zangauker. ... Welche Folgen es für den Deal haben könnte, dass einige der getöteten Geiseln möglicherweise verschollen bleiben, ist unklar."
Gesellschaft


Europa
Auch die britische Demokratie schwankt - und zwar gewaltig. Eva Ladipo macht in der FAZ die Gefahr vor allem rechts aus (den Islamismus und entfesselten Israelhass der Linken verschweigt sie vornehm). Dies Schwanken zerstört den Mythos der sagenhaften Gelassenheit der Briten, die dank Rasenpflege und demokratischem Pragmatismus vor allen Anfechtungen gefeit seien. "Der Glaube an diese gelassene Liberalität ist nicht nur identitätsstiftend für die Briten selbst. Er geht weit darüber hinaus. Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass das gesamte Projekt des Westens und der demokratischen Nachkriegsordnung auf diesem Mythos aufbaut. Großbritannien, die Wiege des Parlamentarismus, war schließlich so etwas wie die Geburtshelferin der regelbasierten globalen Ordnung. Es war Churchill, der die Vereinigten Staaten aus der Isolation lockte, die 'Atlantik-Charta' mit verfasste und demokratische Freiheit weltweit zu beschützen suchte." Und nun? "Die alte Selbstsicherheit und das stille Gefühl der Überlegenheit, das jede Art von Prahlerei verbot, sind also dahin."
In Frankreich wurde unterdessen ein Held der Demokratie zum zweiten Mal beerdigt: Robert Badinter, der Justizminister François Mitterrands, dem die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich zu verdanken ist. Sein Sarg wurde in einer der wenigen großen säkularen Totenzeremonien ins Pariser Pantheon überführt - sein Grab war unmittelbar vorher übrigens von Antisemiten geschändet worden. Der Twitter-Post ist von Emmanuel Macron selbst, der zur Zeit mindestens so sehr schwankt wie die britische Demokratie.
In Frankreich wurde unterdessen ein Held der Demokratie zum zweiten Mal beerdigt: Robert Badinter, der Justizminister François Mitterrands, dem die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich zu verdanken ist. Sein Sarg wurde in einer der wenigen großen säkularen Totenzeremonien ins Pariser Pantheon überführt - sein Grab war unmittelbar vorher übrigens von Antisemiten geschändet worden. Der Twitter-Post ist von Emmanuel Macron selbst, der zur Zeit mindestens so sehr schwankt wie die britische Demokratie.
Robert Badinter entre au Panthéon. pic.twitter.com/xaLxDjuxC4
— Emmanuel Macron (@EmmanuelMacron) October 9, 2025
Ideen
Klaus Lederer, ehemals Linkspartei und Kultursenator in Berlin, und der Theatermacher Alexander Karschnia (unsere Resümees) versuchen in der taz eine linke Position zu definieren, die nicht antisemitisch ist - und beziehen sich, ohne sie zu benennen, auf die Positionierungen der heutigen Linkspartei. "Bis heute verweigern viele sich 'palästinasolidarisch' nennende Gruppen nicht nur friedensbewegten Israelis das Rederecht, sondern sogar Palästinenser*innen, die die Hamas verurteilen... Trauriger Tiefpunkt war die 'All Eyes on Gaza'-Demo Ende September in Berlin. Den Organisator*innen wollte es nicht gelingen, an die Geiseln der Hamas zu erinnern, die Gruppe 'Israelis for Peace' durfte keinen Redebeitrag halten. Kein Problem dagegen bereiteten offenbar zahlreiche Symboliken, auf denen Israel von der Landkarte getilgt war - der dystopische Traum der Hamas."
taz-Autor Jan Feddersen folgte in Hamburg einem Gespräch von Eva Illouz und Natan Sznaider über ihr Verhältnis zur Linken, die Israel nach dem 7. Oktober weitgehend verriet. Eva Illouz hat einen Essay darüber veröffentlicht, Sznaider legte offenbar dar, dass er seine Hoffnungen auf die Linke schon sehr viel früher aufgegeben hatte. Was beide sich nun versprechen? "Sznaider hofft auf die Freilassung der Geiseln, unter allen Umständen. Und Illouz besteht darüber hinaus zunächst auf 'Separation', keine voreilig illusionären Peace-&-Understanding-Moves. Alles Weitere werde die Zukunft zeigen."
Wie die in der Linken seit spätestens 1967 beliebte Gleichsetzung der Israelis mit den Nazis funktioniert, erzählt Daniel Rotstein in der FAZ in einem ungewöhnlichen Artikel über einen Auftritt des Holocaustforschers Omer Bartov am Frankfurter Fritz-Bauer-Institut. Bartov erzählte dort zunächst über seine Forschungen in der Ukraine, wo er unter anderem herausgefunden hatte, wie sich die lokale Bevölkerung Wohnungen ermordeter Juden unter den Nagel riss. Dann blendete er zu seiner Kindheit in Hadera, Nordisrael, wo er leere Wohnungen geflohener Araber gesehen hatte. Diese Parallelisierung wurde einfach so stehen gelassen, so Rotstein. "Bartov machte seinem dankbaren deutschen Publikum ... deutlich, dass es keinen Unterschied zwischen der arabischen Bevölkerung in Hadera und dem Holocaust gab. Um zum Schluss seines Vortrags anzufügen, dass die verabscheuungswürdige israelische Regierung nicht davor zurückschrecke, Holocaust-Vergleiche für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Diese Ironie oder vielleicht auch Heuchelei wollte weder dem Publikum noch den Holocaust-Forschern des Instituts auffallen." Rotstein erzählt, wie er in der Diskussion Einwände erhob. "Daraufhin echauffierte sich eine Dame im Publikum über mich, schließlich finde gerade ein 'Holocaust in Gaza' statt."
taz-Autor Jan Feddersen folgte in Hamburg einem Gespräch von Eva Illouz und Natan Sznaider über ihr Verhältnis zur Linken, die Israel nach dem 7. Oktober weitgehend verriet. Eva Illouz hat einen Essay darüber veröffentlicht, Sznaider legte offenbar dar, dass er seine Hoffnungen auf die Linke schon sehr viel früher aufgegeben hatte. Was beide sich nun versprechen? "Sznaider hofft auf die Freilassung der Geiseln, unter allen Umständen. Und Illouz besteht darüber hinaus zunächst auf 'Separation', keine voreilig illusionären Peace-&-Understanding-Moves. Alles Weitere werde die Zukunft zeigen."
Wie die in der Linken seit spätestens 1967 beliebte Gleichsetzung der Israelis mit den Nazis funktioniert, erzählt Daniel Rotstein in der FAZ in einem ungewöhnlichen Artikel über einen Auftritt des Holocaustforschers Omer Bartov am Frankfurter Fritz-Bauer-Institut. Bartov erzählte dort zunächst über seine Forschungen in der Ukraine, wo er unter anderem herausgefunden hatte, wie sich die lokale Bevölkerung Wohnungen ermordeter Juden unter den Nagel riss. Dann blendete er zu seiner Kindheit in Hadera, Nordisrael, wo er leere Wohnungen geflohener Araber gesehen hatte. Diese Parallelisierung wurde einfach so stehen gelassen, so Rotstein. "Bartov machte seinem dankbaren deutschen Publikum ... deutlich, dass es keinen Unterschied zwischen der arabischen Bevölkerung in Hadera und dem Holocaust gab. Um zum Schluss seines Vortrags anzufügen, dass die verabscheuungswürdige israelische Regierung nicht davor zurückschrecke, Holocaust-Vergleiche für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Diese Ironie oder vielleicht auch Heuchelei wollte weder dem Publikum noch den Holocaust-Forschern des Instituts auffallen." Rotstein erzählt, wie er in der Diskussion Einwände erhob. "Daraufhin echauffierte sich eine Dame im Publikum über mich, schließlich finde gerade ein 'Holocaust in Gaza' statt."
Digitalisierung
Vor 55 Jahren trat das hessische Datenschutzgesetz in Kraft, erinnert in der SZ Heribert Prantl. "Dieses Gesetz war eine Großtat, es setzte eine zukunftsweisende Idee in die Welt." Und der droht jetzt "maximale Gefahr" mit dem Versuch der EU, zwecks Kriminalitätsbekämpfung eine anlasslose Massenüberwachung zu ermöglichen, die alle private Kommunikation einbezieht. "Diese Chatkontrolle-Verordnung, über die der EU-Ministerrat am kommenden Dienstag abstimmt, soll der Prävention und Bekämpfung sexueller Gewalt an Kindern dienen. Das ist ein berechtigtes Ziel, das aber nicht mit unberechtigten Mitteln verfolgt werden darf, wie sie die EU ins Auge fasst", so Prantl, der Kritiker des Datenschutzes auch daran erinnert, dass Datenschutz nicht Täterschutz ist, "sondern Schutz vor Tätern, die mit Daten Schindluder treiben; zu dieser Schindluderei zählt es auch, wenn die Gatekeeper von Big Tech ihre Marktmacht ausnutzen, um die Daten ihrer Kunden abzugreifen und deren Profile dann zu Geld machen."
"Bislang hatte Deutschland, vertreten durch die inzwischen abgelöste Ampelregierung, die brisanten Vorschläge auf EU-Ebene nicht abgenickt", berichtet Anna Biselli in Netzpolitik. "Nach langer Unklarheit verkündete die nunmehrige schwarz-schwarz-rote Bundesregierung am Mittwoch, sie werde einer 'anlasslosen' Chatkontrolle gemäß einem Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft nicht zustimmen. Aber zu welchen Kompromissen sie im EU-Rat bereit wäre und ob es rote Linien bei der deutschen Position gibt, ist bislang nicht bekannt."
"Bislang hatte Deutschland, vertreten durch die inzwischen abgelöste Ampelregierung, die brisanten Vorschläge auf EU-Ebene nicht abgenickt", berichtet Anna Biselli in Netzpolitik. "Nach langer Unklarheit verkündete die nunmehrige schwarz-schwarz-rote Bundesregierung am Mittwoch, sie werde einer 'anlasslosen' Chatkontrolle gemäß einem Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft nicht zustimmen. Aber zu welchen Kompromissen sie im EU-Rat bereit wäre und ob es rote Linien bei der deutschen Position gibt, ist bislang nicht bekannt."
Medien
Zeigt guter Journalismus "Haltung"? Ist er aktivistisch oder bemüht er sich besser um Objektivität? Darüber denkt Marco Bertolasco, Nachrichtenchef des Deutschlandfunks, in der FR nach. Ganz ohne Haltung geht's natürlich nicht, meint er. Und Meinung kann man eh in den Meinungsformaten äußern. "Wichtig wäre, die Trennung von Nachricht und Kommentar wieder stärker zu beachten, auch bei Grenzgänger-Formaten wie der Einordnung. In manchen Medienkulturen wird die personelle Trennung von Berichterstattung und Kommentar ebenfalls hochgehalten. In Deutschland ist es dagegen üblich, dass jemand am selben Tag zum selben Thema berichtet und kommentiert. Haltung im Sinne dauernder kommentierender Einfärbungen der Berichterstattung könnte sich als eine der guten Absichten erweisen, mit denen sprichwörtlich der Weg zur Hölle gepflastert ist. Mehr Diversität der Redaktionen und eine größere Perspektivenvielfalt sind dringlich."
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