Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Artikel von
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Mao, Mao, warum hast du uns verlassen?
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
15.02.2008. Die FAZ erinnert an die antisemitischen Säuberungen in Polen 1968. Außerdem sieht Hans Christoph Buch schwarz für Afrika. Claus Peymanns Strategie des Wandels durch Anbiederung an das Teheraner Regime ist nicht aufgegeangen, meint der Tagesspiegel. Die taz beklagt regressive Tendenzen in der neueren Soulmusik. Jungle World erinnert an die Mao-Idolatrie der 68er.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 15.02.2008
"Ihr Haar ist goldgelockt und sie sieht aus zehn Metern Entfernung aus wie 23. Na gut, wie 27", schwärmt Holger Kreitling von Madonna und ihrem Auftritt auf der Berlinale. Thomas Kielinger berichtet halb entsetzt, halb belustigt über die Prüderie der Engländer, die die Londoner U-Bahn nun davon abhält, ein Ausstellungsplakat mit einer nackten Venus von Lucas Cranach zu zeigen. Gerhard Charles Rump kann sich das Massensterben der Kunstmessen nur mit Panik erklären. Dankwart Guratzsch meldet, dass die Dresdner Brückengegner genug Unterschriften für ein neues Bürgerbegehren zusammen haben. Eckhard Fuhr berichtet von neuen Plänen für das Berliner Deutschlandhaus.
Auf der Berlinale-Seite konstatiert Peter Zander, dass er letztes Jahr in "Blood Diamond" mehr über Kindersoldaten erfahren hat als in Luigi Falornis umstrittenem "Feuerherz" ("Er erzählt eine ganz große Geschichte ganz klein."). Cosima Lutz zeichnet ein Porträt der arabisch-israelischen Schauspielerin Hiam Abbass, das "bewegendste Gesicht" dieser Berlinale. Gerhard Midding unterhält sich mit Luis Bunuels' Drehbuchautor Jean-Claude Carriere.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 15.02.2008
Bei den Grammy-Verleihung ließ Amy Winehouse "mit ihrem altbackenen Motown-Sound" die Souldiven Mary J. Blige, Beyonce und Rihanna hinter sich, staunt Uh-Young Kim und erklärt sich dies mit einem "regressiven Verständnis" von Soul: "Wo sonst als auf dem alten Kontinent hat sich der Glaube an das Echte, die Fixierung auf Ursprung und Essenz in der Soulmusik hartnäckig gehalten. Als Säulenheilige wachen übliche Originale wie Marvin Gaye, Stevie Wonder oder Aretha Franklin über das verlorene Paradies. Mitte der Sechzigerjahre gingen tanzwütige Jugendliche aus der Arbeiterklasse im Norden Englands zu amerikanischer Soulmusik ab und legten damit einen der Grundsteine für folgende DJ-Kulturen. Schwarze Musik wurde zum Soundtrack für weiße Rebellion. Und als ob es nie Disco, House und Eminem gegeben hätte, knüpft Winehouse wieder bei Elvis, Chet Baker und den Folgen in Europa an... Aus afroamerikanischer Sicht dagegen schwingt im Motown-Sound die Anpassung an eine weiße Klientel mit - und somit auch ein Stück Selbstaufgabe."
Eine Meldung bringt Belustigendes aus London: Dort beschlossen die Verkehrsbetriebe, das Werbeplakat für eine Lucas-Cranach-Ausstellung wegen des vor knapp 500 Jahren entstandenen expliziten Venus-Motivs aus ihren Bahnhöfen zu verbannen.
Auf den Berlinale-Seiten unterhält sich Ines Kappert mit der französischen Schauspielerin und dem Fast-Jury-Mitglied Sandrine Bonnaire über ihre erste Regiearbeit "Elle sappelle Sabine", in der sie ihre autistische Schwester proträtiert. Diedrich Diederichsen verteilt eigene Bären, unter anderem an das in allen ostasiatischen Beiträgen immergleiche Wetter. Besprochen werden Porträts von Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Gilbert & George, Michel Auder, Heinz Emigholz' Architekturfilm "Loos ornamental", die japanischen Beiträge "Megane" und "Higurashi", Luigi Falornis "Feuerherz" und Albertina Carris "La Rabia".
Für die vorderen Seiten hat Sascha Zastiral eine Reportage über die heftigen Proteste pakistanischer Anwälte und Juristen gegen Musharraf geschickt.
Und Tom.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2008
Das Goethe-Institut in New York hat eine neue Dependance, berichtet Andrea Köhler. Neben dem Haupthaus in der sehr vornehmen Upper East Side hat der neue Programmdirektor Stephan Wackwitz gerade mit der Ausstellung "published and be damned" das Ludlow 38 an der rührigen und jungen Bowery in Downtown Manhattan eröffnet. "Dabei wird 'Ludlow 38' nicht allein von deutschen Steuergeldern, sondern nach amerikanischem Modell mit der Unterstützung von BMW bewirtschaftet. Jährlich wechselnde Kuratoren sorgen für ein Konzept, das sich nicht an die übliche Goethe-Einladungsliste halten muss, die seit Jahrzehnten Pina Bausch und Peter Schneider als Repräsentanten der deutschen Kultur durch die Welt schickt. Heutzutage, meint Wackwitz, haben solche nationalen Beschränkungen keinen Sinn mehr, weshalb er eher die internationale Zusammenarbeit stark machen will."
Weitere Artikel: Nicolas Sarkozy hat bisher noch keine Anstalten gemacht, Ayaan Hirsi Ali zu einer französischen Staatsbürgerschaft zu verhelfen, meldet Marc Zitzmann. Angesichts der 50.000 Euro Schmerzensgeld, die Maxim Biller an seine Exfreundin zahlen muss, ruft Joachim Güntner potentiellen Skandalautoren zu: "Werdet gewitzter dort, wo ihr schamlos sein möchtet!". Ein gemischtes Resümee des Festivals der Musica Viva München zieht Marco Frei.
Besprochen werden die Ausstellung "Fotos schreiben Kunstgeschichte" im Düsseldorfer museum kunst palast, Irmgard Langes Inszenierung der "Medea" am Luzerner Theater, ein Mozart-Klavierkonzert mit Fazil Say in Zürich, Todd Haynes' Bob-Dylan-Film "I'm Not There" (ein "polyfones Furioso", lobt Ueli Bernays) und Bücher, darunter ein Band des Musikkritikers Nick Tosche, "Muddy Waters isst selten Fisch", und Bernd Greiners Buch über den Vietnamkrieg "Krieg ohne Fronten" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Auf der Medienseite schildert der SWR-Redakteur Uwe Bork die Tücken einer Gottesdienstübertragung live aus Südafrika: "Im Nähkästchen offener Redaktionsgeheimnisse finden sich da beispielsweise Chöre, deren Auftrittsstärke auf wunderbare Weise zwischen drei- und vierhundert Sängern schwankt. Da gibt es Predigten, die von der in Violett oder gar Rot angetretenen Kirchenprominenz noch kurz vor der Sendung ohne Rücksprache geändert werden, oder wir müssen uns an der optischen Umsetzung ganzer Sequenzen ungeprobter katholischer Liturgie versuchen, von denen niemand weiss, wie lange sie eigentlich dauern. Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, wer wird da um Minuten feilschen?"
Weiteres: Thomas Schuler informiert die Schweizer Leser über die neuesten Entwicklungen beim Spiegel. R.M. stellt Eric Bergkrauts Dokumentarfilm über die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja vor (zu sehen am 20. Februar auf 3sat).
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 15.02.2008
Peter Michalzik und Christian Thomas zitieren aus den zwei offenen Briefen, die die unzufriedene Redaktion der Berliner Zeitung gestern an Chefredakteur Depenbrock und Eigentümer Montgomery geschickt hat. Depenbrock wird zum Rücktritt aufgefordert, Montgomery um den Stopp des Sparprogramms gebeten. "Als Alternative schlägt die Redaktion Montgomerys Firma Mecom vor, einen neuen Eigner zu suchen. 'Sollte Mecom außerstande sein, eine solche Strategie vorzulegen, fordern wir im Interesse der Zeitung und ihrer Leser, nach einem neuen, geeigneten Eigentümer für die Berliner Zeitung zu suchen.'"
Weitere Artikel: Peter Michalzik denkt zudem über die durchs Handy beförderte "Re-Oralisierung" des Alltags nach und über die nur scheinbare Natürlichkeit der Sprache im zeitgenössischen Theater. Judith von Sternburg kommentiert in der Times mager die nackte Venus von Lucas Cranach, die nicht in Londons U-Bahn gezeigt werden darf. Tobais Wenzel gratuliert der englischen Literaturzeitschrift Granta zur hundertsten Ausgabe.
Besprochen werden die erstmals auf Deutsch erschiene "Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt" sowie eine Auswahl von achtzig Zeichnungen aus dem Bestand im Städel Museum Frankfurt.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Der Tagesspiegel, 15.02.2008
"Moral kann ganz einfach sein. Wer im Karikaturenstreit die Mullahs gegen die Meinungsfreiheit verteidigt, steht auf der falschen Seite. Wer sie mit Theater entzückt, statt ihre Repressalien zu geißeln, sendet die falschen Signale", schreibt Malte Lehming in einem Debattenbeitrag zur manchmal unerquicklichen Verbindung von Kunst und Politik: "Claus Peymann, der Regisseur und Intendant des Berliner Ensembles, hat jetzt in Teheran ein Stück von Brecht aufgeführt. Die Reise war umstritten. Nicht nur Exiliraner legten sie als Solidaritätsgeste aus. Etwas wütend, aber willig beugte sich Peymann den Eingriffen der iranischen Zensur. Er selbst bezeichnete die Zustände als 'neues Mittelalter' - und ließ trotzdem spielen. Das Stück wurde gefeiert, der Auftritt war erbärmlich. Wandel trotz Anbiederung: Diese Rechnung geht nicht auf."
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Weitere Medien, 15.02.2008
Felix Wemheuer, Autor eines kommenden Buchs über den Maoismus in Deutschland, erinnert in Jungle World an die Mao-Idolatrie in der deutschen Studentenbewegung: "Dass Mao schon 1967 die Volksbefreiungsarmee einsetzte, um die Ordnung wiederherzustellen, und durch die Landverschickung von 15 Millionen Jugendlichen die Roten Garden und Rebellengruppen faktisch zerschlagen wurden, ignorierten die bewegten Linken im Westen. Erst als Mao 1972 Nixon in Peking empfing, jammerten etwa die Ton, Steine, Scherben auf der Beilage zur Platte 'Keine Macht für niemand': 'Mao, Mao, warum hast du uns verlassen?'"
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2008
Karol Sauerland erinnert sich an 1968 in Polen, als das Regime Studentenproteste mit Stimmungsmache gegen die Juden beantwortete: "Fast alle polnischen Juden, die die Schoa überlebt und nicht gleich nach dem Krieg aus Polen ausgewandert waren, verließen um diese Zeit ... das Land. Der Danziger Bahnhof in Warschau war der Ort, von dem aus sie sich nach Wien begaben, um von dort aus nach Israel, in die Vereinigten Staaten oder auch in die Bundesrepublik weiterzureisen. Man nannte diesen Bahnhof damals den 'Umschlagplatz'. Gott sei Dank führte er nicht in den Tod, aber so gut wie niemand hatte sich freiwillig zur Ausreise entschlossen."
Angsichts all der Stammes- und Bürgerkriege in Afrika, die sich kaum mehr auf den Kolonialismus der reichen Nationen zurückführen lassen, macht sich Hans Christoph Buch Sorgen, dass weitere Länder in Gewalt versinken. Nach Kenia und Tschad auch Südafrika? "Die Kriminalität hat bürgerkriegsähnliche Ausmaße erreicht, der Exodus weißer Farmer ist voll im Gang, und Nelson Mandelas Symbolkraft als einsame Lichtgestalt reicht nicht aus, um die zerstörerischen Mächte im Zaum zu halten."
Der Philosoph und Bibliothekar Ulrich Johannes Schneider sieht im Interview mit Hubert Spiegel Chancen für die kommerziellen Lexikonverleger im Netz - schon wegen des politischen Streits in der Wikipedia, etwa zu Israel und Nahost: "Die Artikel mussten gesperrt werden, und wahrscheinlich werden sie nie wieder geöffnet. Auch das ist ein Grund, weshalb ich glaube, dass sich mit Wissen selbst im Internet, wo fast alles umsonst zu haben ist, in Zukunft Geld verdienen lässt."
Weitere Artikel: Patrick Bahners wundert sich im Aufmacher, dass die SPD an ihrem Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht, Horst Dreier, trotz dessen Verteidigung der Folter, festhält. Rüdiger Soldt schildert neueste Episoden im baden-württembergischen Streit um das gerade verkaufte mittelalterliche "Hausbuch" der Fürsten Waldburg. Julia Voss kommentiert die Entscheidung der Londoner U-Bahn, ein Plakat, das für eine Cranach-Ausstellung warb, wegen Nacktheit der Venus abzulehnen. Andreas Kilb lauschte einem Gespräch der Historiker Heinrich August Winkler und Christopher Clark über das Ende Preußens. Andreas Platthaus gratuliert Art Spiegelman zum Sechzigsten. Edo Reents schreibt ein kleines Porträt über Yvonne Catterfeld, die Romy Schneider spielen soll.
Auf der Berlinale-Seite geht's unter anderem um eine Dokumentation über Ariel Sharon und die Verfilmung von "Feuerherz". Auf der Medienseite schildert Michael Hanfeld den eskalierenden streit zwischen Redaktion und Leitung der Berliner Zeitung. Und Michael Hanfeld berichtet auch über die Proteste der freien Journalisten beim NDR.
Besprochen werden ein Abend mit Jane Birkin in Frankfurt, John Dews "Parsifal"-Inszenierung in Darmstadt und ein "Tristan" in Bühnenbildern von David Hockney in Los Angeles.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2008
Martin Walser hat in einem Vortrag an der Humboldt-Uni die Medien kritisiert. Für Lothar Müller hat er dabei etwas kurz gegriffen: "So findet Walser, wenn er in die Seele von Walser-Kritikern blickt, nur die Formate, Interessen und Konkurrenz der Medien. Wenn ein Kritiker der Zeitung A Walser kritisiert, dann nur, um der Zeitung B eins auszuwischen. Umgekehrt fiele Walser - übrigens zu Recht - aus allen Wolken, hielte ihm jemand vor, er habe bei seinem Berliner Vortrag den amerikanischen Schriftsteller Denis Johnson nur deshalb gelobt, weil Johnsons Bücher - wie die Walsers - bei Rowohlt erscheinen."
Loriot erhält den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München (Preisträger), und Joachim Kaiser zitiert in seiner Laudatio aus dessem ersten, weitsichtigen Schulzeugnis. "Bernhard-Viktor weist bei sehr gutem Betragen gute Leistungen auf. Er ist fleißig, handgeschickt und kann im Unterricht denkend mitarbeiten, nur zuweilen macht sich eine gewisse Versonnenheit bemerkbar, die wohl, wie überhaupt seine etwas weniger elastische Art, in körperlicher Konstitution begründet sein mag. Sein Ausdruck ist entsprechend, doch gewandt."
Weitere Artikel: Horst Dreiers Haltung zur Folter macht ihn für das Bundesverfassungsgericht ungeeignet, meint Andreas Zielcke im Aufmacher. In acht Jahren will das Büro von Norman Foster in Abu Dhabi die Öko-Stadt Masdar in die Wüste gestellt haben, die keinen Müll und kein Kohlendioxid produziert, imformiert Petra Steinberger. Der Kulturausschuss des Bundestags ist zwar grundsätzlich zufrieden mit der derzeitigen Auswärtigen Kulturpolitk, notiert Ijoma Mangold, würde aber noch gerne einige Folgen des Sparzwangs der Fischer-Ära zurückdrehen.
Im Berlinale-Bereich wird in zwei Mehrfach-Besprechungen Masse gemacht und Filme von "Boy A" bis "Ben X" vorgestellt, natürlich auch die Wettbewerbsbeiträge von Claudel, Guedigian, Grimaldi und Falorni. Außerdem zählt Henning Klüver die Solidaritätsadressen italienischer Künstler an Nanni Moretti auf, der für eine Sexszene in "Caos Calmo" von den heimischen Bischöfen angegriffen wird.
Die Redaktion der Berliner Zeitung hat in zwei offenen Briefen den Rücktritt von Chefredakteur Depenbrock gefordert und die andauernden Einsparungen sowie das Fehlen einer publizistischen Linie kritisiert, berichtet Christopher Keil online. Im Medienteil der Printausgabe trauert Katajun Amirpur um die feministische iranische Zeitschrift Zanan, die gerade verboten wurde.
Besprochen werden eine Schau von Angela Bullochs Lichtinstallationen im Münchner Lenbachhaus, die Aufführung von David Mamets Hollywood-Satire "Speed-the-Plow" mit Kevin Spacey und Jeff Goldblum am Londoner Old Vic Theatre und Bücher wie Vladimir Sorokins Roman "Der Tag des Opritschniks" (mehr in unserer Bücherschau des Tages).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
2010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen
Tack, und der Ton ist weg
27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen
Nicht an das Große rühren
26.02.2010. Von jenseits des Grabes erklingt nochmal die Stimme Johnny Cashs und lässt den einen oder anderen Feuilletonisten erschauern. Die NZZ präsentiert eine gute Idee für einen großen Teil der neuesten Kunst: Michael Landys' Kunstabfallcontainer. Die Welt bringt ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Leithold, der einst das Pornokino reformieren wollte. Die FAZ feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die SZ den Architekten Ole Scheeren, der den Westen schon hinter sich hat. Mehr lesen
Ein Stück Rindfleisch unter der Heizung
25.02.2010. War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall. Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio. Mehr lesen






