Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Giftig hellblaue Muster

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

29.02.2008. Kronleuchter, Säulen, der Bundespräsident: Martin Walser las in Weimar aus seinem Roman über Goethe. Das deutsche Feuilleton zerfließt vor Rührung, das Schweizer nicht so. Don Alphonso liest zoomer.de. Und zoomer.de liest Don Alphonso. Die FAZ wundert sich: Russland eröffnet Institute für Demokratie, allerdings in Paris und New York. Dass es das Europa-Institut in Petersburg schließt, wundert die Welt dagegen nicht. Die FR hört hintergründig verdorbene Tracks auf der neuen CD von Erykah Badu. Die NZZ staunt über den Einfluss politischer Blogs in Amerika.

Neue Zürcher Zeitung, 29.02.2008

Auf der Medienseite zitiert Sabine Pamperrien amerikanische Studien über den politischen Einfluss von Blogs, der so viel größer ist als hierzulande: "Das populäre linksliberale politische Weblog DailyKos.com wird auf anderen Websites so häufig zitiert wie die Chicago Tribune, das weit rechts stehende Blog Instapundit.com wird öfter zitiert als Sports Illustrated. Die Nutzung der großen politischen Blogs bewegt sich im Millionenbereich."


Weitere Artikel: "ras." kommentiert die Meldung, dass die New York Times wegen sinkender Werbeeinnahmen hundert von 1.300 Redakteursstellen streichen will, außerdem hat die Herausgeberfamilie Sulzberger weitere Aktienanteile an Investoren verloren. Vorgestellt wird außerdem Ivy, ein neues Magazin aus dem Medienhaus Burda, das Lifestyle und Öko verbinden will.

Die slowakische, in der Schweiz lebende Autorin Irena Brezna erinnert sich im Feuilleton an 1968 in Bratislava, als sie mit ihren Mitschülern das Porträt des Staatspräsidenten von der Schulwand riss und mit Füßen trat: "Antonin Novotnys Gesicht herunterzureißen, hieß für uns: die Autorität der Väter zu stürzen, die uns die Beatles, das Tragen von langen Haaren und Miniröcken und damit den Anschluss an die Welt am liebsten verbieten wollten." In den Zeitungen wurde für kurze Zeit offen über den Stalinismus geschrieben: "Der Frühling 1968 war licht, aber nicht, weil er eine lichte Zukunft entwarf, sondern, weil er die Dunkelheit als dunkel benannte."

Joachim Güntner liefert einen farbigen kleinen Bericht von Martin Walsers Lesung aus seinem Goethe-Roman - in Weimar, wo sonst? Anwesend waren Horst Köhler und viel Feuilletonelite: "Zumal die mit Prominenz besetzten ersten Reihen ließen keine Gelegenheit aus und lachten auch dort, wo es nicht passte. Ungehörige Fragen unterblieben."

Besprochen werden die Ausstellung "Le vodou, un art de vivre" im Genfer Musee d'ethnographie, einige Jazz- und Pop-CDs, Bergs "Wozzeck" in Brüssel und Alison Bechdels autobiografischer Comic-Roman "Fun Home".

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Der Tagesspiegel, 29.02.2008

Ein Plakat der belgischen Künstlergruppe Surrend, das in der Berliner Galerie Nord des Kunstvereins Tiergarten ausgestellt war, ist nach Protesten junger Muslime abgehängt worden, berichtet Christina Tilmann: Es seien "sechs sehr erregte junge Männer in der Galerie erschienen und hatten verlangt, ein Kunstwerk abzuhängen und damit gedroht, dass sonst Steine flögen. Anstoß erregt hat ein Plakat mit dem Bildmotiv der Kaaba in Mekka, überschrieben mit der Zeile 'Dummer Stein'. Es ist Teil einer Serie, gefolgt von dem Plakat eines Mannes mit typischer jüdischer Hutbekleidung ('Dummer Hut') und weiteren 'Serienplakaten' ironischen Inhalts."

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Die Tageszeitung, 29.02.2008

Mit Sympathie betrachtet Dirk Knipphals Martin Walser bei seiner Lesung in Weimar: "Kronleuchter, Säulen, der Bundespräsident - alles wurde im Festsaal des Stadtschlosses aufgefahren, um diesen Goethe-Roman und seinen Autor würdevoll zu feiern. Selbst das Wetter spielte mit und zauberte einen Sternenhimmel über die Klassikerstadt. Nur Martin Walsers Krawatte stach aus alledem heraus. Auf ihr befanden sich giftig hellblaue, kaum zu identifizierende Muster; manche Beobachter wollen Autos auf ihr bemerkt haben. Diese Krawatte war das kleine anarchische Moment, ein Hinweis auf eine sympathische Leck-mich-am-Arsch-Haltung in dieser Rundum-Literaturweihe-Inszenierung. Letztlich stand die Krawatte Martin Walser sogar ganz gut. Sie war das, was von seinen üblichen Sujets her - den kleinbürgerlichen, vergrübelten Nicht-mit-sich-klar-Kommern - in diesen Weihewillen hineinragte."


Weiteres: Als fünfzigjähriger Familienvater lebt Musiker Nick Cave in Teilen das bürgerlich-kapitalistische Leben, das er nie führen wollte, gesteht er Thomas Winkler im Interview, und das mache ihn wütend. Nur FAZ und taz gehören unter den Überregionalen noch sich selbst, nachdem die Südwestdeutsche Medienholding ab heute die Verantwortung für die SZ übernommen hat, stellen Steffen Grimberg und Klaus Raab im Medienteil fest.

Besprochen wird Erykah Badus Album "New Amerykah", das laut Tobias Rapp das schwarze Amerika fernab von Barack Obamas Versöhnungsbotschaft präsentiert.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 29.02.2008

Erykah Badu will ihrem neuen Album "New Amerykah Part One" schon in den nächsten zwölf Monaten zwei weitere folgen lassen. Zum Aufwärmen stöbert sie erstmal in der großen Vergangenheit des Soul, notiert Thomas Winkler angetan. "Das ganze Album lässt sich hören als Versuch, seine traditionelle Aufgabe als Soundtrack zur afro-amerikanische Selbstermächtigung zu restaurieren. In der Nachfolge von Marvin Gaye oder Curtis Mayfield, wenn auch mit anderen geschlechtlichen Vorzeichen, aktiviert die 37-Jährige die politische Sprengkraft des Soul auf ein Neues, indem sie dem Rhythmus seine sexuelle Strahlkraft zurückgibt. Statt den kalt-sezierenden Beats von Timbaland, die den aktuellen Standard bedeuten, hat sie sich von ihren Produzenten, darunter die Branchenführer Madlib und 9th Wonder, träge und verschlafene, hintergründig verdorbene Tracks programmieren lassen."


Weitere Artikel: Peter Michalzik resümiert die Verarbeitung von Apokalypse und in letzter Zeit Postapokalypse in Literatur und Film. Elke Buhr schreibt den Nachruf auf Ivan Rebroff alias Hans-Rolf Rippert. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz beziffert in seinem neuen Buch die weltweiten Kosten des Irakkriegs auf sechs Billionen Dollar, erfährt Arno Widmann aus dem Guardian (und zwar hier). In der Times mager berichtet Harry Nutt von einem Berliner Diskussionsabend zu Florian Havemanns Vatererinnerungen "Havemann".

Besprochen werden eine Ausstellung über den englischen Maler John Everett Millais im Van-Gogh-Museum Amsterdam und Alain Claude Sulzers Roman "Privatstunden".

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Aus den Blogs, 29.02.2008

Don Alphonso liest zoomer.de, und zwar ziemlich intensiv: "Gestern Abend schaltete das Nachrichtenportal Zoomer aus der Verlagsgruppe Holtzbrinck einen sagenhaft unkritischen Beitrag über das ebenfalls aus dem Hause Holtzbrinck stammende Portal StudiVZ/MeinVZ, das gestern ganz andere Schlagzeilen machte. Unter der fast schon werbenden Überschrift 'MeinVZ - gruscheln für alle' muss Redakteur Christian Pommerening irgendwie auch vergessen haben, auf die beziehungen von Zoomer und StudiVZ hinzuweisen - jedenfalls fand sich dazu nichts in seinem Beitrag." Und zoomer.de (oder wer?) liest Don Alphonso.


Steffen Büffel denkt über das Stichwort "Crossmedia" nach und fordert angesichts der vermaledeiten, durch das Internet bewirkten Rückkanalfähigkeit der Öffentlichkeit einen neuen Typus des Journalisten: "Unterstellt man, dass künftig das Einbahnstraßenleben im Journalismus (falls es das je gegeben hat) endgültig vorbei ist und für die jetzt heranwachsenden Mediennutzer das Mitmachen wie selbstverständlich dazugehört, dann braucht Journalismus, dann brauchen Journalisten ein dickes Fell für nervende Trolls, aber auch ein offenes Ohr für diejenigen, die es wirklich besser wissen."

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Die Welt, 29.02.2008

Florian Starck berichtet, dass nach dem British Council nun auch das Europa-Institut in Petersburg geschlossen wurde - angeblich wegen unzureichenden Brandschutzes: "Die Sozialwissenschaftler des Landes sind gewarnt: Das kritische Studium der Macht und ihren Mysterien ist unerwünscht und gefährlich."


Weiteres: Hermann Parzinger, neuer Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, spricht im Interview mit Berthold Seewald über die Pläne für das Humboldt-Forum. Uta Baier meldet, dass der "meistkritisierte und meistbewunderte Museumsmann der Welt", der frühere Guggenheim-Direktor Thomas Krens, nun auch seinen Vorsitz der Guggenheim-Stiftung aufgibt. Eckhard Fuhr war bei Martin Walsers Lesung seines Romans "Ein liebender Mann" in Weimar. Eva Behrendt stellt den von Hannover nach Berlin wechselnden Schauspieler Christoph Franken vor, bedauert allerdings, dass er nach strenger Diät 20 seiner früheren 125 Kilo pure Körperlichkeit verloren hat. Gabriele Walde meldet einen neuen Fall möglicher Raubkunst: Lyonel Feiningers "Kirche in Niedergrunstedt" aus der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Peter Dittmann stellt klar, dass die Absage einer Peking-Oper-Tournee ausnahmsweise nicht Chinas Bürokraten anzukreiden ist, sondern dem offenbar recht ignoranten deutschen Veranstalter BB Promotions. Kai Luehrs-Kaiser schreibt den Nachruf auf Ivan Rebroff.

Besprochen werden der neue Philharmoniker-Film "Trip to Asia"und der mittlerweile fünfte Teil der "Wilden Kerle".

Und wer sich die Sache mit den Schaltjahren noch nie genau erklären konnte, wird dank Ulli Kulke schlauer: Caesar verdanken wir zwar, die Schaltjahre aus Ägypten mitgebracht zu haben, aber es waren zu viele. "Es dauerte noch bis zum Pontifikat Gregor XIII., bis eine Lösung gefunden wurde: Ein Schaltjahr pro 128 Jahre musste entfallen, ziemlich genau acht pro Jahrtausend. So gibt es ab sofort keine mehr in den vollen Hunderterjahren - es sei denn, die Zahl ließe sich durch 400 teilen. Das System gilt bis heute - und ist dennoch nicht das genaueste, das 'gregorianische' Jahr ist immer noch 27 Sekunden zu lang. Der orthodoxe Kirchenkalender ist exakter, bis auf drei Sekunden genau."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.02.2008

In diesen Tagen eröffnet Russland in Paris und New York Institute für Demokratie und Zusammenarbeit. Direktorin Natalja Alexejewna Narotschnizkaja erklärt im Interview, was sie unter Freiheit versteht: "Im Westen wird die menschliche Freiheit vor allem als Abwesenheit von Einschränkungen verstanden. In Russland fragt man eher, wozu Freiheit da ist. Meine Position ist moderat konservativ. Freiheit soll der christlichen Tugend dienen. Gesetze sind für sich genommen keine Quelle des Guten."


Weitere Artikel: In seiner sehr langen Dankesrede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg zeichnet der Schriftsteller Louis Begley die Affäre Dreyfus nach und vergleicht das unfaire Verfahren mit dem der Amerikaner in Guantanamo. Der Kunsthändler Anthony d'Offay hat dem britischen Staat den Großteil seiner Sammlung überlassen zum Schätzwert von etwa 125 Millionen Pfund überlassen, berichtet Gina Thomas. Noch ein Kommentar zu Jonathan Littles Roman "Die Wohlgesinnten", diesmal von Wilfried Wiegand. Es ist wohl vorbei mit den Vermarktungskreuzzügen der Guggenheim, kommentiert nma. den Rücktritt des Direktors der Guggenheim Foundation, Thomas Krens. Für den Rechtsphilosophen Norbert Hoerster ist die von Horst Dreier vertretene Liberalisierung des Embryonenschutzgesetzes nicht mit den einschlägigen Bundesverfassungsgerichtsurteilen vereinbar. Edo Reents berichtet entzückt von der Lesung Martin Walsers - "schon ganz Goethe" - in Weimar. Völlig übertrieben findet Jürgen Dollase den Wunsch der Franzosen, ihre Küche als Weltkulturerbe dem Schutz der Unesco zu unterstellen. Jau. berichtet von einem Bild des Historienmalers Julius Hübner, das auf einem Berliner Flohmarkt entdeckt wurde. Lorenz Jäger schreibt zum Tod des Journalisten William F. Buckley, Peter Kemper zum Tod des Schlagzeugers Buddy Miles, amue zum Tod des Sängers Ivan Rebroff.

Auf der Medienseite meldet Michael Hanfeld, dass die Steuerfahndung von der VG Wort verlangt hat, "die Daten aller Mitglieder herauszugeben, die in den Jahren 2003 bis 2006 mehr als 2.500 Euro für die Zweitverwertung ihrer Urheberrechte bekommen haben". Die VG Wort wehre sich mit einer Klage. Kho. meldet die Verhaftung der russischen Journalistin Natalja Morar, die über geheime Kremlkassen berichtet hatte.

Besprochen werden die Samurai-Ausstellung in Speyer, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaolas neue Choreographie "ars melancholiae" im Berliner Radialsystem und Bücher, darunter ein Band über das "Projekt Vitra" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 29.02.2008

Martin Walser schreibt in seinem neuen Roman ein "Ein liebender Mann" über die letzte Liebeseskapade Goethes, Joachim Kaiser über das beste Goethe-Buch, das er sich vorstellen kann. Und zitiert ein bisschen zum Beleg: "Natürlich denkt Goethe auch über sein Alter nach. 'Er hat sich gehalten. Sieht gut aus. Steht in hundert Zeitungen, dass er gut aussieht. Allerdings, wie die sich begeistert wundern über sein gutes Aussehen, das ist auch krass beleidigend. Noch lauter als die Hymne auf sein Immer-noch-Aussehen wird da immer: Dafür, dass du so ein alter Schleicher bist, siehst du noch ganz gut aus. In deinem Alter gibt es, wenn es ums Aussehen geht, nur noch die Beleidigung.' So Goethe/Walser."


Das neue riesige drachenförmige, von Norman Foster entworfene Terminal 3 des Pekinger Flughafens, der jetzt eröffnet wurde, hat vom ersten Bleistiftstrich bis zur Fertigstellung nicht mal solange benötigt wie allein die Planungsphase für die Erweiterung von Heathrow, kolportiert Henrik Bork. Zur Eröffnung wurde Foster "Medienberichten zufolge" allerdings nicht eingeladen: "möglicherweise weil ein Brite diesen Moment intensiven chinesischen Nationalstolzes doch eher gestört hätte".

Weiteres: Hermann Parzinger, der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erklärt im Gespräch mit Jens Bisky und Ijoma Mangold die engere Kooperation zwischen den einzelnen Einrichtungen zu einer seiner vornehmsten Aufgaben. Thomas Krens, Direktor und wegen seiner radikal erfolgreichen Marketingrezepte zugleich Retter der Guggenheim Stiftung, hat seinen Rücktritt eingereicht, wie Jörg Häntzsschel informiert. Adrienne Braun meldet, dass die Akademie für Darstellende Künste in Ludwigsburg, an der Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen ausgebildet werden sollen, ab dem Wintersemester ihrer Arbeit aufnimmt. Petra Steinberger schreibt den Nachruf auf William F. Buckley, den konservativen Denker und Gründer der National Review.

Besprochen werden Todd Haynes' Kinowunder" und Bob-Dylan-Annäherung "I'm Not There", neue Indie-Alben von "Get Well Soon", "Milkwood", "Home of the Lame", "Delbo", "Slut" oder "Superpunk", und Bücher wie Haruki Murakamis "frische" Gedanken über "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" (mehr in unserer Bücherschau des Tages).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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