Bücherschau der Woche
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
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- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Vom Verenden des Verstehens
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter.
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Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2012
Literatur und Kunst druckt einen Essay von Botho Strauss über den Idioten, der "unabhängig und unbefangen unterwegs zur Freiheit ist", so Martin Meyer in einer Einführung. Aber hier Botho Strauss: "Der Idiot wird sein der Erstgeschlagene unter den Menschen, die in Millionenzahl vom Verenden des Verstehens überrascht werden. Er ist ein Gemüt, das sich einmal zu weit ausspannte, sich überdehnte und nie wieder kontrahieren konnte. Der Idiot ist auch der Vorgänger eines technothymen Empfindens des Menschen für sich selbst. Alles, was der Idiot empfindet, empfindet er nämlich als selbstgemachte Empfindung. Von keiner Welt, keinen Sternen, keinen fremden Augen verursacht."
Außerdem: Matthias Lilienthal, scheidender Direktor des Berliner Hebbel am Ufer, spricht im Interview über seine Arbeit dort. Anlässlich einer Ausstellung von Naga-Kunst im Wiener Völkerkundemuseum besucht Samuel Herzog das Nagaland, im äußersten Osten Indiens.
Im Feuilleton erzählt Franz Haas, wie Roberto Saviano im italienischen Fernsehen mit "geistreicher Unterhaltung und informativ schockierenden Fakten ... ein Stimmungsbild aus dem neuesten Italien" liefert. Besprochen werden eine Neuübersetzung von John Cheevers Roman "Falconer", ein Gedichtband von Volker Sielaff und Oksana Sabuschkos Essayband "Planet Wermut" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Der Tagesspiegel, 26.05.2012
Johannes Schneider wünscht sich etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. Das würde zwar nicht so viel Krawall bescheren: "Letztlich wäre es aber die einzig mögliche Grundlage für eine konstruktive kulturelle Debatte, ehrlich anzuerkennen, dass das Privilegieren einer Kultur in diesem Fall die jeweils andere in ihrem Dasein gefährdet. Erst von hier aus ließe sich weiterdenken: welche Rolle klassisches Urhebertum im Verwertungszusammenhang des Netzes haben könnte; inwieweit man sich mit Regularien gegen die mediale Logik des Internets stellen muss, um zu bewahren; inwieweit andererseits ein neues, kollaboratives Künstlertum im Netz zu fördern wäre."
Außerdem: Gerrit Bartels hörte in der Rostlaube Uwes Tellkamps Unseld-Vorlesung und notiert am Ende: "Uwe Tellkamp, das wird am Ende deutlich, ist schon eine sehr spezielle Klasse für sich."
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Die Tageszeitung, 26.05.2012
Der Wissenschaftsphilosoph Ulrich Kühne macht mit einem harschen Vorschlag für die Urheberrechtsdebatte Nägel mit Köpfen: Nach dem Vorbild der gedeckelten Provisionen für Immobilienmakler sollen auch die Verwerter in Zukunft nur noch maximal 6 Prozent der Einnahmen behalten, der Rest möge an die Urheber gehen. Auch für illegale Downloader hätte das Folgen: "Zwar bliebe Raubkopieren weiterhin strafbar, aber bei der Umsetzung der Copyrightgesetze wird sich zwangsläufig Augenmaß und Verhältnismäßigkeit einstellen, wenn die Verwertungs- und Abmahnindustrie, die sich dank der heute exorbitanten Margen parasitär zwischen Produzenten und Konsumenten von geistigem Eigentum gezwängt hat, auf ein volkswirtschaftlich gesundes Maß zurückgestutzt wird."
Weitere Artikel: Khalid El-Kaoutit unterhält sich mit der syrischen Schriftstellerin Samar Yazbek, die seit einem Jahr im Pariser Exil lebt. In Cannes wohnt Cristina Nord bei David Cronenbergs neuem Film "Cosmopolis" der kapitalismuskritischen Betastung einer Prostata bei. Michael Sontheimer erinnert an die blutigen Anfänge des linken Terrorismus in Japan im Jahr 1960 und schildert in einem zweiten Artikel, wie die Japanische Rote Armee 1972 in Israel den ersten Selbstmordanschlag verübte. Cigdem Akyol stellt einen ukrainischen Frauenfußballverein vor, deren Mitglieder ihre Homosexualität nach außen verbergen. Marcel Malachowski deutet Punk als "bedingungslosen Rückbezug auf den antirationalen Körper" . Jan Scheper freut sich auf einen Tag vor dem Fernseher am kommenden Pfingstmontag, an dem arte sich ganz dem Schwarzweiß-Film widmet. Jan Feddersen und Ivor Lytlle taxieren die Eurovision-Kandidaten. Das "Video der Woche", eine Mini-Doku über das Foto-Archiv der New York Times (aus dem sich dieses tolle Fotoblog der NYT speist), lässt Frauke Böger über On- und Offline-Archive nachdenken:
Besprochen werden eine Ausstellung mit "absolut shocking" Fotografien von Larry Clark im C/O Berlin, Christoph Winklers Stück "Dance! Copy! Right?" in den Sophiensälen in Berlin, in dem sich Katrin Bettina Müller bestens über Aporien des Urheberrechts informiert fühlt, und Bücher, darunter Stephen Greenblatts Buch über die Anfänge der Renaissance (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).
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Frankfurter Rundschau / Berliner Zeitung, 26.05.2012
Ingeborg Ruthe führt durch die Ausstellung über Rafaels "Sixtinische Madonna" in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Dem Altarbild bescheinigt Ruthe eine einzigartige Reise aus sakralen Sphären in den Alltagskitsch: "Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts [gewann es] an grenzenloser Popularität (...). Die Maler der Romantik kopierten und variierten, was das Zeug hielt. Das Bild hielt Einzug in die bürgerlichen Wohnzimmer und Salons, in Literatur, Musik, Kunsthandwerk und bald auch das neueste Medium, die Fotografie. Und das Auffälligste: Die beiden Engelchen zu Füßen der Madonna traten eine eigene Karriere rund um den Globus an."
Außerdem berichtet Peter Michalzik über den Stand der Dinge, was Frankfurts Gentrifizierung betrifft. Besprochen werden Jorinde Döses "aufgejugendlichte" Fassung vom "Blauen Engel" am Schauspiel Frankfurt und Bernd Schroeders Roman "Auf Amerika" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).
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Aus den Blogs, 26.05.2012
Im Internet kursieren bereits Parodien auf das neueste Grass-Gedicht. Zum Beispiel hier, auf Zettels Raum:
"Der Vergessenheit nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh..."
So langsam scheint es, als müsse man den European Song Contest ernst nehmen, staunt Wolfgang Michal auf Carta: "Es gibt 'gesetzte' Mannschaften, Lostöpfe, Qualifikationsspiele und Halbfinals - wie bei einer Fußball-Europameisterschaft. Es gibt graue Funktionäre, reiche Oligarchen, dubiose Wettbüros, strenge Sicherheitsmaßnahmen und eine wegsehende Europäische Rundfunkunion - wie bei einer Fußball-Europameisterschaft. Es werden neue Stadien gebaut und maulende Anwohner vertrieben - wie bei einer Fußball-Europameisterschaft."
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Süddeutsche Zeitung, 26.05.2012
Noch'n Gedicht! Nachdem Günter Grass nun offenbar doch noch eine Tintenpatrone aufgetan hat, veröffentlicht er heute unter dem Titel "Europas Schande" ein neues Gedicht. Diesmal geht es ihm um den Umgang Europas mit Griechenland. So heißt es unter anderem:
"(...) Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.
Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt. (...)"
Weiteres: Ein wenig begeisterter Tobias Kniebe bescheinigt dem in Cannes gezeigten neuen Film von David Cronenberg "die intellektuelle Sprengkraft eines Leitartikels im Wirtschaftsteil, der Wall Street zum hunderttausendsten Mal zur Mäßigung aufruft". Tim Neshitov schaut sich die Überlegensstrategien in der Krise verschiedener portugiesischer Künstler an. Wolfgang Schreiber besucht Rolando Villazón bei den Proben von Donizettis "L'elisir d'amore" im Festspielhaus Baden-Baden. Rudolf Neumaier entdeckt beim Blättern durch ein antiquarisch gehobenes Büchlein von Joseph Ratzinger aus dem Jahr 1965, dass der heute traditionalistische Papst seinerzeit ein "Revoluzzer vor dem Herrn" gewesen sei. Beim Lesen neuer Buchveröffentlichungen aus der Verhaltensökonomie lernt Jens-Christian Rabe nebenbei auch manches über die Piratenpartei. Fritz Göttler gratuliert Christopher Lee zum 90. Geburtstag.
In der SZ am Wochenende fragt sich Nikolaus Piper angesichts der Forderungen nach Basisdemokratie von Occupy bis Piratenpartei, warum hierarchische Modelle sich schlussendlich immer durchsetzen. Antworten findet er unter anderem in der Wirtschaftstheorie, die aufzeige, dass auch der basisdemokratisch gedachte freie Markt letztlich hierarchische Unternehmen hervorbringe. Sein Fazit: "Letztlich sind die Kosten einer radikalen Partizipation einfach zu hoch - in einem sehr umfassenden Sinne. Die Menschen haben weder das Geld, noch die Zeit, noch die Informationen, um tagtäglich mitbestimmen zu können. Basisdemokratische Versammlungen werden leicht ausgebeutet von Teilnehmern mit Informations- oder Zeitvorsprung. Und sie haben eine Tendenz, irgendwann repressiv gegenüber abweichenden Meinungen zu werden."
Außerdem: Michael Obert fährt mit einem Laster einmal quer durch Indien. Kristin Rübesamen trifft die Schauspielerin Charlize Theron und denkt dabei über ewige Schönheit nach. Anne Philippi schaut unterdessen am Strand von Kalifornien den Surfern zu. Antje Wewer unterhält sich mit Cate Blanchett über Theater.
Besprochen werden die DVD des Dokumentarfilms "Derrida, anderswo", die Ausstellung über Rafaels "Sixtinische Madonna" in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und Annette Pehnts Roman "Chronik der Nähe" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).
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Die Welt, 26.05.2012
Oh je, Günter Grass hat schon wieder ein Gedicht geschrieben. Wieder macht sich die SZ zum Forum seines späten Mitteilungsbedürfnisses. Diesmal klagt er Europa an, Griechenland fallen zu lassen. Richard Kämmerlings resümiert das Gedicht und die eigene Rezeptionshaltung: "Grass unterstellt, dass 'der Kommissare Claqueure' mit ihren Forderungen nur Griechenlands Selbstmord wollten, das ist einer Anspielung auf Sokrates' Schierlingsbecher zu entnehmen. Doch die Griechen wollen nicht; und so sieht die Kassandra Grass das Ende Europas voraus. Was bleibt, ist Fremdschämen."
Im Feuilleton beklagt sich der Künstler Gregor Schneider im Interview mit Tim Ackermann über die Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev, die seine in einer Kirche geplante Ausstellung durch Intervention beim Bischof wegekelte: "Dass die Documenta Kunst zensieren will, die in eigenständigen Institutionen stattfindet, ist ein Skandal. Man muss dringend die autoritäre, ja totalitäre Rolle der Documenta-Leiterin hinterfragen. Es geht ihr augenscheinlich um eine vollkommene Säuberung des Stadtraums." Schneider erklärt sich bereit, seine Ausstellung doch noch aufzubauen.
Außerdem gratuliert Uwe Schmitt der Golden Gate Bridge zum 75. Thomas Schmid versuchte, bei einer Berliner Rede des Europapolitikers Martin Schulz trotz des Themas Europa die Augen offen zu behalten. Hanns-Georg Rodek resümiert sein Cannes-Erlebnisse kurz vor Schluss des Festivals. Sascha Lehnartz berichtet über Bernard-Henri Lévys Libyen-Dokumentation "Der Eid von Tobruk", die ebenfalls in Cannes lief.
In der Literarischen Welt fragt sich Reinhard Mohr, ob Europa vom Proejekt der Währungsunion nicht Abschied nehmen sollte. Abgedruckt wird ein Text des gerade gestorbenen Arno Lustiger über Berthold Storfer, der Tausende österreichischer Juden rettete. Ruth Klüger schreibt in ihrer Kolumne "Bücher von Frauen" über eine Ausgabe der Romane von Jane Bowles. Besprochen wird unter anderem Stephen Greenblatts Renaissance-Studie "Die Wende" (mehr hier).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2012
Dichtung "ist unerlässlich, aber ich weiß nicht genau, wofür", zitiert Durs Grünbein Jean Cocteau und versucht dann doch eine Standortbestimmung: "Nach vielen Jahren ununterbrochener Praxis kann ich sagen: Das Gedichteschreiben ist wohl zuallererst eine Übung in radikaler Selbsterforschung. Es wendet sich gegen die Generalisierungen. Es unterläuft den Roman der Geschichte, die immer kollektiv voranschreitet, rechthaberisch in ihrem Anspruch, den Einzelnen mit seinen Eigenheiten zu vereinnahmen. Dagegen steht das Gedicht, das aus den Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts gelernt hat. Ich erinnere mich, dass ich der großen Erzählungen sehr müde war, schon am Beginn, als ich anfing, regelmäßig zu schreiben."
Henning Ritter liest die Aphorismen im Tagebuch von Jules Renard und stellt fest: "Man möchte meinen, er habe die Collage entdeckt. Er verwendet eine Technik, die darauf abzielt, die Dinge zu zerlegen und neu zusammenzusetzen, voneinander Entferntes miteinander zu verlöten. So entdeckt Renard, dass die Lichtung im Wald und die Wahrheit etwas miteinander zu tun haben. Was er beiläufig oder zufällig gefunden hat, wird einmal ein Hauptgedanke der Philosophie Heideggers sein."
Weitere Artikel in Bilder und Zeiten: Im Aufmacher erzählt Brigitte van Kann, warum Russen zu den glühendsten Bewunderern von Raffaels Sixtinischer Madonna zählen. Maria Frise unterhält sich mit Donata Elschenbroich über Kindererziehung.
Verena Lueken hat in Cannes die Geschichten von Frauen vermisst: "Sie möblieren den Set, ansonsten bleiben ihre Rollen oft unterentwickelt", schreibt sie im Feuilleton. Mark Siemons denkt über das Demokratieverständnis der Piraten nach. Jürgen Dollase lässt sich von Thomas Thielemann im "Hermannsdorfer Schweinsbräu" bekochen. Andreas Kilb besuchte Uwe Tellkamps Unseld-Vorlesung. Marcus Jauer imaginiert sich Redaktionssitzungen zu fünf Talkshows.
Besprochen werden eine Inszenierung des "Blauen Engels" am Schauspiel Frankfurt, eine Aufführung von Anton Schweitzers Oper "Rosamunde" in Schwetzingen, eine Edition mit Aufnahmen des Pianisten Wilhelm Kempff, eine CD des "Electro-Swingers" Parov Stelar und Bücher, darunter Julia Fischers "Affengesellschaft" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
In der Frankfurter Anthologie stellt Hans Christoph Buch ein Gedicht von Nadja Küchenmeister vor:
"Willkommen und Abschied
mittagshitze. du stellst den koffer neben die tür
und kühlst mit kaltem wasser dein gesicht, drehst
dann wie immer deine runde im garten. er schnaubt
und hebt, noch müde, den kopf: sprich nur ein wort
..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Grenzen spielen eine ambivalente Rolle
25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen
Belebung der Leiber
24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen
Pragmatische Theorie der Tücke
23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus. In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen
Gelegentlich auch finster und bizarr
22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Figur der Jederzeitlichkeit
21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen. Mehr lesen
Auch bei geringsten dynamischen Graden
19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen
Das Theater, es lebt, es lebt
18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen
Sie rezensieren, loben und verbreiten auch
16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen
Viel mit der Hand abgeschrieben
15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen
Von bürgerlichen Medien empfohlen
14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen
Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt
12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen
Auch das Spiel folgt Regeln
11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen
Man versucht, die Revolution herauszuhalten
10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen
Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf
09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen
Die Erklärbärelite dieses Landes
08.05.2012. In der FR erinnert Götz Aly an den Dreißgjährigen Krieg, und Agnes Heller spricht über Marx. In der Welt wundert sich Wolf Lepenies nicht über die Aufnahme Drieu La Rochelles in die Pléiade - die französische Klassikerbibliothek. Und Arnulf Baring wundert sich nicht über Günter Grass. Die NZZ findet, dass Günter Wallraff viel von seinem Nimbus verloren hat. Im Independent geißelt Robert Fisk den Rassismus in den arabischen Ländern. In der taz erklärt der jüdische Tunesier Gilbert Naccache, warum er Strafanzeige gegen die Salafisten stellt. Mehr lesen








