Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Mao, Mao, warum hast du uns verlassen?

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

15.02.2008. Die FAZ erinnert an die antisemitischen Säuberungen in Polen 1968. Außerdem sieht Hans Christoph Buch schwarz für Afrika. Claus Peymanns Strategie des Wandels durch Anbiederung an das Teheraner Regime ist nicht aufgegeangen, meint der Tagesspiegel. Die taz beklagt regressive Tendenzen in der neueren Soulmusik. Jungle World erinnert an die Mao-Idolatrie der 68er. 

Die Welt, 15.02.2008

"Ihr Haar ist goldgelockt und sie sieht aus zehn Metern Entfernung aus wie 23. Na gut, wie 27", schwärmt Holger Kreitling von Madonna und ihrem Auftritt auf der Berlinale. Thomas Kielinger berichtet halb entsetzt, halb belustigt über die Prüderie der Engländer, die die Londoner U-Bahn nun davon abhält, ein Ausstellungsplakat mit einer nackten Venus von Lucas Cranach zu zeigen. Gerhard Charles Rump kann sich das Massensterben der Kunstmessen nur mit Panik erklären. Dankwart Guratzsch meldet, dass die Dresdner Brückengegner genug Unterschriften für ein neues Bürgerbegehren zusammen haben. Eckhard Fuhr berichtet von neuen Plänen für das Berliner Deutschlandhaus.


Auf der Berlinale-Seite konstatiert Peter Zander, dass er letztes Jahr in "Blood Diamond" mehr über Kindersoldaten erfahren hat als in Luigi Falornis umstrittenem "Feuerherz" ("Er erzählt eine ganz große Geschichte ganz klein."). Cosima Lutz zeichnet ein Porträt der arabisch-israelischen Schauspielerin Hiam Abbass, das "bewegendste Gesicht" dieser Berlinale. Gerhard Midding unterhält sich mit Luis Bunuels' Drehbuchautor Jean-Claude Carriere.

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Die Tageszeitung, 15.02.2008

Bei den Grammy-Verleihung ließ Amy Winehouse "mit ihrem altbackenen Motown-Sound" die Souldiven Mary J. Blige, Beyonce und Rihanna hinter sich, staunt Uh-Young Kim und erklärt sich dies mit einem "regressiven Verständnis" von Soul: "Wo sonst als auf dem alten Kontinent hat sich der Glaube an das Echte, die Fixierung auf Ursprung und Essenz in der Soulmusik hartnäckig gehalten. Als Säulenheilige wachen übliche Originale wie Marvin Gaye, Stevie Wonder oder Aretha Franklin über das verlorene Paradies. Mitte der Sechzigerjahre gingen tanzwütige Jugendliche aus der Arbeiterklasse im Norden Englands zu amerikanischer Soulmusik ab und legten damit einen der Grundsteine für folgende DJ-Kulturen. Schwarze Musik wurde zum Soundtrack für weiße Rebellion. Und als ob es nie Disco, House und Eminem gegeben hätte, knüpft Winehouse wieder bei Elvis, Chet Baker und den Folgen in Europa an... Aus afroamerikanischer Sicht dagegen schwingt im Motown-Sound die Anpassung an eine weiße Klientel mit - und somit auch ein Stück Selbstaufgabe."


Eine Meldung bringt Belustigendes aus London: Dort beschlossen die Verkehrsbetriebe, das Werbeplakat für eine Lucas-Cranach-Ausstellung wegen des vor knapp 500 Jahren entstandenen expliziten Venus-Motivs aus ihren Bahnhöfen zu verbannen.

Auf den Berlinale-Seiten unterhält sich Ines Kappert mit der französischen Schauspielerin und dem Fast-Jury-Mitglied Sandrine Bonnaire über ihre erste Regiearbeit "Elle sappelle Sabine", in der sie ihre autistische Schwester proträtiert. Diedrich Diederichsen verteilt eigene Bären, unter anderem an das in allen ostasiatischen Beiträgen immergleiche Wetter. Besprochen werden Porträts von Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Gilbert & George, Michel Auder, Heinz Emigholz' Architekturfilm "Loos ornamental", die japanischen Beiträge "Megane" und "Higurashi", Luigi Falornis "Feuerherz" und Albertina Carris "La Rabia".

Für die vorderen Seiten hat Sascha Zastiral eine Reportage über die heftigen Proteste pakistanischer Anwälte und Juristen gegen Musharraf geschickt.

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2008

Das Goethe-Institut in New York hat eine neue Dependance, berichtet Andrea Köhler. Neben dem Haupthaus in der sehr vornehmen Upper East Side hat der neue Programmdirektor Stephan Wackwitz gerade mit der Ausstellung "published and be damned" das Ludlow 38 an der rührigen und jungen Bowery in Downtown Manhattan eröffnet. "Dabei wird 'Ludlow 38' nicht allein von deutschen Steuergeldern, sondern nach amerikanischem Modell mit der Unterstützung von BMW bewirtschaftet. Jährlich wechselnde Kuratoren sorgen für ein Konzept, das sich nicht an die übliche Goethe-Einladungsliste halten muss, die seit Jahrzehnten Pina Bausch und Peter Schneider als Repräsentanten der deutschen Kultur durch die Welt schickt. Heutzutage, meint Wackwitz, haben solche nationalen Beschränkungen keinen Sinn mehr, weshalb er eher die internationale Zusammenarbeit stark machen will."


Weitere Artikel: Nicolas Sarkozy hat bisher noch keine Anstalten gemacht, Ayaan Hirsi Ali zu einer französischen Staatsbürgerschaft zu verhelfen, meldet Marc Zitzmann. Angesichts der 50.000 Euro Schmerzensgeld, die Maxim Biller an seine Exfreundin zahlen muss, ruft Joachim Güntner potentiellen Skandalautoren zu: "Werdet gewitzter dort, wo ihr schamlos sein möchtet!". Ein gemischtes Resümee des Festivals der Musica Viva München zieht Marco Frei.

Besprochen werden die Ausstellung "Fotos schreiben Kunstgeschichte" im Düsseldorfer museum kunst palast, Irmgard Langes Inszenierung der "Medea" am Luzerner Theater, ein Mozart-Klavierkonzert mit Fazil Say in Zürich, Todd Haynes' Bob-Dylan-Film "I'm Not There" (ein "polyfones Furioso", lobt Ueli Bernays) und Bücher, darunter ein Band des Musikkritikers Nick Tosche, "Muddy Waters isst selten Fisch", und Bernd Greiners Buch über den Vietnamkrieg "Krieg ohne Fronten" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Medienseite schildert der SWR-Redakteur Uwe Bork die Tücken einer Gottesdienstübertragung live aus Südafrika: "Im Nähkästchen offener Redaktionsgeheimnisse finden sich da beispielsweise Chöre, deren Auftrittsstärke auf wunderbare Weise zwischen drei- und vierhundert Sängern schwankt. Da gibt es Predigten, die von der in Violett oder gar Rot angetretenen Kirchenprominenz noch kurz vor der Sendung ohne Rücksprache geändert werden, oder wir müssen uns an der optischen Umsetzung ganzer Sequenzen ungeprobter katholischer Liturgie versuchen, von denen niemand weiss, wie lange sie eigentlich dauern. Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, wer wird da um Minuten feilschen?"

Weiteres: Thomas Schuler informiert die Schweizer Leser über die neuesten Entwicklungen beim Spiegel. R.M. stellt Eric Bergkrauts Dokumentarfilm über die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja vor (zu sehen am 20. Februar auf 3sat).

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Frankfurter Rundschau, 15.02.2008

Peter Michalzik und Christian Thomas zitieren aus den zwei offenen Briefen, die die unzufriedene Redaktion der Berliner Zeitung gestern an Chefredakteur Depenbrock und Eigentümer Montgomery geschickt hat. Depenbrock wird zum Rücktritt aufgefordert, Montgomery um den Stopp des Sparprogramms gebeten. "Als Alternative schlägt die Redaktion Montgomerys Firma Mecom vor, einen neuen Eigner zu suchen. 'Sollte Mecom außerstande sein, eine solche Strategie vorzulegen, fordern wir im Interesse der Zeitung und ihrer Leser, nach einem neuen, geeigneten Eigentümer für die Berliner Zeitung zu suchen.'"


Weitere Artikel: Peter Michalzik denkt zudem über die durchs Handy beförderte "Re-Oralisierung" des Alltags nach und über die nur scheinbare Natürlichkeit der Sprache im zeitgenössischen Theater. Judith von Sternburg kommentiert in der Times mager die nackte Venus von Lucas Cranach, die nicht in Londons U-Bahn gezeigt werden darf. Tobais Wenzel gratuliert der englischen Literaturzeitschrift Granta zur hundertsten Ausgabe.

Besprochen werden die erstmals auf Deutsch erschiene "Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt" sowie eine Auswahl von achtzig Zeichnungen aus dem Bestand im Städel Museum Frankfurt.

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Der Tagesspiegel, 15.02.2008

"Moral kann ganz einfach sein. Wer im Karikaturenstreit die Mullahs gegen die Meinungsfreiheit verteidigt, steht auf der falschen Seite. Wer sie mit Theater entzückt, statt ihre Repressalien zu geißeln, sendet die falschen Signale", schreibt Malte Lehming in einem Debattenbeitrag zur manchmal unerquicklichen Verbindung von Kunst und Politik: "Claus Peymann, der Regisseur und Intendant des Berliner Ensembles, hat jetzt in Teheran ein Stück von Brecht aufgeführt. Die Reise war umstritten. Nicht nur Exiliraner legten sie als Solidaritätsgeste aus. Etwas wütend, aber willig beugte sich Peymann den Eingriffen der iranischen Zensur. Er selbst bezeichnete die Zustände als 'neues Mittelalter' - und ließ trotzdem spielen. Das Stück wurde gefeiert, der Auftritt war erbärmlich. Wandel trotz Anbiederung: Diese Rechnung geht nicht auf."

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Weitere Medien, 15.02.2008

Felix Wemheuer, Autor eines kommenden Buchs über den Maoismus in Deutschland, erinnert in Jungle World an die Mao-Idolatrie in der deutschen Studentenbewegung: "Dass Mao schon 1967 die Volksbefreiungsarmee einsetzte, um die Ordnung wiederherzustellen, und durch die Land­verschickung von 15 Millionen Jugendlichen die Roten Garden und Rebellengruppen faktisch zerschlagen wurden, ignorierten die bewegten Linken im Westen. Erst als Mao 1972 Nixon in Peking empfing, jammerten etwa die Ton, Steine, Scher­ben auf der Beilage zur Platte 'Keine Macht für niemand': 'Mao, Mao, warum hast du uns verlassen?'"

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2008

Karol Sauerland erinnert sich an 1968 in Polen, als das Regime Studentenproteste mit Stimmungsmache gegen die Juden beantwortete: "Fast alle polnischen Juden, die die Schoa überlebt und nicht gleich nach dem Krieg aus Polen ausgewandert waren, verließen um diese Zeit ... das Land. Der Danziger Bahnhof in Warschau war der Ort, von dem aus sie sich nach Wien begaben, um von dort aus nach Israel, in die Vereinigten Staaten oder auch in die Bundesrepublik weiterzureisen. Man nannte diesen Bahnhof damals den 'Umschlagplatz'. Gott sei Dank führte er nicht in den Tod, aber so gut wie niemand hatte sich freiwillig zur Ausreise entschlossen."


Angsichts all der Stammes- und Bürgerkriege in Afrika, die sich kaum mehr auf den Kolonialismus der reichen Nationen zurückführen lassen, macht sich Hans Christoph Buch Sorgen, dass weitere Länder in Gewalt versinken. Nach Kenia und Tschad auch Südafrika? "Die Kriminalität hat bürgerkriegsähnliche Ausmaße erreicht, der Exodus weißer Farmer ist voll im Gang, und Nelson Mandelas Symbolkraft als einsame Lichtgestalt reicht nicht aus, um die zerstörerischen Mächte im Zaum zu halten."

Der Philosoph und Bibliothekar Ulrich Johannes Schneider sieht im Interview mit Hubert Spiegel Chancen für die kommerziellen Lexikonverleger im Netz - schon wegen des politischen Streits in der Wikipedia, etwa zu Israel und Nahost: "Die Artikel mussten gesperrt werden, und wahrscheinlich werden sie nie wieder geöffnet. Auch das ist ein Grund, weshalb ich glaube, dass sich mit Wissen selbst im Internet, wo fast alles umsonst zu haben ist, in Zukunft Geld verdienen lässt."

Bild zum ArtikelWeitere Artikel: Patrick Bahners wundert sich im Aufmacher, dass die SPD an ihrem Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht, Horst Dreier, trotz dessen Verteidigung der Folter, festhält. Rüdiger Soldt schildert neueste Episoden im baden-württembergischen Streit um das gerade verkaufte mittelalterliche "Hausbuch" der Fürsten Waldburg. Julia Voss kommentiert die Entscheidung der Londoner U-Bahn, ein Plakat, das für eine Cranach-Ausstellung warb, wegen Nacktheit der Venus abzulehnen. Andreas Kilb lauschte einem Gespräch der Historiker Heinrich August Winkler und Christopher Clark über das Ende Preußens. Andreas Platthaus gratuliert Art Spiegelman zum Sechzigsten. Edo Reents schreibt ein kleines Porträt über Yvonne Catterfeld, die Romy Schneider spielen soll.

Auf der Berlinale-Seite geht's unter anderem um eine Dokumentation über Ariel Sharon und die Verfilmung von "Feuerherz". Auf der Medienseite schildert Michael Hanfeld den eskalierenden streit zwischen Redaktion und Leitung der Berliner Zeitung. Und Michael Hanfeld berichtet auch über die Proteste der freien Journalisten beim NDR.

Besprochen werden ein Abend mit Jane Birkin in Frankfurt, John Dews "Parsifal"-Inszenierung in Darmstadt und ein "Tristan" in Bühnenbildern von David Hockney in Los Angeles.

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Süddeutsche Zeitung, 15.02.2008

Martin Walser hat in einem Vortrag an der Humboldt-Uni die Medien kritisiert. Für Lothar Müller hat er dabei etwas kurz gegriffen: "So findet Walser, wenn er in die Seele von Walser-Kritikern blickt, nur die Formate, Interessen und Konkurrenz der Medien. Wenn ein Kritiker der Zeitung A Walser kritisiert, dann nur, um der Zeitung B eins auszuwischen. Umgekehrt fiele Walser - übrigens zu Recht - aus allen Wolken, hielte ihm jemand vor, er habe bei seinem Berliner Vortrag den amerikanischen Schriftsteller Denis Johnson nur deshalb gelobt, weil Johnsons Bücher - wie die Walsers - bei Rowohlt erscheinen."


Loriot
erhält den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München (Preisträger), und Joachim Kaiser zitiert in seiner Laudatio aus dessem ersten, weitsichtigen Schulzeugnis. "Bernhard-Viktor weist bei sehr gutem Betragen gute Leistungen auf. Er ist fleißig, handgeschickt und kann im Unterricht denkend mitarbeiten, nur zuweilen macht sich eine gewisse Versonnenheit bemerkbar, die wohl, wie überhaupt seine etwas weniger elastische Art, in körperlicher Konstitution begründet sein mag. Sein Ausdruck ist entsprechend, doch gewandt."

Weitere Artikel: Horst Dreiers Haltung zur Folter macht ihn für das Bundesverfassungsgericht ungeeignet, meint Andreas Zielcke im Aufmacher. In acht Jahren will das Büro von Norman Foster in Abu Dhabi die Öko-Stadt Masdar in die Wüste gestellt haben, die keinen Müll und kein Kohlendioxid produziert, imformiert Petra Steinberger. Der Kulturausschuss des Bundestags ist zwar grundsätzlich zufrieden mit der derzeitigen Auswärtigen Kulturpolitk, notiert Ijoma Mangold, würde aber noch gerne einige Folgen des Sparzwangs der Fischer-Ära zurückdrehen.

Im Berlinale-Bereich wird in zwei Mehrfach-Besprechungen Masse gemacht und Filme von "Boy A" bis "Ben X" vorgestellt, natürlich auch die Wettbewerbsbeiträge von Claudel, Guedigian, Grimaldi und Falorni. Außerdem zählt Henning Klüver die Solidaritätsadressen italienischer Künstler an Nanni Moretti auf, der für eine Sexszene in "Caos Calmo" von den heimischen Bischöfen angegriffen wird.

Die Redaktion der Berliner Zeitung hat in zwei offenen Briefen den Rücktritt von Chefredakteur Depenbrock gefordert und die andauernden Einsparungen sowie das Fehlen einer publizistischen Linie kritisiert, berichtet Christopher Keil online. Im Medienteil der Printausgabe trauert Katajun Amirpur um die feministische iranische Zeitschrift Zanan, die gerade verboten wurde.

Besprochen werden eine Schau von Angela Bullochs Lichtinstallationen im Münchner Lenbachhaus, die Aufführung von David Mamets Hollywood-Satire "Speed-the-Plow" mit Kevin Spacey und Jeff Goldblum am Londoner Old Vic Theatre und Bücher wie Vladimir Sorokins Roman "Der Tag des Opritschniks" (mehr in unserer Bücherschau des Tages).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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